Ahh, verstehe. Das wußte ich nicht, das es im Endeffekt nunja nicht 100%ig kontrolliert bzw. abgeglichen wird.
Aber ist ja im Grunde eine ziemliche Leichtsinnigkeit die Doktorenwürde dann zu verleihen oder? Naja obwohl, kann den Verleihern ja dann egal sein, den Schaden hat der Verursacher.
Nunja, zumindest bei den Naturwissenschaften ist es immer so, daß man seine Forschungsergebnisse auf Konferenzen vorträgt und in Fachzeitschriften veröffentlicht. Sollte da geschummelt werden, wird es dem Fachpublikum auffallen. In den Naturwissenschaften hat man mit dem Zitieren eher weniger Probleme, da eigentlich maximal so 25 Seiten theoretischer Kram sind, der aus Büchern und so zusammengesucht wird, um den Leser in die Thematik einzuführen. Danach folgt eigentlich nur noch die Vorstellung und Auswertung der Forschungsergebnisse, auch in Bezug auf Sachen, die vielleicht schon mal erforscht wurden. Ich kann dir bei Bedarf gern den Link zu meiner Arbeit mal schicken, damit du dir angucken kannst, wie eine naturwissenschaftliche Arbeit aussieht. Die kannst du nicht mit Geisteswissenschaften vergleichen, denn da wird (mMn) nur aus Quellen zusammengeschrieben und diskutiert.
 
Man darf nicht vergessen, dass auch ein Vertrauensverhältnis zwischen Doktorand und Doktorvater bestehen muss - der Begriff kommt ja nicht von ungefähr.
Von daher verwundert es mich, wenn davon gesprochen wird, er habe "nur ein bisschen geschummelt". Er hat nicht nur seinen Doktorvater brüskiert, sondern auch seine Uni, und alle Studenten - im Endeffekt das ganze System der Doktorarbeiten.

Ich finde es auch gut, dass die Uni mit der Prüfung weitermacht und den Titel nicht einfach zurück zieht.
 
[...]Ich finde es auch gut, dass die Uni mit der Prüfung weitermacht und den Titel nicht einfach zurück zieht.

Das sehe ich auch so. Nach den bisherigen Pressestimmen zu urteilen, lässt sich eine schuldhafte Verfehlung wohl kaum noch wegdiskutieren.

Und wenn dem so ist, dann hat er auch die "normalen" Konsequenzen zu tragen und nicht einfach mit einem "Es tut mir leid" davon zu kommen.

[...]Die kannst du nicht mit Geisteswissenschaften vergleichen, denn da wird (mMn) nur aus Quellen zusammengeschrieben und diskutiert.

Joa. Darin besteht nunmal die wissenschaftliche Arbeit. Das eigene Ergebnis der Diskussion kann dabei eben das werthaltige einer Dissertation sein.

Deswegen sind geisteswissenschaftliche Arbeiten aber keinesfalls einfacher als naturwissenschaftliche.
 
Wenn ich die Ankündigung richtig lese, findet ab 15:40 eine aktuelle Stunde im Bundestag statt zu dem Thema, wo er Rede und Antowrt stehen will... Wird vermutlich bei Phoenix live gezeigt. Ab 10:45 Uhr Sondersendungen zu dem thema.

Es scheint aktuell nichts Wichtigeres in Deutschland zu geben. Die Hartz IV Entscheidungen sind da doch völlig uninteressant, tote Soldaten? Who cares? Evtl. Probleme bei der Ölversorgung? Ach kommt...

Ich bin schon der Meinung, dass das Thema geklärt werden muss und Konsequenzen gezogen. Aber SO wichtig ist das nun nicht.

Marty
 
Ich gebe Dir vollkommen recht. Interessant und wichtig ist die Umgehensweise mit dem Ergebnis der Prüfung an der Uni Bayreuth. Bis dahin erübrigt sich eigentlich eine (öffentliche) Diskussion.
 
Naja wichtig in der Politik ist irgendwie nur das was in den Medien grad als wichtig dargestellt wird und das ist das was sich gut verkaufen läßt. Sparen wir uns halt ein paar Tausend Politiker und lassen einfach die Medienbarometer entscheiden :ugly:

tote Soldaten sind wir schon wieder gewöhnt
Ölversorgung wird schon klappen, ist eh zu teuer
die Hartz 4 Empfänger wollen ihre 5 Euro Erhöhung auch nicht
also alles kein Problem :ugly:
 
Also für mich sind das 2 verschiedene paar Schuhe.

