Es ist grausam. Zumal die 1,65 Mrd Euro auch schon drastisch reduziert waren und sein Vermögen noch mal um einiges höher vor einigen Jahren war.

Aber letztlich musste es einfach so kommen. Was in den 70er/80er und auch noch 90er Jahren funktionierte, war spätestens ab den 2000er Jahren zum scheitern verurteilt. Er hat ganz klar den Wettbewerb verschlafen bzw. ignoriert und meinte, mit seinen zig tausenden Filialen einen Ausgleich schaffen zu können. Während Rossmann, DM, Müller und Co., sich zunehmend in Innenstadtlagen mit modernem Ambiente und einer größeren Auswahl als bei Schlecker erhältlich, konzentrierten, setzte Schlecker weiterhin auf Tante-Emma-Läden in allen Ecken und Hinterhöfen der deutschen Städte.

Das Schlecker XL Paket hätte eventuell dagegen halten können. Jedoch wurde es viel zu spät in Angriff genommen, die besten Innenstadtlagen waren bereits vergeben, zudem besaß Schlecker nie ein solch aggressives Vorgehen bei der Standortsuche wie alle anderen.

Von der größten Drogeriekette Europas hin zur zusammengeschrumpften Insolvenzkette methamorphiert zu werden, muss extrem hart sein.

Ich hoffe für Anton Schlecker, dass ihm nicht gleiches passiert wie Adolf Merckle, welcher sich nach Verlust großer Unternehmensteile vor den Zug geworfen hat.
 
Wieso ist das grausam? Er ist als ehrbarer Kaufmann eingetragen und haftet(e) dadurch mit seinem ganzen Vermögen. Auch seinem Privatvermögen. Das das schrumpft ist also genauso "okay" wie die Tatsache, dass es ansteigen kann.

Nur weil er sich nicht als GmbH oder AG formiert hat um den Staat für sein marktwirtschaftliches Versagen zahlen zu lassen, ist es doch nicht schlimmer? Im Gegenteil. Der Mann steht zu seinem Wort, haftet für das was er verbockt hat SELBER und lässt dann nicht Unbeteiligte dafür gerade stehen.
Klar hat er Fehler gemacht, er hat nicht auf Dauer nachhaltig gewirtschaftet, hat Trends verschlafen usw. Dennoch wurden die MitarbeiterInnen bei Schlecker zu weiten Teilen besser bezahlt als bei der Konkurrenz. Das ist aber keine Beschwichtigung für die Tatsache, dass Schlecker-MitarbeiterInnen nicht vernünftig und adäquat behandelt wurden. Aufgrund der hohen Lohnkosten wurden diese Mitarbeiter dann nach und nach "outgesourced" und über Leiharbeitsfirmen wieder eingestellt - für viel weniger Geld als zuvor. Die Kunden haben sich diese Skandale durchgelesen, angeschaut und sich ihre Meinung gebildet und sind dann zu anthropologischen und anderen ehrbaren Drogeriemärkten übergewechselt. Die von Drangi angesprochenen Standortwahlen waren dabei das geringste Problem. Im Gegenteil, schaut man sich die seit März verbliebenen Filialen an, dann waren die zumeist in entsprechenden "Hinterhöfen", während zentrale Lagen in Innenstädten geschlossen wurden. Das Tante-Emma-Laden-Gehabe hat geholfen, neue Käuferkreise zu erschließen und war ein unmittelbarer Nahversorger, den ältere Leute zu schätzen wussten, da sie nicht mehr so mobil sind und problemlos mit Auto oder ÖPNV in die Innenstadt und mit vollen Tüten wieder zurückfahren konnten.

Wenn dann aber noch der Führungsstil dazu kommt und der Kunde Wert auf ethische Grundstandards legt, dann hilft einem so ein Nahversorger auch nicht mehr weiter und die älteren Kunden lassen sich ihre Produkte dann von Nachbarn, Bekannten und Kindern aus dem Discounter oder der Innenstadt mitbringen.

Man kann die Insolvenz Schleckers daher nicht nur auf die Ausstattung der Filialen schieben, sonst wäre ALDI auch längst pleite.
 
Man kann die Insolvenz Schleckers daher nicht nur auf die Ausstattung der Filialen schieben, sonst wäre ALDI auch längst pleite.

Schön das du Aldi ins Spiel bringst. Dir ist klar, das Aldi genau das gemacht hat was Schleckker nicht?
Aldi hat in den letzten Jahren sich von seinen kleinen Märkten getrennt und hat eben größere gebaut oder angemietet. Also genau das Gegenteil von dem was Schlecker gemacht hat.

Aldi hat gemerkt, es muss mehr bieten auf Grund der steigenden Konkurrenz, die kleinen Filialen hatten keine Chanze mehr. Und genau dass sieht auch Rossmann so und wird wohl nur die wenigen großen Filialen von Schlecker übernehmen, 50-80 Stück ist die Rede von.

Volle Tüten aus Drogeriemärkten? Also ganz ehlrich, ich sehe so gut wie nie jemanden, der aus dem Rossmann raus kommt und soviel zu schleppen hat. Das sind doch keine Läden wo man seinen Wocheeinkauf macht. Hier kauft man eher Kleinigkeiten ein. Außer man kauft eine Packung Toilettenpapier, dann ist die Tüte schnell voll. Oder etwa nicht?
 
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Auf sachliche Diskussionen bin ich ja noch bereit mich einzulassen.

...war ein unmittelbarer Nahversorger, den ältere Leute zu schätzen wussten, da sie nicht mehr so mobil sind und problemlos mit Auto oder ÖPNV in die Innenstadt und mit vollen Tüten wieder zurückfahren konnten.
Der einzige Satz den ich unterschreibe.

Das aber sind keine neu hinzugewonnen Kunden, sondern alte Bestandskunden.

Schlecker ist weder an der Mitarbeiterführung, noch an anderen Dingen zugrunde gegangen, als an der Standort- wie Artikelauswahl, wie zu großen Teilen auch anhand von fehlendem Ambiente.

