Trinkgeld-Diskussionen

Der Punkt ist: Darüber will ich mir als Kunde eigentlich gar keine Gedanken machen müssen.
Aber du legst doch sicherlich Wert auf schnellen, freundlichen und aufmerksamen Service, oder?

Wie soll ich wissen was die Bedienung bekommt? In dem einen Laden ist es vielleicht wenig, aber im nächsten kommt die Studentin teilweise auf 20€ die Stunde, schwarz.
Und wer muss unter deiner Einstellung leiden? Sicherlich nicht die sprichwörtliche schwarz shoppende Studentin, sondern die Bedienung, die zu wenig bekommt...

Ich bin für faire Löhne, aber es ist nicht meine Aufgabe die tagein tagaus selber aushandeln zu müssen und mich womöglich auch noch schlecht fühlen zu müssen, oder mich von anderen für "schäbig" halten zu lassen wenn ich in den 2,8 Sekunden zwischen Rechnung und Bezahlvorgang die falsche Entscheidung getroffen habe.
Der Punkt ist der, dass du (und viele andere) bei fairen Löhnen vielleicht nicht mehr essen gehen würdest. Ich halte es zwar nicht für schäbig, aber für undurchdacht. Zwar zahlt der Arbeitgeber den Lohn, aber du bist derjenige, der direkt und unmittelbar von einem gut gemachten Job profitierst. Natürlich kann man guten/erstklassigen Service erwarten, aber vom Arbeitgeber wird er in den wenigsten Fällen bezahlt!

Und nochmal die Frage: Warum muss man sich für einen Bruch dieses Verhaltenskodex im Café tadeln lassen, aber im Baumarkt, an Tankstellen, im Klamottenladen etc ist es völlig okay sich streng an den Rechnungspreis zu halten? Verdienen die da etwa so viel mehr?
Jepp, im Gastgewerbe WIRD durchgehend schlechter bezahlt, ebenso bei Lieferdiensten (auch Non-Food)
 
Aber du legst doch sicherlich Wert auf schnellen, freundlichen und aufmerksamen Service, oder?
Du, das erwarte ich immer. Egal ob ich Benzin, Strom, Milch oder Pizza kaufe. Trinkgeld oder nicht.
Der Punkt ist der, dass du (und viele andere) bei fairen Löhnen vielleicht nicht mehr essen gehen würdest.
Mag sein. Kann aber auch sein, dass es sich viele andere bei fairen Löhnen leisten könnten selbst mal essen zu gehen.

Natürlich kann man guten/erstklassigen Service erwarten, aber vom Arbeitgeber wird er in den wenigsten Fällen bezahlt!
Was kann ich dafür? Und woher soll ich das im Einzelfall wissen? Erfolgsprämien sind ja auch gut und sinnvoll, aber dafür gibt es eben sinnvollere Lösungen.

Jepp, im Gastgewerbe WIRD durchgehend schlechter bezahlt, ebenso bei Lieferdiensten (auch Non-Food)
Es gibt im Einzelhandel auch miese Jobs mit mieser Bezahlung, bei miesen Arbeitszeiten. Trinkgeld gehört aber nur in bestimmten Branchen zum Kodex.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich treffe da schon Unterscheidungen. Wenn ich bei der Pommesbude Pommes zum Mitnehmen kaufe, dann gebe ich auch max. Trinkgeld durch "Aufrunden", da hätte ich bei 49,20 auch kein Problem mit 50 Euro. Einfach weil Trinkgeld für mich ein Extra für guten Service, Bedienung, Freundlichkeit ist.

Und wenn der Service nur 3 Minuten dauert an der Pommesbude, dann gibt es auch weniger.

Im Restaurant, wo mich die Leute vielleicht 1-2 Stunden versorgen, bedienen und immer wiederkommen an den Tisch um zu fragen, zahle ich gerne auch deutlich mehr.

An der Tankstelle oder im Supermarkt an der Kasse habe ich aber diesen Kontakt doch gar nicht. "Säule 3? Mit Karte?" ist doch die gesamte Kommunikation.

Beim Frisör ist das wieder anders...
 
Ich treffe da schon Unterscheidungen. Wenn ich bei der Pommesbude Pommes zum Mitnehmen kaufe, dann gebe ich auch max. Trinkgeld durch "Aufrunden", da hätte ich bei 49,20 auch kein Problem mit 50 Euro. Einfach weil Trinkgeld für mich ein Extra für guten Service, Bedienung, Freundlichkeit ist.

Und wenn der Service nur 3 Minuten dauert an der Pommesbude, dann gibt es auch weniger.

Im Restaurant, wo mich die Leute vielleicht 1-2 Stunden versorgen, bedienen und immer wiederkommen an den Tisch um zu fragen, zahle ich gerne auch deutlich mehr.

