Wahlen Landtagswahl in Hessen 2008/09 - Diskussionen und Schlüsse

Was wählt ihr bei der Landtagswahl in Hessen am 18.01.2009?

  • CDU

    Stimmen: 6 14,6%
  • SPD

    Stimmen: 4 9,8%
  • Bündnis90/Die Grünen

    Stimmen: 4 9,8%
  • FDP

    Stimmen: 7 17,1%
  • Die Linke

    Stimmen: 3 7,3%
  • REP

    Stimmen: 2 4,9%
  • Sonstige [i](Violett, Grau, Piratenpartei, Frauenpartei, Freie Wähler...)[/i]

    Stimmen: 2 4,9%
  • Trotz Sarahs Bemühungen...ich weiß es nicht!!!

    Stimmen: 1 2,4%
  • Das geht mir sowas von am ... vorbei!

    Stimmen: 0 0,0%
  • Wohne nicht in Hessen

    Stimmen: 12 29,3%

  • Umfrageteilnehmer
    41
  • Umfrage geschlossen .
Na da haben wir doch scheinbar einen Hessen :)

Naja ... gebürtiger Sachse, Ex-Thüringer und angesiedelter Hesse :biggrin:

Kannst du nicht mal für (Bier)Kelle erörtern wo dein Problem mit der Linkspartei liegt?

Neben einer kategorischen Abneigung gegen die Linke und ihre Vorgängerparteien (inkl. deren Mitglieder aus ehemaligen, totalitären Systemen) sind es u.a. 2 Sachen.

1. Aussage der Linken "Lieber Verschulden und damit die Armut bekämpfen".
Für mich eine unerträgliche Forderung. Verantwortung sieht anders aus.

2. Forderung nach einem totalen [!!!] Nachtflugverbot sowie kein Flughafenausbau in Frankfurt
Das käme einem wirtschaftlichen Desaster für die Rhein-Main-Region gleich.

Klar ist, dass ein Nachtflugverbot mit Ausnahmeregelungen auch nach dem Ausbau des Airports für die Landebahn Nord gelten muss.
Das haben sogar die Grünen erkannt.

Ansonsten halte ich nicht viel von einer "Partei", die zwar eine Minderheitsregierung tolerieren, sich aber regierungspolitisch nicht verantwortlich zeigen will.
 
Es geht wirklich primär um die moralischen Bedenken, ob man eine demokratisch bedenkliche Partei unterstützen sollte in der Öffentlichkeit.

Hier wird doch wieder mal ein Wirtschaftssystem mit nem Gesellschaftssystem durcheinander gebracht.

Zweifelsohne hat die Linke sozialistische Ziele, die dem der sozialen Marktwirtschaft entgegenstehen.

Aber was ist daran demokratisch bedenklich?

Der ganze Aufbau der Partei zeigt auch deutliche demokratische Prinzipien.

Ich denke mal, du würdest eine Absprache mit der NPD auch bedenklich finden.

Der Vergleich hinkt mehr als gewaltig.

Zum einen macht die Linke keinen rassistischen Wahlkampf auf dem Rücken von Kriegsflüchtlingen und politisch verfolgten Personen oder anderen Minderheiten.

Dann gibt es da noch diverse führende Mitglieder der NPD, die wegen Volksverhetzung, Gewalt oder anderen Straftaten rechtskräftig verurteilt sind.

Ganz zu schweigen vom Ausschluss der Öffentlichkeit bei Bundesparteitagen, was sehr zur Transparenz beiträgt.

Und wenn mich nicht alles täuscht, wird die Linke deutlich weniger durch Geheimdienste beobachtet, und nen Verbotsverfahren gab es auch noch nie.

... ihre Vorgängerparteien (inkl. deren Mitglieder aus ehemaligen, totalitären Systemen) ...

Wenn man ja konsequenterweise überall nach Vergangenheit gehen würde, dürfte die CDU gar nicht, und die SPD nur bedingt an Regierungen beteiligt sein.

gruss kelle!
 
Wenn man ja konsequenterweise überall nach Vergangenheit gehen würde, dürfte die CDU gar nicht, und die SPD nur bedingt an Regierungen beteiligt sein.

