Sammelthread EU und EU-Reformvertrag

Wie würdest du bei einer Volksbefragung abstimmen ?

  • ja

    Stimmen: 8 72,7%
  • nein

    Stimmen: 3 27,3%
  • Hätte an der Volksbefragung nicht teilgenommen.

    Stimmen: 0 0,0%

  • Umfrageteilnehmer
    11
  • Umfrage geschlossen .
[edit by darkkurt : Verschoben aus https://www.klamm.de/forum/showthread.php?p=3933477]

Zweifelsohne gibt man Souveränität auf.

Nur haben wir das in der deutschen Geschichte achtzehnhundert irgendwas auch schon mal durch...
Aus lauter kleinen Fürstentümern mit eigenen Währungen, Zeitzonen und Gesetzen wurde das Deutsche Reich, was die Grundlage für das jetzige Deutschland darstellt.

War das aus jetziger Sicht ein Fehler?[...]
Können wir ja nicht mehr beurteilen, weil wir den direkten Vergleich nicht haben. Der Schweiz und Liechtenstein geht es jedenfalls nicht schlecht. Vielleicht war es ein Fehler, denn das Deutsche Reich hat ja dann maßgeblich an zwei großen Kriegen "mitgewirkt". In den ersten wurden wir als Bündnispartner gezwungen und der zweite entstand, weil man sich für die Hau-Drauf-Methode entschied, statt die Schmach von Versaille mit Würde zu tragen und diplomatisch zu lösen. Das zumindest wäre mit einem Arsch voll Fürstentümern undenkbar gewesen. Dafür waren die Interessen zu unterschiedlich und die Macht des Einzelnen zu gering gewesen. Und auch sonst weiß wohl niemand, wie es sich alles entwickelt hätte.

Was die NPD und ihrer Haltung zur EU angeht - ich kannte zwar die beiden Punkte, aber wenn Du sie so gegenüber stellst, musste ich auch schmunzeln :) Aber das ist eigentlich doch der Beweis, dass die NPD aus Ermangelung an Konzepten einfach nur den Stammtisch schriftlich niederlegt und zum Besten gibt. Eigentlich traurig, dass die einzige Partei, die auf der rechten Seite der Wippe sitzt, so dilletantisch ihr Unvermögen offenbart. Ich hoffe, dass sich die Union wieder etwas mehr nach rechts in die Mitte hin bewegt, damit man mal wieder eine echte Alternative zur Wahl hat. Aber ob das bis zur nächsten Wahl in der Rezession klappt?

Gruß,
Photon
 
[edit by darkkurt : Verschoben aus https://www.klamm.de/forum/showthread.php?p=3933477]

Oder die Souveränität der deutschen Bundesländer...
Ein bayrisches Abitur mit 3,0 ist mehr wert als ein niedersächsisches mit 2,0.
Muss man das verstehen?
Also wir sind ja in der EU und haben trotzdem ein Bildungsgefälle, obwohl wir schon massiv Souveränität aufgeben haben. Im Bildungsbereich sehe ich bisher keine Vorteile für Deutschland aus der EU. Aber den Nachteil, das uns durch die Mittel die wir an die EU zahlen, Mittel in vielen Bereichen fehlen. Zurück bekommen wir dann großenteils Nutzlose Subventionen(Kann mir mal einer die Brachenprämie bei einer Millionen Hungernden menschen erklären? Oder, ok, wir wollen uns nicht die Preise kaputt machen für Weizen etc. Na gut, dann eben in den Tank. Die EU-Logik= Nein, weil das nimmt ja den Menschen das essen weg.)
Oder Rumänien jagt Deutschland mehrere tausend Arbeitsplätze bei Nokia ab.
Schöne Souveränität.
Mit freundlicher Hilfe der EU. Immerhin wurde der Industriepark, nicht die Fabrik selbst, mit Fördermitteln der EU gebaut.

Sicherlich macht Souveränität in Bereichen Sinn, wo sich Regionen wirklich auf Grund lokaler Besonderheiten unterscheiden.
Ne Lawinenschutzverordnung in Schleswig Holstein macht wahrscheinlich so viel Sinn, wie eine österreichische Verordnung zum Schutz der Wattenmeere...
Ein ganz reales Beispiel, es gab vor ein paar Jahren mal eine Ermahnung an Brandenburg, weil immernoch nicht die Europäische Richtlinie für Seilbahnen ratifiziert wurde. 3 mal darfst du raten wie viele Seilbahnen es in Brandenburg gibt.

Ich habe da immer so ein sehr schönes praktisches Beispiel aus meinem Bereich der Eisenbahntechnik...
Jedes Land in der jetzigen EU hatte die Souveränität, eigene Sicherheitstechniken für die Bahn zu definieren und zu implementieren.
Das hatte beim grenzüberschreitendem Verkehr zur Folge, dass
a) die Loks zeitaufwendig getauscht werden mussten,
oder
b) die Loks mit mehreren Systemen ausgerüstet werden mussten, was sich im Preis niederschlug und damit wieder nachteilige Wirkung auf den Fahrkartenpreis hatte.

Inzwischen wurde ein einheitliches System definiert, was nach und nach umgesetzt wird.
Das spart in Europa Geld und Zeit, nicht nur für den Bahnfahrer, sondern auch in allen Bereichen, wo Güter über Landesgrenzen hinweg mit der Bahn transportiert werden.
Dafür braucht es die EU? Nein, aufgrund des schon seit langem steigenden Güterverkehrs auch auf den Schienen wäre früher oder später, möglicherweise sogar früher, weil so mehr Eigeninitiative gefordert ist, zu einem Multilateralen Abkommen gekommen in denen Sicherheits und Oberleitungstechnik etc. vereinheitlicht wird.

Es bleibt am Ende die Frage:
Kennt man alle Bereiche, wo man die Souveränität aufgibt und Vorteile erhält bzw. wo man Nachteile bekommt.
Und kann man diese beiden Sachen gegeneinander abwägen...

gruss kelle!

Bisher kenne ich keinen Bereich in denen Deutschland aus der Aufgabe der Souveränität einen Vorteil hatte. Das Beispiel Schweiz finde ich sehr passend. Denen geht es ziemlich gut, und das, oh schreck, ganz ohne EU. Wie kommt es denn? Scheinbar hat die Souveränität Vorteile die sich kaum durch EU-Subventionen wieder ausgleichen lassen.
Die Nachteile sind bspw. ein Unfassbarer Wasserkopf in der EU. So werden 2 De Facto-Parlamente unterhalten. Das Schengen abkommen mag hier und da ganz nett sein, aber seitdem es an der polnischen Grenze werden auffällig viele gestohlene Baumaschinen bspw. auf den Weg in Richtung Polen von Polizei und Bundespolizei gefasst, bei wohlgemerkt weniger Beamten. Auch die Kriminatlität in Grenznahen Regionen hat zugenommen. Das sie Statistsich nur wenig gestiegen ist, liegt zum bsp. daran das Ladendiebstähle nicht mehr angezeigt werden, da es zu nichts führt. Logischerweise fliegen natürlich durch weniger Kontrollen und weniger Beamte auch weniger Straftaten erst auf.
Also wo gibt es denn echte Vorteile durch die EU für Deutschland? Mir fallen tatsächlich welche ein, welche sich aber auch im Rahmen einer Freihandelszone oder Zollunion effektiver und effizienter machen ließen.
 
