News Aufklärung statt Häme: Die Medien und der Fall Käßmann

Die Amerikaner lassen sogar ehemalige Trinker und Ehebrecher Präsident sein und eine Geistliche darf keine Fehler machen?
Wer sagt denn, dass sie keine Fehler machen darf? Sie ist nur nach ihrem Fehler konsequent und zieht die richtigen Schlüsse.

Man kann in diesem Amt keine moralische Instanz mehr sein, wenn man die eigene Moral verletzt hat.

Kann Herr Beckstein sich jemals noch mal ein moralische Urteil über Alkohol am Steuer erlauben, ohne auf seine "Mit 2 Maß kann man noch Autofahren"-Sätze erinnert zu werden? Kann Ottmar Schreiner das noch? Oder Heinrich Lummer? Oder am schlimmsten: Otto Wiesheu, wie soll der jemals etwas Glaubhaftes über Alkohol am Steuer von sich geben, wo er doch selber gesagt hat "er sei Alkohol gewöhnt und Autofahren dabei kein Problem!". Der wurde später sogar Verkehrsminister in Bayern.

Und ich finde es konsequent, dass Fr. Käßmann sagt, sie könne die Aufgaben ihres Amtes eben nicht mehr problemfrei bewältigen mit diesem Fehler. Nochmal: Ich hätte nie von ihr gefordert, dass sie zurücktritt. Ich finde es aber konsequent, dass sie diesen Schritt geht.

Mir ist das ganze zu aufgeblasen, es war ein Fehler, klar. Aber wer in seinem Leben keine Fehler gemacht hat, der werfe mal den ersten Stein.
Wer hat denn bisher Steine geworfen, der in dieser Diskussion wichtig ist?

Marty
 
So sehen wir beide das. Einige andere sind der Meinung, dass sie nach diesem Fehler keine öffentlichen Ämter mehr ausüben darf und auch kein Recht mehr hat andere zu kritisieren - so sieht es doch aus, wenn wir mal Klartext reden.
Herzchen, Du mißverstehst mich. Jeder darf Fehler machen. Keine Frage. Jeder darf eine zweite Chance bekommen. Auch keine Frage. Aber: Du musst den Fehler und die Position des Menschen abwägen. Du kannst das alles nicht auf eine Stufe stellen - Mensch und Fehler. Geht nicht.
Natürlich kann sie auch andere kritisieren, allerdings nicht in Bezug auf Alkohol und Auto fahren. Obwohl, ich denke mal, dass ihr das eine Lehre für's Leben gewesen sein wird...
Trotzdem musst Du zugestehen, dass es kein Falschparken eines Dorfpfarrers gewesen ist.
 
Wer sagt denn, dass sie keine Fehler machen darf? Sie ist nur nach ihrem Fehler konsequent und zieht die richtigen Schlüsse.

Man kann in diesem Amt keine moralische Instanz mehr sein, wenn man die eigene Moral verletzt hat.
[...]

Eben das sehe ich anders. Darf nur die Jungfrau von der Schönheit der Unberührtheit sprechen? Ich denke wir leben in einer Welt mit diesem Fehler-vergeben-Krams?

Die Frau ist nicht unglaubwürdiger als andere. Gerade, diejenigen, die von der Schlange gebissen wurden, können etwas darüber erzählen wie man sich vor der Schlange schützt. Aber das wird in diesem Fall komplett außer Acht gelassen.
Die Frau hatte sehr gute Ansätze für ihren Job und sie hat einen Fehler gemacht - unbestritten - aber wie gesagt, ein Fehler disqualifiziert sich nicht für diesen Job. Da wird (für mich) im Hintergrund zu sehr geschoben.

Schaffen wir die Kirche ab? Die haben in ihrer Vergangenheit so einiges falsch gemacht und spielen immer wieder moralische Instanz.

Herzchen, Du mißverstehst mich. Jeder darf Fehler machen. Keine Frage. Jeder darf eine zweite Chance bekommen. Auch keine Frage. Aber: Du musst den Fehler und die Position des Menschen abwägen. Du kannst das alles nicht auf eine Stufe stellen - Mensch und Fehler. Geht nicht.
Natürlich kann sie auch andere kritisieren, allerdings nicht in Bezug auf Alkohol und Auto fahren. Obwohl, ich denke mal, dass ihr das eine Lehre für's Leben gewesen sein wird...
Trotzdem musst Du zugestehen, dass es kein Falschparken eines Dorfpfarrers gewesen ist.

