Wenn man keinerlei Einnahmen mehr hat und vom Sozialstaat leben muss, braucht man keine Rücklagen. Wofür sollten diese Rücklagen gut sein?
Na für alles Mögliche, das so im Leben passieren kann. Reparaturen an Haushaltsgeräten, der alten Karre (neues Auto war ja nicht erlaubt) oder eben zum Neukauf. Dann auch für Renovierungen. Oder auch für unvorhersehbare Ereignisse. Wer bei Hartz IV angekommen ist und einen Dispokredit aufgrund der unmoralischen Zinsen auf keinen Fall in Anspruch nehmen will, braucht Rücklagen. Je mehr, desto besser. Der eine braucht mehr, der andere weniger. Je weniger Einkommen man im Monat erzielt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich eine größere Summe auf einen Schlag innerhalb kurzer Zeit wieder kompensieren lässt.

Und dazu kommt, dass Ämter oft langsamer arbeiten als die Mühlen Gottes. Nur ein kleines Beispiel:
Eine Freundschaft hatte ein Bewerbungsgespräch in Karlsruhe. Am Donnerstag hat man ihn angerufen und gefragt, ob es ihm möglich wäre, am Dienstag zu 14 Uhr vorbei zu kommen. Es war nicht möglich für ihn, bis dahin ein vom Amt bezahltes Zugticket zu bekommen - trotz schriftlicher Einladung zum Bewerbungsgespräch (Email). Er musste das Geld vorauslegen, was ihm dann nach Vorlage und Antrag erstattet wurde. Ok, nun kostet so ein Zugticket für Hin- und Rückweg am gleichen Tag je nach Verbindung und Uhrzeit auch irgendwas zwischen 140 und 250 Euro. Das ist schon für manchen Arbeitnehmer eine harte Nuss. Für einen Hartzi und am Ende des Monats wäre das ohne Rücklagen unmöglich.

Oder mir selbst ist es schon passiert, dass ich über 800 Euro für Strom auf einen Schlag zuzüglich dann extrem erhöhten Abschlag nachzahlen musste. Ja, war meine Schuld, warum und wieso es dazu kam. Aber hätte ich es nicht bezahlt, was dann?
 
Manchmal dauern Anträge mehrere Monate, manchmal muss man sich was Neues anschaffen,
was nur als Erstausstattung übernommen wurde, aber nicht ewig hält und manchmal hat man auch Hobbys
Ich bin mal ketzerisch: Laut Aufstellung der Hartz IV Satzes ist das alles im Regelbeitrag enthalten. Sollte es das nicht sein, muss dieser angepasst werden.

Na für alles Mögliche, das so im Leben passieren kann. Reparaturen an Haushaltsgeräten, der alten Karre (neues Auto war ja nicht erlaubt) oder eben zum Neukauf. Dann auch für Renovierungen. Oder auch für unvorhersehbare Ereignisse.
Also zahle ich (als Steuerzahler) jemand anderem den Lebensunterhalt, damit er Vermögen vorhalten kann, um Reparaturen an seinem Auto zu zahlen. Ich (als Steuerzahler) habe aber kein Schonvermögen, dass ich für solche Zweicke von meiner Steuerlast abziehen darf. Wenn bei mir nichts übrig bleibt, habe ich Pech.

Wer bei Hartz IV angekommen ist und einen Dispokredit aufgrund der unmoralischen Zinsen auf keinen Fall in Anspruch nehmen will, braucht Rücklagen. Je mehr, desto besser. Der eine braucht mehr, der andere weniger.
Wieder ketzerisch: Wer von anderen das Essen und die Kleidung bezahlt bekommt, braucht kein Vermögen mehr als Rücklage für andere Dinge.

Und dazu kommt, dass Ämter oft langsamer arbeiten als die Mühlen Gottes. Nur ein kleines Beispiel:
Eine Freundschaft hatte ein Bewerbungsgespräch in Karlsruhe. Am Donnerstag hat man ihn angerufen und gefragt, ob es ihm möglich wäre, am Dienstag zu 14 Uhr vorbei zu kommen. Es war nicht möglich für ihn, bis dahin ein vom Amt bezahltes Zugticket zu bekommen - trotz schriftlicher Einladung zum Bewerbungsgespräch (Email).
Zum Dritten ketzerisch: Kosten für Bewerbungsgespräche muss der potentielle Arbeitgeber zahlen.

Er musste das Geld vorauslegen, was ihm dann nach Vorlage und Antrag erstattet wurde.
Vom Arbeitgeber hoffentlich.

Ok, nun kostet so ein Zugticket für Hin- und Rückweg am gleichen Tag je nach Verbindung und Uhrzeit auch irgendwas zwischen 140 und 250 Euro. Das ist schon für manchen Arbeitnehmer eine harte Nuss. Für einen Hartzi und am Ende des Monats wäre das ohne Rücklagen unmöglich.
Verstehe ich. Und wenn jemand 5 Euro über Hartz IV verdient, dann kann er keine Rücklagen bilden und schaut in die Röhre. Aber Steuern für den Hartz IV Bezieher darf er zahlen, damit der das Zugticket bezahlen kann. Fair?

Oder mir selbst ist es schon passiert, dass ich über 800 Euro für Strom auf einen Schlag zuzüglich dann extrem erhöhten Abschlag nachzahlen musste. Ja, war meine Schuld, warum und wieso es dazu kam. Aber hätte ich es nicht bezahlt, was dann?
Hättest Du Ratenzahlung mit dem Stromlieferanten vereinbart. Auch das ist ein "Luxusthema". Wir reden bei Hartz IV über Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, grundlegende Dinge Ihres Lebens selber zu bezahlen. Aber Vermögen für "Notfälle" sollen Sie behalten dürfen? Finde ich nicht korrekt denjenigen gegenüber, die das bezahlen müssen.

Stell Dir den Bettler in der Stadt vor, der von Dir 50 Cent für ein Brötchen will und in seiner Brieftasche 5 100 Euro Scheine hat. Die hat er da für Notfälle, falls sein Schlafsack mal kaputt geht oder er neue Schuhe braucht. Die 500 Euro packt er nicht an für ein Brötchen, das sollst Du bitte bezahlen.
 
@Marty

Ich verstehe dein Problem grade überhaupt nicht.
Wenn du 5 € über Hartz4 hast, dann hast du einen Arbeitnehmerfreibetrag plus Fahrtkosten -vom Arbeitgeber steuerfrei dazubezahlt- plus ein Auto, was mehr Wert haben darf, also nicht so eine fahrende Sparkasse, wie für Hartz4-Leute erlaubt,
wieso um Gottes Willen kannst du denn keine Rücklagen bilden????

Und wenn so ein kleiner Existenzgründer gern Leute einstellen will, aber noch nicht so viele Rücklagen hat, weil er Kaution für den Laden bezahlen muss und die Einrichtung und weitere Kosten, dann darf er keine Stellen ausschreiben, weil er sich die Fahrtkosten für die Mitarbeiter nicht mehr leisten kann oder muss er erst mal 16 Stunden 6 Tage die Woche arbeiten und am 7. die Abrechnung machen???

Und wenn man aus einer zu großen Wohnung ausziehen muss und die Gardinen nicht mehr passen und grade jetzt geht der Kühlschrank kaputt und dann auch noch der Herd und die Küche gehört dem Vermieter und würde auch nicht in die neue Wohnung reinpassen und dann läuft auch noch der Ausweis ab und der Führerschein, dann kannst du zwar Zuschüsse beantragen, aber es dauert zu lange - also sitzt du ohne Papiere in der leeren Wohnung und hast auch kein Geld für die Kaution des Transporters und die Stromnachzahlung kommt auch noch, weil der letzte Winter kalt war und du sonst weniger verbraucht hast oder der Mieter unter dir hat ewig die Fenster gekippt und es zieht von unten her....