Das Problem hat Schlecker erkannt, nicht umsonst wurde mit dem Schlecker XL Paket versucht, dagegen zu steuern. Auch die Tochter "Ihr Platz" konzentrierte sich auf Innenstadtlagen, modernem Ambiente, wie auch einer größeren Auswahl. Auch diese Tochter hat keinerlei Konkursprobleme.

Was bei Aldi funktioniert, muss nicht notwendigerweise auch woanders funktionieren. Absolut entscheidend, ist außerdem der Unterschied zwischen Drogerie- und Lebensmittelsegment. Aber auch Aldi hat seit vielen Jahren mit neuaufkommenden Konkurrenten wie beispielsweise LIDL zu kämpfen, welche durch ein moderneres Ambiente, größerer Auswahl und gleichen Preisen mehr und mehr Aldi den Rang abläuft.

Die Mitarbeiterführung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Überall und in fast jedem größeren Konzern sind gleiche oder ähnliche Problematiken anzutreffen. Daran ist Schlecker nicht gescheitert, wenn natürlich diese Probleme ebenfalls auch zum Untergang beigetragen haben.

Ich kann mal ein Beispiel geben, wie wichtig die Standortwahl in der heutigen Zeit ist:

Du kennst das Jahnplatzforum. Ich habe dort ein Café mit Hauptaugenmerk auf amerikanische Backwaren und hochwertigsten Kaffee aus der Siebträgermaschine geleitet. Bereits für ca. 60qm haben wir fast 4000 Euro an Pacht bezahlt. Werbung brauchte unser Café nicht, das Jahnplatzforum wird täglich von 10000-20000 Menschen durchschritten.

Dennoch sind wir sang- und klanglos untergegangen, das schlecht zusammengewürfelte Angebot an Läden im Forum, wie das komplette Forenmanagement haben dazu groß beigetragen. Dabei war unser Konzept sensationell und einzigartig. Wir führten bis zu 30 Donutsorten, das gibt es ansonsten nur bei Dunkin Donuts oder vereinzelt bei kleinen Einzelunternehmen hier und da in Deutschland. Dunkin Donuts ist nur in ein paar sehr großen Städten Deutschlands vertreten. Wir haben eigentlich ein großes Franchising vorgehabt.

Alleine an Donuts haben wir täglichen zwischen 300-500 Stück verkauft. In den ersten Monaten sogar bis zu 1000 Donuts am Tag. Jedoch haben wir mit unseren Donuts kaum Geld verdient, der Verdienst ist hauptsächlich über den Kaffee zustande gekommen, da dort Margen von bis zu 1000% im extremsten Fall möglich sind. Letztlich sind wir aber an der falschen Standortwahl gescheitert.

Über dem Jahnplatzforum wurde eine Fläche an der Ecke gegenüber von Pizza Hut frei. Diese Fläche wäre in etwa genauso groß wie unsere eigene gewesen, hätte aber weit über 10.000 Euro monatlich gekostet. Ich habe meinem Chef diese Fläche empfohlen. Er jedoch hatte zu große Angst, diese Pacht nicht zahlen zu können. Schauen wir uns den Pollmeier heute an, welcher sich dort eingenistet hat, sieht man den unbegründeten Verdacht des ehemaligen Chefs sofort. Diese Filiale ist ständig mit Kunden befüllt und Pollmeier macht dort einen Reibach ohne Ende. Der einzige Unterschied zwischen diesen beiden Standorten war, dass ein Geschäft unten im Forum lag, das andere ebenerdig direkt auf dem Jahnplatz. Wie gesagt, auch das Forum hat täglich bis zu 20.000 Passanten.

Die Standortwahl ist heutzutage eines der wichtigsten Kriterien überhaupt. Es ist das A und O für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit für alle Betriebe, welche über Masse und Alltagsartikel Umsatz machen wollen.

Übrigens sind auch die nicht von dem Konkurs betroffenen Schlecker XL Filialen, fast komplett bis komplett in guten bis sehr guten A-Innenstadtlagen präsent, wie auch "Ihr Platz". Beide Töchter bieten wie Rossmann, DM, Müller und Co., ein großes Angebot, ein schönes Ambiente und liegen sehr zentral. Nur darauf kommt es heutzutage an.

Edit: Bububoomts Beitrag unterschreibe ich zu 100%.
 
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Schön das du Aldi ins Spiel bringst. Dir ist klar, das Aldi genau das gemacht hat was Schleckker nicht?
Aldi hat in den letzten Jahren sich von seinen kleinen Märkten getrennt und hat eben größere gebaut oder angemietet. Also genau das Gegenteil von dem was Schlecker gemacht hat.
[...]
Und der Überwachungsirsinn war nicht bei ALDI auch? Indem da sogar in den Ausschnitt von sich über-Kühltruhen-bückende-Kundinnen gefilmt wurde?
Das System, Manager auszusieben, sobald sie die höchste Gehaltsstufe erreicht haben und durch neue, unverbrauchte und vor allem formbare Trainees zu ersetzen?

[...]

Schlecker ist weder an der Mitarbeiterführung, noch an anderen Dingen zugrunde gegangen, als an der Standort- wie Artikelauswahl, wie zu großen Teilen auch anhand von fehlendem Ambiente.

