Hilde

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: Website :: IMDB (6,7)
Regie: Kai Wessel
Darsteller: Heike Makatsch, Monica Bleibtreu
Laufzeit: 137min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama, Biografie (Deutschland)
Verleih: Warner Bros. Pictures
Filmstart: 12. März 2009
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
1966 kehrt Hildegard Knef wieder nach Deutschland zurück. Sie ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und gibt heute Abend ein Konzert in der Berliner Philharmonie – das Konzert ist seit langem ausverkauft. Trotzdem ist es eine schwierige Rückkehr, eine mit langer Vorgeschichte. Als ihre Maschine in Berlin Tempelhof ausrollt, wird sie von einer begeisterten Pressemeute empfangen. „Hilde ist zurück!“. Sie ist gut vorbereitet, ihr Schritt ist forsch und ihr Auftritt auf der kurzen Pressekonferenz selbstbewusst und schlagfertig. Hildegard Knef weiß, was sie will. Sie ist ein Profi, eine, die sich nichts anmerken lässt. Denn so euphorisch ihr Empfang 1966 auch ist, die Rückkehr hat für Hilde auch viel Bedrückendes. In Berlin wuchs sie nicht nur auf und erlebte große Erfolge, in Berlin hat sie auch ihre bittersten Niederlagen erfahren. „Mit sechzehn sagte ich still, ich will, will groß sein, will siegen, will froh sein, nie lügen.“ Berlin, 1943. Eine junge und ehrgeizige Hilde stellt sich bei Else Bongers vor und beeindruckt die Leiterin des UFA-Besetzungsbüros. In Potsdam Babelsberg bekommt sie fortan Schauspielunterricht, dafür sorgt ein Brief des Propagandaministers Joseph Goebbels. Diesem Fürsprecher muss sich Hildes Mutter geschlagen geben. Else Bongers wird zu Hildes Mentorin, sie versucht sie zu schützen, auch vor Männern wie Ewald von Demandowsky. Doch eine wie Hilde lässt sich nicht schützen, dazu ist das neue Leben im immer noch wichtigsten Filmstudio Europas viel zu aufregend. Und so verliebt sie sich Hals über Kopf in Demandowsky, ein gebildeter Mann mit perfekten Manieren und großem Charme und der wichtigste Filmmanager hinter Joseph Goebbels. Hilde wird seine Geliebte und zieht in die Demandowsky-Villa. Als die Schlacht um Berlin tobt und die sowjetischen Panzer am Stadtrand aufziehen, weigert sich Hilde, allein zurückzubleiben und kämpft als Mann verkleidet an Demandowskys Seite im Volkssturm. Das Liebespaar wird gefangen genommen, voneinander getrennt und sieht sich nie mehr wieder. „Mit sechzehn sagte ich still, ich will, will alles, oder nichts.“ Allein kehrt Hilde ins ausgebombte Berlin zurück. Sie kämpft darum, wieder auf der Bühne stehen zu dürfen. Das ist ein kühner Traum, denn in der vom Krieg zerstörten und von alliierten Truppen besetzten Stadt fehlt es an Allem. Die Menschen kämpfen ums Überleben, um regelmäßiges Essen und ein Dach über dem Kopf. Hilde freundet sich mit dem Musiker Ricci Blum an, der sie ermuntert, eine Bühnenlizenz zu besorgen. Der Theater-Regisseur Boleslaw Barlog nimmt Hilde in sein kleines Ensemble auf und schon bald steht sie tatsächlich wieder auf der Bühne. Hier wird sie von Erich Pommer entdeckt, der vor seiner Flucht aus Nazideutschland einer der erfolgreichsten Filmproduzenten in Deutschland war. Jetzt soll er beim Wiederaufbau der Filmindustrie helfen. Pommer ist begeistert von dem Talent der jungen Schauspielerin. Er lässt sie zu sich kommen und fragt sie ganz unverblümt nach ihrer Beziehung zu Ewald von Demandowsky. Demandowsky war ein überzeugter Nazi, war Hilde es auch? Weiß sie, dass Demandowsky wieder in Berlin ist? Liebt sie ihn immer noch? Hilde kann seine letzte Frage nicht beantworten. „Für mich, soll's rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen. Die Welt sollte sich umgestalten, und ihre Sorgen für sich behalten.