Trinkgeld-Diskussionen

Ohne groß ins Detail gehen zu wollen: der Preis für die Montage im Kern-Auslieferungsbereich (inkl. Anfahrt (ausschließlich mit LKW) und 2-3 Monteure. Im Durchschnitt wird mit 1,5 Std Arbeitszeit gerechnet, plus 5 Minuten pro Stockwerk (Fällt weg bei Aufzug)) Deckt bei KEINEM Möbelhaus die Kosten. Und in der Branche wird i.d.R. Akkord gearbeitet. Also kommt das Einkommen durch Masse, nicht durch Zeit zustande. Jede Zusatzarbeit, die aus Höflichkeit mit erledigt wird, kostet bares Geld!

Zu sagen, "Ich gebe kein Trinkgeld" führt über kurz oder lang zur vollständigen Verödung der Servicelandschaft. Warum? Die Handwerker können es sich einfach nicht leisten, kundenorientiert zu arbeiten. Es wird mit "Dienst nach Vorschrift" kalkuliert, und das wird dann auch gemacht.

Ich hab heute schon Kollegen, die gewisse zeitaufwendige Sachen einfach nicht mehr mitmachen, trotz in Aussicht gestelltem TG. Ich für meinen Teil mache das nicht - ich erledige Sonderwünsche, wenn ich höflich und freundlich gefragt werde, auch für ein "Vielen Dank". Wenn das aber in Zukunft bedeutet, weniger Geld mit nach Hause zu nehmen, weil das Pensum so nicht zu schaffen ist - dann leidet der Kunde drunter - leider!

Service darf sich nicht nur für den Kunden lohnen.

Vor ein paar Wochen gab es ein prima Beispiel: In Japan hat die erste SB-Tankstelle nach einem Jahr mangels Kunden wieder geschlossen, obwohl sie umgerechnet bis zu 10 ct. günstiger war als die dort üblichen Bedien-Tankstellen mit Tankwart. Die Leute sind einfach gewöhnt, dort bedient zu werden - und auch bereit, für den Service zu bezahlen (in dem Fall über die Spritkosten). Und es ist den Tankstellenkunden auch egal, ob der Tankwart "nur" das Auto betankt oder auch Scheiben putzt und Öl- und Wasserstand sowie Reifendrücke kontrolliert. Die Versuche von ARAL und Shell hierzulande, Tankwart-Service wieder einzuführen, sind wohl mangels Interessenten für den Job wieder eingeschlafen... :ugly:
 
Aber mir ist ehrlichgesagt immer noch nicht ganz klar, was jetzt diese gazen Extras sind, die man bezahlen soll. Du meintest, "etwas aus dem Weg räumen" und "Ware weiter als bis zur Haustüre liefern"?
Das sind für mich Sachen, die man meiner Ansicht nach ganz eindeutig klären muss. Meistens steht ja dabei, dass die Ware nur bis zur ersten Türe geliefert wird. Wenn man mehr will und noch das Gerät angeschlossen haben will gibt es meistens noch andere Zusatzangebote die einfach mehr kosten. Das müssen die Kunden doch verstehen. Ist klar, dass man nicht den billigen Vertrag abschließen kann und dann noch verlangt, dass alles aufgebaut wird oder so.
Auch sonst ist mir nicht vollständig klar geworden, was du damit meinst, dass der Handwerker für mich persönlich arbeitet. Darauf:
Naja, ich erwarte eigentlich auch von dem Handwerker der mein Klo repariert nicht, dass er es für mich persönlich macht. :biggrin:
Er macht halt seine Arbeit, ob das mein Klo ist oder das meines Nachbarn ist ihm doch eigentlich genauso egal wie dem, der irgendwo Autos zusammenschraubt, oder denkt er dabei die ganze Zeit daran, wie ICH es wieder benutzen werde, wenn es denn wieder funktioniert? :-?:biggrin::-?
bist du gar nicht eingegangen?
Ich zum Beispiel arbeite nebenjobmäßig an der Fleischtheke, da schneide ich die Wurst auch für jeden Kunden extra und bekomme auch kein Trinkgeld.

Also nochmal zusammengefasst für jemanden, der bisher sehr wenig bis gar nicht mit Handwerkern zu tun hatte: Warum sollten Handwerker im Gegensatz zu anderen Berufen Trinkgeld bekommen und schließt du da alle Handwerksberufe ein?
 
