[...] Da ist es schon irgendwie verständlich, wenn die Menschen gegen Asylbewerberheime für Flüchtlinge aus Ländern mit einem Islamistenproblem aufbegehren und dass sich die braune Jauche das zu Propagandazwecken zu Nutzen macht. [...]
Seit heute morgen fahren hier auch Hundertschaften der Polizei vorbei. Mit Blaulicht und Sirene, da wird es vor Ort wohl geknallt haben - ich werde es wohl nachher in den Nachrichten hören.

Aber davon mal abgesehen. Ich habe einige Freunde und Bekannte in Marzahn/Hellersdorf. Von denen geht zwar niemand auf die Straße, weder für, noch gegen das Heim. Und meine Freunde haben auch wieder viele Bekannte in dem Bezirk und wir reden dieser Tage viel über das Thema. Quintessenz: Die Anwohner dort haben Angst. Angst um ihre Kinder, Angst vor Kriminalität und Angst davor, dass die Wohnqualität des ohnehin schon nicht so begehrten Bezirks weiter abnimmt. Aber wovor haben sie Angst?

Weil die Entscheidung, den Leuten ein Asybewerberheim vor die Tür zu setzen, beinahe eine Nacht- und Nebelaktion eines profilierungssüchtigen Bezirksbürgermeisters war, namentlich des Stefan Komoß (SPD). Keinerlei Aufklärung der Anwohner, keine Informationsveranstaltungen im Vorfeld, keinerlei Rücksicht auf die Bedenken und Ängste seiner Anwohner. Die gibt er jetzt, wo schon alles zu spät ist. Aber vorher wird noch schnell jeder, der auch nur zaghafte Bedenken zu diesem Asylheim äußert, erstmal pauschal in die rechte Ecke gedrückt. Herrlich einfach. Er will wohl in die große Politik und sich über solche Aktionen den Weg dahin ebnen. Aber ist und bleibt ein widerlicher Vollidiot.

Vielleicht muss man Nicht-Berlinern dazu sagen, dass der Bezirk Marzahn/Hellersdorf die allerschlechteste Wahl für so ein Heim sein kann. Es ist ein östlicher Randbezirk Berlins und wurde schon zu DDR-Zeiten mit Hochhäusern zugebaut. Billiger Wohnraum für den real existierenden Arbeiter. Heute bekommt man dort Wohnungen verhältnismäßig schwer vermietet, weswegen einerseits die Mietpreise sinken (oder wenigstens stabil bleiben), andererseits aber auch alles mögliche Pack angezogen wird. Heute leben dort neben Deutschen der Unter- und Mittelschicht vor allem Russen und Vietnamesen. Eigentlich ist der Bezirk recht schön, insgesamt ruhig und verhältnismäßig sicher, aber auch hier nehmen die Probleme zu. Hohe Arbeitslosigkeit, wenig Geld, kaum oder keine Perspektiven und steigende Kriminalität - sehr fruchtbarer Boden für jedweden Extremismus. In diesem Bezirk nun eben Rechtsextremismus. Wobei man aber betonen muss, dass es eine Lüge ist, wenn man sagt, dass dieser Bezirk "braun" wäre. Hier gewinnt Die Linke noch immer das Gros ihrer Stimmen, auch die SPD ist dort leider gar nicht so unerfolgreich. Aber es wird wohl auch der Bezirk sein mit den meisten Rechtsextremisten, auch wenn ihre absolute Anzahl wohl kaum die 100 übersteigen dürfte.

Vor allem ärgert es mich aber maßlos, dass man das auf dem Rücken derer austrägt, die dieser Tage am wehrlosesten sind, nämlich die Asybewerber selbst. Die flüchten aus ihrem Land vor Krieg, Tod und Gewalt und ganz sicher werden sie eine Sache nicht wollen: Noch mehr Gewalt oder Krieg. Ich halte auch jede Wette, dass sie hier auch ganz andere Sorgen haben, als Autos zu knacken oder Frauen zu vergewaltigen. Die meisten Bewohner von Marzahn/Hellersdorf halte ich auch durchaus für schlau genug, das zu wissen.

Leider ist es entsetzlich einfach, den Leuten Angst zu machen. Wenn es in Marzahn/Hellersdorf mal zu einer Schießerei oder Messerstecherei kommt, dann gewinnt man zu 90% die Wette, dass das Russen waren. Wenn das in Neukölln passiert, kann man getrost auf die Türken (oder seltener auch Araber) setzen. Das reflektiert man nun also einfach auf die Kriegsflüchtlinge (sind ja auch nur "Ausländer") und schon haben die Leute Angst, ihre Kinder allein in die Schule gehen zu lassen. Dazu noch ein paar Worte, dass die Asylbewerber ja hier "umsonst" leben und "wie Privatpatienten behandelt werden" und schon ist der Tumult perfekt. (Andererseits frage ich mich, ob es der NPD lieber wäre, wenn die Leute den Deutschen die Arbeitsplätze weg nehmen würden und sich auch noch Rentenansprüche erwerben würden - aber das ist ein anderes Thema) Obwohl man das alles weiß, gibt sich dieses Arschloch von Komoß völlig unbedeindruckt. Er lebt wohl schon in Gedanken in einer Villa nähe Wandlitz. Und während dieser aufgeblasene Fatzke ein toller Typ vor seinen Genossen sein will, nutzt die NPD die Gelegenheit als Wahlkampfthema, wobei Hundertschaften der Polizei da irgendwie Ruhe und Frieden für ein Arsch voll Steuergeld sicherstellen müssen.