Dann kommt auch noch ne Krankheit dazu oder ein Unfall und was das Leben so an Überraschungen bereit hält ...man will ja nicht ewig beim Amt bleiben, aber wenn du die Gesetze machen würdest, hätten die Leute noch weniger Möglichkeiten...

Zum Thema Obdachlose/Bettler, stell dir vor, auch diese Menschen haben heutzutage ein normales Konto und bekommen Hartz4, nur eben keine Kosten der Unterkunft. Wenn sie also mal im tiefen Winter drin übernachten wollen, dann kostet das bei vielen Anbietern eine Pauschale. Aber in der Jacke hat kaum einer sein Geld, da wird nämlich geklaut, vor allem nachts...
Ansonsten sind das oft hochspannende Leute, belesen und mit einer individuellen Lebensgeschichte, sie mögen ganz oft nur einfach nicht "in Wohnhaft" genommen werden - wie es in deinem Perso steht!

Und wenn du kurz über Hartz4 bist, dann bekommst du übrigens -auf Antrag- genau die gleichen Einmalleistungen, wie die Leute, denen du hier die letzte Reserve wegnehmen möchtest...
 
Zuletzt bearbeitet:
@naturschonen

Ww, was für eine Liste von Unglücksfällen, die alle zusammenkommen. Klar kann das sein. Aber das trifft eben auch einen Arbeitnehmenden Geringverdiener. Und wenn der noch jung ist, firsch Familie gegründet hat,... hat er auch keine Rücklagen und Schonvermögen. Bleiben wir doch erst einmal bei den "Durchschnittsfällen" und gehen nicht auf die Extremsituationen ein, die es sicher auch gibt - aber die erst einmal nicht Standard sondern Ausnahmesituationen darstellen.
 
@naturschonen

Ww, was für eine Liste von Unglücksfällen, die alle zusammenkommen. Klar kann das sein. Aber das trifft eben auch einen Arbeitnehmenden Geringverdiener. Und wenn der noch jung ist, firsch Familie gegründet hat,... hat er auch keine Rücklagen und Schonvermögen. Bleiben wir doch erst einmal bei den "Durchschnittsfällen" und gehen nicht auf die Extremsituationen ein, die es sicher auch gibt - aber die erst einmal nicht Standard sondern Ausnahmesituationen darstellen.

Das Problem ist hier aber, seit es ALG II gibt ist angeblich eine Pauschale drin für Rücklagen, die man bilden soll. Da soll man 10 Jahre lang monatlich 0,25 € für den Ausweis ansparen, aber man wird jetzt plötzlich Hartzi und der Ausweis ist schon war älter, dann hast du keine 10 Jahre Zeit zum Ansparen.

Es gab die ersten Jahre immer wieder Ablehnungsbescheide mit der Begründung, alles ist im Regelsatz enthalten, bis das höchste Gericht eine Verpflichtung rausgegeben hat, diesen Regelsatz mal genau zu erklären. Seit dieser Zeit darf man z.B. mit der Begründung, dass man keine 10 Jahre Zeit hatte zum Ansparen einen verbilligten bis gratis-Ausweis beantragen - und bekommt ihn in vielen Orten auch.

Und dann will man Kontakt mit der Familie halten und bekommt auch kein Bekleidungsgeld mehr, keinen Weihnachtsbaum - wie früher - und auch keine Einmalgelder für Hochzeit, Taufe und so, all das muss man ansparen - oder eben als Darlehen bekommen, was dann in kleinen Raten einbehalten wird.

Und wenn die junge Familie keine Rücklagen hat, aber dringende Anschaffungen, dann bekommt sie sowohl das Darlehen als auch die Zuschüsse für dringende Anschaffungen, je nachdem, ob es Anschaffungen sind, die anerkannter Bedarf sind oder nicht. Nur man will eben ungern einen Antrag stellen und dann weiß es die Behörde ja nicht...
 
Ich (als Steuerzahler) habe aber kein Schonvermögen, dass ich für solche Zweicke von meiner Steuerlast abziehen darf. Wenn bei mir nichts übrig bleibt, habe ich Pech.
Du solltest aber als Arbeitnehmer eigentlich in der Lage sein, Rücklagen bilden zu können. Das wird ein Hartzi wohl nicht können. Wenn Du so wenig verdienst, dass Du gerade auf oder knapp über dem Satz von Hartz IV liegst, würde ich jederzeit empfehlen, sich kündigen zu lassen. Hatten wir an anderer Stelle schon einmal.

Wieder ketzerisch: Wer von anderen das Essen und die Kleidung bezahlt bekommt, braucht kein Vermögen mehr als Rücklage für andere Dinge.
Also ich will in dem Punkt gar nicht politisch weiter links stehen als Du, aber irgendwie fühle ich mich gerade so. Ich meine - da bekommt jemand die notwendigsten Waren des täglichen Bedarfs geschenkt und darf darüber hinaus nichts besitzen? Ohne Rücksicht darauf, was er in seinem Leben für das Land bereits geleistet hat?

Ich komme Dir gerne entgegen und sage, dass ein 18-jähriger sicherlich nicht so viel Schonvermögen zu haben braucht als ein 60-jähriger. Auch ist dem jungen Menschen mehr zuzumuten. Aber ich käme mir von meinem Staat beschissen vor, wenn ich am Ende meines Arbeitslebens meinen Job verliere, dann aufgrund meines Alters keine neue Arbeit mehr finde, meine Regierung mir aber das "Geschenk" macht, immer später Rente beziehen zu dürfen und ich deshalb gezwungen bin, mein gesamtes Vermögen aufzubrauchen um noch vor der Rente so dazustehen wie jemand, der noch nie gearbeitet hat. Na hoffentlich reicht das Geld dann noch für einen Strick...

Zum Dritten ketzerisch: Kosten für Bewerbungsgespräche muss der potentielle Arbeitgeber zahlen.
Das wäre schön und richtig. Macht nur leider keiner. Ich habe selbst auch immer sämtliche Reisekosten zu Bewerbungsgesprächen selbst bezahlen müssen. Mit einer Ausnahme, als ich mal ein Gespräch in der Schweiz hatte. Da wurde mir auch das Hotel bezahlt. Aber innerhalb Deutschlands habe ich es noch nie erlebt (egal ob für eine Position mit oder ohne Führungsverantwortung).

Vom Arbeitgeber hoffentlich.
Nein, leider vom Arbeitsamt. Vielleicht zahlen die Arbeitgeber auch deshalb nichts, weil sie wissen, dass es dann vom Amt übernommen wird. Wie gesagt: Freiwillige soziale Verantwortung habe ich noch bei keinem Arbeitgeber erlebt. Halte ich daher für einen Mythos.

Verstehe ich. Und wenn jemand 5 Euro über Hartz IV verdient, dann kann er keine Rücklagen bilden und schaut in die Röhre. Aber Steuern für den Hartz IV Bezieher darf er zahlen, damit der das Zugticket bezahlen kann. Fair?
Fair... :think: Ich sag mal sozial. Ob es in einem Sozialstaat immer fair zu geht, weiß ich nicht. Aber die Aufgabe ist ja auch, niemanden wirklich auf der Strecke zu lassen. Wenn nun also jemand durch so ein Bewerbungsgespräch die Möglichkeit hat, nicht mehr eine Last, sondern ein produktives Mitglied der Gesellschaft zu werden - dann ist das Geld auf jeden Fall richtig investiert.

Darüber hinaus verlangt das Amt ja auch, dass man nach einer gewissen Zeit der "Beschäftigungslosigkeit" und so lange man keine außergewöhnlichen Gründe vorbringen kann, weswegen man den aktuellen Wohnort nicht wechseln kann, dass man sich bundesweit um eine Arbeitsstelle bemüht. Wenn sie dann nicht auch die Reisekosten tragen, wäre das dann fair?

