Wesen des Menschen

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und auf eine Polemik verweisen, die ich vor einiger Zeit schrieb: Schrift wider das Spießertum.
Dazu sei gesagt: mir ist bewusst, dass polemische Schriften fast immer falsch verstanden werden. Ich bitte also jene, die die Geduld aufbringen, den Text zu lesen, ihn auch zu überdenken, wenngleich ich nicht glaube, dass ihn jemand wirklich verstehen wird. Soviel Selbstüberzeugung sei mir gestattet! ;)
wo du recht hast, hast du recht. in vielem hast du einfach recht.
was du da schreibst, ist kein humbug, nur schwer zu verwirklichen und vll könnte man es sogar verstehen, würde man dich kennen.
aber wie soll man das gefühl einer liebe für seine freiheit aufgeben? es ist einfach da und man ist menschlicherweise einfach machtlos dem ausgeliefert, auch wenn man weiss, dass es ein ende geben wird.
ja. es stimmt. es ist ein kurzer moment des glücklich seins, der hart bestraft wird, mit viel leid und schmerz.
ich hab es selbst vor kurzem erst erfahren. die liebe war groß und gegenseitig, doch ist die andere hälfte gestorben und hat mich mit all meinem schmerz zurückgelassen. und ich muss sagen, es gibt momente, da könnte ich fast sagen: hätte ich dich nie so sehr geliebt, dann müsste ich jetzt nicht so fürchterlich leiden.

klammert sich nicht jeder mensch an irgend etwas zum selbstschutz?

Was aber soll Start und Ziel des Menschen sein? Der Start, das ist das Ich, das Individuum, mit seinem Geist und seinen Fähigkeiten. Und das Ziel? Das Ziel, das ist die Freiheit, die Unbändigkeit, die Größe des Gedankens. Erst in der Freiheit, in der Offenheit wird der Mensch zum Menschen! Und die Freiheit bedarf keiner Moral, die Freiheit ist kein Glück, in der Freiheit gibt es keine Liebe! Aber die Freiheit ist auch kein Leid, kein Schmerz, keine Täuschung! Freiheit ist die Aufwertung alles Seins, ist die unbegrenzte Möglichkeit, ist die Schrankenlosigkeit des Denkens! Freiheit ist kein Empfinden sondern ein Wissen, dessen Konsequenz die Tat ist!
das ist hammerhart. doch wenn ich es so lese, dann bin ich fast schon froh, nicht DIESE freiheit zu leben. kein glück, keine liebe, kein leid, kein schmerz. ist ja fast wie tot.
ein leben ohne gefühle? geht denn das? jedes wesen hat doch gefühle. egal welche. hass, liebe, glück, wut ...
ich weiss nicht, aber ich würde dich hier aus dem bauch heraus einfach fragen: wer hat dir nur so weh getan, dass du in so einer freiheit leben willst?
ohne jedes empfinden, ohne freud und leid?
 
wo du recht hast, hast du recht. in vielem hast du einfach recht.
was du da schreibst, ist kein humbug, nur schwer zu verwirklichen und vll könnte man es sogar verstehen, würde man dich kennen.
aber wie soll man das gefühl einer liebe für seine freiheit aufgeben? es ist einfach da und man ist menschlicherweise einfach machtlos dem ausgeliefert, auch wenn man weiss, dass es ein ende geben wird.
ja. es stimmt. es ist ein kurzer moment des glücklich seins, der hart bestraft wird, mit viel leid und schmerz.
ich hab es selbst vor kurzem erst erfahren. die liebe war groß und gegenseitig, doch ist die andere hälfte gestorben und hat mich mit all meinem schmerz zurückgelassen. und ich muss sagen, es gibt momente, da könnte ich fast sagen: hätte ich dich nie so sehr geliebt, dann müsste ich jetzt nicht so fürchterlich leiden.

Natürlich ist es schwer, wenn nicht sogar unmöglich, diese Idee zu verwirklichen. Aber es wäre der in meinen Augen einzig richtige Weg, den ein Mensch gehen kann...
Wenn man die Liebe nicht aufgeben kann, so sollte man ihr wenigstens nicht noch entgegenstreben und sie zu verwirklichen suchen. Denn die Empirie lehrt mich, dass man seinen Emotionen keineswegs machtlos ausgeliefert ist, sondern dass sie sich bis zu einem bestimmten Punkt unter die Vernunft unterordnen lassen. Der Kampf von Verstand und Gefühl muss nicht so ausgehen, wie es uns die Schmachtfetzen im Fernsehen eintrichtern...

klammert sich nicht jeder mensch an irgend etwas zum selbstschutz?

Natürlich. Dagegen ist auch nichts einzuwenden - solange sich jeder Mensch nur an sich selbst klammert. Wenn man mal objektiv betrachtet, wie absurd es ist, sich in der Not an etwas nur Gedachtes, Göttliches zu wenden, anstatt sich selbst oder wenigstens seinen Mitmenschen zu vertrauen, dann kann man nur den Kopf schütteln...

das ist hammerhart. doch wenn ich es so lese, dann bin ich fast schon froh, nicht DIESE freiheit zu leben. kein glück, keine liebe, kein leid, kein schmerz. ist ja fast wie tot.
ein leben ohne gefühle? geht denn das? jedes wesen hat doch gefühle. egal welche. hass, liebe, glück, wut ...
ich weiss nicht, aber ich würde dich hier aus dem bauch heraus einfach fragen: wer hat dir nur so weh getan, dass du in so einer freiheit leben willst?
ohne jedes empfinden, ohne freud und leid?