Das Problem hat Schlecker erkannt, nicht umsonst wurde mit dem Schlecker XL Paket versucht, dagegen zu steuern. Auch die Tochter "Ihr Platz" konzentrierte sich auf Innenstadtlagen, modernem Ambiente, wie auch einer größeren Auswahl. Auch diese Tochter hat keinerlei Konkursprobleme.
[...]
Das 'Schlecker XL Paket' war eine Neugründung einer Tochtergesellschaft, diesmal als GmbH (warum wohl? ;) in den zumeist gleichen Filialen, die vorher nur Schlecker hießen. Bestehendes Arbeitspersonal wurde nicht in die XL Läden transferiert, sondern entlassen und durch billigere Aushilfen (50% weniger Lohn, weniger Urlaub usw.) ersetzt.
Das hat dann nicht mehr viel mit einem zu-spät-kommendem Sortimentserweiterungsplan zu tun, sondern ist einfach menschliches Fehlverhalten was der Konsument bestraft. Ihr Platz hat vielleicht keine Konkursprobleme, aber auch mächtig Filialen schließen müssen (der jetzige Esprit in der Bahnhofstraße ist ebenfalls ein ehemaliger Ihr Platz).
Drangi schrieb:
Was bei Aldi funktioniert, muss nicht notwendigerweise auch woanders funktionieren. Absolut entscheidend, ist außerdem der Unterschied zwischen Drogerie- und Lebensmittelsegment. Aber auch Aldi hat seit vielen Jahren mit neuaufkommenden Konkurrenten wie beispielsweise LIDL zu kämpfen, welche durch ein moderneres Ambiente, größerer Auswahl und gleichen Preisen mehr und mehr Aldi den Rang abläuft.
So neu ist LIDL auch nicht. Zitat Wikipedia: "Die Anfänge der Handelskette Lidl reichen bis in das Jahr 1930 zurück. Zu diesem Zeitpunkt trat Josef Schwarz als Gesellschafter in die Südfrüchte Großhandlung Lidl & Co. in Heilbronn ein. Es entstand das Unternehmen Lidl & Schwarz Lebensmittel-Sortiments-Großhandel. Das Unternehmen wurde im Jahre 1944 zerstört. Der Wiederaufbau gelang jedoch in zehn Jahren. 1972 wurde der Sitz der Gruppe nach Neckarsulm verlagert." https://de.wikipedia.org/wiki/Lidl
Somit hatte ALDI einen knappen Vorsprung von 20 Jahren, wobei die Umstände durch den Krieg quasi auf die gleiche Ausgangsbasis zurückgesetzt wurden.
Drangi schrieb:
Die Mitarbeiterführung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Überall und in fast jedem größeren Konzern sind gleiche oder ähnliche Problematiken anzutreffen. Daran ist Schlecker nicht gescheitert, wenn natürlich diese Probleme ebenfalls auch zum Untergang beigetragen haben.
Der Konsument hat noch immer die größte Macht. Siehe Maredo, Jibi und wie die ganzen Lohndumper nicht alle heißen. Wird das Verhalten dieser Unternehmen medial gerügt bzw. einfach nur thematisiet, so hat es direkt Auswirkungen auf die Konsumenten und deren Konsumverhalten. Hermes und GLS werden sich für den Themenabend bei RTL durch Wallraff & sternTV auch mächtig in den A*sch beißen, weil nun auch an Personen herangetreten wird, die eher eine andere Schicht darstellen als beispielsweise 3Sat und arte Zuschauer. ARD extra zu dem Kik-Skandal oder dem Wiesenhof-Skandal erreicht nun einmal nicht so viele, wie auf RTL oder Pro7. Über Schlecker hat damals jeder Fernsehsender und so ziemlich jede Zeitung berichtet, so ein Druck ist unfassbar groß.
Drangi schrieb:
Ich kann mal ein Beispiel geben, wie wichtig die Standortwahl in der heutigen Zeit ist:

Du kennst das Jahnplatzforum. Ich habe dort ein Café mit Hauptaugenmerk auf amerikanische Backwaren und hochwertigsten Kaffee aus der Siebträgermaschine geleitet. Bereits für ca. 60qm haben wir fast 4000 Euro an Pacht bezahlt. Werbung brauchte unser Café nicht, das Jahnplatzforum wird täglich von 10000-20000 Menschen durchschritten.

[...]
Über dem Jahnplatzforum wurde eine Fläche an der Ecke gegenüber von Pizza Hut frei. Diese Fläche wäre in etwa genauso groß wie unsere eigene gewesen, hätte aber weit über 10.000 Euro monatlich gekostet. Ich habe meinem Chef diese Fläche empfohlen. Er jedoch hatte zu große Angst, diese Pacht nicht zahlen zu können. Schauen wir uns den Pollmeier heute an, welcher sich dort eingenistet hat, sieht man den unbegründeten Verdacht des ehemaligen Chefs sofort. Diese Filiale ist ständig mit Kunden befüllt und Pollmeier macht dort einen Reibach ohne Ende. Der einzige Unterschied zwischen diesen beiden Standorten war, dass ein Geschäft unten im Forum lag, das andere ebenerdig direkt auf dem Jahnplatz. Wie gesagt, auch das Forum hat täglich bis zu 20.000 Passanten.

Die Standortwahl ist heutzutage eines der wichtigsten Kriterien überhaupt. Es ist das A und O für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit für alle Betriebe, welche über Masse und Alltagsartikel Umsatz machen wollen.
[...]

Ich habe das Hauptproblem einmal dick markiert. Das Forum ist die Passage für schlechtes Wetter, mehr auch nicht. Pollmeier hat gegenüber Bürenkemper nicht nur das Glück, recht zentral zu liegen, sondern ein gutes Angebot und ein noch viel besseres Betriebsklima zu haben.
Klar ist nicht jeder Bürger so aufgeklärt und informiert sich über die Läden, in denen sie konsumieren, aber so Sachen wie 30% kleinere Brötchen an Sonntag bei Bürenkemper gegenüber immer gleicher Größe und Qualität bei Pollmeier kann man selbst als Blinder erkennen.

Standortwahl ist eben nicht das A&O. Starbucks könnte am A*sch der Welt eröffnen und die Umsätze würden trotzdem boomen. Manchmal ist es auch einfach klüger, günstig irgendwo außerhalb anzufangen, sich sein Stammpublikum aufzubauen und dann in die City zu wechseln. Zur weiteren Lektüre empfehle ich Simmels 'Die Großstädte und das Geistesleben'.
 
Dabei war unser Konzept sensationell und einzigartig. Wir führten bis zu 30 Donutsorten, das gibt es ansonsten nur bei Dunkin Donuts oder vereinzelt bei kleinen Einzelunternehmen hier und da in Deutschland. Dunkin Donuts ist nur in ein paar sehr großen Städten Deutschlands vertreten. Wir haben eigentlich ein großes Franchising vorgehabt.

Alleine an Donuts haben wir täglichen zwischen 300-500 Stück verkauft. In den ersten Monaten sogar bis zu 1000 Donuts am Tag. Jedoch haben wir mit unseren Donuts kaum Geld verdient, der Verdienst ist hauptsächlich über den Kaffee zustande gekommen, da dort Margen von bis zu 1000% im extremsten Fall möglich sind. Letztlich sind wir aber an der falschen Standortwahl gescheitert.