Ohne groß ins Detail gehen zu wollen: der Preis für die Montage im Kern-Auslieferungsbereich (inkl. Anfahrt (ausschließlich mit LKW) und 2-3 Monteure. Im Durchschnitt wird mit 1,5 Std Arbeitszeit gerechnet, plus 5 Minuten pro Stockwerk (Fällt weg bei Aufzug)) Deckt bei KEINEM Möbelhaus die Kosten. Und in der Branche wird i.d.R. Akkord gearbeitet. Also kommt das Einkommen durch Masse, nicht durch Zeit zustande. Jede Zusatzarbeit, die aus Höflichkeit mit erledigt wird, kostet bares Geld!

Da das Trinkgeld aber nicht der Arbeitgeber bekommt, sondern der Monteur selbst, würde der Profit für den Arbeitgeber sich ja nicht ändern. Durch den Zusatzdienst durch das Trinkgeld würdest du ja dann länger brauchen und die Rentabilität deines Arbeitgebers würde noch weiter sinken, als wenn du den Extradienst nicht machen würdest. Deine für ihn bezahlte Produktivität würde zunehmen. Sprich, du stiehlst deinem Arbeitgeber nun den Nutzen an dir, weil du länger brauchst und dadurch mehr verdienst. Er kann scheinbar damit leben. Also könnte er dies auch, wenn du dies umsonst machst und seine Kunden damit noch zufriedener machst.
 
bist du gar nicht eingegangen?
Ich zum Beispiel arbeite nebenjobmäßig an der Fleischtheke, da schneide ich die Wurst auch für jeden Kunden extra und bekomme auch kein Trinkgeld.
So wird es bald in jeder Branche sein: jeder macht das, was er muss, und keinen Handschlag mehr.

BTW: Wie du selber schon sagst: Es ist geregelt, was Extraarbeiten sind. Und das ist mehr, als viele unserer Kunden meinen ;).

Also nochmal zusammengefasst für jemanden, der bisher sehr wenig bis gar nicht mit Handwerkern zu tun hatte: Warum sollten Handwerker im Gegensatz zu anderen Berufen Trinkgeld bekommen und schließt du da alle Handwerksberufe ein?

Ja, ich schließe alle Handwerksberufe mit ein - inklusive Friseure, Bedienungen in Restarants, Kneipen (und Imbissbuden). Anders gesagt - jeder Beruf, bei dem Durch besonderes Engagement dem Kunden ein Mehrtwert entsteht. Auch bei Verkäufern - warum nicht? Ist zwar im Supermarkt zugegebenermaßen schwierig, aber beim Fachgeschäft durchaus möglich ;)
 
Totte, ich denke, jetzt hast Du den Punkt klarer formuliert als das im gesamten Thread bislang geschah:

"ein Mehrwert für den Kunden durch besonderes Engagement des Dienstleistenden"
(Ich habe mal durch den Begriff "Dienstleistender" verallgemeinert)

könnte als allgemeines Kriterium dafür dienen, ob ein Trinkgeld gegeben werden sollte oder nicht.

Einen Anspruch auf Trinkgeld würde daraus nicht ableiten wollen, denn immerhin hat der Kunde den Mehrwert üblicherweise nicht explizit angefordert. Und es bliebe zu klären,
  1. was nun genau ein besonderes Engagement ist
  2. welcher Betrag als Trinkgeld angemessen ist
Aber als grundsätzliche Richtschnur taugt diese Formulierung schon ganz gut. Danke dafür.
 
Einen Anspruch auf Trinkgeld würde daraus nicht ableiten wollen
Ein "Anspruch" stand von meiner Seite aus nie zur Debatte - der ist in den Thread von jemandem 'reininterpretiert worden...;)

@Wannabee: der Arbeitgeber hat definitiv nichts zählbares von Mehrarbeiten, ausser evtl. Dem Vorteil des zufriedeneren Kunden. Aber Nachteile gibt es für ihn um so mehr: entweder "koste" ich durch die Mehrarbeit (Zeitlohn), oder ich schaffe mein Pensum nicht (Akkord). der nutzen für den Arbeitgeber hält sich in Grenzen.

Von privaten Nachteilen wie weniger Freizeit rede ich auch noch nicht...
 
@Wannabee: der Arbeitgeber hat definitiv nichts zählbares von Mehrarbeiten, ausser evtl. Dem Vorteil des zufriedeneren Kunden. Aber Nachteile gibt es für ihn um so mehr: entweder "koste" ich durch die Mehrarbeit (Zeitlohn), oder ich schaffe mein Pensum nicht (Akkord). der nutzen für den Arbeitgeber hält sich in Grenzen.

