Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„Jemandem etwas auf den Kopf zusagen“
Bedeutung:
Jemandem etwas direkt ins Gesicht sagen. Jemanden mit etwas konfrontieren. Etwas offen ansprechen, unverblümt ansprechen und Unangenehmes direkt ansprechen.

Herkunft: Dieser Spruch ist wieder einmal aus dem Leben gegriffen: Man redet nicht hinter dem Rücken nur schlecht über eine Person mit anderen Leuten. Man beschönigt nicht die Fehler des Gegenübers. Man ist so fair und riskiert oft sogar eine lange Freundschaft, indem man direkt und unbeschönigt die Fehler einer anderen Person aufzeigt.
 
„Hinter dem Rücken reden“
Bedeutung:
Über eine Person „lästern“, ablästern, über jemanden herziehen. Über jemanden klatschen, munkeln, ratschen. Jemanden etwas nachsagen. Schlecht über eine Person reden. Über jemanden "vom Leder ziehen". Sich etwas über eine Person zuflüstern.
Alle Bedeutungen, ohne daß die betroffene Person etwas davon mitbekommen soll. Diese Person soll nicht merken, daß man schlecht über sie redet.

Herkunft: Es geht um Handlungen, die hinter jemandes Rücken geschehen. Sie sind für ihn nicht erkennbar. Das Sinnbild ist somit leicht zu verstehen.
Die Formulierung ist immer negativ bewertet. Im Sinne eines fragwürdigen und unfairen Verhaltens gegenüber dem Betroffenen. Oft beziehen sie sich auf das Reden über Abwesende. (Mit der Feigheit vor einer Auseinandersetzung. Daher auch oft der Ausspruch: „Anwesende ausgenommen“.) Das dazu passende „hinterrücks“ (seit dem 15. Jahrhundert verwendet) hebt den Aspekt der Heimtücke noch stärker hervor.

Erste Belege finden sich im 16. Jahrhundert (dürfte aber viel älter sein). Ein Beispiel aus dem Jahre 1563: „… das die Unterthanen nicht macht haben / pfarrherrn zu wehlen hinter dem Rücken / vnd ohn vorwissen ihrer obrigkeit.“
 
„Anwesende ausgenommen“
Bedeutung:
Wenn man in einer Gesellschaft über gewisse Personen „herzieht“ – und eine der anwesenden Personen sich betroffen fühlen könnte – dann fügt man diese Formulierung noch hinzu.

Herkunft: „Die Anwesenden ausgenommen!“ Wenn man etwas sagt, das eine Person in der Gesellschaft verletzen könnte, dann fügt man den Satz hinzu: „Natürlich immer die Anwesenden ausgenommen.“

Diese Regel hatte der junge Baron Harald von Sinnen von seinem Hofmeister eingeprägt erhalten, und er hatte auch schon bei verschiedenen Gelegenheiten mit gutem Erfolg von derselben Gebrauch gemacht. Eines Tages hatte er nach beendigtem Diner unter den älteren Damen Platz genommen, welchen er allerlei Geschichten erzählte. Die Geschichten fanden großen Beifall. Natürlich: der junge Baron war sehr liebenswürdig und hatte die nächste Anwartschaft aus ein großes Majorat. Der Beifall der Damen ermuthigte ihn immer mehr, und er ließ eine Geschichte auf die andere folgen. Darunter auch eine, deren Heldin eine Dame war, die sich ebenso sehr durch ihren Geist wie durch ihre Häßlichkeit hervorthat. Der junge Baron betonte wiederholt die Häßlichkeit der Dame. Da bemerkte er zu seinem Schrecken, daß dies bei seinen Zuhörerinnen, die alle über die erste Jugendblüthe der Schönheit schon mehr oder weniger hinaus waren, einen unangenehmen Eindruck machte. Doch er wußte sich zu helfen, in Erinnerung an die ihm von seinem Hofmeister eingeprägte Regel schloß er seine Erzählung mit den geflügelten Worten: „Ja, ja, meine Damen, so ist es, die Häßlichen sind in Regel nicht dumm, – natürlich immer die Anwesenden ausgenommen.“
 
„ Hinterrücks“
Bedeutung:
Eine Formulierung aus dem 15. Jahrhundert: „von hinten“ und daher „unversehens“, heimlich, heimtückisch ausgeführt.

Herkunft: Es ist die selbe Herkunft, wie bei der Redewendung „Hinter dem Rücken reden“.

Bereits in der Nibelungen-Sage (ca. 1200-1250) und die selbe Geschichte auch ein Bestandteil der „Edda“ (ca 1220) wird „Siegfried“ („Sigurd“ in der Edda) – der Drachentöter – von Hagen an einer Quelle trinkend „hinterrücks“getötet.
 
„Jemandem fällt die Decke auf den Kopf“
Bedeutung:
Jemand fühlt sich eingeengt, wen man zu lange drinnen war – und wieder raus möchte. Kontakt zu anderen Leuten haben möchte. Wenn man sich langweilt. Jemand möchte gerne endlich mal wieder raus.

