Sammelthread Streiks im öffentlichen Dienst

Warum interpretierst du mit solchen Übertreibungen irgendwelche Sachen da rein? Das ist doch unnötig.
Warum ist das unnötig? Warum ist eine kleine Anpassung bei der Arbeitszeit verkraftbar und zielfördernd, wenn nicht gleichzeitig die anderen Rahmenbedingungen angepasst werden?

Nur muss man schon ein bisschen auf den internationalen Vergleich gucken, um mit den wirtschaftlich starken Ländern Westeuropas mithalten zu können.
Wenn, dann muss man mit den wirtschaftlich starken Ländern dieser Erde mithalten können, und dann geht es eben nicht nur um Arbeitszeit, sondern insgesamt um Arbeitskosten. Da zählen, Urlaub, Gehalt, Lohnfortzahlung etc. auch eine Rolle.

Wobei ich absolut nicht verstehe, warum der öffentliche Dienst im europäischen Vergleich "mithalten" muss. Der öffentliche Dienst ist kein Wirtschaftsunternehmen, dass mit anderen öffentlichen Diensten in Europa konkurriert. Der öffentliche Dienst ist dazu da, staatliche Aufgaben zu erfüllen und zu überwachen.

Klar, denn das kann der Staat dann auch mal so eben bezahlen. Wie sollte das deiner Meinung nach finanziert werden?
Indem man an anderen Stellen spart oder die Einnahmen erhöht, so wie jedes Wirtschaftsunternehmen das macht. Der Staat ist als Legislative selber für seine Aufgaben und damit für seine Kosten verantwortlich. Wenn er Gesetze schafft, die so kompliziert sind, dass man mehr Personal braucht, um die durchzusetzen, dann muss man auch das Geld dafür haben. Wenn man z.B. die Steuergesetzgebung so umfangreich und kompliziert gestaltet, dass man zigtausend Angestellte in den Finanzämtern benötigt, dann muss man diese auch bezahlen können. Oder man vereinfacht die Steuergesetzgebung so drastisch, dass man mit weniger Personal (oder Stunden) auskommt. Früher sassen bei uns im Einwohnermeldeamt 6 Angestellte an sechs Tischen, die den Personenverkehr erledigt haben, heute sitzen da 18 Angestellte, und die haben trotzdem Dauerstress. Weshalb wohl? Weil die Arbeit aufgrund neuer Gesetze immer umfangreicher und komplizierter wird.

Prinzipiell ist das ja auch legitim und völlig in Ordnung. Nur darf das nicht zu sehr in Mode kommen.
Was? Streiks sind doch lange aus der Mode. Richtige Streiks hatten wir doch seit 25 Jahren nicht mehr. Das hier sind kleine Warnschüsse an den Arbeitgeber. Streiks sind bei den Gewerkschaften im Moment völlig aus der Mode.

Wenn irgendwem was nicht passt stellt er Forderungen, die für die Gegenseite erstmal nicht zu erfüllen sind. Dann folgt ein Streik und das halbe öffentliche Leben liegt lahm.
Wo ist das denn in den letzten 20 Jahren passiert? Du willst nicht ernsthaft die Warnstreiks so darstellen, als hätten die alles lahmgelegt. Warte mal ab, wenn die Müllabfuhr mal 4 Wochen streikt oder kein ÖPNV mehr existiert für einen Monat, wenn alle Ämter etc. geschlossen sind für längere Zeit. Das wäre "lahmlegen".

Wo soll das hinführen?
Hin zu einer besseren Bezahlung der Angestellten (und dann hoffentlich auch Beamten in den unteren Besoldungsgruppen). Das das nicht zwangsläufig gut ist für den Staat und dort höhere Ausgaben erfordert, wissen sogar die Streikenden selber.

Aber Fakt ist, dass die Angestellten über Jahre Reallohnverluste hinnehmen mussten, die Beamten sogar noch drastischer. Und da ist es für mich völlig verständlich, dass Forderungen kommen, wenn ein Finanzminister mit seinen tollen Ergebnissen prahlt.

Und wenn die Minister der einzelnen Ressorts nicht Besseres zu tun haben, als das Geld, was jetzt mehr reinkommt als geplant, direkt schon wieder für ihren Bereich zu verplanen, dann ist es doch nur legitim, dass die Angestellten das auch tun.

