So, von mir ist nun auch 'ne nette Geschichte online (1 & 2). Ist leider etwas zu lang geworden, aber den Punkteabzug nehme ich dafür gerne in Kauf. (Habe ja schon an diversen Ecken gekürzt.
)
Und weil ich ja eigentlich kein Fan von netten Geschichten bin, gibt's hier noch 'ne böse zum Ausgleich:
-------->8-------->8--------
Ich habe einen Fehler gemacht, genau deshalb bin ich jetzt hier. Meine Arme und Beine sind fest verzurrt und in meinem Mund steckt ein widerlich nach Gummi schmeckender Knebel. Aber ich möchte hier ohnehin nicht sprechen -- möchte nicht mit ihm sprechen.
Immer wieder stellt er mir Fragen, die er entweder selbst beantwortet oder hohl im Raum stehen lässt, bis sie sich aufzulösen beginnen. Manchmal erzählt er auch etwas; süße Lügen, die wir alle gerne hören, die aber dadurch auch nicht wahr werden. Ich bin etwas ganz Besonderes, so sagt er zumindest. Wenn ich kooperiere, sagte er mir, dann bekomme ich vielleicht mein altes Leben wieder, und er wird mich gehen lassen.
Allerdings scheint er das doch selbst nicht richtig zu glauben. Dieser arme Mensch braucht eindeutig Hilfe. Zumindest in dieser Hinsicht bin ich hier nicht ganz alleine. Nach dem, was er erzählt, gibt es hier außer mir noch andere, um die er sich kümmern muss. Aber woher soll ich wissen, ob das stimmt? Bislang habe ich jedenfalls nichts davon gesehen.
Erneut überprüft er den Sitz des Riemens an meiner rechten Hand, dann dreht er mir den Rücken zu und verschwindet wieder. Dies diene nur zu meinem Besten, zu meinem Schutz, versucht er mir immer wieder einzureden. Beim Gehen zieht er ein Bein nach. Wütend beiße ich auf den Knebel und versuche die linke Hand los zu reißen, doch es gelingt mir nicht.
Nur noch ein paar Tage, vielleicht. Vielleicht ist dann mein Arm dünn genug geworden, um ihn durch die Schlaufen zu ziehen und die Schallen zu öffnen. Dieser Gedanke ist kein unerreichbarer Strohhalm, denn es hat schon einmal funktioniert. Deshalb überprüft er den Riemen an meiner rechten Hand so oft. Und deshalb humpelt er.
Zugegeben, die ganze Situation ist reichlich verfahren und vielleicht -- nur vielleicht -- brauche ich sogar seine Hilfe, wenn das hier alles aufhören soll. Doch ich werde ihn nicht den gefallen erweisen, ihn darum zu bitten oder gar zu betteln. Und ich möchte schon gar nicht, dass ausgerechnet er mir hilft.
Ich habe meine eigene Lösung, aber dafür muss ich zunächst eine Hand freibekommen. Er weiß davon.
Vielleicht sollte ich auf sein Spiel eingehen, versuchen sein Vertrauen zu gewinnen und ihn glauben lassen, was er glauben möchte. Zumindest so lange, bis meine Hände frei habe und dann werde ich einen Menschen töten -- töten müssen.
Eigentlich ist es nicht wirklich ein Mensch -- zumindest kein guter. Irgendetwas ganz Niederes und Widerliches. Ich hasse es und die Welt wäre ohne es einfach besser dran. Und ich wäre endlich frei.
Jedenfalls werde deswegen kein schlechtes Gewissen bekommen und absolut seelenruhig schlafen können. Warum sollte es auch anders sein? Schließlich hat er mich ja selbst in diese Lage gebracht, und wenn das der Ausweg ist, dann soll es eben so sein. Der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel.
Wenn mein liebster Schatz wüsste, wo ich bin und was ich hier gerade durchmachen muss, würde sie es auch so wollen. Im Geiste kann ich deutlich erkennen, wie ihre Lippen die Worte "egal wie" formen. Das ist das einzige, was wirklich zählt. Genau das begreift er einfach nicht. Dabei ist er doch so sehr von sich selbst und seinem eigenen Können überzeugt. Armer Irrer!
Immer, wenn er nicht im Raum ist, herrscht hier eine Art absoluter Stille. Es gibt hier keine Geräte, die irgendwelche Geräusche verursachen könnten und auch durch die Wände dringt kein Laut herein. Beim Bewegen knarren und scharren zwar meine Fesseln, aber wenn ich mich ruhig verhalte, höre ich einzig das Blut in meinen Adern pulsieren.
Inzwischen schellt es jedoch laut in meinen Ohren, jenes Piepen im Kopf, das man nur wahrnimmt, wenn es eigentlich nichts zu hören gibt. Schleichend wird es lauter und lauter. Mein Ellenbogen juckt schon seit über einer Stunde und ich kann mich nicht kratzen. Am liebsten möchte ich laut schreien, aber ich habe immer noch den Knebel im Mund. Irgendetwas muss hier passieren, sonst werde ich noch verrückt.
Wäre mir nur nicht dieser dummen Fehler unterlaufe, der mich überhaupt erst in diese furchtbare Lage gebracht hat. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich sicher besser aufpassen.
Die Tür abschließen würde ich, und zusätzlich noch einen Stuhl unter der Klinke verkeilen. Ich würde dem Drang widerstehen, die Stimme meines liebsten Schatzes zu hören wollen, würde sie nicht anrufen und ihr nicht sagen, dass ich sie liebe. Ihrem Verlobten würde ich keinen Anlass geben, um dem Notarzt einen Suizid zu melden.