Doch wie beschrieben hat er ein Nachteil. Wenn du mehr machst, als du musst, dann benötigst du Zeit, Zeit die er bezahlt. Also ich würde auch immer freundlich zum Kunden sein und mein bestes geben ohne Trinkgeld. Ich denke da bin ich einfach pflichtbewusst.
 
also denke nicht das es aus stirbt

also ich gebe nur trink Geld wenn ich es will und wenn man sich Mühe gegeben hat und zuvorkommend war .

Aber das entscheidet denke ich jeder anders :LOL:
 
Der Thread ist ein ziemlich gutes Beispiel warum es ein Fehler ist Menschen an Trinkgeld (oder irgendwelche Bonis zu gewöhnen). Das was eigentlich als Bonus gedacht ist, wird schnell als selbstverständlich angenommen und stellt dann den neuen Standart dar.

Man sollte wahrscheinlich also nur Trinkgeld geben, wenn die Leistung wirklich aussergewöhnlich gut war, ansonsten gewöhnt sich das zu Undank neigende Individum zu schnell daran :ugly:
 
@Loshai: Das kann man auch umdrehen: Also sollte man das Individuum "Kunde" nicht zu sehr an Extrasservices gewöhnen - er könnte es zu schnell als selbstverständlich ansehen :ugly:

Natürlich, im idealen System würde es dann Kunden geben die stets Trinkgeld geben sofern die Leistung aussergewöhnlich gut war und stets nur den Lohn geben, wenn einfach nur das gemacht wurde was dieser beinhaltet.

Die Dienstleister würden das durch den unmittelbaren Zusammenhang bald merken und vielleicht würden sich 2 Gruppen bilden, diejenigen die immer 110% geben und stets Trinkgeld kassieren und diejenigen die merken das sich Trinkgeld durch die eigene Kosten/Nutzen Rechnung nicht lohnt und dann einfach nur Dienst nach Vorschrift machen.

Da da reale System nicht ideal ist gibt es leider keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Leistung und Trinkgeld, es gibt den großzügigen Kunden der jedem der halbwegs die geforderte Leistung erbracht hat auch ein Trinkgeld verpassen wird.
Es gibt auch den undankbaren Kunden der nie etwas gibt, auch wenn der der Dienstleister sich noch so sehr den Arsch aufgerissen hat :ugly:.

Die Kosten/Nutzen Rechnung für den Dienstleister wird damit durch die Anzahl der Variablen so kompliziert das sie nur schätzweise möglich ist und sicherlich eher von persönlichen Dogmen bestimmt, als wirkliche Rechnung ist.
Das persönliche Fazit für den Dienstleister und damit das zukünftige Handeln wird am Ende auch eher von dessen Mentalität abhängen, als das es eine wirkliche Grundlage in Form dieser Kosten/Nutzen Rechnung hätte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wannabe ich muß Dir auch widersprechen. Der Arbeitgeber kann in der Tat etwas davon haben: dann nämlich, wenn der Kunde wegen solch eines Mehrwerts wiederkommt, statt den nächsten Auftrag der Konkurrenz zu erteilen.

Einmal in einem Cafe oder Restaurant von der Bedienung angepampt und ich werde dort nicht mehr gesehen. Umgekehrt: mit einem Handwerker voll zufrieden, und ich werde ihm den nächsten Auftrag wieder erteilen - weil ich damit rechne, wieder zufrieden zu sein.
 
Das blöde an der ganzen Sache ist, dass Trinkgeld mit dem Lohn verrechnet wird.

Beispielsweise bezahlt ein hiesiger Pizzalieferdienst die Fahrer mit 5 Euro in der Stunde. Das Küchenpersonal bekommt 6 Euro, weil sie kein Trinkgeld bekommen können.

Das missbraucht den Sinn des Trinkgeldes. Wie bereits mehrfach bemerkt sollte eine Trinkgeldgabe idealerweise dann und nur dann erfolgen, wenn man mit der Leistung besonders zufrieden ist. Finde ich.
Dass nun Trinkgeld bei der Lohnberechnung eine Rolle spielt, macht die ganze Sache zunichte.

Dadurch ist Trinkgeld eben keine Belohnung für gute Arbeit. In gewissen Fällen ist der Kunde fast schon genötigt, Trinkgeld zu geben.

Zum Beispiel eine Disco in meiner Stadt:
Sehr viele Mixgetränke kosten 1,80. Dieser Preis ist darauf ausgelegt, dass der Kunde auf zwei Euro aufrundet. Einige Barkeeper haben es sich schon angewöhnt, die 20 cent obligatorisch einzubehalten. (Wobei sie sie sicher auf Nachfrage rausrücken würden)

Ich gebe die 20 cent. Ob ich nun 11% mehr bezahle (also rechnerisch statt 10 Drinks 9 für den gleichen Preis bekomme) ist mir geldtechnisch auch egal. Wenn ich mein Gegenüber glücklich machen kann ist es das auf jeden Fall wert.
Aber ich finde das System blöd. Ein Barkeeper kann zumindest bei einfachen Sachen nichts besonders gut machen. (ich spreche zum Beispiel von einem Charly, also 50:50 Weinbrand-Cola)
Und Trinkgeld dafür, dass er nichts falsch macht, finde ich auch doof.

