Hilfe! Vater eventuell schwer krank, aber er will nicht zum Arzt

Trabilady

Member
ID: 421308
L
16 Juli 2011
18
3
Ein liebes Hallo an alle Klammer,

ich benötige dringend eure Vor- und Ratschläge!!!

Es geht um meinen Vater.
Er ist 53, hat einen eigenen Hof (welchen er monatlich hoch versichern muss)
und arbeitet (seit knapp 1 Jahr 8O) in einer Zeitarbeitsfirma auf Probe...

In dieser Firma herrschen katastrophale Zustände - es gibt keine regelmäßigen Pausen, kein Buch in dem Arbeitsunfälle eingetragen werden und das Schlimmste ist, dass man gekündigt wird, sobald man krank ist (ich weiß, jetzt werden mir einige nicht glauben, da es das laut Gesetz nicht gibt, ist aber so!!).

Folgende Situation:
Mein Vater hat seit Monaten sehr schlimme Krämpfe im Bauchbereich. Sie kommen nicht täglich, aber circa 2-3 mal im Monat. Dann allerdings so heftig, dass er weder sitzen, noch stehen kann und zu Boden geht...
Noch dazu hat er stark abgenommen.

Auf das permanente Einreden meiner Mutter hin ging er dann zu seinem Hausarzt. Dieser untersuchte ihn allerdings nicht richtig und schickte ihn mit den Worten
"er solle wiederkommen, wenn er einen Krampf hat - so könne er nichts machen" nach Hause zurück.
(Es wurde keine Überweisung zum Spezialisten ausgeschrieben und auch kein Rezept)

Dies ist jetzt wieder eine Weile her...
Aufgrund der Aussage des Arztes und der riesigen Angst heraus seinen Job zu verlieren (den er dringend benötigt um den Hof zu halten), traut sich mein Vater nicht mehr zu einem Arzt zu gehen. :(

Allen, die ihn darauf ansprechen und ihn bitten sich wo anders untersuchen zu lassen, tritt er mit schlechter Laune und teilweise sogar mit leichten Wutausbrüchen entgegen...

Meine Frage an euch:

-Was kann ICH als Tochter für ihn tun?
-Welche Argumente könnte ich ihm entgegen bringen, um ihn doch noch einmal zu einem Besuch bei einem anderen Arzt zu bewegen?!
-War das Verhalten des Arztes richtig oder sollte man dagegen vorgehen? (evtl. unterlassene Hilfeleistung)

Für ernst gemeinte Ratschläge bin ich sehr dankbar
und ich entschuldige mich, dass es so ein langer Text geworden ist :roll:
 
In dieser Firma herrschen katastrophale Zustände - es gibt keine regelmäßigen Pausen, kein Buch in dem Arbeitsunfälle eingetragen werden und das Schlimmste ist, dass man gekündigt wird, sobald man krank ist (ich weiß, jetzt werden mir einige nicht glauben, da es das laut Gesetz nicht gibt, ist aber so!!).
Ja, das kann ich mir kaum vorstellen... Grade Zeitarbeitsfirmen bzw. Firmen, die viele Leihmitarbeiter einsetzen, können sich das kaum erlauben.

Auf das permanente Einreden meiner Mutter hin ging er dann zu seinem Hausarzt. Dieser untersuchte ihn allerdings nicht richtig und schickte ihn mit den Worten
"er solle wiederkommen, wenn er einen Krampf hat - so könne er nichts machen" nach Hause zurück.
(Es wurde keine Überweisung zum Spezialisten ausgeschrieben und auch kein Rezept)
Auch das kann ich nur schwer glauben. Meine Erfahrung ist eher gegenteilig.

Meine Frage an euch:

-Was kann ICH als Tochter für ihn tun?
Ganz ehrlich, wenn auch evtl. etwas hart, gesagt...

Nichts, ausser deinen Standpunkt darlegen und an seine Verantwortung appellieren. Am Ende ist er ein erwachsener Mensch und kann/muss selbst entscheiden.
-War das Verhalten des Arztes richtig oder sollte man dagegen vorgehen? (evtl. unterlassene Hilfeleistung)
Ich sag' mal so... Vorausgestzt, es ist wirklich so gewesen, könnte man u.U. gegen den Arzt vorgehen. Dazu müsste aber erstmal ein anderer Arzt bestätigen, daß bei deinem Vater zum Zeitpunkt des Arztbesuches schon Symptome ersichtlich waren bzw. der Arzt nicht genügend untersucht hat.