Genau so sehe ich das auch und wähle seit meinem 18. Lebensjahr grün. ;)

Allerdings wurde das Land, in dem ich 15 Jahre meines Lebens verbringen durfte, nicht von der CDU oder SPD regiert sondern der SED, deren Nachfolgepartei die PDS war.

Abgesehen davon, dass ich das Parteiprogramm als utopisch, realitätsfremd und die Partei für inkompetent halte, habe ich in meiner Familie zu viele Menschen, die Jahrzehnte unter der SED-Herrschaft zu leiden hatten.

Wenn Herr Lafontaine heute von "Enteignungen" spricht krieg ich das kotzen und meine Grosseltern rotieren im Grab. :ugly:
 
Aber was ist daran demokratisch bedenklich?

Also für mich persönlich ist allein die Reichensteuer demokratisch bedenklich. Und diese wird ja vehemennt gefordert. Ich bin selber nicht gut betucht, aber ich habe keine lust, dass aus meinen Neidkomplexen heraus andere Menschen "zwangsenteignet" werden sollen. Denn dies wiederspricht für mich nicht den Grundprinzipien einer Demokratie. Daher bin ich ja auch für die Flat tax gewesen. Alle Menschen tragen das gleiche zum Wohle des Staates bei (prozentual) und man entlastet diejenigen die es benötigen durch anfängliche Steuerbefreiungen. So kann man die Schwachen schützen, ohne die reichen auszunutzen und genau das ist der Plan der Linken. Und das ist für mein Rechtsempfinden Diebstahl durch die Masse an einer Minderheit. Und da fängt es ja auch nur an. Wenn es darum geht Menschen rechte zu nehmen an ihrem Eigentum, dann ist die Linkspartei ganz vorne bei.

Der Vergleich hinkt mehr als gewaltig.

Zum einen macht die Linke keinen rassistischen Wahlkampf auf dem Rücken von Kriegsflüchtlingen und politisch verfolgten Personen oder anderen Minderheiten.

Dann gibt es da noch diverse führende Mitglieder der NPD, die wegen Volksverhetzung, Gewalt oder anderen Straftaten rechtskräftig verurteilt sind.

Ganz zu schweigen vom Ausschluss der Öffentlichkeit bei Bundesparteitagen, was sehr zur Transparenz beiträgt.

Und wenn mich nicht alles täuscht, wird die Linke deutlich weniger durch Geheimdienste beobachtet, und nen Verbotsverfahren gab es auch noch nie.

Und weil andere schlechter sind, macht es einen selber gut, oder was möchtest du mir nun damit sagen? Da es nun grad nicht zum Thema passt, gehe ich mal nicht weiter auf die NPD ein. Nur soviel, beobachtet wird die Linkspartei auch durch den Verfassungsschutz. Arbeit zuerst für Deutsche habe ich aus der Linkspartei auch schon gehört. So sehr unterscheiden die sich nicht, aber wie gesagt auf dieses schlammschlachtniveau wollte ich eher weniger. Für mich sind die enteignungsgründe schlimmer.

Gruß,

Wannabe
 
Wannabe, irgendwie bin ich zu dem Eindruck gelangt, Du bist einer der wenigen, die sich auch inhaltlich mit der Partei beschäftigt haben...

Das was mein Eindruck aus der Presse ist, ist einfach der Fakt, dass die Linke ohne irgendwelche inhaltliche Beschäftigung als SED Kader dargestellt wird, was ja zumindest in den gebrauchten Bundesländern Unfug ist, weil dort vorher die WASG aktiv war, die wiederum zu Teilen der linke Flügel der SPD war.

Ich meine irgendwann gelesen zu haben, dass das Geschrei in Deutschland groß war, als Joschka in Jeans und Turnschuh zur Vereidigung kam.

Ähnlich kommt es mir jetzt auch vor.
Denn das schlimme für die Politiker der "alten" Parteien ist doch, dass die klassischen Koalitionen nicht mehr klappen, und sie zu neuen Wegen gezwungen werden, wie die große Koalition in Berlin oder die Schwarz/Grün Kombi in Hamburg.