[edit by darkkurt : Verschoben aus https://www.klamm.de/forum/showthread.php?p=3933477]

Im Bildungsbereich sehe ich bisher keine Vorteile für Deutschland aus der EU.

Das wollte ich ja gar nicht behaupten.
Es war nur EIN Beispiel für den Schwachsinn, der bei zu viel Souveränität rauskommt...

Ein ganz reales Beispiel, es gab vor ein paar Jahren mal eine Ermahnung an Brandenburg, weil immernoch nicht die Europäische Richtlinie für Seilbahnen ratifiziert wurde. 3 mal darfst du raten wie viele Seilbahnen es in Brandenburg gibt.

Es besteht aber die Möglichkeit, dass eine gebaut werden kann. Oder?
https://www.bbaktiv.de/_suche/6842/maz2008/c_200804/seilbahn_zum_weinberg.html

Dafür braucht es die EU? Nein, aufgrund des schon seit langem steigenden Güterverkehrs auch auf den Schienen wäre früher oder später, möglicherweise sogar früher, weil so mehr Eigeninitiative gefordert ist, zu einem Multilateralen Abkommen gekommen in denen Sicherheits und Oberleitungstechnik etc. vereinheitlicht wird.

Ich versteh Dich nicht...
Einerseits bist Du gegen die EU aufgrund von Verlusten der Souveränität, andererseits bist Du der Meinung, dass Länder freiwillig Ihre Souveränität aufgeben...
Und früher als die 90er Jahre wäre auch äußerst unrealistisch...

Bisher kenne ich keinen Bereich in denen Deutschland aus der Aufgabe der Souveränität einen Vorteil hatte.

Frag mal die Nichtraucher, die sich seit geraumer Zeit in Kneipen deutlich wohler fühlen...

Das Beispiel Schweiz finde ich sehr passend. Denen geht es ziemlich gut, und das, oh schreck, ganz ohne EU. Wie kommt es denn? Scheinbar hat die Souveränität Vorteile die sich kaum durch EU-Subventionen wieder ausgleichen lassen.

Das Beispiel Schweiz ist nicht wirklich passend.
Man kann nicht wirklich einen Staat mit fast ausgeglichener Außenhandelsquote mit einem Staat vergleichen, der vom Export lebt.
Von den undurchsichtigen Geldgeschäften die in der Schweiz möglich sind, mal ganz zu schweigen...

Also wo gibt es denn echte Vorteile durch die EU für Deutschland? Mir fallen tatsächlich welche ein, welche sich aber auch im Rahmen einer Freihandelszone oder Zollunion effektiver und effizienter machen ließen.

Der Haken sind da die persönlichen Bedürfnisse...
- Liberalisierung der Märkte und der damit verbundene Preisvorteil für die Kunden (Bahn, Telekom...)
- Reisefreiheit
- Erschließung neuer Märkte für deutsche Unternehmen
- deutlich vereinfachter Geldverkehr
- mehr Möglichkeiten in der persönlichen Entfaltung und Perspektive
- Frieden und politische Stabilität unter den Mitgliedern
- europaweite Standards
...

gruss kelle!
 
Das wollte ich ja gar nicht behaupten.
Es war nur EIN Beispiel für den Schwachsinn, der bei zu viel Souveränität rauskommt...
Also ich würde mich ja schon über etwas Souveränität freuen. Leider ist es aber so, das wir die kümmerlichen Reste auch noch abschaffen.

Es besteht aber die Möglichkeit, dass eine gebaut werden kann. Oder?
https://www.bbaktiv.de/_suche/6842/maz2008/c_200804/seilbahn_zum_weinberg.html
Wenn der Meeresspiegel steigt besteht auch die Notwendigkeit eines Marineministeriums in der Schweiz.

Ich versteh Dich nicht...
Einerseits bist Du gegen die EU aufgrund von Verlusten der Souveränität, andererseits bist Du der Meinung, dass Länder freiwillig Ihre Souveränität aufgeben...
Und früher als die 90er Jahre wäre auch äußerst unrealistisch...
Ich glaube du willst einen Scheinwiederspruch Konstruieren. Es würde ja keiner einen deut seiner Souveräntität aufgeben. In dem Moment würde man nur gewisse technische Standards schaffen, die auch andere Züge erlauben. Also ich sehe das eher wie die DIN Normen für Papiergrößen. Da muss sich keiner dran halten, aber es vereinfacht einiges. Und das Format ist wesentlich älter als die EU.
Und wenn du selbst sagst früher als die 90er, ja das wären dann wohl 10 Jahre weniger.

Frag mal die Nichtraucher, die sich seit geraumer Zeit in Kneipen deutlich wohler fühlen...
Sehe ich neutral. Zumal lange vorher andere Staaten die Raucherfrage für sich geregelt haben. Nun gilt es eben EU weit. Wer sagt daß das in Deutschland nicht auch gekommen wäre, ohne EU?

Das Beispiel Schweiz ist nicht wirklich passend.
Man kann nicht wirklich einen Staat mit fast ausgeglichener Außenhandelsquote mit einem Staat vergleichen, der vom Export lebt.
Von den undurchsichtigen Geldgeschäften die in der Schweiz möglich sind, mal ganz zu schweigen...
Jedes Land hat eben seine eigene Wirtschaftsweise. Auch die Wirtschaftsweisen in der EU sind unterschiedlich, also muss der Vergleich mit der Schweiz erlaubt sein. Aber mal ein anders schönes Beispiel. Norwegen ist auch nicht in der EU, hat einen schönen Aussenhandelsüberschuss und ganz nebenbei gilt der Lebensstandard der Menschen dort als der zweitbeste der Welt.

Der Haken sind da die persönlichen Bedürfnisse...
- Liberalisierung der Märkte und der damit verbundene Preisvorteil für die Kunden (Bahn, Telekom...)
- Reisefreiheit
- Erschließung neuer Märkte für deutsche Unternehmen
- deutlich vereinfachter Geldverkehr
- mehr Möglichkeiten in der persönlichen Entfaltung und Perspektive
- Frieden und politische Stabilität unter den Mitgliedern
- europaweite Standards
...

gruss kelle!

Persönliche Bedürfnisse lassen sich doch in einen souveränen Staat besser machen.
Dein Erster Punkt: Liberalisierung der Märkte, ob man sie mag oder nicht, ließe sich in einer Freihandelszone machen, auch wenn es etwas darüber hinaus geht. Die Schweiz ist nicht in der EU hat aber auch die Reisefreiheit für EU-Bürger ermöglicht.
Der dritte Punkt über den lache ich mich seit Jahren kaputt. Seit Jahrhunderten, ja selbst unter H****r hatten wir Aussenhandel. Und warum reicht da nicht einer Freihandelszone?
Der Geldverkehr ließe sich auch in einer Freihandelszone realisieren.
Und mal ehrlich, mehr Möglichkeiten in der Persönlichen Entwicklung heißt doch im Klartext auswandern. Und wo würde dich da ein Souveräner Staat hindern?
Europaweite Standards sind übrigens ein Kennzeichen des neuen Protektionismus, das ist der Zweck dahinter.
 
Ich glaube du willst einen Scheinwiederspruch Konstruieren. Es würde ja keiner einen deut seiner Souveräntität aufgeben.

Ach, kein Souveränitätsverlust, wenn ein Staat nicht mehr frei definieren kann, wie ein technisches System auszusehen hat?

