Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„Iss auf, dann gibt es morgen gutes Wetter!“
Wohl fast jeder hat von seinen Eltern das auch schon einmal gehört: "Iss Deinen Teller leer, dann gibt es morgen gutes Wetter!" Doch diese Redewendung entstand tatsächlich durch ein sprachliches Missverständnis:
Die ursprüngliche Redewendung hat überhaupt nichts mit dem Wetter zu tun! Die deutsche Redensart, wie wir sie heute kennen, entstand nämlich durch ein großes Missverständnis.

Hat jemand sich zu viel auf den Teller getan oder stochert unzufrieden im Essen- 11.jpg herum, so hören gerade Kinder "Iss auf, dann gibt es morgen gutes Wetter!"

Doch was sollte das Wetter mit dem eigenen Essteller zu tun haben? Vor allem: Was passiert, wenn man selbst den Teller brav leer isst - aber der Nachbar nebenan die Reste auf dem Teller liegen lässt? Gibt es dann ein Wetterchaos? Schnell kommt man zu dem Ergebnis, dass dieser Spruch ziemlicher Quatsch ist... Zu Recht!

Ein Fehler in der Übersetzung aus dem Plattdeutschen
Die Redensart beruht nämlich auf einer missverstandenen plattdeutschen Formulierung. Im Plattdeutschen lautete diese: "Et Dien Töller leddig, dann givt dat morgen goods wedder."Daraus wurde im Hochdeutschen dann schnell der Ausdruck "Iss Deinen Teller leer, dann gibt das morgen gutes Wetter".

Doch bei dieser Übersetzung unterlief ein Fehler: Denn "wedder" heißt gar nicht "Wetter", sondern "wieder". Eigentlich müsste es also korrekt heißen: "Iss Deinen Teller leer, dann gibt das auch morgen wieder etwas Gutes."
 
"Auf der Leitung stehen"
Bedeutung:

Wenn jemand redensartlich auf der Leitung steht, dann begreift dieser einen Sachverhalt nur äußerst schwer oder gar nicht.

Herkunft:
Die Redewendung stammt aus einer Zeit, als die Telefontechnik noch - 11.jpgin den Kinderschuhen steckte. In den Anfangszeiten war die Qualität der Übertragung äußerst schlecht - je weiter weg Anrufer und Empfänger sich voneinander befanden, desto schlechter war die Verbindung. Wenn das Gespräch während eines Telefonats abbrach oder der Gesprächspartner nur schwer zu verstehen war, herrschte in den Köpfen damals die (falsche) Vorstellung, irgendwo würde jemand auf der Telefonleitung stehen und damit das Signal verschlechtern. Viele Menschen stellten sich damals vor, dass Nachrichten und Gesprächsfetzen durch die Leitung fließen würden wie Wasser durch ein Wasserrohr. Stünde nun jemand auf der Telefonleitung, verenge er damit also die Bahn und die Verbindung würde schlecht, so die Vorstellung. Daraus entwickelte sich mit der Zeit die Redensart "ich stehe auf der Leitung", wenn jemand vorrübergehend Probleme mit dem Verständnis hatte - ohne jedoch ein schlechtes Licht auf die allgemeine geistige Fähigkeit zu werfen. Die Redewendung hat sich bis heute in unserem Wortschatz gehalten.
 
"Auf dem Teppich bleiben"
Bedeutung:

Die Redewendung "Auf dem Teppich bleiben" kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Zum einen drückt man damit aus, dass jemand die Bodenhaftigkeit behalten soll: Auch wenn es gerade sehr gut läuft, sollte man immer im Hinterkopf behalten, daß es auch ganz schnell wieder bergab gehen kann.

Zum anderen kann die Redewendung bedeuten, daß man bei einem Missgeschick oder einer schlechten Nachricht nicht gleich explodieren, sondern es besser mit Fassung tragen sollte.
 
„Die Motten kriegen“
Bedeutung:

Diese Redewendung gilt als Ausruf der Verwunderung, Verärgerung, Betroffenheit … des ungläubigen Erstaunens oder Entsetzens - etwas Gesagtes oder Geschehenes nicht fassen können; verrückt, wahnsinnig werden.

