Und wo bleiben die Beweise?
Es ist doch schon Gang und Gebe, dass Anschlussinhaber Abmahnungen ins Haus bekommen, weil ihre IP zum Zeitpunkt xy Lied / Film / Spiel z heruntergeladen hat. Theoretisch könntest du auch einen TOR-Server auf deinem Rechner laufen haben, jemand könnte den WEP-Schlüssel deines Wlans geknackt haben, vielleicht warst du zu der Zeit sogar im Urlaub...
Beweise? Fehlanzeige! Deshalb ist es soweit ich weiß auch noch nie bei so einem Fall zu einer Gerichtsverhandlung gekommen, man setzt hier auf Einschüchterung der User.
 
Zum Beispiel Hier
Es wird dort mit IP Adressen gearbeitet, womit nach Ermittelung der Daten der Anschlussinhaber abgemahnt wird. Und eine Abmahnung sehe ich definitiv als ein geäußerten Verdacht gegen den Anschlussinhaber, Schuld an der begangenen Urheberverletzungen zu sein.

(Ob der Anschlussinhaber auch der wahre Täter ist, ist natürlich eine andere Sache.)
 
Das ist doch Augenwischerei Photon.
Spätestens nach einem Einbruch weißt Du es nicht mehr.
Naja, so oft wird bei mir nicht eingebrochen. Eigentlich noch nie. Und wenn das mal passieren sollte, dann legen die Einbrecher mir sicher noch aus Mitleid einen Hunni auf den Tisch, wenn sie meine Kontoauszüge sehen. Spätestens dann würde ich sie natürlich auch woanders lagern. Wo lagere ich meine Daten, die beim Provider liegen?

Und wenn die Staatsanwaltschaft mit nem Durchsuchungsbefehl ankommt, bist Du die auch unkontrollierbar los.
Ja, ABER: Einer Hausdurchsuchung wird bislang nur bei einem konkreten Verdacht durchgeführt und erst nach richterlichem Beschluss (zumindest bin ich so blauäugig und glaube noch daran). So war es bisher jedenfalls und dagegen ist ja auch nichts einzuwenden, schließlich muss man bei bösen Buben auch Beweise sichern können. Aber eine Vorratsdatenspeicherung ermöglicht auch Dinge wie Rasterfahndung. Wenn Du (nicht unbedingt als Sys-Admin, sondern eher als Privatperson Kelle) in die Suchmaske passt, stehst Du unter Verdacht. Wieviel Verdacht ist nötig, um eine Hausdurchsuchung zu rechtfertigen? Lass' es mich mal kräftig übertreiben und sagen, dass Du dann im Worst Case wöchentlich eine neue Wohnungstür brauchst?!

Glaubst Du allen Ernstes, ein renommiertes Unternehmen würde sich der Gefahr einer öffentlichen Ächtung wegen Verstoßes gegen den Datenschutz aussetzen?
Den Teil von T-Mobile gelesen aus meinem Post #2373222? Keine Ahnung, wie die an meine Daten gekommen sind, aber ich bin da jetzt in der Call-Rotation. Wenn Du mich fragst, ja.

Oder irgendein EDV Mitarbeiter würde seinen Job riskieren, nur damit er irgendwelche nichtssagenden Statistiken erstellt?
Also ich glaube an die Unbestechlichkeit eines Menschen etwa genauso wie an die Existenz des Weihnachtsmannes. Letztlich kann es auch ganz anders laufen. Es reicht ja, wenn ein Admin eine Backdoor verhökert.

Aber so weit brauchen wir doch gar nicht denken und gehen. Meine Daten sollen gespeichert werden unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung. Diese Form der Speicherung macht nur wirklichen Sinn, wenn man eine Rasterfahndung durchführen will. Man gerät also fast vollautomatisch unter Verdacht, wenn man gewisse Eigenschaften, Merkmale und/oder Gewohnheiten hat. Und was nach dem ausgesprochenen Verdacht an weiteren Möglichkeiten offen liegen, kennt man doch.

theHacker schrieb:
[...]
Ich versteh ehrlich gesagt dann das Problem ned. So großartig wird meine Privatsphäre doch nun wirklich nicht eingeschnitten.
[...]
Und was der ganze Spaß für die Verbrechensbekämpfung soll, erschließt sich mir auch nicht. Solange ich keine Inhalte protokollier, bringt das in meinen Augen überhaupt nix.
Ein relativ übersichtliches Szenario zeichnet die Seite von Vorratsdatenspeicherung.de.
Und was die Verbrechensbekämpfung angeht: Niemand weiß so wirklich, wie die Daten (so sie dann wirklich nur in dem von der Regierung öffentlich beschriebenen Umfang gespeichert werden) zur Verbrechensbekämpfung beitragen könnten. Deswegen sagen die Gegner auch, dass es nicht nur sinnfrei, sondern sogar kontraproduktiv ist. Bestimmte Berufsgruppen sehen ihr Berufsgeheimnis bedroht. Das ist aber nicht mein persönliches Problem. Mir persönlich geht es nur um meine eigene Privatsphäre.