Da muss sich keiner dran halten, aber es vereinfacht einiges.

Und wenn sich keiner dran halten muss, wird es auch nix.
Warum sollte ich meinen markt auch für andere Anbieter öffnen, vor allem, wenn der Staat wie z.B. in Frankreich an diversen Eisenbahnunternehmen beteiligt ist...

Und das Format ist wesentlich älter als die EU.

Ist bei einer Deutschen Industrie Norm nicht verwunderlich.

Wer sagt daß das in Deutschland nicht auch gekommen wäre, ohne EU?

Genau das ist das Problem.
Man kann alles nur mit einem Bezugspunkt in der Vergangenheit vergleichen.
Wo wir mit den alten Regelungen jetzt stehen würden, ist reine Spekulation.

Norwegen ist auch nicht in der EU, hat einen schönen Aussenhandelsüberschuss und ganz nebenbei gilt der Lebensstandard der Menschen dort als der zweitbeste der Welt.

Es behauptet doch keiner, dass es anderen Ländern automatisch schlechter gehen muss.
Wenn ich jährlich ca. 20 Mrd. € aus Ölgeschäften zurücklegen kann, ist es nicht verwunderlich, dass es dem Land besser geht, als z.B. Deutschland, was immer noch mit den Folgen zweier Weltkriege zu kämpfen hat.

Persönliche Bedürfnisse lassen sich doch in einen souveränen Staat besser machen.

Gerüchte...

Die Schweiz ist nicht in der EU hat aber auch die Reisefreiheit für EU-Bürger ermöglicht.

Basierend auf dem Schengener Abkommen, welches durch die EG ins Leben gerufen wurde...

Der dritte Punkt über den lache ich mich seit Jahren kaputt. Seit Jahrhunderten, ja selbst unter H****r hatten wir Aussenhandel. Und warum reicht da nicht einer Freihandelszone?

Märkte sind mehr als Güterexporte/importe.
Es geht zum Bleistift um Dienstleistungen. Zur Zeit ist es z.B. der Bahn verboten, direkt überall in Europa tätig zu werden.
Ab 2010 darf sie überall in der EU fahren.

Der Geldverkehr ließe sich auch in einer Freihandelszone realisieren.

Ahja...
Schon mal was von Wechselkursrisiken gehört? Da haben Exportländer immer nen nettes Risiko zu tragen

Und mal ehrlich, mehr Möglichkeiten in der Persönlichen Entwicklung heißt doch im Klartext auswandern. Und wo würde dich da ein Souveräner Staat hindern?

Nirgends. Aber welcher andere souveräne Staat lässt jeden x-beliebigen Kerl einwandern und verteilt sofort Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen?

Europaweite Standards sind übrigens ein Kennzeichen des neuen Protektionismus, das ist der Zweck dahinter.

Okay, Sicherung eines breiten Binnenmarktes...
Ist doch genial...

gruss kelle!
 
Ich muss nochmal kurz dazu kommen :)

[...] Genau das ist das Problem.
Man kann alles nur mit einem Bezugspunkt in der Vergangenheit vergleichen.
Wo wir mit den alten Regelungen jetzt stehen würden, ist reine Spekulation.
Das Problem haben wir aber immer und bei jeder Diskussion. Dem einen Staat geht es besser, weil er über Öl verfügt oder damit handelt, einem anderen eben wegen seiner Geldgeschäfte und wieder ein anderes blüht vom Tourismus auf. Aber das sagt nichts anderes und deutlicher, als dass jedes Land seine individuellen Stärken erkennen und nutzen muss. So wie jede Privatperson auch. Nicht jeder ist zum Arzt und nicht jeder zum Kampftaucher geboren. Und eben diese Verschiedenartigkeit macht den Menschen stark und macht Nationen stark - so lange sie als Nation agieren können. EU ist ein Leipziger Allerlei: Sieht doof aus und schmeckt beschissen. Aber sie stärkt mächtige Konzerne auf ihrem Weg zur Unendlichkeit der Profitgier.

[...] Schon mal was von Wechselkursrisiken gehört? Da haben Exportländer immer nen nettes Risiko zu tragen
...und sind damit jahrelang klar gekommen. Sie haben das Risiko ja auch ganz vorzüglich an der Börse wieder ausgeglichen bekommen. Aber es stimmt schon: International operierenden Unternehmen kommt die EU natürlich sehr gelegen, keine Frage. Es ist eine erhebliche Last von ihren Schultern genommen worden. Als Dankeschön wandern sie auch gleich ab. Zwar nicht in Scharen, aber in kleinen Grüppchen. Denn jetzt ist es so einfach, billig zu produzieren und überteuert zu verkaufen. Und das ohne Risiko und Zölle. Ein Schlaraffenland, möchte man meinen :)

[...] Nirgends. Aber welcher andere souveräne Staat lässt jeden x-beliebigen Kerl einwandern und verteilt sofort Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen?
Keiner. Und das ist auch verdammt gut so.

Insgesamt betrachtet bleibt doch die Frage, ob wir in 20 oder 30 Jahren ein Resümee ziehen können und dann sagen werden, dass UNS die EU mehr genutzt oder mehr geschadet hat. Im Augenblick ist der Blick wegen der internationalen Rezession ohnehin etwas getrübt. Aber wenn wir die einst überstanden haben oder es uns in der Talfahrt immer ein Stückchen besser geht als Nicht-EU-Ländern, dann bin ich vielleicht irgendwann auch vom Wohl der EU überzeugt. Bis dahin war es für mich ein Mauschelgeschäft der Politiker und ein offensichtlicher Beweis, wie eng Politik mit Vetternwirtschaft, Schmiergeldern und Desinteresse an Volksbelangen verwoben ist.

Gruß,
Photon
 
Und eben diese Verschiedenartigkeit macht den Menschen stark und macht Nationen stark - so lange sie als Nation agieren können. EU ist ein Leipziger Allerlei: Sieht doof aus und schmeckt beschissen.

So lange sie diese Stärke ausspielen können, meinst Du.
Klau der Norwegern mal das Öl oder den Schweizern die Alpen, dann ist aber dunkeltuten angesagt...

Einem wirtschaftlichen Gebilde wie der EU kannst Du nicht mal eben so das Hauptstandbein wegziehen.
Allein der Binnenmarkt mit fast 500 Millionen Menschen dürfte der finanzstärkste der Welt sein, und als Wirtschaftsmotor ausreichen...

...und sind damit jahrelang klar gekommen. Sie haben das Risiko ja auch ganz vorzüglich an der Börse wieder ausgeglichen bekommen.

Ich habe gelesen, dass bis zu 0,4 % des BIP dadurch verbrannt worden sind...

Als Dankeschön wandern sie auch gleich ab. Zwar nicht in Scharen, aber in kleinen Grüppchen.

Weshalb wir ja die höchsten Beschäftigungszahlen seit der Wiedervereinigung haben oder wie? 8)

Keiner. Und das ist auch verdammt gut so.

Das würde ich nicht so laut sagen...
Bei 08/15 Jobs lässt sich drüber streiten.
Aber dann gibt es noch immer die Experten auf bestimmten Feldern...

Insgesamt betrachtet bleibt doch die Frage, ob wir in 20 oder 30 Jahren ein Resümee ziehen können und dann sagen werden, dass UNS die EU mehr genutzt oder mehr geschadet hat.

