Public Enemy No.1 - Todestrieb

Original: Mesrine: L´Ennemi public no. 1 | Public Enemy Number One
Regie: Jean-Francois Richet
Darsteller: Vincent Cassel, Ludivine Sagnier
Laufzeit: 133min
FSK: ab 16 Jahren
Genre: Thriller, Biografie (Frankreich)
Verleih: Senator Film Verleih
Filmstart: 21. Mai 2009
Bewertung: 6,8 (4 Kommentare, 4 Votes)
2. November 1979: Ein aufgeregter Mob, Journalisten und Kameramänner drängen sich am Porte de Clignancourt um einen von Kugeln durchsiebten BMW 528; das Polizeiaufgebot hat alle Mühe, die Menschen unter Kontrolle zu halten. Für Kommissar Broussard ist es ein großer Tag: Er hat Jacques Mesrine zur Strecke gebracht, den Staatsfeind Nr. 1... Sechs Jahre zuvor war Mesrine in Kanada mit einem spektakulären Ausbruch aus dem Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses von Saint-Vincent-de-Paul gflohen und in seine Heimat zurückgekehrt. Nur war er jetzt kein Lehrling mehr, kein Lakai eines Gangsterbosses, kein Laufbursche oder Handlanger. Jetzt ist es Mesrine selbst, der die Zügel seiner Verbrecherlaufbahn in der Hand hält. Fortan wird es keinen mehr geben, der ihm Befehle erteilt oder dem er sich unterordnet. Um wieder das nötige Spielgeld zu besitzen, macht er sich mit seinen Vertrauten Michel Grangier und Michel Ardouin – aufgrund seiner Körperfülle von Mesrine zärtlich „Flugzeugträger“ genannt – sofort wieder ans Ausrauben von Banken, wie er es in Kanada von seinem Kumpel Mercier gelernt hat: Warum sich mit einer zufrieden geben, wenn auf der anderen Straßenseite noch eine zweite Bank darauf wartet, um das Ersparte ihrer Kunden erleichtert zu werden? Diesmal hat Mesrine allerdings die Rechnung ohne die Polizei gemacht, die ihm wenig später auflauert und ihn festnimmt. Auf dem Revier gibt er sich cool. Ohne zu zögern, gibt er den Bankraub und versuchten Mord zu. Aber seine Kumpels liefert er nicht ans Messer. Gaunerehre. Mit den Polizisten schließt er eine Wette ab, in drei Monaten wieder auf freiem Fuß zu sein. Es geht noch schneller: Im Gerichtsgebäude haben Freunde auf der Toilette eine Schusswaffe deponiert. Vor dem Richter echauffiert sich Mesrine darüber, dass es illegal sei, einen Angeklagten in Handschellen vorzuführen. Und sinnlos obendrein: Mesrine zückt seine Waffe und lässt sich die Fesseln abnehmen. Er nimmt den Richter als Geisel und bahnt sich den Weg aus dem Gericht von Compiègne. Draußen wartet Ardouin in einem Wagen. Gemeinsam gelingt die spektakuläre Flucht. Die Medien ernennen ihn zum Staatsfeind Nr. 1. Grund zur Freude, die aber nur kurz währt: Jacques erhält die Nachricht, dass sein Vater im Krankenhaus im Sterben liegt. Als Doktor verkleidet, stattet er seinem alten Herrn unerkannt einen letzten Besuch ab. Er entschuldigt sich für alles, was er ihm angetan hat. Der erklärt ihm seine ungebrochene Vaterliebe und hält Jacques an, sich mehr um seine Tochter zu kümmern. Im September 1973 macht sich Jacques' Bande mit einem neuen Fahrer an den nächsten Bankraub. Noch während Mesrine und seine Leute in der Bank sind, wird der Fahrer verhaftet. Das ist der Moment, in dem Mesrine und Ardouin auf die Straße treten. Es folgen eine Schießerei und eine halsbrecherische Verfolgungsjagd. Die Gangster haben Glück. Sie können die Verfolger in letzter Sekunde abschütteln, indem sie in die Métro flüchten. Nach einem Streit schmeißt Ardouin, Mesrines treuester Leutnant, die Sache hin. Das Glück hat Jacques augenblicklich verlassen. Den Männern von Kommissar