An der Tankstelle oder im Supermarkt an der Kasse habe ich aber diesen Kontakt doch gar nicht. "Säule 3? Mit Karte?" ist doch die gesamte Kommunikation.

Beim Frisör ist das wieder anders...

Nach deiner Definition müsste ich unserem Inhouse-Consultant jedes mal 100€ oder so Trinkgeld geben. Der bietet freundlichen Service über mehrere Stunden, die er hier anwesend ist :) Da sein Tagessatz dann bei über 1000€ liegt wären das dann ja 10% :)

Ich gehe primär danach, was ich denke, was die Leute verdienen (aber auch nicht konsequent). Habe damals mal gehört, dass Subway seine Mitarbeiter ausbeuten soll, seitdem gebe ich da meist relativ gesehen recht viel Trinkgeld (auch mal 2€ bei 8€ Einkauf), auch wenn die Preise schon so sehr überhöht sind. Mittlerweile seit Mindestlohn sollten die zwar nun auch mehr bekommen, diese Tradition ist bei mir aber irgendwie drin geblieben. Bei anderen Fastfoodketten, wie z.B. McDonalds würde ich aber nie auf die Idee kommen Trinkgeld zu geben. Weiß nicht mal, ob die das annehmen dürften.
 
An der Tankstelle oder im Supermarkt an der Kasse habe ich aber diesen Kontakt doch gar nicht. "Säule 3? Mit Karte?" ist doch die gesamte Kommunikation.
Beim Lieferdienst oder im Straßencafé auf 2 Cola ist die Kommunikation allerdings auch nicht gerade umfangreicher.
Da rede ich im Baumarkt schon deutlich länger mit einem Verkäufer.
 
Wenn es das Trinkgeld nicht gäbe, müssten sich die meisten Gäste ihr bestelltes Essen wohl selber aus der Küche holen, denn für den reinen Grundlohn zu arbeiten, deckt kaum die Lebenshaltungskosten und ist auf Dauer sehr frustrierend, was wiederum auch nicht gerade die "Servicefreundlichkeit" der Kellner fördert.

Mehr zahlen geht auch kaum. Selbst der neue Mindestlohn von 8,50 Euro führt hier und da bereits zu Entlassungen. Es ist halt eine Teufelsspirale: Sollen die Angestellten mehr Geld verdienen, müssen auch die Preise angehoben werden. Das aber macht kaum ein Gast mit, sind die Preise ohnehin schon hoch und zudem herrscht ein großer Wettbewerb.
Es ist auch nicht so, dass die meisten Betreiber sich eine goldene Nase verdienen, selbst wenn der Laden immer gut gefüllt ist. Die Kosten sind dabei das große Übel. In der Gastronomie sind 10% Gewinn ein Ergebnis, was die meisten versuchen zu erreichen.

10%? Was ist das wirklich? Nicht viel für den betriebenen Aufwand. Wenn ein normales Restaurant im Monat 30.000 Euro Umsatz macht, sind das 3000 Euro Gewinn. 30.000 Euro bedeuten bei lediglich einem Ruhetag ca 1200 Euro Tagesumsatz. Für einen normalen durchschnittlichen (kleinen) Betrieb würde dies schon eine hohe bzw. Maximalauslastung des Restaurants betragen. Extremer Aufwand also und letztlich bleibt dennoch nicht viel über.
 
Sollen die Angestellten mehr Geld verdienen, müssen auch die Preise angehoben werden. Das aber macht kaum ein Gast mit, sind die Preise ohnehin schon hoch und zudem herrscht ein großer Wettbewerb.

Ich finde Personal das bedient im unteren und in Teilen vom mittleren Preissegment eh relativ überflüssig, ich mein gibt genug Konzepte bei denen man sich das Essen quasi selbst vom "Koch" abholt, also so Garküchen/Streetfood/Imbissmäßig oder der Koch das einmal für alle Gäste irgendwo hinstellt also sagen wir zu einem Buffet :p

Ich finde bis zu so 35-40 Euro pro Abend und Nase sollte man halt am Bedienpersonal sparen so gut es geht und das Geld lieber in die Qualität des Essens stecken. Wenn ich 2 bis 3 mal im Jahr dann "richtig gut " essen gehe dann ist es auch egal ob ich da nun 50 oder 70 Euro pro Nase ausgebe, dann sollte auch gute Bedienung mit dabei sein und die kann man dann auch vernünftig bezahlen.
 