Marty
 
Indem man an anderen Stellen spart oder die Einnahmen erhöht, so wie jedes Wirtschaftsunternehmen das macht.
Und sobald wieder irgendein Steuersatz angehoben wird ist das Geschrei groß. Alle wollen mehr verdienen und weniger arbeiten. Diese Rechnung wird niemals aufgehen.

Wenn man z.B. die Steuergesetzgebung so umfangreich und kompliziert gestaltet, dass man zigtausend Angestellte in den Finanzämtern benötigt, dann muss man diese auch bezahlen können.
Das deutsche Steuerrecht ist in der Tat verdammt kompliziert. Bloß machen die Mitarbeiter in Finanzämtern nur einen ganz geringen Teil des öffentlichen Dienstes aus.

Ich bezweifle, dass man mit Entlassungen in dieser Sparte mal eben Lohnerhöhungen für alle bezahlen könnte.

Das hier sind kleine Warnschüsse an den Arbeitgeber. Streiks sind bei den Gewerkschaften im Moment völlig aus der Mode.
Es reicht aber, um das öffentliche Leben zu beeinflussen. Egal ob das kleine Warnschüsse oder richtige Streiks sind.

Aber Fakt ist, dass die Angestellten über Jahre Reallohnverluste hinnehmen mussten, die Beamten sogar noch drastischer. Und da ist es für mich völlig verständlich, dass Forderungen kommen, wenn ein Finanzminister mit seinen tollen Ergebnissen prahlt.
Es geht ja auch um die Höhe der Forderungen und um die Art, wie sie versucht werden durchzudrücken.

Es dürfte jedem klar sein, dass Lohnerhöhungen von 8% nicht mal eben bezahlt werden können. Wie soll das gehen?
 
Es dürfte jedem klar sein, dass Lohnerhöhungen von 8% nicht mal eben bezahlt werden können. Wie soll das gehen?

... das sollte genauso gehen, wie z.B. die Versorger ihre Energiepreise mal eben um 10% erhöhen... ;) ( ... und das im Halbjahresrythmus)
 
Ich bin auch Angestellte im öffentlichen Dienst, aber bei uns steht schon seit Dezember fest, daß es ab April Gehaltserhöhung gibt. Wieso wird denn da jetzt noch gestreikt? Kann mich da bitte jemand aufklären?
 
Und sobald wieder irgendein Steuersatz angehoben wird ist das Geschrei groß. Alle wollen mehr verdienen und weniger arbeiten. Diese Rechnung wird niemals aufgehen.
Die Angestellten im öffentlichen Dienst und die Beamten wollen gar nicht weniger arbeiten. Sie wollen genauso viel arbeiten wie bisher. Und sie wollen nur einen Ausgleich für ihre Reallohnverluste. Der Staat hat durch eine Inflation stetig höhere Einnahmen, höhere Preise bedingen höhere Steuereinnahmen. Wieso sollten also die Angestellten keinen Ausgleich für diese Inflation bekommen? Und wenn Du mal das Bruttojahreseinkommen heute mit dem vor 5 Jahren vergleichst...

Das deutsche Steuerrecht ist in der Tat verdammt kompliziert. Bloß machen die Mitarbeiter in Finanzämtern nur einen ganz geringen Teil des öffentlichen Dienstes aus.
Wo sitzen den die meisten? Dann nenne ich Dir für diesen Bereich unsinnige Regelungen, die enorme Mehrarbeit erfordern. Frag doch mal einen Polizisten, der Streife fährt, wieviel Schreibkram der mittlerweile erledigen muss und wieviel Statistiken ständig zu pflegen sind. Dann weisst Du auch, warum so wenig Polizei auf der Strasse ist.

Ich bezweifle, dass man mit Entlassungen in dieser Sparte mal eben Lohnerhöhungen für alle bezahlen könnte.
Das sollte man eigentlich aus den steigenden Steuereinnahmen können. Die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer sollten ja stetig steigen, wenn die Preise steigen. Blöd, wenn man das Geld schon wieder in Afghanistan verplant hat oder gerade ein paar Banken retten muss.

Es reicht aber, um das öffentliche Leben zu beeinflussen. Egal ob das kleine Warnschüsse oder richtige Streiks sind.
Wer hat denn heute noch Auswirkungen von den Warnstreiks vorgestern? Mein Müll wurde gestern pünktlich abgeholt, obwohl die vorgestern gestreikt haben. Und der Müll, der am Mittwoch liegen geblieben ist, wurde gestern direkt auch noch abgeholt.