Was mir aber auch wichtig ist zu sagen: Was wir hier erleben ist nicht ein ganzer "brauner Bezirk", der gegen Ausländer ist oder sonst ein Blödsinn, der vielleicht in den nächsten Tagen über die Presse und Rundfunk verbreitet wird. Nur kann man hier wieder einmal fantastisch sehen, was passieren kann, wenn sich eine Partei intensiv um ein Thema kümmert (Angst schürt, die Leute aufhetzt, ...), während eine große Volkspartei in gewohnter Arroganz mit einem aufgeblasenem Hanswurst als Bezirksbürgermeister einen Scheiß darauf gibt, was die Leute denken. Wollen wir hoffen, dass es eine gewaltfreie Lösung geben wird und die Leute sich langsam wieder beruhigen.

EDIT: Obwohl ich nur sehr selten die deutsche Presse zu diesem Thema empfehlen kann, aber dieser Artikel von heute morgen ist wirklich lesenswert: Berliner Morgenpost
 
Zuletzt bearbeitet:
Quintessenz: Die Anwohner dort haben Angst. Angst um ihre Kinder, Angst vor Kriminalität und Angst davor, dass die Wohnqualität des ohnehin schon nicht so begehrten Bezirks weiter abnimmt.

Also der übliche Fremdenhass, basierend auf Propaganda vom rechten Ufer und Vorurteilen, ABER ich habe ja nix gegen Ausländer.

gruss kelle!
 
Also der übliche Fremdenhass

Angst ? Hass

Angst entsteht vor allem vor etwas Ungewissem, etwas Unbekanntem. Die Leute wurden vor allem damit überrumpelt, obwohl man weiß, dass das ein sensibles Thema ist.

Wenn man dort ein Atomkraftwerk oder eine Sondermülldeponie bauen wollte, gäbe es sicher den gleichen Aufstand. Bei einem Friedhof oder einer Kirche sicher nicht. Und warum? Weil die meisten Menschen einen Friedhof mit etwas friedlichem, ruhigen verbinden. Eine Kirche wohl auch. Aber ein Asylantenheim verbindet man automatisch mit Lärm, Dreck, Gestank und letztlich auch Kriminalität. Aber aus Angst lässt sich mit viel negativer Energie Hass machen. Das kann die NPD und ProDeutschland und wie sie alle heißen. Konnte auch schon H****r, ist nicht neu.

Und genau hier wäre es die Pflicht des Bezirksbürgermeisters gewesen, aufzuklären. Er hätte es ja auch gern seinem Parteigenossen Pobereit überlassen können, hier aufzuklären, wenn der nicht gerade wieder auf irgendeiner Party ist, um den mondänen Mann von Welt zu mimen. Auch hätte er den direkten Dialog suchen müssen, statt sich wie der fleischgewordene Gottkönig über die Bedenken seiner Untertanen zu erheben. Dass die Rechtsextremen dieses Szenario jetzt (gerade vor der Wahl) ausnutzen, kommt alles andere als unerwartet. Aber dass man die Anwohner, die ihre Bedenken gewaltfrei äußern, in die rechte Ecke drückt, ist eine Schande für die Demokratie und unser Land.

Hier fängt sich gerade die Geschichte an zu wiederholen, die schon einmal in Rostock passierte. Damals hat der Oberbürgermeister von Rostock (Klaus Kilimann, ebenfalls SPD) noch Rostocks Innensenator in einem Brief gewarnt. Wer weiß, was dieser Tage hinter den Kulissen passiert. Aber die Parallelen sind schon beängstigend. Aus der Geschichte mal wieder nichts gelernt. Und am Ende wird es wieder heißen: "Alles Nazis". Klar, ist die einfachste Antwort, die vom eigenen desaströsen Versagen ablenkt.
 
Im Gegensatz zu den erwähnten Atomkraftwerken und Sondermülldeponien sind Flüchtlingsströme nicht planbar, weder in Zeit noch in Umfang.

Aus/in Syrien sind gerade irgendwas um drei Millionen Menschen auf der Flucht.
Der arabische Frühling führt zu "politischen" Veränderungen, die im wesentlichen wieder Flüchtlinge produzieren.

Klar können wir uns jetzt erstmal hinsetzen um zu diskutieren, ob wir den "Menschen" in Hellersdorf, im Grunewald oder in Spandau auf den Schlips treten, dadurch dass wir Kriegsflüchtlinge aufnehmen.
Wenn wir Glück haben, verrecken ja derweil genug in irgendwelchen Flüchtlingslagern in Jordanien oder auf dem Mittelmeer.

Und was die "Ängste" anbelangt:
In nichtmal zwei Kilometern Entfernung von meinem Elternhaus gibt es ein Asylbewerberheim (seit den 90ern).
Weder in unserem Ort noch im dem dem Asylbewerberheim näher gelegenen Ort ist davon etwas in Form von Gestank, Lärm oder Kriminalität zu merken.
Von der Aufnahmestelle hier in Braunschweig (besteht länger als ich hier bin, also zehn Jahre plus) gibt es auch nichts in der Richtung zu berichten.
Da hängen auch die Supermärkte drumherum keine Schilder "Nur für EU Bürger!" auf, die Firmen (Speditionen, Werkstätten ...) in direkter Nachbarschaft kommen auch ohne Selbstschussanlagen oder Hundertschaften an Wachpersonal aus.
Ganz im Gegenteil: Eine Spedition, die dort Teile der Flotte über Nacht abstellt, deponiert die LKW Schlüssel hinter dem Nummernschild,weil sie dort keine Büroräume hat, aber die Fahrer der kommenden Schicht die Schlüssel brauchen.
Und die unmittelbare Nähe zum Flughafen führte auch noch nicht zu mehr Flugzeugentführungen.

Gut, kann sein dass diese Heime die einzigen beiden ohne Probleme sind, aber das glaub ich nicht.

Es gibt nämlich einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen Leuten, die in Russland ihre halb-tote Oma in den Bus nach Deutschland zerren, weil sie nur mit derer Geburtsurkunde hier rein dürfen und Flüchtlingen, die froh sind, am Leben zu sein, auch wenn sie Teile der Familie tod in Heimatland zurücklassen mussten.