Wenn es das Trinkgeld nicht gäbe (...) Sollen die Angestellten mehr Geld verdienen, müssen auch die Preise angehoben werden. Das aber macht kaum ein Gast mit (...)
Warum sollte es der Gast nicht mitmachen, wenn er sowieso schon freiwillig mehr bezahlt? :think:
Es ist auch nicht so, dass die meisten Betreiber sich eine goldene Nase verdienen, selbst wenn der Laden immer gut gefüllt ist. Die Kosten sind dabei das große Übel.
Das ist immer das Problem im Geschäftsleben. Wenn man nicht erfolgreich ist oder Arbeit und Gewinn in keinem guten Verhätltnis stehen, sollte man sein Konzept überdenken.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich finde Personal das bedient im unteren und in Teilen vom mittleren Preissegment eh relativ überflüssig, ich mein gibt genug Konzepte bei denen man sich das Essen quasi selbst vom "Koch" abholt, also so Garküchen/Streetfood/Imbissmäßig oder der Koch das einmal für alle Gäste irgendwo hinstellt also sagen wir zu einem Buffet :p

Gelerntes Personal verdient zwar einiges mehr, aber auch das ist nicht die Welt, jedoch sind sie weit weniger auf Trinkgeld angewiesen. Sie machen ihren Beruf letztlich ja auch nicht wegen dem Trinkgeld. Ich habe den Beruf auch nicht wegen dem Tip gewählt.
Teures Personal ist aber zum einen halt sehr teuer, da brauchts dann insgesamt auch ein entsprechendes Konzept und zum anderen ist gut ausgebildetes Personal nur sehr schwer zu finden, da es immer weniger gute gelernte Kräfte gibt. Die ungelernten und damit sehr viel weniger verdienenden müssen also zumeist eingestellt werden. Und die sind dann halt viel stärker auf Tip angewiesen. Bekommen sie das nicht, arbeiten sie oft erst gar nicht. Servicekräfte interessieren sich in erster Linie immer erst fürs Trinkgeld neben dem Stundenlohn. Kommt im Betrieb nicht viel rum, hat der erst gar keine Bewerber.

Ich finde bis zu so 35-40 Euro pro Abend und Nase sollte man halt am Bedienpersonal sparen so gut es geht und das Geld lieber in die Qualität des Essens stecken. Wenn ich 2 bis 3 mal im Jahr dann "richtig gut " essen gehe dann ist es auch egal ob ich da nun 50 oder 70 Euro pro Nase ausgebe, dann sollte auch gute Bedienung mit dabei sein und die kann man dann auch vernünftig bezahlen.
Um in dieser Preisklasse Qualität zu liefern, stehen dann meist aber auch 2-3 Köche in der Küche und mit Sicherheit auch entsprechend mehr Personal im Service. Hochpreisige Lokale haben dann halt auch mehr Kosten wie teure Tischwäsche, Dekorationen, etc. Unterm Strich geht die Rechnung meist auf, aber letztlich verdient der Gastronom auch hier nicht mehr als in einem Imbiss, 10% gelten überall und wird sogar in Sternelokalen zum Teil noch weniger (da hier extrem viel Personal gebraucht wird). Sternerestaurants sind übrigens oft wenig einträglich oder defizitär und sind daher meist nur als Hotel-Restaurants zu finden, wo das Hotel das Lokal trägt, aber dafür auch massive Werbung erhält.

Warum sollte es der Gast nicht mitmachen, wenn er sowieso schon freiwillig mehr bezahlt? :think:
Irgendwann ist halt das Ende der Fahnenstange erreicht. Eine Cola für 5 Euro wird nur schwer Abnehmer finden.
Das ist immer das Problem im Geschäftsleben. Wenn man nicht erfolgreich ist oder Arbeit und Gewinn in keinem guten Verhätltnis stehen, sollte man sein Konzept überdenken.
Die meisten Lokale funktionieren aber so und sind einfach nicht einträglicher. Gastro ist halt ein hartes und undankbares Gewerbe. :/
 
[...]Servicekräfte interessieren sich in erster Linie immer erst fürs Trinkgeld neben dem Stundenlohn. Kommt im Betrieb nicht viel rum, hat der erst gar keine Bewerber. [...]

Und somit unterstützt der Gast durch jedes Trinkgeld Lohndumping und der Arbeitgeber hat eine Rechtfertigung für seine schlecht bezahlten Löhne... - In Japan ist das geben eines Trinkgeldes sogar unhöflich.

In Dänemark und Finnland kann man Trinkgeld geben, aber es wird nicht von einem erwartet welches zu geben.

An diesen Ländern sieht man das es sogar ohne bzw. zum Teil auch ohne gehen kann. Deswegen halte ich es auch für völlig falsch zu behaupten das auf ein permanentes Trinkgeld Verzicht niemand mehr Essen gehen würde. Denn durch das Trinkgeld zahlt man ja schon freiwillig mehr für den Restaurant besuch...

