Regie: Rudolf Thome
Darsteller: Oliver Elias, Guntram Brattia
Laufzeit: 118min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama, Romanze (Deutschland)
Verleih: Prometheus
Erzählt wird die Geschichte vom Ende des Künstlers Marquard von Polheim. Marquard von Polheim ist Maler – „einer der wichtigsten in Deutschland“ –, Anarchist und Alkoholiker. An die 50 Jahre alt ist er und bereits am „Ziel seiner Reise“ angelangt, – und „wenn man angekommen ist, dann sollte man aufhören“. So seine Worte bei der Verleihung des hochdotierten Gauguin-Preises, mit dem er endlich gewürdigt wird, nachdem ihm die öffentliche Anerkennung bisher versagt geblieben war.
Die Geschichte beginnt am Abend der Preisverleihung. Alle harren des Künstlers. Marquard aber frönt seiner Leidenschaft, Motorradfahren unter Alkoholeinfluss, während seine Lebensgefährtin und Geliebte, Maria Döbereiner, ihn mit Wut im Bauch erwartet. Sie hasst Marquards pubertäres Verhalten, mit dem der sich gegen den verhassten Kultur-Zirkus auflehnt. Leo Barnstein, Marquards Freund und Vorsitzender des Fördervereines für Junge Kunst, und die geladenen Gäste befinden sich in Habachtstellung. Kurz bevor Maria, die selber Malerin ist, den Preis stellvertretend entgegennehmen soll, poltert Marquard in Motorradkluft sturzbetrunken in das ehrwürdige Gebäude und wird dabei von den Museumswächtern fast hinausgeworfen. Marquard hat seinen Auftritt, mit dem er allen Anwesenden zu verstehen gibt, wie lächerlich und verabscheuungswürdig er sie findet. Erst als Maria ihn daran erinnert, dass er immerhin 100.000 - von einem große Bankinstitut gestiftete - Euro überreicht bekommt, lässt er sich dazu herab, das Podium zu betreten. Ein großes Bild von ihm hängt dahinter, dessen Farben intensiv leuchten und irgendwie genauso wenig wie der Maler selbst in den vorgegebenen Rahmen passen wollen. Leo überreicht ihm eine Bronzefigur, die Marquard angewidert entgegennimmt, und verleiht seiner Freude salbungsvoll Ausdruck.
Aber Marquard vermisst bloß das Geld, das Leo in der Aufregung vergessen hat. Für den nachträglich überreichten Barscheck bedankt sich Marquard mit den Worten, dass er sich nicht bedanken kann, weil der Preis „zwanzig Jahre zu spät kommt“. Marquard ist am Ende, und er weiß es. Er wird nicht mehr viele Bilder malen. Seit zwei Jahren säuft er Wodka. Maria muss ihn nach Hause fahren und ins Bett schleifen. Auch ihre Liebe ist am Ende. Sie kämpfen um die kleine Bronzefigur, an die Marquard sich klammert wie ein kleines Kind, während Maria ihn mühsam versucht, zu entkleiden. Beim Kampf bricht der Kopf ab. Marquard ist außer sich. Maria legt sich allein in ihr Atelier. Schmerzvoll erinnert sie sich der Zeit auf Moorea zurück, wo sie mit Marquard lange gelebt und gearbeitet hat. Anderntags muss Marquard feststellen, dass der Barscheck nicht mehr da ist. Er verdächtigt Maria, die wiederum eine andere Frau im Verdacht hat. Marias Eifersucht tritt zutage. Sie wittert eine Affäre Marquards mit seinem Modell. Der jungen Philosophiestudentin Angie, die am Vorabend empört die große Presse vermisst hat. Marquard gibt zu, dass Angie in ihn verliebt ist, weshalb sie ihn auch nie im Leben bestehlen würde.