So pralle find ich das Konzept jetzt eigentlich nicht, für 4000 Euro Pacht muss man in der üblichen Gastronomie nach gängigen Faustformeln wenigstens 30.000 Euro Umsatz machen und da rechnet man auch mit einem Wareneinsatz von kleiner 30%. Da hätte ich bei dem Konzept schon leichte Bauchschmerzen- auch weil ich an an einem Hauptartikel fast nichts verdiene und Kaffee nicht grad schwer zu bekommen ist.

Wenn ich aber von 400 Donuts Mittelwert täglich ausgehe die ich mit 1:1 Kaffee für sagen wir 2,50 raushaue dürfte ich eigentlich bei beiden Messlatten grad so durchkommen, sofern Kaffee und Donut im Einkauf kaum mehr als 80 Cent kosten.

Wieviel Kaffee habt ihr denn zu den 300-500 Donuts verkauft? An der Stelle scheint die Rechnung ja nicht aufgegangen zu sein...
 
Und der Überwachungsirsinn war nicht bei ALDI auch? Indem da sogar in den Ausschnitt von sich über-Kühltruhen-bückende-Kundinnen gefilmt wurde?
Das System, Manager auszusieben, sobald sie die höchste Gehaltsstufe erreicht haben und durch neue, unverbrauchte und vor allem formbare Trainees zu ersetzen?

Aldi hatte immer ein besonderes Mitarbeiterkonzept. Die Aldifrauen mussten und konnten damals als es noch keine Scanner gab, jeden Artikel per PLU-Nummer in die Kasse eingeben und mussten dabei extrem schnell sein. Wer das hinbekam, hatte bei Aldi als Verkäuferin meist einen besseren Verdienst als anderswo. Aber auch Aldi hat wie alle anderen großen Konzerne auch, mit seinem Personal Murmeln gespielt. Dennoch kommt der Mitarbeiterführung nicht die tragende Rolle bzgl. eines Konkurses zu, zumindest nicht bei solch großen Unternehmen. Auch Lidl hat sehr häufig Schlagzeilen aufgrund dessen gehabt.

Das 'Schlecker XL Paket' war eine Neugründung einer Tochtergesellschaft, diesmal als GmbH (warum wohl? ;) in den zumeist gleichen Filialen, die vorher nur Schlecker hießen. Bestehendes Arbeitspersonal wurde nicht in die XL Läden transferiert, sondern entlassen und durch billigere Aushilfen (50% weniger Lohn, weniger Urlaub usw.) ersetzt.
Das hat dann nicht mehr viel mit einem zu-spät-kommendem Sortimentserweiterungsplan zu tun, sondern ist einfach menschliches Fehlverhalten was der Konsument bestraft. Ihr Platz hat vielleicht keine Konkursprobleme, aber auch mächtig Filialen schließen müssen (der jetzige Esprit in der Bahnhofstraße ist ebenfalls ein ehemaliger Ihr Platz).

Eben. Nur rentable Geschäfte wurden gehalten. Bei Schlecker allerdings waren die meisten aller Filialen aber nicht rentabel genug. Und nur mit den alten "Bestandskunden" (ältere Damen zb.), waren sie nicht rentabel genug.
Übrigens gibt es in A-Innenstadtlagen meist andere Gründe für eine Filialauflösung. Das hat i.d.R. mit den Pachtverträgen zu tun, die insbesondere in den besten Innenstadtlagen meist nur auf eine bestimmte Dauer ausgelegt sind, in Bielefeld sind das 5 Jahre mit einer Plusoption, bzw. 10 Jahre meist ohne Plusoption. Soll darüber hinaus der Vertag neu geregelt werden, rechnet sich das häufig nicht mehr, da der neue Vertag für den Altbestandtskunden enorm verteuert wird, was für Neupächter i.d.R. nicht der Fall ist.

So übrigens arbeitet auch das Jahnplatzforenmanagement. Denen ist es vollkommen egal, welche Konzepte sich dort ansiedeln, solange die Pacht bezahlt wird. Nicht umsonst sind die Läden dort unüberlegt angeordnet. Das Management verdient weniger an den Pachtsummen, sondern an den Einnahmen der erfolgreichen Vermittlung von Geschäftsflächen. Die Geschäftsflächen des Jahnplatzforums, sowie die halbe Bahnhofsstraße gehören israelischen Investoren, die das Forenmanagement zur Verwaltung beauftragt hat. Die interessieren sich für die Pacht, das Mangement dagegen verdient anhand von neu abgeschlossenen Pachtverträgen. Daher werden i.d.R. abgelaufene Pachtverträge nicht erneuert, bzw. so teuer gemacht, dass sich eine Erneuerung kaum lohnt.

Das Mangement hat auch keinerlei Angst, keine neuen Pächter zu bekommen. Denn wird ein Unternehmen bankrott, so stehen bereits die nächsten 10 Pächter da, die sich an der Fläche versuchen wollen. Wie gesagt, das Forum funktioniert seit vielen Jahren mit nicht gut sortierten und schlecht zusammengewürfelten Konzepten. Die Läden verdienen nichts, aber das Mangetment schon.
So neu ist LIDL auch nicht. Zitat Wikipedia: "Die Anfänge der Handelskette Lidl reichen bis in das Jahr 1930 zurück. Zu diesem Zeitpunkt trat Josef Schwarz als Gesellschafter in die Südfrüchte Großhandlung Lidl & Co. in Heilbronn ein. Es entstand das Unternehmen Lidl & Schwarz Lebensmittel-Sortiments-Großhandel. Das Unternehmen wurde im Jahre 1944 zerstört. Der Wiederaufbau gelang jedoch in zehn Jahren. 1972 wurde der Sitz der Gruppe nach Neckarsulm verlagert." https://de.wikipedia.org/wiki/Lidl
Somit hatte ALDI einen knappen Vorsprung von 20 Jahren, wobei die Umstände durch den Krieg quasi auf die gleiche Ausgangsbasis zurückgesetzt wurden.

