Worauf soll ich bei einer Rechtsschutzversicherung achten – eure Erfahrungen?

LordMartymor

Active member
ID: 513525
L
7 Oktober 2022
33
8
Guten Tag miteinander,

ganz direkt gefragt: Habt ihr Erfahrungen mit (privaten) Rechtsschutzversicherungen?
Ich überlege gerade, ob ich so eine abschließen soll. Sagen wir so, es gibt bedenkliche Entwicklungen, die mich zu diesem Gedanken veranlassen. Ich lebe in Wien (Ö) – vielleicht ist das auch schon ein Hinweis ;)
Aber ich habe immer wieder gehört, dass viele Fälle gar nicht übernommen werden oder es dann ewig dauert, bis die Versicherung etwas übernimmt. Und ich will mir ja nicht eine zusätzliche Last aufbürden, dass ich dann mit der Versicherung auch noch herumstreiten muss.
Daher die Frage an alle, die sich damit schon auseinandersetzen dürften: Habt ihr eine und falls ja, worauf soll ich besonders achten? Gibt es Klauseln, die vermieden werden sollten - ich denke da an, Selbstbehalte, Wartezeiten, verschiedene Bereiche, wie Verkehr, Immobilie, etc.? Wie ist das bei euch gelaufen, als ihr sie dann wirklich gebraucht hat? Ich schwanke hin und her, ob es sich lohnt oder nur eine zusätzliche administrative Aufgabe im Ernstfall ist. Ich erwarte gespannt eure Berichte.
 
Ja, ich habe eine private Rechtsschutzversicherung. Ich habe eine Rechtsschutzversicherung bei der Helvetia Versicherung.
Du musst halt schauen was du benötigst. Beim Rechtsschutz ist es so, da gibt es mehrere Bereiche die man abdecken kann. Hast du jetzt eine Rechtsschutzversicherung für die Arbeit, dann hilft dir das wenig wenn du einen nachbarschaftsstreit hast. Dann müsstest du dir eine Rechtsschutzversicherung nehmen, die den Bereich Wohnen abdeckt. Das gibt es auch noch mit Verkehr oder Familie etc.
Also ein wenig mehr müsstest du schon sagen was das für "bedenkliche Entwicklungen" sein sollen. Kann ja viel sein: Arbeit, Wohnen, Verkehr,...
Für mich hat es sich gelohnt. Alleine muss man die Verfahrenskosten einmal stemmen können. Wenn du da schon rechtliche Probleme auf dich zukommen siehst, dann eher schnell handeln. Eine Rechtsschutzversicherung gilt nicht Rückwirkend. Hat dich da jemand verklagt oder läuft ein Rechtsstreit, dann bringt dir eine neue Rechtsschutzversicherung auch wenig.
 
Erstmals vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich hoffe du bist gut ins neue Jahr gestartet.

Ja, du vermutest schon richtig, es geht um die Nachbarschaft. Seit letztem Sommer wohnen neue Nachbarn unter mir. Von anfänglichen Beschwerden über „Sie gehen zu laut, bei uns fällt fast die Decke runter“, werden die Beschwerden mittlerweile immer häufiger und in letzter Zeit haben sie auch gedroht mich zu verklagen. Es sind so Dinge wie, ich habe mein Fahrrad kurz im Stiegenhaus stehen lassen, weil ich nur kurz in die Wohnung hoch bin, um etwas zu holen. Das nahmen sie zum Anlass mir zu drohen mich zu verklagen, weil ich den Fluchtweg versperren würde. Anfangs dachte ich „Jaja, lass sie reden!“. Aber mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob sie das nicht wirklich durchziehen würden. Du auch wenn ich mir keiner Schuld bewusst bin, denke ich mir, wäre eine Versicherung vielleicht nicht schlecht. Das heißt, ich müsste mich da vor allem zum Thema Wohnen absichern… aber Verkehr ist sicher auch nicht schlecht…
Darf ich fragen, für welche Bereiche du dich versichert hast? Und ist der Berater der Helvetia da mit dir durchgegangen, was für deine Lebenssituation am wichtigsten ist und auch was unnötig ist? Wie lief das genau? Ich freue mich auf nähere Infos.
 
Ja so geht es meistens los. Ich würde da auch mal die Drohungen aufzeichnen. Eventuell mit Zeugen diese Situationen durchgehen sonst ist man später alleine. Und lass dir halt nichts zu schulden kommen. Mit dem Fahrrad hätten sie ja Recht, auch wenn es nur 2 Minuten ist.
Wenn das Gehen zu laut ist, dann kannst du ja nichts dafür, das wird dann das Haus sein sofern du oder die Kinder da nicht jeden Tag herumspringt.
Da würde ich mich schon absichern. Ein paar Menschen, die es drauf anlegen gibts leider immer. Das sind dann schon Anzeichen dafür, dass du dich rechtlich absichern solltest.

Ich bin im Bereich Arbeit abgesichert. Bei mir war es auch schon recht früh klar, worauf die bei der Arbeit raus wollten. Also habe ich da schnell reagiert. Und siehe da halbes Jahr später wurde ich schon geklagt:) Im Grunde war da von Anfang an klar, das geht nie durch aber sie haben es einfach probiert und dann massiv in die Länge gezogen. Ohne Versicherung wäre ich nie zu meinem Recht gekommen. Ist schon ein Wahnsinn, dass es bei vielen anderen doch durchgeht und viele gar nicht für ihr Recht kämpfen können. Weil oft ist man sogar im Recht, kann aber nicht vor Gericht gehen weil man alleine nie die Kosten stemmen könnte.

Schildere einem Berater deine Situation, da wird man dann die beste Lösung für dich finden. Was da dann alles abgedeckt werden sollte, kann ich jetzt nicht sagen. Wohnen auf jeden Fall aber wenn die Nachbarn mal wirklich loslegen, wer weiß, vielleicht ist dann bald auch dein Auto zerkratzt etc. Das kann dir dann aber alles bei einem Beratungsgespräch erklärt werden was am besten wäre. Mein Betreuer ists ehr nett und ich kann dort auch dumme Fragen stellen:)
 
ich hatte selbst lange keine rechtsschutzversicherung und hab das thema eher vor mir hergeschoben, aber gerade bei nachbarschaftsgeschichten merkt man dann doch schnell, wie ungut das werden kann, auch wenn man sich eigentlich nichts zuschulden kommen lässt. allein schon der gedanke, im ernstfall nicht alles selbst vorfinanzieren zu müssen, gibt ein bisschen ruhe.
was ich aus gesprächen und erfahrungen im umfeld mitgenommen hab: wichtig ist vor allem, welcher bereich abgedeckt ist (wohnen ist bei nachbarn obviously zentral), keine laufenden konflikte vor vertragsabschluss zu haben (keine rückwirkung), und sich wartezeiten und selbstbehalte genau anzuschauen. manche tarife klingen günstig, relativieren sich dann aber genau dort.
mir wurde auch geraten, auf freie anwaltswahl, telefonische rechtsberatung und eine halbwegs hohe deckungssumme zu achten – selbst wenn man hofft, das nie zu brauchen. und ja: ganz ehrlich, ich glaub nicht, dass man jede klausel vermeiden kann, aber ein gutes beratungsgespräch hilft schon sehr, um unnötiges rauszufiltern.
bin selbst gerade dabei, mir angebote anzuschauen (wohnen + verkehr erscheint mir sinnvoll) und les hier gespannt mit. gerade erfahrungen aus der praxis würden mich auch interessieren – also wie’s dann wirklich läuft, wenn man die versicherung braucht.