Herkunft:
Die Herkunft dieser Redewendung kommt aus dem medizinischen Bereich.
Die Motte ist insbesondere durch ihre zerstörerischen Eigenschaften und ihre nächtliche Lebensweise redensartlich relevant geworden. Ihr Drang nach Licht, der oft zu ihrem Tode führt, hat ebenfalls zu Analogien zum Menschen veranlasst.
Diese Redewendung hat ihren Ursprung in den Mietskasernen der Arbeiterviertel im ausgehenden 19. Jahrhundert: Mit den "Motten" ist die hochansteckende Tuberkulose (TBC) gemeint, die wie Motten die Lunge zerfrisst.
„TBC“ war auch als „Weiße Pest“ bekannt – da die betroffenen Menschen sehr blass wurden.

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Eine Auswahl bekannter Personen, die an TBC litten: Rembrandt, die Geschwister Bronte, Goethe, Schiller, Chopin, Paganini, Boccherini, Dostojewski, Grieg, Orwell, Kafka, Camus, Bebel, Santana, Doc Holliday (John Henry Holliday – u.a. mit Wyatt Earp „O.K. Corral“) …
 
"Einen Rosenkrieg führen"
Bedeutung:

Wenn zwei Menschen einen Rosenkrieg führen, dann liegen sie im Streit. Meist sind damit Paare gemeint, die sich in einer besonders schwierigen Trennung oder Scheidung befinden.
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Herkunft:
Der Ursprung der Redewendung "Einen Rosenkrieg führen" liegt in der - 8.jpgVergangenheit, im England des 15. Jahrhunderts. Damals ereignete sich zwischen zwei großen Adelshäusern ein dramatischer Kampf um Ruhm, Macht und Ehre.

Englische Adelshäuser York und Lancaster prägten den Begriff "Rosenkrieg". Die rivalisierenden Adelsfamilien York und Lancaster stritten um die englische Thronherrschaft und führten Krieg untereinander. Beide stammten vom Haus Plantagenet ab - dem Haus, dem auch Heinrich II. entstammte, der im 12. Jahrhundert König von England wurde und damit ein Anrecht der Nachkommen des Hauses Plantagenet auf den englischen Thron begründete.
Die Familienwappen der beiden Häuser zeigten beide jeweils eine Rose – eine weiße Rose im Wappen des Hauses York und eine rote Rose im Wappen des Hauses Lancaster. Der Konflikt ging daher als sogenannter War of the Roses (auf Deutsch "Rosenkrieg") in die Geschichte ein und prägt so bis heute auch die deutsche Redensart.


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„Turteltauben sein“
Bedeutung:

Turteltauben gelten als Symbol der Liebe. Und auch als Sinnbild in einer deutschen Redewendung tauchen die Vögel auf: Als "Turteltauben" gelten bei dieser Redewendung Liebespaare.
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Herkunft:
Turteltauben - ein Symbol der Liebe

Turteltauben sind nicht nur ein Sinnbild für Verliebte, die Vögel gibt es tatsächlich! Die "Turteltaube" - wissenschaftlicher Name "Streptopelia turtur", ist eine Vogelart aus der Familie der Tauben und der Vogel des Jahres 2020.
Als Zugvogel, der alljährlich nach den Wintermonaten zurückkehrt, gilt die Taube seit jeher als Verkünder des Frühlings. Bereits im Mittelalter galt die Turteltaube daher auch als treu und sanftmütig. Seit dem 17. Jahrhundert finden wir den Begriff "Turteltauben" als Bezeichnung für Verliebte. So entstand daraus die Redensart "Wie zwei Turteltauben sein" oder auch das Wörtchen "turteln" - was so viel bedeutet wie "zärtlich zueinander sein".

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Die Turteltaube
 
"Der Schalk im Nacken"
Bedeutung:

Wer oft Streiche ausheckt oder ständig Witze macht, dem sitzt redensartlich der Schalk im Nacken.

Herkunft:
- 7.jpgDie Redewendung geht zurück auf die uralte Vorstellung, in der das Gute und das Böse versuchen, die Menschheit auf ihre Seite zu ziehen. Hier gibt es den Menschen, der von einem Dämonen oder den närrischen Kobold besessen ist. Hinter den Ohren, im Nacken sitzend, flüstert der "Schalk" einem Menschen verrückte Ideen und Unsinn zu, um ihn so zu beeinflussen. Darum sagt man auch "den Schalk hinter den Ohren haben".
Wohl jeder kennt die diversen Bilder, in denen „Gut“ und „Böse“ – „Engel“ und „Teufelchen“ einem auf der Schulter sitzen und Einfluß nehmen wollen. Eine „Verniedlichung“ und mit Humor gewürzter moderne Fassung der düsternen Horror-Version aus dem Mittelalter.

