Assassin’s Creed Black Flag Resynced im Test: Mein Herz sagt 10, die Bugs sagen nein
Es gibt Spiele, die vermisst man wie gute Freunde. Assassin’s Creed IV: Black Flag gehört für viele Fans genau in diese Kategorie. Bis heute gilt Edward Kenways Reise durch die Karibik als eines der besten Abenteuer der gesamten Reihe. Ubisoft versucht nun dieses Kultspiel wieder aufleben zu lassen… allerdings nicht als einfache Neuauflage. Black Flag Resynced wurde vollständig auf die aktuelle Anvil Engine gebracht und erweitert das Original an vielen Stellen. Die große Frage lautet deshalb… sinnvoll? Die Fallhöhe ist hier sehr sehr groß!

Edward Kennway in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame
Soon may the Wellerman come…
Wir schreiben das frühe 18. Jahrhundert… die Zeit der Piraten erreicht ihren Höhepunkt. Mittendrin befindet sich Edward Kenway. Eigentlich kein Assassine, sondern ein draufgängerischer Freibeuter, der vor allem eines sucht… Reichtum.
Nach einem Zufall gerät Edward jedoch zwischen die Fronten von Assassinen und Templern. Während er zunächst ausschließlich seinem eigenen Vorteil folgt, entwickelt sich seine Reise langsam zu einer Geschichte über Loyalität, Verantwortung und die Frage, was im Leben wirklich zählt.
Dabei begegnet man bekannten Persönlichkeiten wie Blackbeard, Anne Bonny oder Calico Jack. Gerade diese Mischung aus historischen Figuren und der typischen Assassin’s Creed Mythologie funktioniert auch heute noch erstaunlich gut. Edward bleibt dabei einer der sympathischsten Hauptcharaktere der gesamten Serie. Er ist kein Held… zumindest anfangs nicht… sondern ein Mensch mit Ecken, Fehlern, einer glaubwürdigen Entwicklung und einem leichten Alkoholproblem.
Resynced erweitert die Geschichte zusätzlich um neue Erzählinhalte und zusätzliche Nebenhandlungen. Sie fügen sich überraschend natürlich in das bestehende Abenteuer ein, ohne den ursprünglichen Verlauf zu verändern.

Alte Freunde in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame
Randy Dandy Oh!
Das Herzstück von Black Flag war schon immer die Freiheit. Die See. Die Welt und diese mit der Jackdaw zu erkunden wie man es selbst wirklich wollte. Völlig unabhängig von der Story.
Man kann der Hauptgeschichte folgen… oder einfach stundenlang durch die Karibik segeln. Schiffe kapern. Schätze bergen. Wale jagen. Unterwasserwracks erkunden. Festungen einnehmen. Handelsrouten stören oder einfach nur den nächsten Sturm suchen.
Genau dieses Gefühl bleibt vollständig erhalten. Und was war es für ein Gefühl wieder an dieses Steuer zu treten, den Befehl zu geben, volles Segel zu setzen und ein Lied anzustimmen.
Die größte Veränderung findet allerdings nicht im eigentlichen Spielgefühl statt. Ubisoft hat zahlreiche Systeme modernisiert. Das Kampfsystem orientiert sich deutlich stärker an aktuellen Assassin’s Creed Titeln. Paraden spielen eine wesentlich größere Rolle und Kämpfe fühlen sich ganz anders an als noch 2013. Black Flag verliert dabei zwar nie seinen eigenen Charakter. Es bleibt schnell, brutal und in der Mischung mit den Steinschlosspistolen einzigartig. Jedoch kann ich nicht ganz sagen ob all diese Änderungen sich im Spiel wirklich so gut anfühlen.
Manche Mechaniken wird man sofort wiedererkennen aus anderen neueren AC Titeln. Ob ich die wirklich gebraucht habe? Nice to have aber ohne würde mir jetzt Nichts fehlen.

