News Aufklärung statt Häme: Die Medien und der Fall Käßmann

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25 April 2006
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Folgende News wurde am 24.02.2010 um 14:05:31 Uhr veröffentlicht:
Aufklärung statt Häme: Die Medien und der Fall Käßmann
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Hamburg (dpa) - «Um Gottes Willen», titelt die «Frankfurter Rundschau». «Der Fall Margot Käßmann», heißt es doppeldeutig über dem «Welt»-Aufmacher. Die Münchner «Abendzeitung» zeigt die Bischöfin mit ausgebreiteten Armen im Talar - darunter: «Die Promille-Sünderin». Und schlicht «Die Alkohol-Nacht» heißt es am Mittwoch auf Seite eins der «Bild». Einen Tag, nachdem die Boulevardzeitung die Promillefahrt der obersten Protestantin öffentlich machte, widmen die Zeitungen dem Thema nicht nur häufig den Aufmacher, sondern mehrere Seiten. Doch wenig Skandal und Häme sind zu lesen, eher Analysen, Leitartikel und aufklärende Stücke. Zum Skandal taugt der Fall kaum. «Das hängt auch mit ihrer Reaktion zusammen. Mit dem schnellen Schuldeingeständnis hat sie der Häme vorgebeugt», sagte die Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher vom Hamburger Hans-Bredow- Institut im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Hätte sie lange drum herum geredet und sich rausgewunden, wären die Berichte viel hämischer. »Außerdem sei die Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine Sympathieträgerin. «Käßmann hat es immer schon geschafft, mit Negativtendenzen umzugehen. Die Scheidung hat ja auch an ihr gekratzt. » Doch mit dem damaligen Eingeständnis, an einer Scheidung seien immer beide Partner mitschuldig, habe sie viel Verständnis geerntet. «Diese Haltung des Nicht-Vertuschens hat zu einer Vermenschlichung der Institutionen Bischofsamt und EKD- Vorsitzende beigetragen», sagte Bleicher. Natürlich bleibe das Thema noch einige Zeit in den Medien präsent. «Es wird noch geklärt werden, was wann und wie getrunken wurde. » Aber die wichtigste Frage, hat sie oder hat sie nicht, ist bereits durch Käßmann selbst eindeutig geklärt: «Die Aufgabe des Aufdeckens eines Fehlverhaltens durch die Medien fällt somit weg. »Für die Allgemeinheit habe solch ein persönliches Schicksal immer auch einen positiven Effekt - so würden nun die Themen Alkohol am Steuer und übermäßiges Trinken breiter thematisiert. «So etwas schafft ein Bewusstsein. Es geht um die Frage, was sind 1,5 Promille, wie viel ist das in Gläsern? Viele, die sich nach einem Glas Wein noch ins Auto setzen, hinterfragen dann ihr eigenes Verhalten», meinte Bleicher. Darauf hofft auch die Suchtkrankenhilfe Blaues Kreuz (Wuppertal). «Vielleicht führt dieser Fall dazu, dass man den eigenen Umgang mit Alkohol überdenkt», sagte deren Bildungsreferentin Andrea Schmidt. Denn der Übergang vom Genusstrinken zum Alkoholmissbrauch bis zur Abhängigkeit sei fließend. «Die Aufmerksamkeit für diesen Fall kann zu einer Selbstbefragung führen, wenn man ehrlich mit sich selbst ist: Kann ich eine zeitlang ohne Probleme auf Alkohol verzichten? Darf und soll ich eigentlich noch Autofahren?»Traditionell erfüllen öffentliche Fehltritte herausragender Personen diese aufklärende Funktion, wie Bleicher sagt. «Das führt immer zur Beschäftigung mit dem Thema. Es hat einerseits den Effekt der öffentlichen Sühne, andererseits aber auch einen Ratgeber- Aspekt. »Dass jetzt gerade eine gefestige, integre Persönlichkeit wie Margot Käßmann mit Alkohol am Steuer erwischt wurde, sei «sehr schade und unglücklich» für sie, sagte Suchtexpertin Schmidt, könne aber anderen Menschen helfen. «Die Gefährlichkeit von Alkohol wird damit aus der Schmuddelecke geholt. Nicht nur die Außenseiter unter der Brücke haben Probleme mit dem Trinken, sondern auch Menschen, die mitten in der Gesellschaft stehen, anerkannt sind. Da wird deutlich, wie schnell jeder in die Alkoholfalle tappen kann. » Käßmann sei ein gutes Beispiel für alle, die mögliche Alkoholprobleme immer weit von sich wiesen: «Sie hat ja selbst eine ganz klare Position dazu. Dass so jemand dann aber selbst in diese Falle tappt und nicht Nein sagen kann, das zeigt, wie schnell es jedem passieren kann. »