Um das, was ich hier schreibe zu wissen, brauch ich keine Informationsgespräche mit irgendwelchen Politikern, dazu reicht es, Nachrichten zu schauen und ein bissl mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, gepaart mit der Eigenschaft differenzieren zu können.

gruss kelle!
 
Im Gegensatz zu den erwähnten Atomkraftwerken und Sondermülldeponien sind Flüchtlingsströme nicht planbar, weder in Zeit noch in Umfang.
Darum geht es ja auch gar nicht. Wir reden ja nicht über Zeltstädte in Grenznähe.

Aus/in Syrien sind gerade irgendwas um drei Millionen Menschen auf der Flucht.
Der arabische Frühling führt zu "politischen" Veränderungen, die im wesentlichen wieder Flüchtlinge produzieren.

Klar können wir uns jetzt erstmal hinsetzen um zu diskutieren, ob wir den "Menschen" in Hellersdorf, im Grunewald oder in Spandau auf den Schlips treten, dadurch dass wir Kriegsflüchtlinge aufnehmen.
Wenn wir Glück haben, verrecken ja derweil genug in irgendwelchen Flüchtlingslagern in Jordanien oder auf dem Mittelmeer.
Auch geht es nicht darum, wen man warum wie auf den Schlips tritt. Es hat aber nunmal etwas stark anrüchiges, wenn in einer Nacht- und Nebel-Aktion eine ehemalige Schule umgebaut wird und die Bürger erst dann darüber informiert werden, wenn alles schon in Sack und Tüten ist. Und dann auch noch nicht mal von ihrem Bürgermeister darüber informiert werden, sondern von der NPD.

Und was die "Ängste" anbelangt:
In nichtmal zwei Kilometern Entfernung von meinem Elternhaus gibt es ein Asylbewerberheim (seit den 90ern).
Weder in unserem Ort noch im dem dem Asylbewerberheim näher gelegenen Ort ist davon etwas in Form von Gestank, Lärm oder Kriminalität zu merken.
Ok, glaube ich. In Rostock kam es hingegen zu Lärm, Gestank und Kriminalität, weswegen die Leute auch gegen das Heim aufbegehrten und schließlich sogar applaudierten, als es in Brand stand.

Welche Bilder haben wohl die Menschen in Deutschland eher im Kopf, wenn sie an ein Ausländerwohnheim denken? Also ich kann Dir sagen, dass ich nicht mal 100 Meter von mir entfernt auch so ein Wohnheim habe. Dreck sehe nicht, Gestank rieche ich auch nicht. Aber laut ist es ohne Ende. Und die Türken/Araber/Syrer/was-weiß-ich lungern den ganzen Tag davor herum. Frauen werden billig angemacht, Männer provozierend angeschaut und in Fremdsprache irgendwas gesagt. Ich weiß es so genau, weil ich da mindestens 2 mal pro Woche vorbei muss. Das sind allerdings keine Flüchtlinge, sondern es ist so ein Wohnheim für - was weiß ich - "Pack" vermutlich. Wenn man nun dieses Bild eines Wohnheims im Kopf hat, dann kann ich die Anwohner verdammt gut verstehen, wenn sie dieses Dreckspack nicht in ihrer Nähe haben wollen.

Um das, was ich hier schreibe zu wissen, brauch ich keine Informationsgespräche mit irgendwelchen Politikern, dazu reicht es, Nachrichten zu schauen und ein bissl mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, gepaart mit der Eigenschaft differenzieren zu können.
Na ich glaube, Du redest so, weil Deine persönlichen Erfahrungen ganz andere sind, als meine. Wenn Du mit einer bestimmten Gruppe von Menschen immer und immer wieder schlechte Erfahrungen machst, dann reicht ein "differenzieren können" irgendwann nicht mehr aus, um weiterhin positiv denken zu können. Da braucht man dann schon Ignoranz.

Aber Leute, die vor Krieg, Gewalt und Hunger fliehen, werden vermutlich ganz andere Interessen und Sorgen haben, als hier mit großer Fresse auf der Straße herumzulungern, Frauen billig anzugraben und den Anwohnern das Leben schwer zu machen. Nur wäre es wichtiger gewesen, dass nicht ich es im Klamm-Forum, sondern dass dieser bescheuerte Bezirksbürgermeister es den Leuten vor Ort gesagt hätte. Stattdessen hat er es ja vorgezogen, die "Aufklärung" der NPD und ProDeutschland zu überlassen...
 
Welche Bilder haben wohl die Menschen in Deutschland eher im Kopf, wenn sie an ein Ausländerwohnheim denken? Also ich kann Dir sagen, dass ich nicht mal 100 Meter von mir entfernt auch so ein Wohnheim habe. Dreck sehe nicht, Gestank rieche ich auch nicht. Aber laut ist es ohne Ende. Und die Türken/Araber/Syrer/was-weiß-ich lungern den ganzen Tag davor herum. Frauen werden billig angemacht, Männer provozierend angeschaut und in Fremdsprache irgendwas gesagt. Ich weiß es so genau, weil ich da mindestens 2 mal pro Woche vorbei muss. Das sind allerdings keine Flüchtlinge, sondern es ist so ein Wohnheim für - was weiß ich - "Pack" vermutlich. Wenn man nun dieses Bild eines Wohnheims im Kopf hat, dann kann ich die Anwohner verdammt gut verstehen, wenn sie dieses Dreckspack nicht in ihrer Nähe haben wollen.


Hallo Photon,
wenn die Bewohner des Asylbewerberheims sich meist im Freien aufhalten, ist das doch eigentlich ganz normal: Würdest Du gerne ständig "eingesperrt" auf engstem Raum mit mehreren anderen Menschen bleiben, wenn es draussen einfach freier ist? Was sollen diese Leute denn manchen? Die deutsche Sprache sprechen sie meist noch nicht (weshalb die Leute "in einer anderen Sprache" Kommentare abgeben), Geld haben sie meist keines, Zugang zu Sprachkursen bekommen sie erst, wenn ihr Asylantrag bewilligt wurde, arbeiten dürfen sie ohnehin nicht ...

