Hallo zusammen,
Vielleicht ist Ihnen ja auch aufgefallen, dass im Spiegel dieser Woche (Print- Ausgabe, Nr. 44/06, S. 86 ff) ein Artikel mit der Überschrift "Der Klassenmampf" zu finden ist. Autor des Artikels ist ein gewisser Ullrich Fichtner, der - wie sich das für einen Spiegel- Artikel gehört - natürlich fleißig recherchiert hat. Er hat sich mit Starkoch Tim Mälzer getroffen; war im Kochseminar bei Sternekoch Dieter Müller (Schlosshotel Lerbach); hat im Prickings- Hof von Bauer Ewald gegessen; hat sich angesehen, wie bei Dr. Oetker täglich 1,2 Millionen Tiefkühlpizzen (oder heißt es "-pizzae"?) belegt werden; hat den Anteil übergewichtiger Jugendlicher nach sozialer Schicht ebenso gründlich recherchiert wie den Pro- Kopf- Verbrauch an Tiefkühlkost in Deutschland seit 1975. Alles recht kenntnisreich geschrieben und in der Tat recht angenehm zu lesen.
Da ich Ihnen nicht die Spannung an der Lektüre nehmen will, möchte ich mich hier darauf beschränken, das Hauptargument so wiederzugeben, wie es in dem kurzen Vorspanntext, der den Artikel einleitet, aufgeführt wird:
"Am deutschen Herd geht es zu wie in der deutschen Gesellschaft: Die oben speisen immer besser und teurer. Die unten essen immer schlechter und billiger. Alle gemeinsam bewohnen ein Land, in dem das Fleisch längst billiger verkauft wird als das Katzenfutter."
Wie gesagt: Der Artikel ist mit hohem Aufwand recherchiert und sein Autor gibt sich alle Mühe, das Argument auf den folgenden knapp zehn Seiten zu untermauern. Lesenswert ist das allemale.
Allerdings ist es auch etwas zu einfach.
Die da oben - die da unten: Das hatten wir schon öfter. Nun heißt es also: Die da oben laben sich an teuren Trüffeln, edlen Escargots, feinsten Filets undsoweiter, während das "abgehängte Prekariat" mit dem Wenigen vorlieb nehmen muss, was sich die armen Schweine eben beim Aldi leisten können.
Leider ist die Sache nicht so einfach, wie der Herr Fichtner vom Spiegel sie darstellt. Natürlich kann und will ich nicht in Abrede stellen, dass Trüffeln und Steinpilze, Seezungen und Rinderlenden ihren Preis kosten. Das heißt aber nicht, dass diejenigen, die nur wenig Geld für Einkäufe ausgeben können, deswegen schlecht essen müssen.
Im Gegenteil: Junk Food macht nicht nur dick, es ist auch teuer. Ich hab mich der Einfachheit halber mal umgehört, was in der Mittagspause so üblich ist, um sich schlecht und billig ernähren. Da kommt einiges zusammen: Döner mit Alles und Salat (ca. 5 €), Pizza vom Stehitaliener (ca. sechs bis acht € - je nach Belag), ein Hamburger hinreichender Größe, Cola und Pommes (ca. sieben €) und so fort. Sie kennen das sicherlich selbst: Wenn man als Einzelperson mittags rasch was essen will, mögen das ja akzeptable Mengen und Preise sein, wenn es aber darum geht, eine Familie zu ernähren, kann das ganz schön ins Geld gehen. Um eine fünfköpfige Familie bei McDonalds oder Burger King abzufüttern (so was kommt bei längeren Autofahrten schon mal vor), muss ich üblicherweise zwischen 40 und 50 €uro anlegen.
Und das ist nicht mehr akzeptabel. Ein Besuch in der Pizzeria oder Trattoria schlägt mit achtzig bis einhundert €uro zu Buche, ähnliche Preise fallen beim gehobenen Griechen oder beim Chinesen im Nachbardorf an - immerhin: inklusive Getränke.
Gestatten Sie mir kurz, zum Vergleich mal eben zu erzählen, wie ich am vergangenen Sonntag insgesamt sechs hungrige Mäuler gestopft habe. Nach Rücksprache mit der Köchin wurde zur Feier der Einführung der Winterzeit Sauerkraut gemacht: Zwei Pfund Sauerkraut, drei Boskop- Äpfel, ein paar Scheiben Prager Schinken und ein paar Mettwürstchen (das Fleisch wurde der Tradition gemäß einfach auf dem Sauerkraut liegend mitgegart) und als Beilage gab's Kartoffelpüree mit Fenchel und Sellerie - mit geschlagener Sahne verfeinert. Dazu muss man sich nicht in Unkosten stürzen oder ausschließlich beim Billigheimer einkaufen: Alle Zutaten werden schätzungsweise 25 €uro kostet - Gemüse vom Markt, Fleisch vom Metzger, alles wie es sich gehört. Alle Mitesser waren hinterher satt und zufrieden.
Hätten wie auf den Prager Schinken verzichtet, wären wir auf jeden Fall mit weniger als der Hälfte des Geldes ausgekommen, das uns die Firmen McDonalds oder Burger King abknöpfen - und zwar nicht dafür, dass alle satt werden, sondern dafür, dass keiner mehr Lust hat, was zu Essen.
Machen wir uns nix vor: Der Klassenunterschied beim Essen definiert sich nicht dadurch, dass man sich Trüffeln leisten kann (oder eben nicht), sondern vielmehr dadurch, dass man irgendwann mal gelernt hat, aus saisonal günstigen Zutaten eine vernünftige Mahlzeit zu bereiten - oder eben nicht.
