Stolzer Deutscher und KEIN Nazi

Zwei nette Beiträge. Da kommt bei mir doch glatt die Frage auf: Warum sollten die Werke von Bach, Schiller, Goethe und anderen Genies der früheren Jahrhunderte ein Grund für mich ganz persönlich sein, darauf stolz zu sein? Ich habe weder "Faust" geschrieben noch habe ich unzählige Kantaten geschrieben....

Auch wenn Du nicht der jenige warst, welcher z.B. "Faust" geschrieben hast, versteh ich nicht warum man nicht trotzdem aus so etwas "stolz" sein kann. Man freut sich doch auch für Dinge, die man nicht persönlich erschaffen hat. Einfaches Beispiel: Deutschland wurde 1954 Fussball-Weltmeister, freust du dich nicht darüber, nur weil du damals nicht mitgespielt hast ?

ich verehre die Musik von Verdi und Puccini ebenso, wenn nicht gar noch mehr, muß ich mich jetzt grämen, kein Italiener zu sein?

Das du die Musik von Verdi und Puccini gut findest, dagegen spricht doch nichts. Habe nirgends erwähnt, das deutsche Musik "besser" ist als andere, aber ich persönlich finde es nunmal gut, das Deutschland in diesen Sachen auch ein paar bedeutende Dinge hervorgebracht hat.

Sonst könnte ich aus Deiner Aussage ja auch folgern, daß Du stolz auf die Deiner Ahnen bist, die Juden abgeschlachtet haben...

Ich bin bestimmt nicht derjenige von uns beiden, der nach dem Motto "es gibt nur A oder B" handelt, den sonst wüsstest du das Nationalstolz was anderes ist als Rechtsextremismus.
 
Fußball - ganz falsches Thema, weil ich Fußball nicht ausstehen kann. Aber davon mal abgesehen, nein, warum sollte ich stolz sein auf eine Leistung, die andere vollbracht haben?
Egal ob sie Fußballweltmeister wurden, großartige Literatur geschrieben oder einen Nobelpreis bekommen haben - es sind nicht meine Leistungen. Also warum sollte ich ganz persönlich darauf stolz sein?
Ich bin stolz auf Leistungen die ich selber erbracht habe. Dinge die ich selber erstellt habe. Warum sollte ich mich mit fremden Federn schmücken?

Ich bin bestimmt nicht derjenige von uns beiden, der nach dem Motto "es gibt nur A oder B" handelt, den sonst wüsstest du das Nationalstolz was anderes ist als Rechtsextremismus.
Dann hast Du nicht verstanden, worum es mir ging. Meine Frage bezog sich darauf, daß Du mich gefragt hast, ob ich mich für meine Ahnen schäme. Und Du gesagt hast, daß Du es nicht tust. Aber nicht differenziert hast, ob Du Dich für alle Ahnen nicht schämst oder nur für die "Guten" oder wie auch immer.

Ich bin nicht stolz, Deutsche zu sein. Ich schäme mich auch nicht dafür. Es ist mir gelinde gesagt pupsegal, auf welchem Fleck dieser Erde ich zufällig auf die Welt geplumpst bin. Vielleicht sollte ich mich glücklich schätzen, in Deutschland zu leben, weil es schlechtere Länder gibt, in denen man leben kann. Vielleicht bin ich's aber auch nicht, weil es bessere Länder gibt, in denen man leben kann... :roll:

Natürlich ist Nationalstolz nicht automatisch Rechtsextremismus. Nur warum Menschen, die keinen Nationalstolz empfinden, weil sie den Sinn dahinter, auf fremder Menschen Leistungen stolz zu sein, nicht sehen, gleich dafür angegriffen werden, erschließt sich mir nun mal auch nicht...
 
Zu dem Ding mit Frankreich: das ist auf höchstpolitischer Ebene geschehen. So weit so gut. Aber meinst du nicht, daß sich die Franzosen - ALLE Franzosen - sich mit uns versöhnen müßten, also ihre Abneigung gegen die Besatzer begraben müßten, bevor man sich auch nur freuen dürfte?
Du siehst das viel zu einseitig - niemand der tatsächlich an Aussöhnung interessiert ist kann es so sehen.
Kannst Du den Franzosen den 30jährigen Krieg vergeben? Die napoleonischen Kriege? Den Versailler Vertrag?
Glaubst Du wirklich dass es bei der deutsch-französischen Aussöhnung nur um die Nazizeit geht?

Meiner Erfahrung nach müssen noch zwei Generationen aussterben, bevor die deutschen Kriegsverbrechen aus den Gedächtnissen der Franzosen getilgt sind. Nichtsdestotrotz kann mensch stolz auf seinen Willen zur Verständigung und Aussöhnung sein. Ich halte das zwar für selbstverständlich, kann es aber nachvollziehen, daß sich jemand damit besonders fühlt.
Nach 2 Generationen sind vllt die Details und genaen Umstände verschwunden, nicht aber eine Art diffuses Mißtrauen.

