Wie habt ihr euch bei eurem Staat engagiert?

Was habt ihr geleistet oder werdet ihr wahrscheinlich leisten?

  • Bundeswehr (Herren)

    Stimmen: 12 20,7%
  • Zivildienst (Herren)

    Stimmen: 11 19,0%
  • Freiwilliges soziales Jahr (Damten)

    Stimmen: 2 3,4%
  • Nichts (beide)

    Stimmen: 33 56,9%

  • Umfrageteilnehmer
    58
Ich mache seit sechs Jahren, also auch während meines Zivildienstes, Kampfsport. War meine Verweigerung, in der ich Konfliktlösung durch Gewallt, vor allem Waffengewalt, verurteilt habe, etwa auch geheuchelt?

Ich kann dieser Art der "Streitschlichtung" nunmal nichts abgewinnen.
Nein, ich sehe darin nicht zwangsweise eine Heuchelei. Obgleich Kampfsport wie auch der Grundwehrdienst nur zur Verteidigung dient. Aber es ist ein Unterschied ob man hierbei mit Schusswaffen kämpft oder nur mit seinem Körper. Mir geht es eher darum, dass einige vorschieben Waffen nichts abgewinnen können, gleichzeitig aber - egal ob Spiel oder nicht - keine Probleme haben beim Gotcha mit Waffen aufeinander zu zielen.

Oh, ja! Für mich ist es auch völlig unverständlich, warum jemand, dessen rechter Meniskus nach einem Unfall kaum belastungsfähig ist, sowohl vom Wehr-, als auch vom Zivildienst befreit wird.
Ja genau, da ja alle ausgemusterten Bubis an sowas leiden! Bei 10% mag es ja aus drifftigen Gründen sein, aber wie auch schon einige Prozesse zeigten, ist Allgemeine Wehrpflicht zu einem Lotto-Spiel verkommen, wo nur noch die Pechvögel gezogen werden. Was im Klartext heißt, ein Großteil wird nicht gezogen, weil keine Verwendung da ist (dies betrifft zumeist Real- und Hauptschüler). Und aus diesem Hintergrund heraus versuchen viele sich als "unbrauchbar" zu deklarieren, indem sie sich übermäßig krank beschreiben etc. Guck dir doch einfach mal den Musterungs-Thread an, da häufen sich die Fragen, was man denn tun könne um nicht gezogen zu werden!

Nun, ich habe während meines Zivis auf einer Krankenhausstation gegenteilige Erfahrungen gemacht. Das Pflegepersonal wurde normalerweise so spärlich eingeteilt, dass es mit 25 Patienten, davon 7 Vollpflegefälle, überfordert war, weshalb eine bzw zwei weitere Hände mehr als hilfreich waren.
Was sich ja mit meiner Aussage deckt. Warum hochwertiges Pflegepersonal einstellen (also richtige Angestellte), wenn man genauso gut - aber viiieell billiger (nämlich genau genommen kostenlos - weil Staat bezahlt ja die Zivis) - Zivis einsetzen kann. Leider werden gute Ideen immer von einigen wenigen ausgenutzt.

Dann bist du (leider) einer der wenigen mir bekannten Wehrdienstler, bei denen das der Fall ist. In den neun Monaten habe ich fünf Studenten erlebt, die den Wehrdienst geleistet hatten, welche für ihr Studium ein Praktikum auf Station abzuleisten hatten. [...]
Idioten gibt es leider überall. Im Gegenteil, ich gebe sogar zu, dass mir die Arbeit in einem Altenheim oder im Krankenhaus nicht liegt. (Das war auch der Grund warum ich zum Bund gegangen bin) Aber ich habe großen Respekt vor Leuten, die sich einer solchen Aufgabe stellen. Menschliche Härte kommt bei allen Sachen immer auf den Standpunkt an. Und auch Herausforderungen gibt es in jedem Bereich - wie auch später beim Berufsleben. Ich denke, ein direkter Vergleich zwischen diesen ist eigentlich nicht möglich - wie will man auch physische und psychische Herausforderungen messen und gewichten?