Ich bin einfach gespannt, ob es die Partei schafft, sich mittelfristig als politische Kraft zu etablieren, oder ob sie nach Lafontaines Abgang gerade im Westen wieder verschwindet.

gruss kelle!
 
Ich denke, SPD und Grüne haben einige Wahlversprechen abgegeben. "Nicht mit der Linken" war eines davon. Dann gibt es noch viele inhaltliche. Ich stimme der Ypsilanti-Logik zu, dass die inhaltlichen wichtiger sein sollten, als formelle - gerade wenn man in einer Pattsituation steckt.

So, und nun etwas aus dem Nähkästchen geplaudert: Es wird eine Tolerierungsvereinbarung geben. Formell keine bilaterale, aber DIE LINKE setzt ein mit SPD und Bündnisgrünen abgestimmtes Papier auf, in dem die Grundlagen der Tolerierung festgelegt sind.
Montag wird davon voraussichtlich die Endfassung vorliegen. Die letzte Fassung von gestern hat drei Seiten.
Es ist also nicht wahr, dass man sich gegen jede Verbindlichkeit sträubt. Es ist aber wahr, dass DIE LINKE nicht Teil der Regierung sein wird und damit keine Blankoschecks ausstellt.

Und zu den bösen "Enteignungen" sei gesagt, dass sie im Grundgesetz Artikel 14 unter bestimmten Voraussetzungen vorgesehen sind. U.a. werden in den ach-so-sozialistischen USA ja gerade "reihenweise" die Banken verstaatlicht. Und es gilt: Eigentum verpflichtet. Man kann also eben nicht damit machen, was man will.

Die "Reichensteuer" muss man nicht überdramatisieren. Aber es bleibt die Frage, ob es notwendig (oder gar "gerecht"?) ist, dass in den letzten 20 Jahren der Spitzensteuersatz von 56% auf 42% gesenkt wurde, während der Staat stets mit der Begründung "kein Geld, kein Geld!" bei Sozialleistungen, Gesundheitsversorgung und öffentlicher Infrastruktur spart.
Oder warum in die Sozialsysteme nur abhängig Beschäftigte (aka "der kleine Mann") einzahlen, aber keine Miet-, Zins- oder Spekulationsgewinne herangezogen werden. Es ist zumindest nicht weit hergeholt, zu behaupten, dass die kleinen Einkommen in diesem Land recht oft die Zeche zahlen.
Und zu diesen Sachverhalten kann ja jeder durchaus seine eigene Meinung haben, ohne Leute zu beschimpfen :)

Dass Springer-Presse, Konservative und Marktradikale natürlich ein großes Interesse daran haben, die "Kommunisten" und die "machtgeile Lügilanti" zu verteufeln, ist verständlich. Dass die meisten, die unter der bisher verfolgten Politik eher benachteiligt wurden, nun in das Lied einstimmen ohne es zu hinterfragen, finde ich eher bedauerlich.

Ich empfehle einige Landtagsdebatten, die die CDU in den letzten Wochen zwecks Dämonisierung vom Zaun brach, wie die Aktuellen Stunden "Wer ermordete Rosa Luxemburg?" (im Link 3. Thema) oder "OMFG! Die Linke hat eine Gartenhütte in den Wald gebaut", zur illustren Unterhaltung.
 
Die "Reichensteuer" muss man nicht überdramatisieren. Aber es bleibt die Frage, ob es notwendig (oder gar "gerecht"?) ist, dass in den letzten 20 Jahren der Spitzensteuersatz von 56% auf 42% gesenkt wurde,

der Steuerfreibetrag von ca. 2.400 € auf 7.600 € gestiegen ist, und der Eingangssteuersatz von 22% auf 15% gefallen ist.

Früher hast Du die Geschichten immer bis zum Ende erzählt...

gruss kelle!
 
der Steuerfreibetrag von ca. 2.400 € auf 7.600 € gestiegen ist, und der Eingangssteuersatz von 22% auf 15% gefallen ist.