Gruß,
Photon
 
Apropos Einbruch und Beschlagnahme: Als seriöse Firma sollte man schon Verschlüsselung und restriktives Rechtemanagment einsetzen. Das mindert das Missbrauchsrisiko erheblich, am Besten ist immernoch die Daten erst gar nicht zu speichern.
Auch Privat ist eine Verschlüsselung nicht verkehrt; im Falle einer Hausdurchsuchung können die privaten Daten schwer oder gar nicht gegen den Willen ausgewertet werden.
 
Ja, ABER: Einer Hausdurchsuchung wird bislang nur bei einem konkreten Verdacht durchgeführt und erst nach richterlichem Beschluss (zumindest bin ich so blauäugig und glaube noch daran). So war es bisher jedenfalls und dagegen ist ja auch nichts einzuwenden, schließlich muss man bei bösen Buben auch Beweise sichern können.

Soweit ich weiß, kann im Falle der Verbindungsdaten nicht Hinz und Kunz kommen, und Einblick bekommen.

Manche tun ja geradeso, als würden die Daten direkt beim BND/Verfassungsschutz landen.

Den Teil von T-Mobile gelesen aus meinem Post #2373222? Keine Ahnung, wie die an meine Daten gekommen sind, aber ich bin da jetzt in der Call-Rotation. Wenn Du mich fragst, ja.

Es ist gang und gebe, dass Unternehmen CallCenter beauftragen, ihren Kunden irgendwas zu verkaufen.
Und ich wette mit Dir, dass Du irgendwo zugestimmt hast, dass Deine Daten genau zu solchen Zwecken genutzt werden dürfen.
Interessant wäre es vielleicht gewesen, wenn O2 Dich angerufen hätte, aber so, ganz normales Kundengespräch.

Diese Form der Speicherung macht nur wirklichen Sinn, wenn man eine Rasterfahndung durchführen will. Man gerät also fast vollautomatisch unter Verdacht, wenn man gewisse Eigenschaften, Merkmale und/oder Gewohnheiten hat.

Bedingt.
Erstens gibt's da nen relativ aktuelles Urteil vom Bundesverfassungsgericht dazu:

... Im Ergebnis der Klage (AZ.: 1 BvR 518/02) wurde die Rasterfahndung dahingehend eingeschränkt, dass sie nur im Rahmen „konkreter Gefahr“, etwa für die Sicherheit der Bundesrepublik oder das Leben eines Bürgers, durchgeführt werden darf. ...

Also einfach rastern um zu schauen was rauskommt, ist nicht erlaubt.

Zum anderen geht es doch, zumindest theoretisch, um die Rückverfolgung der Vorbereitung einer Straftat, um möglichst viele Beteiligte zu erwischen.

Es ist nun mal so, dass ein Terrorist ein Netzwerk hinter sich braucht, um entsprechend agieren zu können.
Hier erhofft man sich nun, an historische Infos zu kommen, die sonst für immer weg wären.

gruss kelle!
 
Soweit ich weiß, kann im Falle der Verbindungsdaten nicht Hinz und Kunz kommen, und Einblick bekommen.
Liste: Wer kommt an die Daten?
Wenn ich mir die Liste angucke, dann wird mir übel, da werden die Daten u.U. sogar ins Ausland (auch USA) verschickt, wo dann endgültig die Kontrolle verloren geht :sick: Ist zwar nicht "Hinz und Kunz", aber schon ziemlich nah dran. Deutschland nimmt mit diesem Gesetz (das eigendlich nur für Terroristen gedacht war!) vermehrt Züge eines Totalüberwachungsstaat an.
 
Zuletzt bearbeitet:
Noch ein hübsches Beispiel wie solche "Verdachtsmomente" dann ausarten können:
https://www.freitag.de/2007/47/07471301.php
Schön geschrieben, aber so ganz "unschuldig" war der Andrej wohl auch nicht ;) Davon abgesehen kommt mir diese Passage merkwürdig bekannt vor:
Ein drittes Argument in den Ermittlungsakten ist das angeblich konspirative Verhalten der Beschuldigten. Als Konspiration gilt, so scheint es, alles, was sich der Überwachung und Observationen zu entziehen versucht. So gilt als konspirativ, wenn bei Verabredungen am Telefon nicht detailliert über den Ort, die Zeit und das Thema eines Treffens gesprochen wird.
*lach* Aber so lustig das klingt, so wird es in der Realität tatsächlich ausgelegt...