Broussard gelingt es, den Verbrecher in einer Pariser Wohnung aufzustöbern. Als er erkennt, dass eine Flucht unmöglich ist, gewährt er dem Polizisten Einlass und empfängt ihn fröhlich mit einem Glas Champagner. Wenn schon verknackt werden, dann wenigstens mit Stil. Auch in seiner Zelle macht Jacques Mesrine, was er will. Erbost darüber, in den Zeitungen keine große Rolle mehr zu spielen, setzt er sich an die Schreibmaschine und verfasst seine Memoiren, die er 1977 aus dem Gefängnis schmuggeln und unter dem Titel „Der Todestrieb“ unter großem Medienecho veröffentlichen lässt. Seine Anwältin ist entsetzt, Jacques dagegen hoch zufrieden. Der Rummel gefällt ihm. Erstmals nach Jahren sieht Mesrine im Gefängnis seine Tochter, mittlerweile ein fast erwachsenes Mädchen. Ein schmerzvoller Moment – auch weil beide wissen, dass er sie zwar liebt, aber nie für seine Tochter da sein können wird. Vor Gericht zieht Mesrine wieder eine große Show ab und führt der Autorität ihre Ineffizienz vor, indem er mit großer Geste den Schlüssel zu seinen Handschellen aus der Hosentasche zieht. Er hat die Lacher auf seiner Seite, kann mit seiner Kapriole aber nicht verhindern, dennoch zu 20 Jahren in einem Hochsicherheitstrakt verknackt zu werden. Er kündigt seinen Ausbruch an. Und hält Wort. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Plans und der Unterstützung eines Mitinsassen, François Besse, der nicht von ungefähr als „König der Ausbrecher“ gilt. Obwohl mit seiner stillen und zurückhaltenden Art das genaue Gegenteil des lauten Mesrine vertragen sich die beiden Männer sofort – das gemeinsame Ziel immer vor Augen. Während ganz Europa im Terror der RAF und der Roten Brigaden versinkt, gelingt den zwei Verbrechern das Unfassbare: die Flucht aus dem Pariser Gefängnis La Santé. Mesrine weiß, dass fortan jede Minute in Freiheit wertvoll ist, und er setzt alles daran, jede einzelne davon auszukosten. Dazu gehört unbeschwerter Spaß mit Frauen, aber auch neue Arbeit. Der gewagte Plan von Mesrine und Besse: Sie wollen das Kasino von Deauville ausrauben. Zunächst läuft die Vorbereitung des Coups wie geschmiert. Doch am Abend selbst steht schnell fest, dass die Polizei Wind von ihrem Vorhaben bekommen hat. Mesrine und Besse müssen alles Geschick walten lassen, um in letzter Sekunde entkommen zu können. Besse wird am Bein verletzt. Orientierungslos irren die beiden Männer durch den Wald, die Verfolger auf ihren Fersen. Sie finden Zuflucht bei einer Bauernfamilie, die unter vorgehaltener Waffe gezwungen wird, die Verbrecher in ihrem Familienwagen aus der Gefahrenzone und an einer Polizeikontrolle vorbei zu bringen. Jacques zeigt sich mit 30.000 Francs erkenntlich – es gefällt ihm, sich als Robin Hood in Szene zu setzen. Das weitere Geld geht beim Überqueren eines Flusses verloren. Aber immerhin können sich Mesrine und Besse in einem Ruderboot absetzen. Wieder in Paris lernt Jacques in einer Kneipe die attraktive Prostituierte Sylvie Jeanjacquot kennen und verliebt sich in sie. Wie die meisten Frauen kann auch sie dem Charme und der Ausstrahlung Mesrines nicht widerstehen. Sie wird seine Geliebte und berauscht sich an dem Gefühl der Gefahr, das von ihm ausgeht. Gemeinsam reisen sie nach Italien und London. Im Juli 1978 steht Jacques Mesrine dem berühmten französischen Magazin Paris Match für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Anschließend posiert er mit gezückten Waffen vor dem Fotografen. Die Veröffentlichung schlägt