Natürlich war es kein Falschparken, aber bleiben wir bei dem Beispiel.
Der Dorfpfarrer parkt falsch und erzählt am nächsten Wochenende wie es war. Erkennt vorher, dass es falsch war und warum. Er ist jetzt stärker als vorher und nicht schwächer.

Bei Käßmann hätte es ähnlich sein können. Das sie dann nicht jedem Alkoholsünder hinterher schreit ist klar, aber auch Fehler können eine Position stärken, zumindest wenn sie ehrlich verarbeitet werden.
Ihr Hauptjob ist/war ja auch nicht Alkoholsünder zu verurteilen und gerade bei der Kirche, welche was von Vergebung erzählt, sollte Vergebung doch drin sein, oder?
 
Ihr Hauptjob ist/war ja auch nicht Alkoholsünder zu verurteilen und gerade bei der Kirche, welche was von Vergebung erzählt, sollte Vergebung doch drin sein, oder?
Du kannst aber nicht Wasser predigen und Wein trinken.
Und ich wiederhole mich da gerne: ich sage nicht, dass ihr nicht vergeben werden soll. Im Gegenteil. Ich find es richtig vonwegen zweite Chance und so. Aber jene sollte sie eben dann doch in einer anderen Position bekommen. Sie soll ja nicht der Kirche verbannt werden, das wär ja quatsch. Aber dennoch eine Konsequenz muss schon daraus gezogen werden. Und allein mit Schuldbewusstsein kann es ja nicht getan sein.
 
Du kannst aber nicht Wasser predigen und Wein trinken.
Und ich wiederhole mich da gerne: ich sage nicht, dass ihr nicht vergeben werden soll. Im Gegenteil. Ich find es richtig vonwegen zweite Chance und so. Aber jene sollte sie eben dann doch in einer anderen Position bekommen. Sie soll ja nicht der Kirche verbannt werden, das wär ja quatsch. Aber dennoch eine Konsequenz muss schon daraus gezogen werden. Und allein mit Schuldbewusstsein kann es ja nicht getan sein.

Also, sie darf nicht Wasser predigen, aber Wein trinken? Was heißt das konkret? Sie darf nicht bei Rot mit 1,5 Promille über die Ampel fahren und anderen Alkoholsündern bei gleichen Vergehen Vorwürfe machen? Oder heißt es, sie hat einen Fehler gemacht, sie darf keine Führungsposition mehr einnehmen?

Es gibt doch zahlreiche Beispiele aus dem öffentlichen Leben, bei denen Menschen Fehler gemacht haben, danach aber ihre Ämter recht souverän ausgeführt haben. (Clinton, Fischer ... da fallen mir einige ein.)

Hat sie Mist gebaut? Ja.
Muss sie bestraft werden? Ja.
Was ist die Strafe? Whsl. Führerscheinentzug - ich kenne mich da in den Gesetzen nicht so aus, aber sie hat gegen die StVo verstoßen - nicht zu verharmlosen - aber trotzdem, das ist "alles".

Deiner Argumentation nach müsste sie sich nämlich einen neuen Job suchen, denn als Pfarrerin ist sie immer eine moralische Instanz - so sehe ich das zumindest.
 
Eben das sehe ich anders. Darf nur die Jungfrau von der Schönheit der Unberührtheit sprechen? Ich denke wir leben in einer Welt mit diesem Fehler-vergeben-Krams?
Es geht dabei um die öffentliche Diskussion im Anschluss, nicht um meine Ansichten zu dem Thema.

Wenn jemand, der gerade mit Alkohol am Steuer über eine rote Ampel gefahren ist, etwas moralisch zu beanstanden hat an jemand anderem, dann bekommt er keine sachliche Rückmeldung, sondern erstmal sein eigenes Fehlverhalten präsentiert.

Wenn Fr. Käßmann die Afghanistan-Politik des aktuellen Aussenministers kritisiert, dann kommt von dort nicht "Danke, wir nehmen uns das zu Herzen!", sondern vermutlich Guido-typisch "Hat Frau Käßmann nicht gerade mit ihrem Alkohol-Problem genug zu tun?".

Und schon ist die Diskussion über das eigentliche Thema weg. Der Boulevard stürzt sich auf den Kleinkrieg, nicht auf das Thema. So ist das nun mal bei uns. Gut finde ich das auch nicht.

Und Fr. Käßmann weiß das und lässt es deshalb.

Die Frau ist nicht unglaubwürdiger als andere.
Ja, und das bleibt sie auch. Für Dich, für mich, für viele andere.