Da habe ich wesentlich mehr Respekt vor jemandem, der dazu steht, dass er sich vor beidem gedrückt hat, damit er früher mit seiner Ausbildung, oder seinem Studium anfangen kann.
Und das sehe ich anders. Sich vor Aufgaben (besonders wenn sie nichtmal richtig vergütet werden) zu drücken ist in meinen Augen eine der größten Schanden und soetwas kann und werde ich niemals tolerieren bzw. akzeptieren! Weil es einfach auch ungerecht ist - sonst benachteiligt man doch genau jene Jugendlichen, die sich für ihre Gesellschaft engagieren. Ich möchte aber nochmal betonen, dass es hier um Jene geht, die sich davor drücken - nicht die aus triftigem Grund ausgemustert wurden, durch etwa schwere Miniskus-Verletzung oder Lähmung etc.!
 
In der BW gab es freilich auch Skandale - allerdings waren diese im Vergleich dazu noch harmlos. Durch die Wehrpflicht werden viele solcher Entwicklung allerdings noch rechtzeitig gestoppt, bevor sie wirklich gefährlich Ausmaße für die Soldaten oder gar für das Image der BW annehmen. Außerdem finde ich, sollte für alles eine Alternative bestehen. Ich fände es aber wichtig, dass (wie es auch das Grundgesetz fordert) JEDER männliche Erwachsene zumindest eines von beiden absolvieren muss.

Nunja, wie du selbst zugibst, gab es bei der Bundeswehr ähnliche Skandale, z.B. https://www.focus.de/politik/deutschland/bundeswehr-skandal_aid_51053.html. Jo, natürlich ist sowas selten und nicht die Regel, aber wenns dich erwischt, bringt dir das auch nix.

Ich weiß auch net, irgendwie kann ich mir nicht recht vorstellen, dass an diesen "positiven Lebenserfahrungen" bei der Bundeswehr wirklich viel dran ist. War nicht selbst dort, aber oft hört man von Wehrdienstleistenden von "viel Alkohol", "unsinnigen, bürokratischen Vorschriften" und ähnlichem.

Ich mache keinen Hehl draus, dass ich die Wehrpflicht für veraltet halte und dass man sie möglichst rasch abschaffen sollte. Aber leider sind dafür nur die "kleinen" Parteien zu haben und es wird sich auf absehbare Zeit nichts dran ändern.

Das ist jetzt aber teilweise schon off topic.

Desweiteren bin ich der Meinung, der Staat und damit auch die Gesetzgebung sollten sich möglichst wenig in das Leben des Einzelnen einmischen. Die Wehrpflicht, und auch eine Pflicht zum Zivildienst, ist eine solche Einmischung. Solche Einmischungen darf es aber nach meinem Staatsverständnis nur geben, wenn sie unvermeidbar sind. Wenn ich schon lese, ich wär vom Kreiswehrersatzamt erfasst, oder dass ich gezwungen werde, irgendwo zu einer Musterung zu erscheinen, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Denn das ist keineswegs ne notwendige Maßnahme zur Veteidigung Deutschlands. Das mag wohl früher so gewesen sein, aber heute werden Kriege anders ausgetragen. Man brauch keinen Frewilligen im Schützengraben mehr, sondern gut ausgebildete Spezialisten, die mit der immer komplexeren Technik umgehen können und genau wissen, was sie tun.

Ähnlich sehe ich es mit dem Zivildienst. Wenn es keine Zivis gäbe, gäbe es erstmal weniger Arbeitskräfte in solche Sektoren wie Pflege usw. das stimmt. Andrerseits müsste man dann eben diese Plätze mit regulärem Pflegepersonal ausfüllen. Na und?!? Es gibt ja auch keinen Zwangsdienst bei der Polizei und trotzdem gibts genug Polizisten, es gibt auch keinen Kanalreinigungszwangsdienst und trotzdem gibt es genug Kanalreiniger, obwohl es ein schmutziger, aber wichtiger Job ist etc. Ich kann nicht verstehen, weshalb man jetzt unbedingt jemanden zwingen soll, irgendwas in der Richtung Zivildienst zu machen. Früher haben Zwangsarbeiter Autobahnen gebaut. Soll man das jetzt wieder einführen, weil der Haushalt für Straßenbau knapp ist und der Straßenbau ja letztlich der Gesellschaft dient?!?
 