Wenn er geschummelt hat - tja, Pech gehabt, erwischt worden zu sein. Ich tippe mal drauf, dass mehr als 50% der "Dr."s unzitierte Textstellen (abgeändert) verwendet haben. Nur wird das beim Otto-Normal-Dr. halt nicht so geprüft wie bei einem Promi, dessen Doktorarbeit von anderen Promis gelesen wird - und damit hätte er auch rechnen müssen. Ggf. soll die Uni ihm den Titel halt wieder aberkennen. Er selbst kann ihn gar nicht "ablegen". Nur die Institution, die den Titel verliehen hat, kann diesen wieder zurücknehmen. Ansonsten hat man ihn.

Solange er aber seine Arbeit als Politiker gut macht, und das tut er in meinen Augen exzellent, sind Rücktrittsforderungen wegen dieser Sache absolut ungerechtfertigt. Freut Euch doch lieber, dass es einen Minister gibt, der seine Arbeit ordentlich erledigt!
 
Ich kann dir bei Bedarf gern den Link zu meiner Arbeit mal schicken, damit du dir angucken kannst, wie eine naturwissenschaftliche Arbeit aussieht. Die kannst du nicht mit Geisteswissenschaften vergleichen, denn da wird (mMn) nur aus Quellen zusammengeschrieben und diskutiert.

Ja mach mal bitte das mit dem Link. Ich hab mir glaube ich sowas noch nie zu Gemüte geführt.
 
Also für mich sind das 2 verschiedene paar Schuhe.

Wenn er geschummelt hat - tja, Pech gehabt, erwischt worden zu sein. Ich tippe mal drauf, dass mehr als 50% der "Dr."s unzitierte Textstellen (abgeändert) verwendet haben.

Ich verstehe gar nicht das es so viele Menschen gibt, die anscheinend davon ausgeht, dass ein Großteil der Doktoranden nicht in der Lage ist richtig zu zitieren. Ist es so schwer vorstellbar, dass es Leute gibt die in ihre Arbeit auch richtig viel Mühe reinstecken? Desweiteren ist es für die Diskussion auch irrelevant, wie oft geschummelt oder falsch zitiert wird, es ist verboten und man gibt eine Eidesstattliche Erklärung darüber ab, dass man die Arbeit selbständig angefertigt und keine ungenannten Quellen verwendet hat.
Zumal wir hier ja auch nicht davon reden, dass jemand 1,2 Fußnoten vergessen hat, sondern davon das auf mehreren hundert Seiten Textstellen übernommen wurden ohne diese zu erwähnen, ohne diese in Anführungszeichen zu setzen um als Zitat zu kennzeichnen und es wurden einzelne Wörter verändert/eingefügt. Wie groß der Umfang tatsächlich ist, wird dann hoffentlich die Untersuchung der Uni Bayreuth zeigen.


Nur wird das beim Otto-Normal-Dr. halt nicht so geprüft wie bei einem Promi, dessen Doktorarbeit von anderen Promis gelesen wird - und damit hätte er auch rechnen müssen.

Ein "Otto-Normal-Dr." hätte für so eine Dissertation nie ein "summa cum laude" gekriegt, weil da mit Sicherheit schon vorher etwas genauer geprüft worden wäre.

Solange er aber seine Arbeit als Politiker gut macht, und das tut er in meinen Augen exzellent, sind Rücktrittsforderungen wegen dieser Sache absolut ungerechtfertigt. Freut Euch doch lieber, dass es einen Minister gibt, der seine Arbeit ordentlich erledigt!

Ob er wegen dieser Affäre jetzt unbedingt zurück treten muss, ist genau wie seine Arbeit als Minister strittig.
Es stellt sich bei mir dennoch die Frage ob jemand, der schon nötig hat bei seiner eigenen Dissertation im großen Maße zu betrügen, für das Amt des Verteidigungsministers geeignet sein kann.
 
Hab mich gestern bei der Satiresendung "Maischberger" köstlich amüsiert. Einen guten Artikel gibt es dazu im Spiegel. Da steht auch folgender schöner Satz drin:

Geliebter Lügner - wie anders doch war der Ton vor anderthalb Jahren, als Guttenberg aus den Umfragen zum ersten Mal als Deutschlands beliebtester Politiker hervorging: "Die Bürger haben Guttenbergs Mut zur Wahrheit belohnt", hatte Frau von Bayern in der "Bild am Sonntag" gejubelt.

