Regie: Ulrich Köhler
Darsteller: Pierre Bokma, Jean-Christophe Folly
Laufzeit: 91min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Drama (Deutschland, Frankreich)
Filmstart: 23. Juni 2011
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Die Straße nach Yaoundé. Es ist dunkel und die einzigen Lichtquellen sind die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Autos. Ebbo (50, Pierre Bokma) und Vera Velten (43, Jenny Schily) haben ihre Tochter Helen (14, Maria Elise Miller) vom Flughafen abgeholt. Es ist Helens letzter Besuch in Kamerun. Nach über zehn Jahren Entwicklungshilfe in Afrika wollen die Veltens zurück nach Wetzlar, die Stadt, in der Helen ein Internat besucht.
Taschenlampen blitzen auf, eine Straßenkontrolle, Gendarmen mit Kalaschnikows winken Ebbos Geländewagen rechts ran. Es gibt ein Problem mit Helens Visum und die Gendarmen wittern eine Chance ihr Gehalt aufzubessern. Doch Ebbo kennt das Spiel und blockt ihren Versuch mit Bestimmtheit und Humor ab. Vera und Helen erschrecken zu Tode, als er den Bogen überspannt und sich eine angeblich ungeladene Polizeipistole an die Schläfe setzt.
In den nächsten Tagen entzieht sich Helen den unsicheren Annäherungsversuchen ihres Vaters. Sie ist nicht mehr seine kleine Tochter, sie ist ein Teenager mit eigenem Willen. Afrika ist ihr fremd geworden in den zwei Jahren Internat. Sie springt nicht mit ihrem Vater in den Fluss und spricht kaum mit den Hausangestellten. Erst als ihre Mutter einen alten Liebesbrief von Ebbo vorliest, kommt es zu einem Moment der Nähe und des Familienglücks. Vera freut sich auf Deutschland. Sie kann wieder als Buchhändlerin arbeiten und ihrer Tochter nahe sein.
In einem Chinarestaurant trifft die Familie auf den Franzosen Gaspard Signac (Hippolyte Girardot), einen Geschäftsmann, der Ebbo mit dubiosen Jobangeboten lockt und Vera fragt, ob sie sich Ebbo in einer deutschen Kleinstadt vorstellen könne. Gaspards Provokationen bleiben nicht ohne Wirkung. Auf der Heimfahrt lässt Ebbo seine Wut an dem Nachtwächter aus, der das Tor zu spät öffnet. Vera versucht ihrem Mann die Angst vor Deutschland zu nehmen und verspricht ihm, sie kommen wieder zurück, wenn er es dort nicht aushält. Sie schlafen miteinander. Es ist die letzte Nacht vor Vera und Helens Abflug nach Deutschland.
Ebbo bleibt ein paar Wochen länger in Kamerun, um das Schlafkrankheitsprojekt an seinen Nachfolger Dr. Elia Todorov (Sava Lolov) zu übergeben. Zwischen den Männern gibt es Spannungen. Ebbo ahnt, dass Elia aus Opportunismus Ebbos harten Kurs gegenüber Regierungsbeamten nicht fortführen wird. Es sind die letzten Tage vor Ebbos Abflug. Im Poolbereich eines Clubs trifft er erneut auf Gaspard, der sich mit ein paar afrikanischen Mädchen vergnügt. Gaspard möchte Ebbo als Verwalter einer Plantage anheuern und versucht ihn mit einem Mädchen zu verkuppeln. Ebbo entzieht sich. Allein im leergeräumten Haus telefoniert er mit Vera. Nur mit Mühe kann er seine Tränen unterdrücken.
Drei Jahre später.
Alex Nzila, ein junger französischer Mediziner mit kongolesischen Wurzeln, reist im Auftrag der WHO nach Kamerun. Er soll ein Entwicklungshilfeprojekt evaluieren. Schon lange hat er den Kontinent nicht mehr betreten. Am Flughafen Douala wartet er auf seine Abholung. Doch die kommt nicht. Er muss penetrante Taxifahrer abwehren und sich ein Hotel suchen. Schon nach wenigen Stunden ist Alex so misstrauisch, dass er einen freundlichen Zigarettenverkäufer als Betrüger beschimpft, bevor er beschämt erkennt, dass er sich im Umtauschkurs getäuscht hat.
Nach langer Reise über Land kommt er am nächsten Abend in der Krankenhaus an. Es ist dunkel, niemand heißt ihn willkommen. Er findet ein leeres Zimmer, aber die Geräusche des Waldes lassen ihn kaum schlafen. Am Morgen sucht er seinen Ansprechpartner, es ist Ebbo Velten. Das Krankenhaus ist menschenleer. Eine einzige Patientin belegt eine für 50 Personen ausgelegte Station. Hühner und Ziegen wandern zwischen den Betten umher. Dr. Velten ist nicht zu finden und seine Mitarbeiter vertrösten Alex auf die nächsten Tage. Doch in der Nacht hört er ein Auto und beobachtet einen Streit zwischen Ebbo und einer schwangeren Kamerunerin. Bevor Alex ihn ansprechen kann, ist Ebbo wieder in seinem Pickup verschwunden.
Am Morgen hört Alex die Schreie der Schwangeren. Er ist der einzige Arzt vor Ort und wird unfreiwillig zum Geburtshelfer. Er muss einen Kaiserschnitt machen. Völlig überfordert lässt er sich per Handy anleiten. Als er zum Schnitt ansetzt, muss er sich übergeben und wird ohnmächtig. Nachts erwacht er in einem Krankenzimmer. Ebbo hat das Baby zur Welt gebracht. Es ist sein Kind. Doch Ebbo wirkt gleichgültig und desinteressiert. Er findet keinen Namen für sein Kind und gerät in Streit mit den Verwandten seiner Geliebten. Es geht um Geld. Ebbo fühlt sich ausgenutzt. Es kommt zum Bruch, als der Bruder von Ebbos Freundin ihn die Treppe hinunterstößt.
Auch Alex setzt Ebbo unter Druck, er will endlich mit der Evaluierung beginnen. Ebbo führt Alex zu einem Schlafkrankheitsscreening in einem entlegenen Dorf. Auf dem Weg dorthin wirkt Ebbo immer desillusionierter und vertraut Alex an, dass seine Tochter Helen ihn nächste Woche besuchen will. Er hat sie drei Jahren nicht gesehen. Helen weiß nicht einmal, dass sie seit gestern eine Halbschwester hat. Bei den Untersuchungen im Dorf finden die Schlafkrankheitsspezialisten keine neuen Fälle. Die Epidemie ist unter Kontrolle, also gibt es kaum Patienten. Ebbo scheint alles egal, an Alex Stelle würde er der WHO empfehlen, das Projekt einzustellen: sein Schicksal liege in Alex Hand. Alex weiß nicht, was er denken soll, und Ebbo lässt ihm auch keine Zeit dazu. Er führt ihn tiefer in den Wald zu einer weitläufigen Anlage, auf der Holzstege über eine Flusslandschaft gebaut werden. Sie treffen Gaspard, Ebbos Freund aus Yaoundé. Die beiden wollen hier zusammen ein Ökoresort für Touristen aufbauen, doch Ebbo hat auch den Glauben an dieses Projekt verloren. Es gibt unübersehbare Spannungen zwischen den beiden Männern. Im Licht der Kopflampen führen sie Alex auf eine nächtliche Jagd. Die Situation eskaliert, nach einem Streit zwischen Gaspard und Ebbo bleibt der völlig geschwächte Alex allein im Wald zurück...