Naja, aber warum sollte ich die Entlastung geringer Einkommen anprangern? :)
Und das bedingt einander ja auch nicht. Es ist sicher nicht so, dass hierzulande die Oberschicht schmilzt, weil sie von Steuern erdrückt werden. Die Mittelschicht hingegen rutscht reihenweise ab*, hier ist die Entlastung also angemessen.
(Damit du mir hier nicht wieder Auslassung vorwirfst: Der ärmste Teil der Bevölkerung ist davon konkret nicht betroffen, weil er keine/kaum Einkommenssteuern zahlt. Aber das hilft denen ja auch nicht.)

Wenn man -- wie ich -- der Meinung ist, dass die Aufgabe der Gesellschaft, also des Staates, ist, ausgleichend und der Arm-Reich-Polarisierung entgegen zu wirken, dann gibt es keinen Grund, die Gutverdienenden so massiv zu entlasten. (Und nein, die ziehen garantiert nicht alle von heute auf morgen weg.)

*Ich belege das mal symbolisch mit dem sicher nicht kommunismusverdächtigen Handelsblatt
 
Und zu den bösen "Enteignungen" sei gesagt, dass sie im Grundgesetz Artikel 14 unter bestimmten Voraussetzungen vorgesehen sind. U.a. werden in den ach-so-sozialistischen USA ja gerade "reihenweise" die Banken verstaatlicht. Und es gilt: Eigentum verpflichtet. Man kann also eben nicht damit machen, was man will.

Und genau damit habe ich ein Problem.
Wenn ein Parteivorsitzender einer Partei, die zum grossen Teil aus einer Gruppierung hervorgegangen ist die bis vor 20 Jahren die "Diktatur des Proletariats" repräsentierte, von Enteignungen spricht kommen böse Erinnerungen hoch.

Unter der SED wurden in der DDR tausende von Privatfirmen, Betrieben und Unternehmen zwangsenteignet.
U.a. auch das Friseurgeschäft meiner Grosseltern.
Von heut auf morgen gehörte ihnen nichts mehr.

Was diese Enteignungen der "Volkswirtschaft" der DDR gebracht haben, kennt der belesene Interessent.
"Sozialismus" in dieser Form widerspricht der menschlichen Natur, die individualistisch geprägt ist, und verhindert gleichzeitig den Fortschritt der Gesellschaft.
 
Naja, aber warum sollte ich die Entlastung geringer Einkommen anprangern? :)

Es geht nicht um anprangern.

Wenn man Deinen ersten Post liest, könnte der uninformierte Forumsnutzer denken:
Scheiß Volksparteien, entlasten einfach die Reichen zu Lasten der Armen.

Sieht man aber, dass die Steuersätze gesamt gesunken sind, dazu der Freibetrag hochging, könnte man der Meinung sein, dass alle steuerzahlenden Bevölkerungsschichten entlastet wurden.

Und wenn ich sehe, dass die oberen 25% der Einkommensteuerzahler 80% der Steuern aufbringen, kann man auch nicht wirklich von einer Schieflage zu Lasten der Niedriglöhner sprechen...

gruss kelle!
 
Was diese Enteignungen der "Volkswirtschaft" der DDR gebracht haben, kennt der belesene Interessent.
"Sozialismus" in dieser Form widerspricht der menschlichen Natur, die individualistisch geprägt ist, und verhindert gleichzeitig den Fortschritt der Gesellschaft.
Naja, um den Frisörsalon oder Bäckerladen geht es ja keinem. Da der Linken auch hier in Hessen gern "Verfassungsfeindlichkeit" unterstellt wird, verweise ich einfach mal exemplarisch auf Artikel 41 HV. Da gibt's noch mehr schöne, übrigens auch in Bayern :)

Und ich denke nicht, dass das die "Natur" der Menschen ist, sondern einfach nur Zeitgeist. Ich glaube nicht, dass der Individualismus in den Genen liegt. Der Individualismus wird momentan noch als Teil/Auslöser/Folge der Ellbogengesellschaft hochgehalten, aber das wird sich auch wieder ändern irgendwann :)

Sieht man aber, dass die Steuersätze gesamt gesunken sind, dazu der Freibetrag hochging, könnte man der Meinung sein, dass alle steuerzahlenden Bevölkerungsschichten entlastet wurden.