“ Pommer wird zu einem väterlichen Freund, der Hilde berät. Und schon 1946 wird Hildegard Knef mit DIE MÖRDER SIND UNTER UNS zum Star. Hilde ist das neue Gesicht des deutschen Films. Sie verliebt sich in Kurt Hirsch, einen amerikanischen Leutnant jüdischtschechischer Herkunft. Gegen den Rat von Pommer heiratet Hilde ihren Kurt und folgt einem verlockenden Angebot nach Hollywood. Der Produzent von VOM WINDE VERWEHT David O. Selznick, gibt Hilde einen Vertrag und regelmäßiges Geld; doch die Welt ist noch nicht bereit, einen deutschen Star zu akzeptieren. Holly wood wird zur Schmach, Hilde verbringt drei Jahre, ohne dass ihr eine einzige Rolle angeboten wird. Mit Pommers Hilfe löst Hilde ihren Vertrag auf und kehrt nach Deutschland zurück, wo sie 1950 für den österreichischen Regisseur Willi Forst in DIE SÜNDERIN vor der Kamera steht. Ihre Ehe bricht auseinander, Hirsch reist ab und DIE SÜNDERIN wird einer der größten Skandale der deutschen Filmgeschichte. Eine kurze Nacktszene empört das prüde Publikum, das nichts mehr von ihr wissen will. Hilde kehrt in die USA zurück. In der Heimat verhasst, macht sie Weltkarriere, tritt allein in Cole Porters Musical „Silk Stockings“ am Broadway 675 Mal in ausverkauften Vorstellungen auf. Aber sie ist nicht glücklich. Und wieder ist es ihr alter Freund Erich Pommer, der für sie da ist und ihr rät, ihrer Begabung und ihrer Leidenschaft zu vertrauen. Er merkt, dass sie sich verändert hat; und dass sie sich von sich selbst entfernt hat. Er fragt: „Wer ist Hildegard Knef?“ – Hilde findet keine Antwort auf seine Frage. „Und später, sagte ich noch, ich möchte, verstehen, viel sehen, erfahren, bewahren, und später, sagte ich noch, ich möcht', nicht allein sein, und doch frei sein.“ Bei Dreharbeiten in London lernt sie 1959 den charmanten Schauspieler David Cameron kennen. Der junge Brite lässt sich von den Diven-Allüren des Broadwaystars nicht abschrecken. Er ist ebenso charmant wie schlagfertig – und er hat sich in Hilde verliebt. Als David einige Wochen später überraschend bei der Filmpreisverleihung in Berlin auftaucht, ist Hilde überglücklich. Das ist auch einigen Journalisten nicht entgangen und schon titeln die Tageszeitungen „Sünderin jetzt Ehebrecherin?“. David Cameron ist noch verheiratet. Hilde ist außer sich, sie tobt, alles scheint sich zu wiederholen wie damals nach dem Forst-Film. Doch David reagiert souverän, er trennt sich von seiner Frau, bleibt bei Hilde, kümmert sich um sie, auch um die Organisation ihres täglichen Chaos. „Für mich soll's rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen.Das Glück sollte sich sanft verhalten, es sollte mein Schicksal, mit Liebe verwalten.“ David und Hilde durchleben eine schwierige Zeit. Sie lieben sich, sind glücklich, aber die Engagements bleiben aus, das Geld wird knapp. Irgendwann bittet Hilde David, ein Studio zu mieten. Sie will selbst geschriebene Lieder aufnehmen, versuchen, ob sie mit Chansons weiterkommt. Der wenig überzeugte David mietet ein Studio. Die ersten Lieder entstehen, Lieder, die heute jeder kennt. David ist beeindruckt: Die beiden heiraten. „Und heute sage ich still, ich sollt’, mich fügen, begnügen, ich kann mich nicht fügen, kann mich nicht begnügen, will immer noch siegen, will alles, oder nichts.“ 1966 sitzt Hildegard Knef in der Garderobe der ausverkauften Berliner Philharmonie. Sie ist nervös, die Maskenbildnerin ist gerade gegangen, eine letzte Zigarette vor dem größten Konzert vor deutschem Publikum. Else Bongers kommt herein, will Glück für den Auftritt wünschen und wirkt doch bedrückt. Hilde spürt das, fragt, drängt die Freundin zu sagen, was ist. Else Bongers hat gerade erfahren, dass Erich Pommer in den USA gestorben ist. Das ist zu viel für Hilde. Der Mann, zu dem sie sich aus der Ferne wie zu einem Vater hingezogen fühlte, der ihr immer den richtigen Weg gezeigt hat, ist tot. Sie bricht zusammen. Leise dringen von draußen die Geräusche des vollbesetzten Saals in die Stille. Dann richtet Hilde sich auf, sammelt sich und verlässt die Garderobe. Ein erwartungsvoller Beifall braust auf. Ihr erstes Lied widmet sie dem Mann, ohne den sie heute Abend nicht auf der Bühne der Berliner Philharmonie stehen würde – Erich Pommer. Sie hat endlich eine Antwort auf seine Frage gefunden: Das hier ist Hildegard Knef. Zum ersten Mal singt sie in der Öffentlichkeit ihr autobiografisches Lied: Für mich soll’s rote Rosen regnen.

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