„Schalk im Nacken“
Die Redensart „Schalk im Nacken“ ist bereits seit dem 16. Jahrhundert belegt, wobei der Begriff "Schalk" ursprünglich in der Antike und im frühen Mittelalter einen mittellosen Knecht oder Diener bezeichnete, der ohne Schuhe (lateinisch "scalcius") unterwegs war.

Aus diesem „Schalk“ – dem Knecht / Diener entwickelte sich der „Narr“ oder auch „Hofnarr“, der seinerseits gegenüber seiner Herrschaft „den Schalk im Nacken“ hatte.

Seit dem 12. Jh. Ist häufig der Hofnarr, ein geistreicher Spaßmacher von oft - 8.jpgauffälligem Aussehen (etwa kleinwüchsig, bucklig, langnasig, schiefmäulig). Er konnte seinem Herrn als Ratgeber und Vertrauter nahestehen und zu beträchtlichem Einfluss kommen. Äußerlich war er durch eine auffällige Tracht (Fellkleid und Kapuze, im Wams und Beinkleider in Mi-parti, Narrenkappe mit Schellen, Eselsohren oder Hahnenkamm) und ein Narrenzepter mit Puppenkopf kenntlich gemacht. Die Narrenfreiheit bestand darin, ungestraft Spott treiben, Unbequemes und Verpöntes aussprechen zu dürfen. Der dem Halten von Hofnarren zugrundeliegende Sinn dürfte gewesen sein, dass die Gegenwart des Defekten den Herrscher stets an die eigene Unvollkommenheit und Hinfälligkeit erinnern sollte.
Ursprungsland der mittelalterlichen Hofnarrenidee dürfte Frankreich gewesen sein, wo sie schon im 10./11. Jh. aufgekommen sein soll. Von dort aus griff das Phänomen "Hofnarr" allenthalben um sich und gewann bis zur Mitte der 16. Jh. ständig an Bedeutung.

Später wurde der Begriff "Schalk" in Zusammenhang mit boshaften Menschen verwendet, die mit böser Absicht eine List ausheckten.

Heutzutage sieht man diesen Begriff allerdings entspannter: Wem der Schalk im Nacken sitzt, der verulkt andere gerne – aber eigentlich immer harmlos, so daß alle darüber lachen können.
 
"Voller Bauch studiert nicht gern"
Bedeutung:

Wenn wir gegessen haben, sind wir oft erst einmal träge. Damit der Bauchraum die anstrengende Verdauungsarbeit leisten kann, ist das Gehirn dann weniger durchblutet als sonst.

Herkunft:
Diese Redewendung kommt aus dem antiken Rom. Hier lautete der lateinische Spruch: "Plenus venter non studet libenter". Die ursprüngliche lateinische Bedeutung von "studere" hieß war "etwas betreiben" oder "sich um etwas bemühen".

Wenn wir gegessen haben, sind wir oft erst einmal träge. Damit der Bauchraum die anstrengende Verdauungsarbeit leisten kann, ist das Gehirn dann weniger durchblutet als sonst. Wir fühlen uns müde. Kleine Pausen mit etwas Bewegung helfen dann.
 
"Den schwarzen Peter zuschieben"
Wenn man jemandem redensartlich den schwarzen Peter zuschiebt, gibt man ein ungelöstes Problem an diesen weiter. Die Redewendung geht zurück auf das bekannte Kartenspiel "Der schwarze Peter", bei dem derjenige Spieler verliert, der als letzter die Karte mit dem Schwarzen Peter auf der Hand hält.

 
"Alle Register ziehen"
Bedeutung:

„Alle Register ziehen“: Alles mögliche tun, um etwas zu erreichen, nichts unversucht lassen, alle Chancen nutzen.

