Ich finde es recht clever: Er attackiert seine Kritiker mit ihren eigenen Waffen.
Ich finds dumm-dreist, dreist weil er genau weiß, dass die anderen ihre Einkünfte auch nicht veröffentlichen wollen und dumm, weil er sich nicht nur selbst diskrediert, sondern auch noch die anderen Abgeordneten.
Nungut, der Staat will auch alle meine Einkünfte wissen, warum sollte man das dann ablehnen? Wer hat denn was zu verbergen?
 
Ich finds dumm-dreist, dreist weil er genau weiß, dass die anderen ihre Einkünfte auch nicht veröffentlichen wollen und dumm, weil er sich nicht nur selbst diskrediert, sondern auch noch die anderen Abgeordneten.

Im Endeffekt diskreditieren sich nur die selber, die ihre eigenen Nebeneinkünfte nicht offenlegen wollen. Die Frage ist ja, wer warum nicht offenlegen will...

Interessant ist auch, dass er aus einer Sache, die ihm potentiell als Nachteil im Wahlkampf gereicht hätte, im Gegenzug zu einem Wahlkampfthema machen kann. Wenn er wirklich reinen Tisch macht, kommen seine Gegner in Zugzwang.
 
Interessant ist auch, dass er aus einer Sache, die ihm potentiell als Nachteil im Wahlkampf gereicht hätte, im Gegenzug zu einem Wahlkampfthema machen kann. Wenn er wirklich reinen Tisch macht, kommen seine Gegner in Zugzwang.
Hat mich schon immer interessiert was ein Abgeordneter wirklich verdient. Das Thema Diätenkürzung wäre schon mal was.
Steinbrück ist ja auch ein Kandidat für seine eigene Reichensteuer.
 
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Ich finde es recht clever: Er attackiert seine Kritiker mit ihren eigenen Waffen.

Es ist nicht clever, man wirkt wie ein Kleinkind. Man ist für totale Transparenz, man will selber aber nicht sagen was hinter den Bezügen steht, weil man ja die Firmen um Erlaubnis fragen müsste, die eigene Frau würde man auch mit hinein ziehen, etc. Er ist also nur für die zukünftige Offenlegung, weil er dann nicht mehr betroffen ist?

Im Grunde ist mir sogar die Offenlegung egal. Noch mehr Stufen einführen? Noch mehr Verwaltungsaufwand? Die Frage für mich ist doch eher, wieso reichen die 3 Stufen, die bestehen nicht aus? Wie kann es sein, dass ein Berufspolitiker 80 Vorträge hält? Bei den Honoraren benötigt man doch sicherlich Vorbereitungszeit um einen ausreichenden Vortrag zu bieten. Wie lässt sich das mit seinem Hauptjob als Politiker vereinbaren? Muss man sich da wundern, wieso der Bundestag immer so leer ist, wenn unsere Politiker lieber Vorträge halten und in Aufsichtsräten sitzen?

Ich hätte ehrlich gesagt kein Problem damit, wenn ein Politiker für einen Vortrag 500.000€ bekommt. Die sollen so viel verdienen, wie sie wollen. Aber wenn es von der Anzahl her zu viele Vorträge werden, dann kann das nur bedeutet, dass er seinen Job als Politiker nicht ernst nimmt und dann wundert einen auch nicht mehr das gejammere aus der Politik, dass kein Politiker die Eurohilfen verstehe, es fehlt halt die Zeit um sich mit der Thematik zu beschäftigen, da man ja Vorträge halten muss...
 
Mir ist völlig egal, was jemand nebenbei verdient, solange es kein Schmiergeld ist. Ich wähle Politiker und Parteien nicht nach der Höhe der Nebenverdienste, sondern wegen der politischen Ziele, die sie erreichen wollen.

Marty
 
Mir ist völlig egal, was jemand nebenbei verdient, solange es kein Schmiergeld ist. Ich wähle Politiker und Parteien nicht nach der Höhe der Nebenverdienste, sondern wegen der politischen Ziele, die sie erreichen wollen.

Und du denkst ein Politiker erreicht etwas, wenn er die ganze Zeit mit anderen Nebenbeschäftigungen ausgelastet ist? Mir wäre ehrlich gesagt sogar Schmiergeld egal, solange es niemanden schadet. Wenn jemand dafür geschmiert wird etwas gutes zu machen, was er eh gemacht hätte wäre es mir so was von Schnuppe. Ich möchte aber, dass ein Politiker sich die Zeit nimmt seinen Job ordentlich zu machen, so dass er auch in der Lage ist seine politischen Ziele und versprechen einzuhalten. Aber er kann einfach keine rationalen Entscheidungen treffen, wenn er sich nicht die Zeit nehmen kann Sachverhalten genauer zu analysieren.
 