Herkunft: Die Redensart entstand Anfang des 20. Jahrhunderts. Dieser Begriff steht zusammen mit „Budenangst“ vor allem für Studenten, die in ihrer Bude hocken. Studenten, die außer ihren Büchern kaum etwas zu sehen bekommen. Die Art von Studenten, die außer Lernen nicht einmal ihre Kommilitonen richtig zu sehen bekommen.

Heute vor allem bekannt durch "Corona", wo beim "Shutdown" weder das Reisen, oft auch das Arbeiten noch "Kultur" (Theater, Kino, Konzerte ...) oder der Besuch von Freunden oder Familie möglich waren.
 
„Jemandem steigt etwas zu Kopf“
Bedeutung:
Jemand wird z.B. aufgrund seines Erfolges eingebildet, herablassend, überheblich, übermütig.

Herkunft: Wieder einmal aus dem Leben gegriffen: Die Formulierung verwendet das Bild einer betäubenden Substanz, die in den Kopf eindringt und den Betreffenden zu allerlei unvernünftigen Verhalten veranlaßt. Passenderweise wird sie auch bei Alkohol verwendet, der vom Magen aus gesehen „zu Kopf steigt“ und dort seine berauschende Kraft entfaltet – der Ursprung dieser Redensart. Genau, wie der Alkohol kann auch Erfolg und Macht jemanden wie trunken machen und das Denkvermögen einschränken.

Im Bezug auf Alkohol ist das Sprichwort seit Anfang des 17. Jahrhunderts belegbar: „biß jemanden der Flaschen humor in Kopff stieg ..

Ein bildlicher Vergleich setzte schon früh ein. Bereits 1709 liest man in einem Gedicht: „Der hochmuth ist ihr nie in ihren Kopf gestiegen, sie hieß die prahlerey zu ihren füssen liegen.
 
„Mit dem Kopf durch die Wand wollen“
Bedeutung:
Jemand will sich um jeden Preis durchsetzen. Er ist dabei unnachgiebig, kopromißlos, voreilig, ungeduldig, starrköpfig. Er ist stur, handelt dabei ohne Rücksicht auf Verluste.

Herkunft: Der Kopf steht hier für den eigenen Willen und die Wand für ein unüberwindliches Hindernis. Diese seit dem 15. Jahrhundert nachgewiesene Redewendung gibt es in dieser Form auch im Französischen, Italienischen, Niederländischen und Spanischen – und schon ist man auf dem Weg zu dem berühmten Sprichwortbild von Pieter Bruegel dem Älteren.

Auch Martin Luther (1483-1546) gebrauchte diese Formulierung an mehreren Stellen. Z.B. „Arius hatte nu einen großen Anhang gewonnen, und wollte mit dem Kopf hindurch wider seinen Bischof.
 
„Nicht wissen, wo einem der Kopf steht“
Bedeutung:
Eine Verwirrung in der man Selbstverständlichkeiten nicht mehr richtig wahrnehmen kann. Meist bezieht sich die Überforderung auf zu viel Arbeit oder auch auf andere psychische Belastungen.

Herkunft: Bildlich gesehen: Durch eine Überbelastung die Lage des eigenen Kopfes nicht mehr wissen – wie bereits geschrieben: Man nimmt nicht einmal die einfachsten Selbstverständlichkeiten mehr richtig wahr.

Die Formulierung findet sich bereits im 17. Jahrhundert. 1668 schreibt Publius Vergilius Maro: „Man schreyet überall – es thönet die Trompet. Ich greiffe zum gewehr, weiß fast nicht wo mir steht der kopff in dem tulult“
 
„Sich die Augen aus dem Kopf weinen“
Bedeutung:
Man weint heftig. „Rotz und Wasser heulen“, „alle Schleusen öffnen“, „Ströme von Tränen vergießen“, „hemmungslos losheulen“ …

Herkunft: Dieser Spruch kommt von der übertriebenen Vorstellung, daß die Tränen in so großer Menge fließen, daß sie die Augen aus ihren Höhlen schwemmen. Schon in der „Luther-Bibel“ findet sich dieses Sinnbild in der Klage über die Verwüstung Judas und Jerusalems: „Ich habe schier bald meine Augen ausgeweint, daß mir mein Leib davon wehe tut; meine Leber ist auf die Erde ausgeschüttet über den Jammer der Tochter meines Volkes, da die Säuglinge und Unmündigen auf den Gassen in der Stadt verschmachteten“
 
„Sich etwas in den Kopf setzen“
Bedeutung:
Etwas unbedingt haben wollen, etwas unbedingt tun wollen. Sich etwas fest vornehmen. Wenn man sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, bringt einem niemand von dem Vorhaben ab.

Herkunft: Eine Redewendung, die direkt aus dem Leben gegriffen ist. Die Formulierung erklärt sich selber.
 
„Sich keinen Kopf machen“
Bedeutung:
Man macht sich keine Sorgen. Man ist ganz beruhigt, hat keine Bedenken und kann ruhig schlafen.

