Forscherteam hat Sarrazin-Thesen überprüft

20. Januar 2011, 09:47 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Thilo Sarrazin hat aus Sicht einer Forschungsgruppe der Berliner Humboldt-Universität in seinen provokanten Thesen zur angeblich fehlenden Integrationsfähigkeit muslimischer Zuwanderer wichtige Untersuchungen nicht berücksichtigt.

«Er ignoriert einfach Studien, die für Wissenschaftler und Fachleute von zentralem Gewicht sind - das ist doch verwunderlich, wenn man den Anspruch erhebt, wissenschaftlich schreiben zu wollen», sagte die Politikwissenschaftlerin Naika Foroutan der Nachrichtenagentur dpa.

Das Buch «Deutschland schafft sich ab» des Ex-Bundesbank- Vorstandes und früheren Berliner SPD-Finanzsenators hält sich seit geraumer Zeit an der Spitze von Bestsellerlisten in Deutschland. Foroutan ist Herausgeberin eines Dossiers, in dem Thesen Sarrazins zu Muslimen in Deutschland auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden. Die knapp 70 Seiten umfassende Veröffentlichung ist am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität entstanden.

«Sarrazin stilisiert sich als Tabubrecher», sagte Foroutan. «Wir wollten aber darauf hinweisen, dass in Wissenschaft und Politik, bei den Leuten, die tagtäglich beruflich Integrationsarbeit leisten, die Problemlagen der Integration schon wesentlich länger bekannt sind. Und seit fünf Jahren ist man dabei, Lösungsstrategien zu entwickeln und Missstände langfristig zu beseitigen, und seither ist einiges passiert.»

«Doch Sarrazin nimmt die positive Integrationsdynamik gar nicht wahr und beschreibt teilweise die Vergangenheit», sagte Foroutan. «Eine Zeitspanne von fünf Jahren mag vielleicht kurz erscheinen. Aber wenn man sich überlegt, dass es vor fünf Jahren Facebook noch nicht gab, was heute für viele Menschen ein selbstverständliches Kommunikationsinstrument ist, dann wird einem klar, wieviel sich in fünf Jahren doch verändern kann.»

Sarrazin vertritt unter anderem die These, dass es bei muslimischen Zuwanderern über die Generationenfolge hinweg keine positive Entwicklung zu einer höheren Bildung gibt. Foroutan widerspricht dem vehement: «Die Bildungsentwicklung ist einfach offenkundig.»

Die Forschungsgruppe hält Sarrazin entgegen, dass bei sämtlichen muslimischen Zuwanderungsgruppen die Angehörigen der nächsten Generation deutlich häufiger als ihre Elterngeneration das deutsche Schulsystem mit einem Schulabschluss verlassen. Die Sozialwissenschaftler verweisen auch auf die PISA-Studie 2009, die das Bildungsgefälle zwischen Jugendlichen aus Zuwandererfamilien und ihren deutschstämmigen Altersgenossen langsam schwinden sehe, und zwar aufgrund eines stetigen Bildungsanstiegs bei Jugendlichen aus Zuwandererfamilien.

Auch andere Annahmen Sarrazins sind nach Auffassung der Forschungsgruppe bei genauerem Hinsehen nicht zu halten. So würden - anders als von Sarrazin dargestellt - Musliminnen der zweiten Generation weniger häufig ein Kopftuch tragen. 70 Prozent der Frauen mit muslimischem Migrationshintergrund trügen kein Kopftuch.

Die Autoren arbeiten im Forschungsprojekt «Hybride Europäisch- Muslimische Identitätsmodelle», das von der Volkswagen-Stiftung finanziert wird. In ihrem Dossier ziehen sie für die Bewertung von Sarrazins Thesen Daten des Mikrozensus 2008 und 2009 sowie 20 repräsentative Studien renommierter deutscher Forschungseinrichtungen und Bundesbehörden heran. Die Veröffentlichung «Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand» ist über www.heymat.hu-berlin.de einzusehen.