Ich weiß auch net, irgendwie kann ich mir nicht recht vorstellen, dass an diesen "positiven Lebenserfahrungen" bei der Bundeswehr wirklich viel dran ist. War nicht selbst dort, aber oft hört man von Wehrdienstleistenden von "viel Alkohol", "unsinnigen, bürokratischen Vorschriften" und ähnlichem.
Das ist so wieder das Verfahren, ich picke etwas auf, was viele mal irgendwo irgendwann gesagt haben und daran beurteile ich den Grundwehrdienst. Frage doch lieber direkt mal Leute, die bei der Bundeswehr gedient haben und frage sie auch, was sie insg. für Erfahrungen gemacht haben und ob sie es missen möchten. Ich glaube ein Großteil hat es im Nachhinein nicht bereut. Aber ich will schon, dass die Beurteilung von Leuten vorgenommen wird, die die Bundeswehr nicht nur in der Theorie erlebt haben.

Ich mache keinen Hehl draus, dass ich die Wehrpflicht für veraltet halte und dass man sie möglichst rasch abschaffen sollte. Aber leider sind dafür nur die "kleinen" Parteien zu haben und es wird sich auf absehbare Zeit nichts dran ändern.
Wenn du es auf diese Weise betrachtest, sind nahezu alle Bereiches des Staates veraltet. Das heißt aber nicht, dass es unbedingt schlecht ist. Und ich sage mir, Gottseidank wollen so einen Blödsinn nur die kleinen Parteien! Was das letztlich auch für eine unnötige Steuerlast mit sich brächte... :yawn:

Desweiteren bin ich der Meinung, der Staat und damit auch die Gesetzgebung sollten sich möglichst wenig in das Leben des Einzelnen einmischen. Die Wehrpflicht, und auch eine Pflicht zum Zivildienst, ist eine solche Einmischung.
Dann kannst du auch gleich gegen die Schulpflicht vorgehen, die ist ja letztlich auch aufgezwungen. :evil: Außerdem muss ich dir mal sagen, einen Vergleich zu ziehen, dass man evtl. auch alle zum Kanal-Dienst ranziehen könnte, ist ja wohl stark hinkend. Bei dem Einen geht es um die Verteidigung des Vaterlandes, also das Land, was dir deine Ausbildung finanziert und auch deine Grundrechte etc. sicherstellt. Und bei Kanalreinigung hälst du zwar Deutschland sauber, aber da schützt du es nicht. Natürlich kann man darüber nachdenken, ob es noch Gefahren im klassischen Sinne gibt. Allerdings denke ich, die Gefahr an sich für einen Militärschlag gegen Deutschland ist drastisch gesunken, aber komplett 0 ist sie auch nicht. Das zeigen ja auch solche Kriege wie in Georgien. Oder anders formuliert, lieber eine Reserve zuviel als zu wenig - Soldaten "nachproduzieren" ist im Ernstfall nicht möglich. ;)

Aber ich glaube, den wichtigsten Aspekt lässt du außen vor. Sowohl beim Grundwehrdienst als auch beim Zivildienst geht es vor allem darum, dich einmal im Leben für die Gesellschaft deines Landes zu verpflichten. Wenn dir ein Land die Möglichkeit zu einer erst klassischen Ausbildung gibt, ist es dann nicht fair, wenn du dafür als Gegenleistung auch mal etwas im Wohle des Landes machst? Ich denke nicht und da wir hier von einer Einmalaufgabe reden im Rahmen von 9 oder 12 Monaten (Ersatzdienst wie THW ist länger, ich weiß, aber die Arbeitszeit zusammen liegt auch in diesem Bereich) ist es wohl passabel.
 
Zuletzt bearbeitet:
Frage doch lieber direkt mal Leute, die bei der Bundeswehr gedient haben und frage sie auch, was sie insg. für Erfahrungen gemacht haben und ob sie es missen möchten. Ich glaube ein Großteil hat es im Nachhinein nicht bereut.

Mein bester Freund war bei der Armee, kenne ihn seit 25 Jahren in und auswendig. Ich weiß nicht, was er mitgemacht hat, weil er noch nie drüber gesprochen hat, aber diese Zeit hat ihn verändert. Leider nicht zum positiven.
Aber eins weiß ich, bereut hat er es auf jeden Fall ;)
 
Was hast du eigentlich gemacht? Spuckst hier erstmal große Töne vom Dienen, da wäre es doch mal interessant.

Ansonsten halte ich es wie Harimann hier im Thread
In beiden Gebieten wären meiner Meinung nach qualifizierte und motivierte Fachkräfte hilfreicher, als junge Leute zu zwingen.