Die Männer machen vorbei gehende Frauen an. Zum einen kommen diese Menschen aus Ländern, in denen Frauen leider nichts wert sind, zum anderen aber passiert uns Frauen das auch bei deutschen Männern. - Eine Belgierin fühlte sich so von ihren männlichen Landsleuten belästigt, dass sie das sogar mit der Videokamera dokumentiert hat (https://www.taz.de/!98699/). Als das Video raus kam, machte eine deutsche Journalistin das Experiment selbst - mit dem gleichen Ergebnis. Wir haben gelernt, mit Pfiffen und blöden Kommentaren zu leben.

Sicher wäre es besser gewesen, wenn die Einrichtung des Flüchtlingsheims mit den Anwohnern besprochen worden wäre. Aber mal ehrlich: Wären die Proteste dann ausgeblieben? Hätten die Anwohner zugestimmt? Nein.

Nur: Die Flüchtlinge brauchen unsere Hilfe. Und Teil dieser Hilfe ist eine Unterkunft.

Wir haben z.Zt. Glück. Unser Land ist relativ sicher. Wir müssen nicht um Leib und Leben fürchten. Das war aber nicht immer so. Teile meiner Familie und der Familie meines Mannes kamen nach dem 2. Weltkrieg als Flüchtlinge aus Ostpreussen. Sie hatten alles verloren und konnten nur das mit sich nehmen, was sie selbst bewegen konnten. Mit offenen Armen wurden sie hier auch nicht aufgenommen. Und dabei waren sie sogar Deutsche wie alle anderen hier auch. - Um wieviel schwerer muß es für die Menschen sein, die heute zu uns flüchten und weder unsere Sprache noch unsere Kultur wirklich kennen?
 
Ich kann die Argumente aller aus ihrem persönlichen Blickwinkel sehr gut verstehen. Mir sind einige Flüchtlingsunterkünfte und Einrichtungen für Asylbewerber bekannt. Auch habe ich beiderlei Erfahrungen gemacht. An manchen Stellen gelingt das "Miteinander" probelmlos, an manchen würde ich vor allem abends meinen schlimmsten Feind nicht vorbeischicken um ne Tüte Milch zu holen wenn die Einrichtung auf dem Weg läge. Die Ursachen dafür sind natürlich im Detail vielschichtig: Bewohnerstruktur, Bedingungen in der Unterkunft, Behandlung durch die Anwohner etc.
Mir hat sich allerdings unterm Strich folgender Eindruck aufgedrängt: Jene Einrichtungen mit Bewohnern welche einen, sagen wir mal, "problematischen" Hintergrund haben werden sehr oft meines Eindrucks nach in strukturell ohnehin schon sehr schwachen Wohngegenden eröffnet.
In meiner Heimat(groß)stadt kenne ich aktuell 6 derartige Einrichtungen (es gibt sicher mehr...). Zwei von ihnen sind in Vororten die strukturell eher gehobenes Niveau darstellen. Hier befindet sich je eine Flüchtlingsunterkunft für Syrer und eine Einrichtung für Asylbewerber aus dem (schwarz)afrikanischen Raum. Bei letzterer ist mir nicht bekannt ob sie auch derart deklariert ist, zumindest habe ich dort ausschließlich Menschen mit derart überlegener Pigmentierung gesehen.
Beide Einrichtungen sind super integriert. Es gibt "Verständigungstreffen" an Schulen und in den Einrichtungen, die Kinder spielen mit Anwohnerkindern... keiner hat Angst, alles prima.

Von den anderen vier Einrichtungen befinden sich je zwei in den beiden "heruntergekommensten" Gegenden meiner Stadt. Hier kann man ohnehin schon kaum noch sein Auto parken, als Frau nachts ohne Angst für Leib und Leben spazierengehen und erst recht keinen Wohnraum mehr anständig vermieten. Der Wähleranteil rechter Parteien liegt in diesen Bezirken in etwa 10x über dem Gesamtdurchschnitt der Stadt. Hier werden dann Sinti, Roma, Kurden usw. untergebracht.
Ich habe ebenso die Erfahrung gemacht, dass derartige Einrichtungen eher "Problemcharakter" entwickeln können als Flüchtlingslager für Menschen aus akuten Kriegsregionen. Wenn man diese dann auch noch in derartige Wohngebiete legt nimmt man eine Eskalation meiner Ansicht nach billigend in Kauf.
Ich persönlich habe den Eindruck (und habe das auch schon unter vorgehaltener Hand aus Kreisen der Stadtverwaltung gehört), dass hier einfach das Geld und die Lobby der Anwohner darüber entscheidet wo welche Einrichtung eröffnet wird. In einem "reichen" Vorort wäre die Chance einer friedlichen Integration sicher deutlich größer. Aber in solchen Orten müssen wohl z.b. nur ein paar bestimmte Leute Angst um den Mietspiegel ihrer Immobilien an der richtigen Stelle äußern.
Wenns dann am Ende "im Ghetto" knallt (und das tuts dort dauernd) und die Lokalpresse über das "Rechtenproblem" in meiner Stadt spottet frage ich mich dann grundästzlich: Warum fragt nicht mal einer warum Einrichtungen mit dem höchsten Gefahrenpontential denn überhaupt scheinbar grundsätzlich in Gegenden mit dem höchsten Gefahrenpotential eröffnet werden? Minus Mal Minus ergibt Plus oder wie ist da Logik?
Gut möglich, dass mein Eindruck nicht auf ganz Deutschland zu übertragen ist. Ich wollte lediglich meinen persönlichen Eindruck loswerden;)
 
Hallo Photon,
wenn die Bewohner des Asylbewerberheims sich meist im Freien aufhalten, ist das doch eigentlich ganz normal: Würdest Du gerne ständig "eingesperrt" auf engstem Raum mit mehreren anderen Menschen bleiben, wenn es draussen einfach freier ist? Was sollen diese Leute denn manchen? Die deutsche Sprache sprechen sie meist noch nicht (weshalb die Leute "in einer anderen Sprache" Kommentare abgeben), Geld haben sie meist keines, Zugang zu Sprachkursen bekommen sie erst, wenn ihr Asylantrag bewilligt wurde, arbeiten dürfen sie ohnehin nicht ...