Ich kann mich an ein Gespräch eines ehemaligen Kommilitonen erinnern der während des Studiums nebenbei kellnerte. Der klagte auch über seinen Verdienst. Er erzählte mir das er durch Trinkgeld zwar gut über die Runden kam, aber das es lästig sei auf die Trinkgeld-Einnahmen angewiesen sein zu müssen. Mit einem fairen Stundenlohn kann man besser kalkulieren, während das Trinkgeld auch von Faktoren abhängig ist die man nicht unbedingt immer beeinflussen kann.
 
Irgendwann ist halt das Ende der Fahnenstange erreicht. Eine Cola für 5 Euro wird nur schwer Abnehmer finden.
Es ist wie immer eine Mischkalkulation. Wenn ich ohnehin angehalten bin 5-10% auf den Rechnungspreis aufzuschlagen, kann man es auch mit einpreisen.
Die meisten Lokale funktionieren aber so und sind einfach nicht einträglicher.
Gastro ist halt ein hartes und undankbares Gewerbe. :/
Es ist eben eine von vielen Branchen mit geringer Stückzahl pro Arbeitsstunde.
Ist mir schon klar, dass das klassische Restaurant mit 30, 40 Top Gerichten es da besonders schwer hat.
Du kannst halt nicht wie in anderen Branchen Glück haben und mit 2 Telefonaten 5-Stelligen Umsatz machen.

Muss man sich halt überlegen, ob man das unbedingt genau so machen will wie tausend andere staubige Restaurants wo der Onkel seit Jahrzehnten seinen Geburtstag feiert, oder ob man sich überlegt wie man die Masse/Angestellten steigern kann, mehr Erlebnis für mehr Zahlungsbereitschaft reinbekommt oder den Laden vielleicht auch einfach dicht macht bevor man sich gänzlich ruiniert hat.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es ist eben eine von vielen Branchen mit geringer Stückzahl pro Arbeitsstunde.

Naja es ist schon eine besondere Branche, vielleicht gerade weil es erstmal zu leicht aussieht und daher viele Menschen die Sache offensichtlich unterschätzen und in Massen dort Quer einsteigen und dann gegen den Baum fahren weil man in solchen heiß umkämpften Märkten halt doch einige Fähigkeiten braucht um z.B. ein gutes Konzept aufzustellen, gut einzukaufen, gut zu kochen für n Personen gleichzeitig, Marketing, Ambiente &Service abzustimmen, Hygiene, Waren richtig lagern, dann die rechtlichen und steuerlichen Fallstricke etc -also ich kenn zumindest Menschen die das alles gut können aber ich würde es mir niemals antun :ugly:
 
[Und somit unterstützt der Gast durch jedes Trinkgeld Lohndumping und der Arbeitgeber hat eine Rechtfertigung für seine schlecht bezahlten Löhne...]
Kann ich aus der Praxis oft bestätigen, wobei sich der Gast darüber bestimmt eher weniger Gedanken macht. Gar nicht so wenige Betriebe zahlen Tariflohn, gelernten Kräften wie mir, würde in "einfachen" Betrieben oft die niedrigste Stufe der Tarifgruppe für gelernte Kräfte angeboten, in "besseren" Häusern würden viele aber auch übertariflich zahlen, da wirklich gutes Personal Gold wert ist. (Der Tariflohn in NRW für einfache gelernte Stationskellner liegt bereits bei 2119 Euro brutto). Sowas brauchts aber halt auch nicht in jedem Lokal und ist von einfachen Gaststätten und Lokalen auch gar nicht finanzierbar. Chefs, aber auch das Servicepersonal, sind sich dennoch immer auch über den Trinkgeldfaktor bewusst, der nun mal existiert. Trinkgelder zwischen 400-600 Euro monatlich als Zubrot sind gar nicht selten und hier und da sind sogar 1000 Euro und mehr erreichbar. Solche Summen können nicht einfach weggedacht werden, auch wenn sich so einige Arbeitgeber gerne darauf ausruhen.
[...An diesen Ländern sieht man das es sogar ohne bzw. zum Teil auch ohne gehen kann. Deswegen halte ich es auch für völlig falsch zu behaupten das auf ein permanentes Trinkgeld Verzicht niemand mehr Essen gehen würde. Denn durch das Trinkgeld zahlt man ja schon freiwillig mehr für den Restaurant besuch... ]
Nein stimmt, der Gast wird sich wohl erst nur wundern, aber letztlich hat das sicherlich keinen Einfluss auf seine zukünftigen Restaurantbesuche, dann zahlt er halt nichts, wenns neuerdings so Sitte sein sollte. :LOL:
[...Ich kann mich an ein Gespräch eines ehemaligen Kommilitonen erinnern der während des Studiums nebenbei kellnerte. Der klagte auch über seinen Verdienst. Er erzählte mir das er durch Trinkgeld zwar gut über die Runden kam, aber das es lästig sei auf die Trinkgeld-Einnahmen angewiesen sein zu müssen. Mit einem fairen Stundenlohn kann man besser kalkulieren, während das Trinkgeld auch von Faktoren abhängig ist die man nicht unbedingt immer beeinflussen kann...]
Für so einige ungelernte Servicekräfte bedeutet der Mindestlohn von 8,50 aber auch Absicherung, da vorher auch Löhne von 5-6 Euro durchaus hier und da existierten. Heutzutage kommt da also schon etwas bei raus, letztlich freut sich aber gerade auch ein mittelloser Student über jedes Zubrot und geht wahrscheinlich deswegen ja auch kellnern.