Lidl ist erst in den letzten 20-30 Jahren dabei, auf Aldi aufzuschließen. Diese 20 Jahre die du ansprichst, sind eklatant, da sich diese Jahre zu Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders bewegt haben und Aldi in dieser Zeit auch seine Vormachtsstellung aufgebaut hat.

Der Konsument hat noch immer die größte Macht. Siehe Maredo, Jibi und wie die ganzen Lohndumper nicht alle heißen. Wird das Verhalten dieser Unternehmen medial gerügt bzw. einfach nur thematisiet, so hat es direkt Auswirkungen auf die Konsumenten und deren Konsumverhalten. Hermes und GLS werden sich für den Themenabend bei RTL durch Wallraff & sternTV auch mächtig in den A*sch beißen, weil nun auch an Personen herangetreten wird, die eher eine andere Schicht darstellen als beispielsweise 3Sat und arte Zuschauer. ARD extra zu dem Kik-Skandal oder dem Wiesenhof-Skandal erreicht nun einmal nicht so viele, wie auf RTL oder Pro7. Über Schlecker hat damals jeder Fernsehsender und so ziemlich jede Zeitung berichtet, so ein Druck ist unfassbar groß
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Ich kenne die von dir angesprochenen Wallraff & SternTV Dokumentationen nicht und kann daher nicht in diesem Punkt mitreden. Aber wenn ein Unternehmen groß genug ist, dann spielen Konsumenten kaum eine tragende Rolle mehr, solange man den Wettbewerb halten kann und auf die Bedürfnisse der Kunden eingeht. Da spielt die Mitarbeiterführung nur eine untergeordnete Rolle. Große Konzerne werden regelmäßig abgemahnt und mit großen Bußgeldern bestraft. Die zahlen dann einfach die Bußgelder und machen dennoch so weiter wie bisher. Denn der Verdienst überwiegt die Bußgelder bei weitem. Es gibt so gut wie keine großen Konzerne, die sich absolut legal verhalten. Man kann fast sagen, jeder große Konzern betreibt tagtäglich kriminelle Handlungen.
Ich habe das Hauptproblem einmal dick markiert. Das Forum ist die Passage für schlechtes Wetter, mehr auch nicht. Pollmeier hat gegenüber Bürenkemper nicht nur das Glück, recht zentral zu liegen, sondern ein gutes Angebot und ein noch viel besseres Betriebsklima zu haben.
Klar ist nicht jeder Bürger so aufgeklärt und informiert sich über die Läden, in denen sie konsumieren, aber so Sachen wie 30% kleinere Brötchen an Sonntag bei Bürenkemper gegenüber immer gleicher Größe und Qualität bei Pollmeier kann man selbst als Blinder erkennen.

Ja, aber da sprichst du mit dem marktieren ja genau das an, worum es geht. Der Standort. Trotz 20.000 täglicher Passanten, haben wir nicht genügend Umsatz gemacht.
Standortwahl ist eben nicht das A&O. Starbucks könnte am A*sch der Welt eröffnen und die Umsätze würden trotzdem boomen. Manchmal ist es auch einfach klüger, günstig irgendwo außerhalb anzufangen, sich sein Stammpublikum aufzubauen und dann in die City zu wechseln. Zur weiteren Lektüre empfehle ich Simmels 'Die Großstädte und das Geistesleben'.
Starbucks ist so groß, dass sie viele Filialen durch umsatzbringende Filialen durchbringen. Viele Fililalen von Starbucks sind nur dazu da, den Namen Starbucks zu verbreiten. Nicht immer spielen die Einnahmen dabei eine Rolle. Starbucks hat übrigens in Deutschland enorm zu kämpfen. Dagegen wollen sie steuern, in dem in den nächsten Jahren bis zu 150 neue Filialen eröffnet werden sollen. Mit Starbucks (und auch allen anderen Kaffeegastronmien) kenne ich mich besonders gut aus, da Starbucks auch fast mal mein Arbeitgeber geworden ist und ich mich sehr damit beschäftig habe.

Ps.: Irgendwas ist hier gerade mächtig in die Luft geflogen. Ich habe gerade Angst und höre lauter Tatütataa. Es sieht von hier aus so aus, als wenn es was mit dem ALCINA Gebäude zu tun hat. Ich rieche auch ein wenig verbranntes. Hilfe.. ich muss mal schnell kucken gehen..
 
Zuletzt bearbeitet:
Ähm, von Überwachung oder nicht habe ich nicht gesprochen, es ging ganz allein um Standort/Sortiment/Größe.

Ganz ehrlich, wen Interessiert sowas? Die meisten sehen nur den Preis, die Auswahl etc. Ob da die Mitarbeiter gut behandelt werden oder sonst was, das geht doch 95% den leuten am alerwertesten vorbei. So schlimm das auch ist, aber so ist es nun mal leider.

Denn das kannst du von A bis Z durchziehen.
Wie viele der Skandale haben irgend eine Auswirkung? Hat Real dicht machen müssen wegen der Gammelfleisch Skandale?
Hat Amazon etwa Probleme gehabt wegen des "Skandals" zu Weihnachten?

Gibt doch mal bei Google den Begriff Skandal in Zusammenhang mit irgend einer beliebigen größeren Kette ein.
Du wirst bei fast allen etwas finden und es hat kaum Auswirkung.

Schau dir doch mal eine der Größten Firmen der Welt an: Apple
Da ist doch ein Skandal nach dem anderen bzgl. der Produktion, und wen kümmerts? Kümmert es irgend einen der aber Millionen Apple-Kunden? Nein
Kümmert es die Kunden, wenn irgendwas nicht stimmt an ihrem gerät? Ja

Sobald das Gerät nicht funktioniert wie erwartet wird geklagt ohne ende.

Ich bin ja gespannt wie dein Starbucks auf dem Himalaya ankommen wird :)
Sag mir Bescheid, wenn es eröffnet ist, kann aber nicht versprechen das ich vorbei kommen werde.
 
So pralle find ich das Konzept jetzt eigentlich nicht, für 4000 Euro Pacht muss man in der üblichen Gastronomie nach gängigen Faustformeln wenigstens 30.000 Euro Umsatz machen und da rechnet man auch mit einem Wareneinsatz von kleiner 30%. Da hätte ich bei dem Konzept schon leichte Bauchschmerzen- auch weil ich an an einem Hauptartikel fast nichts verdiene und Kaffee nicht grad schwer zu bekommen ist.