hohe Wellen. Die Journalistin kommt vorübergehend ins Gefängnis. Mesrines Ruhm vergrößert sich. Und mit ihm auch die Unterstützung aus den Reihen der Bevölkerung, die seine unterhaltsame Waghalsigkeit zu schätzen weiß und ihn mehr und mehr als Opfer der Gesellschaft ansieht. Doch Mesrine kann es nicht dabei belassen. Angetrieben von einer wachsenden Paranoia und ausgewachsener Selbstüberschätzung plant er die Entführung eines Millionärs. Besse ist nicht bereit, bei der Wahnsinnstat mitzumachen, und wird wenig später in Belgien verhaftet. Mesrine hält an seinem Vorhaben fest. Im Juni 1979 bringt er den 82-jährigen Henri Lelièvre in seine Gewalt. Es gelingt ihm, nach einigen Schwierigkeiten und einer verpatzten Geldübergabe von dessen Sohn doch noch sechs Millionen. Francs zu erpressen. Dazu kommt die Nachricht, dass Besse wieder einmal die Flucht gelungen sei – „im Stil von Mesrine“, wie die Zeitungen schreiben. Mesrine ist stolz. Mit Sylvie genießt Mesrine das Geld aus dem Raubzug. Aufreizend provokant fährt er mit offenen Fenstern durch Paris. Er fühlt sich unbesiegbar. Dreist nimmt er Kontakt zu dem bestens ins europäische Ausland verdrahteten Linksradikalen Charlie Bauer auf und freundet sich mit ihm an. Bauer drängt Mesrine, seine Berühmtheit stärker für den gerechten Kampf zu nutzen und sich für die Abschaffung der unmenschlichen Hochsicherheitstrakte einzusetzen. Trotz unverkennbarer Differenzen in der Lebensauffassung hilft Bauer Jacques, als der den rechtsgerichteten Journalisten Tillier entführt: Mesrine vermutet in ihm einen Spitzel. Er verletzt den hilflosen Mann schwer und überlässt ihn seinem Schicksal. Die Stimmung in der Öffentlichkeit schlägt um: Sie sieht in Mesrine mit einem Mal nicht mehr den romantischen Spitzbuben, sondern den eiskalten Verbrecher, der nur auf seinen Vorteil bedacht ist. Jacques bricht den Kontakt zu den Medien ab und ist fortan isoliert. Auf Tonband hält er seinen letzten Willen fest, adressiert an Sylvia. Sein Verfolgungswahn ist größer denn je, als er sich am 2. November 1979 mit Sylvie in sein Auto setzt und Richtung Porte de Clignancourt fährt...

Kommentare

(4) lerry vergibt 8 Klammern · 26. Mai 2009
ich kann mich meinem vorredner nur anschließen. Wenn man den film versteht, ist er wirklich gelungen. Allerdings muss man sich nicht im vornherein mit der person Mesrine auseinandersetzen, ich zumindest wurde erst durch den film auf ihn aufmerksam...
(3) k109904 vergibt 8 Klammern · 22. Mai 2009
Zunächst: Wer diesen Film mit "1" bewertet, also für einen Totalausfall hält, dem spreche ich nicht nur jegliches Filmverständnis, sondern sein Urteilsvermögen generell ab. Das ist einfach unmöglich. Zudem meinst Du wohl den ersten Teil, der zweite kam erst gestern raus. Wer die Handlung nicht versteht oder den Film allgemein nicht, der sollte sich erstmal mit der Person Jacques Mesrine auseinandersetzen. War eine interessante Persönlichkeit. Der Film is jedenfalls sehr gelungen, ansehen lohnt.
(2) Loox vergibt 1 Klammer · 11. Mai 2009
Wer auf billige Gangsterfilme der 70er Jahre steht, dem würde der Streifen vielleicht gefallen. Meine Meinung - 2 Stunden Langeweile mit schlechten, theatralischen Dialogen und einer für den Zuschauer nicht nachvollziehbaren Handlung der Charaktere.
(1) calvin55 vergibt 10 Klammern · 30. April 2009
Lief gestern in der Sneak - am Sasmtag zufällig den ersten Teil gesehen...-war auch absolut genial. Allerdings muss man halt das Genre lieben.