Es ist wie immer eine Mischkalkulation. Wenn ich ohnehin angehalten bin 5-10% auf den Rechnungspreis aufzuschlagen, kann man es auch mit einpreisen.
10% Tip sind kaum noch drin heutzutage. An 5% orientieren sich die meisten, egal ob einfacher oder gehobener Betrieb (wobei die Rechnungsbeträge in gehobenen Betreiben oft auch über 100 Euro gehen und dann halt schon mindestens ein 5er flattert, in umschlagkräftigen Lokalen machts dann die Masse an Gästen, aber der Tip ist hier auch insgesamt am Monatsende meist lange nicht so hoch wie in gehobenen Lokalen).
Es ist eben eine von vielen Branchen mit geringer Stückzahl pro Arbeitsstunde.
Ist mir schon klar, dass das klassische Restaurant mit 30, 40 Top Gerichten es da besonders schwer hat.
Du kannst halt nicht wie in anderen Branchen Glück haben und mit 2 Telefonaten 5-Stelligen Umsatz machen.
30 - 40 Gerichte auf der Karte würde bedeuten, dass der Betrieb keine Ahnung von der Materie hat. Pizza und Pasta sind in der Menge verfügbar, aber Gerichte mit unterschiedlichen Beilagen und Zubereitungsarten sind so gar nicht realisierbar. 4-5 Hauptgerichte mit ein paar Vorspeisen, 1-2 Suppen und etwas Dessert, sind mehr als ausreichend auf der Karte. Und selbst diese Sachen so zu kochen, dass Gäste begeistert sind, erfordert viel Können und noch viel mehr Schweis. Insgesamt lässt sich das alles nur wirklich gut arrangieren, wenn die Liebe zum Beruf vorhanden ist. Für das Geld und gleichzeitig die immensen Abstriche auch in privater Hinsicht (immer arbeiten wenn andere frei haben, etc.) auch nicht anders vorstellbar.

Muss man sich halt überlegen, ob man das unbedingt genau so machen will wie tausend andere staubige Restaurants wo der Onkel seit Jahrzehnten seinen Geburtstag feiert, oder ob man sich überlegt wie man die Masse/Angestellten steigern kann, mehr Erlebnis für mehr Zahlungsbereitschaft reinbekommt oder den Laden vielleicht auch einfach dicht macht bevor man sich gänzlich ruiniert hat.
Leider braucht in Deutschland niemand den Meisterbrief um ein eigenes gastronomisches Gewerbe zu eröffnen. Was in (den meisten?) anderen Branchen sonst üblich ist, ist in der Gastro nur bei den besseren Betrieben zu finden. Der Großteil der Chefs aller Betriebe haben ihr Handwerk nicht gelernt und können daher gar nicht besser. Sie müssen mit dem zurecht kommen was rein fließt, was dann aber wohl immer noch mehr ist als Harz4, nehme ich an. Marketing, betriebswirtschaftliche Kalkulation, gastronomisches Fachwissen, Führungsqualitäten.. Schlagwörter die vielen Chefs leider Fremdwörter sind und dass, obwohl gerade die Gastronomie ein sehr gutes Management und großes Fachwissen braucht, um Up-to-Date und interessant für den Gast zu sein. Gepaart mit der harten täglichen Arbeit an der Front, sehe ich die Gastro als eine der härtesten Branchen überhaupt an und sehe dass dann so wie von Wasweissdennich geschrieben.