Stellt sich wieder die Frage:
Im Vergleich wozu... :biggrin:

Weißt Du was...
Du kommst nächstes Jahr mit zu meiner Mopped Tour...
Sieben bis neun Europäische Länder, nur einmal Geld tauschen, keine Visa, keine Zollformalitäten...

Und dann erklär mir nochmal was von Volksbelangen... :mrgreen:

gruss kelle!
 
So lange sie diese Stärke ausspielen können, meinst Du.
Nun, ein Land, welches seine Stärke nicht erkannt hat und nicht strategisch genug agieren kann, diese Stärke zu versilbern, hat meines Erachtens nach ganz andere Probleme und ist in einem Staatenbund (sei es nun EU oder sonst einer) nur eine durchzufütternde Last.

Klau der Norwegern mal das Öl oder den Schweizern die Alpen, dann ist aber dunkeltuten angesagt...
Das mag sein. Aber noch hat Norwegen das Öl und die Schweiz ihre Souveränität und Alpen. So lange das so ist, ist es ihre Stärke. Wenn es irgendwann anders sein sollte, dann müssen sie sich eben neuer Stärken gewahr werden oder sie schaffen. Nichts auf dieser Welt ist ewig und Weitblick hat noch niemandem geschadet.

[...] Ich habe gelesen, dass bis zu 0,4 % des BIP dadurch verbrannt worden sind...
Das weiß ich nicht. Ich habe nur gelesen, dass Konzerne an der Börse über Hedges und Swaps dieses Risiko ausgeglichen und teilweise sogar davon profitiert haben. Aber wer weiß, wie es nun wirklich war. Jedenfalls hat es Jahrzehnte und Jahrhunderte irgendwie funktioniert, wenn es auch natürlich ein Mehraufwand und -risiko war, welches sie nun nicht mehr tragen müssen.

Weshalb wir ja die höchsten Beschäftigungszahlen seit der Wiedervereinigung haben oder wie? 8)
Naja, abwarten. Im Augenblick mögen die Zahlen nett aussehen. Viele Leute sind in Minijobs gestopft worden, viele in Umschulungen gefangen und so weiter. Und wir befinden uns derzeit mit der Welt in einer Talfahrt, die unsere Regierung durch Bürgschaften puffern will. Gute Idee, so lange sie nicht doch irgendwann in die Pflicht genommen wird. Und dann wird es sauhart. Da die größten Industrienationen Europas es so taten, kann sich die EU ganz schnell als Falle erweisen, aber warten wir es ab. Ich würde es jedenfalls nicht nur an den Beschäftigungszahlen fest machen.

Das würde ich nicht so laut sagen...
Bei 08/15 Jobs lässt sich drüber streiten.
Aber dann gibt es noch immer die Experten auf bestimmten Feldern...
Du zeigst mir bitte das Land, das nicht sofort Sondergenehmigungen für hochqualifiziertes Personal ausstellt, wenn eine Firma darum bittet oder der Staat selbst so jemanden benötigt? Oder wenn jemand im Land Arbeitsplätze schafft oder Geld mitbringt?

Stellt sich wieder die Frage:
Im Vergleich wozu... :biggrin:
Zu Nicht-EU-Ländern.

Weißt Du was...
Du kommst nächstes Jahr mit zu meiner Mopped Tour...
Sieben bis neun Europäische Länder, nur einmal Geld tauschen, keine Visa, keine Zollformalitäten...
Ich habe leider im Augenblick kein Moped mehr :( Aber auch ohne ein Bike unter dem Arsch: Natürlich ist es angenehm, wenn man kein Geld mehr tauschen muss, keine Visa braucht und nicht lange an der Grenze warten muss. Die Frage ist doch aber, ob das den Preis (wie weiter oben beschrieben) wert ist. Ich denke nämlich nicht. Nicht alles, was instantane Annehmlichkeiten beschert, ist auch unter dem Strich und auf lange Sicht gut.

Gruß,
Photon
 
Nichts auf dieser Welt ist ewig und Weitblick hat noch niemandem geschadet.

Leider ist nicht alles planbar in dieser Welt...
Nur gibt es immer wieder Situationen, wie z.B. jetzt die Krise, die nicht wirklich eingeplant waren, wo sich keiner drauf einstellen konnte.
Und da steht man nun als breit aufgefächertes Konstrukt besser da, als ein kleines...
Egal ob auf Staats- Firmen- oder Privatebene.

Jedenfalls hat es Jahrzehnte und Jahrhunderte irgendwie funktioniert, wenn es auch natürlich ein Mehraufwand und -risiko war, welches sie nun nicht mehr tragen müssen.

Womit Sie auf dem europäischen Binnenmarkt einen Planungsvorteil gegenüber z.B. Japanern haben...

Du zeigst mir bitte das Land, das nicht sofort Sondergenehmigungen für hochqualifiziertes Personal ausstellt, wenn eine Firma darum bittet oder der Staat selbst so jemanden benötigt? Oder wenn jemand im Land Arbeitsplätze schafft oder Geld mitbringt?

Kannst Du Dich noch an "Kinder statt Inder" erinnern?
Diese ewige Debatte über die "Green Card" in Deutschland anno 99?
Dagegen hast Du nen Engländer ohne großes Trara innerhalb von zwei Arbeitstagen arbeitsfähig.

Und aus Arbeitnehmersicht sieht das ja noch schlimmer aus... Also ohne EU...

Die Frage ist doch aber, ob das den Preis (wie weiter oben beschrieben) wert ist. Ich denke nämlich nicht.

Ich glaube, das Problem ist, dass wir als wirtschaftliche Nummer eins kaum noch viel Potential haben, große Sprünge zu machen im Gegensatz zu Spanien, die Anfangs der EG fleißig Geld einsackten aber nun inzwischen zu den Netto Zahlern gehören...

Das ist ähnlich kompliziert, wie jemandem die Vorteile des Sozialstaates zu erklären, der wie ich irgendwas um die 18.000 € im Jahr an Lohnabzügen hat, zzgl. der ganzen indirekten Steuern.
Für die Gesamtsumme habe ich keine direkte Gegenleistung, sondern nur im Falle des Falles...

Achso, ein zählbares Ergebnis gab es noch...
Der Export Thüringer Firmen in die neuen EU Staaten stieg im letzten Jahr um 30% an...

gruss kelle!
 
Leider ist nicht alles planbar in dieser Welt...
Nur gibt es immer wieder Situationen, wie z.B. jetzt die Krise, die nicht wirklich eingeplant waren, wo sich keiner drauf einstellen konnte.
Und da steht man nun als breit aufgefächertes Konstrukt besser da, als ein kleines...
Egal ob auf Staats- Firmen- oder Privatebene.
Wer ist denn "breit aufgefächert"? Wie ich es beurteile leiden kleine und mittelständische Unternehmen am meisten und jammern zu recht. Große Konzerne nehmen dies zum Anlass, mit ihrer naturgemäß größeren Resonanz zu jammern und dadurch staatliche Bürgschaften in ganz großem Stil abzugrabbeln. Von Subventionen ist man ja wieder etwas abgekommen, liegen aber noch immer als Option auf dem Tisch. Mal davon abgesehen, dass selbst ich es schaffen würde, mit einer Subvention in mehrstelliger Millionenhöhe ein florierendes Unternehmen selbst in dieser Krise zu schaffen: Ist es die Aufgabe des Staates, seine Konzerne künstlich am Leben zu erhalten, um temporär Arbeitsplätze zu schützen? Dann könnte der Staat auch gleich die ganzen Entlassenen samt aller Arbeitslosen verbeamten, käme etwa aufs Gleiche. Und selbst wenn mir der Staat nur eine Bürgschaft in mehrstelliger Millionenhöhe ausstellen würde, wäre ich sicher in der Lage, aus den Krediten ein großes Unternehmen zu zaubern. Will sagen: Diese "breite Auffächerung" dient einzig und allein den Großkonzernen, die zusätzlich dazu auch noch staatlich geschützt und gestützt werden. Aber genau dadurch geht die Vielfalt am Markt verloren.