Aber nochmal... ich kann es mir nicht vorstellen.
Kein Arzt würde seine Zulassung riskieren, um mal eben eine Blutuntersuchung oder eine Überweisung zu einem Internisten zu sparen, zumal er ja Geld damit verdient...

Gruß Aru
 
Ich hab genug Ärzte in meinem Leben besucht um zu sagen, daß es solche wie den tatsächlich gibt.

Du schreibst, daß er bei einem Krampf vor Schmerzen zu Boden geht? Dann ruf das nächste Mal einen Krankenwagen. Dann wird er definitiv richtig untersucht.
 
@ birnchen

Das Problem ist, dass meine Eltern in einem kleinen Dorf wohnen, welches knapp 20 Autominuten von der nächsten Stadt und Rettungsdienststelle entfernt ist. Die Krämfe dauern aber "nur" etwa 2 Minuten an. Wenn der Krankenwagen dann da wäre, ist die ganze "Sache" schon wieder vorbei und freiwillig würde er niemals in diesen Wagen steigen :(

Auf die Vernunft plädieren funtioniert bei ihm leider nicht. Das wurde schon von mehrern Leuten versucht...

Hab einfach nur Angst um ihn.

Danke euch beiden schon mal für die Antworten.
 
Ja, das kann ich mir kaum vorstellen... Grade Zeitarbeitsfirmen bzw. Firmen, die viele Leihmitarbeiter einsetzen, können sich das kaum erlauben.

Da kenne ich aber aus dem Bekanntenkreis auch so einen Fall. Für die Firma sind Leiharbeiter bequem, die kann man leicht abbestellen und bekommt sofort neue. Also wirtschaftet man die Arbeitskräfte runter und wenn sie nicht mehr können holt man sich neue. Schlimm und leider kein Einzelfall!


@TE: Du musst ihm irgendwie klar machen worauf das ganze hinausläuft. Was bringt es sich für eine Schrottfirma die Gesundheit komplett zu ruinieren? Dann hat er für die paar Monate die er noch durchhält das Geld um den Hof zu halten und dann klappt er vielleicht mal ganz zusammen und alles wird noch viel schlimmer. Du musst ihm klar machen, dass er längerfristiger denken muss. Er muss dringend einen anderen Arbeitgeber finden, denn der jetzige nützt ihm im Grunde gar nichts wenn dort wirklich solche Zustände herrschen. Vielleicht kannst Du ihm dabei ja auch aktiv helfen indem Du mitsuchst. Und vor allem muss er sich dringend bewusst werden, dass seine Gesundheit sein wertvollstes Gut ist und kein Monatslohn der Welt ist es wert das aufs Spiel zu setzen.
 
Zunächst mußt Du Deinem Vater klar machen, daß er - wenn er den Hof halten will -dringend seine Gesundheit braucht. Es muß sich also von einem Spezialisten Untersuchen lassen, um hoffentlich etwas dramatisches Ausschließen zu können oder andernfalls wenigstens eine geeignete Therapie einleiten zu können, damit diese Krämpfe aufhören. Mir scheint, es ist ihm der Zusammenhang zwischen seiner gefährdeten Gesundheit und seinem Wunsch den Hof zu halten nicht bewußt.

Weiters kannst Du ihn unterstützen eine andere Arbeitsstelle zu finden. In manchen Gegenden ist das richtig schwer, ich weiß, aber nichts ist unmöglich. Du kannst Stellenangebote suchen, ihm beim Schreiben von Bewerbungen helfen (z.B. diese Tippen, oder für ihn zur Post bringen oder, je nachdem wie geübt Dein Vater in solchen Dingen ist, ihm auch beim Formulieren helfen). Du kannst ihm zeigen, daß er nicht den starken Mann spielen muß, sondern daß er Dir gegenüber den Starken Mann viel eher beweist, indem er die Stärke aufbringt, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern der Ursache für die Krämpfe auf den Grund zu gehen. Welcher Vater möchte nicht seinen Kindern, insbesondere seinen Töchtern, imponieren? Zu guter Letzt kannst Du Deinen Vater spüren lassen, daß er nicht alleine ist, sondern mindestens eine Tochter hat, die strikt zu ihm steht, egal wie er sich entscheidet. Auch das ist wichtig.