Es geht ja auch um die Höhe der Forderungen und um die Art, wie sie versucht werden durchzudrücken.
Versteh ich nicht. Die Höhe ist als Forderung völlig gerechtfertigt und die Mittel des Streiks sind gesetzlich geregelt und werden eingehalten.

Es dürfte jedem klar sein, dass Lohnerhöhungen von 8% nicht mal eben bezahlt werden können. Wie soll das gehen?
Meiner Frau als Beamtin konnte man in den letzten Jahren locker das Urlaubsgeld streichen, das Weihnachtsgeld von 100% auf 30% kürzen, die Wochenarbeitszeit um 10% erhöhen. In der Summe macht das ca. 25% Verlust aus Gehaltskürzungen und Mehrarbeit. Wie konnte das denn angehen? Und was hat man mit dem ganzen gesparten Geld gemacht? Und wehren konnten sich die Beamten auch nicht.

Marty
 
39,5 stunden in der woche arbeiten für 6% mehr gehalt in den nächsten 2 jahren + einmalzahlung von 450,- euro sind nach ansicht des verdi-chefs bsirske nicht genug! 8O

also mir fällt dazu bald nix mehr ein :doh:
 
Ich kann beide Seiten verstehen. Ich war selber vom Streik in meiner Branche betroffen. Da konnte man sich nicht raushalten. Wenn man nicht Streikt (also nichts weiter Aktiv unternimmt sondern normal arbeitet) ist man ein Streikbrecher. Streikt man mit ist man beim Chef auf der Kante. Tja was den nun hab ich mir gedacht. Schließlich bin ich arbeiten gegangen und die meisten meiner Kollegen auch und der Betrieb lief mit etwas weniger Mitarbeitern besser, damit hat sich das dann auch bissel erledigt.
 
Ich kann beide Seiten verstehen. Ich war selber vom Streik in meiner Branche betroffen. Da konnte man sich nicht raushalten. Wenn man nicht Streikt (also nichts weiter Aktiv unternimmt sondern normal arbeitet) ist man ein Streikbrecher. Streikt man mit ist man beim Chef auf der Kante. Tja was den nun hab ich mir gedacht. Schließlich bin ich arbeiten gegangen und die meisten meiner Kollegen auch und der Betrieb lief mit etwas weniger Mitarbeitern besser, damit hat sich das dann auch bissel erledigt.

zwei freunde von mir arbeiten bei den berliner verkehrsbetrieben, beide nicht in der gewerkschaft. ihnen wurde sozusagen verboten arbeiten zu gehen, sie wurden stattdessen für die zeit freigestellt. selbstverständlich ohne lohnausgleich. dafür könnten sie ja dann urlaub einreichen. eine frechheit! meine meinung: verdi hat es nur auf steigende mitgliedszahlen abgesehen. wer die zeche dann zahlt, ist ja nicht ihr problem. hauptsache es klingelt ordentlich in der mitgliedskasse.
 
[N] Ver.di-Chef Bsirske: Einigung eher unwahrscheinlich

Folgende News wurde am 30.03.2008 um 11:51:26 Uhr veröffentlicht:
Ver.di-Chef Bsirske: Einigung eher unwahrscheinlich
DPA-News

Potsdam (dpa) - Gewerkschaften und Arbeitgeber versuchen seit dem Vormittag in Potsdam nochmals, in den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst bundesweite Streiks im April zu verhindern. Man stehe jetzt vor der Entscheidung, «ob es mit oder ohne Arbeitskampf geht», sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) unmittelbar vor der Wiederaufnahme der Gespräche am Sonntag. Gewerkschaftschef Frank Bsirske (ver. di) äußerte sich skeptisch. Wegen der strittigen Arbeitszeitfrage sei eine «Einigung derzeit eher unwahrscheinlich». Die Tarifverhandlungen für die rund 1,3 Millionen Angestellten des Bundes und der Kommunen waren am Samstagabend nach zehn Stunden unterbrochen worden. Die sechste Tarifrunde ist die wohl letzte Chance, einen bundesweiten Streik abzuwenden. Dem Vernehmen nach waren die Verhandlungen bisher vom Bemühen geprägt, noch zu einer Einigung zu kommen. Sollte in Potsdam ein Kompromiss gelingen, zeichnet sich ein kompliziertes Tarifpaket ab - die strittigen Punkte Arbeitszeit und Einkommensverbesserungen müssen in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden. Die Gewerkschaften waren mit der Forderung nach acht Prozent mehr Gehalt für ein Jahr, mindestens aber 200 Euro im Monat in die Verhandlungen gegangen. Nach den Worten Schäubles muss eine Lösung gefunden werden, die Akzeptanz findet und verantwortbar ist. Der Spielraum sei begrenzt. «Ich hoffe noch immer, dass wir es noch schaffen können, dem Land einen Arbeitskampf zu ersparen», sagte der Minister.
 
