The Green Wave

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: Website :: IMDB (7,6)
Regie: Ali Samadi Ahadi
Laufzeit: 83min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Dokumentation, Animation (Deutschland)
Verleih: Camino Filmverleih
Filmstart: 24. Februar 2011
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
„Für wenige Wochen hatten wir das Gefühl unserem Ziel so nah zu sein wie noch nie zuvor....“ – Blogeintrag. Die „grüne Revolution“ im Iran verdankt ihren Namen der Farbe, die zum Erkennungszeichen der Anhänger von Präsidentschaftskandidat Mir Hossein Mussawi wurde. Als Farbe des Islam und der Hoffnung, und als eine der iranischen Landesfarben entfaltete dieses Grün eine ungeahnte Signalwirkung und Symbolkraft, die weit über das schlichte Bekenntnis zu Mussawi hinaus reichte. Es ging nicht nur um Wahlkampf, nicht mal nur um Unzufriedenheit mit dem Regime unter Ahmenidschad, sondern um ein neues Wir-Gefühl und die Zuversicht, dass es einen anderen iranischen Weg geben könnte, der nicht von Repressalien, Unterdrückung und Willkür geprägt ist. Dieses ‚Grün’ war das Zeichen des Aufbruchs, des Muts und der lange nicht mehr möglich geglaubten Chance eines Wandels. Auf den Straßen Teherans und anderer Großstädte war die Euphorie nicht mehr zu übersehen: Tücher, Armbändchen, Schals, Fingernagel-Lack, fast alles diente als grüner Gruß, als Merkmal friedlicher Einigkeit und als Geste der Auflehnung. Trotz kaum möglicher Medien-Berichterstattung aus dem Iran konnte man die ‚grüne Bewegung’ auch im Ausland spüren, wo ansonsten fast nur Provokationen Ahmadineschads ankamen. Twitter- und Facebook Nachrichten, Youtube-Videos und vor allem zahllose Blogs spiegelten eine ungeahnte Aufbruchsstimmung wider. Die iranische Bloggerszene gilt als eine der größten der Welt und entstand in den Jahren von 1999 bis 2003 auf dem Höhepunkt der damaligen Reformbewegung. Seit 2005 hatte dieses Internetforum mit strengeren Kontrollen durch das Regime zu kämpfen und wurde so weit wie möglich eingedämmt. Jeder Blogger, der sich kritisch äußert, muss mit der Gefahr staatlicher Verfolgung leben. In den Monaten vor der Präsidentschaftswahl 2010 blühte diese Szene wieder auf und das Internet wurde zu einem wichtigen Lebensnerv der Revolution. Ali Samadi Ahadis poetischer Dokumentarfilm macht das Entstehen der ‚grünen Bewegung’ erkennbar, schildert die Dynamik und enthüllt in erschütternden Bildern das Scheitern der friedlichen Revolution. Über Tausend unterschiedliche Einträge iranischer Blogs standen dabei Pate für die zwei ‚fiktiven’ Studenten, deren Gedanken emotional durch das tatsächliche Geschehen führen - wie sie das Erwachen der ‚grünen Bewegung’ wahrnehmen, wie sie aus einer frustrierten Hoffnungslosigkeit erwachen und spüren, dass es doch eine Chance gibt, die Zukunft zu gestalten, wie sie verzweifeln und die Angst wieder in ihnen wächst, und wie sie trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben. Die Geschichten der Studentin Azadeh und des Studenten Kaveh wurden als Motion Comic animiert und begleiten kontrastreich die realen Videobilder des Aufstands und die Interviews mit bedeutenden iranischen Persönlichkeiten und Menschenrechtlern wie der Friedensnobelpreisträgerin Dr. Shirin Ebadi, dem schiitischen Geistlichen Dr. Mohsen Kadivar, einem der wichtigsten Kritiker der Islamischen Republik, der jungen Journalistin Mitra Khalatbari, dem ehemaligen UN-Ankläger und Spezialisten für Menschenrechtsfragen Prof. Dr. Payman Akhavan oder dem Blogger und Mussawi Wahlhelfer Mehdi Mohseni. Die Hoffnungen der grünen Bewegung auf einen Sieg Mussawis und auf Reformen wurden am Wahltag bitter enttäuscht und die Vorwürfe der Wahlmanipulation trieben die Menschen weiter auf die Straße. Doch spätesten nachdem der oberste geistliche Führer des Irans, Chamenei, das Wahlergebnis für offiziell erklärt und eine unverhohlene Drohung an die Protestler ausgesprochen hatte, wurden die Maßnahmen gegen den friedlichen Widerstand immer brutaler. Die Bilder der kurz darauf bei einer Demonstration durch einen Schuss in die Brust ermordeten Neda gingen um die Welt. Unzählige mit Fotoapparaten oder Handys aufgenommene Videos, die ins Internet gestellt wurden, belegen die maßlose Gewalt, mit der staatliche Milizen gegen Demonstranten vorgingen: Milizionäre fahren auf Motorrädern in die Menge, schlagen mit Messern und Schlagstöcken auf die Menschen ein, oder treten auf hilflose Verletzte, die am Boden liegen. Systematisch ging das Regime gegen die anhaltenden Proteste, gegen Oppositionelle und – wie in einem Rausch der Gewalt - auch gegen völlig Unbeteiligte vor. Nächtliche Razzien, massenweise Verhaftungen, endlose Verhöre, Vergewaltigungen, Verschleppungen, Folter – mit unmenschlicher Härte soll jeder Freiheitswille, jeder Gedanke an ein Aufbegehren erstickt werden. Bis heute hält der Druck des Regimes an, aber obwohl die ‚grüne Revolution’ mit jedem zur Verfügung stehenden Mittel niedergerungen wurde, ist die Sehnsucht der Menschen nach mehr Freiheit und Würde ungebrochen – genauso wie die Bereitschaft, dafür zu kämpfen.

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