Die Männer machen vorbei gehende Frauen an. Zum einen kommen diese Menschen aus Ländern, in denen Frauen leider nichts wert sind, zum anderen aber passiert uns Frauen das auch bei deutschen Männern.
Die Leute, die hier wohnen, werden keine Asylanten sein. Ich weiß nicht, was sie sind und woher sie kommen und ehrlich gesagt interessiert es mich auch in genau dem gleichem Umfang, wie mich die Lebensgeschichte meiner Nachbarn interessiert: Gar nicht. Eigentlich war es mal als Studentenwohnheim geplant. Allerdings wohnen da aktuell viele Männer und Frauen jenseits der 40 und 50 mit Kindern, die selbst schon schulpflichtig sind.

Von mir aus sollen sie vor dem Haus sitzen, Würfeln, Karten spielen oder sonstwas machen. Aber da ich und meine Frau hier nunmal wohnen, wünsche ich nicht, dass sie von dem Pack angemacht, mit Kuss- oder affenähnlichen Lauten belästigt wird. Übrigens wünsche ich das auch nicht von deutschen Männern, nur die tun das auffällig seltener. Wenn man dann sagt, dass man dafür Verständnis haben müsse, weil diese Leute aus Ländern kommen, in denen eine Frau nichts wert ist, dann kann ich dazu nur 2 Sachen sagen:
1. sind sie jetzt in einem Land, in dem das nicht so ist. Dem haben sie sie anzupassen und unterzuordnen. Wir sind hier kein Hotel, Ferienresort oder Tierpark. Wenn sie hier leben wollen (und das wollen sie wohl, sonst würden sie hier wohl nicht leben), dann gelten hier Regeln (nicht nur Gesetze), die sie genauso zu befolgen haben, wie Deutsche auch.
2. Verständnis bringe ich jederzeit für Touristen auf. Ich selbst belese mich zwar zuvor über jedes Land, das ich bereise, aber würde selbst nicht von mir behaupten, mich immer korrekt zu verhalten. So habe ich es in Thailand gewagt, in einem öffentlichen Park zu rauchen. Aber selbst die Polizei hatte dann davon abgesehen, mir die 2000 Baht (50 Euro) Strafe aufzudrücken (obwohl die ganz heiß auf das Geld von Touristen sind!). Aber das ist eben der Unterschied zwischen Tourist und Immigrant.

Allerdings sind Flüchtlinge ja nochmal ein ganz anderes Thema:
Sicher wäre es besser gewesen, wenn die Einrichtung des Flüchtlingsheims mit den Anwohnern besprochen worden wäre. Aber mal ehrlich: Wären die Proteste dann ausgeblieben? Hätten die Anwohner zugestimmt? Nein.
Na wohl eher, als wenn sie erst von der NPD vor Ort aufgestachelt werden, die ihnen erstmal brühwarm erzählt, dass die etablierten Parteien klammheimlich ein Ausländerheim unterjubeln wollten.

Vor allem aber hätten die Bürger die Möglichkeit gehabt, sich darüber zu informieren. Informierte (dazu gehören auch gebildete) Menschen haben stets weniger Angst als Unwissende. Und das ist auch völlig normal. Dazu hätte der Bezirksbürgermeister einfach nur auf die Straße gehen müssen.

Aber er zieht es ja vor, politisch korrekt und aalglatt seinen Weg nach oben zu beschleimen. Er hatte ja zuvor erst andere dumm-dämlichen Sachen gemacht, wie etwa die Frauensporthalle, in die kaum jemand geht, weil Frauen lieber mit ihren Männern zusammen trainieren möchten. Aber er dachte wohl, dass das für die 3 Muslime aus Marzahn/Hellersdorf so wichtig wäre, dass man jetzt auch deutsche Paare trennen müsse. Ein Vollidiot eben, aber das ist ein anderes Thema.

Nur: Die Flüchtlinge brauchen unsere Hilfe. Und Teil dieser Hilfe ist eine Unterkunft.
Und genau solche Argumente hätte der aufgeblasene Vollpfosten Komoß bringen müssen, nicht Du oder ich hier bei Klamm, das sowieso kaum jemand liest :)

Ich persönlich habe den Eindruck (und habe das auch schon unter vorgehaltener Hand aus Kreisen der Stadtverwaltung gehört), dass hier einfach das Geld und die Lobby der Anwohner darüber entscheidet wo welche Einrichtung eröffnet wird. In einem "reichen" Vorort wäre die Chance einer friedlichen Integration sicher deutlich größer. Aber in solchen Orten müssen wohl z.b. nur ein paar bestimmte Leute Angst um den Mietspiegel ihrer Immobilien an der richtigen Stelle äußern.
Wenns dann am Ende "im Ghetto" knallt (und das tuts dort dauernd) und die Lokalpresse über das "Rechtenproblem" in meiner Stadt spottet frage ich mich dann grundästzlich: Warum fragt nicht mal einer warum Einrichtungen mit dem höchsten Gefahrenpontential denn überhaupt scheinbar grundsätzlich in Gegenden mit dem höchsten Gefahrenpotential eröffnet werden? Minus Mal Minus ergibt Plus oder wie ist da Logik?
Genau so ist es leider. Nur dass ich nicht glaube, dass eine "friedliche Integration" in einer reichen Gegend besser gelingen würde. Reiche Deutsche haben nur selten Interesse, sich mit armen Deutschen abzugeben. Wie wird es wohl erst mit armen Menschen aus anderen Ländern sein, mit denen man nicht mal reden kann?