Herkunft:
Die Redewendung kommt aus dem Musikbereich. Sie bezieht sich auf das Orgelspielen: Als "Register" bezeichnet man eine Reihe ähnlich klingender Pfeifen in der Orgel - je mehr Register seines Instruments der Organist also zieht, desto voluminöser und reicher klingt sein Spiel.
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"Am seidenen Faden hängen"
Bedeutung:

Wenn etwas am seidenen Faden hängt, ist es in Gefahr und nicht sicher. Es hängt - bildlich gesprochen - an einem sehr dünnen Faden, der jederzeit zu reißen droht.

Herkunft:
Die Redewendung "Am seidenen Faden hängen" stammt aus einer Geschichte um den griechischen Höfling Damokles: Damokles beneidete seinen Herren, den Tyrannen Dionys von Syrakus, um dessen Macht und umschmeichelt ihn mit den Worten, Dionys sei sicher der glücklichste Mensch auf Erden. Um Damokles eine Lehre zu erteilen, heckte Dionys einen Plan aus: Er bot Damokles an, an seiner Stelle den königlichen Platz an der Tafel einzunehmen. Heimlich aber ließ Dionys über Damokles ein Schwert aufhängen, das nur an einem dünnen Faden hing. Damit wollte er seinem Höfling aufzeigen, welche Gefahren mit einer solch mächtigen Position verbunden sind. Als Damokles beim Essen zufällig nach oben schaute und das Schwert entdeckte, verging ihm vor lauter Angst der Appetit und er räumte sofort den Platz.
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„Das Damoklesschwert“
Genau wie bei der Redewendung „Am seidenen Faden hängen“ geht „das - 8.jpgDamoklesschwert“ auf eine dieselbe Sage zurück: Damokles war ein Bediensteter am Hofe des Königs von Syrakus. Er war so begeistert von seinem König, dass er ihn ganz besonders lobte und als den glücklichsten Menschen der Welt bezeichnete. Da hatte der König eine Idee: Er wollte mit seinem Höfling den Platz tauschen und ihm den Thron überlassen. Doch zuvor hängte er ein schweres Schwert über dem Thron auf, das nur an einem Pferdehaar befestigt war.
Wann und ob das Pferdehaar reißen und das Schwert auf Damokles niederfallen würde, konnte niemand vorhersagen. Auf jeden Fall wollte König Syrakus seinem Diener Damokles damit klarmachen, dass überall Gefahr lauert und dass Glück oft nicht lange anhält. Man kann sich also nie sicher sein, dass alles gut weiterläuft - und spricht deshalb auch heute noch vom Damoklesschwert, dass über den Köpfen der Menschen schwebt.
 
„Auf die Barrikaden gehen“
Bedeutung:

"Auf die Barrikaden gehen" - das sagt man häufig, wenn man sich gegen eine Entscheidung auflehnt. Wenn man sich gegern die Entscheidung einer anderen Person stellt und gegen diese Entscheidung etwas unternehmen will - wenn man sich sehr über diese Entscheidung aufregt dann geht man sprichwörtlich auf die Barrikaden.

Herkunft:
Als Barrikaden bezeichnet man Straßensperren, die zugleich als Schutzwall dienen.
Barrikaden waren in der Julirevolution vom 27. Juli 1830 die maßgebliche Verteidigungsstrategie der Pariser Bevölkerung gegen die Polizei des Königs Karl X. Annähernd 6000 solcher Barrikaden sind während des Aufstands gezählt worden. Ihr Fundament waren mit Erde gefüllte Fässer. Darauf wurde alles gestapelt und zusammengenagelt, was sich als nützlich für die Abwehr erwies. Matratzen dienten als Kugelfang. War der Feind zurückgeschlagen, wurde nicht um die Barrikade herumgelaufen. Es wurden vielmehr auf der Seite der Schutzsuchenden Pflastersteine zu einer Rampe gefügt, über die die Aufständischen stürmten, was dem Volkszorn einen dynamischen Ausdruck verlieh.
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Während der März-Revolution 1848 in Deutschland wurden diese Schutzwälle besonders populär, als sich die aufständischen Bürger während der Straßenschlachten hinter ihnen verschanzten. Wollten die Bürger sich wehren und ihre Gegner unter Feuer nehmen, konnten sie dies nur tun, indem sie oben auf die Barrikaden stiegen. Von dort hatten sie eine gute Sicht und konnten sich gegen ihre Widersacher verteidigen.
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1848 avanciert die Barrikade zur politischen Ausdrucksform und zum revolutionären Symbol schlechthin. In Paris werden damals beispielsweise 1500, in Wien und Mailand über 2000 Barrikaden errichtet. Diese Sperren haben Signalwirkung, es geht nicht nur darum die Straßen zu blockieren, sondern auch darum, den öffentlichen Raum zu polarisieren. Jeder der Beteiligten steht entweder auf der einen (als Verteidiger) oder der anderen Seite (als Angreifer) der Barrikade und ist damit ein Symbol des Kampfes, nicht nur für den auf der Straße, sondern auch für den in der Politik.
 