Mich - als Antifaschisten - ödet es auch an, in Frankreich immer schon mal wieder als "Boche" beschimpft zu werden.
Hast Du Faschistophobie oder so was?
 
Ich bin stolz auf Leistungen die ich selber erbracht habe. Dinge die ich selber erstellt habe. Warum sollte ich mich mit fremden Federn schmücken?

Ich bin auch stolz auf selbst erbrachte Leistung, so ist es nicht. Aber ich kann mich auch für andere Leute freuen bzw deren Leistung akzeptieren und tollerieren, damit hab ich kein Problem. Bin ja schließlich kein gefühlsloser Zombie :ugly:

Meine Frage bezog sich darauf, daß Du mich gefragt hast, ob ich mich für meine Ahnen schäme.

Wo habe ich dich gefragt, ob du dich für deine Ahnen schämst ? Das war an tax64 gerichtet, und bezog sich auf seinen Satz "Weil ich mich für meine Ahnen immer noch schämen muß". Steht ein dickes "@ sowieso" vor meinem obrigem Beitrag.

Abgesehen davon, warum bin ich euch eine Rechtfertigung schuldig, stolz auf meine Ahnen zu sein? Es gibt Leute die verbinden damit mehr, als nur einige Gräultaten des 2. Weltkrieges, wäre ja sonst ein ziemlich einseitiges Denken.

Ich bin nicht stolz, Deutsche zu sein.

Ich schon. Aber das interpretierst du wahrscheinlich wieder so, dass ich mit wehenden Fahnen und Hassparolen durch die Straßen ziehe :roll: Es ist schade das man heutzutage nicht mehr stolz auf sein Land sein kann, indem man geboren wurde, ohne das man direkt schief angeschaut wird.
 
Um patriotisch zu sein, muss man nicht zwangsläufig andere Gegenden runtermachen... Warum kann man auf Deutschland stolz sein? Angela Merkel hat mal gesagt, sie denkt da an dichte Fenster... :LOL:

Aber warum sonst noch? Zuerst einmal muss man sagen, dass man in eine Schicksalsgemeinschaft hineingeboren wird... Deutsche nunmal in Deutschland und man sich daher zwangsläufig mit den Abläufen dieses Landes verbunden ist... Daher ist man aber auch mit der Geschichte des jeweiligen Landes stark verbunden... Ebenso wie der Deutsche eine tiefe Scham gegenüber den Verbrechen des Dritten Reich empfinden sollte, so darf er auch die Errungenschaften, die erreicht wurden stolz sein...

Ich denke da an das Wirtschaftswunder und auch den Fleiß, der mich derzeit in Erstaunen versetzt... Wenn man sich umsieht, sieht man allerorten arbeitssame Menschen, die auf ihre Weise dazu beitragen auf Deutschland stolz sein zu können... Daher darf sich jeder einzelne fleißige Arbeiter zu Recht stolz fühlen, dass er als Individuum der Gemeinschaft und somit Deutschland dient indem er Steuer zahlt... Und nur dadurch ist Deutschland die wirtschaftlich viertstärkste Nation der Welt!
 
Ich bin nicht stolz, Deutscher zu sein.

Wieso sollte ich stolz sein, Deutscher zu sein?

Stolz auf Deutschland? Das muss man erstmal auseinandernehmen.
Das Problem, das sich in diesem Stolz unterschwellig in jeder Brust regt, ist jedem klar: Die Nazis und das dritte Reich lassen uns an unserem Stolz zweifeln. Das (Neo)nazis stolz auf Deutschland sind, steht außer Frage. Kann man nun aber selber stolz auf Deutschland sein?

Nehmen wir eine fiktive Dame mittleren Alters, die sich in ihrer Freizeit aufklärend in der lokelen KZ-Gedenkstätte engagiert und sich auch weiterhin für moderne Werte wie Offenheit und Toleranz einsetzt. Kann sie sagen "Ich bin stolz auf Deutschland"? Ja, sie kann es, denn sie setzt sich für die Werte ein, auf die man stolz sein kann. Dazu wirkt sie der schlechten Vergangenheit aufarbeitend entgegen. Ja, Deutschland hat einen Fehler gemacht, dafür stehe ich ein, ich arbeite für Aufklärung und setze mich aktiv dafür ein, dass dieser Fehler nur einmal gemacht wurde. Jemand, der soetwas von sich behaupten kann, kann mit "Ich bin stolz auf Deutschland" schließen, weil er das gesamte Deutschsein an sich akzeptiert und auch für die Schwächen einsteht.

