Eintrag #7, 13.11.2005, 21:44 Uhr

Pogo, Circle-Pit und der tägliche Kampf vor der Bühne

Sie haben die wunderschönen Namen Pogo, Mosh-Pit, Circle-Pit und Wall of Death. Jeder Metaler, oder zumindest die Metalcore-Fraktion, weiß, wovon ich spreche. Für alle anderen eine kurze Begriffsdefinition:
Der Pogo ist noch am ehesten als "Tanz" zu definieren. Vorwiegend auf Punk- und Oi!-Konzerten anzutrefen, springt man dabei hin und her, evtl. auch zur Musik, und rempelt desöfteren auch den ein oder anderen "Mittänzer" an. Beim Mosh-Pit handelt es sich um die Weiterentwicklung, die vor allem auf Thrash- und Death-Metal-Konzerten zu finden ist. Hierbei schubst man alle "im Pit" befindlichen Personen von sich weg. Je nach Musik kann dies leichter oder härter ausfallen. Beim Circle-Pit, vor allem auf Metalcore-Konzerten zu finden, löst sich der Mosh-Pit sozusagen auf und wird durch eine im Kreis rennende Masse ersetzt. Außenstehende sowie innenstehende schubsten die Kreisläufer zusätzlich an. Meist verliert sich der Circle-Pit nach mehreren runden wieder im Mosh-Pit. Die Wall of Death, auf Metalcore-Konzerten zu Hause, ist Braveheart für Arme. Die Menge wird in der Mitte gespalten, auf ein Zeichen der Band (meist durch Einzählen) rennen beide Seiten aufeinander zu und es entwickelt sich ein großer Mosh-Pit.

Aufmerksame Zeitungsleser konnten darüber in den letzten Wochen viel lesen. Wer jemals so etwas miterlebt hat, kann nur lachen, wenn er diese Artikel liest. Zum Teil ist sogar von Kämpfen bis auf's Blut die Rede. Dass es bei einem oberflächlichen Blick so aussieht, mag sein. Dass es aber durchaus (strenge) Regeln gibt und keiner einfach widl drauflos schlägt, entgeht jedem Redakteur auf unverständliche Weise.

Egal, in welche Art "Tanz" man gerät, die Regeln sind fast überall gleich: Es wird nicht absichtlich geschlagen, treten ist gänzlich verboten. Wer am Boden liegt, wird sofort von Umstehenden aufgehoben. Absichtliches Verletzten ist tabu, mit Nieten jeglicher Art ist besonders Vorsicht geboten. In der Praxis sieht das wiefolgt aus: Wer umfällt, hat sofort mindestens 2 helfende Hände, die ihn wieder hochziehen. Verletzungen sind selten und zumeist ungewollt; manchmal passiert es eben. Dessen sollte sich aber auch jeder bewusst sein, wenn er sich in die "Falle" begibt. Auf größeren Konzerten ist sogar zu beobachten, dass, wenn mehrere umfallen, die umstehenden einen "Schutzkreis" bilden, damit nicht noch mehr Leute obendrauf fallen.

Vielleicht an dieser Stelle ganz passend, meine Erlebnisse: 2x habe ich mich im Pit ernsthaft verletzt, beide Male wegen "Dummheit" meinerseits. Beide Male bin ich mit dem Kopf ziemlich weit runter, um mitten im Pit einen Headbang (Schütteln des Kopfes) zu starten, und beide Male traf mich eine Hand bzw. ein Arm an der Nase. Nix schlimmes, I have survived, alles ok ;) Ansonsten kann ich nur von Solidarität sprechen. Noch nie bin ich umgefallen und es war keiner da, der mich gepackt und wieder aufgerichtet hat. Auf größeren Konzerten zum Teil sogar mit "Schutzkreis" außenrum. Auch sonst gibt man aufeinander acht und walzt nicht einfach alles in Grund und Boden, wie es oft dargstellt wird. Klar gibt es ab und zu Idioten, die meinen, um sich schlagen zu müssen, aber die gibt es wohl überall.

Zu guter letzt der vielleicht wichtigste Punkt: Es bebt nie die ganze Halle. Auf jedem Konzert ist an den Seiten und hinten genug Platz für "Nicht-Mosher" aller Art. Meist ist es nur ein Bruchteil der Fans, die ein bisschen Platz für ihre Art zu feiern brauchen. Das manche ihnen dieses gute Recht absprechen wollen, ist unverständlich. Und wer Angst vor soviel "Brutalität hat", kann seine Musik gerne auch aus der Heimanlage hören; Metal kommt da dann wahrscheinlich nicht raus.
 
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