[...] Diese ewige Debatte über die "Green Card" in Deutschland anno 99? [...] Und aus Arbeitnehmersicht sieht das ja noch schlimmer aus... Also ohne EU...
Mag sein. Aber ohne EU sind weit weniger Fachkräfte ins Ausland abgewandert, die sich hier auf Staatskosten hochqualifiziert haben.

Die EU ist doch nichts Halbes und nichts Ganzes. Im Augenblick ist es ein Fangseil und Haltestange für international operierende Unternehmen. Sie erfahren durch die EU Schutz und Risikofreiheit in großem Stil, können dadurch zu den Multis aus den USA eine Konkurrenz schaffen. Aber der europäische Markt ist ein anderer als der amerikanische. Und ich kann mich nur schwer daran ergötzen, dass nun europäische Konzerne ihre Macht ähnlich manifestieren können, wie die amerikanischen...

Ich glaube, das Problem ist, dass wir als wirtschaftliche Nummer eins kaum noch viel Potential haben, große Sprünge zu machen im Gegensatz zu Spanien, die Anfangs der EG fleißig Geld einsackten aber nun inzwischen zu den Netto Zahlern gehören...
Stimmt, denke ich auch. Und zu einem Hoch in der Wirtschaft gehört auch ein Tief. Natürlich geht es uns im Weltvergleich verdammt gut. Und das Potenzial nach oben ist tatsächlich gering, dafür nach unten enorm. Aber eben deshalb ist es wichtig, den Lebensstandard zu halten. Ein Unternehmen, welches ein nur geringes Wachstum hat, ist eben noch lange keine unretable Leiche, wird an der Börse dennoch so gehandelt. Man schafft durch die EU künstlich ein neues Potenzial, welches aber nach meiner Ansicht zur Folge hat, dass kleine und mittelständische Unternehmen kurz- und mittelfristig in vielen Branchen verdrängt werden. Damit ist die Vielfalt nicht mehr gegeben, die Innovation gerät ins Stocken und im Worst Case werden wir einst von Großkonzernen diktiert bekommen, was wir gefälligst zu benötigen und zu wünschen haben.

Das ist ähnlich kompliziert, wie jemandem die Vorteile des Sozialstaates zu erklären, der wie ich irgendwas um die 18.000 € im Jahr an Lohnabzügen hat, zzgl. der ganzen indirekten Steuern.
Für die Gesamtsumme habe ich keine direkte Gegenleistung, sondern nur im Falle des Falles...
Stimmt. Aber vom Sozialstaat profitiert im Falle des Falles der Einzelne, also jeder. Von der EU profitiert im Falle des Falles nur ein Großkonzern, oder wenige Großkonzerne, der Einzelne spürt keine Auswirkungen oder wird gar entlassen, was also eher negativ ist. Das ist nach meiner Ansicht der riesige Unterschied.

Achso, ein zählbares Ergebnis gab es noch...
Der Export Thüringer Firmen in die neuen EU Staaten stieg im letzten Jahr um 30% an... [...]
Gut. Welche Umstände führten dazu? Fehlende Zölle? Keine Devisenschaukeleien? Oder ein Mix aus beidem? Oder haben Thüriger Firmen jetzt andere Produkte im Portfolio, die im Ausland auch notfalls zu einem höheren Preis gekauft werden würden, weil sie innovativ sind? Also ich weiß es nicht, aber wenn es wegen der Zölle und Devisen ist, dann möchte ich annehmen, dass im Gegenzug auch etliche Waren aus europäischen Ländern auf den deutschen Markt kommen, die dort bedeutend billiger produziert wurden und damit einer anderen oder gar der gleichen Branche bald den Garaus machen werden. Beruht die Steigerung auf Innovation, dann wären die Waren auch mit Zöllen und Devisentausch im Ausland abgesetzt worden.

Gruß,
Photon
 
Wer ist denn "breit aufgefächert"?

Eben die EU.
Sie vereinigt Länder mit Bodenschätzen, mit Tourismus, mit Schifffahrt, mit den verschiedensten Arten der Industrie, Bankwesen, Waren des alltäglichen Gebrauchs...

Diese "breite Auffächerung" dient einzig und allein den Großkonzernen, die zusätzlich dazu auch noch staatlich geschützt und gestützt werden. Aber genau dadurch geht die Vielfalt am Markt verloren.

Was hat das eine denn mit dem anderen zu tun?
Bei uns hier in der Gegend gibt es einige Automobilzulieferer. Die machen nix anderes als Zulieferteile.
Als diverse Hersteller Fertigungsstops verfügt hatten, ging den Leuten hier der Arsch auf Grundeis, viel höher ist er jetzt immer noch nicht.
Dahingegen eine Firma wie Siemens. Die bedient die verschiedenste Bereiche, hat Aufträge bis Ende des nächsten Jahrzehnts sicher, da redet keiner von Stellenabbau wegen der Krise.
Und Siemens hat genauso wenig wie die hiesigen Zulieferer irgendwelche staatlichen Subventionen oder sonstige Mittel erhalten.

Mag sein. Aber ohne EU sind weit weniger Fachkräfte ins Ausland abgewandert, die sich hier auf Staatskosten hochqualifiziert haben.

Das ist ja ein Paradebeispiel wie die Souveränität eines Staates die persönlichen Freiheiten einschränkt :ugly:

Man schafft durch die EU künstlich ein neues Potenzial, welches aber nach meiner Ansicht zur Folge hat, dass kleine und mittelständische Unternehmen kurz- und mittelfristig in vielen Branchen verdrängt werden.

Da erlebe ich aber gerade etwas anderes...
Siemens hat sich massiv aus den Gebieten zurückgezogen, wo es entweder nur "kleine" Teams gab, oder wo es wirklich um "Baumarkt"Ware geht.
Bis auf ne Osram Glühlampe kriegt kein normaler Mensch mehr nen 100%iges Siemens Produkt zu kaufen.
Und selbstredend arbeitet Siemens mit mittelständischen Unternehmen zusammen, von Entwicklung über Zulieferung bis hin Subunternehmen bei der Montage.
Die Vergangenheit hat seltsamerweise bewiesen, dass solche großen "Über"konzerne einfach zu unflexibel sind...

Stimmt. Aber vom Sozialstaat profitiert im Falle des Falles der Einzelne, also jeder. Von der EU profitiert im Falle des Falles nur ein Großkonzern, oder wenige Großkonzerne, der Einzelne spürt keine Auswirkungen oder wird gar entlassen, was also eher negativ ist. Das ist nach meiner Ansicht der riesige Unterschied.