Du hast den wichtigsten Satz überlesen: Freiheit ist unbegrenzte Möglichkeit! Das heißt, dass es dem freien Individuum möglich ist und zusteht, Liebe und Leid, Hass und Schmerz und Glück zuzulassen, sofern es das wünscht. Das bedeutet aber auch, dass diese Dinge nicht von vornherei vorhanden sind, denn dann wären sie keine Möglichkeit mehr.
Die Frage wurde mir schon öfter gestellt, nicht nur im Bezug auf konkret diesen Essay. Und immer wieder wundere ich mich, wie sehr die Leute in dieser Denkweise verhaftet sind: wieso muss mir jemand wehtun, damit ich so denke? Wieso muss der Anstoß emotional gewesen sein? Wäre es nicht viel sinniger und meinem Konzept viel eher entsprechend, wenn alles auf dem Gedanken basierte, vom Gedanken ausginge? Ich habe beobachtet, beurteilt und überdacht. Und daraus mir meine Überzeugung geformt.
 
Natürlich. Dagegen ist auch nichts einzuwenden - solange sich jeder Mensch nur an sich selbst klammert. Wenn man mal objektiv betrachtet, wie absurd es ist, sich in der Not an etwas nur Gedachtes, Göttliches zu wenden, anstatt sich selbst oder wenigstens seinen Mitmenschen zu vertrauen, dann kann man nur den Kopf schütteln...
das ist ja fast, wie ich denke. mir fehlten wohl die richtigen worte. du hast es auf den punkt getroffen.

Du hast den wichtigsten Satz überlesen: Freiheit ist unbegrenzte Möglichkeit! Das heißt, dass es dem freien Individuum möglich ist und zusteht, Liebe und Leid, Hass und Schmerz und Glück zuzulassen, sofern es das wünscht. Das bedeutet aber auch, dass diese Dinge nicht von vornherei vorhanden sind, denn dann wären sie keine Möglichkeit mehr.
Die Frage wurde mir schon öfter gestellt, nicht nur im Bezug auf konkret diesen Essay. Und immer wieder wundere ich mich, wie sehr die Leute in dieser Denkweise verhaftet sind: wieso muss mir jemand wehtun, damit ich so denke? Wieso muss der Anstoß emotional gewesen sein? Wäre es nicht viel sinniger und meinem Konzept viel eher entsprechend, wenn alles auf dem Gedanken basierte, vom Gedanken ausginge? Ich habe beobachtet, beurteilt und überdacht. Und daraus mir meine Überzeugung geformt.

hm ... je länger ich deine beiträge lese, je mehr verstehe ich dich.
einiges fällt mir zwar noch etwas schwer zu verstehen, da ich wohl zu sehr mich von meinen gefühlen treiben lasse.
dann bin ich vielleicht gar kein spießer ;) ich habe diese liebe zugelassen und 4 jahre das glück genossen. also sehr egoistisch. ich hätte so gern noch 100 jahre so weitergelebt. nun hab ich mir die freiheit genommen und bin da hin, wohin ich schon immer wollte, nach südamerika. und bis jetzt habe ich es auch nicht bereut, diese freiheit in einen dritte-welt-staat zu leben, wo sich die menschen komischerweise noch gegenseitig helfen, tatsächlich eine gemeinschaft besteht und man doch die freiheit hat, machen zu können, was man will. es wird akzeptiert.
hier ist jeder auf sich selbst gestellt, doch man fühlt sich nicht verlassen und allein, was ich in deutschland nicht so sagen konnte. in deutschland regiert doch fast nur noch gier und neid. und auf diesem dritte-welt-staat wird herumgetrampelt, weil man hier die armut sieht. ich deutschland wird sie doch nur versteckt, aber es gibt sie. und dieses verstecken bringt wohl einen vater dazu, seine ganze familie aus verzweiflung zu töten, sein kind verhungern zu lassen. es ist alles so krank. keiner fragt nach dem warum. man sagt nur, es ist böse. warum?
das vertrauen zu den menschen, die freiheit sich selbst zu verwirklichen, dazu bedarf es kein überirdisches wesen. man muss einfach nur egoistisch genug sein. sich einfach die freiheit nehmen.
dann ist man auch egoistisch genug, dass man seinem nachbarn bei einer spendenaktion hilf, weil seine frau krank ist und er nicht genug geld hat, alles zu bezahlen. es ist der freie wille. und man ist dann auch egoistisch genug, sich darüber zu freuen.

und ich nehme mir auch die freiheit daran zu glauben, dass es kein gut und böse gibt. man muss die hintergründe kennen, warum ein mensch so handelt, wie er handelt.

es gibt da so ein schönes kleines lied, was ich sehr mag: "meine gedanken sind frei, keiner kann sie erraten." ... ich spinne es weiter ... "keiner kann sie mir stehlen"

nun muss man nur noch sein denken auch leben, sich diese freiheit nehmen.

es ist eigentlich ganz leicht. dann bedarf es auch keinem überirdischen wesen mehr. dann müsste man auch die frage "was ist gut und was böse" nicht stellen.

oder?
 