Herkunft: Die Redensart kommt wieder einmal direkt aus dem Leben. Im Gegensatz zu sich „den Kopf zerbrechen“, sich ständig zu sorgen und Angst vor allem zu haben machen sich diese Leute „keinen Kopf“.
 
„Sich um Kopf und Kragen reden“
Bedeutung:
Sich durch unvorsichtiges und unüberlegtes Reden zu schaden oder in Gefahr zu bringen.

Herkunft: Das Sprichwort spielt auf die Enthauptung als Hinrichtungsmethode an. Hier verweist der „Kragen“ noch auf seine ältere Bedeutung, den „Hals“. Die stabreimende Paarformel „Kopf und Kragen“ entstammt der mittelalterlichen Rechtssprache, in der der „Kragen“ für „Hals und Nacken“ steht.
 
„Von Kopf bis Fuß“
Bedeutung:
Eine andere Formulierung für „Ganz und gar“, „von oben bis unten“, „durch und durch“, insgesamt, vollends, von vorn bis hinten, von innen bis außen, in vollem Umfang. Von „A“ bis „Z“, von „Alpha“ bis „Omega“. Von Kopf bis Fuß bedeutet die ganze Person – alles in allem, total.
 
„Der Arsch sein“
Bedeutung:
In der Rangordnung ganz unten sein. Die Schuld übernehmen müssen, undankbare Aufgaben übernehmen müssen. Benachteiligt sein, übervorteilt werden. Eine Person, die Pech hat. Jemand, der keinen Nutzen von etwas hat.

Herkunft: Zunächst einmal: Der Begriff „Arsch“ stammt natürlich aus der „Vulgärsprache“.
Der Hintern (Arsch) ist der Ort am Körper, der mit der niedrigsten Werteinstufung verbunden wird - der Ort, an dem nur Mist (Sch…) rauskommt.
So wurde eben der Begriff „Arsch“ schnell für die „rangniedrigsten“ Mitmenschen verwendet: Sklaven, Leibeigene, „Unberührbare“, Arbeitslose, Vorbestrafte, anders aussehende Menschen … und so ziemlich jeder Untergebene - selbst der „`Untergebene` des `Untergebenen`“!

Es ist einfach die Herabstufung von anderen Menschen. Menschen, von denen man glaubt, daß man ihnen weit überlegen ist!
 
„Beweg (endlich) den / Deinen Arsch“
Bedeutung:
Eine Person soll sich beeilen, sich „abjagen“. Die Person soll angetrieben werden, ihr soll „Dampf“ gemacht werden. Die Person wird aufgestachelt. Andere umgangssprachliche „Anfeuerungen“: „Aber Flott!“, „Flotti galloppi“, „holterdiepolter“, „Hopp-Hopp“, „jemandem Pfeffer in den Arsch blasen“ …

Herkunft: Wieder einmal eine Formulierung, die einfach aus dem Leben gegriffen wurde: Der Untergebene soll sich nicht ausruhen oder die Arbeit weiter im „Schneckentempo“ verrichten – er soll endlich eine geforderte Tätigkeit endlich schnellstens ausüben.
 
„Am Arsch der Welt“
Bedeutung:
Ein Ort, der sehr weit entfernt ist. Ein abgeschiedener, rückständiger Ort.

Herkunft: Dieser Spruch ist gar nicht einmal so alt, wie man vermutlich erst einmal annimmt. Im Ursprung ist die Bedeutung sehr Menschenverachtend: In der Soldatensprache des Zweiten Weltkriegs wurde in Deutschland die Ostfront herablassend „Arsch der Welt“ genannt. Eine Einstufung, die die russischen „Untermenschen“ weiter herabstufen sollte. Eine Vorbereitung für die Ausrottung der Juden – und der „nicht arischen Bevölkerung“ nach dem Krieg. Der Begriff sollte die Hemmschwelle der deutschen Soldaten herabsetzen. Das Töten erleichtern.
 
„Am Arsch sein“
Bedeutung:
Etwas ist kaputt, funktioniert nicht mehr. Eine Person ist verausgabt, müde, am Ende.

Herkunft: Der heutige Begriff aus der Vulgärsprache „Arsch“ stammt aus dem Mittel- und Althochdeutschen „ars“. Die Bedeutung war das „Ende“ und der „Po“.
 
Im Arsch Sein
Bedeutung:
Etwas ist kaputt, funktioniert nicht mehr.

Herkunft: Die Herkunft ist die Selbe, wie „am Arsch sein“. Nur, daß hier meist ein Gegensand gemeint ist (während im vorigen Artikel auch eine Person gemeint sein kann.) Der heutige Begriff aus der Vulgärsprache „Arsch“ stammt aus dem Mittel- und Althochdeutschen „ars“. Die Bedeutung war das „Ende“ und der „Po“.
 
„Den Arsch nicht hochkriegen“
Bedeutung:
Man ist faul und träge, kann sich nicht aufraffen, etwas zu tun.

Herkunft: Der Hintern in dieser Formulierung steht „pars pro foto“ (Ein Teil steht für das Ganze) – steht für den ganzen Menschen. Diese Redensart war vor allem in den 1960er Jahren sehr geläufig.