www. blaues-kreuz. dewww. hans-bredow-institut. de
 
Ich bin selbst evangelisch und finde die Berichterstattung mancher Zeitungen echt ziemlich unter der Gürtellinie. In dem Artikel wurden zum Glück auch viele positive Beispiele genannt, aber im Allgemeinen ist es doch so, dass schnell gerichtet wird, wenn bei der Kirche etwas passiert :D

Bei den Katholiken sehe ich das mit dem Kindesmissbrauch etwas anders - das ist jetzt nicht gerade etwas, das "jedem mal" passieren könnte. Aber so eine Welle um Trunkenheit am Steuer zu machen, nur weil es eine Bischöfin ist.. dabei weißt doch jeder, dass wir durch das Abendmahl naturgemäß viel Ahnung von Wein haben :LOL:

Spaß beiseite - bin ich der Einzige, der das übertrieben findet, oder benehm ich mich, als hätte man meiner Kirche gegen's Bein gepinkelt?
 
Ich finde das hat weniger etwas mit der Kirche zu tun, sondern viel mehr mit der Tat an sich. Ich persönlich finde Alkohol am Steuer absolut verwerflich. Entweder ich trinke (sei es nur ein Bier o.ä.) und fahre nicht oder aber ich fahre und trinke nichts. Und ich meine nichts! Ich finde es auch nicht entschuldbar. Sie ist alt genug und wusste was sie tut. Sie steht nunmal in der Öffentlichkeit und muss nun damit leben, dass sie an den Pranger gestellt wird. Zumal sie nicht irgendeine Prominenz ist. Sie ist nunmal Vorsitzende der evangelischen Kirche. Und ich kann mich nicht vorstellen, dass Fahren unter Alkohol-Einfluß im Sinne derer ist...
 
Bei den Katholiken sehe ich das mit dem Kindesmissbrauch etwas anders - das ist jetzt nicht gerade etwas, das "jedem mal" passieren könnte.

Denk da mal nochmal nach. In jeder "Gruppe" mit mehr alsl 10 Mio mitgliedern in Deutschland passiert sowas.

Ich möchte das jetzt nicht kleinreden, aber das "katholisch" hat in der Missbrauchs berichtserstattung genauso wenig zu suchen wie das "evangelisch" hier.
 
Denk da mal nochmal nach. In jeder "Gruppe" mit mehr alsl 10 Mio mitgliedern in Deutschland passiert sowas.

Ich möchte das jetzt nicht kleinreden, aber das "katholisch" hat in der Missbrauchs berichtserstattung genauso wenig zu suchen wie das "evangelisch" hier.
Meiner Meinung nach ist das bei beiden Geschichten nur der Gipfel. Das Verweferliche ist die Tat an sich - in welcher Position auch immer!

Hab gerade im Radio gehört: Frau Käßmann ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Konsequent und richtig, wie ich finde.
 
Hab gerade im Radio gehört: Frau Käßmann ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Konsequent und richtig, wie ich finde.

Quark. Sie hat einen Fehler begangen. Wenn wir alle wegen eines Fehlers zurücktreten, hätten wir ein Problem.

Alkohol ist kein Kinderspiel, aber deswegen direkt das weitere Leben verbaut zu bekommen ist Quatsch. Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient.
 
Quark. Sie hat einen Fehler begangen. Wenn wir alle wegen eines Fehlers zurücktreten, hätten wir ein Problem.

Alkohol ist kein Kinderspiel, aber deswegen direkt das weitere Leben verbaut zu bekommen ist Quatsch. Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient.