Eine interessante Frage stellte gestern ein Gast in einer Talkshow auf einem privaten Nachrichtenkanal einem anderen Gast (wohl von der Union): Er frug, ob er sich auch so verhalten würde, wenn eine Person des politischen Gegners betroffen wäre; z.B. Trittin.

Insgesamt hat das alles absurde Züge angenommen. Da ist zum einen die Opposition, die krampfhaft versucht, Guttenberg ans Bein zu pinkeln. Jetzt haben sie es sogar soweit getrieben, dass es eine Aktuelle Stunde dazu gibt. Bekloppt. Dann die Medien, die den Zirkus mitmachen. Ziemlich bekloppt. Auf der anderen Seite die Guttenberg-Verteidiger und -Jünger, die ihn zum Überpolitiker machen; ihn ins Göttliche erheben. Gänzlich bekloppt.
Ach, und natürlich Guttenberg selbst. Der stolpert wieder durch ein Skandal/Skandälchen wie die zuvor: Erst abtauchen; dann verkündet er, dass alles ok ist; kurz danach war's ein Versehen; und am Ende ein unentschuldbarer Fehler, der ihm leid tut.

Solange er aber seine Arbeit als Politiker gut macht, und das tut er in meinen Augen exzellent, sind Rücktrittsforderungen wegen dieser Sache absolut ungerechtfertigt. Freut Euch doch lieber, dass es einen Minister gibt, der seine Arbeit ordentlich erledigt!
So weise er mir den Weg und führe mich ans Licht der Erkenntnis: Woran erkenne ich, dass er seine Arbeit als Politiker gut macht, so das auch ich mich an seiner Existenz erfreuen kann!
 
Schmeiß' dich in schicke Klamotten, fahre ein Dickes Auto und verhalte dich gesittet, dann kaufen dir ALLE jeden DRECK ab.
Ist doch prima. Tun denn Politiker was anderes als repräsentieren? Imho nicht. Also die bauen ja kein Haus oder so, wo man die Qualität deren Hände Arbeit direkt beurteilen könnte. Die labern und sehen wichtig aus. Also spielt Persönlichkeit und starkes Auftreten in meinen Augen eine größere Rolle als der Rest.
 
man gibt eine Eidesstattliche Erklärung darüber ab, dass man die Arbeit selbständig angefertigt und keine ungenannten Quellen verwendet hat.

Was die eidesstattliche Erklärung angeht, gab es ja letzte Woche bereits eine Strafanzeige, die die Staatsanwaltschaft Bayreuth folgendermaßen kommentiert hat:

Diese Anzeige werde aber nicht weiter verfolgt, da die Promotionsordnung keine Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung vorsehe und hier also entsprechend kein strafbares Verhalten des CSU-Politikers vorliegen könne.
(Quelle)
 
Ist doch prima. Tun denn Politiker was anderes als repräsentieren? Imho nicht. Also die bauen ja kein Haus oder so, wo man die Qualität deren Hände Arbeit direkt beurteilen könnte. Die labern und sehen wichtig aus. Also spielt Persönlichkeit und starkes Auftreten in meinen Augen eine größere Rolle als der Rest.

Wenn die Mist bauen, zahlen wir alle. Du darfst nicht vergessen, die spielen mit unseren Steuergeldern. Und da ist mir ein Fachmann, der aussieht die die Katze am Bauch allemal lieber als so ein gelackter Aristokratenschnösel, der bislang nichts geleistet hat, außer sich gut in den Medien zu verkaufen und sich von der Bild zum JFK 2.0 hochstilisieren zu lassen...:yawn:
 
Was die eidesstattliche Erklärung angeht, gab es ja letzte Woche bereits eine Strafanzeige, die die Staatsanwaltschaft Bayreuth folgendermaßen kommentiert hat:


(Quelle)

Danke für den Hinweis.

Habe mir dann gerade mal die Promotionsordnung der Uni Bayreuth durchgelesen. Dort steht in §8 Ziff. 6: "eine ehrenwörtliche Erklärung des Bewerbers darüber, dass er die Dissertation selbständig verfasst und
keine anderen als die von ihm angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt hat[..]"

Also ersetze ich einfach mal eidesstattlich durch ehrenwörtlich, dass ändert aber nichts an meiner Aussage.