Und du denkst ein Politiker erreicht etwas, wenn er die ganze Zeit mit anderen Nebenbeschäftigungen ausgelastet ist?
Nein. Aber ist man denn "die ganze Zeit mit anderen Nebenbeschäftigungen ausgelastet", wenn man 4 mal im Monat irgendwo einen Vortrag hält, denn vermutlich jemand anderes geschrieben hat?

Auf wieviele Stunden pro Woche hat denn der Bürger Anspruch, wenn es um die Arbeitszeit eines Politikers geht? Für den Bürger ist es anscheinend völlig normal, dass eine Kanzlerin 7 Tage die Woche 14 Stunden arbeitet. Dann wäre natürlich keine Zeit mehr für was anderes.

Aber darf das unser Anspruch sein?

Ich kenne Leute, die arbeiten Vollzeit und trainieren trotzdem jeden Tag abends eine Jugendfussballmannschaft. Da fragt der Arbeitgeber auch nicht, wie er denn da seine Arbeit noch schaffe...

Marty
 
Mir wäre ehrlich gesagt sogar Schmiergeld egal, solange es niemanden schadet. Wenn jemand dafür geschmiert wird etwas gutes zu machen, was er eh gemacht hätte wäre es mir so was von Schnuppe.
Wieso sollte man jemanden schmieren, damit er etwas tut, was er eh getan hätte? Das geht an der Definition von "Schmiergeld" vorbei.
Es ist nicht mehr nachvollziehbar, ob jemand nach bestem Wissen und Gewissen die selbe Entscheidung getroffen hätte, als wenn eine spezielle Entscheidung durch Geld, oder Wohlfühlatmosphäre zur attraktiveren Wahl wird.
 
wenn man 4 mal im Monat irgendwo einen Vortrag hält, denn vermutlich jemand anderes geschrieben hat?

Ich kenne niemanden der in einer Führungsposition ist und seine Vorträge noch selber ausarbeitet, ausser man versteht 10 mal "Verbesserungsvorschläge" äußern um dann doch den ersten/zweiten Entwurf zu nehmen unter "selber vorbereiten" :ugly: ... vermutlich hast Du also damit Recht :)

Aber ja Politiker bekommen eine "Diät" ohne das irgendwo eine Stundenzahl dran hängen würde, fast schon ein bedingungsloses Grundeinkommen auf hohem Niveau, das solange ausbezahlt wird bis Partei und/oder Wähler das Amt an jemanden anderen weiterreichen. Die Offenlegung kann also nur dazu dienen um zu zeigen das auf diesem Weg nicht heimlich geschmiert wird - einen festen Anspruch auf seine Arbeitszeit haben wir eh nicht.
 
Steinbrück bekam für Vorträge 1,25 Millionen Euro

Folgende News wurde am 29.10.2012 um 16:03:47 Uhr veröffentlicht:
Steinbrück bekam für Vorträge 1,25 Millionen Euro
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Berlin (dpa) - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat für seine Vorträge mehr Geld erhalten als bislang bekannt. Der Bundestagsabgeordnete soll zwischen 2009 und 2012 Honorare von insgesamt 1,25 Millionen Euro eingestrichen haben. Ein entsprechender Bericht der «Bild»-Zeitung wurde am Montag in der SPD bestätigt. Danach hat der frühere Finanzminister Steinbrück in dieser Wahlperiode insgesamt 89 bezahlte Vorträge gehalten. Das höchste Honorar sei 25 000 Euro gewesen, das niedrigste 1000 Euro. Im Durchschnitt erhielt Steinbrück danach für einen Vortrag 14 065 Euro Honorar. Davon seien ihm nach Steuerabzug 7314 Euro pro Auftritt geblieben. Im gleichen Zeitraum habe Steinbrück weitere 237 Vorträge etwa in Schulen und vor gemeinnützigen Organisationen ohne Honorar gehalten, berichtete die Zeitung weiter. Zudem habe der Ex-Finanzminister auf verschiedenen Veranstaltungen von Industrieunternehmen auf Bezahlung verzichtet und dieses Geld direkt an soziale Einrichtungen wie Pro Familia gespendet. Nach massiver Kritik hatte Steinbrück vor drei Wochen einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer beauftragt, seine Einkünfte zusammenzustellen. Die genauen Ergebnisse will er am Dienstag in Berlin vorstellen. Seine Einnahmen aus zwei erfolgreichen Büchern sollen aber nicht publik gemacht werden, hieß es. SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht durch die Höhe der Nebeneinkünfte die Glaubwürdigkeit des SPD-Spitzenbewerbers nicht beschädigt. «Er hat sich an Recht und Gesetz gehalten und alles versteuert», sagte Gabriel. Die SPD-Vorsitzende forderte die Kritiker aus Union und FDP auf, Steinbrücks Beispiel zu folgen und ebenfalls genau ihre Zusatzverdienste offenzulegen. Die Wähler habe ein Recht darauf, dies zu erfahren. Zu den anderen Großverdienern im Bundestag gehören fast ausschließlich Abgeordnete von Union und FDP. Die Koalition hatte in der vergangenen Woche die Forderung der Opposition abgelehnt, Hinzuverdienste komplett publik zu machen. Bislang müssen sie lediglich in drei Stufen angegeben werden: von 1000 bis 3500 Euro, bis 7000 Euro und ab 7000 Euro. Nach dem Willen von Union und FDP soll es künftig zehn pauschale Stufen für die Veröffentlichung geben.
 