Icy schrieb:
[...] Ist zwar nicht "Hinz und Kunz", aber schon ziemlich nah dran.
Nee, aber Smith and Wesson. Dann doch lieber Hinz und Kunz...

(Bier)Kelle schrieb:
[...] Und ich wette mit Dir, dass Du irgendwo zugestimmt hast, dass Deine Daten genau zu solchen Zwecken genutzt werden dürfen.
Hatte ich auch erst vermutet. Deshalb habe ich mir den Vertrag wieder und wieder angeschaut, weil ich tatsächlich peinlich genau darauf achte, eben nicht der Weitergabe meiner Daten an Werbepartner und Tochtergesellschaften zuzustimmen. Übrigens hat 4 Wochen nach Vertragsabschluss die T-Mobile bei mir angerufen und mich gefragt, wie zufrieden ich wohl mit den Leistungen wäre. Der Dame habe ich auch meinen Fall geschildert, die sofort reagierte mit: "Dann müssen sie Ihre Nummer irgendjemanden gegeben haben. Die Telekom ist ein großes Unternehmen und unsere oberste Priorität ist der Datenschutz. Wir können es uns gar nicht leisten, dagegen zu verstoßen!" Worauf ich nur antworten konnte: "Das habe ich gemerkt..." Definitv habe ich der Weitergabe meiner Daten nicht zugestimmt. Definitiv habe ich diese Nummer bis dahin niemandem mitgeteilt. Definitiv stand und stehe ich nicht im Telefonbuch oder in einem anderen Verzeichnis.Aber definitiv habe ich einen Anruf von einem Call-Center erhalten, die sich gefreut haben, dass ich treuer Telekom-Kunde bin und ob dieser Tatsache muss ich wohl auch passionierter Lotto-Spieler sein. Ich meine, scheiß was auf das Call-Center. Aber wenn die einfach an meine Daten kommen (mit Namen und Anschrift), was ist denn erst Polizisten Hinz und Hilfssherriff Kunz möglich?

(Bier)Kelle schrieb:
[...]Es ist nun mal so, dass ein Terrorist ein Netzwerk hinter sich braucht, um entsprechend agieren zu können.
Hier erhofft man sich nun, an historische Infos zu kommen, die sonst für immer weg wären.
Schon klar, so ist es gedacht. Und nun frage ich mich, was wohl passiert, wenn die ganze Überwachung und Speicherung eben nicht den erhofften Erfolg bringt? Was dann? Wird sie wieder abgeschafft? Oder eher verschärft?

Was, wenn jemand aus Deinem (flüchtigen) persönlichen Bekanntenkreis ein so genannter "Schläfer" ist und irgendwann an einer als "terroristische Aktion" deklarierten Tat beteiligt ist? Was, wenn Du in Socken und Schlüpfern einem vermummten Deppen in Deinem Schlafzimmer gegenüber stehst, der eine Wumme auf Dich richtet und Dich unhöflich zu Boden zwingt um Deine Pornosammlung zu durchstöbern und sich erstmal einen von der Palme wedelt?

Nee, also ich möchte nicht als "Terrorverdächtiger" dastehen, weil ich innerhalb der letzten X Monate mit ihm telefoniert und mich unterhalten darüber unterhalten habe, wie man den Hechte fängt ohne Kraulbarsche zu töten...

Gruß,
Photon
 
Wenn ich mir die Liste angucke, dann wird mir übel, da werden die Daten u.U. sogar ins Ausland (auch USA) verschickt, wo dann endgültig die Kontrolle verloren geht :sick:

Och, die böse USA...
Wenn es Rechtshilfeabkommen gibt, dann wandert im Verdachtsfall mal eben Dein Lebenslauf, inkl. polizeilichem Führungszeugnis rüber.

Dann sind Deine persönlichen Daten drüben.

Interessiert wohl gerade keinen, wie?

gruss kelle!
 