Aber was würdest Du erwarten, welche Reaktion im Boulevard kommt, wenn Tiger Woods und Silvio Berlusconi jetzt eine Kampgane zur Treue in der Ehe ins Leben rufen würden und den moralischen Zeigefinger über Ehebrecher heben würden?

Ihr Hauptjob ist/war ja auch nicht Alkoholsünder zu verurteilen und gerade bei der Kirche, welche was von Vergebung erzählt, sollte Vergebung doch drin sein, oder?
Wer vergibt Ihr denn nicht? Sie selber! Ich muss ihr nichts vergeben, mir hat sie nichts getan. Ich schätze sie weiterhin als kompetent. Und viele andere auch.

Sie selbst hat einen Anspruch an sich selber nicht erfüllt und zieht eine Konsequenz. Diese Entscheidung solltest Du akzeptieren können.

Marty
 
Also, sie darf nicht Wasser predigen, aber Wein trinken? Was heißt das konkret? Sie darf nicht bei Rot mit 1,5 Promille über die Ampel fahren und anderen Alkoholsündern bei gleichen Vergehen Vorwürfe machen? Oder heißt es, sie hat einen Fehler gemacht, sie darf keine Führungsposition mehr einnehmen?
Sie kann ihren "Schäffchen" nicht sagen "Ihr dürft keine Straftaten begehen", wenn sie scheinbar selbst Schwierigkeiten hat sich daran zu halten.

Es ist keine Sache, die aus Versehen passiert ist. Das hat sie bei vollem Bewusstsein (soweit es unter Alkohol "voll" sein kann) getan.
Es gibt doch zahlreiche Beispiele aus dem öffentlichen Leben, bei denen Menschen Fehler gemacht haben, danach aber ihre Ämter recht souverän ausgeführt haben. (Clinton, Fischer ... da fallen mir einige ein.)
Meinst Du Ottfried Fischer? Beide (Clinton und Fischer) haben in ihrem Privatleben etwas falsch gemacht, was nur sie und ihre Partner angeht. Niemand war gefährdet. Und es gibt auch (in Deutschland) kein Gesetz in dem solche Taten untersagt werden. Also für mich ein hinkender Vergleich.
Und nur am Rande: Fischer ist ja jetzt (sorry) keine hoch angesehene Persönlichkeit.
Deiner Argumentation nach müsste sie sich nämlich einen neuen Job suchen, denn als Pfarrerin ist sie immer eine moralische Instanz - so sehe ich das zumindest.
Sie sollte sich nur einen anderen Posten suchen. Sie soll ja nicht aus der Kirche austreten.
Ja, und das bleibt sie auch. Für Dich, für mich, für viele andere.
Für mich auch. Definitiv. Aber wie schon gesagt wurde, wird sie diese Tat ewig begleiten. Und es gibt genügend die das mit ihrer Glaubwürdigkeit in Verbindung setzen.
 
Zuletzt bearbeitet:
...
Für mich auch. Definitiv. Aber wie schon gesagt wurde, wird sie diese Tat ewig begleiten. Und es gibt genügend die das auf mit ihrer Glaubwürdigkeit in Verbindung setzen.

Ich gebe dir hier recht. Und darüber hinaus ist zu Bedenken, dass damit - wie in voranstehenden Posts - auch das Amt und die damit verbundenen Aufgaben ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen würden. Die Erinnerung durch die Medien hallen lange nach. Daher habe ich auch Hochachtung vor diesem mutigen Schritt von ihr, der gerade ein Schritt für mehr Glaubwürdigkeit war. Und ich glaube nicht, dass sie aus dem Amt gedrängt wurde, dazu gab es zu viele öffentliche Bekenntnisse zu ihr und ihrer Person. Ich hoffe und wünsche Ihr, dass Sie schnell wieder Tritt fasst in ihrem Beruf als Pfarrerin.
 
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Meinst Du Ottfried Fischer? Beide (Clinton und Fischer) haben in ihrem Privatleben etwas falsch gemacht, was nur sie und ihre Partner angeht. Niemand war gefährdet. Und es gibt auch (in Deutschland) kein Gesetz in dem solche Taten untersagt werden. Also für mich ein hinkender Vergleich.
Und nur am Rande: Fischer ist ja jetzt (sorry) keine hoch angesehene Persönlichkeit.

Sie sollte sich nur einen anderen Posten suchen. Sie soll ja nicht aus der Kirche austreten.

Für mich auch. Definitiv. Aber wie schon gesagt wurde, wird sie diese Tat ewig begleiten. Und es gibt genügend die das mit ihrer Glaubwürdigkeit in Verbindung setzen.