Stell Dir den Bettler in der Stadt vor, der von Dir 50 Cent für ein Brötchen will und in seiner Brieftasche 5 100 Euro Scheine hat. Die hat er da für Notfälle, falls sein Schlafsack mal kaputt geht oder er neue Schuhe braucht. Die 500 Euro packt er nicht an für ein Brötchen, das sollst Du bitte bezahlen.
Na ich glaube, dass diese Analogie so nicht funktioniert. Schon wegen der Höhe der verglichenen Beträge, aber sei es drum.

Mich besorgt viel eher der Umkehrschluss. Jemand soll sich also erst mal vollständig nackig machen, bevor auch nur durch einen einzigen Cent von der Gesellschaft am Leben gehalten wird. Viel mehr ist ja Hartz IV nicht, quasi eine soziale Herz-Lungen-Maschine in der Hoffnung, das der Hartz-Koma-Patient irgendwann aus eigener Kraft wieder aufwacht und das Bett verlässt. Bis dahin bekommt er regelmäßig staatliche Elektroschocks und wenn er nicht atmet, wie gewünscht, dann wird er auch schon mal sanktioniert - dann wird halt die Maschine auf kleinere Stufe gestellt oder auch vorübergehend ganz abgeschaltet. Zu polemisch oder treffend?

Wo wollen wir denn mit unserer Gesellschaft hin? Wollen wir in die Richtung gehen, in die die meisten anderen kapitalistischen Länder gehen? Also irgendwann (wieder) über Leichen gehen und die Schwachen auf der Strecke (und der Straße) lassen? Ist international gar nicht so unüblich. Oder wollen wir unseren Sozialstaat so gut es geht erhalten?

Weil Du von "Fairness" sprichst: Ist es denn fair, dass jemand nach einem ganzen Arbeitsleben und im Falle von Deutschland überreichlich gezahlten Steuern zur Ader gelassen und jemandem gleich gestellt wird, der noch nie irgendwas für das Land getan hat? Ich würde den Begriff "fair" beinahe vermeiden wollen, denn fair geht es ohnehin nirgends zu. Es ist nämlich auch nicht zu erklären, warum eine Pflegekraft nach etlichen Doppelschichten im Monat mit weniger Geld nach Hause geht, als ein Hausmeister bei guter Adresse, der nur mal lasziv-gelangweilt eine Firma anruft, weil eine Lampe kaputt ist. Und diese Pflegekraft ist im Falle von Arbeitslosigkeit sofort und direkt auf Zuschusszahlungen angewiesen, weil die Versicherungsleistung von ALG I nicht zum Leben reicht - die sie aber nur dann bekommt, wenn sie vorher sogar noch das Geld aufbraucht, was sie sich vom Mund abgespart hat.

Nicht falsch verstehen: Ich kann Deinen Standpunkt nachvollziehen. Nur halte ich die Denkweise für zu extrem ökonomisch geprägt und unsozial. Denn Dein Weg führt uns meiner Ansicht nach direkt in Verhältnisse, wie sie in den meisten Ländern der Erde existieren und meiner Ansicht nach viel Leid im Volk verursachen.
 
Also ich will in dem Punkt gar nicht politisch weiter links stehen als Du, aber irgendwie fühle ich mich gerade so. Ich meine - da bekommt jemand die notwendigsten Waren des täglichen Bedarfs geschenkt und darf darüber hinaus nichts besitzen? Ohne Rücksicht darauf, was er in seinem Leben für das Land bereits geleistet hat?
Hartz IV -> Korrekt... Aber keine Angst, so weit nach links kommst Du nicht. Ich lehen Hartz IV grundsätzlich ab, ich möchte bedingungslose Leistungen des Staates. Wenn der Staat aber Bedingungen stellt, dann für alle gleich.

Und der Nachsatz "Ohne Rücksicht darauf, was er in seinem Leben für das Land bereits geleistet hat" stimmt nicht. Schonvermögen beinhaltet keine Aussage zu einer Lebensleistung, sondern nur zum Alter. Der Erbe, der noch nie gearbeitet hat, darf trotzdem den Teil des Geerbten behalten. Und das sind nicht wenige.

Ich komme Dir gerne entgegen und sage, dass ein 18-jähriger sicherlich nicht so viel Schonvermögen zu haben braucht als ein 60-jähriger.
Geht bei dem nicht so viel kaputt?

Das wäre schön und richtig. Macht nur leider keiner. Ich habe selbst auch immer sämtliche Reisekosten zu Bewerbungsgesprächen selbst bezahlen müssen.
Wenn das vorher nicht in der Einladung stand, würde ich das als Hartz IV Empänger einfach einklagen.

Darüber hinaus verlangt das Amt ja auch, dass man nach einer gewissen Zeit der "Beschäftigungslosigkeit" und so lange man keine außergewöhnlichen Gründe vorbringen kann, weswegen man den aktuellen Wohnort nicht wechseln kann, dass man sich bundesweit um eine Arbeitsstelle bemüht. Wenn sie dann nicht auch die Reisekosten tragen, wäre das dann fair?
Klar, der Arbeitgeber soll sie ja auch zahlen.

Mich besorgt viel eher der Umkehrschluss. Jemand soll sich also erst mal vollständig nackig machen, bevor auch nur durch einen einzigen Cent von der Gesellschaft am Leben gehalten wird.
Ja, wenn man das so extrem ausdrücken will. Frag doch mal Pflegebedüftige und ihre Angehörigen, wie das da so läuft, bevor der Staat etwas übernimmt.

Viel mehr ist ja Hartz IV nicht, quasi eine soziale Herz-Lungen-Maschine in der Hoffnung, das der Hartz-Koma-Patient irgendwann aus eigener Kraft wieder aufwacht und das Bett verlässt.
Nein, Hartz IV ist der Versuch, durch angedrohte staatliche Versklavung Menschen zu jeder Arbeitsaufnahme zu zwingen. Ich würde das morgen abschaffen.

Bis dahin bekommt er regelmäßig staatliche Elektroschocks und wenn er nicht atmet, wie gewünscht, dann wird er auch schon mal sanktioniert - dann wird halt die Maschine auf kleinere Stufe gestellt oder auch vorübergehend ganz abgeschaltet. Zu polemisch oder treffend?
Genau das war das Ziel dieses wirtschaftsgesteuerten Gesetzes.

Wo wollen wir denn mit unserer Gesellschaft hin? Wollen wir in die Richtung gehen, in die die meisten anderen kapitalistischen Länder gehen?
Ja, da will anscheinend eine Mehrheit derzeit hin. Ich nicht. Aber ich kann alleine woanders hin wenn es brenzlig wird. Solange kämpfe ich dafür, dass es nicht so kommt.

Weil Du von "Fairness" sprichst: Ist es denn fair, dass jemand nach einem ganzen Arbeitsleben und im Falle von Deutschland überreichlich gezahlten Steuern zur Ader gelassen und jemandem gleich gestellt wird, der noch nie irgendwas für das Land getan hat?
Nein, wenn er überreichlich Steuern gezahlt hat, nicht. Aber die, die überreichlich in ihrem Leben Steuern gezahlt haben, wird das wohl nicht betreffen. Auch wenn der Durchschnittsverdiener tatsächlich meint, er würde schon mehr Steuern zahlen als er dem Staat Kosten verursacht hat.

Es ist nämlich auch nicht zu erklären, warum eine Pflegekraft nach etlichen Doppelschichten im Monat mit weniger Geld nach Hause geht, als ein Hausmeister bei guter Adresse, der nur mal lasziv-gelangweilt eine Firma anruft, weil eine Lampe kaputt ist.
Ein Grundeinkommen könnte das sofort ändern.

Und diese Pflegekraft ist im Falle von Arbeitslosigkeit sofort und direkt auf Zuschusszahlungen angewiesen, weil die Versicherungsleistung von ALG I nicht zum Leben reicht - die sie aber nur dann bekommt, wenn sie vorher sogar noch das Geld aufbraucht, was sie sich vom Mund abgespart hat.
Ein Grundeinkommen würde das sofort ändern.