Außer die Joblandschaft kaputt zu machen erreicht man mit Zivi nicht viel. Da zahl ich lieber 0,5% mehr in die Pflegeversicherung und die sollen davon richtige Kräfte beschäftigen. Ein Zivi ist meines erachtens nach das Staatsschädigstenste Element das es in Deutschland gibt. Soll nun kein Vorwurf sein an die Zivis. Sofern man wirklich nicht mit der Bundeswehr zurecht kommt und es nunmal keine Wahl gibt gezogen zu werden muss man es ja nunmal machen.
 
Mein bester Freund war bei der Armee, kenne ihn seit 25 Jahren in und auswendig. Ich weiß nicht, was er mitgemacht hat, weil er noch nie drüber gesprochen hat, aber diese Zeit hat ihn verändert. Leider nicht zum positiven.
Aber eins weiß ich, bereut hat er es auf jeden Fall ;)
Und du bist sicher, dass er sich nicht evtl. noch länger verpfiichtet hat? Kenne einige die auf einmal mit zum Auslandseinsatz gehen wollten, weil sie die Kohle gelockt hat. Ich bezweifel nämlich, dass man in 9 Monaten psychisch so fertig gemacht wird. ;)

Also ich hab bis jetzt so sicher 30 (+ den 120 Leuten aus meinem Zug von damals) Grundwehrdienstleistende getroffen, die physisch und psychisch voll auf der Höhe sind - einzig ein paar Leute (weniger als eine Hand voll) blicken nicht mit den besten Erinnerungen auf die BW zurück, was vor allem daran lag, dass sie in Einheiten wie den Gebirgsjägern gelandet sind. (da hat man Anstrengung pur und das meist die vollen 9 Monate!) :evil:
 
Und du bist sicher, dass er sich nicht evtl. noch länger verpfiichtet hat? Kenne einige die auf einmal mit zum Auslandseinsatz gehen wollten, weil sie die Kohle gelockt hat. Ich bezweifel nämlich, dass man in 9 Monaten psychisch so fertig gemacht wird. ;)


Irgendwie versteh ich das wahrscheinlich miss, aber es hört sich jetzt von dir so an: selbst schuld, wenn man sich länger verpflichtet, auch noch ins Ausland geht und das nur, weil vielleicht die Kohle mit ein Entscheidungsträger war?

Und wo ist denn jetzt für dich der Unterschied? Ich dachte, es geht darum, gedient zu haben und nicht, dass jetzt noch unterschieden wird, wer wie wo lang und wo genau stationiert.
Soviel ich weiß, war es ein freiwilliges halbes Jahr im Ausland, wo lediglich Nachschub für die anderen Stationierten begleitet werden sollte.
Das einzige, was ich nur von meinem Freund gehört hatte war: wir waren nicht drauf vorbereitet und die Aufklärung/Ausbildung war ein Witz.
Von einer psychologischen Betreuung danach war auch nichts zu sehen.

Und dreist wenn, kann ich mir durchaus vorstellen, dass auch 9 Monate die Hölle sein können. :roll:
 
Zuletzt bearbeitet:
Irgendwie versteh ich das wahrscheinlich miss, aber es hört sich jetzt von dir so an: selbst schuld, wenn man sich länger verpflichtet, auch noch ins Ausland geht und das nur, weil vielleicht die Kohle mit ein Entscheidungsträger war?

Und wo ist denn jetzt für dich der Unterschied? Ich dachte, es geht darum, gedient zu haben und nicht, dass jetzt noch unterschieden wird, wer wie wo lang und wo genau stationiert.
Soviel ich weiß, war es ein freiwilliges halbes Jahr im Ausland, wo lediglich Nachschub für die anderen Stationierten begleitet werden sollte. [...]
Öhm der Grundwehrdienst ist eine Präventivmaßnahme die ausschließlich Deutschland im Verteidigungsfall nützt! Ein Auslandseinsatz ist ein komplett anderes Kaliber und Sachverhalt, da der physische und psychische Stress ein komplett anderer ist. Aber dabei geht es mehr oder minder um die Vertretung deutscher Interessen im Ausland. Das hat mit dem Ziel der Grundausbildung und der Verteidigung Deutschlands nicht gemein.
Zwischen Vorbereitung auf Krieg und Krieg liegt nun einmal ein himmelweiter Unterschied. Obgleich ich die Sache mit deinem Freund tragisch finde, aber so etwas in Verbindung mit der Allgemeinen Wehrpflicht zu bringen ist einfach nicht akzeptabel.