Und wenn ich sehe, dass die oberen 25% der Einkommensteuerzahler 80% der Steuern aufbringen, kann man auch nicht wirklich von einer Schieflage zu Lasten der Niedriglöhner sprechen...

Ja, ganz genau. Alle Steuerzahler wurden gleichermaßen entlastet. Und das kann es ja nicht sein, wenn der Staat dauernd anprangert, dass ihm Geld für wichtige Maßnahmen fehlt - und es gleichzeitig immer mehr Reiche und immer mehr Arme gibt. Da müsste er vielmehr ausgleichend wirksam werden - ist meine Meinung.
Nochmal kurz gepöbelt: 90% oder 99% des Steueraufkommens* könnten diese 25% auch prima stemmen, ohne auf ihren Zweit-Touareg zu verzichten ;)


*Es geht ja nur um die Einkommenssteuer. Z.B. bei der nominell größten Steuer im Lande, der Mehrwert-/Umsatzsteuer, zahlt der durchschnittliche Normal- und Geringverdiener einen wesentlich höheren Anteil seines Einkommens als jemand, dessen Lebenshaltungskosten einen geringeren Teil seines Einkommens ausmachen.
 
Zuletzt bearbeitet:
90% oder 99% des Steueraufkommens könnten diese 25% auch prima stemmen, ohne auf ihren Zweit-Touareg zu verzichten ;)

Ich kann mir nicht einen Touareg leisten und gehöre trotzdem zu den 25%.

Valohan, wat? :ugly:

Wovon redet denn die Linke?

Von den 0,125 Promille Einkommensmillionären in Deutschland?
Laut Zahlen von 2002 https://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensmillionär bekommen die 28 Mrd. Euro im Jahr, was grob gepeilt 10 % des Bundeshaushalts ausmacht.
Müssten die restlichen 99,9875 % der deutschen Einwohner immer noch 90% aufbringen.

Diese 25% die 80% erbringen dürften zu locker 90% Akademiker und untere bis mittlere Führungskräfte sein, also Leute wie Du, die jetzt auf der Uni rumhocken, und nach dem Abschluss zu den Besserverdienenden zählen.

gruss kelle!
 
Ich rede nicht von den Einkommensmillionären, sondern einen stärkeren Tribut von all denen, die deutlich mehr haben, als sie zum (gut oder wegen mir sehr gut) Leben brauchen. Das beginnt nicht bei einer Million, sondern meiner persönlichen Meinung nach spätestens ab 60.000 Euro als Single. (Also z.B. ab dem 60.001. Euro könnte ein gegenüber heute wieder deutlich erhöhter Spitzensteuersatz greifen. Ich streite mich jetzt aber nicht um den einen oder anderen Euro.)
Und ich rede auch von Körperschaften.

Die Finanzpolitik steht und fällt ja nicht mit der Einkommenssteuer.
Dazu müsste es auch gehören, mehr Steuerfahnder einzustellen, Wirtschaftskriminalität, Steuerflucht und -hinterziehung stärker zu bekämpfen, Steuerschlupflöcher zu schließen. Dazu gehört eine stärkere Besteuerung von arbeitsunabhängigen Einkommen, wie Spekulations- und Zinsgewinnen, Erbschaften und Schenkungen (die in Deutschland noch weit unterdurchschnittlich sind), die Wiedereinführung der Börsenumsatzsteuer und eine Vermögenssteuer, um das aus dem Kreislauf gezogenene, gehortete Geld zu belasten.

Aber sowas ist generell immer recht schwierig in ein paar Sätzen zusammenzufassen und länger möchte ich hier jetzt eigentlich auch nicht dran sitzen ;)


Um elegant noch was zum Thema beizutragen, poste ich mal den nach meinem Verständnis aktualisierten Zeitplan zum Regierungswechsel nach dem heutigen SPD-Landesparteitag:
6. Oktober: Landesrat der Partei DIE LINKE
7.-10. Oktober: Regionalkonferenzen DIE LINKE
7. Oktober: Beginn der Koalitionsverhandlungen SPD - B'90/Grüne
11. Oktober: Landesparteitag DIE LINKE
30. Oktober: DIE LINKE verkündet das Ergebnis des Mitgliederentscheids über eine Tolerierung
31. Oktober: Landesparteitag SPD beschließt über Koalitionsvertrag
2. November: Landesmitgliederversammlung B'90/Grüne beschließt über Koalitionsvertrag
4. November: Frühestmöglicher Wahltermin für Ypsilanti in einer Sondersitzung
18. November: Beschluss des Haushaltes 2009 im Landtag
 
[...]