Überraschend bringt Marias Galeristin den Scheck schließlich vorbei. Sie hat ihn nach der Preisfeier vom Boden aufgelesen. Eleonore und Marquard können sich nicht leiden. MarInhalt quard hält sie für eine Hexe. Sie verkörpert den bösen Kunstmarkt. Und sie fördert Maria, die mit ihrer Serie von magischen Pferdebildern sehr erfolgreich ist. Eleonore verabscheut an Marquard, dass er Maria nur für sich benutzt und aussaugt. Nicht mal einen Artikel für Marias neuen Ausstellungskatalog ist er bereit zu verfassen. Auch hierfür hat er nur Verachtung übrig. Ihn interessiert nur noch das Geld. Er lässt es sich in 500 Euro-Scheinen auszahlen, die er in seinem Atelier spiralförmig auf dem Boden verteilt. Er selbst legt sich ins Zentrum, wie eine Spinne in ihrem Netz oder wie das Opfer derselben. Maria soll ein Foto von ihm machen. Marquard im Auge des Hurrikans. Am Ende macht Maria ihm seine Gier vor, indem sie sich einen Schein in den Mund steckt und zu einem nassen Klumpen zerkaut, den sie wieder ausspuckt. Marquard ist begeistert. Noch einmal flammt ihre Liebe auf.
Sie träumen davon, nach Moorea zurückzukehren und zu heiraten. Jetzt wo Marquard Geld hat. Sie fahren mit dem Motorrad über Land. Aber es bleibt ein Traum. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Und das Geld hat die gegenteilige Wirkung: Es lähmt statt zu beflügeln. Marquard erlebt, dass er nicht mehr malen kann, dass die Leinwand stumm bleibt. Dass der Preis in seinem Kopf „etwas durcheinander gebracht hat“. Vielleicht weil er jetzt selbst Teil des Marktes und damit der verlogenen Gesellschaft ist. Vielleicht aber auch, weil ein Preis einen Preis hat. Den Preis der vergangenen zwanzig Jahre.
„Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“ heißt eines der berühmtesten Werke des Namensgebers des Preises, Paul Gauguin. – Marquard malt ein rotes Kreuz auf die weiße Leinwand. Wie ein Stoppzeichen. Ein blutiges X, das für Aus steht und für Ende. Er kippt Wodka aus der Flasche, zieht aus Leibeskräften an seiner Zigarette, aber eine Antwort bleibt aus, kein Signal von nirgends. In seiner Verzweiflung sucht er seinen Freund Gregor auf, der auf dem Land lebt. Gregor ist Philosoph, Pferdezüchter - und Marias Ex-Freund. Gregor kann Marquard verstehen. Auch er entsagt der Gesellschaft mehr und mehr, lebt zurückgezogen auf seinem Hof und spricht lieber mit seinen Pferden über Heidegger als mit Kollegen oder Studenten.
Zu seiner Verblüffung trifft Marquard dort auf Angie, die Reitstunden bei Gregor nimmt. Beim gemeinsamen Ausritt kommen sie einander näher. Angie lockt Marquard mit den Worten aus der Reserve, dass er sie nicht kenne, nur weil er sie male. Marquard nimmt Angie auf einen Ausflug auf seinem Motorrad mit. Angie sitzt statt Maria auf dem Sozius. Durch einen leeren Tank endet die Fahrt vorzeitig an einem See. Die beiden gehen an eine einsamen Stelle nackt ins Wasser und lieben sich. Angie gesteht ihm ihre Liebe, aber Marquard, der „nichts von der Liebe versteht“, fürchtet diese Liebe als seinen Untergang. Zur gleichen Zeit befindet sich Maria auf dem „Kriegspfad“. Sie spürt jeden Schritt Marquards, mit dem er sich von ihr entfernt. Sie weiß intuitiv von seinem Betrug mit Angie. Und dass er sie nicht mehr liebt. So weiß sie sein rotes Kreuz zu deuten. Sie beginnt selbst damit, ein neues Bild zu malen. Ein großes Werk, statt an ihrer Pferdeserie, wie von Eleonore gewünscht, weiterzuarbeiten. Bei Maria schlägt sich der Einfluss der Südsee in animistischen Motiven nieder. In ihrem Glauben an die Geisteskräfte der Natur - jenseits des Sichtbaren.