Nein, ich meine den Grünen (Außenminister) Joschka Fischer *g* und Ehebruch und Steinewerfen ist in deinen Augen also anders zu behandeln als Trunkenheit am Steuer?

Sie kriegt ja eine Strafe, eben für Trunkenheit am Steuer - was hat ihr Posten damit zu tun? Nichts.

Ich baue Mist. Ich gebe es zu. Ich erhalte eine Strafe.
Solange das nichts mit meinem Job zu tun hat, sollte ich ihn wohl behalten dürfen :yes:
 
Nein, ich meine den Grünen (Außenminister) Joschka Fischer *g* und Ehebruch und Steinewerfen ist in deinen Augen also anders zu behandeln als Trunkenheit am Steuer?
Mal ganz blöd gefragt: was war'n das für eine Geschichte?
Ehebruch hat für mich überhaupt nichts mit alledem zu tun. Steinewerfen dagegen würd ich behandeln wie Trunkenheit am Steuer!
Sie kriegt ja eine Strafe, eben für Trunkenheit am Steuer - was hat ihr Posten damit zu tun? Nichts.
Na klar. Sie ist mehr glaubwürdig.
 
Der Knackpunkt ist der moralische Faktor. Und damit hat auch eine Alkoholfahrt mit ihrem Job zu tun.
Verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Die Kirche predigt Vergebung, Vergebung bedeutet aber doch ich bleibe an meinem Platz und lande nicht im Keller.

Mal ganz blöd gefragt: was war'n das für eine Geschichte?
Ehebruch hat für mich überhaupt nichts mit alledem zu tun. Steinewerfen dagegen würd ich behandeln wie Trunkenheit am Steuer!

Na klar. Sie ist mehr glaubwürdig.

Schau mal hier
In Kurzform:
Bis 1975 war er Mitglied der linksradikalen und militanten Gruppe Revolutionärer Kampf. Er beteiligte sich an mehreren Straßenschlachten mit der Polizei („Putzgruppe“), in denen Dutzende von Polizisten zum Teil schwer verletzt wurden.

Mehr glaubwürdig? Damit sind aber alle Chancen verspielt mit ihrer Glaubwürdigkeit was zu erreichen, denn laut deinem Standpunkt, darf die Frau solche Ämter ja nicht mehr übernehmen, aufgrund ihres Fehlers :think:
 
Zuletzt bearbeitet:
Mehr glaubwürdig? Damit sind aber alle Chancen verspielt mit ihrer Glaubwürdigkeit was zu erreichen, denn laut deinem Standpunkt, darf die Frau solche Ämter ja nicht mehr übernehmen, aufgrund ihres Fehlers :think:
Es gibt Menschen auf dieser Erde, die überhaupt kein Amt mehr inne haben, und deren Meinung mehr bewirken kann als die von Amtsinhabern.

Marty
 
Es gibt Menschen auf dieser Erde, die überhaupt kein Amt mehr inne haben, und deren Meinung mehr bewirken kann als die von Amtsinhabern.

Hast du ein Beispiel dafür?

Verbesserungen der Gesellschaft gehen nur aus der Gesellschaft heraus, also entweder von der Spitze oder mit der breiten Masse.
 
Mehr glaubwürdig? Damit sind aber alle Chancen verspielt mit ihrer Glaubwürdigkeit was zu erreichen, denn laut deinem Standpunkt, darf die Frau solche Ämter ja nicht mehr übernehmen, aufgrund ihres Fehlers :think:
Ah danke (Fischer). Muss gestehen, wusste ich nicht.

Natürlich kann sie weiterhin in der Kirche arbeiten, zweifelsfrei. Aber nicht in so einer hohen, angesehenen Position!
 
Warum? Wo ist der Unterschied in der Position? Als Pfarrerin ist sie doch auch eine moralische Instanz?!
Ich sag ja nicht, dass sie eine kleine Dorfpfarrerin sein soll. In gar keiner großen Vorbildsfunktion.

Wie würdest Du denn reagieren wenn Du passiv in Mitleidenschaft der Tat gezogen werden würdest? Würdest Du das dann auch so locker sehen?
 
Verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Die Kirche predigt Vergebung, Vergebung bedeutet aber doch ich bleibe an meinem Platz und lande nicht im Keller.

Nur predigt die Kirche nicht Vergessen. Und ehrlich gesagt hat es ja wohl einen seltsamen Beigeschmack, "Vergebung in eigener Sache" zu predigen. Mit dem Rücktritt kommt sie gar nicht in die Situation, das machen zu müssen.