Ein Handwerker dagegen kann besonders sauber, besonders schnell oder besonders freundlich sein.

Ich wiederhole mich, aber ich wollte darauf hinaus:
Trinkgeld sollte etwas sein, das man sich verdient. Und nicht etwas, das man bekommt, weil es normal ist, Trinkgeld zu geben.
(wie gesagt, bei Barkeepern etc. wären dementsprechend der Lohn und die Kosten für den Kunden höher)

Wenn das so wäre, könnte Trinkgeld auch nicht aussterben.


Andererseits kann ich bei Trinkgeld sicher gehen, dass der Barkeeper, der "kleine Mann" in dem Schuppen das bekommt. Ich unterstütze direkt ihn und nicht dazu noch den Discobetreiber, der jedes Wochenende mit nem anderen Benz vorfährt.
Patt :think:
 
Zuletzt bearbeitet:
Andererseits kann ich bei Trinkgeld sicher gehen, dass der Barkeeper, der "kleine Mann" in dem Schuppen das bekommt. Ich unterstütze direkt ihn und nicht dazu noch den Discobetreiber, der jedes Wochenende mit nem anderen Benz vorfährt.

Woher willst du das so genau wissen? So wie ich es in den letzten Monaten mitbekommen habe bei verschiedenen Gesprächen, wird gerade im Gastronomiebereich das individuell gehandhabt. Bei manchen kommen die Trinkgelder in einen Topf und das wird dann aufgeteilt.

Ich selbst merke auch gerade wie "neidisch" meine Chefin geworden ist. Früher hat sie selbst bedient, weiß also was man da so im Durchschnitt kriegt. Jetzt darf ich von meinem Trinkgeld was abgeben.:roll:
 
Woher willst du das so genau wissen? So wie ich es in den letzten Monaten mitbekommen habe bei verschiedenen Gesprächen, wird gerade im Gastronomiebereich das individuell gehandhabt. Bei manchen kommen die Trinkgelder in einen Topf und das wird dann aufgeteilt.
Wenn es an das letzte Glied der Reihe geht, bin ich zufrieden. Hauptsache der Geschäftsführer greift es sich nicht ab, wie bei dir. Wenn er nicht genug bekommt, soll er die Preise erhöhen, aber Trinkgeld sollte für die Leute sein, denen man es gibt.

(Klingt, als würde ich mir widersprechen. Aber wenn ich der Barkeeperin 20 cent Trinkgeld gebe, dann gebe ich es der Barkeeperschaft. Ob die das unter sich ausgleichen ist mir dann egal.)


Die Disco mit den 1,80-Preisen von vorhin überlässt übrigens den Barkeepern (noch) das Trinkgeld.
 
Einmal in einem Cafe oder Restaurant von der Bedienung angepampt und ich werde dort nicht mehr gesehen. Umgekehrt: mit einem Handwerker voll zufrieden, und ich werde ihm den nächsten Auftrag wieder erteilen - weil ich damit rechne, wieder zufrieden zu sein.

Sory, aber eine Bedienung sollte auch ohne Trinkgeld freundlich sein, sonst würde ich sie entlassen. Eigentlich lieferst du das beste Beispiel gegen Trinkgelder, wenn sonst die Kunden vergrault werden, die dann aufgrund der Arbeitseinstellung des Personals, einfach fern bleiben.

Ich möchte für das Geld, welches ich bezahle immer zufrieden sein. Schafft ein Dienstleister es nicht mich zufrieden zu stellen ohne Trinkgeld, dann hat er auch keinen weiteren Auftrag mehr verdient.
 
Ich halte Freundlichkeit und ordentliche Arbeit für eine Grundvoraussetzung, und verhalte mich entsprechend - auch wenn's manchmal schwer fällt. Von daher geht es mir eher um die Frage, was zusätzlich erwartet wird.
 
Ich halte Freundlichkeit und ordentliche Arbeit für eine Grundvoraussetzung, und verhalte mich entsprechend - auch wenn's manchmal schwer fällt. Von daher geht es mir eher um die Frage, was zusätzlich erwartet wird.

Also mehr als Freundlichkeit und ordentliche Arbeit erwarte ich persönlich nicht.
 