hat man sich nun doch geeinigt, wie ich im inforadio gerade hören durfte. der spaß kostet den steuerzahler 9,5 milliarden euro. sehr schön hr. bsirske :clap:

ich bin mal gespannt, wann die ersten "verständnisvollen" wieder rumkrähen, dass die steuern zu hoch sind. :roll:
 
mit dem unterschied, dass die bahn nicht 1,5 billionen euro schulden hat. ;)

Korrekt :D
Kelle wollte damals in Horrorszenarien die Auswirkungen einer Gehaltserhöhung aufmalen ...

Jedoch sollte man die Gehälter der Staatsbediensteten aufgrund der hohen Staatsverschuldung unverändert lassen oder gar kürzen ?
 
Jedoch sollte man die Gehälter der Staatsbediensteten aufgrund der hohen Staatsverschuldung unverändert lassen oder gar kürzen ?

kürzen ist ja nun leider nicht möglich :LOL:

ernsthaft: es spricht ja nichts gegen eine erhöhung, wenn diese in einer vertretbaren höhe erfolgt und wenn das geld dafür auch vorhanden ist. oder anders gesagt - wenn man es sich leisten kann. das sehe ich im moment aber noch nicht als gegeben. das heißt aber nicht, dass der öffentliche dienst keine lohnanpassung bekommen soll. aber nicht in dieser höhe. die rentner zb. bekommen ja auch bloß 1% mehr. warum? einfach weil man es sich nicht leisten kann. nur haben die rentner keine druckmittel, wie sie verdi hat.
 
ich bin mal gespannt, wann die ersten "verständnisvollen" wieder rumkrähen, dass die steuern zu hoch sind. :roll:
Wenn die Preise im Supermarkt steigen, kommen dann auch solche Kommentare von Dir zum Abschluss im Einzelhandel? Und wenn Dein nächstes Auto teurer wird bedankst Du Dich auch bei der IG Metall dafür?

Verzichtest Du freiwillig auf Dein Gehalt, damit für uns alle die Preise sinken?

Jedoch sollte man die Gehälter der Staatsbediensteten aufgrund der hohen Staatsverschuldung unverändert lassen oder gar kürzen ?
Dann schau Dir doch mal den TVÖD an und vergleich das mal mit einem "normalen" Job in der Industrie. Da sind heute schon 30% Differenz. Was meinst Du denn, wo der öffentliche Dienst fähige Leute herbekommen soll, wenn er sie wie Sklaven bezahlt?

Und Gehälter kürzen ist durchaus möglich, das wird bei Beamten regelmässig gemacht in der letzten Zeit.

es spricht ja nichts gegen eine erhöhung, wenn diese in einer vertretbaren höhe erfolgt und wenn das geld dafür auch vorhanden ist.
Und wenn der Staat lieber Privatbanken saniert, dann soll bitte der Angestellte auf Geld verzichten? War schon jemals in der Geschichte der Bundesrepublik der Jahresabschluss positiv, also mit Gewinn?

NEIN! Das würde nach Deiner Argumentation bedeuten, die Angestellten im öffentlichen Dienst würden heute noch das bekommen, was sie 1950 bekommen haben: 250-300 Mark pro Monat.

oder anders gesagt - wenn man es sich leisten kann. das sehe ich im moment aber noch nicht als gegeben.
Wann in der Geschichte war diese Situation denn jemals gegeben?

die rentner zb. bekommen ja auch bloß 1% mehr. warum? einfach weil man es sich nicht leisten kann.
Wenn man nach https://de.wikipedia.org/wiki/Rentenanpassungsformel geht, dann sollten die Rentner durch dieses Abschluss auch profitieren. Aber ich finde es schon bezeichnend, dass Du bei denjenigen, die den Haushalt am meisten belasten, eine Erhöhung forderst.

Marty
 
Dann schau Dir doch mal den TVÖD an und vergleich das mal mit einem "normalen" Job in der Industrie. Da sind heute schon 30% Differenz. Was meinst Du denn, wo der öffentliche Dienst fähige Leute herbekommen soll, wenn er sie wie Sklaven bezahlt?

Genau das wollte ich ja auch damit sagen ... ;)