Wurfseil in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame
Auch das Schleichen wurde überarbeitet. Gegner reagieren nachvollziehbarer, das Sichtsystem wurde modernisiert und viele kleine Komfortfunktionen machen verdeckte Einsätze angenehmer. Gerade wer zuletzt Assassin’s Creed Shadows gespielt hat, wird sich hier schnell zurechtfinden.
Ähnliches gilt für das Parkour-System. Edward bewegt sich natürlicher durch Städte, Dschungel und über Schiffsdecks. Animationen gehen flüssiger ineinander über und viele kleine Unterbrechungen des Originals gehören endlich der Vergangenheit an. Was gerade in 60 FPS und der neuen Grafik einfach wundershön aussieht. Allerdings hatte ich in meinen ersten rund zwölf Stunden erstaunlich viele kleine Bugs beim Parkour. Edward sprang öfter ins Leere, griff manchmal nicht nach Kanten oder blieb an Dingen hängen, an denen das eigentlich nicht passieren dürfte. Nichts Spielzerstörendes… aber häufig genug, dass es irgendwann einfach nervt. Vermutlich etwas dass mit dem Day One Patch erledigt sein sollte.
Besonders gespannt war ich auf die Seeschlachten… schließlich waren sie schon damals das eigentliche Highlight. Und ich habe damals schon mehr als Doppelt so viel Zeit auf See verbracht, als mit der eigentlichen Story. Denn dort fühlte ich das Game so richtig!
Zum Glück wurde hier nicht alles umgekrempelt. Die Jackdaw steuert sich vertraut, bekommt aber zusätzliche taktische Möglichkeiten. Schiffskämpfe wirken dank der höheren Frames deutlich dynamischer, das Schadensmodell wurde erweitert und auch das Boarding läuft deutlich abwechslungsreicher ab. Wer damals stundenlang gegnerische Fregatten gejagt hat, dürfte sich sofort wieder zuhause fühlen. Spätestens wenn die Crew zu singen beginnt.
Dass Ubisoft hier nicht versucht hat, Black Flag komplett neu zu erfinden, halte ich persönlich für die richtige Entscheidung. Seestürme. Fremde Schiffe die sich bekriegen. Wale die aus dem Meer springen. Sie können es ja doch noch. Looking at you Skull and Bones…

Die Jackdaw segelt wieder in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame
Leave her Johnny leave her…
Der technische Unterschied zum Original springt bereits nach wenigen Minuten ins Auge.
Die komplette Karibik wurde auf die aktuelle Anvil Engine übertragen. Wasser, Vegetation und Beleuchtung erreichen ein Niveau, das man zuletzt aus Assassin’s Creed Shadows kennt. Besonders Sonnenaufgänge auf offener See sehen teilweise beeindruckend aus. Tauchen ist nachwievor ein optisches Highlight und das nun nahezu überall.
Auch die Städte profitieren enorm. Nassau, Havanna oder Kingston wirken wesentlich lebendiger als früher. NPCs beleben die Straßen, Materialien besitzen deutlich mehr Tiefe und zahlreiche neue Details sorgen dafür, dass sich bekannte Orte fast wie neu anfühlen.
Charaktermodelle wurden ebenfalls komplett überarbeitet. Gesichter zeigen wesentlich mehr Emotionen und die Mimik transportiert viele Szenen deutlich glaubwürdiger. Auch wenn die Mimik der Figuren nicht auf dem Niveau ist, wo man meiner Meinung nach sein könnte. Und nein, ich werde nie müde werden an dieser Stelle RDR2 als Meisterbeispiel zu nennen.
Besonders gelungen bleibt aber die Atmosphäre. Dieses Piraten Feeling. Ich konnte es damals schon nicht so ganz beschreiben und es gelingt mir auch heute nicht. Aber dieses Game trifft einen Nerv wie kein Anderes der gesammten Assassins Creed Reihe.
Wenn sich der Nebel langsam über das Meer legt, irgendwo in der Ferne Kanonen donnern und die Mannschaft plötzlich beginnt ihre Seemannslieder anzustimmen… dann erinnert Black Flag sofort daran, warum dieses Spiel bis heute einen so besonderen Ruf genießt.
Auch musikalisch bleibt Ubisoft dem Original treu. Der Soundtrack gehört weiterhin zu den stärksten der gesamten Reihe und wird durch moderne Songs, Shanties und Soundeffekte sinnvoll ergänzt. Ich weiß ja nicht wie es euch damals ging. Aber die Musik dieses Spiels begleitet mich persönlich noch heute. Ob im Auto, beim Aufräumen der Spielsachen meines Sohnes oder sogar beim Schreiben dieses Artikels. Man kann mich immer wieder Shanties singen hören, in den unterschiedlichsten Situationen.