Naja es ist schon eine besondere Branche, vielleicht gerade weil es erstmal zu leicht aussieht und daher viele Menschen die Sache offensichtlich unterschätzen und in Massen dort Quer einsteigen und dann gegen den Baum fahren weil man in solchen heiß umkämpften Märkten halt doch einige Fähigkeiten braucht um z.B. ein gutes Konzept aufzustellen, gut einzukaufen, gut zu kochen für n Personen gleichzeitig, Marketing, Ambiente &Service abzustimmen, Hygiene, Waren richtig lagern, dann die rechtlichen und steuerlichen Fallstricke etc -also ich kenn zumindest Menschen die das alles gut können aber ich würde es mir niemals antun :ugly:
Man muss ein Kampfschwein sein, um sich die Gastro sein Leben lang anzutun. Auch wenn ich meinen Beruf trotz der Bedingungen sehr mag, würde ich wohl großen Abstand von der Gastro nehmen, könnte ich die Zeit zurückdrehen und noch mal neu anfangen. Seufz
 
Naja es ist schon eine besondere Branche, vielleicht gerade weil es erstmal zu leicht aussieht und daher viele Menschen die Sache offensichtlich unterschätzen und in Massen dort Quer einsteigen
Was wiederum auch die Preise verhagelt. Wie wirkt man dem effektiv entgegen?
und dann gegen den Baum fahren weil man in solchen heiß umkämpften Märkten halt doch einige Fähigkeiten braucht um z.B. ein gutes Konzept aufzustellen, gut einzukaufen, gut zu kochen für n Personen gleichzeitig, Marketing, Ambiente &Service abzustimmen, Hygiene, Waren richtig lagern, dann die rechtlichen und steuerlichen Fallstricke etc -also ich kenn zumindest Menschen die das alles gut können aber ich würde es mir niemals antun :ugly:
Um dann in seiner Arbeitsproduktivität auch noch sehr eingeschränkt zu sein. Daher sehe ich im Konzept des klassischen vollservice Restaurants auch nicht viele Möglichkeiten daran was zu ändern. Will man Kosten sparen, muss man den Kunden möglichst viel selbst machen lassen oder mehr auf Abholer setzen und sich aufs wesentliche Konzentrieren. Mahlzeiten produzieren.
30 - 40 Gerichte auf der Karte würde bedeuten, dass der Betrieb keine Ahnung von der Materie hat.
Sind aber eben die Restaurants, die ich sehr häufig sehe. So die Kategorie: Mit Kegelbahn im Keller. ;)
Suppen, Salate, Antipasti, Vom Rind, Vom Schwein, Geflügel, Pizza, Fisch, alles nochmal als Platte, Eis, Kuchen, Obst + Tageskarte.
Davon gibt es immernoch reichlich, wenn nicht sogar überreichlich. Aber vielleicht ist das auch mehr ein ländliches Phänomen.
Leider braucht in Deutschland niemand den Meisterbrief um ein eigenes gastronomisches Gewerbe zu eröffnen.
Ich bin da eigentlich auch kein Freund von. Auch in einigen anderen Branchen nicht. Wenn man etwas gut kann, sollte man es (kleinere Nachweise vorrausgesetzt) dann auch machen dürfen, auch ohne aufwendigen Zettel. Meine Meinung. Gibt Bereiche da macht das Sinn, Gas, Wasser, Strom, Bau, aber nen Meisterbrief für die Pommesbude oder Erbsensuppenstand finde ich jetzt nicht erstrebenswert.
könnte ich die Zeit zurückdrehen und noch mal neu anfangen. Seufz
Ach bist doch noch jung. Du hast doch noch ~30 Jahre vor dir. ;)
Kenne mich da jetzt so gar nicht aus, aber Quereinstieg Lebensmittelindustrie mit ein paar Zusatzqualifikationen oder so? Oder auch Artverwandte Jobs bei ner Kette, wo du nicht mehr so direkt an der Front stehst? Gesundheitsamt? Lebensmittel (Groß-)Handel? Irgendwo kann dir dein Wissen doch bestimmt einen Vorsprung verschaffen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Was wiederum auch die Preise verhagelt. Wie wirkt man dem effektiv entgegen?

Die Berufe in der Gastronomie müssen viel stärker an Attraktivität gewinnen. Dazu gehören in erster Linie Arbeitsverbesserungen, Löhne und Verstärkung der Wertegefühle der Arbeitnehmer. Servicekonzepte können auch anders ausgelegt werden. Heutzutage wird zb. fast nur noch im "amerikanischen Tellerservice" serviert, also die Teller schlicht zum Tisch gebracht. Es gibt noch weitere Arten wie "französisch" oder "englisch", wo am Tisch vorgelegt wird oder am Beistelltisch gearbeitet (flambiert, tranchiert, filetiert) wird und dann eingesetzt wird). Sehr arbeitsintensiv, aber hier und dort noch des öfteren in gehobenen Lokalen zu finden, was definitiv professionelles Personal bedarf und zb. auch für den gelernten Arbeitnehmer eine attraktive Stelle bieten würde. Aber auch überall sonst, wo "klassischer Service" gefragt ist, würden sich viel stärker ausgebildete Fachkräfte bewerben. Klassischer Service ist vollgestopft mit Regeln, aber sieht für den Laien erst mal kaum anders aus und unterscheidet sich im Detail, als wenn eine erfahrene ungelernte Servicekraft kellnern würde (aber letztlich doch spürbar wird).