Nicht falsch verstehen: Ich kann Deinen Standpunkt nachvollziehen. Nur halte ich die Denkweise für zu extrem ökonomisch geprägt und unsozial.
Ich möchte kein Hartz IV. Hartz IV ist unsozial. Schonvermögen sind es aber auch, weil es die Ärmsten wieder aufteilt in Ärmste mit Vermögen und Ärmste ohne Vermögen. Sozial bedeutet aber, wir behandeln die Menschen dann gleich.

Wir können sie aber auch einfach menschlich behandeln: Hartz IV abschaffen, Arbeitspflicht abschaffen, Grundeinkommen einführen. Ende, aus.

Das ist aber mit den Parteien, die derzeit Mehrheiten bekommen, nicht machbar. Die leben von Ungleichbehandlung und Förderung der Superreichen. Wenn wir Vermögen in Deustchland nicht nur asozial verteilen würden, bräuchten wir kein Hartz IV.
 
Ich verstehe dein Problem grade überhaupt nicht.
Wenn du 5 € über Hartz4 hast, wieso um Gottes Willen kannst du denn keine Rücklagen bilden????
Kann ich, vermutlich genau die 5 Euro... Oder auch nicht, weil Erwerbstätige eben mehr Ausgaben haben als Hartz IV Empfänger, dass aber keine Berücksichigung findet bei der Steuer.

Und wenn so ein kleiner Existenzgründer gern Leute einstellen will, aber noch nicht so viele Rücklagen hat, weil er Kaution für den Laden bezahlen muss und die Einrichtung und weitere Kosten, dann darf er keine Stellen ausschreiben
Wenn er Menschen einstellen will, dann soll er auch die Fahrkosten zu Bewerbungsgesprächen zahlen. Wer den Kuchen bestellt, der zahlt.

Genau... für all diese Eventualitäten soll jeder Hartz IV Empfänger abhängig von seinem Alter bis zu 10.000 Euro Rücklagen bilden dürfen und trotzdem soll das Brot und die Miete von der Allgemeinheit gezahlt werden. Ich finde, er soll sich erstmal Brot und Miete davon kaufen und wenn es dann nicht mehr reicht und Eventualitäten kommen, dann darf er die Allgemeinheit noch mal fragen.

...man will ja nicht ewig beim Amt bleiben, aber wenn du die Gesetze machen würdest, hätten die Leute noch weniger Möglichkeiten...
Wenn ICH die Gesetzt machen würde, hätte jeder ein Grundeinkommen und bräuchte nicht beim Staat zu betteln. Wenn ich die Gesetze machen würde, dann gäbe es eine Vermögenssteuer. Wenn ich die Gesetze machen würden, dann könnte sich in Deutschland kein Unternehmen vor den Steuern drücken.

Und wenn du kurz über Hartz4 bist, dann bekommst du übrigens -auf Antrag- genau die gleichen Einmalleistungen, wie die Leute, denen du hier die letzte Reserve wegnehmen möchtest...

Ich will gar niemandem was wegnehmen. Ich würde den Menschen mehr geben. Jeden Monat. Fix. Und ob derjenige das dann spart oder auf den Kopf haut, ist mir völlig egal. Aber für alle gleich (Ausnahmen bestätigen die Regel, zum Beispiel für Schwerkranke) und nicht für Menschen mit Vermögen besser und alle anderen schauen in die Röhre.
 
Kann ich, vermutlich genau die 5 Euro... Oder auch nicht, weil Erwerbstätige eben mehr Ausgaben haben als Hartz IV Empfänger, dass aber keine Berücksichigung findet bei der Steuer.

Du hast das System irgendwie falsch wahrgenommen.
Wenn du 5 € über Hartz4 bist, dann hast du diese Kosten bereits abgerechnet bekommen vom Einkommen, du hast also Hartz4 plus Miete+Heiz-/Nebenkosten plus Fahrtkosten plus AN-Freibetrag plus Sonderausgaben plus diese 5 €...

Und dann sind im Hartz4-Satz schlicht und ergreifend laut Gesetz Rücklagen eingerechnet.
Es gibt nicht mehr Kleidungsgeld, wie früher, sondern du musst die Kleidung ansparen.
Es gibt kein Geld mehr für kaputte Möbel, das sollst du von den 35 € Energie/Wohnen/Instandsetzung ansparen. Und wenn du zum Ansparen verpflichtet bist, dann musst du auch den angesparten Betrag irgendwo parken dürfen. Und das nennt man eben Schonvermögen.
Hast du kein Schonvermögen bekommst du ein Darlehen.


Ich will gar niemandem was wegnehmen. Ich würde den Menschen mehr geben. Jeden Monat. Fix. Und ob derjenige das dann spart oder auf den Kopf haut, ist mir völlig egal. Aber für alle gleich (Ausnahmen bestätigen die Regel, zum Beispiel für Schwerkranke) und nicht für Menschen mit Vermögen besser und alle anderen schauen in die Röhre.

Niemand schaut in die Röhre, schon weil es die Ausnahme ist, dass Immobilien schuldenfrei sind,
dazu laufen die Finanzierungen viel zu konservativ in der Regel. Ist die Rate abgegolten brauchst du einen neuen Kredit, weil Dach kaputt, neue Pflichten, Heizung, Fenster...und dann gehört das Haus wieder nicht dir, sondern der Bank. Alles Andere ist die Ausnahme.
 
Also da wir uns bei der Einschätzung über Hartz IV und dem Wunsch nach BGE einig zu sein scheinen, gehe ich mal nur auf den Rest ein:

Wenn das vorher nicht in der Einladung stand, würde ich das als Hartz IV Empänger einfach einklagen.
Das kannst Du natürlich machen. Zunächst musst Du es aber erst mal bezahlen. Wovon?

Bezahlst Du nicht, hast Du kein Bewerbungsgespräch. Hast Du kein Bewerbungsgespräch, hast Du keine Chance auf einen Job. Ist es der Gesellschaft lieber, jemanden wieder in Arbeit zu bringen oder ist es uns lieber, Firmen zu verklagen?

Genau das Gleiche gilt übrigens für einen Wohnortwechsel für einen Job. Meiner Ansicht nach auch eine Sache, die der Arbeitgeber bezahlen muss. Aber so läuft es nicht; oder zumindest nur bei sehr begehrten Arbeitskräften der gehobenen Führungsebene und seltenen Spezialisten. Wenn hier das Amt nicht die Kosten übernähme, käme auch kein Arbeitsvertrag zustande.

Aber die, die überreichlich in ihrem Leben Steuern gezahlt haben, wird das wohl nicht betreffen.
Warum? Technologien ändern sich, begehrte Spezialisten von heute können überflüssige Leute von morgen sein. Bin schon mit einem Taxi gefahren, wo der Fahrer ein alter Professor Doktor Doktor war, der viele Jahre in der Forschung tätig war, aber dann schlagartig kein Geld mehr bekommen hat und auch sonst kein Interesse mehr an seiner Forschung bestand.

Wie weit ist denn ein Taxifahrer von Hartz IV weg? Oder wenn er eine "Umschulung" gemacht hätte. Wie gut wäre er wohl als ein in die Jahre gekommener Berufsquereinsteiger?

Hartz IV ist unsozial. Schonvermögen sind es aber auch, weil es die Ärmsten wieder aufteilt in Ärmste mit Vermögen und Ärmste ohne Vermögen. Sozial bedeutet aber, wir behandeln die Menschen dann gleich.
Schöner Gedanke, aber ich behaupte, dass wir beide es nicht mehr erleben, dass es ein BGE gibt. Was man also in ein paar Jahren oder Jahrzehnten erreichen kann ist, dass vielleicht Hartz IV nochmal überarbeitet und sozialer gemacht wird. Dann würde man unter Deiner Federführung das Schonvermögen abschaffen und unter meiner Federführung verdoppeln.