Reiche Menschen unterscheiden sich von armen Menschen doch nur in einem Punkt: Sie haben stets und ständig Angst um ihr Vermögen. Denken tun sie genauso. Zwar schließt man heute nicht mehr traditionell Türen und Fenster, wenn Zigeuner in der Stadt sind, aber das Misstrauen steht wohl jedem ins Gesicht geschrieben.

Aber wie schon gesagt: Die Diskussion und die Argumentation hätte vor Ort stattfinden müssen bevor man es den Leuten aufnötigt. Dass das die NPD jetzt kurz vor der Wahl für sich nutzt, ist doch wohl selbstverständlich. Aber offensichtlich meint die SPD (auch der Pobereit!), dass sich das von allein erledigt oder dass die Polizei das schon regeln wird. Na warten wir es ab.
 
Es hat aber nunmal etwas stark anrüchiges, wenn in einer Nacht- und Nebel-Aktion eine ehemalige Schule umgebaut wird und die Bürger erst dann darüber informiert werden, wenn alles schon in Sack und Tüten ist. Und dann auch noch nicht mal von ihrem Bürgermeister darüber informiert werden, sondern von der NPD.
Laut dem Betreiber AWO gab es wöchentliche Bürgersprechstunden und fortlaufende Informationen an die Bevölkerung (Link). Ich kann nicht beurteilen, ab wann die Informationen erfolgten, wie direkt sie an die Bevölkerung gerichtet waren und welchen Umfang sie hatte. Das aber in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Schule umgebaut wurde, halte ich für dämliches Stammtischgequake.

Aber wie schon gesagt: Die Diskussion und die Argumentation hätte vor Ort stattfinden müssen bevor man es den Leuten aufnötigt.
Wie stellst du dir diese Diskussion vor und welche Argumente hätte die Stadt und der Betreiber den vorbringen können, damit die heutige Situation nicht entstanden wäre? Glaubst du ernsthaft, dass man die Anwohner, die an den Protesten teilnehmen, hätte überzeugen können?
 
Zuletzt bearbeitet:
Laut dem Betreiber AWO gab es wöchentliche Bürgersprechstunden und fortlaufende Informationen an die Bevölkerung (Link). Ich kann nicht beurteilen, ab wann die Informationen erfolgten, wie direkt sie an die Bevölkerung gerichtet waren und welchen Umfang sie hatte. Das aber in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Schule umgebaut wurde, halte ich für dämliches Stammtischgequake.
Aha.

Wie stellst du dir diese Diskussion vor und welche Argumente hätte die Stadt und der Betreiber den vorbringen können, damit die heutige Situation nicht entstanden wäre? Glaubst du ernsthaft, dass man die Anwohner, die an den Protesten teilnehmen, hätte überzeugen können?
Also wenn es statt um ein Asylbewerberheim um eine Imbissbude gegangen wäre, dann wäre der "Volksaufstand" wohl auch bescheidener ausgefallen. Dann hätte es sicher nur ein paar Leute gegeben, die sich beschwert hätten aus Angst, dass ihre Bude fortan nur noch nach Pommes und Hühnchen riecht und wegen der 24/7 alkoholisierten Clientel, die solche Etablissements für gewöhnlich anziehen. Als ich in meine Wohnung eingezogen bin und die mit Laminat ausgelegt hatte, ist die Dame unter mir auch sofort hoch gekommen, weil sie Angst davor hatte, dass sie jeden Schritt und Tritt von mir hören würde und fortan nicht mehr schlafen könnte. Sie hatte sogar eine Beschwerde an den Vermieter geschrieben.

Jetzt stelle ich mir die Dame unter mir mal vor, wenn dann noch jemand bei ihr auf der Couch gesessen hätte, der sagt: "Na warte mal ab. Über mir hat auch mal jemand mit Laminat in der Bude gewohnt. Ich bin gar nicht mehr zur Ruhe gekommen. Alles hat man gehört, es war schrecklich. Ich musste schließlich weg ziehen." Ich halte jede Wette, sie hätte mich notfalls vors Gericht gezerrt.

Ganz anders, wenn jemand da sitzt und sagt: "Laminat oder nicht - wenn das ordentlich und fachmännisch trittschallgedämmt ist, hörst Du gar nichts. Es gibt inzwischen so gute Dämmmaterialien, die nehmen wirklich jeden Schall auf. Bleib ganz ruhig, da passiert nix. Reg' Dich auf, wenn Du was hörst. Doch ich verspreche Dir, Du wirst nichts hören."

Nun ist Hellersdorf keine Couch und die Leute wohnen auch nicht alle unter mir. Aber ich glaube, Du verstehst trotzdem, was ich sagen will. Deutsche scheinen es zu lieben, sich irgendwo zu beschweren, wenn sich irgendwas am Althergebrachten ändert und das auch nur im Ansatz irgendwie negativ sein könnte. Beinahe wie Autisten. Und Deutsche lassen sich auch gern in Angst und Schrecken versetzen: "The German Angst". Ob nun begründet oder unbegründet, aber Deutsche sind so. Wenn man das weiß und wenn man weiß, dass Asylbewerberheime, Ausländerwohnheime oder was auch immer in dieser Richtung immer ein heikles Thema sind, dann verstehe ich nicht, warum man wartet, bis die NPD ihren Job gemacht hat. Völlig unverständlich.