Btw. die Vorbereitung auf einen Auslandseinsatz sind ziemlich aufwendig. Nur ist es ein Spagat, man kann und will nicht auf alles vorbereiten und desensibilisieren. Man versucht immer ein Optimum zwischen Desensibilisierung, aber immer noch menschlich zu finden, wobei es eben in bestimmten Situationen problematisch sein kann. Aber solche Gefahren bergen nun mal Kriseneinsätze. Und es wird auch häufig genug davor gewarnt und wer von Haus aus mit solchem psychischen Stress nicht klar kommt, der sollte sich so etwas wirklich überlegen. Versteh mich nicht falsch, ich hab schon Mitgefühl, aber es wird eigentlich lang und breit erzählt, welche Belastungen zu erwarten sind und wer dann noch immer in ein solches Kriegsgebiet geht, der sollte sich 100%ig sicher sein - und das nicht, weil er einen hübschen Gefahrenzuschlag erhält (was leider für Viele das Einzige Kriterium ist - und ich denke mal so auch bei deinem Freund!). Dennoch tragisch und ich hoffe aber dennoch, dass es vielleicht doch irgendwann überwindet.

P.s.: Ich bin übrigens prinzipiell gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr solange sie ohne UNO-Mandat erfolgen.
 
Und es wird auch häufig genug davor gewarnt und wer von Haus aus mit solchem psychischen Stress nicht klar kommt, der sollte sich so etwas wirklich überlegen. Versteh mich nicht falsch, ich hab schon Mitgefühl, aber es wird eigentlich lang und breit erzählt, welche Belastungen zu erwarten sind und wer dann noch immer in ein solches Kriegsgebiet geht, der sollte sich 100%ig sicher sein - und das nicht, weil er einen hübschen Gefahrenzuschlag erhält (was leider für Viele das Einzige Kriterium ist - und ich denke mal so auch bei deinem Freund!). Dennoch tragisch und ich hoffe aber dennoch, dass es vielleicht doch irgendwann überwindet.

Kann leider jetzt nicht auf alles eingehen, vielleicht später.
Aber kurz: Der Auslandseinsatz sollte nicht! in ein Kriegsgebiet gehen, sondern "nur" in ein Lager, wo die Jungs lediglich alle Hilfslieferungen usw. koordinieren und verteilen sollten.

Und woher willst du denn vorher wissen, wieviel "Stress" man verträgt? Keine Mensch kann sich vorher überlegen, das schaff ich, das schaff ich nicht und mit welchen Umständen man klar kommt oder auch nicht. Und auch wenn jemand der Meinung ist, man kommt mit Tod etc. klar. Bei einen Kind, welches in deinen Armen stirbt, da kann man noch so hart sein, dass berührt jeden. Nur wie sich das auswirkt, ist eine andere Sache.
Ich glaube kaum, dass man die Soldaten auf alles vorbereiten kann.

Und soll ich das jetzt so verstehen, dass die 9 Monate Grundausbildung ja ganz schick sind, wenn sich mal jemand nach Deutschland verläuft, so wissen die Jungs ja zumindest im Ansatz, wie man eine Waffe führt, aber für den Auslandskrieg ist man nicht genug geschult? 8O Wozu ist denn die Grundausbildung denn da?

Anscheinend hab ich da wohl was nicht verstanden im Zusammenhang mit der Wehrpflicht. :-?
 
Und woher willst du denn vorher wissen, wieviel "Stress" man verträgt? Keine Mensch kann sich vorher überlegen, das schaff ich, das schaff ich nicht und mit welchen Umständen man klar kommt oder auch nicht. [...]
Ich glaube kaum, dass man die Soldaten auf alles vorbereiten kann.
Man kann die Soldaten sicher nicht auf alles vorbereiten. Ich meinte aber auch eher, dass vorab zu sehen ist, dass man mit Situationen konfrontiert sein wird, die einen stark belasten. Es gibt ja Personen die können mehr verkraften als andere und dahingehend kann man schon für sich selbst abstecken, bin ich wirklich im Stande grausame Bilder wegzustecken. Natürlich gibt es Ereignisse, die fast jeden mitnehmen würden. Aber ich hab bei der Auswahl auch mitbekommen, dass viele den Harten gespielt haben, weil sie definitiv in Krieg gehen wollten - und das Perfide - nur wegen dem Geld! Und wer seine Bedenken hinter das Geld stellt, der muss damit rechnen, dass er innerlich zermürbt wieder zurück kehren wird. Freilich kann ich nicht einschätzen, ob dies auch bei deinem Freund so war, aber ich behaupte, dass min. 70% der Soldaten, die freiwillig länger dienen und in einen Auslandseinsatz gehen, dies nur des Geldes wegen machen.