Und ich denke nicht, dass das die "Natur" der Menschen ist, sondern einfach nur Zeitgeist. Ich glaube nicht, dass der Individualismus in den Genen liegt. Der Individualismus wird momentan noch als Teil/Auslöser/Folge der Ellbogengesellschaft hochgehalten, aber das wird sich auch wieder ändern irgendwann :)


[...]
Wann bitteschön war es denn schon anders? Oder wo? Ich bestreite ja nicht, dass Menschen keine reine Individualwesen sind, sondern durchaus sich besser fühlen, wenn es anderen auch gut/besser geht... Das gilt aber dann immer nur in sehr eingeschränkter Weise... Wenn es dann plötzlich darum geht, ob man seinen Kindern auf Kosten anderer eine weniger aussichtreiche Zukunft bereiten muss, dann hört spätestens die Sozialromantik auf... (oder warum schicken gerade Vertreter von Ganztagsschulen ihre Kinder in Privatschulen? <--- Kleiner Einwurf, der etwas OT ist... ;) )
 
Naja, um den Frisörsalon oder Bäckerladen geht es ja keinem.

... sagst Du heute ... ich sage: Wehret den Anfängen!

Und ausgerechnet vom Parteivorsitzenden der Linken diese Worte zu hören passt für mich wunderbar ins Bild, wo diese Reise der Linken hingehen wird, sollten sie jemals [was der Herrgott und die Wähler verhindern möge] an einer Bundesregierung beteiligt sein.

Und ich denke nicht, dass das die "Natur" der Menschen ist, sondern einfach nur Zeitgeist. Ich glaube nicht, dass der Individualismus in den Genen liegt. Der Individualismus wird momentan noch als Teil/Auslöser/Folge der Ellbogengesellschaft hochgehalten, aber das wird sich auch wieder ändern irgendwann

Zeitgeist? 8O

Individualismus bedeutet Freiheit von Zwängen der Gesellschaft.
Ob die Gesellschaft kapitalistisch, sozialistisch oder kommunistisch ist - egal.

In Gesellschaftsformen wie Sozialismus, Kommunismus und Faschismus war und ist kein Platz für Individualisten.
Genau das aber hat diesen Gesellschaftsformen das Ende gebracht weil die Menschen unter den totalitären Regimen dieser Ausprägungen gelitten haben.

Die Linke hat das Problem, dass sie nur zwischen Arm und Reich unterscheiden.
Die Mittelschicht, die die Lasten des Staates und der Gesellschaft in der Masse zu stemmen hat, ist kein Thema.
 
Das beginnt nicht bei einer Million, sondern meiner persönlichen Meinung nach spätestens ab 60.000 Euro als Single. (Also z.B. ab dem 60.001. Euro könnte ein gegenüber heute wieder deutlich erhöhter Spitzensteuersatz greifen.

Kannst Du mir das mal bitte erklären?

60.000 € sind für nen Dipl. Ing. nach zehn Jahren Berufserfahrung kein Problem.

Auch ein Facharbeiter kann diesen Betrag unter bestimmten Umständen schaffen.

Weder das eine noch das andere sind besondere Eigenschaften oder Kenntnisse, sondern da kann jeder herkommen, wenn er erstmal den richtigen Weg einschlägt und dann zugegebenermaßen etwas Glück hat.

Vor vier Jahren war ich arbeitslos.
Sicherlich hätte ich in Thüringen bleiben können, und hätte nen Job, wo ich knapp über der Armutsgrenze leben würde, und zu den 75% gehören würde, die 20% der Einkommensteuer aufbringt.
Ich hab für nen Umzug entschieden und gehöre jetzt zu den anderen 25%.

