Bloodstained: Ritual of the Night im Test – Wer braucht da noch Castlevania?
Mit „Bloodstained: Ritual of the Night“ veröffentlichten die Entwickler von ArtPlay in Zusammenarbeit mit dem Publisher 505 Games einen spirituellen Nachfolger zur Castlevania-Reihe. Koji Igarashi ist der verantwortliche Produzent des Titels. Wer das ist fragt ihr? Nun, Igarashi ist ein japanischer Spiele Produzent, Entwickler, Schriftsteller und Creative Director. Von 2001 bis 2010 arbeitete er bei Konami und wirkte selbst an vielen Castlevania-Teilen mit, darunter auch der Playstation-Hit Castlevania: Symphony of the Night. 2014 verließ Igarashi Konami, weil er den Wunsch hegte weitere Titel im Metroidvania-Stil ähnlich der Castlevania-Reihe zu erschaffen. Da seine Konzepte jedoch bei vielen Publishern (immerhin suchte er über 20 auf) nicht überzeugen konnten, entschied sich Igarashi zu einer Kickstarter Kampagne. Innerhalb nur vier Stunden nach Start der Kampagne konnten bereits die gewünschten Produktionskosten von $500,000 erzielt werden und nach einem Tag stand der Zähler bei 1.5 Millionen Dollar. Mit mehr 5.5 Millionen Dollar wurde die Kickstarter Kampagne beendet und brach im Juni 2015 den Rekord für das am höchsten finanzierte Spiele Projekt auf Kickstarter. Neben dem Spiel selbst, wurden somit auch gleich einige ambitionierte Stretch Goals erzielt, wie das im letzten Jahr veröffentliche „Bloodstained: Curse of the Moon“, welches die 8-Bit Ära neu aufleben ließ. Warum „Bloodstained: Ritual of the Night“ die Herzen aller Castlevania-Fans schneller schlagen lässt, verraten wir euch in unserem Test.
0815-Story
Story-technisch ist „Bloodstained: Ritual of the Night“ ziemlich schnell erzählt. Zur Zeit der industriellen Revolution im Jahre 1783 fürchteten die Alchemisten um ihre Stellung, da die Menschen sich immer weiter vom spirituellen Glauben abkehrten und sich der modernen Technik zuwandten. Aus diesem Grund griffen sie zu der dunkelsten Magie, die ihnen bekannt war und erschufen Menschen, die besonders anfällig für dämonische Kräfte waren, die sogenannten Scherbenbinder.
Durch ein Opferritual der gerade erschaffenen Scherbenbindern öffneten sie das Tor zur Dämonenwelt, wodurch viele englische Städte von den Dämonen überrannt wurden und viele unschuldige ihr Leben ließen. Die Kirche schaffte es gerade so die Dämonen zurück zu drängen und die Menschheit zu retten. Von den Scherbenbindern nahm man an, dass alle während des Opferrituals ums Leben gekommen waren, doch zwei haben überlebt. Gebel, ein junger Mann, der als einziger das Opferritual überleben konnte und Miriam, eine junge Frau, die mysteriöser Weise in einen tiefen Schlaf fiel, noch bevor an ihr das Opferritual durchgeführt werden konnte.
Zehn Jahre später bedroht erneut eine Armee von Dämonen die Menschheit und genau in diesem Augenblick erwacht Miriam aus ihrem Schlaf. Von Johannes, einem Alchemisten erfährt Miriam, dass Gebel für den erneuten Angriff der Dämonen verantwortlich sei und sich in einem heraufbeschworenen Schloss versteckt hält. Miriam und Johannes machen sich sofort auf den Weg zum Schloss, um die Menschheit zu retten.
Castlevania-Feeling Pur
Bereits die ersten Spielminuten versprühen diesen unvergleichlichen Castlevania-Look. „Bloodstained: Ritual of the Night“ ist ein Sidescroller aus der 2.5D-Perspektive, welcher sich stark an „Castlevania: Symphony of the Night“ orientiert. Natürlich durften auch die Rollenspiel-Elemente nicht fehlen. So steigt Miriam im Laufe des Abenteuers im Level auf und kann ihre Statuswerte zusätzlich durch zahlreiche Accessoires und Ausrüstungsgegenstände aufwerten. Während eine Rüstung keinen optischen Mehrwert bietet und lediglich die Statuswerte aufbessert, sind Hüte, Schals, Ohrringe oder ändere Ausrüstungsgegenstände deutlich an Miriams Körper erkennbar. Darüber hinaus greift Miriam auf viele unterschiedliche Waffentypen zurück, darunter Degen, Schwert, Großschwert, Peitsche und Pistolen. Für die Pistolen können auch unterschiedliche Munitionstypen gefunden oder hergestellt werden.