Was die Zustände in der Zeitarbeitsfirma angeht, solltest Du vielleicht man einen Termin beim Arbeitsgericht ausmachen. Soweit mir bekannt ist eine Beratung dort und mindestens auch eine Klage in erster Instanz gebührenfrei. Soweit mir bekannt, ist die Dauer einer Probezeit gesetzlich beschränkt. Wenn Dein Vater also nachweisen kann, daß er schon länger als diese Frist dort beschäftigt ist (beispielsweise über Lohnzettel, Arbeitsvertrag etc), dann könnte sein Angestelltenverhältnis ganz schnell eine Festanstellung sein. Wenn er dann krank ist, würde er einfach die Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle einfordern (und einklagen!) können. Kündigt ihm der Arbeitgeber, wäre eine Kündigungsschutzklage mit Sicherheit erfolgreich. Über Aldi hat man bei uns in Oberschwaben immer gelästert, die hätten miese Arbeitsbedingungen. Eine Bekannte von mir aber, die dort beschäftigt war, hat gesagt, man müsse sich nur wehren, dann würde sich etwas ändern. Wenn die erstmal gelernt haben, daß Dein Vater sich wehrt und auch noch recht bekommt, dann werden die sich anständig benehmen, denn alles andere wird sehr teuer. Schlimmstenfalls bieten die Deinem Vater eine Abfindung an (die Dein Vater aber nicht annehmen muß), um ihn loszuwerden. Mein Bruder hat auf diese Weise mal ein kleines Vermögen bekommen.

Dein Vater sollte aber bald mal anfangen die "Unregelmäßigkeiten" zu dokumentieren. Beweise wie Fotos sind natürlich gut, aber schon ein paar Präzise Notizen in einem Terminkalender im Stile eines Logbuches (25. Mai, 8:25: blablabla vorgefallen...) hilft im Zweifel vor Gericht sehr viel.
 
Nichts, aber auch gar nichts ist wichtiger als die eigene Gesundheit. Wer nicht gesund ist, kann nicht arbeiten und wenn man keine Arbeit hat, wissen wir alle, geht es auf Dauer den Berg runter. Natürlich kann es durchaus sein dass die Umstände auf der Arbeit, deinem Vater die gesundheitlichen Probleme bereiten. Das kann und sollte jedoch ein Arzt diagnostizieren, spekulieren bringt nichts. Dumm ist nur, wenn dein Vater sich nicht freiwillig zum Arzt schleift, du kannst ihn versuchen zu überzeugen, sammle einfach schlagkräftige Argumente und werfs ihm vor und mach ihm klar, dass es schlecht enden kann.

Zu der Sache mit dem tollen Doktor, leider muss man ab und an mal etwas hartnäckig sein, ich selbst habe viele Ärzte erlebt die einem mit paar Antibiotika direkt wieder heim schicken, anstatt sich die Mühe zu machen mal 30 Sekunden meinen Worten zu lauchen.

Ich persönlich habe schon einige Fälle erlebt, bei denen der Arbeitgeber fahrlässig gehandelt hat. Natürlich ist es schwer den Schritt zu wagen und den Mund auf zu machen, das Geld brauchen wir alle aber im Ernst, sich vom Arbeitgeber schlecht behandeln zu lassen ist nicht in Ordnung. Eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder zumindest Rechtsschutz wäre gefragt, einen starken Partner an der Seite benötigt man auf jeden Fall.

Ich hoffe für dich, dass du deinen Vater dazu bewegen kannst etwas zu tun. In erster Linie natürlich die Gesundheit überprüfen lassen, sollte dein Vater wegen einer Arbeitsunfähigkeit gekündigt bekommen, direkt klagen. Hoffen wir dass es erst gar nicht so weit kommt.

Viel Glück und eine gute Besserung für deinen Vater.
 
Eine Probezeit von einem Jahr ist unseriös genau wie viele Zeitarbeitsfirmen, allerdings ist der Kündigungsschutz schon nach einem halben Jahr aktiv Link

Wie schon geschrieben wurde ruf den Notarzt, wenn der da ist soll er sich mit deinem Vater auseinandersetzen, evtl klappt das bei einer außenstehenden Person besser.