Ahja...
Wenn jetzt durch das Konjunkturprogramm, gut, ist nen deutsches, aber egal,
unser Bereich n Aufträge im Wert von x Milliarden bekommt, da profitieren ich nicht zufällig davon, dass mein Job noch sicherer ist?
Wenn wir dadurch nen nachhaltigen Gewinn fahren können, profitiere ich nicht davon, dass offene Stellen besetzt werden, so dass ich nicht mehr so viele Überstunden schieben muss?

Ein Unternehmen benötigt Aufträge zum existieren, damit es auch Angestellte beschäftigen kann.
Wenn durch die EU 10% weniger Wertschöpfung in das "Ausland" abfließen, dann schaffen/sichern diese 10% in der EU die Jobs.

Gut. Welche Umstände führten dazu? Fehlende Zölle? Keine Devisenschaukeleien? Oder ein Mix aus beidem?

Ein Grund waren, glaub ich, die steigenden Lebensverhältnisse in den Ländern, die dazu führen, dass mehr konsumiert wird.

gruss kelle!
 
Eben die EU.
Sie vereinigt Länder mit Bodenschätzen, mit Tourismus, mit Schifffahrt, mit den verschiedensten Arten der Industrie, Bankwesen, Waren des alltäglichen Gebrauchs...
...zu einem Konstrukt, das nur seiner selbst willen überhaupt existiert und nur den Großen von wahrem Nutzen ist.

Was hat das eine denn mit dem anderen zu tun?
Bei uns hier in der Gegend gibt es einige Automobilzulieferer. Die machen nix anderes als Zulieferteile.[...] Dahingegen eine Firma wie Siemens. Die bedient die verschiedenste Bereiche, hat Aufträge bis Ende des nächsten Jahrzehnts sicher, da redet keiner von Stellenabbau wegen der Krise.
Und Siemens hat genauso wenig wie die hiesigen Zulieferer irgendwelche staatlichen Subventionen oder sonstige Mittel erhalten.
Gut, dann ist Siemens die löbliche Ausnahme. Und ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass sie bis jetzt noch nicht gequietscht haben. Andere haben nach der staatlichen Mutterbrust gerufen und schon Milch bekommen. Wie geht's eigentlich Holzmann?

Das ist ja ein Paradebeispiel wie die Souveränität eines Staates die persönlichen Freiheiten einschränkt :ugly:
Ich rede ja nicht von einer Mauer und einem Schießbefehl. Aber wenn man es den einheimischen Fachkräften schwerer macht, das Land zu verlassen, kann es dem Sozialstaat zumindest nicht schaden. Es soll ja nicht ein Ausreiseverbot verhängt werden. Nur eben den Parasitismus etwas Einhalt gebieten...

[...] Die Vergangenheit hat seltsamerweise bewiesen, dass solche großen "Über"konzerne einfach zu unflexibel sind...
Das hat sie, ja. Aber dennoch haben wir doch eine Wunderlampe auf der Welt, die uns manchmal in die Zukunft schauen lässt. Und die richten wir einfach mal gen Westen und sehen, was sich die USA eingebrockt hat und auf welchem Weg sie sich befindet: Konzerne, die mächtiger als der Präsident und sein gesamtes Gefolge sind. An dem Punkt ist auch Siemens noch nicht, aber man sieht doch schon, wie ein paar US-amerikanische Feuerpisser eine ganze Weltwirtschaft ins Wanken bringen können. Noch 20 oder 30 Jahre - was meinst Du, von wem wir uns diktieren lassen, was wir zu kaufen haben.

Abgesehen habe ich mal gelesen, dass Osram selbst Patente eingekauft hat, um den Markt von stromsparenden Konkurrenzprodukten zu befreien. Ob es stimmt oder nicht - aber ein Konzern hat sowohl die Macht, als auch die finanziellen Mittel den Markt zu "säubern" und Innovationen in ihrem Sinne zu hemmen.

Ahja...
Wenn jetzt durch das Konjunkturprogramm, [...] profitiere ich nicht davon, dass offene Stellen besetzt werden, so dass ich nicht mehr so viele Überstunden schieben muss?
Wie geht's Holzmann? Schöne Grüße an dieser Stelle an die Post und Nokia. Bald auch Opel. Und bitte betrachte den glücklichen Umstand, dass Du bei Siemens arbeitest, nicht als Standard.

[...] Wenn durch die EU 10% weniger Wertschöpfung in das "Ausland" abfließen, dann schaffen/sichern diese 10% in der EU die Jobs.
Das freut mich ehrlich gesagt nur am Rande, dass jetzt Rumänien, Polen, ... ein paar Arbeitslose weniger haben. Die EU ist nicht "Einheit" genug, als dass es mich interessieren könnte. Und ich fühle mich nicht als "Europäer"...

Ein Grund waren, glaub ich, die steigenden Lebensverhältnisse in den Ländern, die dazu führen, dass mehr konsumiert wird.[...]
Wenn ich es also richtig verstehe, sind auch deutsche Hilfen - ehm, ich meine "Mitgliedsbeiträge an die EU" - dafür verantwortlich, dass die Länder unsere Waren kaufen. Wäre es dann nicht billiger und heroischer gewesen, man hätte staatlich die Artikel aus Thürigen gekauft und ins Ausland verschenkt? Ich meine, dann würde man zumindest nicht laufend in den Topf einzahlen und einzahlen und einzahlen, sondern gezielt Hilfen leisten?!

Gruß,
Photon
 
Konzerne, die mächtiger als der Präsident und sein gesamtes Gefolge sind.

Wer hat denn im Endeffekt die Macht?
Der Politiker, der meint, sich an Arbeitslosenzahlen messen zu lassen, oder das Unternehmen, das meint "Unter den und den Voraussetzungen schaffe ich x Arbeitsplätze."

Was kann denn ein Kanzler machen, wenn Siemens sagt "Wir schließen die Handy Branche."

Sobald ein Unternehmen international tätig ist, sind lokale Gesetze so mehr ein Witz...

Abgesehen habe ich mal gelesen, dass Osram selbst Patente eingekauft hat, um den Markt von stromsparenden Konkurrenzprodukten zu befreien.

Wobei Du ehrlich sein musst, dass so etwas weder ne Erfindung des 21. Jahrhunderts noch der EU ist.
Zu einem Wettbewerb gehört es nun mal auch, dass Mitbewerber geschluckt werden, oder dass sie kalt gestellt werden.

Zweifelsohne ist es aber tatsächlich so, dass wirkliche Innovationen nur noch von Großfirmen realisiert werden können, weil einem Mittelständler der Atem fehlt, um von der Idee bis zur Marktreife alles zu finanzieren.
Ein Firma wie Büssing ist schon in den sechziger Jahren an Ihren Innovationen gescheitert...

Und bitte betrachte den glücklichen Umstand, dass Du bei Siemens arbeitest, nicht als Standard.

Das ist doch unabhängig vom Firmennamen.
Schließlich ist Siemens nicht Generalauftragnehmer der EU.
Klar gibt es Firmen die den Bach runtergehen. Gab es früher auch schon. Wo ist das Problem?

Wenn ich mir, wo Du Opel erwähntest, mal die Autohersteller anschaue...
Die amerikanischen liegen mit nem Herzinfarkt in der Ecke, die japanischen sind am Kotzen was das Zeug her hält, während die europäischen, abgesehen von den GM Töchtern, unter ner Magenverstimmung leiden.

Oder die Banken...
Klar haben hier in Europa ein paar laut Hilfe schreien müssen. In Amerika wurden Banken von den Aufsichtsbehörden dicht gemacht, zig Banken wurden von Konkurrenten geschluckt.