Gesellschaft / Integration
20.01.2011 · 09:47 Uhr
[3 Kommentare]
Porsche in der Düsseldorfer Kö (Archiv)
Stuttgart - Nach einer Gewinnwarnung wächst in Porsches Mutterkonzern Volkswagen die Sorge, dass das bisherige Sparpaket bei dem Sportwagenbauer nicht ausreicht. Unterlagen zum Aufsichtsratsbeschluss bei VW von Anfang des Monats zeigen laut dem "Handelsblatt", wo Wolfsburg Lücken sieht. Für die Markengruppe "Sport Luxury", zu der Porsche gehört, sehe […] (00)
vor 15 Minuten
Auf den ersten Blick sehen sich die meisten tragbaren Vaporizer heute erstaunlich ähnlich: schlanke Gehäuse, ein kleines Display, drei Tasten, fertig. Wer sich jedoch etwas genauer mit der Technik beschäftigt, merkt schnell, dass sich hinter der ähnlichen Optik teils sehr unterschiedliche Ansätze verbergen. Ein Gerät, das dabei regelmäßig als Referenz […] (00)
vor 1 Stunde
Passwörter gehören zu unserem Alltag Ob beim Online-Banking, beim Einkaufen, in sozialen Netzwerken oder beim E-Mail-Konto: Wir nutzen täglich zahlreiche Online-Dienste. Fast überall benötigen wir dafür ein Passwort. Das Problem: Je mehr Konten wir haben, desto schwieriger wird es, für jedes Konto ein sicheres und einzigartiges Passwort zu verwenden. […] (00)
vor 1 Stunde
Ocarina of Time gegen GTA 6: Ex-Nintendo-Managerin würde GTA wählen
The Legend of Zelda: Ocarina of Time gegen GTA 6. Genau über dieses ungewöhnliche Duell haben wir zuletzt bereits im DailyGame-Podcast diskutiert. Jetzt meldet sich ausgerechnet eine ehemalige Nintendo-Managerin zu Wort und macht ziemlich deutlich, welches der beiden Spiele bei ihr Vorrang hätte. Krysta Yang, ehemalige PR-Managerin bei Nintendo of […] (00)
vor 1 Stunde
NFL startet mit mehr als 25 Millionen Zuschauern bei NBC
Während NBC mit Cowboys gegen Giants einen Zehnjahresbestwert verbuchte, erreichte FOX mit Eagles gegen Commanders mehr als 20 Millionen Zuschauer. Der Start in die neue NFL-Saison hat den großen US-Networks hohe Reichweiten beschert. Besonders stark fiel der Auftakt von Sunday Night Football bei NBC und Peacock aus: Durchschnittlich 25,7 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntag den 28: 20- […] (00)
vor 1 Stunde
Bayern München - 1. FC Union Berlin
München (dpa) - Harry Kane genoss seinen nächsten Bundesliga-Rekord im kunterbunten Wiesn-Trikot des FC Bayern mit einem breiten Lächeln. So schnell wie der Kapitän der englischen Fußball-Nationalmannschaft hatte noch kein Profi in Deutschlands höchster Spielklasse die 100-Tore-Marke geknackt.  «Ich bin stolz. 100 Tore in einer anderen Liga zu […] (01)
vor 5 Stunden
man, drinking, whiskey, brandy, liquor, smoking, tobacco, cigarette, addiction, habit
Die vergangene Woche war für die gesamte Kryptowährungsbranche turbulent, da es kaum positive Entwicklungen gab. Dennoch konnte sich Bitcoin von einem größeren Rückschlag erholen – dem Scheitern des CLARITY Act. Der Bitcoin-Kurs fiel nach der Abstimmung im US-Senat am 15. September auf ein mehrwöchiges Tief von $75.000. Seitdem hat sich der Kurs jedoch erholt und […] (00)
vor 1 Stunde
Herzkind Aiden braucht ganz dringend viele großen Herzen
Wennigsen-Degersen, 18.09.2026 (lifePR) - Wir sind sehr berührt vom Schicksal vom Herzkind Aiden und möchten deshalb diesen Aufruf zum Spenden-Link teilen: https: //gofund.me/02348c8ba Seine Mutter Shanice Wartenberg aus Soltau schreibt uns dazu: "Aiden ist 8 Jahre alt und wurde mit einem sehr komplexen angeborenen Herzfehler im Rahmen eines […] (00)
vor 19 Stunden
 
Büros (Archiv)
Berlin - In deutschen Firmen nutzt fast jeder dritte Beschäftigte (29,1 Prozent) […] (00)
191. Münchner Oktoberfest - Eröffnung
München (dpa) - Nach teils stundenlangem Warten sind die ersten Wiesn-Gäste mit der […] (02)
Deutschland-Fahne (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung verstärkt ihre Werbung für den Standort Deutschland. Auf […] (03)
US-Präsident Donald Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat das vom Parlament verabschiedete […] (01)
Disney Epic Mickey: Rebrushed Brings the Magic of Wasteland to Mobile Devices
In Zusammenarbeit mit Disney & Pixar Games, Purple Lamp und Snapshot Games gab THQ […] (00)
Kim Kardashian
(BANG) - Kim Kardashian sorgt sich um ihre Gesundheit. Die 45-Jährige leidet nach […] (00)
Entwicklerkonferenz Google I/O
Mountain View (dpa) - Auch Googles KI-Software Gemini hat sich bei Tests ihrer […] (00)
«The Remarried Empress» startet mit vier Folgen
Die Webtoon-Adaption verbindet höfische Machtkämpfe mit einer komplizierten Liebesgeschichte. […] (00)
 
 
Suchbegriff