Für diese Schwächen steht kaum einer ein von denen, die laut ihren Deutschlandstolz verkünden. Es sind genau diese Personen, die versuchen die deutsche Geschichte des dritten Reiches zu relativieren oder zu vertuschen. Sie sagen nicht den bekannten Satz, um ihn anschließend mit ihren Bedingungen einzuschränken und sich von dem schlechtem zu distanzieren. Sie sagen "Ich bin stolz auf Deutschland" und lassen den Satz dann unreflektiert im Raum stehen. Damit solidarisieren sie sich nicht mit den guten Eigenschaften Deutschlands, wie kapitalistische Erfolge und einigen Aufgeklärten deutschen Helden, die diesen Satz so niemals gesagt hätten, sondern mit den Menschen, die sich über andere Menschen erhoben, mit genau diesem Satz auf den Lippen.

Wofür dieser Satz gesagt wird, ist klar: Wer unzufrieden ist, sucht sich seinen Notnagel. Deutschland: Allein mit der Herkunft erwirbt man das Recht, stolz zu sein? Teil eines Ganzen zu sein, das mehr ist, als man, auch relativ gesehen, jemals sein wird? Ohne etwas dafür tun zu müssen, kann man sich mit geschwelter Brust überzeugt von etwas geben und ruht sich so auf den Werken einzelner Personen aus, mit denem man außer dem Deutschsein wenig zu tun hat.

Der Effekt ist groß, das sieht man in der Wirklichkeit, woran, werde ich nicht sagen.

Aber solange jemand ohne aktives Einsetzen für antifaschistische Meinung diesen Satz sagt, ist mir recht klar, wo ich ihn einordnen kann. Er ist ein Augen-verschließer, ein Weggucker, jemand, der die Vergangenheit ignoriert und so den selben Fehlern Platz macht. Jemand der sich anstatt mit der Vergangenheitsbewaltigung mit Vergangenheitsverdrängung beschäftigt. Jemand, der behauptet, man solle sich auf die guten deutschen Sachen konzentrieren, auch in der Geschichte. Die schlechten Sachen, die überwiegen, ausblenden, nur die guten mitnehmen? Da macht es sich jemand sehr einfach!

Und bevor ich mich mit genau diesen Menschen solidarisiere, sage ich lieber:
Ich bin stolz auf mich, mein Leben, meine Familie. Und Deutschland ist nicht meine Familie, solange man nur zur Familie gehören kann, wenn man die Augen verschließt.
 
Ich bin nicht stolz auf Deutschland, ich bin Stolz auf die Schweiz.

Es gibt überall NeoNazis (auch in der Schweiz), das kann man nicht unterbinden.
 
Mh wir hatten den Thread glaub ich schon mal. Damals sagte ich:
Ich bin nicht stolz ein Deutscher zu sein aber ich bin froh darueber. Wir deutschen sind arschloecher und leider der Rest der Welt auch whatever aber ich hab hier zumindest ein fast funktionierendes Gesundheitssystem und VDSL =)
 
Diskussionsanregung: Stolzer Deutscher & kein Nazi

Hallo,
möchte versuchen hier eine Diskussion anzuregen zu diesem Thema. Vorweg eine Bitte, ich möchte nicht drüber reden ob es früher in der Hitlerzeit positive Seiten gab oder welche Vorteile eine Diktatur birgt o.ä. sondern nur über diesen Satz:


Stolzer Deutscher & kein Nazi!

Vor ein paar Tagen habe ich genau diesen Satz in meine Signatur gestellt, zum einen weil ich wissen wollte wie die Reaktionen sein werden, zum anderen weil es bei mir auch so ist.
Die Reaktionen waren es das (negative) Renommee´s gab in den auch gezielt stand "wegen deiner Signatur".

Darf man heutzutage nicht äußern das man stolz dadrauf ist Deutscher zu sein, wie es in vielen anderen Ländern gang und gebe ist? Beispielsweise den U.S.A., dort ist es an manchen Schulen normal das die Nationalhymne gesungen wird oder man eine Deutschlandflagge besitzt.

War das nicht auch schön zur Fußball WM zu sagen wir sind Deutschland? Muss man alles auf den 2. Weltkrieg zurückführen? Sind unsinnige Vorschläge wie die nach der WM von den Linken kamen normal das die Deutschlandflaggen wieder entfernt werden sollten weil es rassistisch aussieht?

Ich hoffe es kommt eine normale Diskussion zustande.

Lg Andre
 
Weißt Du, ich habe kein Problem in Shanghai neben dem TransRapid zu stehen und zu sagen "Ich bin stolz darauf, ein Deutscher zu sein."
Hängt aber eher damit zusammen, dass ich bei der Truppe arbeite, die unter anderem den TransRapid entwickelt.

Ich würde es auch noch hinkriegen, in NY Flughafen neben nem A380 zu stehen, und selbiges zu sagen.

