Der Duft des Paradieses

DVD / Blu-ray / Trailer :: IMDB (7,1)
Original: The Smell of Paradise
Regie: Marcin Mamon, Mariusz Pilis
Darsteller: Ibn Al-Khattab, Khozh-Ahmed Noukhaev
Laufzeit: 88min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentation (Niederlande, Polen)
Verleih: b. film Verleih
Filmstart: 01. November 2007
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Sechs Stunden dauert die Reise von Kabul bis nach Kandahar auf der Landkarte. Für die beiden polnischen Fernsehjournalisten Marcon Mamon und Mariusz Pilis vergingen zehn Jahre. Erst danach konnten sie eine Antwort geben auf die für westliche Beobachter schwer fassbare Frage, warum ehedem friedvolle gläubige Menschen sich bis an die Zähne bewaffnen, ihr Leben dem Glauben opfern und darin den einzig gangbaren Weg sehen, einer göttlichen Wahrheit zum Sieg zu verhelfen. Die Reise in die Mentalitätsgeschichte des extremistischen Islams beginnt in Doha im Emirat Katar, wo der ehemalige tschetschenische Übergangspräsident Selimchan Jandarbijew im Exil lebt. Von den Vereinten Nationen als Terrorist mit Kontakten zur El Kaida abgestempelt und von Russland als Kriegstreiber in den Tschetschenien-Kriegen auf die Fahndungsliste gesetzt, begegnet das Filmteam einem hochgebildeten, ehemaligen Schriftsteller, der erst 1990 politisch aktiv wurde und für die Unabhängigkeit Tschetscheniens zu kämpfen begann. Zwei Wochen nach den Dreharbeiten, im Februar 2004, kommt Jandarbijew bei einem Bombenanschlag ums Leben, hinter dem der russische Geheimdienst vermutet wird. Jandarbijew hatte 1996, gegen Ende des ersten Tschetschenienkriegs, Scharia und Dschihad unterstützt, den »heiligen Krieg« , weil Russland seit Jahrhunderten sein Land unterdrückt, besetzt und sich des Völkermords am tschetschenischen Volk schuldig gemacht hat. Geschickt verstanden es die Russen während der Tschetschenienkriege, ihre Intervention als Reaktionen auf den tschetschenischen Extremismus darzustellen. Für Jandarbijew und die tschetschenischen Freischärler verhält es sich genau umgekehrt. Die russische Manipulation der öffentlichen Meinung im Westen entfachte daher zusätzlichen Zorn. Im Auftrag der tschetschenischen Führung bereiste Jandarbijew viele islamische Länder, um um militärische und finanzielle Unterstützung für den Dschihad zu bitten. Von Gesprächen mit dem Talibanführer Mullah Omar, mit dem pakistanischen Staatspräsidenten Pervez Musharraf oder von Kontakten zur Staatsführung von Georgien und Aserbaidschan erhoffte sich Jandarbijew, genügend Ressourcen für den Aufbau einer Armee von Mudjaheddins aufzubauen, die in afghanischen Camps ausgebildet werden sollten. Das Filmteam, das Jandarbijew auf einigen Stationen seiner Reise begleitete, ging dabei ein hohes Risiko ein. Ihr Weg führte sie nach Tschetschenien, Dagestan, Aserbaidschan, Georgien, Katar und nach Afghanistan. Für weiße Europäer gelten die kargen Bergregionen Afghanistans, wo der Dschihad Wirklichkeit ist, zu den gefährlichsten Flecken der Welt. Je weiter die Reise nach Süden ging, desto mehr spitzte die Situation sich zu. Trotz guter Reputation und Protektion von höchster Stelle fühlte das Filmteam sich manchmal nur während der fünf Tagesgebete sicher. Das Road-Movie spiegelt die Nervosität und den Adrenalinspiegel wider. Auf ihrer Reise begegnen die beiden Dokumentarfilmer Mamon und Pilis waffenstarrenden Gläubigen, Klanführern, Kriegstreibern, islamischen Mullahs und Gelehrten. Ohne Vorurteile führen sie uns in eine fremde Welt, in der der Glaube noch die hintersten Winkel von Politik, Selbst- und Weltverständnis durchdringt. Der »Duft des Paradieses« führt vor Augen, in welchem Zwiespalt Menschen in islamischen Ländern leben. Geprägt von traditionellen, religiösen Moralvorstellungen, werden ihnen heute die unverständlichen Gesetze des Westens aufgezwungen. Aus einer neutralen Perspektive und ohne falsches Pathos gelingt es dem Dokumentarfilm, das tiefe Zerwürfnis zwischen Orient und Okzident aufzuzeigen.

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