Unter der Prämisse, dass Hartz IV an sich so alternativlos ist, wie so vieles dieser Tage und zumindest unsere Generation nicht mehr in den Genuss von BGE kommen wird; wäre den Menschen mehr gedient mit doppeltem Schonvermögen oder ohne? Schadet ein doppeltes Schonvermögen oder nutzt eine Streichung der Gesellschaft?

Das ist aber mit den Parteien, die derzeit Mehrheiten bekommen, nicht machbar. Die leben von Ungleichbehandlung und Förderung der Superreichen.
Schreib das doch mal der SPD. Die grübeln nämlich noch immer, warum sie nicht mehr so zahlreich gewählt werden und wollen noch immer durch ihr bedingungsloses JA zu Europa mit Schulz punkten.

Davon abgesehen war die Linkspartei mit Gysi auch lange Zeit mehrheitlich gegen das BGE (Gysi im Interview). Eigentlich hat sich der Gedanke erst im letzten Jahr in der Linkspartei mehrheitlich durchgesetzt. Jetzt haben sie es im Parteiprogramm. Mein Gefühl bei der Sache (was nicht stimmen muss) ist, dass es sich nur deshalb in der Partei durchgesetzt hat, weil alle anderen dagegen sind...
 
Du hast das System irgendwie falsch wahrgenommen.
Nein, ganz sicher nicht.
Wenn du 5 € über Hartz4 bist, dann hast du diese Kosten bereits abgerechnet bekommen vom Einkommen, du hast also Hartz4 plus Miete+Heiz-/Nebenkosten plus Fahrtkosten plus AN-Freibetrag plus Sonderausgaben plus diese 5 €...
"plus Fahrkosten"? Wer erstattet mir denn die Fahrkosten zur Arbeit? Ich zumindest kenne nur die Entfernungspauschale von 30 Cent pro einfachem Kilometer, die ich von der Steuer absetzen kann. Wer ein paar Euro über Hartz IV verdient, bekommt also nur einen Bruchteil (10-15%) über die Steuererklärung zurück.

Ein Beispiel: Ich habe eine Fahrtstrecke von 93 km, macht ca. 6.000 Euro Entfernungspauschale, die ich von der Steuer absetzen kann. Bei meinem derzeitigen Steuersatz bekomme ich ungefähr 2.000 Euro Steuern erstattet dadurch. Meinst Du wirklich, ich kann von 2.000 einen PKW mit allen Kosten bezahlen, der mich 40.000 km im Jahr befördert?

Und dann sind im Hartz4-Satz schlicht und ergreifend laut Gesetz Rücklagen eingerechnet.
Es gibt nicht mehr Kleidungsgeld, wie früher, sondern du musst die Kleidung ansparen.
Genau, und bei manchen Arbeitnehmern, die eben nicht jeden Tag mit den Uralt-Klamotten zur Arbeit gehen können, fallen da zusätzliche Kosten an.

Niemand schaut in die Röhre, schon weil es die Ausnahme ist, dass Immobilien schuldenfrei sind,
dazu laufen die Finanzierungen viel zu konservativ in der Regel.
Bei den Rentnern ist die Quote der Schuldenfreiheit laut Statistik bei ca. 75%.

Das kannst Du natürlich machen. Zunächst musst Du es aber erst mal bezahlen. Wovon?
Das kläre ich doch vorher mit dem Arbeitgeber, wenn ich da 200 Euro für eine Zugfahrt ausgeben soll nur für ein Bewerbungsgespräch. Zumindest dann, wenn ich das Geld nicht habe.

Bezahlst Du nicht, hast Du kein Bewerbungsgespräch. Hast Du kein Bewerbungsgespräch, hast Du keine Chance auf einen Job. Ist es der Gesellschaft lieber, jemanden wieder in Arbeit zu bringen oder ist es uns lieber, Firmen zu verklagen?
Ist es dem potentiellen Arbeitgeber wert, die Fahrkosten für einen Mitarbeiter zu übernehmen. Wir reden ja hier bei solchen Entfernungen schon über qualifizierte Arbeit, oder?

Genau das Gleiche gilt übrigens für einen Wohnortwechsel für einen Job. Meiner Ansicht nach auch eine Sache, die der Arbeitgeber bezahlen muss. Aber so läuft es nicht; oder zumindest nur bei sehr begehrten Arbeitskräften der gehobenen Führungsebene und seltenen Spezialisten. Wenn hier das Amt nicht die Kosten übernähme, käme auch kein Arbeitsvertrag zustande.
Das Amt übernimmt doch die Umzugskosten. Wo ist das Problem?

Warum? Technologien ändern sich, begehrte Spezialisten von heute können überflüssige Leute von morgen sein.
Ja, aber solche Ausnahmen bestätigen die Regel eher. Wieviele Menschen kannst Du geschätzt ausmachen, die von einem Jahresgehalt im Spitzensteuersatzbereich später auf Hartz IV fallen?

Schöner Gedanke, aber ich behaupte, dass wir beide es nicht mehr erleben, dass es ein BGE gibt. Was man also in ein paar Jahren oder Jahrzehnten erreichen kann ist, dass vielleicht Hartz IV nochmal überarbeitet und sozialer gemacht wird. Dann würde man unter Deiner Federführung das Schonvermögen abschaffen und unter meiner Federführung verdoppeln.
Unter meiner Federführung würde Hartz IV abgeschafft. Ich bin doch kein Sozialdemokrat in dieser Sache.

Unter der Prämisse, dass Hartz IV an sich so alternativlos ist, wie so vieles dieser Tage und zumindest unsere Generation nicht mehr in den Genuss von BGE kommen wird
Eine Annahme, die ich nicht teile. Hartz IV gibt es nun wie lange? Und aus nicht mal zwei Jahrzehnten zu schliessen, das könnte sich in 50 Jahre nicht ändern ist absurd.

wäre den Menschen mehr gedient mit doppeltem Schonvermögen oder ohne? Schadet ein doppeltes Schonvermögen oder nutzt eine Streichung der Gesellschaft?
Es kostet Geld, was man woanders sinnvoller verwenden könnte, als es Hartz IV Empfängern zur freien Verfügung zu lassen. Es handelt sich immerhin vermutlich um einige Milliarden Euro, die da so schlummern könnten.

Schreib das doch mal der SPD. Die grübeln nämlich noch immer, warum sie nicht mehr so zahlreich gewählt werden und wollen noch immer durch ihr bedingungsloses JA zu Europa mit Schulz punkten.
Ich muss das denen nicht schreiben, ich habe häufiger persönlich mit denen zu tun.

Davon abgesehen war die Linkspartei mit Gysi auch lange Zeit mehrheitlich gegen das BGE.
Mag sein, da bin ich auch kein Mitglied. Macht vielleicht Sinn, sich mal etwas komplett Neues anzuschauen. Sowas wie die hier spricht mich schon sehr an: https://bewegung.jetzt/
 
"plus Fahrkosten"? Wer erstattet mir denn die Fahrkosten zur Arbeit? Ich zumindest kenne nur die Entfernungspauschale von 30 Cent pro einfachem Kilometer, die ich von der Steuer absetzen kann. Wer ein paar Euro über Hartz IV verdient, bekommt also nur einen Bruchteil (10-15%) über die Steuererklärung zurück.

Ein Beispiel: Ich habe eine Fahrtstrecke von 93 km, macht ca. 6.000 Euro Entfernungspauschale, die ich von der Steuer absetzen kann. Bei meinem derzeitigen Steuersatz bekomme ich ungefähr 2.000 Euro Steuern erstattet dadurch. Meinst Du wirklich, ich kann von 2.000 einen PKW mit allen Kosten bezahlen, der mich 40.000 km im Jahr befördert?

https://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensbereinigung

Bei den Rentnern ist die Quote der Schuldenfreiheit laut Statistik bei ca. 75%.

Und wieviel Reparaturbedarf ist da, weil die Rentner keinen Kredit mehr kriegen?
 