Wenn man mal objektiv betrachtet, wie absurd es ist, sich in der Not an etwas nur Gedachtes, Göttliches zu wenden, anstatt sich selbst oder wenigstens seinen Mitmenschen zu vertrauen, dann kann man nur den Kopf schütteln...

Hast Du noch nie in Extremsituationen an Dir selbst gezweifelt?

Schlussendlich entscheidest Du selbst was Du tust, egal ob Du Dich einem Menschen anvertraust, auf Dein Bauchgefühl hörst, rational analysierst, inneren Stimmen folgst oder Eingebungen von überirdischen Mächten hast.
 
Schlussendlich entscheidest Du selbst was Du tust, egal ob Du Dich einem Menschen anvertraust, auf Dein Bauchgefühl hörst, rational analysierst, inneren Stimmen folgst oder Eingebungen von überirdischen Mächten hast.
Man wird aber von der Umgebung (Gesellschaft, Freunde, Glaube etc.)beeinflusst, bei der Entscheidung die man selbst trifft.
 
Zuletzt bearbeitet:
Man wird aber von der Umgebung (Gesellschaft, Freunde, Glaube etc.)beeinflusst, bei der Entscheidung die man selbst trifft.

Das würde ich aber nicht als immer zutreffend bezeichnen.

Entscheidungen die ich für mich fälle, wäge ich selbst ab und treffe sie dann.
Jedoch kann ich von mir persönlich behaupten, dass äussere Einflüsse (Freunde, Gesellschaft, Glaube) äusserst selten eine Rolle in meiner Entscheidungsfindung gespielt haben.
 

Gute Frage ^^

Du hast mit einigem durchaus Recht (in dem Sinne: du hast mich richtig verstanden). Aber vieles geht auch noch an dem vorbei, was ich sage. ^^

Also:

Wenn du tust, was du willst (Auswandern, lieben), dann ist das natürlich schon mal das Beste, was du tun kannst.
Aber was du schreibst über den Zusammenhalt in Südamerika und dem Verstecken und "Jeder für sich" in Deutschland, das ist alles noch viel zu sehr in der gesellschaftlichen Denkweise verhaftet. Es geht ja erstmal darum, diese Bande komplett aufzulösen, um sie dann bei Bedarf neu zu knüpfen und zu kappen. Und ob es "krank" ist, was passiert, ist auch wieder eine Frage des Wertesystems. Insofern steckst du also noch mittendrin in der "klassischen" Weltanschauung...
Man darf den Menschen nicht trauen...kein bisschen! ;)
Und egoistisch ist man nicht, wenn man einen freien Willen hat. Egoistisch ist man immer, der Egoismus ist es, der unseren Willen unfrei macht. Das hat auch nichts damit zu tun, dass man sich hinterher freut oder nicht....
Gut und böse sind, ganz richtig, situationsbedingt. Sie hängen von sehr vielen Faktoren ab und lassen sich nicht pauschal festlegen.
Tu was du denkst, genau, das ist der ganze Grundsatz.


@komerzhasi: Nein, habe ich nicht. ^^ Ich bin selbstüberzeugt genug *g*
Thelematiker hat, finde ich, ganz recht: wir sind nie ganz frei in unserer Entscheidung, denn allein die Tatsache, dass wir uns entscheiden MÜSSEN ist schon eine Beeinflussung. In gewisser Weise hast du natürlich Recht: wir entscheiden immer so, wie uns unser natürlicher Egoismus es befiehlt. Aber das ist abhängig von tausend Faktoren der Umwelt. Und deswegen entscheidest du nie selbst und nur aus dir heraus.
 
@komerzhasi: Nein, habe ich nicht. ^^ Ich bin selbstüberzeugt genug *g*
Thelematiker hat, finde ich, ganz recht: wir sind nie ganz frei in unserer Entscheidung, denn allein die Tatsache, dass wir uns entscheiden MÜSSEN ist schon eine Beeinflussung. In gewisser Weise hast du natürlich Recht: wir entscheiden immer so, wie uns unser natürlicher Egoismus es befiehlt. Aber das ist abhängig von tausend Faktoren der Umwelt. Und deswegen entscheidest du nie selbst und nur aus dir heraus.

Naja eigentlich hast du ja recht, da ich das ja erst durch dich erkannt habe :roll:
 
Naja eigentlich hast du ja recht, da ich das ja erst durch dich erkannt habe :roll:

Naja, meine Ansichten behalten auch in deinen Worten ihren (vermeintlich) wahren Gehalt.

Aber jetzt seh' ich erst, wie grauslig schlecht ich das formuliert habe...musste halt schnell gehen, wollte zu den gelben Männchen im Fernsehen *g*