„Auch nur mit Wasser kochen“
Hier gibt es gleich drei Bedeutungen:
I.: Die Redensart "Auch nur mit Wasser kochen" wurde ursprünglich benutzt, um auf die Verhältnisse von ärmeren Menschen hinzuweisen. Diese konnten es sich auch (wie andere Arme) nicht leisten, ihr Essen mit besonderen Zutaten wie Wein oder Fleischbrühe zu kochen. Stattdessen mussten sie ganz normales Wasser nehmen. Im Gegensatz zu den Mächtigen kocht diese Person auch – wie alle anderen einfachen Menschen - nur mit ungewürztem Wasser.

Diese Redewendung stammt aus dem frühen Mittlalter, als man sich vor allem von Getreidebrei, Brot und einfachen Eintöpfen ernährte. Aus dieser Zeit stammt das heutige Wort „Gemüse“: In den Eintöpfen wurde alles, was man sich leisten konnte (vor allem kleingeschnittene Nutzpflanzen) zu „Mus“ (Brei, Pürree) gekocht („Mus“ – Gemüse) Erst später wurden diese Nutzpflanzen selber Gemüse genannt. Fleisch gab es zu dieser Zeit nur sehr selten – ganz im Gegensatz zu den Geistlichen, Beamten und den Regenten, die sich täglich von Fleisch ernährten.

II.: Heute gilt diese Redensart eher dazu, sich nicht zu viel Sorgen zu machen, zu viel Respekt vor „Autoritäten“ zu haben. Denn auch diese Leute kochen genau wie man selber nur mit Wasser. Mit gibt zwar Brühe, Salz und verschiedene Gewürze hinzu – aber im Grunde kochen alle nur mit Wasser. (Denn selbst Brühe oder Wein besteht eigentlich vor allem aus Wasser) Auch diese „Autoritäten“ sind keine Götter – sind auch nur Menschen.

III.: Daß man selber auch nichts besonderes ist: Genau wie alle anderen kocht man auch nur mit Wasser.
 
„Auge um Auge, Zahn um Zahn“
Mit der Wortschöpfung „Auge um Auge, Zahn Zahn“ zitiert man die Bibel. In unserem heutigen Sprachgebrauch soll das Sprichwort etwas Negatives ausdrücken: Und zwar, daß man Gleiches mit Gleichem vergelten muß.
Es geht also in diesem Zusammenhang oft um Rache. Dabei war mit diesem Ausspruch ursprünglich etwas ganz anderes gemeint.

Der Ursprung der Redewendung liegt in der Bibel
In den Büchern Mose im Alten Testament gibt Mose dem Volk in einer langen Aufzählung von Schadens-Regulierungen folgende Regel mit auf den Weg, wenn zwischen zwei Menschen etwas Schlimmes passiert.
Im zweiten Buch Mose heißt es: "Ist weiterer Schaden entstanden, dann mußt Du geben: Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmahl für Brandmahl, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme."
(2. Mose 21,24)
Dieser Aufruf mag sich vielleicht sehr streng anhören. Allerdings wurde die Regel so verstanden, daß für man jeden Schaden, den man verursacht hat, eine angemessene Wiedergutmachung leisten muß.

Verwendung im Neuen Testament
Die Formulierung "Auge um Auge, Zahn um Zahn" wird auch im Neuen Testament der Bibel erwähnt. Jesus erwähnt diese Phrase in der Bergpredigt und sagt zu Matthäus:
"Ihr habt gehört, daß den Alten gesagt ist: 'Auge um Auge, Zahn um Zahn'. Ich aber sage Euch: Leistet dem, der Euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn Dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin."
(Mt 5,38 f.)