Oft ist es ja nur ne Kleinigkeit für die es nach Untersuchung und Diagnose schnelle Abhilfe gibt.

Und wechselt den Hausarzt, der taugt wie leider viele seine Kollegen nichts. Da die heute eh Pauschal bezahlt werden lohnt sich eine eigehende Untersuchung finaziell wohl nicht mehr. Und Ethik der Ärzte schein proportional zum erziehlbaren Umsatz zu stehen.
 
Danke

Ich möchte erstmal allen für die lieben Antworten und teils guten Ratschläge danken.

Meine Mutter hat noch mal eingehend mit ihm gesprochen, ihm gesagt, dass "seine Tochter ihn noch eine Weile braucht" und ihn damit konfrontiert, dass ich ihn zum Arzt schleifen werde, egal wie... - daraufhin kam dieses Mal wohl kein Wutausbruch oder Gemecker mehr.

Ich habe bei meiner eigenen Hausärztin nun einen Termin zum 7.11. für ihn gemacht - ich hoffe nur noch, dass er ihn auch wirklich mit mir wahrnimmt 8O

Ich werde mich noch einmal zurück melden und schreiben ob es geklappt hat.

LG Trabilady
 
ihm gesagt, dass "seine Tochter ihn noch eine Weile braucht"

Das war wohl die richtige Strategie; Für sein Alter sehr früh, aber wenns hilft, warum nicht. Er kann zwar verleugnen, dass etwas mit ihm nicht stimmt, aber dass es eines Tages ein Vollzeitjob ist, gesund zu bleiben, das weiß er anscheinend schon.

Am besten vorher mit der Hausärztin sprechen, dass sie es auch bitte wirklich ernst nimmt und ernste Worte dazu sagt, und auch alles klappt mit der Überweisung usw.

Viel Erfolg!
 
Das klingt irgendwie nach Galle, war mein erster Gedanke.

Aber die Menschen sind halt so: Warum auf andere hören? Und die Angst, Haus & Hof und Job zu verlieren, ist ein gutes Medikament gegen die meisten Schmerzen. Das muss vielleicht auch dein Vater erst mal auf die harte Tour lernen. Und nur weil er jetzt noch einmal zum Arzt geht, heißt das ja nicht, dass er sich anschließend behandeln lässt. Es heißt nur, dass dein "Rumgenerve" (sorry) Wirkung gezeigt hat.
 
Hier geht es nicht um irgendeinen Job, hier geht es um die Gesundheit, ja, um das Leben deines Vaters. Du solltest beim nächsten Krampf sofort den Notarztwagen rufen.
 
Würde auch einen Arzt anrufen, wenn er wieder einen Krampf hat. Kann zwar verstehen, dass er Angst wegen der Arbeit hat. Nur seine Gesundheit ist wichtiger.
 
Befund...

Mein Vater ist, zu meiner großen Freude, den Weg zum Arzt mit mir gemeinsam gegangen.
Es wurde ein Bluttest gemacht, welche aber keinerlei Ergebnisse brachte - außer, dass er kerngesund sei... Der Ultraschall des (Unter-)Bauchbereiches brachte ebenfalls keinen Hinweis auf den Ursprung der Krämpfe...
Erst die Magenspiegelung brachte das Ergebnis, dass er Bakterien im Magen hat. Nun musste er eine Woche lang Tabletten nehmen und seitdem ist es wohl besser geworden :)
 
Na dann hast Du mit Deiner Hartnäckigkeit Deinem Vater vielleicht das Leben gerettet. Ich gehe mal davon aus, daß Dein Vater unter dem Heliobakter pylori zu leiden hatte. Der verursacht Magengeschwüre, und wenn so eines mal durchbricht, kann es ganz schnell zu ende sein :(

Gut gemacht!
 
Dein Papa kann stolz auf sein hartnäckiges Töchterchen und sein hartnäckiges Frauchen sein. Ich wünsch ihm, dass er das Ruder rumgerissen bekommt und einen soliden Job findet, den er mit seinem Hof gut kombinieren kann. ;)
 
Man kann niemanden zwingen der nicht möchte weißt du. Man kann an den gesunden Menschenverstand appelieren, aber mehr ist nun einmal einfach nicht möglich.
 
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