Tauchen in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame
Bully in the Alley
Während meines bisherigen Tests lief Assassin’s Creed Black Flag Resynced insgesamt stabil. Die Ladezeiten fallen deutlich kürzer aus als früher und auch die allgemeine Performance macht bislang einen guten Eindruck. Allerdings schlichen sich immer wieder mal Sprach-Fehler ein. Eingeblendete Texte und abgespielte Audios waren nicht in er Sprache wie ich das Spiel eingestellt hatte. Ebenso wie die erwähnten Parkour Probleme.
Besonders lästig sind Stellen wo Edward eine Kiste oder ähnliches nicht plündern kann, weil er in der Hocke ist, was nicht sein sollte. Und solche wirklich nervigen kleinen Fehler, welche Alle patchbar sind. Weswegen ich mal drüber hinwegsehen möchte, aber es nicht kann wenn ich diese Review ehrlich gestalten will. Dafür sind es zu viele.
Ubisoft weist allerdings darauf hin, dass bereits zum Release ein umfangreicher Day-One-Patch zahlreiche Optimierungen sowie Fehlerbehebungen mitbringt. Gerade kleinere Grafikfehler, einzelne Quest-Probleme oder vereinzelte Performance-Einbrüche sollen damit beseitigt werden. Es wäre ein Traum wenn Games mal ohne so einen 80 GB (ich rate jetzt einfach mal) Patch zum Launch auskommen würde. Aber welcher AAA Titel schafft das heut zu Tage schon?
Ich schenke an dieser Stelle zwar Ubisoft den Benefit of Hope. Und Hoffe entsprechend auf diesen Patch. Aber… der hilft mir an dieser Stelle noch nicht bei meiner Bewertung. Ich bin aber bereit meine zweite Meinung zu posten, falls sich an diesen Sachen etwas ändern sollte.

Seestürme in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame
Here´s a Health to the Company
Assassin’s Creed Black Flag musste sich eigentlich nie beweisen. Für viele Fans zählt es bis heute zu den besten Spielen der gesamten Reihe. Und so muss ich bei meinem Fazit ehrlich sagen, dass es schwer ist hier zu Urteilen. Denn dieses Review schreibe ich mit zwei ganz unterschiedlichen Perspektiven im Herzen. Meiner wirklichen Begeisterung und Liebe für genau dieses Spiel. Aber eben auch dem ehrlichen Herzen als Redakteur, wenn ich mich für euch an den Controller und später an meinen Laptop setze.
Resynced versucht deshalb erfreulicherweise gar nicht erst, das Rad neu zu erfinden. Stattdessen nimmt Ubisoft das Fundament des Originals und modernisiert genau jene Bereiche, die nach über zehn Jahren tatsächlich in die Jahre gekommen waren. Was ich ihnen hoch anrechne. Denn wenn wir ehrlich sind, hat das Studio schon seit Jahren immer wieder Entscheidungen getroffen, welche Fans des Franchises nicht nachvollziehen können. Und uns oft nur wenig Spaß bereitet haben.
Das Ergebnis wirkt bislang wie genau die Art von Remake, die sich viele Fans gewünscht haben… moderner, schöner und spielerisch runder, ohne dabei die Seele des Originals zu verlieren. Und hier möchte mein Fan-Herz am liebsten 12/10 Punkten geben. Einfach weil ich so glücklich bin, wieder in dieses Game eintauchen zu dürfen ohne die 2013er Version ausgraben zu müssen.
Aber ich muss Punkte abziehen. Es geht leider nicht anders. Denn hier gilt es noch einiges auszumerzen. Versteht mich bitte nicht falsch. Nichts davon ist Spiel-Zerstörend. Es sind nur so viele nervige Dinge, dass die schiere Masse es nicht möglich macht da drüber hinweg zu sehen.
Ob am Ende tatsächlich ein neuer Meilenstein entstanden ist oder „nur“ die definitive Version eines ohnehin großartigen Spiels, werde ich nach meinem vollständigen Durchgang entscheiden.
Eines steht allerdings jetzt schon fest…
Es fühlt sich verdammt gut an, wieder mit der Jackdaw durch die Karibik zu segeln. Mit einer Katze neben meinem Steuerrad. Geladenen Kanonen und einer Crew die ein Shanty anstimmt…