Wem die optischen Anpassungen durch die zahlreichen Accessoires nicht ausreichen, kann Miriam bei einem Frisör im Schloss einen individuellen Look verpassen. Hier kann man die Frisur verändern, eine andere Haar-, Augen- oder Hautfarbe wählen und das Kleid in unterschiedlichen Farben tauchen. In den bereits erwähnten Bücheregalen lassen sich weitere Frisuren finden.
Apropos herstellen. Im Laufe eures Abenteuers findet ihr zahlreiche Materialien und Zutaten, wodurch sich bei Johannes neue Ausrüstung herstellen lässt, verschiedene Gerichte gezaubert werden können, Scherben aufgewertet und Ausrüstung in seine Einzelbestandteile zerlegen lässt. Gerichte können sich als äußerst hilfreich erweisen, da diese nicht nur Miriams Lebensenergie auffüllen, sondern unterschiedlichen Attributen auch einen temporären Bonus verleihen. Rezepte für neue Gerichte oder Ausrüstungsgegenstände lassen sich in Bücherregalen finden, die überall im Schloss verteilt sind. Doch nicht nur Rezepte lernt man aus den Büchern kennen, auch Tagebücher lassen sich finden, die mehr zur Hintergrundgeschichte verraten und Kombo-Bücher verraten euch bestimmte Techniken für die unterschiedlichen Waffentypen. Diese Kombo-techniken können auch gemeistert werden, wodurch diese auf der Meisterstufe noch mehr Schaden verursachen. Ob ihr eine Technik gemeistert habt, verrät euch eine Leiste im Menü-Punkt „Archiv“.
Wie in allen Castlevania bzw. Metroidvania Spielen können wir unsere Umgebung zwar komplett frei erkunden, da das Spiel uns keinen linearen Weg vorgibt, doch einige Bereiche können erst mit dem Erwerb einer speziellen Technik oder eines bestimmten Items betreten werden. Hier kommt die besondere Eigenschaft eines Scherbenbinders zum Einsatz. So ist Miriam in der Lage sich von jedem Dämon eine bestimmte Technik anzueignen. Töten wir einen Dämon besteht eine geringe Chance, dass dieser sich in eine Scherbe verwandelt und uns eine mächtige Technik verleiht. Insgesamt kann Miriam fünf Scherben gleichzeitig ausrüsten, die unterschiedliche Attacken oder Vorteile gewähren.
Von insgesamt 128 unterschiedlichen Dämonen können wir uns an die 120 Scherben aneignen, um da die Übersicht zu behalten wurden die Scherben in fünf Kategorien eingeteilt. Während zwei Fähigkeiten sich per Knopfdruck auslösen lassen, kann ein weiterer gezielt mit dem rechten Analogstick oder per Maus gesteuert werden. Bei den restlichen beiden Scherben handelt es sich um einen Gefährten, der uns aktiv im Kampf unterstützt und eine passive Fähigkeit, die unsere Attribute steigern kann. So können wir eine Scherbe erwerben, die unsere Angriffsgeschwindigkeit erhöht oder unsere Angriffskraft für eine ganz bestimmte Waffe permanent steigert. Auf diese Weise kann sich jeder seinen ganz persönlichen Spielstil zusammen schustern. Weitere Scherben-Fähigkeiten wie Doppelsprung oder „Bleigewicht“ (hierdurch sinkt Miriam im Wasser wie ein Stein zu Boden) lassen sich im Menü jederzeit zu- und abschalten.
Technik und Entdeckerdrang
Dank der Unreal Engine 4 sieht das Ganze auch noch ganz schön schick aus. Die Effekte können sich durchaus sehen lassen. Technisch gesehen läuft das Spiel einwandfrei. Die Ladezeiten sind kurzgehalten und das Spiel läuft trotz zahlreicher Effekte auf dem Bildschirm durchgehend flüssig. Lediglich einige Bugs lassen sich noch im Titel finden, die jedoch das Spielerlebnis nicht sonderlich beeinflussten. Clipping-Fehler sind an der Tagesordnung. Läuft man mit Miriam an eine Wand, so verschwindet sie zur Hälfte in dieser. Darüber hinaus bleiben einige fallen gelassen Items in Wänden stecken oder bleiben in der Luft hängen, wodurch sie nicht mehr aufsammelbar sind. Ansonsten sind uns keine weiteren Bugs besonders in Auge gefallen.