Stopp, es geht nicht darum, dass nun Ihr Leben "verbaut" wäre. Sie ist immer noch Pfarrerin und als solche sicher nicht lange arbeitslos. Und der Rücktritt aus eigenem Ermessen ist an sich tatsächlich konsequent von Ihrer Art und Ihrer Geradlinigkeit. Ich denke, dass Sie es von Ihrer Person nicht ertragen hat, mit diesem Fehler in dieser Position. Ob es "richtig" war, zurückzutreten, wer weiß?
 
Stopp, es geht nicht darum, dass nun Ihr Leben "verbaut" wäre. Sie ist immer noch Pfarrerin und als solche sicher nicht lange arbeitslos. Und der Rücktritt aus eigenem Ermessen ist an sich tatsächlich konsequent von Ihrer Art und Ihrer Geradlinigkeit. Ich denke, dass Sie es von Ihrer Person nicht ertragen hat, mit diesem Fehler in dieser Position. Ob es "richtig" war, zurückzutreten, wer weiß?

Ja und bei jeder Gelegenheit wird diese Story wieder auf den Tisch kommen. Egal was sie sagt und was sie tut, dieser Vorfall wird ihr in unserer tollen Medienlandschaft ewig nachgetragen.

"Eigenes" Ermessen ist immer so schön gesagt. Das ist wie in der Politik, da gehen auch auf einmal immer ganz viele "freiwillig" ohne Zwang und so - das ist nicht wirklich glaubhaft, oder?

Ja, sie ist Pfarrerin, aber ist sie für den Job denn noch geeignet, wenn sie den vorherigen wegen einer Dummheit nicht mehr ausüben kann?
 
...

Bin ich eigentlich der einzige, der sich fragt, warum das so kurz nach der Afghanistan-Rede passiert ist?
 
Also lustiger wärs mal gewesen, wenn der Papst besoffen mit seinem Mobil über ne rote Ampel gefahren wäre :ugly:



Bin ich eigentlich der einzige, der sich fragt, warum das so kurz nach der Afghanistan-Rede passiert ist?

Der Herr von und zu VT fragt sich das bestimmt auch.


~Textteile entfernt-by Cybo~
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Quark. Sie hat einen Fehler begangen. Wenn wir alle wegen eines Fehlers zurücktreten, hätten wir ein Problem.

Alkohol ist kein Kinderspiel, aber deswegen direkt das weitere Leben verbaut zu bekommen ist Quatsch. Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient.
Doch, ich find's gut. Wenn sie es nicht gemacht hätte, hätte ich auch nicht gesagt "Sie muss aber....". Aber da sie es nunmal "freiwillig" getan hat, wegen - wie sie sagt - Achtung vor sich selbst, finde ich das absolut akzeptabel und richtig die Konsequenz daraus zu ziehen. Was wäre die Alternative gewesen? Wie Du schon sagst, wird sie diese Geschichte wohl ihr Leben lang begleiten. Und Alkohol im Zusammenhang mit der Kirche ist wahrlich nicht die richtige Kombination.

Stimmt auch, mit Alkohol ist nicht zu spaßen. Und wer diesen genießen kann und in Folge dessen Fehler begeht - bewusst Fehler begeht muss sich auch über Konsequenzen im Klaren sein. Und wenn das nicht der Fall ist, dann eben die Konsequenzen akzeptieren.
Sorry, meine Meinung ;).
 
Jemand, der solch einen Fehler macht, kann später nicht mehr moralisch auf andere mit dem Finger zeigen, sie wäre für immer belastet und könnte das, was sie sich als Vorsitzende der evangelischen Kirche vorgenommen hat, nicht mehr umsetzen. Es ist also absolut konsequent, das Amt nicht mehr auszuüben.

Und während ich jedem Menschen eine zweite Chance gebe, kann die nicht jeder in der gleichen Position bekommen. Der Vergleich ist zwar daneben, aber den katholischen Pfarrern möchte ich auch keine zweite Chance in der Jugendarbeit zubilligen. Eine zweite Chance, in ihrem restlichen Leben etwas anderes zu machen, sollen aber auch sie bekommen.

Frau Käßmann hat Politiker kritisiert, die nach einem Fehler nicht zurückgetreten sind und die Verantwortung übernommen haben. Sie selber hat das durchgezogen. Hut ab vor dieser Konsequenz, Daumen runter für die Tat an sich.