Das kläre ich doch vorher mit dem Arbeitgeber, wenn ich da 200 Euro für eine Zugfahrt ausgeben soll nur für ein Bewerbungsgespräch. Zumindest dann, wenn ich das Geld nicht habe. Ist es dem potentiellen Arbeitgeber wert, die Fahrkosten für einen Mitarbeiter zu übernehmen. Wir reden ja hier bei solchen Entfernungen schon über qualifizierte Arbeit, oder?
Wir reden durchaus von qualifizierter Arbeit, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass eben nicht jeder Arbeitgeber die Fahrkosten übernimmt. Besonders dann nicht, wenn er weiß, dass im Zweifel auch das Amt dafür aufkommt.

Manchmal schreibt das ein Arbeitgeber direkt unverblümt in die Email, dass die Kosten für Reise und Unterkunft nicht übernommen werden können. Wenn man sich als Arbeitnehmer verändern möchte und aktuell in ungekündigter Stellung ist, kann man für sich selbst ja abwägen, ob einem die neue potenzielle Stelle X hundert Euro wert ist oder nicht. Notfalls lehnt man dann höflich den Geizhals ab und sucht weiter. Steht man aber als Arbeitsloser unter Zeitdruck und womöglich schon mit dem Rücken zur Wand und muss nach jedem Strohhalm greifen (also Hartz IV), dann sieht es anders aus.

Das Amt übernimmt doch die Umzugskosten. Wo ist das Problem?
Hier gilt das gleiche Argument wie bei den Bewerbungskosten. Wenn der Umzug relativ zeitnah erfolgen muss, muss man das Geld vorauslegen. Alternative ist das Schlafen unter einer beschaulichen Brücke, Hotel oder das Pendeln.

Erschwerend käme hinzu, wenn man jetzt Wohneigentum hat. Das zu einem halbwegs guten Preis zu verkaufen und eine passende Immobilie vor Ort zum gleichen Preis (oder darunter) vor Ort zu finden, halte ich für ausgeschlossen. Je nach Stadt ist das Suchen einer halbwegs passenden Wohnung in Nähe der Arbeitsstätte und/oder nicht völlig herunter gekommenen Gegend schon eine Tortur. Dann Mietkaution oder Genossenschaftsanteile vor strecken, den Umzug selbst zahlen, Renovierung,... - wir reden hier von mehreren tausend Euro. Und das Amt benötigt von der Antragstellung bis zum Zahlungseingang auf dem Konto je nach Auslastung bis zu 8 Wochen! Das variiert zwar von Stadt zu Stadt und hängt auch davon ab, wie überlastet die Mitarbeiter der ARGE sind, aber dass das Geld binnen einer oder 2 Wochen auf dem Konto wäre, habe ich noch nicht gehört.

Auch hier wieder: Ohne Rücklagen funktioniert das mit dem Umzug nicht, auch mit dem Hotel nicht und nicht mal das Pendeln. Bleibt nur die Brücke.

Ja, aber solche Ausnahmen bestätigen die Regel eher. Wieviele Menschen kannst Du geschätzt ausmachen, die von einem Jahresgehalt im Spitzensteuersatzbereich später auf Hartz IV fallen?
Genau diesen Fall kenne ich nicht. Aber ich kenne 2 Fälle, wo es zumindest knapp war. Die waren in mittlerer (oder gehobener) Führungsposition und wollten sich nicht verschlechtern. Haben also wieder eine Stelle als HeadOf oder in der C-Ebene gesucht. Gab es aber nicht, bzw. nicht zu akzeptablen Konditionen. Nach fast einem Jahr haben sie dann kurzerhand eine Stelle ohne Führungsverantwortung angetreten zu wesentlich schlechteren Konditionen. Und das war dann auch schon fast Glück, dass sie die bekommen haben, weil die Alternative dann nur noch Hartz IV gewesen wäre.

Nun ist die Frage, wie knapp es in den Fällen wirklich war. Gäbe es keine Angebote auf dem Markt für Fachkräfte ohne Führungsaufgaben oder ist man mental einfach nicht in der Lage vom Boss zum Befehlsempfänger flexibel zu wechseln, dann ist Hartz IV relativ schnell real.

Eine Annahme, die ich nicht teile. Hartz IV gibt es nun wie lange? Und aus nicht mal zwei Jahrzehnten zu schliessen, das könnte sich in 50 Jahre nicht ändern ist absurd.
Ich bin 1974 geboren. Ich lebe doch keine 50 Jahre mehr! Und selbst wenn ich so viel Pech haben sollte, will ich doch keine 50 Jahre mehr arbeiten müssen! Für mich relevant sind die nächsten 20-30 Jahre. Und was die Rente betrifft (also das Thema BGE nur streift), die nächsten 40. Aber das war's dann auch.

Es kostet Geld, was man woanders sinnvoller verwenden könnte, als es Hartz IV Empfängern zur freien Verfügung zu lassen. Es handelt sich immerhin vermutlich um einige Milliarden Euro, die da so schlummern könnten.
Ja, nun komm. Also selbst wenn es Milliarden wären (was ich persönlich nicht mal glaube), dann finde ich die da noch immer besser investiert als in den BER. Du tust ja gerade so, als würde unsere Regierung äußerst gewissenhaft mit dem Steuergeld umgehen und knallhart kalkulieren. Wieder bei den ärmsten der Gesellschaft anzufangen mit der Lupe zu schauen, wo anderswo Steuerschlupflöcher zum Teil bewusst geschaffen und sorglos Milliarden verschwendet werden, halte ich für falsch. Wenn der Staat Geld benötigt, fielen mir auf der Stelle wenigstens 10 Punkte ein, wo man vorher mal ran gehen könnte und wo es niemandem wirklich schadet.
 
Wir reden durchaus von qualifizierter Arbeit, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass eben nicht jeder Arbeitgeber die Fahrkosten übernimmt. Besonders dann nicht, wenn er weiß, dass im Zweifel auch das Amt dafür aufkommt.
Deshalb sollte das Amt einfach dafür nicht aufkommen, dann kann der Arbeitgeber das Argument auch nicht mehr nutzen.

Manchmal schreibt das ein Arbeitgeber direkt unverblümt in die Email, dass die Kosten für Reise und Unterkunft nicht übernommen werden können. Steht man aber als Arbeitsloser unter Zeitdruck und womöglich schon mit dem Rücken zur Wand und muss nach jedem Strohhalm greifen (also Hartz IV), dann sieht es anders aus.
Qualifizierte Kräfte sind derzeit nachgefragt. Kein Arbeitgeber wird auf einen fähigen und qualifizierten Bewerber verzichten wegen dieser Kostenerstattung. Arbeitgeber zahlen Headhuntern im IT Bereich derzeit 5-stellige Summen für fähige Bewerber, da spielen diese Kosten keine Rolle. Das mag bei Jobs mit niedrigerer Qualifikationsbeschreibung anders sein, da muss man aber auch keine 200 km Umkreis bei der Suche anlegen.

Hier gilt das gleiche Argument wie bei den Bewerbungskosten. Wenn der Umzug relativ zeitnah erfolgen muss, muss man das Geld vorauslegen. Alternative ist das Schlafen unter einer beschaulichen Brücke, Hotel oder das Pendeln.
Wie lange dauert denn solch eine Entscheidung über die KOstenübernahme im Normalfall? 2 Wochen?

Erschwerend käme hinzu, wenn man jetzt Wohneigentum hat. Das zu einem halbwegs guten Preis zu verkaufen und eine passende Immobilie vor Ort zum gleichen Preis (oder darunter) vor Ort zu finden, halte ich für ausgeschlossen.
Wie machen das denn Arbeitnehmer, die bisher einen Job hatten und wechseln etc... Sind Hartz IV Empfänger grundsätzlich nicht mehr selbstständig zum Handeln befähigt? Muss der Staat ihm jedes Problem aus der Hand nehmen und lösen?