Das Speichern und Schnellreisen funktioniert Metroidvania-typisch nur in bestimmten Räumen. In den jeweiligen Speicherräumen werdet ihr komplett geheilt und das Spiel wird gespeichert und Schnellreisen könnt ihr nur zu den jeweiligen Schnellreisepunkten. Sollte es mal eng werden, könnt ihr euch auch schnell mit dem Wegstein zur sicheren Unterkunft der Bürger teleportieren lassen. Wer nach Verlassen eines Speicherraums stirbt, verliert jeglichen Fortschritt und muss vom letzten Speicherort einen erneuten Versuch starten. Demnach solltet ihr oft und jederzeit einen Speicherraum aufsuchen.
Entdecker werden mit geheimen Räumen oder Items, welche die Statuswerte Magie, Leben und Kapazität der Kugeln dauerhaft erhöhen. Hierfür können einige Wände durch normale Angriffe komplett eingerissen oder beschädigt werden. Darüber hinaus lassen sich zahlreiche Truhen finden, die neuen Waffen, Ausrüstungen oder Materialien für euch bereithalten. Dadurch ist man umso mehr bemüht alle Bereiche der Karte aufzudecken. Zudem kann man sich an den zahlreichen Nebenaufgaben der Bewohner versuchen, die euch für den Abschluss mit Materialien, Waffen und neuer Ausrüstung versorgen.
Auch werden euch drei unterschiedliche enden geboten, wobei nur das gute Ende euch tatsächlich die gesamte Karte aufdecken lässt und optionale Bosse entdeckt werden können. Wer nach der Kampagne abgeschlossen hat, kann sich neben der Kampagne an einem Boss-Rush-Modus versuchen oder die Kampagne in einem Zeit-Modus erneut starten.
Als ein Ärgernis erwies sich jedoch die Karte des Spiels. Es ist zwar schön, dass ihr auf Wunsch die Position der Karte ändern könnt und selbst entscheidet, ob ihr überhaupt eine Mini-Map braucht, aber die Gesamtansicht ist mehr als unübersichtlich geraten. Vor allem, wenn ihr bereits mehrere Bereiche erkundet habt und die Karte immer größer wird. Ihr müsst euch direkt merken wo ihr welchen Bereich betreten habt, denn die Karte unterteilt die jeweiligen Bereiche nicht, stattdessen ist alles in ein und demselben Blauton gehalten. Selbst Namen des jeweiligen Bereiches sucht ihr auf der Karte vergebens. Es ist zwar möglich Markierungen auf der Karte zu setzen, aber es ist immer dasselbe Symbol ohne die Möglichkeit es zu Beschriften.
Auch die Ziele sind nicht immer eindeutig gestellt. So kommt man nicht drum herum an einigen Stellen im Spiel Ziellos umher zu wandern und Gebiete weiter zu erkunden. An einer Stelle im Spiel habe ich es nur durch Zufall geschafft weiter zu kommen. So entdeckte ich eine verschlossene Tür, die nur durch einen bestimmten Mechanismus geöffnet werden kann, so zumindest der tipp des Spiels. Des Rätsels Lösung war es eine Fotografie zu erstellen und einen bestimmten Charakter aufzusuchen. Aus Spoilergründen verzichte ich auf eine nähere Erläuterung. Zwar hilft immer mal wieder die Verkäuferin Dominique mit einigen Tipps, indem sie euch erzählt in welchem Bereich der nächste Boss auf euch wartet, aber wenn euch die Karte keinen Hinweis darauf liefert, wo das geheime Labor oder die Bibliothek nochmal war, dann bringen die Tipps nur recht wenig.
Fazit
Schon nach Abschluss der Kickstarter Kampagne wurde mehr als deutlich, dass Fans auf der ganzen Welt sich nach neuen Castlevania-Titeln sehnen, doch während Konami die Zeichen der Zeit verschläft, liefert uns Igarashi mit „Bloodstained: Ritual of the Night“ alles was wir uns von einem Castlevania-Titel erhofft haben. Der Titel vereint die Besten Gameplay-Mechaniken zahlreicher Castlevania-Titel wie den bereits erwähnten „Symphony of the Night“-Titel, „Aria of Sorrow“ oder auch „Order of Ecclesia“ und vereint diese in einem modernen Grafik-Gewand, dank der Unreal Engine 4.
Wir können diesen Titel jedem Metroidvania und besonders Castlevania-Fan nur wärmstens ans Herz legen. Die recht kurze Kampagne von 12 – 15 Stunden weiß durchgehend zu unterhalten. Darüber hinaus können nach dem ersten Spieldurchlauf ein Boss-Rush-Modus, ein Tempo-Modus und ein höherer Schwierigkeitsgrad in Angriff genommen werden. Doch damit nicht genug, die Entwickler haben bereits 13 kostenlose DLCs angekündigt, darunter einen Roguelike Dungeon, Lokalen und Online Multiplayer Modus, zwei weitere spielbare Charaktere und mehr. Für gerade einmal 35,99 Euro bekommt man ein ordentliches Paket geboten.