Mahatma Gandhi
Dabei sollte man auch den Ausspruch von Mahatma Gandhi nicht übersehen:
„Auge um Auge und die ganze Welt wird blind sein“
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„Auf 180 sein“
Mit der Redewendung "auf 180 sein" drücken Menschen - 6.jpgaus, daß sie besonders wütend sind. Wut kann man nicht in Zahlen messen – die 180 wurde aus einem anderen Zusammenhang genommen, dem Autofahren. Fährt man 180 Kilometer pro Stunde, rast man über die Autobahn. Da man auch rasend vor Wut sein kann, hat man die Zahl einfach auf Situationen übertragen, in denen man besonders wütend ist. Als die Redewendung aufkam, hieß sie noch "auf 80 sein", da die Autos zu dem Zeitpunkt noch nicht so schnell fahren konnten. Damals waren 80 Kilometer pro Stunde eine sehr hohe Geschwindigkeit.
 
„Aus der Haut fahren“
Bedeutung:

Wer „aus der Haut fährt“ – der rastet aus, verliert die Beherrschung.- 3.jpg

Herkunft:
In verschiedenen Redensarten erscheint die Haut als Hülle des Menschen, die nicht abgestreift werden kann (z. B. "nicht aus seiner Haut können"). Natürlich kann man nicht wirklich aus der Haut fahren. Aber seit dem 16. Jahrhundert wird dieses übertriebene Bild für eine totale Wut, Schmerz und Ärger verwendet.
 
„Dann ist Polen offen“
Bedeutung:

Die Redewendung "Dann ist Polen offen", soll ausdrücken, daß alles mögliche Schlechte passieren oder ein Ereignis eintreten könnte, das sich nicht kontrollieren läßt. Je nach Ton und Situation kann man den Spruch als Verzweiflungsruf oder auch als Drohung verwenden.

Herkunft:
Die Redewendung entstand vermutlich im 18. oder 19. Jahrhundert - so findet sie sich zum ersten Mal in einem schlesischen Wörterbuch von 1855. Ihre Urprünge gehen jedoch bis zurück ins späte Mittelalter.
Damals war Polen eine der europäischen Großmächte. Doch Feinde und eine innere Zerrissenheit führten zu einem langsamen Niedergang Polens, dessen Tiefpunkt 1795 erreicht war, als das Land vollständig aufgelöst und zwischen Österreich, Preußen und Russland aufgeteilt wurde - und dann 123 Jahre lang von der Landkarte verschwand. Polen stand damals schutzlos den Eingriffen von außen gegenüber - es war eben „offen“. Bis heute hält sich im Deutschen die Redewendung "Dann ist Polen offen!", die mit dieser Entwicklung zu tun hat.

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1939 – zu Beginn des Zweiten Weltkriegs – als Deutschland in Polen einfiel – und Polen zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt wurde war Polen wieder ausgelöscht – wieder war "Polen offen". (Deutschland fiel am 01. September in Polen ein, die Sowjetunion am 17. September. Die letzten regulären polnischen Einheiten kapitulierten am 06. Oktober 1939.)
 
„Auf einer Wellenlänge sein“
Bedeutung:

Wenn man sich so richtig gut versteht, ist man auf einer Wellenlänge.

Herkunft:
Die Redewendung "auf einer Wellenlänge sein" stammt aus dem Funkverkehr. Da gibt es immer einen Sender und einen Empfänger. Beide müssen an ihren Funkgeräten dieselbe Wellenlänge einstellen, ansonsten können sie sich nicht verstehen.
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„Im Dreieck springen“
Bedeutung:

Im Dreieck springen wir, wenn wir uns über etwas sehr stark ärgern oder zornig sind.

Herkunft:
Der Ursprung dieser Redensart liegt im Berliner Stadtteil Moabit. - 8.jpgDort ließ Friedrich Wilhelm IV in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein nach damaligen Maßstäben modernes Gefängnis errichten. Gefangene wurden anstatt in Massenschlafsälen in Einzelzellen untergebracht. Die Kontaktsperre sollte verhindern, daß sich die Insassen negativ beeinflussen. Dieses Isolationsprinzip galt auch während des Hofgangs. Der Gefängnishof war in etliche dreieckige Freiflächen unterteilt, in dem die Häftlinge schweigend spazieren durften. Dort sprang der eine oder andere Häftling buchstäblich im Dreieck.
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