Im Schnitt jährlich rund 310.000 Euro Nebeneinkünfte. Durch Vorträge (keine Ahnung, ob Steinbrück noch andere Nebentätigkeiten hat). Wie hoch sind denn eigentlich seine jährlichen Diäten?
 
Merkel ist neben ihrer Abgeordneten-Tätigkeit noch Kanzlerin. Beides 2 Vollzeitstellen. Regt sich auch keiner drüber auf. Wird auch beides bezahlt. Kanzler-Job auch mit >300k €/Jahr.
 
Der Punkt ist doch, dass hier einer nebenbei durch Vorträge mehr verdient als durch seinen gutbezahlten Hauptjob. Ich kann die Qualität der Reden nicht beurteilen, aber hier scheint mir das Verhältnis nicht zu stimmen. Und es stellt doch die Glaubwürdigkeit eines Politikers in Frage, der mit seiner Partei dem politischen Gegner Lobbyismus vorwirft und sich für die sozial Schwachen einsetzen will, wenn das Standardhonorar für eine Rede 15.000 € beträgt. Das bezeichnende dabei ist, dass dies Steinbrück nicht mal bewußt ist. Es scheint mir zumindest so, als ob er da keinen Widerspruch sieht.
 
Und es stellt doch die Glaubwürdigkeit eines Politikers in Frage, der mit seiner Partei dem politischen Gegner Lobbyismus vorwirft und sich für die sozial Schwachen einsetzen will, wenn das Standardhonorar für eine Rede 15.000 € beträgt.
Demnach würde sich der "Skandal" lediglich aus der Höhe der Honorare ableiten.
Ist es jetzt grundsätzlich falsch, dass jemand bezahlte Vorträge hält oder sich mit Lobbyisten umgibt, oder ist es nur falsch, wenn er dafür mehr als eine Tasse Kaffee, 100, 500, 1000, 5000€ kassiert?
Ich finde es bedenklich, wenn wir die moralische/rechtliche Schuld jetzt in € messen und so Skandale konstruieren.
 
Ich sehe es ebenso wie aessitt. Es macht keinen Sinn, aus der Höhe der Nebeneinnahmen einen Skandal zu konstruieren.

Solange diese Nebeneinnahmen legal, bzw. nicht verboten sind, hat es mehr was von einer Neiddebatte, wenn über die Höhe der Bezüge gesprochen wird. Und auch das Argument, "er könne seinen Hauptberuf Abgeordneter nicht mehr adäquat ausüben", halte ich für etwas fadenscheinig. Wer legt den Maßstab dazu fest?

Ich erwarte in diesem Punkt in erster Linie Offenheit - und die hat Steinbrück geliefert. Jetzt interessieren mich andere Bundestagsabgeordnete, vor allem die aus meinem Wahlkreis...
 
Naja, neben dem Auftraggeber wären auch Thema und vor allem Tenor (bzw. Inhalt) des jeweiligen Vortrages interessant. Wer sich z. B. im Fernsehen für einen flächendeckenden Mindestlohn einsetzt, aber bei Adecco von staatlicher Unterstützung der Branche durch die Hartz-4-Gesetzgebung schwärmt, ist schlichtweg unglaubwürdig.