-------->8-------->8--------
MfG
Sven
Und weil ich ja eigentlich kein Fan von netten Geschichten bin, gibt's hier noch 'ne böse zum Ausgleich:
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Ich habe einen Fehler gemacht, genau deshalb bin ich jetzt hier. Meine Arme und Beine sind fest verzurrt und in meinem Mund steckt ein widerlich nach Gummi schmeckender Knebel. Aber ich möchte hier ohnehin nicht sprechen -- möchte nicht mit ihm sprechen.
Immer wieder stellt er mir Fragen, die er entweder selbst beantwortet oder hohl im Raum stehen lässt, bis sie sich aufzulösen beginnen. Manchmal erzählt er auch etwas; süße Lügen, die wir alle gerne hören, die aber dadurch auch nicht wahr werden. Ich bin etwas ganz Besonderes, so sagt er zumindest. Wenn ich kooperiere, sagte er mir, dann bekomme ich vielleicht mein altes Leben wieder, und er wird mich gehen lassen.
Allerdings scheint er das doch selbst nicht richtig zu glauben. Dieser arme Mensch braucht eindeutig Hilfe. Zumindest in dieser Hinsicht bin ich hier nicht ganz alleine. Nach dem, was er erzählt, gibt es hier außer mir noch andere, um die er sich kümmern muss. Aber woher soll ich wissen, ob das stimmt? Bislang habe ich jedenfalls nichts davon gesehen.
Erneut überprüft er den Sitz des Riemens an meiner rechten Hand, dann dreht er mir den Rücken zu und verschwindet wieder. Dies diene nur zu meinem Besten, zu meinem Schutz, versucht er mir immer wieder einzureden. Beim Gehen zieht er ein Bein nach. Wütend beiße ich auf den Knebel und versuche die linke Hand los zu reißen, doch es gelingt mir nicht.
Nur noch ein paar Tage, vielleicht. Vielleicht ist dann mein Arm dünn genug geworden, um ihn durch die Schlaufen zu ziehen und die Schallen zu öffnen. Dieser Gedanke ist kein unerreichbarer Strohhalm, denn es hat schon einmal funktioniert. Deshalb überprüft er den Riemen an meiner rechten Hand so oft. Und deshalb humpelt er.
Zugegeben, die ganze Situation ist reichlich verfahren und vielleicht -- nur vielleicht -- brauche ich sogar seine Hilfe, wenn das hier alles aufhören soll. Doch ich werde ihn nicht den gefallen erweisen, ihn darum zu bitten oder gar zu betteln. Und ich möchte schon gar nicht, dass ausgerechnet er mir hilft.
Ich habe meine eigene Lösung, aber dafür muss ich zunächst eine Hand freibekommen. Er weiß davon.
Vielleicht sollte ich auf sein Spiel eingehen, versuchen sein Vertrauen zu gewinnen und ihn glauben lassen, was er glauben möchte. Zumindest so lange, bis meine Hände frei habe und dann werde ich einen Menschen töten -- töten müssen.
Eigentlich ist es nicht wirklich ein Mensch -- zumindest kein guter. Irgendetwas ganz Niederes und Widerliches. Ich hasse es und die Welt wäre ohne es einfach besser dran. Und ich wäre endlich frei.
Jedenfalls werde deswegen kein schlechtes Gewissen bekommen und absolut seelenruhig schlafen können. Warum sollte es auch anders sein? Schließlich hat er mich ja selbst in diese Lage gebracht, und wenn das der Ausweg ist, dann soll es eben so sein. Der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel.
Wenn mein liebster Schatz wüsste, wo ich bin und was ich hier gerade durchmachen muss, würde sie es auch so wollen. Im Geiste kann ich deutlich erkennen, wie ihre Lippen die Worte "egal wie" formen. Das ist das einzige, was wirklich zählt. Genau das begreift er einfach nicht. Dabei ist er doch so sehr von sich selbst und seinem eigenen Können überzeugt. Armer Irrer!
Immer, wenn er nicht im Raum ist, herrscht hier eine Art absoluter Stille. Es gibt hier keine Geräte, die irgendwelche Geräusche verursachen könnten und auch durch die Wände dringt kein Laut herein. Beim Bewegen knarren und scharren zwar meine Fesseln, aber wenn ich mich ruhig verhalte, höre ich einzig das Blut in meinen Adern pulsieren.
Inzwischen schellt es jedoch laut in meinen Ohren, jenes Piepen im Kopf, das man nur wahrnimmt, wenn es eigentlich nichts zu hören gibt. Schleichend wird es lauter und lauter. Mein Ellenbogen juckt schon seit über einer Stunde und ich kann mich nicht kratzen. Am liebsten möchte ich laut schreien, aber ich habe immer noch den Knebel im Mund. Irgendetwas muss hier passieren, sonst werde ich noch verrückt.
Wäre mir nur nicht dieser dummen Fehler unterlaufe, der mich überhaupt erst in diese furchtbare Lage gebracht hat. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich sicher besser aufpassen.
Die Tür abschließen würde ich, und zusätzlich noch einen Stuhl unter der Klinke verkeilen. Ich würde dem Drang widerstehen, die Stimme meines liebsten Schatzes zu hören wollen, würde sie nicht anrufen und ihr nicht sagen, dass ich sie liebe. Ihrem Verlobten würde ich keinen Anlass geben, um dem Notarzt einen Suizid zu melden.
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MfG
Sven