Um dann in seiner Arbeitsproduktivität auch noch sehr eingeschränkt zu sein. Daher sehe ich im Konzept des klassischen vollservice Restaurants auch nicht viele Möglichkeiten daran was zu ändern. Will man Kosten sparen, muss man den Kunden möglichst viel selbst machen lassen oder mehr auf Abholer setzen und sich aufs wesentliche Konzentrieren. Mahlzeiten produzieren.
Das ist dann ja auch konzept-abhängig. Schnellrestaurants versuchen sich auf geringe Margen bei hohen Umschlägen zu konzentrieren, a la carte Restaurants im besten Fall auf hohe Margen bei höchster Qualität. Es funktioniert beides, wobei ersteres viel einfacher realisierbar ist.
Sind aber eben die Restaurants, die ich sehr häufig sehe. So die Kategorie: Mit Kegelbahn im Keller. ;)
Suppen, Salate, Antipasti, Vom Rind, Vom Schwein, Geflügel, Pizza, Fisch, alles nochmal als Platte, Eis, Kuchen, Obst + Tageskarte.
Davon gibt es immernoch reichlich, wenn nicht sogar überreichlich. Aber vielleicht ist das auch mehr ein ländliches Phänomen.
Kegelbahn im Keller hatte ich auch schon. Nicht das allerbeste für ein Restaurant, aber gut abgeschirmt und dennoch hohe Restaurantqualität. :p
Würde mal grob geschätzt sagen, über 90% dieser Betriebe sind jene mit Quereinsteigern und jene, die man dann ab und zu im TV bei Rach und Co sehen kann. :ugly:
Ist kein ländlichen Phänomen, kommt in der Stadt genauso häufig in den Randbezirken vor.
Ich bin da eigentlich auch kein Freund von. Auch in einigen anderen Branchen nicht. Wenn man etwas gut kann, sollte man es (kleinere Nachweise vorrausgesetzt) dann auch machen dürfen, auch ohne aufwendigen Zettel. Meine Meinung. Gibt Bereiche da macht das Sinn, Gas, Wasser, Strom, Bau, aber nen Meisterbrief für die Pommesbude oder Erbsensuppenstand finde ich jetzt nicht erstrebenswert.
Darum muss auch unterschieden werden zwischen Schnellrestaurants und zb. a la carte Restaurants, die im besten Fall a la minute kochen, also frisch in kleinen Mengen erst bei Bestellung.
Ach bist doch noch jung. Du hast doch noch ~30 Jahre vor dir. ;)
Kenne mich da jetzt so gar nicht aus, aber Quereinstieg Lebensmittelindustrie mit ein paar Zusatzqualifikationen oder so? Oder auch Artverwandte Jobs bei ner Kette, wo du nicht mehr so direkt an der Front stehst? Gesundheitsamt? Lebensmittel (Groß-)Handel? Irgendwo kann dir dein Wissen doch bestimmt einen Vorsprung verschaffen.
Meinst du Arbeits- oder Lebensjahre? :D
Ja, solche Berufsgruppen wären wohl Alternativen. Mir selber wurde auch schon mal der Berufsschullehrer empfohlen von einem solchen. Erfordert den Meistertitel im Beruf, sowie eine gute Berufspraxis und kann dann weitergebildet werden ohne echtes Studium an einer Hochschule. Darüber denke ich tatsächlich dann und wann mal nach. Mal sehen, aber so langsam muss ich mich auch mal entscheiden, irgendwann lohnt sich das meiste zeitlich dann doch nicht mehr, denke ich.
 
Meinst du Arbeits- oder Lebensjahre? :D
Wenn dein Profil stimmt, Arbeitsjahre. ;)
Ja, solche Berufsgruppen wären wohl Alternativen. Mir selber wurde auch schon mal der Berufsschullehrer empfohlen von einem solchen.
12 Wochen Ferien, überlegs dir... :LOL:
Darüber denke ich tatsächlich dann und wann mal nach. Mal sehen, aber so langsam muss ich mich auch mal entscheiden, irgendwann lohnt sich das meiste zeitlich dann doch nicht mehr, denke ich.
Kann dir nur empfehlen nicht zu lange zu warten. Die Jahre ziehen schneller vorbei als man gucken kann. Falls du aus einer Anstellung heraus die Möglichkeit hast die Vorraussetzungen dafür zumindest schonmal zu erwerben, kann es nicht schaden. Selbst wenn du dich entscheidest in der Branche zu bleiben. Aus der Not heraus wird es dagegen viel schwieriger.
 