Ich bin 1974 geboren. Ich lebe doch keine 50 Jahre mehr! Und selbst wenn ich so viel Pech haben sollte, will ich doch keine 50 Jahre mehr arbeiten müssen! Für mich relevant sind die nächsten 20-30 Jahre.
Politische relevanz hört für Dich also mit der Rente auf? Bedeutet das auch, dass Bildungspolitik Dir jetzt völlig schnuppe ist, weil Du ja nicht mehr zur Schule gehst? Und wenn Du in Rente bist interessiert Dich nur noch die Rentenhöhe und die Pflegestufe?

Ja, nun komm. Also selbst wenn es Milliarden wären (was ich persönlich nicht mal glaube), dann finde ich die da noch immer besser investiert als in den BER.
4,4 Mio Menschen beziehen Hartz IV. Jeder 500 Euro rumliegen, schon sind es 2,2 Mrd... Vermutlich bei einigen deutlich mehr. Bei den Menschen mit Eigenheim z.B.

Du tust ja gerade so, als würde unsere Regierung äußerst gewissenhaft mit dem Steuergeld umgehen und knallhart kalkulieren.
Nö, tun sie nicht. Und weil sie es links zum Fenster rauswerfen, sollen sie das auch rechts.

Wieder bei den ärmsten der Gesellschaft anzufangen mit der Lupe zu schauen, wo anderswo Steuerschlupflöcher zum Teil bewusst geschaffen und sorglos Milliarden verschwendet werden, halte ich für falsch.
Ich auch. Bei den Ärmsten anfangen sollen sie trotzdem. Mit einem Grundeinkommen. Die einzige Änderung an Hartz IV ist die direkte Abschaffung und Ablösung durch ein BGE. Punkt. Habe ich irgendwo was anderes geschrieben?

Ich halte die derzeitige Regelung mit dem Schonvermögen für unsozial. Das heisst aber nicht, dass ich nur das ändern würde. Du implizierst das aber anscheinend.

Danke, kann ich noch gar nicht. Das bedeutet bei mir, wenn ich 21 Tage im Monat 186km pro Tag fahre, daß bei mir 781,20 Euro von meinem Netto bei der Kalkulation abgezogen werden. Dann kann ich ja jetzt Aufstockung beantragen bei Frau und 3 Kindern. Irre.

Und wieviel Reparaturbedarf ist da, weil die Rentner keinen Kredit mehr kriegen?
Das weiß ich nicht, hast Du Zahlen?
 
Wie lange dauert denn solch eine Entscheidung über die KOstenübernahme im Normalfall? 2 Wochen?

eher normal 6 - 8 Wochen, ist der Antragsteller unbequem bis zu 5 Monate

Und dann nicht vergessen, es gibt eine Quasi-Pflicht, aus dem Hartz4-Satz Rücklagen zu bilden.
Nur wenn man zusätzlich Schulden hat, dann würden die Rücklagen ja gepfändet, also beisst sich die Katze in den Schwanz. Trotzdem sind ein paar Euro Reserve wichtig für Jedermann...


Danke, kann ich noch gar nicht. Das bedeutet bei mir, wenn ich 21 Tage im Monat 186km pro Tag fahre, daß bei mir 781,20 Euro von meinem Netto bei der Kalkulation abgezogen werden. Dann kann ich ja jetzt Aufstockung beantragen bei Frau und 3 Kindern. Irre.

Und die Versicherungen nicht vergessen, wenn man laut Mietvertrag oder Arbeitsvertrag oder wegen der Finanzierung des Autos/der Wohnung Versicherungen abschließen muss, dann werden die vom Amt auch übernommen, es muss nur eine Pflicht bestehen...

Das weiß ich nicht, hast Du Zahlen?

Nein, ich weiß halt nur, dass in meinem Umfeld viele Rentner in reparaturbedürftigen Häusern wohnen, weil sie selbst aus Altersgründen keinen Kredit mehr bekommen und weil die Kinder wissen, dass es beim Verkauf wenig ausmacht, dass ein Reparaturbedarf besteht.
Der Verkaufspreis richtet sich nach Grundstückspreis + umbauter Raum, dazu kommt der prinzipielle Standard, also ob es ein einfacher Standard ist oder hochwertig ausgestattet.

Es ist manchmal gruselig, wie egal es den Kindern ist, wie die Eltern leben, auch weil sie sich oft den Kredit für das Haus der Eltern auch nicht leisten können.
 
Wie lange dauert denn solch eine Entscheidung über die KOstenübernahme im Normalfall? 2 Wochen?
In einem Fall, der mir persönlich bekannt ist (darüber hinaus auch der einzige Fall), hat es 6 Wochen gedauert.

Wie machen das denn Arbeitnehmer, die bisher einen Job hatten und wechseln etc...
Die planen doch ganz anders. Wenn Du einen Job hast und Dich verändern willst, dann schaust Du doch parallel nach Immobilien und Job. Und nur wenn beides passt, wechselt Du. Als Hartz IV-Empfänger hast Du doch den Druck, gar nichts ablehnen zu dürfen ohne die Gefahr einzugehen, dass Dir die paar Puselappen, die Dir monatlich hin geschmissen werden, auch noch gekürzt oder ganz gestrichen zu bekommen. Da sinken die Chancen, was passendes zu finden, drastisch. Besonders, weil es auch für den Arbeitgeber einen Unterschied macht, ob man sich aus ungekündigter Stellung oder aus Hartz IV heraus bewirbt. Man wird auch ganz anders behandelt.

Politische relevanz hört für Dich also mit der Rente auf?
Nein, aber es betrifft mich dann nicht mehr oder nur noch am Rande. Infolgedessen sinkt auch die Priorität für mich. Nicht, dass es mir egal wird, aber dann sind andere Dinge halt wichtiger.

Bedeutet das auch, dass Bildungspolitik Dir jetzt völlig schnuppe ist, weil Du ja nicht mehr zur Schule gehst?
Nein, weil die nächste Generation meine Rente verdienen muss. Wenn die Schulen nur noch Deppen produzieren, dann muss ich entweder damit leben, mit niemandem mehr in deutsch sprechen zu können oder noch mit 80 arbeiten gehen zu müssen. Beides will ich nicht.

Und wenn Du in Rente bist interessiert Dich nur noch die Rentenhöhe und die Pflegestufe?
Na auf alle Fälle haben diese Themen für mich dann absolute Priorität.

4,4 Mio Menschen beziehen Hartz IV. Jeder 500 Euro rumliegen, schon sind es 2,2 Mrd...
Ui, fast ein Viertel BER. Marty, was sind denn bitte 2,2 Milliarden Euro im deutschen Haushalt? Meinst Du das jetzt ernst?

Man geht aktuell davon aus, dass dem Fiskus durch Steuerflucht jährlich 100 Milliarden Euro entgehen (Focus Money). Für die Merkelschen Flüchtlinge werden jedes Jahr 10 Milliarden Euro aufgewendet. Jährlich werden Steuern in Höhe zwischen 13 und 60 Milliarden Euro hinterzogen.

Und weil sie es links zum Fenster rauswerfen, sollen sie das auch rechts.
Nein, aber Eisenhower-Prinzip? Oder eben eine Abwandlung davon? Vielleicht erst mal die dringenden und wesentlich größeren Dinge angehen? Das Schonvermögen der Hartzis fällt doch in die Rubrik "Feintuning".

Die einzige Änderung an Hartz IV ist die direkte Abschaffung und Ablösung durch ein BGE. Punkt. Habe ich irgendwo was anderes geschrieben?
Nein. Aber das wird es nicht geben.

Ich halte die derzeitige Regelung mit dem Schonvermögen für unsozial. Das heisst aber nicht, dass ich nur das ändern würde. Du implizierst das aber anscheinend.
Ja, weil Du geschrieben hast, dass Du das "Schonvermögen abschaffen" würdest (weil unsozial, ungerecht), was bedeutet, dass Hartz IV an sich so gelassen wird und eben das Schonvermögen abgeschafft wird.

Inzwischen sprichst Du nur noch von "Hartz IV" abschaffen. Völlig ok, aber damit hat sich auch Deine Argumentation völlig verändert.
 