Notfalls hätte man bei diesem Thema die Menschen anschreiben müssen, von mir aus auch ein Bürgertelefon einrichten müssen. Sondersprechstunden mit dem Bezirksbürgermeister auch, warum nicht. Wenn niemand anruft, niemand zur Sprechstunde geht und auch sonst alles ruhig bleibt - ok, war umsonst, schade um das Geld, aber auch egal. Besser als noch eine Frauenturnhalle. Aber von den Leuten, die ich kenne (und die die kennen), wusste nicht ein einziger, was da passiert. Ich will gar nicht bestreiten, dass vielleicht auf der Hinterletzten Seite der Website der AWO darüber berichtet wurde, aber von uns Normalsterblichen ist ja niemand bei der NSA und hat somit auch nicht den totalen Überblick über das Internet.

Manchmal denke ich aber viel mehr, Du willst mich gar nicht verstehen :)
 
Das ist wieder so ein Ding wegen dem es mir manchmal peinlich ist deutscher zu sein.

Eine jubelnde Masse bei brennendem Asylantenheim - das hatten wir schon - muss das jetzt wieder sein?

Kann man das rechte Pack nicht mal wegsperren? Da zeigt sich doch die braune Masse gerade... nehmt sie mit.
 
Manchmal denke ich aber viel mehr, Du willst mich gar nicht verstehen :)
Nicht ganz. Ich bin nur zu faul zum Tippen. Deshalb lasse ich gern andere ausführlich argumentieren und schreiben darauf dann ein einfaches "Aber". :mrgreen:

Ich kann mir schon vorstellen, dass die Informationspolitik verbesserungswürdig ist. ABER die Angst vor Fremden in allgemeinen und vor Asylbewerber im Speziellen ist so diffus / so abstrak / so "argumenteresistent", dass du auch mit einer besseren Informationspolitik nicht viel ändern wirst. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Niemand will ein Asylbewerberheim in der Nachbarschaft. Auch Dank deutscher Asylpolitik sind diese Heime soziale Brennpunkte und ein Hort der Langeweile. Dazu kommt der Clash der Kulturen. Und jetzt bitte 500 Wörter, wie man die Anwohner überzeugen soll. ;)

Das ist wieder so ein Ding wegen dem es mir manchmal peinlich ist deutscher zu sein.
Und was sind Momente, bei denen du stolz bist?
 
Ich kann mir schon vorstellen, dass die Informationspolitik verbesserungswürdig ist. ABER die Angst vor Fremden in allgemeinen und vor Asylbewerber im Speziellen ist so diffus / so abstrak / so "argumenteresistent", dass du auch mit einer besseren Informationspolitik nicht viel ändern wirst. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Niemand will ein Asylbewerberheim in der Nachbarschaft. Auch Dank deutscher Asylpolitik sind diese Heime soziale Brennpunkte und ein Hort der Langeweile. Dazu kommt der Clash der Kulturen. Und jetzt bitte 500 Wörter, wie man die Anwohner überzeugen soll. ;)
Na ich bin doch nicht der Redenschreiber für meine Volksvertreter. Da werden sie schon allein den Wirsing benutzen müssen. Nichts zu tun á la Merkel ist aber völlig falsch.

Aber um mal etwas konstruktiv zu sein: Wenn man schon weiß, dass es soziale Brennpunkte werden, dann ist es doch um so wichtiger, hier einzugreifen. Das heißt ja nicht, dass man auf einmal jeden Anwohner dazu bewegen kann, vor dem Asylantenheim mit Kaffee und Kuchen (wahlweise auch mit Brot und Salz) auf die neuen Bewohner zu warten und dann bis tief in die Nacht den Annekdoten aus deren Heimatländern lauscht. Aber trotzdem muss man ja nicht den Extremisten das Feld überlassen - weder der NPD, noch der Antifa oder sonstwem.

Was man jetzt Wort für Wort hätte sagen können/müssen, ist doch dabei völlig egal. Die Leute werden vor Tatsachen gestellt, machen sich ihre eigenen Gedanken, haben Bedenken. Diese Bedenken werden dann von rechts verstärkt und Ängste geschürt. Gut, das ist ja auch der Job der NPD, sonst bekommen die wohl gar keine Stimmen mehr. Die mussten also was machen. Das Ausländerheim war eine tolle Sache zum Wahlkampf. Und von links hört man dann nur "Nazis raus!" und "Halt die Fresse!" oder was? Wie originell und wirkungsvoll. Vor allem werden die Anwohner davon tief beeindruckt und überzeugt sein.

Derweile ist der Komoß ja abgetaucht. Hab den einmal zur Eröffnung da gesehen, wo er sich im Lokalfernsehen tief erschüttert und theatralisch bestürzt gab, wieviele seiner Schäfchen wohl die Herde verließen und gegen das Heim aufbegehrten. Seitdem ward er nicht mehr gesehen :D Auch egal, aus seinem Munde ergalt sich selten Gutes :D
 
In einem "reichen" Vorort wäre die Chance einer friedlichen Integration sicher deutlich größer. Aber in solchen Orten müssen wohl z.b. nur ein paar bestimmte Leute Angst um den Mietspiegel ihrer Immobilien an der richtigen Stelle äußern.
An solchen Orten muss die Kommune aber auch erst einmal leerstehende Immobilien besitzen, die sich als Asylbewerberheim eignen. Da vermute ich doch, dass dies seltener vorkommt.

Aber um mal etwas konstruktiv zu sein: Wenn man schon weiß, dass es soziale Brennpunkte werden, dann ist es doch um so wichtiger, hier einzugreifen.
Ein Ansatz wäre es, diese Menschen nicht in Heimen unterzubringen. Dürfte aber bei der Wohnmarktsituation in Großstädten wie Berlin schwierig sein.

Die Leute werden vor Tatsachen gestellt, machen sich ihre eigenen Gedanken, haben Bedenken. Diese Bedenken werden dann von rechts verstärkt und Ängste geschürt.
Und diesen Bedenken wollte die AWO mit der Anwohnersprechstunde entgegenwirken. Warum das nicht funktioniert hat, dürfte viele Gründe haben. Eines davon dürften eben die bereits erwähnten diffusen Ängste sein. Die auszuräumen dürfte deutlich schwieriger sein als sie zu verstärken.
Und was heißt "vor Tatsachen" gestellt? Willst du darüber abstimmen lassen?
 