Wenn das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung, das nur zur Bekämpfung von Terroristen gedacht war, jetzt fürs Verfolgen von Ordnungswidrigkeiten eingesetz wird und sogar u.U. automatische Abfragen zulässt, woher soll ich das Vertrauen in der Regierung nehmen, das mein persönlicher Lebenslauf mit Führungszeugnis nur im konkreten Verdachtsfall in den USA (oder auch woanders) landet und auch nur zweckmäßig verwendet wird?
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

wie ich auch schon einmal in einem anderen Thread in diesem Forum angemerkt habe, ist in meinen Augen nicht nur die Vorratsdatenspeicherung eine erschreckende Entwicklung, sondern dieses ganze Gebilde "Stasi 2.0":
  • Vorratsdatenspeicherung
  • defacto Abschaffung des Bankgeheimnisses
  • Zentralisierung deiner Krankengeschichte dank E-Card
  • aus einigen Metern auslesbare, unzureichend verschlüsselte Daten auf dem Pass und demnächst wohl auch auf dem Perso
  • Speicherung von etlicher Fluggastdaten für eine halbe Ewigkeit
    etc.

Das sind alles nur kleine Puzzlesteine. Und in einigen Jahren werden auf einmal "Anpassungen" der Regelungen "nötig" werden. Und dann werden plötzlich auch Inhalte von emails und Telefonaten gespeichert.

Hinzukommt das sich Rechtsauffassungen und -systeme ändern. Wer hätte 1980 gedacht, dass es die DDR bald nicht mehr geben wird? Und ob die Daten, die im Laufe der Zeit über dich gesammelt worden sind, in diesem neuem System immer noch unbedenklich sind, weiß keiner.

Tschau

tobias
 
Hm... laut dem was ich jetzt gelesen hab, is das ne EU-Richtlinie, die da umgesetzt werden muss, wie immer, wenn mal wieder irgendein Scheiß beschlossen wird.
Die unter besonderem Druck der deutschen Regierung entstanden ist. Genau aus diesem Grund: Damit man sich mit dem "Ist ne EU-Richtlinie"- Unsinn rausreden kann.
 
Ich hab den Thread mal mit einem anderen zum Thema zusammengelegt. Leider ist da ein bisschen durcheinander entstanden...
 
..mal so "unwissend" reingefragt: Gegen welche geltende Gesetze würde ich verstoßen, wenn ich meinen gesamten Email-Empfang zwecks "Vorratsspeicherung" in Kopie an das BKA weiterleiten würde ??
Natürlich mit dem entsprechenden Hinweis, dass ich mich als "ehrlicher Bürger" verpflichtet fühle, den Behörden bei der Durchführung Ihrer Pläne behilflich zu sein... ;)
 
..mal so "unwissend" reingefragt: Gegen welche geltende Gesetze würde ich verstoßen, wenn ich meinen gesamten Email-Empfang zwecks "Vorratsspeicherung" in Kopie an das BKA weiterleiten würde ??
Wohl nur gegen den gesunden Menschenverstand... :p Obwohl es lustig wäre, was das BKA mit einer CD voll SPAM-Mails anfängt...
 
Stell dir vor jemand würde die @bkaadressen in einen Spamverteiler eintragen, dann könnten sie live sehen, was ich tagtäglich für einen Müll erhalte ^^
Die sind da drin, genauso wie die E-Mail-Adressen von grossen Unternehmen. Unser Sapm-Server z.B. filtert für knapp 1000 Mitarbeiter pro Tag fast 100.000 Spams aus.

Am Arbeitsplatz des BKA-Mitarbeiters würde eh kaum was ankommen.

Gruss
Marty
 
ich finde Überwachung ist irgendwo schon wichtig. Besonders im Bezug auf Internetkriminalität, die immer mehr werden wird und jetzt schon fast ausser Rand und Band ist. Sicherlich ist es auch super, wenn man einen Terroristischen Anschlag verhindern konnte. Aber finde ich, dass die Sicherheit einiger “weniger“ auf Kosten der Freiheit von allen nicht sein kann. Diese Überwachung erinnert mich ganz stark an Methoden der Stasi! Ich persönlich fühle mich sehr unwohl beim Gedanken daran, dass man alles von mir zurückverfolgen kann. Ich fühle mich einfach beobachtet. Und nein ich bin kein Terrorist oder sonstiges. Ich denke mal Terroristen haben solche Gefühle eh nicht. Vielleicht liegt mein Gefühl auch einfach nur daran, dass kaum was in den Medien davon zu finden ist. Ich persönlich habe z.B. keine öffentlichen Diskussionen gesehen oder ähnliches. Wie gesagt, ich bin gegen eine allgemeine Vorratsspeicherung und die daraus entstehenden erweiterten Gesetzte zur Überwachung! Das man besonders gegen Internetkriminalität was machen muss, ist mir klar… da sollte man sich aber was anderes einfallen lassen.
Schade dass nicht mehr darüber gesprochen wird und in den Medien kaum was auftaucht.

Mfg DadyCool