Marty
 
Also lustiger wärs mal gewesen, wenn der Papst besoffen mit seinem Mobil über ne rote Ampel gefahren wäre :ugly:
Wenn er das in seinem eigenen Hoheitsgebiet macht passiert gar nix. Dabei hat er bestimmt auch diplomatische Immunität.

OK, man will die Frau Bischof absägen. Bestimmt gibt es noch andere Gründe dafür, sonst würde man es in den Medien nicht so hochspielen.
Die Scheidung war auch schon ein starkes Stück, immerhin ist die Ehe eine heilige Institution.
 
[...]
Frau Käßmann hat Politiker kritisiert, die nach einem Fehler nicht zurückgetreten sind und die Verantwortung übernommen haben. Sie selber hat das durchgezogen. Hut ab vor dieser Konsequenz, Daumen runter für die Tat an sich.

Ja, nach politischen Fehlern, der Krieg der Bundeswehr, das passt nicht zusammen zu Trunkenheit am Steuer. Die Amerikaner lassen sogar ehemalige Trinker und Ehebrecher Präsident sein und eine Geistliche darf keine Fehler machen?

Mir ist das ganze zu aufgeblasen, es war ein Fehler, klar. Aber wer in seinem Leben keine Fehler gemacht hat, der werfe mal den ersten Stein.
 
Klar, die Frau ist ein Mensch und macht Fehler, wie jeder andere Mensch auch.
Dafür muss sie jetzt eben büßen, in dem sie ihren Führerschein abgeben muss.

So sehen wir beide das. Einige andere sind der Meinung, dass sie nach diesem Fehler keine öffentlichen Ämter mehr ausüben darf und auch kein Recht mehr hat andere zu kritisieren - so sieht es doch aus, wenn wir mal Klartext reden.
 
Mir ist das ganze zu aufgeblasen, es war ein Fehler, klar. Aber wer in seinem Leben keine Fehler gemacht hat, der werfe mal den ersten Stein.

Sehr richtig. Abgesehen davon ist stark darüber nachzudenken, ob mit diesem forcierten Rücktritt nicht sogar unglaublich viel Potential verschenkt wurde.

Klar, die Frau ist ein Mensch und macht Fehler, wie jeder andere Mensch auch.
Dafür muss sie jetzt eben büßen, in dem sie ihren Führerschein abgeben muss.

Das war auf die Scheidung bezogen ;)
 
... ich frage mich auch, wer der "Journalie" in Windeseile die Infos zugespielt hat,
selbst der Blutalkoholwert wurde schon einige Stunden nach dem Vorfall veröffentlicht - ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt... ;)

Frau Käßmann hatte gar keine andere Wahl, als den Rückzug anzutreten: unterschwellig wurde ihr bereits in div. Radiointerviews durch sog. Experten "gewohnheitsmäßiges Trinken" vorgeworfen..., der 2. Teil der Kampagne wäre also schon in Vorbereitung gewesen....

Selbstverständlich hätte Frau Käßmann auch weiterhin ihre Meinung zu vielen politischen Themen kundgetan - ich hoffe sogar, dass sie das auch in Zukunft tun wird. Ihre Entscheidung, den Hut zu nehmen halte ich für falsch - in einem Land, in dem kriminelle und vorbestrafte Leute ohne Probleme hohe politische Ämter innehaben können, ist sicherlich noch Platz für eine aufrichtige Bischöfin mit Rückgrat, Herz und politischem Verständnis - dieses sollte nun wirklich das kleinste Problem sein, trotz der Alkoholfahrt, die ich damit keineswegs verharmlosen will.
 
So sehen wir beide das. Einige andere sind der Meinung, dass sie nach diesem Fehler keine öffentlichen Ämter mehr ausüben darf und auch kein Recht mehr hat andere zu kritisieren - so sieht es doch aus, wenn wir mal Klartext reden.
Naja, sie wird wohl andere auch kritisieren können, so wie jetzt selbst kritisiert wird - da muss man durch.

Das war glaub ich noch keine Verkehrsstraftat, es müßte noch eine Ordnungswidrigkeit sein. Also gibts keine Vorstrafe.