Ui, fast ein Viertel BER. Marty, was sind denn bitte 2,2 Milliarden Euro im deutschen Haushalt? Meinst Du das jetzt ernst?
Natürlich. Der Bundeshaushalt für Bildung beträgt 2017 exakt 17,6 Mrd. Euro.... 2,2 Mrd. sind 12,5%, die man da mehr verwenden könnte.

Man geht aktuell davon aus, dass dem Fiskus durch Steuerflucht jährlich 100 Milliarden Euro entgehen
Whataboutism sagt Dir etwas? 2,2 Mrd sind also nur "Peanuts", weil es andere, größere Löcher gibt?

Inzwischen sprichst Du nur noch von "Hartz IV" abschaffen. Völlig ok, aber damit hat sich auch Deine Argumentation völlig verändert.
Die Meinung hatte ich aber schon immer. Hätte ich früher erwähnen sollen.
 
Whataboutism sagt Dir etwas?
Nein, musste ich googlen. Jetzt weiß ich es.

Passt aber nicht, weil es in dem Zusammenhang Quatsch ist. Wenn mir im Bad ein Rohr bricht, dann repariere ich zuerst das bevor ich mich um den tropfenden Hahn in der Küche kümmere. Relation wahren!

Außerdem will ich auch gar nicht davon ablenken, dass das Problem gibt. Du hast doch recht - jeder hat andere Rücklagen und damit nutzt jeder das Schonvermögen anders aus. Während der eine den Mercedes seiner nicht im Haushalt lebenden Freundin überschreiben muss, hat ein anderer nicht mal 500 Euro auf dem Konto. Aber erstens wird es immer so sein, dass 2 Menschen unterschiedlich viel Eigentum haben. Und zweitens ist die Frage doch eine andere. Nämlich "wann ist jemand hilfebedürftig?".

Nur ist es in Deutschland (und den meisten kapitalistischen Ländern der Welt) üblich, dass immer von "unten nach oben" geschröpft wird und ganz oben werden dann die Geschenke verteilt. Wenn man sich über soziale Ungerechtigkeit im Lande ärgert, dann gibt es ganz andere Baustellen, die wesentlich dringender sind und deren Beseitigung auch bedeutend profitabler. Und wenn man diese Löcher gestopft hat, dann kann man sich auch mal um die Schonvermögen kümmern. Wobei ich nicht sehe, dass jedwede Höhe einer Rücklage bereits "Luxus" ist.
 
Spahn bekräftigt Hartz-Position

Folgende News wurde am 13.03.2018 um 16:07:53 Uhr veröffentlicht:
Spahn bekräftigt Hartz-Position
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Berlin (dpa) - Nach der Welle der*Kritik an den Hartz-IV-Äußerungen des designierten Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU) wird der Ruf nach einer umfassenden Reform für Langzeitarbeitslose lauter.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mahnte: «Unser Ziel muss höher gesteckt sein, als dass die Menschen von Hartz IV oder anderen Transferleistungen leben.»*In der Debatte um die Arbeit der Tafeln hatte Spahn für Empörung gesorgt mit der Aussage, mit Hartz IV habe jeder, was er zum Leben brauche. «Niemand müsste in Deutschland hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe». Der kommissarische SPD-Chef Olaf Scholz wies die Äußerungen zurück. Spahn selbst bekräftigte am Dienstag seinen Standpunkt.*
«Natürlich ist es schwierig, mit so einem kleinen Einkommen umgehen zu müssen wie es Hartz IV bedeutet»,*sagte Spahn in einer n-tv-Talkshow.*Das decke*nur die Grundbedürfnisse ab.*«Das habe ich auch nicht in Frage gestellt.» Wichtig zu sehen sei aber, dass das Sozialsystem*für*jeden ein Dach über dem Kopf vorsehe*«und für jeden das Nötige, wenn es ums Essen geht».
Alleinstehende*Hartz-IV-Empfänger bekommen 416 Euro pro Monat. Bei Paaren gibt es 374 Euro pro Person. Diese Grundsicherung war mit der Agenda 2010 des Ex-Kanzlers Gerhard Schröder (SPD) eingeführt worden. Arbeitslose sollten gefördert und gefordert werden.
Der Ostbeauftragte der neuen Bundesregierung, Christian Hirte, zeigte Verständnis für Spahns Äußerungen. Zwar hätte er diese so nicht getroffen, aber jeder habe seinen eigenen Politikstil, sagte Hirte dem rbb. Spahns Hinweis sei «nicht völlig falsch gewesen». «Natürlich ist es so, dass, formal gesehen, ein Hartz-IV-Empfänger arm ist. Aber der Jens Spahn hat auch recht, dass wir versuchen mit Hartz IV eben dafür zu sorgen, dass keiner völlig durchs Raster fällt.»
Unionsfraktionschef Volker Kauder hingegen kritisierte indirekt die Spahn-Äußerungen. Er verwies auf CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Diese habe einen sehr richtigen Satz gesagt: «Wer in Größenordnungen verdient wie wir, sollte sehr vorsichtig umgehen, wenn er über andere Leute Armut spricht.»
An diesem Mittwoch soll Spahn als neuer Gesundheitsminister vereidigt werden.*SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil verwies auf den Koalitionsvertrag. «Wir haben ein großes Paket gegen Kinderarmut geschnürt, wir haben uns mit dem Bereich der Altersarmut beschäftigt. Das sind anscheinend Punkte, die Herr Spahn nicht mitbekommen hat», sagte Klingbeil der Deutschen Presse-Agentur. Ob auch der Hartz-IV-Regelsatz erhöht werden solle, werde in der SPD diskutiert.*
Der Chef der CSU im Bundestag, Alexander Dobrindt, verteidigte Spahn. Hartz IV sei eine Solidarleistung zur Sicherung der Lebensgrundlagen, die Tafeln seien ein freiwilliges*Angebot für die Schwächsten, sagte er dem «Münchner Merkur». «Daraus eine Sozialstaatskritik zu formulieren und abzuleiten, dass die Sozialleistungen in Deutschland zu gering seien, ist unsachlich.»
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mahnte in*der «Rheinischen Post», die Zahl der Hartz-IV-Empfänger müsse reduziert werden. Die*Menschen sollten von ihrem Einkommen aus Arbeit leben können.*Scholz hatte am Montagabend in den ARD-«Tagesthemen» über Spahn gesagt: «Wir haben andere Vorstellungen und das weiß auch jeder.» Er glaube, «Herr Spahn bedauert ein wenig, was er gesagt hat».
Grünen-Chef Robert Habeck sagte im ZDF, das Hartz-System müsse verändert werden. «Die Grundlagen der Bemessung sind falsch.»*Auf Langzeitarbeitslose werde*extremer psychischer Druck*ausgeübt, einen Job anzunehmen. «Die Zeit ist über Hartz IV hinweggegangen.»* Der FDP-Sozialexperte Pascal Kober*entgegnete: *«Wer sich wie Habeck vom Prinzip des Förderns und Forderns verabschieden will, stellt die Menschen letztlich auf ein Abstellgleis.»
Der*CDU-Arbeitsmarktpolitiker Kai Whittaker fordert das SPD-geführte Arbeitsministerium auf, schnell*eine*große Hartz-IV-Reform auf den Weg zu bringen. «Hartz IV darf keine sozialpolitische Sackgasse mehr sein, sondern muss den Menschen Perspektiven geben», sagte er der dpa.*«Für die Union steht der Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit ganz oben auf der politischen Agenda.»
Der Sozialverband Deutschland forderte hingegen eine neue Berechnung der Hartz-Sätze. «So lange die Berechnungsmethode falsch ist, kann der Lebensalltag der Hartz-Bezieher nicht angemessen berücksichtigt werden», sagte*Präsident Adolf Bauer.
 
Wer knapp € 8.000,- pro Monat Steuerfrei erhält, der kann nicht verstehen. Das € 384,- pro Monat etwas weniger ist.