Und soll ich das jetzt so verstehen, dass die 9 Monate Grundausbildung ja ganz schick sind, wenn sich mal jemand nach Deutschland verläuft, so wissen die Jungs ja zumindest im Ansatz, wie man eine Waffe führt, aber für den Auslandskrieg ist man nicht genug geschult?
Die Grundwehrausbildung (wie der Name auch sagt) trainiert lediglich Grundlagen für den Verteidigungskampf (siehe auch Bedeutung von Wehr - jemand abwehren etc.) an. Sie ist definitiv keine Kriegsvorbereitung in dem Sinne. Sondern sie vermittelt Grundkenntnisse über das korrekte Verhalten während eines Kampfes (tarnen, aufklären, bewegen, schießen,...). Da es auf den Verteidigungsfall beschränkt ist, ist eine Desensibilisierung und mentale Einstellung auf den Krieg nicht notwendig. Warum auch, wichtig ist doch eh, dass am Ende Soldaten rauskommen, die mit der Waffe umgehen können und im Stande sind sich durchs Gebüsch zu pirschen um Feinde zu vernichten, welche Deutschland annektieren. Aber eben alles so ausgelegt, dass es nur im Ernstfall für die VERTEITIGUNG Anwendung findet. Der Ernstfall ist aber kein Kriseneinsatz!

Nicht umsonst dauert die Vorbereitung auf einen Auslandseinsatz über ein halbes Jahr. Hier wird man auf die Mentalitäten des anderen Landes eingestellt, auf zu erwartende Situationen. Und natürlich eine Desensibilisierung der Soldaten (wobei hier abgegrenzt werden muss, man will schließlich keine gefühllosen Rambos).

Desweiteren möchte ich mal erwähnen, es ist ein Unterschied ob ich zur Verteidigung meines Vaterlandes kämpfe oder irgendwo im Ausland für etwas, was mit sowas nur im Entferntesten zu tun hat. Bei ersterem Verteidige ich letztlich ja auch meine Familie/Freunde/Bekannte. Bei letzterem geht es um Interessen, die mich wahrscheinlich nicht wirklich betreffen.

Anscheinend hab ich da wohl was nicht verstanden im Zusammenhang mit der Wehrpflicht. :-?
Wie auch der Name schon vermittelt besteht eine Pflicht zu Wehr, wobei Wehr wieder von abwehren kommt und inhaltlich auf Verteidigung hinaus läuft. Inhaltlich ist damit nichts mit Auslandseinsätzen verknüpfbar. ;)
 
Also, ich habe gedient und habe sogar noch freiwillig verlängert.

Ich kann nur jedem empfehlen, der Gesundheitlich usw. dafür in frage kommt, den Grundwehrdienst zu machen, da es wirklich eine prägende erfahrung ist.

Dennoch ist natürlich jedem selbst überlassen, wie er sein Leben gestalten möchte.

Ja, wir haben eine Wehrpflicht, die Frage ist nur: "Wie lange noch?"
Ich persönlich bin für eine Berufsarmee, da sie ne Menge Geldspart welche in neue Ausrüstung gesteckt werden kann.
Zumal gibt es eine geziehltere und intensivere Ausbildung der Soldaten.

Seit mitte der 90er Jahre befindet sich die Bundeswehr in einem Struckturwandel.
Von einer reinen Verteidungsarmee zu einer Einsatzarmee.

Allein unter diesem Gesichtspunkt halte ich eine Wehrpflicht schon nicht mehr für tragbar. Sie ist einfach zu teuer.

Wenn ich mit überlege, was die Ausbildung eines Soldaten kostet und der geht nach 9 Monaten wieder, wird mir schlecht dabei...:-?

