Vermutlich nicht. Aber das bedeutet ja nicht, dass die Erzieherinnen mein Kind nicht genauso behandeln würden, wie jedes andere. Ich würde mein Kind nicht dort hin geben, weil ich vermuten würde, dass es benachteiligt würde. Faktisch aus der gleichen abstrakten Angst heraus, weswegen die meisten Menschen in Freital, Dresden, Leipzig, ... auf die Straße gehen, weil sie vermuten, dass die Flüchtlinge ihnen alles wegnehmen, Frau, Kind und Hund vergewaltigen und dann besoffen die Rentner verprügeln, während die Moslems unter ihnen sich in irgendeinem Bus in die Luft sprengen. Aber bei mir würde tatsächlich helfen, wenn ich die Erzieherinnen mal sprechen könnte, also in den direkten Dialog gehen könnte. Ansonsten bleiben die für mich eben nur irgendwelche Leute, von denen man gehört hat, dass...Das andere ist die Gegenseite. Würdest Du Dein Kind bei ner Kita abliefern, wo die halbe Belegschaft zu den militanten Feministinnen gehört, die der Meinung sind, alle Glatzen sind Faschos?
Naja, was heißt "Idealismus"? Das sind ERfahrungswerte. Ich hatte doch auch mal meine Sturm- und Drag Tage. Zwar auf der anderen Seite, aber irgendwann ist mir halt auch mal aufgefallen, dass wenn ich so weiter mache, irgendwann auch mal zum allerletzten Lumpenpack gehöre, nur weil man im Grunde mit den falschen Leuten am Tresen hockt und Politik "diskutiert" - oder besser gesagt: Sich gegenseitig aufstachelt und sich gegenseitig Pseudoargumente in den Mund legt (oder, je nach Intellekt, borniert nachplappert).Ich finde es ziemlich schwer, wenn der Mob brandschatzend durchs Land zieht, mich mit Mitteln a la Tee trinken und Ringelpiez veranstalten zufrieden zu geben.
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Ich kenne ja Leute, die meinen, mit Rechten diskutiert man nicht. Ich bin der Meinung, man kann mit Rechten diskutieren und muss nur warten, bis sie sich selbst disqualifizieren.
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Ich hasse Deinen Idealismus.Wie willst Du denn den Prozess in Gang setzen?
Die Frage ist doch immer, was man erreichen will. Klar kann man auch dem politischen Gegner einfach immer stumpf auf die Schnauze hauen. Mit dem Ergebnis, dass man bei der nächsten Gelegenheit auch was auf die Schnauze bekommt. Mal ein unglücklicher Schlag, schon ist wieder einer futsch oder auch man selbst. Aber geändert hat man dadurch überhaupt gar nichts. Im Gegenteil würde ich behaupten, dass dadurch erstrecht völlig bornierte Feindlager entstehen, wo keiner überhaupt mehr Interesse daran hat, eine Lösung zu finden. Hauptsache am Wochenende fliegen irgendwelche Pfeffis aus irgendeiner Fresse. Das ist gelebte Dämlichkeit in Reinkultur.
Klar wird es bei jeder Demo auch solche Leute geben. Aber die Masse der Leute hat meistens nur ein überhitztes Gemüt, vermutlich sind viele auch recht einfach gestrickt und lassen sich von der allgemeinen Hysterie und Panikmache anstecken. Und Du hast völlig recht: In einer Diskussion disqualifiziert sich fast immer der Pöbel selbst. Wichtig ist nur, dass er es auch merkt. Nachhaltig ist, wenn jeder einzelne anfängt, seinen Wirsing zu benutzen. Erstmal egal, was dabei raus kommt, aber wenn das stumpfe Herdenverhalten aufhört, hat man eine Basis. Und glaub mir mal: Wenn erst eine kritische Masse von Leuten erreicht ist, die selbst nachdenken und ihnen auffällt, dass sie eigentlich völligen Bullshit machen, dann kehrt sich die Situation von ganz allein um. Aber ich verspreche Dir in die Hand, dass das nicht mit Gewalt zu erreichen ist. Auch nicht mit Beleidigungen, Shitstorms oder anderem Quatsch.
Ich trenne Beruf und Privat rigoros. Ich konnte mir als Selbstständiger nicht den Idealismus leisten, einen Kunden abzulehnen, weil mir sein Geschäftsfeld nicht gepasst hat. Als Angestellter kann ich mir nicht leisten, meinen Arbeitgeber und mein Team nach idealistischen Gesichtspunkten zu wählen. Ich musste schon immer mit Leuten zusammen arbeiten, die ich privat nicht mal mit dem Arsch angeschaut hätte.Definiere Loyalität.
Kann Dein Chef davon ausgehen, dass Du Hundebesitzer genauso freundlich und vorurteilsfrei behandelst wie Nicht-Hundebesitzer? Kann Dein Chef nach dieser Äußerung überhaupt noch davon ausgehen, dass Hundebesitzer vorbeikommen?
Zu dem Beruf eines Verkäufers gehört nunmal, freundlich auch zu denen zu sein, die man abstoßend und widerlich findet. Zumindest während der Arbeitszeit. So wie es für mich dazu gehört hat, die gleiche gute Arbeit für Kunden abzuliefern, denen ich eher die Kretze an den Hals gewünscht habe. Oder auch regelmäßig PairProgramming mit dem Kollegen zu machen, der den ganzen Tag gepopelt hat und dessen Tastatur entsprechend aussah. Aber dann nimmt man halt seine eigene Tastatur mit zum Platz und gut ist. Privat hätte er es niemals in meinen Freundeskreis geschafft, aber beruflich hat die Zusammenarbeit gut geklappt. Würde ich den Kollegen heute nochmal auf der Straße treffen, würde ich es allerdings vermeiden, ihn zu grüßen. Und genau diese Professionalität erwarte ich eigentlich von jedem Menschen.
Hab ich gesehen. Und auch hier wieder das typische Bild: Die Leute fühlen sich in der Anonymität des Internets (trotz NSA und löchrigem Datenschutz) sicher. Glaubst Du, die hätten das gleiche vor Fernsehkameras gesagt?Nachtrag: Erst Kopf festhalten, dann gucken:
https://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/a-z/video284524_letter-M_zc-6932cf5d_zs-dea15b49.html
Einige vielleicht. Wichtigtuer und Radikale, die schockieren wollen. Und ab einer kritischen Masse setzt auch wieder der Herdentrieb ein, die Gruppendynamik. Wie auch schon '33. Nachher will's keiner gewesen sein und hat nix gemacht. Deshalb ist es wichtig, dass die Leute selbst nachdenken und von sich heraus mit anderen reden. Sie müssen selbst scheiße finden, was sie da machen. Aber das läuft niemals über Verbote und Gängelungen, schon gar nicht über Gewalt
Wie willst Du denn den Prozess in Gang setzen?