Beides sind für mich erstmal Anzeichen, dass sich hier in Europa ein Binnenmarkt entwickelt hat, der so attraktiv für Unternehmen und Banken ist, dass es sich lohnt, so viel zu investieren, bzw. so viele Geschäfte auf dem "heimischen" Markt zu machen, dass Kapriolen in der Wirtschaftsmacht Nummer eins hier abgepuffert werden können.

Ich bin schlicht und einfach der Überzeugung, dass die Finanzkrise in einem Konstrukt, wie wir es vor zwanzig Jahren hier hatten, deutlich härter durchgeschlagen hätte, da damals die Währung Dollar einfach zu übermächtig war, bzw. der Währungsraum Dollar deutlich attraktiver, als die drölfzig Währungen Europas...

Das freut mich ehrlich gesagt nur am Rande, dass jetzt Rumänien, Polen, ... ein paar Arbeitslose weniger haben. Die EU ist nicht "Einheit" genug, als dass es mich interessieren könnte. Und ich fühle mich nicht als "Europäer"...

Ohne jetzt irgendwelche Vorurteile bemühen zu wollen...

Welcher Pole ist Dir lieber?
Der hier unsere Autos stiehlt, oder den von 3,50 € Fördergeldern zu Hause arbeitet?

Es gibt in meinen Augen zwei Möglichkeiten, seinen Wohlstand aufrecht zu erhalten...
Man verteidigt ihn mit Waffengewalt oder man hilft dem anderen, auch zu Wohlstand zu kommen, ohne dabei Nasse zu machen.

Da sich die Sache mit 3 Meter Zäunen, SM-70, AK-47 etc. als etwas unbrauchbar erwiesen hat, sehe ich als Mensch, nicht unbedingt Europäer, wohl nur die zweite Möglichkeit als praktikabel.

Wäre es dann nicht billiger und heroischer gewesen, man hätte staatlich die Artikel aus Thürigen gekauft und ins Ausland verschenkt?

Denk doch einmal nach Photon...
Dann hätte der Export gar nicht stattgefunden, keine Exportquote, kein gar nix... :mrgreen:

gruss kelle!
 
Wer hat denn im Endeffekt die Macht?
Der Politiker, der meint, sich an Arbeitslosenzahlen messen zu lassen, oder das Unternehmen, das meint "Unter den und den Voraussetzungen schaffe ich x Arbeitsplätze."

Was kann denn ein Kanzler machen, wenn Siemens sagt "Wir schließen die Handy Branche."
Gar nichts. Aber wenn ein Staat national noch handlungsfähig ist, dann kann man Konzerne ab einer bestimmten Größe auch in die Pflicht nehmen. Ein Konzern würde es sich doppelt und dreifach überlegen, einen Standort zu schließen, wenn die Peitsche, die darauf folgte, das Zuckerbrot für geschaffene Arbeitsplätze überstiege. Letztlich muss dem Konzern eine Abwanderung weh tun. So weh, dass er sich soppelt und dreifach überlegt. Und ob es nach der Abwanderung für ihn noch immer rentabler ist, wenn er seinen Billigscheiß hier teuer verkaufen möchte. Deutschland ist nämlich als Absatzmarkt noch immer sehr interessant.

[...] Zweifelsohne ist es aber tatsächlich so, dass wirkliche Innovationen nur noch von Großfirmen realisiert werden können, weil einem Mittelständler der Atem fehlt, um von der Idee bis zur Marktreife alles zu finanzieren.
Ja, so ist es leider. Aber durch diesen Umstand passiert es auch, dass nur noch auf den Gebieten entwickelt wird, die für das Unternehmen interessant sind. Das muss nichts schlechtes sein, engt aber eine Produktpalette radikal ein. Besonders dann, wenn es nur noch Großkonzerne gäbe...

[...] Autohersteller [...] Banken...
Gut, was ist nun besser? Es gibt nach wie vor keinerlei Gesetze - nur Bürgschaften. Parteienübergreifend war man sich einig: Es müssen Gesetze und Überwachung her. Jeder Staubsauger wird mehr geprüft, als "Artikel" auf dem Finanzmarkt. Und wo sind sie? Der Staat hat bis jetzt nur die Mutterbrust gereicht, wie immer.

Weißt Du was? Ich bin für eine staatliche Bank mit fester Verzinsung und fertig. Wird wohl das beste sein. Dann wäre das Haushaltsloch mit einem Schlag gestopft und der Staat schlagartig liquide. Und das beste: Es gäbe keine Eklats mehr wegen kleiner CDs und Überweisungen ins Ausland. Und ich empfände mein Geld als sicher. Wer von uns macht unter der Hand so viel Mauschelgeschäfte, dass er gegen diese Idee ist? ;)

[...] Ich bin schlicht und einfach der Überzeugung, dass die Finanzkrise in einem Konstrukt, wie wir es vor zwanzig Jahren hier hatten, deutlich härter durchgeschlagen hätte, da damals die Währung Dollar einfach zu übermächtig war, bzw. der Währungsraum Dollar deutlich attraktiver, als die drölfzig Währungen Europas...
Möglich. Aber vielleicht wäre sie aufgrund des fehlenden Euros erst gar nicht entstanden. Schließlich haben europäische Banken in ganz großem Stil auch in amerikanische Immobilien investiert - mit ihrem starken Euro. Vielleicht wurde die Krise auch erst durch den Euro und dessen Macht maßgeblich mitverschuldet? Vielleicht wäre es nie zu dieser Krise gekommen oder hätte nur einige Länder betroffen? Vielleicht uns auch gar nicht und wir hätten uns nur über preiswerten Sprit und billigen Dollar gefreut?

Ohne jetzt irgendwelche Vorurteile bemühen zu wollen...

Welcher Pole ist Dir lieber?
Der hier unsere Autos stiehlt, oder den von 3,50 € Fördergeldern zu Hause arbeitet?
Der Pole, der mein Auto klaut. Da bekomme ich den Schaden ganz oder teilweise von der Versicherung ersetzt. Welche Versicherung ersetzt mir einen "geklauten" Arbeitsplatz?

Es gibt in meinen Augen zwei Möglichkeiten, seinen Wohlstand aufrecht zu erhalten...
Man verteidigt ihn mit Waffengewalt oder man hilft dem anderen, auch zu Wohlstand zu kommen, ohne dabei Nasse zu machen.
Es widerspricht dem Wesen des Kapitalismus, dass jeder in Wohlstand leben kann. Das geht schlicht nicht. Es muss immer Leute geben, die ausgebeutet werden, damit ein anderer im Wohlstand leben kann. Das ist nunmal leider so. Erhöht man den Wohlstand des anderen, schafft man sich automatisch eine Konkurrenz für den eigenen Wohlstand.

Oder wollen wir "Wohlstand" definieren? Wenn "Wohlstand" bedeutet, eine Wohnung zu haben und genug zu essen und anzuziehen, dann ist es ein Wohlstand, der sicherlich überall auf der Welt erreichbar ist, wenn auch schwer. Reden wir jedoch von Autos, Häusern, Mobiltelefonen, Internetzugängen, vorzüglicher ärztlicher Versorgung, Arbeit und Luxus, dann funktioniert es nicht mehr. Will sagen: Was wir Deutschen unter Wohlstand verstehen ist nur möglich, weil es nicht allen Menschen auf der Welt so geht und weil es Ziegelbrenner in China gibt, die für 50 Cent pro Tag Ziegel brennen...