Wenn ich aber von 400 Donuts Mittelwert täglich ausgehe die ich mit 1:1 Kaffee für sagen wir 2,50 raushaue dürfte ich eigentlich bei beiden Messlatten grad so durchkommen, sofern Kaffee und Donut im Einkauf kaum mehr als 80 Cent kosten.

Wieviel Kaffee habt ihr denn zu den 300-500 Donuts verkauft? An der Stelle scheint die Rechnung ja nicht aufgegangen zu sein...

Ps.: Anscheinend ist eine Garage in die Luft geflogen, wo einer einen riesen Haufen an Feuerwerk hatte. Angeblich gibt es eine Menge Personenschaden. Soviele Krankenwagen und Feuerwehrautos (sogar Helis) habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Und das fast vor meiner Haustür. Puhhhh...

Also um auf deinen Beitrag zurückzukommen:

Wir haben unsere Donuts nicht selber gefertigt, das hätten wir irgendwann vorgehabt, jedoch musste erst einmal mit TK erprobt werden. TK Donuts haben eine solch gute Qualität, dass man sie selber kaum besser machen kann. Jedoch könnte man sie individueller anfertigen und gestalten, aber das hatten wir ja zum späteren Zeitpunkt auch vor.

Unsere Donuts haben im EK ungefähr 50-70 Cent gekostet, im VK sind sie für 1,00 - 1,20 (gefüllte) Euro rausgegangen. Kaffee kostet keine 80 Cent pro 125 ml Tasse, sondern allerhöchstens 20 Cent für eine durchaus tragbare gastronomische Qualität. Der Kaffee wurde für 1,80 Euro verkauft. Der Kaffeeabsatz lag in Euro täglich bei mindestens 200 Euro. Eine Kaffeegastronomie verdient immer nur am Kaffee. Alle anderen Produkte (selbst Hauptprodukte) dienen nur dem Kundenfang. Oder aber ich verkaufe täglich 10.000 Donuts. Dann hätte ich den Umsatz auch durch die Masse getätigt.

Dein Wareneinsatz ist sehr gut kalkuliert. Auch wir haben mit 30% Wareneinsatz gerechnet. Jedoch war er häufig auch höher. Ein entscheidendes Kriterium war dabei das Verpackungsmaterial, was enorm zu Buche schlägt. Das beste Beispiel ist der Tortenkarton. Für 10 Donuts haben wir einerseits weniger einnehmen können, andererseits schlägt der Tortenkarton mit satte und schreibe 70 Cent im Einkauf zu Buche. Verdient wurde also bei Mengenabgabe überhaupt nicht, sondern sogar draufgezahlt. Viel teurer als 1,20 Euro für einen TK Donut kann man aber nicht veranschlagen, dann kauft keiner mehr. Nur die Eigenproduktion könnte das stabilisieren. Jedoch bräuchte es Unmengen an Investionen im Vorfeld.
Verpackungsmaterial ist nur günstig, wenn man Masse davon bestellt. Ganz zu schweigen von bedrucktem Verpackungsmaterial mit Logo. Damit sich so etwas rechnen würde, müssten schon 100.000 Einheiten und mehr auf einmal bestellt werden. Das ist dann totes Kapital was irgendwo im Lager rumliegt. Genauso wie bei gehobenen Restaurants, die einen Weinkeller von 500.000 Euro und mehr inne haben. Alles totes Kapital. Aber der Wein wird gebraucht um den Status halten zu können.

Unser Konzept hätte sich schon getragen und ist auch sensationell. Selbst in Zeiten der gesünderen Ernährung. Denn es gibt einfach so gut wie keine Konkurrenz. Unser Problem war lediglich der Standort. In der Bahnhofstraße hätten wir täglich 3000 Euro und mehr umgesetzt, das habe ich so berechnet. Nach einem Jahr Donutcafé lassen sich solche Werte ja gut berechnen. Gemeinkosten in Restaurantbetrieben wie in jeder anderen Rentatabilitätsvorschau, lassen sich ebenfalls nur ins Blaue hinein berechnen.

Kaffee funktioniert immer. Das sieht man in Bielefeld besonders gut. Hier existiert in der Altstadt eine komplette Kaffeemeile, Coffestore an Coffeestore und dennoch verdienen sie gutes Geld. Genauso wie mit Dönerläden. Rings um unseren Hauptbahnhof gibt es vielleicht 10 Dönerläden und trotzdem kommen immer wieder welche hinzu. Gerade jetzt erst ist ein weiteres hinzugekommen und auch das ist immer brechend voll. Unglaublich, aber wahr.
 
ich denke Loshai meinte zusammen 80 Cent.

Wurde denn etwas unternommen um den Kaffeabsatz zu fördern? Sowas wie 11. Kaffee umsonst?
Ah ja, ich sehe das gerade auch. Sorry, hab nicht mit vollen Gedanken gelesen, die Explosion sitzt mir immer noch in den Knochen.

Die 80 Cent sind super kalkuliert. Ich würde ja mal gerne wissen, was Loshai beruflich macht. Auskennen tut er sich scheinbar. :yes:

Also im muss noch etwas anderes ergänzen. Ursprünglich haben wir auch einen Donutabsatz von mindestens 1000 Stück pro Tag kalkuliert. Das haben wir lediglich in den ersten Monaten auch so einhalten können und der Absatz wäre auch noch größer werden können. Denn die Kunden waren begeistert. Obwohl nur TK, liefen sie uns die Bude ein. Einfach weil wir konkurrenzlos waren. Jedoch gehört das Forenmanagement irgendwie nicht zu den seriösesten Kreisen. Täglich haben die sich bei uns hingesetzt und für ca 50 Euro Kaffee getrunken und Donuts gefuttert. Allerdings haben die auch immer irgendwelche Freunde dabei gehabt, vor denen man unweigerlich etwas Angst bekommt. Schränke so breit wie Türsteher und oft eine Lautstärke, unmöglich. Viele Gäste haben sich bei mir beschwert. Aber was hätte ich tun können. Dieser Standort im Forum, egal für welches Konzept, ist zum scheitern verurteilt.