Das Argument von Misshandlungen innerhalb einer Berufsarmee zieht nicht so wirklich ;)
Wir haben keine Berufsarmee, aber ich möchte doch gerne mal an die Ereignisse in Coesfeld erinnern ;)
 
Man kann die Soldaten sicher nicht auf alles vorbereiten. Ich meinte aber auch eher, dass vorab zu sehen ist, dass man mit Situationen konfrontiert sein wird, die einen stark belasten. Es gibt ja Personen die können mehr verkraften als andere und dahingehend kann man schon für sich selbst abstecken, bin ich wirklich im Stande grausame Bilder wegzustecken. Natürlich gibt es Ereignisse, die fast jeden mitnehmen würden.

Ich sage mal das können die wenigsten bis keiner einschätzen, ob sie verkraften grausame Bilder zu sehen. Das weißt du eigendlich erst hinterher wenn du so ein Erlebniss hattest.
Ok, wenn ich als SAZ in einen Auslandseinsatz geh muss mir klar sein das ich schwer Verletzte Zivilisten/Kameraden oder auch Leichen sehe, aber ob und wie ich damit klar komm weiß ich erst hinterher. Genauso wenn ich in einer Feuerwehr bin und ich werde zu einem Verkehrsunfall gerufen, dann muss mir klar sein das ich verletzte/entstellte Personen/Leichen sehe, bei denen die Gehirnmasse ausläuft, der linke Arm 100 m weiter auf der Straße liegt usw. Nicht umsonst gibt es seit einigen Jahren bei den Hilfsorganisationen und der Polizei so genannte Kriseninterventionsteams und Vor-/Nachsorgeeinheiten, die schon während des Einsatzes mit dir das Gespräch suchen, damit du nicht alles in dich rein frisst. Vom ICEunglück gibt es z.B. ein Bild, da sitzt ein Feuerwehrmann vor den abgedeckten Leichen und betet, der war nach diesem Einsatz völlig fertig, da er damit nicht mehr klar kam, und das war ein "gestandener" Feuerwehrmann, der schon einige Einsätze mit Toten mitgemacht.
Und wie Drachenjenny schon sagte das ist noch was anderes wenn ein 7 jähriger oder ein 70 jähriger Mensch vor deinen Augen stirbt oder du das Opfer womöglich noch kennst.
 
Das ist so wieder das Verfahren, ich picke etwas auf, was viele mal irgendwo irgendwann gesagt haben und daran beurteile ich den Grundwehrdienst. Frage doch lieber direkt mal Leute, die bei der Bundeswehr gedient haben und frage sie auch, was sie insg. für Erfahrungen gemacht haben und ob sie es missen möchten.

Äh, ich meine damit schon Leute, die tatsächlich dort waren. Genau diese ärgerten sich über die ganze Bürokratie, denn jeder Furz des Soldaten ist vorgeschrieben. Eventuell muss er auch vorher um Erlaubnis bitten, furzen zu dürfen.

Dann kannst du auch gleich gegen die Schulpflicht vorgehen, die ist ja letztlich auch aufgezwungen. :evil: Außerdem muss ich dir mal sagen, einen Vergleich zu ziehen, dass man evtl. auch alle zum Kanal-Dienst ranziehen könnte, ist ja wohl stark hinkend. Bei dem Einen geht es um die Verteidigung des Vaterlandes, also das Land, was dir deine Ausbildung finanziert und auch deine Grundrechte etc. sicherstellt. Und bei Kanalreinigung hälst du zwar Deutschland sauber, aber da schützt du es nicht.

Die Schulpflicht dient letztlich der Sicherstellung der Chancengleichheit. Dadurch, dass jeder zur Schule muss, hat jeder die Chance auf eine gute Ausbildung. Sonst wären Kinder aus bildungsfernen Schichten noch viel mehr benachteiligt. Stell dir zum Beispiel vor, ein Kind eines Bauern müsste immer zur Erntezeit helfen und könnte deshalb nicht zur Schule. Die Schulpflicht verhindert solche Sachen und tut dem Schulkind somit etwas gutes. Das heißt, die Schulpflicht ist unbedingt nötig, um Chancengleichheit zu bewahren. Deshalb ist dieses Eingreifen des Staates in die Erziehung und Bildung des Kindes gerechtfertigt.