Ic habe nur ein Problem damit, es ohne konkreten Bezug zu mir zu sagen, und erst recht ein Problem, wenn zwei Kilometer weiter ne ehemalige KZ Außenstelle ist.

gruss kelle!
 
Darf man heutzutage nicht äußern das man stolz dadrauf ist Deutscher zu sein, wie es in vielen anderen Ländern gang und gebe ist? Beispielsweise den U.S.A., dort ist es an manchen Schulen normal das die Nationalhymne gesungen wird oder man eine Deutschlandflagge besitzt.
"Stolzer Deutscher und kein Synchronschwimmer" hättest du auch in deiner Sig schreiben können, um deinen Nationalstolz der Allgemeinheit zu offenbaren.

Ob nun jemand stolz auf sein Land ist oder nicht ist mir schnuppe, ich bin's nicht. Amüsant an dieser Debatte ist immer wieder, daß gerade von den "Stolzen" immer wieder der Bezug zu Nazis hergestellt wird. So nach dem Motto: Ich darf gar nicht stolz sein, weil sonst viele mich für 'nen Nazi halten". Zum einen halte ich das für Blödsinn, zum anderen läßt mich das am Stolz zweifeln. Stolz ist ein Gefühl, das stark mit Selbstvertrauen verbunden ist. Gerade wenn ich diesen Stolz nach außen trage, mache ich das aus einer inneren Überzeugung heraus, etwas geleistet zu haben. Zeigt man seinen Stolz immer mit dem Apendix "aber ich bin kein Nazi", erweckt das bei mir den Eindruck, daß da kein ehrliches Gefühl dahinter steckt.
 
Nun müsste man den Begriff "Nazi" definieren.
Nazi = Nationalsozialist​

Für die einen ist ein Nazi jemand der Bomberjacke, Springerstiefel trägt und eine Glatze hat, die etwas beschränkteren Wesen unter uns, für die anderen ist man ein Nazi wenn man Deutschland bewundert was es in den letzten 4 Jahrzehnten erschafft hat!
 
Mich nervt dermaßen, dass Leute ihren Patriotismus immer und überall zur Schau stellen, am besten noch mit der Aussage "aber Nazi bin ich nicht!!11". Das glaubt bis auf ein paar Linken doch sowieso keiner mehr. Also sei halt Patriot und fertig. Du darfst sogar die Nationalhymne singen, kein Problem.. Meiner Meinung nach kommt es eher darauf an, wieso man Patriot ist und welche Werte oder Errungenschaften Deutschlands man damit in Verbindung bringt.
War das nicht auch schön zur Fußball WM zu sagen wir sind Deutschland?
Viele haben das anscheinend als schön empfunden, für mich war das der Gipfel der Würdelosigkeit. Entweder man ist Patriot oder nicht, aber Fußball-Patriotismus ist mE belanglos, mediengesteuert und ohne Inhalt. Patriotismus als Ersatz für ein Zugehörigkeitsgefühl reicht nicht aus, es muss etwas dahinterstecken..
Aber das kann und darf jeder handhaben wie er will und auf diese Freiheit kann man z.B. auch stolz sein.
 
[...] Viele haben das anscheinend als schön empfunden, für mich war das der Gipfel der Würdelosigkeit. Entweder man ist Patriot oder nicht, aber Fußball-Patriotismus ist mE belanglos, mediengesteuert und ohne Inhalt. [...]
Genau so ging es mir auch. Wenn wir keinen anderen Grund mehr haben, auf unser schönes Vaterland stolz zu sein, als 22 Fußballspieler, dann braucht man auch gar nicht stolz sein.

"Stolz sein" ist vielleicht auch nicht für jeden das geeignete Wort, um sein Gefühl auszudrücken. Wie wäre es mit Liebe und Zugehörigkeitsgefühl? Ich kann nachvollziehen, wenn jemand sagt: "Ich bin nicht stolz, weil ich zum Erfolg von Deutschland (noch) nichts beigetragen habe". Klar wird es einige verwirrte Schafe geben, die ihr Land auch nicht lieben oder Zugehörigkeit empfinden, aber die werden zumindest froh sein in Deutschland zu leben, denn hier können sie diesen Mist auch öffentlich sagen :)

Gruß,
Photon
 
Ich bin zwar kein Patriot dennoch würde ich niemanden als Nazi bezeichnen nur weil er sagt er wäre stolz darauf Deutscher zu sein.

Allerdings habe ich festgestellt dass viele Patrioten auch nicht toleranter sind. Sobald man sagt dass man nicht stolz darauf ist Deutscher zu sein wird man von einigen Leuten gleich in die linke Ecke gestellt.

Also ihr könnt ruhig stolz auf euer Land sein, ich bin es halt nicht.