An solchen Orten muss die Kommune aber auch erst einmal leerstehende Immobilien besitzen, die sich als Asylbewerberheim eignen. Da vermute ich doch, dass dies seltener vorkommt.

Schöne spontane Vermutung die direkt ziemlich plausibel daherkommt. Leider kann ich diese abrupt entkräften. Meine Stadt schließt z.B. seit 2-3 Jahren kontinuierlich etliche Schulen ob der Pläne für die tollen "Gemeinschaftsschulen". Dadruch hat die Stadt hier grade einiges an geegnetem "Leerstand". Hier kommt dann auch in eine Schule im gehobenen Viertel eine Flüchtlingsunterkunft, was ja auch okay ist. ABER die bereits umschriebenen deutlich problematischeren Unterkünfte für Asylbewerber (die ich immer mal gern, mir der Oberflächlichkeit bewusst sein, als "Sozialflüchtlinge" bezeichne) kommen weiterhin konsequent ins "Ghetto".
Zudem wurden in den letzten 10 Jahren auch etliche Verwaltungsgebäude eingespart als verschiedene Behörden zu "Bürgerdiensten" zusammengefasst wurden. Auch dadurch gabs viel städtischen Leerstand in sämtlichen Stadtteilen.
 
Woher weiß man das denn, außer aus Vorurteilen und bekloppter Bevölkerung?
Also Marzahn/Hellersdorf ist schon ohne Ausländerwohnheim oder Asylantenheim ein sozialer Brennpunkt. Nicht, weil dort aktuell mehr passiert als anderswo, sondern weil hier die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist und das Einkommensniveau unterdurchschnittlich. Sowas wird bekanntermaßen schnell zum Ghetto.

Dass der Durchschnittsbürger bekloppt ist, weiß man eigentlich auch. Aber vor allem hasst er Veränderungen. Besonders dann, wenn sie nicht zu seinem Vorteil sind. Und letztlich sind Vorurteile auch nur eine Meinung. Die kann man ändern. Nicht von jetzt auf gleich und nicht durch ein Bürgertelefon. Aber zumindest mal dem entgegen wirken. Mehr verlange ich ja gar nicht.

Man wird keinen Nazi zum Antifa-Deppen machen können und keinen Rassisten zum toleranten Kulturinteressierten. Muss man ja auch gar nicht, will ich auch gar nicht. Jeder soll seine Meinung haben. Aber ich erwarte, dass man im Volk wenigstens versucht, Verständnis für die Lage der Flüchtlinge zu verbreiten und auch damit schon klar macht, dass die alles andere wollen, als hier Drogen zu verkaufen, die Leute übel zu bepöbeln und zu beklauen. Der Job ist auch schon mehrfach vergeben und wird bereits vorbildlich erfüllt...

Ein Ansatz wäre es, diese Menschen nicht in Heimen unterzubringen. Dürfte aber bei der Wohnmarktsituation in Großstädten wie Berlin schwierig sein.
Heime sind schon ok. Es soll ja auch keine Dauerlösung sein. Aber es ging mir ja auch nicht um die Art der Unterkunft.

Bei der Gelegenheit mal ein Vorschlag. Anstatt noch eine Frauenturnhalle zu bauen, Umkleideräume muslimgerecht zu gestalten und andere Geldverschwendungen; wie wäre es, wenn man irgendwo (gern auch in oder um Berlin) ein zentrales Asylantenheim für Berlin/Brandenburg (bzw. Gebäudekomplex) errichtet? Mit eigenen Allgemeinmedizinern, einem Spielplatz und einer Kantine vor Ort? Mit einer von einem Wachschutz bewachten Mauer drumrum, einer Gebäudereinigungsfirma, die 2x pro Woche kommt und wo man nur Zugang mit (Asyl-) Ausweis bekommt - wie eben ein Diplomatenviertel. Wenn das nicht reicht, kann man sich ja noch nach Ausweichmöglichkeiten umschauen, aber ich stelle mir etwas in der Größenordnung vor, in der bis zu 500 Familien Platz finden (oder 2000 Personen). Hat man das in jedem Bundesland, könnten wir insgesmat 32.000 Flüchtlinge gleichzeitig aufnehmen, sie medizinisch grundversorgen und der Wachschutz sorgt dafür, dass die Asylanten sich weder gegenseitig, noch die Einheimischen angreifen, bzw. auch nicht angegriffen werden. Keiner braucht mehr Angst haben, alle sind versorgt und in Sicherheit. Halte ich für eine saugute Lösung, die auch nicht teurer wäre, als verstreut umgebaute Flüchtlingsheime.
 
Die Islamisten unter den Asylbewerbern sind auch eine grosse Gefahr für die Asylbewerber, die für das wahnsinnige Treiben der Religioten kein Verstnändis haben. Auch vor ihnen müssen wir die echten Flüchtlinge schützen. Daher ist eine genaue und vor allem schnelle Prüfung der Asylanträge wichtig, damit die "Spreu vom Weizen" getrennt werden kann, damit wenigsten ein Teil der Islamisten schnell entdeckt und umgehend zurück geschickt wird.
Nur 1-2% der Asyl-Bewerber sind echte politische Flüchtlinge, und etwa 12% sind Kriegsflüchtlinge. Die Verfahren müssen einfach beschleunigt werden um die echten Flüchtlinge heraus zu filtern und die Infrastrukturen zu entlasten. Es macht auch keinen Sinn ständig neue Heime zu bauen wenn 85% eh wieder abgeschoben werden - dann stehen die Heime nachher wieder leer. Außer dem bekommen dann die die Hilfe die sie auch benötigen.
Von daher sehe ich den Protest als gerechtfertigt an.