Wir haben schon einige Ideen gehabt, besonders ich. Ich wollte für den heißen Sommer noch zusätzlich Vertragspartner von Ben & Jerrys werden, da es auch einen solchen Laden in Bielefeld bisher nicht gibt und dieses Eis unglaublich lecker ist. Allerdings auch superteuer im Einkauf. Daher expandiert Ben & Jerrys ausschließlich in den allerbesten Lagen und daran ist nur extrem schwer ranzukommen.

Gratiskaffee und Gratisdonuts waren teil unseres Konzeptes. Mehr als Werbung ist das aber nicht und bei einem Passantenaufkommen von 20.000 auch eigentlich nicht nötig.

Ich wollte Bagels einführen, mein Chef wollte das nicht. Ich wollte Frühstücke einführen, mein Chef wollte das nicht. Tja, irgendwann gingen mir auch die Ideen aus und ich hatte keine Lust mehr. Dabei ist mein damaliger Chef nicht auf den Kopf gefallen. Er ist Betreiber von mehreren SB-Bäckereien und verdient sich dumm und dämlich. Trotz alledem hatte er zuviel Angst vor zuvielen Investitionen. Hätten wir diese Eckfläche von Pollmeier gepachtet, so hätten wir einen großen Erfolg gehabt. Unser angedachtes Ziel war eigentlich, nach einem Jahr der Erprobung, ein Franchisesystem einzuführen und mindestens pro Jahr 20 bis 30 Betriebe zu eröffnen. Ich habe für diese Tätigkeit eine andere, fürstlich bezahlte Tätigkeit aufgegeben. Das Ende vom Lied war, dass nur noch verdient worden wäre, wenn der Chef persönlich in meiner eigenen Funktion sich hingestellt hätte. Viel Personal gab es ja nicht. Außer mir arbeiteten dort 3 weitere Angestellte. Letztlich wollte er mir das Konzept und den Laden verkaufen. Ich aber habe gar nicht das Kapital gehabt um das eigentlich erdachte Konzept in die Tat umsetzen zu können. Heute gibt es nach Aussagen diesen Laden in etwa gleicher Art in der hintersten Forenecke immer noch. Der Laden wurde an einen Freund des Forenmangegements veräußert, wirft aber nichts mehr ab und dient wohl auch nur als Steuerabschreibungsgeschäft.
 
Die 80 Cent sind super kalkuliert. Ich würde ja mal gerne wissen, was Loshai beruflich macht. Auskennen tut er sich scheinbar. :yes:
Ich bin nur Teilzeit-Student, Teilzeit-HiWi und Teilzeit-Unternehmer. Ich hab mich ein wenig informiert um ein paar Unternehmenskonzepte durchzukalkulieren weil meine Reise irgendwann komplett in diese Richtung gehen soll.

(Mindestens) 200 Euro für Kaffee am Tag kommen mir wirklich sehr wenig vor wenn ihr 4000 Euro Pacht bezahlt und euer Hauptgeschäft beim Kaffee liegt. Jetzt ist die Frage wieviel mehr als 200 Euro bedeutet das "mindestens" ca. im Tagesdurchschnitt?

Bei den Donuts dürfte aber doch ein büsschen was hängen bleiben- grob 50 Cent Deckungsbeitrag/Stück? Und wenn die vor allem dazu dienen Kaffee zu verkaufen braucht ihr doch bei der 10er Kiste keine Verrenkungen machen- Was bleibt denn bei einer Kiste Preis minus Kosten hängen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Allerdings haben die auch immer irgendwelche Freunde dabei gehabt, vor denen man unweigerlich etwas Angst bekommt. Schränke so breit wie Türsteher und oft eine Lautstärke, unmöglich. Viele Gäste haben sich bei mir beschwert. Aber was hätte ich tun können.

Von deinem Hausrecht gebrauch machen? Wenn sich viele beschweren, dann hätte ich diesen klar gemacht, das es so nicht geht und notfalls halt "rausgeschmissen"
 
Von deinem Hausrecht gebrauch machen? Wenn sich viele beschweren, dann hätte ich diesen klar gemacht, das es so nicht geht und notfalls halt "rausgeschmissen"

Nur pflegen Leute in der Preisklasse bei solch Anfällen von Dominanz sehr empfindlich zu reagieren und werden Dir dann auf die ein oder andere Weise zeigen das Du Dich im Ton vergriffen hast und das wird dann meist teurer als der politische Weg.

Bei solchen Menschen hilft eher ne Gratisrunde mit der Bitte doch etwas leiser zu sein. Ausserdem sind es immerhin zahlende Kunden.
 
Wenn diese zahlenden Kunden aber andere Zahlende Kunden vergraueln, dann will ich die nicht haben.
Ich entscheide selber wen ich als Kunden will und wen nicht.
 
Also erstmal: Wenn du mal eines Tages auf zu neuen Ufern bist, gerne kannst du dich auch bei mir melden. Ich bin immer und für alles zu begeistern, was gut durchdacht und der Gastronomie zugehörig ist. Aber auch andere Bereiche interessieren mich, sollte man damit gutes Geld verdienen können.
Nur ein Angebot, man weiß ja nieeeeeeee.... :D

200 Euro sind natürlich nur das absolute Mindestmaß was wir an Kaffeeumsatz eingenommen haben. Du verstehst, wenn ich keine genaueren Zahlen hier nennen möchte. Aber bei einem eigentlich prognostizierten Absatz von 1000 Donuts/Tag, kommt schon um einiges mehr an Kaffeeabsatz zustande. Rein rechnerisch (wenn wir die Mengenabgaben nicht berücksichtigen), kommen auf ca. 3 verkaufte Donuts ein Heißgetränk bei Sitzgästen und bei Laufkundschaft ein Heißgetränk auf etwa 10 verkaufte Donuts. Bedenken muss man auch die noch höheren Margen bei anderen Heißgetränken wie beispielsweise dem Latte Macciato, was ohnehin das nach dem Kaffee am meistverkaufteste Heißgetränk darstellt (wohl in jedem Café). Wir haben eine Latte für 2,30 Euro verkauft. Dennoch kamen auch dort nur 8 Gramm Espresso hinein. Ein normaler Kaffee enthält auch im Schnitt 8 Gramm Kaffee. Kaffee und Espressobohnen (reine Arabica) sind in etwa gleich teuer. Die Milch macht nur höchstens 10-15 Cent aus. Der Verdienst bei einem Latte Macciato oder Cappuccino liegt also noch mal weitaus höher als bei reinem Kaffee.