Erkläre mir doch bitte mal, warum die Leute, die sich den schwierigeren Weg (Studium, Umzüge ...) ausgesucht haben, für die "arbeiten" sollen, die den einfachen Weg gewählt haben?

In einer Theorie sehe ich mich nächstes Jahr beruflich in Berlin. An der 60er Grenze kratzend.
Warum sollte ich dann nen noch höheren Steuersatz zahlen?
Weil ich mich entschieden habe, mich weiterzuentwickeln? Oder soll ich den Zugewinn an Betriebsklima versteuern?

Warum sollen Ingenieure, die Produkte entwickeln, die die Firmen zum Weltmarktführer werden lassen, bestraft werden, dafür dass Ihre Arbeit Geld ins Land bringt?

Ich habe ja nix dagegen, dass der Spitzensteuersatz das dreifache des Eingangssteuersatzes beträgt.
Ich habe auch nix dagegen zu zahlen.

Aber mehr ist unverschämt, weil ich nix anderes gemacht habe, als jeder hätte auch machen können. Nämlich Abitur und ne IHK Ausbildung.

gruss kelle!
 
60.000 € sind für nen Dipl. Ing. nach zehn Jahren Berufserfahrung kein Problem.

... also in meiner Branche ist das für Leute mit 4-5 Jahren schon kein Problem mehr.
Ein Studium ist nett, braucht man aber nicht zwangsläufig.

Ich hab keine Ahnung was Cmdr mit der 60.000 Euro Grenze meint.

Vielleicht sollte ich mal meine letzte Gehaltsabrechnung einscannen um zu zeigen, was bei knapp 5000 Euro Brutto im Monat Netto übrig bleiben und was davon Staat und Sozialsystemen zugute kommt.
 
Ich hab keine Ahnung was Cmdr mit der 60.000 Euro Grenze meint.

kelles theorie:

Durchschnittsgehalt Deutschlands: ca. 2.500 € im Monat, macht 30.000 € im Jahr. Wer 60.000, also doppelt so viel hat, ist reich und kann daher besser bluten.

Immer diese Studenten, reden und reden, aber keinen blassen Schimmer von der Realität.:ugly:

gruss kelle!
 
bei dem was von 60.000 Euro Brutto so abgeht wäre es heute schon logisch ins Ausland zu gegen und sich ein paar K Brutto mehr und viele K Netto mehr zu holen- trifft vielleicht nicht bei allen Branchen zu aber mit Sicherheit auf viele

wenn man die Leistungsträger aus dem Land vergraulen will oder erst garnicht zu Leistungsträgern werden lassen will, dann besteuert man sie einfach so weit das am Ende alle ähnlich arm sind und sich Leistung einfach wenig lohnt
 
"Leistungsträger" :LOL: So ein perverser Kampfbegriff der Marktradikalen.
Leistung hat mit dem Gehalt hierzulande meistens nichts zu tun. Fragt mal 'ne Krankenschwester oder 'nen Polizisten. Sorry, aber die leisten mehr, als ein Akademiker, der in irgendeinem Büro sitzt und Mausklicks macht. (Und ja: Das habe ich auch mal vor ;) )
Das Einkommen hat in den meisten Fällen nichts mit der persönlichen Leistung zu tun, sondern mit Glück, persönlichen Lebensumständen, Glück, sozialen Rahmenbedingungen oder Glück.

Und jemand, der mehr "leistet" (nach welcher Definition nun auch immer), soll auch mehr haben. Aber von dem "mehr" kann er dennoch etwas abgeben.

Kurzum, ich sage nur: Mehr als 60.000 Euro braucht man als Single nicht zum gut leben. Also kann man auf alles ab dem 60.001sten Euro ruhig 50% Steuern zahlen, ohne nicht immer noch besser dazustehen, wenn er es "verdient" hat. Meine Meinung.

(Die 60.000 Euro sind übrigens aus dem Steuerkonzept der LINKEN, ich streite mich jetzt nicht darum, ob es nicht 50.000 oder 75.000 sein sollten.)