Vielleicht ist Ihnen ja auch aufgefallen, dass im Spiegel dieser Woche (Print- Ausgabe, Nr. 44/06, S. 86 ff) ein Artikel mit der Überschrift "Der Klassenmampf" zu finden ist. Autor des Artikels ist ein gewisser Ullrich Fichtner, der - wie sich das für einen Spiegel- Artikel gehört - natürlich fleißig recherchiert hat. Er hat sich mit Starkoch Tim Mälzer getroffen; war im Kochseminar bei Sternekoch Dieter Müller (Schlosshotel Lerbach); hat im Prickings- Hof von Bauer Ewald gegessen; hat sich angesehen, wie bei Dr. Oetker täglich 1,2 Millionen Tiefkühlpizzen (oder heißt es "-pizzae"?) belegt werden; hat den Anteil übergewichtiger Jugendlicher nach sozialer Schicht ebenso gründlich recherchiert wie den Pro- Kopf- Verbrauch an Tiefkühlkost in Deutschland seit 1975. Alles recht kenntnisreich geschrieben und in der Tat recht angenehm zu lesen.
Da ich Ihnen nicht die Spannung an der Lektüre nehmen will, möchte ich mich hier darauf beschränken, das Hauptargument so wiederzugeben, wie es in dem kurzen Vorspanntext, der den Artikel einleitet, aufgeführt wird:
"Am deutschen Herd geht es zu wie in der deutschen Gesellschaft: Die oben speisen immer besser und teurer. Die unten essen immer schlechter und billiger. Alle gemeinsam bewohnen ein Land, in dem das Fleisch längst billiger verkauft wird als das Katzenfutter."
Wie gesagt: Der Artikel ist mit hohem Aufwand recherchiert und sein Autor gibt sich alle Mühe, das Argument auf den folgenden knapp zehn Seiten zu untermauern. Lesenswert ist das allemale.
Allerdings ist es auch etwas zu einfach.
Die da oben - die da unten: Das hatten wir schon öfter. Nun heißt es also: Die da oben laben sich an teuren Trüffeln, edlen Escargots, feinsten Filets undsoweiter, während das "abgehängte Prekariat" mit dem Wenigen vorlieb nehmen muss, was sich die armen Schweine eben beim Aldi leisten können.
Leider ist die Sache nicht so einfach, wie der Herr Fichtner vom Spiegel sie darstellt. Natürlich kann und will ich nicht in Abrede stellen, dass Trüffeln und Steinpilze, Seezungen und Rinderlenden ihren Preis kosten. Das heißt aber nicht, dass diejenigen, die nur wenig Geld für Einkäufe ausgeben können, deswegen schlecht essen müssen.
Im Gegenteil: Junk Food macht nicht nur dick, es ist auch teuer. Ich hab mich der Einfachheit halber mal umgehört, was in der Mittagspause so üblich ist, um sich schlecht und billig ernähren. Da kommt einiges zusammen: Döner mit Alles und Salat (ca. 5 €), Pizza vom Stehitaliener (ca. sechs bis acht € - je nach Belag), ein Hamburger hinreichender Größe, Cola und Pommes (ca. sieben €) und so fort. Sie kennen das sicherlich selbst: Wenn man als Einzelperson mittags rasch was essen will, mögen das ja akzeptable Mengen und Preise sein, wenn es aber darum geht, eine Familie zu ernähren, kann das ganz schön ins Geld gehen. Um eine fünfköpfige Familie bei McDonalds oder Burger King abzufüttern (so was kommt bei längeren Autofahrten schon mal vor), muss ich üblicherweise zwischen 40 und 50 €uro anlegen.
Und das ist nicht mehr akzeptabel. Ein Besuch in der Pizzeria oder Trattoria schlägt mit achtzig bis einhundert €uro zu Buche, ähnliche Preise fallen beim gehobenen Griechen oder beim Chinesen im Nachbardorf an - immerhin: inklusive Getränke.
Gestatten Sie mir kurz, zum Vergleich mal eben zu erzählen, wie ich am vergangenen Sonntag insgesamt sechs hungrige Mäuler gestopft habe. Nach Rücksprache mit der Köchin wurde zur Feier der Einführung der Winterzeit Sauerkraut gemacht: Zwei Pfund Sauerkraut, drei Boskop- Äpfel, ein paar Scheiben Prager Schinken und ein paar Mettwürstchen (das Fleisch wurde der Tradition gemäß einfach auf dem Sauerkraut liegend mitgegart) und als Beilage gab's Kartoffelpüree mit Fenchel und Sellerie - mit geschlagener Sahne verfeinert. Dazu muss man sich nicht in Unkosten stürzen oder ausschließlich beim Billigheimer einkaufen: Alle Zutaten werden schätzungsweise 25 €uro kostet - Gemüse vom Markt, Fleisch vom Metzger, alles wie es sich gehört. Alle Mitesser waren hinterher satt und zufrieden.
Hätten wie auf den Prager Schinken verzichtet, wären wir auf jeden Fall mit weniger als der Hälfte des Geldes ausgekommen, das uns die Firmen McDonalds oder Burger King abknöpfen - und zwar nicht dafür, dass alle satt werden, sondern dafür, dass keiner mehr Lust hat, was zu Essen.
Machen wir uns nix vor: Der Klassenunterschied beim Essen definiert sich nicht dadurch, dass man sich Trüffeln leisten kann (oder eben nicht), sondern vielmehr dadurch, dass man irgendwann mal gelernt hat, aus saisonal günstigen Zutaten eine vernünftige Mahlzeit zu bereiten - oder eben nicht.