Sory, aber eine Bedienung sollte auch ohne Trinkgeld freundlich sein, sonst würde ich sie entlassen. Eigentlich lieferst du das beste Beispiel gegen Trinkgelder, wenn sonst die Kunden vergrault werden, die dann aufgrund der Arbeitseinstellung des Personals, einfach fern bleiben.

Sehe ich ehrlich gesagt genau so.
Die Angestelltenmotivation ist eigentlich Aufgabe des Arbeitgebers und nichts worüber sich der Kunde Gedanken machen sollte. Wenn das in irgendeiner Form Mehreinnahmen erfordert, hat er das entsprechend in seine Kalkulationen einfließen zu lassen.

Bei dem Beispiel mit dem Barkeeper würde ich mich als Neukunde weniger über nen Preis von 2€ wundern, als über einen Barkeeper, der 20 Cent ungefragt einbehält. Womöglich habe ich sogar noch nen schlechtes Gewissen, wenn ich Wechselgeld fordere.
Wenn ich in eine Discothek gehe, will ich mir keine Sorgen über das Wohl der Angestellten machen müssen indem ich innerlich über angemessene Bezahlungen philosophiere. Da habe ich in der Regel andere vorrangige Bedürfnisse.
Als Kunde möchte ich blind davon ausgehen können, dass jeglicher Service, den ich erwarte im Preis enthalten ist und hinter den Kulissen der Arbeitgeber seine Angestellten für herausragende Leistungen entsprechend würdigt (sowohl verbal, als auch finanziell), sodass ich auch in Zukunft den Service erhalte, den ich dort kaufen will. Es fällt imho nicht in meinen Aufgabenbereich dem Arbeitgeber diese Aufgabe abzunehmen.

Letzendlich ist in einem Café nicht die Cola allein das Produkt, das ich erwerben und konsumieren möchte, sondern ein Moment der Entspannung, samt einer Cola. Für dieses Gesamtpaket zahle ich gerne den entsprechend ausgeschilderten Preis. Wenn ich nur eine Cola will, gehe ich in den Supermarkt, wo ich entsprechend weniger für den Service bezahle und auch weniger Service erwarte/erhalte.

Vor zwei Wochen war ich in einer Discothek wo ich den Eindruck hatte, dass von mir als Kunde offenbar erwartet wurde, es den Angestellten so angenehm wie möglich zu machen. Es gipfelte darin, dass eine Kellnerin, der ich blöderweise gleich zweimal im Weg stand, ihr aber unmittelbar Platz machte, schließlich den Türsteher zu mir schickte um mit mir mal ein klärendes Gespräch zu führen und mich auf meine Pflichten hinwies.
Diesen Laden, indem man das Gefühl vermittelt kriegt als Kunde versagt zu haben, werde ich sicherlich nicht noch einmal betreten.
Trinkgeld gab es natürlich nicht dafür. ;)
 
Sory, aber eine Bedienung sollte auch ohne Trinkgeld freundlich sein, sonst würde ich sie entlassen. Eigentlich lieferst du das beste Beispiel gegen Trinkgelder, wenn sonst die Kunden vergrault werden, die dann aufgrund der Arbeitseinstellung des Personals, einfach fern bleiben.

Ich gebe Dir recht, aber ich glaube Du hast mich mißverstanden. Es ging ja darum, ob der Chef etwas davon hat, wenn der Angestellte sich mehr ins Zeug legt, als man eigentlich erwarten müßte. Meine Beispiele waren bewußt extrem gewählt. Natürlich ist es Sache des Arbeitgebers dafür zu sorgen, daß seine Angestellten freundlich zu den Kunden sind. Aber wenn ein Angestellter normal freundlich ist und der Angestellte der Konkurrenz sich eben bei der gleichen Aufgabe mehr ins Zeug legt, noch freundlicher ist und so dafür sorgt, daß ich mich fühle, als wäre ich ein VIP-Kunde, dann würde ich, wenn ich die Wahl habe, beim nächsten mal wohl eher wieder zu letzterem gehen.

Ein hochmotivierter Angestellter wirkt unmittelbar an der Kundenbindung mit. Es wäre insoweit vermutlich nicht mal eine schlechte Idee, das Trinkgeld, das ein Angestellter bekommt, von Seiten des Chefs aus zu verdoppeln. Das Problem ist nur korrekt nachvollziehen zu können, wieviel Trinkgeld ein Angestellter bekommen hat, wenn es nicht, wie in vielen Ländern üblich, auf der Rechnung, die per Kreditkarte bezahlt wird, vom Kunden in der Rubrik "Tips" (engl. für Trinkgeld) eingetragen würde.