Noch gar nicht haben wir von Kaltgetränken gesprochen. Wir haben keine Post- oder Premixanlagen benutzt, sondern haben Coca-Cola Kühlschränke aufgestellt und normale Portionsflaschen verkauft. Eine Cola, 0,5 L., kostete 1,85 Euro bei einem EK von i.d.R 0,80 € bis 1,30 € für die verschiedenen Getränke bei Coca Cola persönlich.

Alkohol haben wir nicht verkauft. Daher haben wir nicht nur Kosten eingespart, sondern brauchten auch viel weniger Auflagen zu erfüllen. Wir mussten weder Parkplätze noch Toiletten zur Verfügung stellen, da wir lediglich als Einzelhändler fungierten, nicht als Gastronomiebetrieb im eigentlichen Sinn. Hätten wir Alkohol verkaufen wollen, so hätten wir zusätzlich eine teure Gaststätten-Konzession wie viele weitere Auflagen benötigt und durchführen müssen.

Klar, bei den Donuts blieb ein wenig hängen, aber der Aufwand hätte sich nicht gelohnt, hätten wir aussschließlich Donuts verkauft. Das ginge zb. bei einem kleinen Donutwagen wie er zb. von Orbi-Donuts angeboten wird, nicht aber bei einem echten Ladengeschäft. Das kann mit dem Paid4 fast verglichen werden. Um sich große Downlines aufzubauen, benötigt man extrem viel Zeit und Arbeitseinsatz, und die paar Euros, die hinterher rausspringen, rechtfertigen den Verdienst i.d.R. nicht. Schon mal gar nicht, wenn ganze Existenzen davon abhängen.

Reine 10er Kisten hatten wir gar nicht, da habe ich Blödsinn erzählt. Wir hatten maximal ein 6er Gebinde, was zu 5 Euro verkauft worden war. Die Zusammenstellung konnten sich die Kunden selber aussuchen, jedoch mussten von den 6 Donuts mindestens 3 ungefüllte dabei sein. (Ohnehin war zumindest das Mengenkonzept in dieser Sache nicht bestens durchdacht, da für den Kunden etwas irritierend und schwer nachzuvollziehen). Reine 6er Gebinde wurden fast nicht verkauft. Meist wurden gleich zwei der 6er Gebinde genommen, dafür gabs dann auch den Tortenkarton.

Alle anderen Donutmengen darunter, haben wir auf einfache Pappteller gelegt und in Bäckereibeutel eingepackt. Obendrauf kam noch etwas Seidenpapier. Für einzelne Donuts gab es eine Donuttüte.

Am allerbesten lief unser Kombipaket. 2 Donuts und 1 Kaffee für 2,60 Euro. Aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob das wirklich der Preis war, habe das leider vergessen.

Edit: Das große Problem bei diesen Leuten war ja auch, dass genau diese Leute das Management des Forums wie auch der halben Bielefelder Einkaufsstraße waren. Hätte ich denen ein Hausverbot ausgeprochen, hätten die uns auf irgendeine Art und Weise an die Kandarre gepinkelt. Zumal das wie gesagt alles zwielichtige Gestalten waren und sind. Ich habe sogar Koksspuren von denen auf meinen Tischen entdeckt.

Außerdem hatte ich auch Angst da irgendwas zu machen.
 
https://www.boersennews.de/nachrich...auft-ihrplatz-und-schlecker-xl/234479193/1000

Um nochmal zusammenzufassen was ich vorhin meinte: Der beste Standort bringt nix, wenn das Konzept Essig ist oder die Qualität nicht passt. Frag mal den China-to-go Mann oberhalb des Jahnplatzes und den unten im Jahnplatzforum. Der Forenchinese hat massig mehr Umsatz trotz des achso-schlimmen-Managements als der direkt an der Bushaltestelle wo deutlich mehr als 20.000 Passanten unterwegs waren. Das bei etwa gleichen Preisen und gleichem Angebot, wie erklärst du das?
 
Kein Geschäft im Jahnplatzforum verdient gut. Ich war übrigens bei der Eröffnung des Chinesen dabei, das von Deutschen betrieben wird. Die Betreiber des Chinesen haben während der Bauphase bei uns täglich ihren Kaffee getrunken und über ihre Pläne resümiert. (Du meinst doch den, der nur eine Minifläche hat, Nudeln im Wok zubereitet und in chinesische Pappschachteln ausgibt oder?) Der Chinaimbiss ist ebenfalls nur ein Pilotprojekt und soll als großes Franchising später betrieben werden. Auch die klagen über zu hohe Pacht bei zuwenig Umsatz. Wobei eine solche Pacht in so guten Innenstadtlagen durchaus angemessen ist. Aber das Forum hat den A-Status definitiv nicht verdient.

Ich weiß nicht wieviel bei dem Chinesen oben neben dem Kiosk los ist. Wenn ich dort vorbeigehe, sehe ich jedenfalls immer ein paar Leute darin. Ich selbst habe auch schon ein paar mal da gegessen und es schmeckte mir gut. Jedoch benutzt er viel Glutamat und das in jedem Gericht, daher esse ich dort nicht mehr.

Der obere Chinese wird mindestens das 3-Fache an Pacht zahlen müssen. Daher muss er ja scheinbar genug verdienen, wenn er sich halten kann. Der Jahnplatz gehört zu den teuersten Standorten in Bielefeld überhaupt (neben Bahnhofsstraße und Altstadt).

Das Konzept und die angebotene Ware müssen selbstverständlich stimmig sein. Wer das nicht hat, braucht sich um Dinge wie Standortbestimmung erst gar keine Sorgen machen. Aber von solchen Dingen habe ich ja auch nichts behauptet.