Mit Kriegsbemalung im Gesicht macht sie sich anschließend auf den Weg zu ihren Freunden, den Pferden. Und landet bei ihrem ehemaligen Lebensgefährten und Geliebten, Gregor. Sie spricht mit ihm über Marquard. Sie sprechen über seinen Zustand und ihre Gefühle. In dem Maße wie Marquard sich von ihr entfernt, nähert Maria sich Gregor wieder an. Beide suchen im Moment der Auflösung Zuflucht in ihrer Vergangenheit. Maria bei Gregor. Marquard schließlich bei seiner Tochter, Lucia. Lucia hat von seinem Preis in der Zeitung gelesen. Sie pumpt ihn daraufhin um Geld an. Sie ist noch sehr jung und lebt mit einem Südamerikaner zusammen. Ihre Mutter ist an Kummer gestorben, nachdem Marquard sie verlassen hatte. Davon erzählt Lucia ihrem Freund, der sie wechselweise massiert und als Domina gebraucht. Er fragt Lucia, ob sie ihren Vater hasse wegen dem, was er ihrer Mutter angetan hat. Aber Lucia verneint. Sie liebe ihren Vater mehr als alles andere auf der Welt. Auch wenn der Kontakt nicht eng ist zwischen Vater und Tochter, sind sie einander doch sehr nah.
So ist Lucia der einzige Mensch, dem Marquard von Angie erzählen kann – Angie, die so jung ist wie Lucia und ihr auch noch ähnlich sieht. Marquard ist verwirrt und weiß nicht weiter. Lucia spürt das. Sie beschließt, spontan mit ihrem Vater zu verreisen. In Lucias Auto brechen sie Richtung Meer auf. Sie fahren durch endlose Alleen. Lucia eröffnet ihrem Vater ihren Plan. Sie will ihn verzaubern. Der Zauber wirkt aber nur, wenn keiner von beiden auf der Reise ein Wort spricht. Sie verbringen drei Tage am Meer. Das Wesentliche teilen sie sich über Papier und Stift mit. Sie schauen und schweigen. Und was sich ihnen dabei offenbart, ist ihre Liebe. Eine schöne, reine Liebe, die vor körperlicher Vereinigung Halt macht - Marquard lehnt es ab, dass Lucia bei ihm schläft –, aber dadurch viel tiefer geht und am Ende sogar den Tod herbei wünscht, wenn die beiden ein letztes Mal am Meer stehen. Maria, die nicht weiß, wo Marquard sich befindet und befürchtet, er könnte mit Angie durchgebrannt sein, ist mit Gregor inzwischen zur Polizei gegangen. Kurz darauf erscheint Angie bei Maria.
Gleichzeitig klärt die Polizei auf, dass Marquards Motorrad vor dem Haus seiner Tochter steht. Maria kann getrost den Kriegspfad verlassen und mit diesem Kapitel ihres Lebens abschließen. Ihr neues Bild ist vollendet. Sie nennt es „Das Sichtbare und das Unsichtbare“. Jetzt ist sie es, die mit Gregor ans Meer fährt, noch bevor Marquard zurück ist, und feststellt, dass sie gar nicht aufgehört hat, den Pferdephilosophen zu lieben. Nur eine „Nebelwand“ hatte sich zwischen sie geschoben.
Marquard aber erfährt von seiner Tochter beim Abschied, dass sie gerade die schönsten Tage ihres Lebens verbracht hat. Und dass der Zauber wirkt. Die Quellen für sein Bild sprudeln noch einmal. Mit einem Cocktail aus Wodka und Schlaftabletten malt er sein letztes Bild, beeinflusst von der naiven Körperlichkeit Gauguins, ein Sinnbild der natürlichen Liebe, der einzigen Liebe, des Mannes zu einer Frau, in der alle Frauen zu einer verschmelzen. Nach dessen Vollendung er, ohne die Kraft für einen Abschiedsbrief, stirbt.