[...] Denk doch einmal nach Photon...
Dann hätte der Export gar nicht stattgefunden, keine Exportquote, kein gar nix... :mrgreen:
Nee, keine hübschen Zahlen auf dem Papier, aber den gleichen Effekt :mrgreen:

Gruß,
Photon
 
[N] Kritiker des Lissabon-Vertrages formieren sich

Folgende News wurde am 16.01.2009 um 17:46:00 Uhr veröffentlicht:
Kritiker des Lissabon-Vertrages formieren sich
Shortnews

Um das Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages zu verhindern, sammeln sich die EU-Gegner. Die EU-kritische irische Initiative "Libertas" eröffnet ein Europa-Büro in Brüssel. Ihr einziges Ziel ist es, den Lissabon-Vertrag zu verhindern. Woran sie bereits 2008 in Irland ihren Anteil hatten. In Großbritannien warb der Tory-Vorsitzende seine Wähler mit einer Volksbefragung zum Lissabon-Vertrag. In Tschechien gründete sich eine neue "Partei freier Bürger". Auch ihr Ziel ist es, den EU-Superstaat zu verhindern. In Deutschland hingegen herrscht bisher weitestgehend Ruhe. Einzig Peter Gauweiler hat Verfassungsbeschwerde gegen den Vertrag eingelegt und rechnet sich gute Chancen aus. Seiner Ansicht nach würden durch das Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages die Gesetze der BRD ausgehöhlt und dem EU-Gesetz unterworfen.
 
So, jetzt ist er wohl endlich durch...
Polens Zustimmung ist nur noch Formsache, in Tschechien liegt der Vertrag zwar noch beim Verfassungsgericht, aber dieses hat dem Vertrag schon einmal als verfassungskonform durchgewunken.

gruss kelle!
 
Ist ja auch Zeit geworden... Gut, dass es bei uns keine solche Schwachsinnsabstimmung gegeben hat... Hätte nur den politischen Rändern genutzt... 8)
 
[N] Irland sagt Ja - Hürde für EU-Reform genommen

Folgende News wurde am 03.10.2009 um 18:17:12 Uhr veröffentlicht:
Irland sagt Ja - Hürde für EU-Reform genommen
DPA-News

Dublin/Brüssel (dpa) - Aufatmen in Europa: Auf dem Weg zu einer umfassenden Reform ist die EU einen großen Schritt vorangekommen. Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Iren in einem zweiten Anlauf dem neuen EU-Vertrag von Lissabon zu. Alle Blicke richten sich nun auf Tschechien und Polen: Damit das Vertragswerk endgültig in Kraft treten kann, müssen noch die Präsidenten der beiden Länder zustimmen. Beim zweiten Referendum segneten die Iren den Vertrag mit einer überraschend großen Mehrheit ab:*67,1 Prozent stimmten am Freitag für den Vertrag, das Nein-Lager kam auf nur mehr auf 32,9 Prozent. Bei der ersten Volksabstimmung im Juni vergangenen Jahres kamen die Nein- Sager noch auf 53,4 Prozent. «Die Iren haben mit klarer Stimme gesprochen. Es ist ein guter Tag für Irland und ein guter Tag für Europa», sagte der irische Ministerpräsident Brian Cowen am*Samstag in Dublin. Mit dem Votum zeigten die Iren, dass sie «im Herzen Europas bleiben wollen». Europa müht sich seit acht Jahren um eine Reform. Der Lissabon- Vertrag, Nachfolger der gescheiterten EU-Verfassung, soll die EU effektiver machen. Doch mit dem Ja der Iren allein kann das komplexe Vertragswerk noch nicht in Kraft treten - dazu ist die Zustimmung aller 27 EU-Länder notwendig. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso rief deshalb die Staatschefs in Tschechien und Polen zum schnellen Handeln auf. «Jetzt, da alle Mitgliedstaaten dem Vertrag von Lissabon demokratisch zugestimmt haben, muss der Vertrag so schnell wie möglich auch in Polen und Tschechien ratifiziert werden», sagte er in Brüssel. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sah nun endgültig den Weg zur Annahme des Vertrages geebnet. Er hoffe, dass Präsident Lech Kaczynski seine Ankündigung umsetze und das Dokument sehr schnell unterzeichne, sagte Tusk. Niemand wolle, dass Polen als ein Bremser des Ratifikationsprozesses gelte. Sorgenkind bleibt noch Tschechien. Zwar plädierte auch die tschechische Regierung für eine schnelle Ratifizierung. Allerdings ist noch eine Klage gegen den Vertrag vor dem Verfassungsgericht in Brünn anhängig. «Es ist schwer zu prognostizieren, wann das abgeschlossen ist», sagte Europaminister Stefan Füle, «die Regierung und ich persönlich glauben, dass wir bis zum Ende des Jahres ratifiziert haben». Jedoch hielt der tschechische Präsident und EU- Kritiker Vaclav Klaus eisern dagegen:*Er warte eine Entscheidung des Verfassungsgerichts ab, bevor er über seine Unterschrift nachdenke. Dennoch machte sich nach dem irischen Votum Hoffnung breit. Bundeskanzlerin Angela Merkel beglückwünschte die Iren zu ihrer Entscheidung. «Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Lissabon- Vertrag, und ich darf sagen: Deutschland ist an seinem Tag der Deutschen Einheit sehr glücklich über den Ausgang des Referendums», sagte sie in*Saarbrücken. Auch der scheidende Außenminister Frank- Walter Steinmeier betonte, das Ja der Iren bringe die EU der «notwendigen Vertragsreform einen großen Schritt näher». Der amtierende EU-Ratspräsident Fredrik Reinfeldt sprach wie der britische Premierminister Gordon Brown von einem «guten Tag für Europa». Europa habe nach dem ersten Nein «zugehört und ist auf die Besorgnisse der Menschen in Irland eingegangen», sagte der schwedische Regierungschef. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy gratulierte den Iren zu ihrer «Wahl Europas». Bei der Abstimmung der Iren spielten allerdings wohl weniger die europäische Reform als wirtschaftliche Faktoren die entscheidende Rolle: Da Irland so tief wie kaum ein anderes Land in der EU in der Krise steckt, erhofften sich viele Menschen Hilfe aus Brüssel. Zudem hatte die irische Regierung von der EU Zusagen verlangt, damit die Iren den Vertrag dieses Mal abnickten - so zum Beispiel, dass in dem katholischen Land das Abtreibungsverbot durch den Vertrag nicht abgeschafft wird. Vertrags-Gegner beklagten am Samstag jedoch, dass die Iren zu ihrer Entscheidung durch Angstmacherei genötigt worden seien. Sie warnten auch vor einem europäischem «Superstaat», der die Macht der einzelnen Länder untergrabe. Der Vertrag von Lissabon folgt der EU- Verfassung, die 2005 in Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gescheitert war. Bisher gilt in der EU immer noch der Vertrag von Nizza aus 2001. Der neue Vertrag soll Entscheidungen in der EU vereinfachen und der Union auch außenpolitisch ein größeres Gewicht geben. So ist zum Beispiel der Posten eines ständigen EU- Präsidenten geplant. Derzeit wird in Großbritannien heftig darüber spekuliert, dass dieses Amt der britische Ex-Premier Tony Blair übernehmen könnte.