Ich bezweifle ja gerade, dass man als Wehrdienstler Deutschland unbedingt so sehr beschützt, oder dass sie unbedingt nötig sind, um Deutschland zu beschützen. Es gibt keine direkte Bedrohung mehr, wir sind in Militärbündnissen abgesichert und in Mitteleuropa herrscht Frieden (wir sind ja hier nicht in Georgien). Wenn Deutschland militärisch aktiv ist, dann immer im Ausland, und Wehrpflichtige werden im Ausland nicht eingesetzt. Deshalb sehe ich nicht, dass die Wehrpflicht ein unbedingt notwendiger Eingriff in die privaten Angelegenheiten der Bürger ist. Ein soziales Zwangsjahr sowieso nicht! Klingt zwar nett, oh, der Bürger soll mal was für den Staat tun, aber wie gesagt, dann kommen wir wieder zum Kanalreinigerbeispiel. Ich bleibe dabei, dass sich die EIngriffe des Staates in das Leben des Einzelnen auf ein Minimum beschränken müssen. Logischerweise muss es weiterhin z.B. Steuern geben, damit der Staat seinen nötigen Aufgaben nachkommt, usw. Ganz ohne Eingriffe geht es nicht. Aber die Wehrpflicht ist nicht unbedingt nötig und damit abzuschaffen.

Aber ich glaube, den wichtigsten Aspekt lässt du außen vor. Sowohl beim Grundwehrdienst als auch beim Zivildienst geht es vor allem darum, dich einmal im Leben für die Gesellschaft deines Landes zu verpflichten. Wenn dir ein Land die Möglichkeit zu einer erst klassischen Ausbildung gibt, ist es dann nicht fair, wenn du dafür als Gegenleistung auch mal etwas im Wohle des Landes machst? Ich denke nicht und da wir hier von einer Einmalaufgabe reden im Rahmen von 9 oder 12 Monaten (Ersatzdienst wie THW ist länger, ich weiß, aber die Arbeitszeit zusammen liegt auch in diesem Bereich) ist es wohl passabel.

Der Staat tut das auch nicht aus Nächstenliebe, sondern weil es sonst einen Fachkräftemangel gäbe. Also hat der Staat davon ja auch etwas. Und des weiteren wird einem jungen Menschen zwar die Ausbildung finanziert, aber er zahlt das ja danach wieder zurück, indem er die nächste Generation finanziert, usw. So funktioniert das doch ganz gut, ich weiß nicht, weshalb es da einen Zwangsdienst geben sollte. Tolle Lebenserfahrungen beim Bund oder Zivi sind ebenfalls kein Argument. Wer sich von Bund oder Zivi tolle Erfahrungen erhofft, kann sich ja freiwillig melden. Dem einen gefällt es vielleicht beim Bund, dem anderen eben nicht, und so sind die Erfahrungen eben unterschiedlich.

Wenigstens diskutierst du jetzt ein bisschen mit mir, statt mich nur als blöd und faul hinzustellen. Ich selbst bin ausgemustert worden. Nicht durch Beschiss, sondern weil ich zur Musterung bin und der Arzt meinte, ich wär ausgemustert. In meinem Jahrgang wurden viele ausgemustert und keinen würde ich als arbeitsunfähig einschätzen, d.h. zu andren Zeiten wären die wohl nicht ausgemustert worden. Man munkelt, das sei so, weil es zu viele Wehrdienstleistende bzw. zu wenige Plätze für diese gäbe. So großartig bescheißen kann man da eh nicht, man wird ja tatsächlich untersucht, da kann man schlecht Krankheiten erfinden. Das wird oft total übertrieben, gerade mit Geschichten von Musterungen und wie man da drum herum kommen könnte.
 
Ich selbst bin ausgemustert worden. Nicht durch Beschiss, sondern weil ich zur Musterung bin und der Arzt meinte, ich wär ausgemustert. In meinem Jahrgang wurden viele ausgemustert und keinen würde ich als arbeitsunfähig einschätzen, d.h. zu andren Zeiten wären die wohl nicht ausgemustert worden.

Welcher Jahrgang bist du denn? Bei mir im Freundeskreis wurden nämlich auch sehr viele ausgemustert. 80er und 81er Baujahr die meisten.
 
Ich würde jetzt mal Anfang 80er tippen, da dort viele ausgemustert bzw. bzw. nicht eingezogen wurden.