Wenn dein Profil stimmt, Arbeitsjahre. ;)
Alles ehrlich! :D Wahrscheinlich sind wir in ein paar Jahren eh schon bei Rente frühestens ab 70, dann wärens sogar noch mehr als 30 Jahre. Naja, wie auch immer, da kommt echt noch eine ganze Menge an Jahren rein.
12 Wochen Ferien, überlegs dir... :LOL:
Und Abends und Wochenenden immer frei. Purer Luxus.. ich überlegs mir! 8)

Kann dir nur empfehlen nicht zu lange zu warten. Die Jahre ziehen schneller vorbei als man gucken kann. Falls du aus einer Anstellung heraus die Möglichkeit hast die Vorraussetzungen dafür zumindest schonmal zu erwerben, kann es nicht schaden. Selbst wenn du dich entscheidest in der Branche zu bleiben. Aus der Not heraus wird es dagegen viel schwieriger.

Bin etwas zwiegespalten, da die Gastro auch Superlativ in die positive Richtung ist und man hier so unglaubliche Vielfalt und verschiedenste Menschen und auch Länder kennenlernen kann. Überlege auch öfter über die eigene Selbständigkeit in der Gastronomie nach, tendiert aber eher zu system-gastronomischen Inhalten als ein klassisches Restaurant. Aber ich kann mich schon seit längerer Zeit da nicht entscheiden. Mal sehen was die Zukunft bringt.
 
Was wiederum auch die Preise verhagelt. Wie wirkt man dem effektiv entgegen?

Das sollte sich von ganz allein klären. Schlecht kalkulierte Geschäfte gehen mittel- bis langfristig pleite. Fertig. Wieso Unternehmertum bremsen, wenn eine Bank das Geschäft lukrativ findet oder aber jemand genügend Eigenkapital hat um es zu versuchen? Man könnte maximal eine betriebswirtschaftliche Beratung bindend vorschreiben. Ich denke, dass die meisten Läden durch fehlerhafte BWL-Kenntnisse zugrunde gehen. Manchmal sind es sicherlich auch andere Faktoren, die nicht leicht zu beeinflussen sind.

Ich sehe auch das rumgejammere von Dragi nicht. Die meisten Lokale hier halten sich seit Jahrzehnten. Scheinbar kann man also davon leben. Und aus der ehemaligen Schulzeit kennt man auch mal einen Sohn von einem griechischen Restaurant. Wirklich schlecht ist es ihm nicht ergangen.

In jeder Branche gibt es Pleiten. Es gibt aber sicherlich katastrophalere Branchen als die Gastro. Und Trinkgelder haben ja auch einen Vorteil. Klar sind sie unkalkulierbarer. Aber bei der Wahl 8,50 die Stunde und im Schnitt 1 € Trinkgeld die Stunde oder 9,50 Lohn ohne Trinkgeld wäre ich sehr schnell bei den 8,50. Die sind dann wenigstens netto. Im Grunde ist das Trinkgeldsystem primär schlecht für den Staat. Der Kunde wird wohl mehr oder weniger immer das gleiche bereit sein zu zahlen. Sei es über Trinkgeld oder lohn.
 
Das sollte sich von ganz allein klären. Schlecht kalkulierte Geschäfte gehen mittel- bis langfristig pleite. Fertig. Wieso Unternehmertum bremsen, wenn eine Bank das Geschäft lukrativ findet oder aber jemand genügend Eigenkapital hat um es zu versuchen?
Ich denke, dass der Markt insgesamt übersättigt ist. Durch den hohen Wettbewerb hat man an allen Ecken gespart und sehr niedrige Löhne wurden damit branchenüblich, bei über Jahre stagnierenden Preisen. Besonders im Imbiss-Bereich (Gyrosteller 6,90 seit 10 Jahren, Döner 2,50).
Fehlende Kenntnisse haben das sicher gefördert, z.B. zu starke Ausrichtung der Preise am Wettbewerb, statt an den Kosten.

Unternehmertum bremsen möchte ich gar nicht. Ich schätze nur wenn man auf ein angemessenes Lohnniveau in der Branche kommen will, geht das nicht ohne natürliche Auslese. Egal von welcher Seite man es anpackt.
 
Ich gebe trinkgeld nur bei gutem Service. Dann gerne auch mehr als nur aufrunden. Wenn jemand patzig oder unfreundlich ist gibt es nichts. Ich arbeite im Einzelhandel und mein job ist es auch immer freundich zu sein und ich bekomme kein trinkgeld. ich sehe es nicht ein für schlechten service noch zu zahlen. wenn im ausland der service nicht dabei ist, ist es was anderes.