News Linke fordert drastische Senkung der Dispo-Zinsen per Gesetz

Bitte nochmal nachrechnen ;)
4,5% - 3,5%=1%. 1% von 195.000 Mark sind 1.950 Mark. Wo habe ich den Rechenfehler?

ich habe bei einer Bank nur ein kostenfreies Guthabenskonto und leihe ihr maximal - zinslos - 40 € im Monat, kein Dispo, kein Sparbuch
Wo ist denn deine soziale Verantwortung für Menschen, die unverschuldet in Not geraten. Du musst zu einer Bank wechseln, die mindestens 6 Euro pro Monat Gebühren berechnet, damit sie damit andere unterstützen kann und deren Dispos günstiger.

Marty
 
Ich will euren Enthusiasmus ja nicht bremsen aber nach meinem Eindruck hat sich eure Diskussion schon etwas länger irgendwie verrannt;)

Wie wäre es mit einem kurzen Schlussstatement:

Ich bin für/gegen eine drastische Senkung der Dispo-Zinsen im Sinne der Linken Forderung weil...

Ich mach mal den Anfang:

Ich bin für eine drastische Senkung der Dispo-Zinsen im Sinne der Linken Forderung weil es meiner Ansicht nach ein erster wichtiger Schritt in Richtung Verbraucherschutz wäre. Die aktuellen Dispozinsen sind meiner Ansicht nach, der aktuellen Geldpolitik eingedenk, derart überproportioniert, dass sie m.E. sogar eindeutig sittenwidrig im Sinne § 138 BGB* sind. Daher sollte m.E. der Staat im Sinne der Allgemeinheit dort eingreifen.

* vgl. BGH III ZR 60/81 v. 8.7.82 "Ein Kredit ist nach der Rechtsprechung sittenwidrig, wenn der effektive Jahreszins den Vergleichszins relativ um mehr als 91 Prozent überschreitet und eine Notlage oder Unerfahrenheit des Darlehnsnehmers ausgenutzt worden ist. "
 
Ich bin nicht gegen eine drastische Senkung der Dispo-Zinsen, ich bin aber gegen eine gesetzliche Vorschrift, die den Banken vorschreibt, die Zinsen zu senken.

Ich bin gegen jede gesetzliche Preisregulierung, die einen freien Markt beeinflusst.

Marty
 
4,5% - 3,5%=1%. 1% von 195.000 Mark sind 1.950 Mark. Wo habe ich den Rechenfehler?

Wo ist denn deine soziale Verantwortung für Menschen, die unverschuldet in Not geraten. Du musst zu einer Bank wechseln, die mindestens 6 Euro pro Monat Gebühren berechnet, damit sie damit andere unterstützen kann und deren Dispos günstiger.

Marty

Natürlich ist da kein -richtiger- Rechenfehler :LOL:
Ich staune nur, dass auf einmal zwei Mitarbeiter von den 1950 Mark bezahlt werden können, dass das Gebäude nix kostet, keine Reserven nötig waren (nie wurden alle Einlagen damals wieder vergeben) und keinerlei Gewinne gemacht werden sollten. D.h. mein "bitte nochmal nachrechnen" war provokativ gemeint, weil deine völlig richtige Berechnung wirderspricht allen Argumenten heutiger Banken.

Wenn ich das Rechenbeispiel auf heute hochrechne mit 20 000 Kunden und dem 60fachen Jahresschnitteinkommen, dann bewegt so eine Bank jährlich 3 Mrd. allein im Einlagengeschäft. Mit solchen Zahlen gehen wir aber eher selten im Alltag um, dazu kommen ja noch viele andere Sparten bei einer Bank, die teils noch weit größer sind.

Meine soziale Verantwortung sehe ich darin anderen zu raten, dass sie mir das nachmachen.
Zum einen stimme ich Gandist und dem BGH zu, was Banken tun, ist sittenwidrig und es wird zum einen Unwissen und zum anderen eine Notlage ausgenutzt, um horrende Gewinne zu erzielen.
Und wer einen Dispo guten Gewissens bekommt, der braucht ihn nicht, sollte also lieber auf seine "Sicherheiten" zurückgreifen.
Und ich bin ebenso der Meinung, dass die Politik in der Verantwortung steht, diesem sittenwidrigen Handeln einen Riegel vorzuschieben, indem sie per Gesetz die Möglichkeiten eingrenzt - wie du selbst richtig berechnet hast, hat es 1896 auch ausgereicht mit kleinen Gewinnspannen, eine solide Basis aufzubauen...
 
Ich mein, es ist nicht besonders hilfreich alles unter "Kulanz der Bank" abzutun, die bekomme ich von einer Bank ja nur, wenn es sich um einen eindeutigen Beratungsfehler handelt
Das ist nicht die Definition von Kulanz. Wo lag denn in dem besagten Fall der Beratungsfehler?
und wenn dann noch ein öffentlich anerkannter Verein dabei ist.
Was genau ist ein öffentlich anerkannter Verein?

Mein letzter Satz von vorhin war vollständig und korrektes deutsch.
Das größte Problem in dieser Diskussion ist eben, dass Zinsen als Währung und Gewinnvermehrung (was prozentual berechnet wird) verwechselt werden
:nö:

Und warum soll es grottenfalsch sein, wenn ich behaupt, das Geld kommt freiwillig zur Tür der Bank?
Schau dich um mit welchen Mitteln Banken mittlerweile versuchen Kunden zu "kaufen". Wäre nicht nötig wenn alles von alleine käme.
Banken nehmen zwar dort noch Geld auf, aber nur für Investitionen in Sachwerte.
Woher nimmst du diese Behauptung?

Und wenn die Bank nicht die Bareinlagen der Kunden benutzen dürfte, wozu sollte eine Bank denn dann überhaupt Zinsen bezahlen?
Dürfen und sollen sie doch sogar.

Und wie du schon sagst, die Rücklagen sind so verschwindend gering, dass sie eigentlich gar nicht ins Gewicht fallen, weil eben auch die Ausfallrisiken so verschwindend gering sind..
Woher kommt die Einschätzung dass das Ausfallrisiko bei Dispokrediten verschwindend gering sei?

Bei allem Respekt aber das Prinzip "Wer Not leidet muss bluten damit der der viel hat es geschenkt kriegen kann" ist eine der elementarsten Ungerechtigkeiten des Kapitalismus.
Keine Frage, aber dass der Zins die Risikoprämie des Geldes ist und demnach jemand der schwächer ist mehr zu zahlen hat ist aber ein "natürlicher" und wesentlicher Bestandteil der Marktwirtschaft.

Über die unzähligen Möglichkeiten unverschuldet in die Überschuldung zu geraten hatte ich ja schon mehrfach gesprochen.
Wenn es unverschuldet ist, trägt ja folglich niemand die Schuld. Wer soll also die Zeche zahlen?

Es gibt Banken deren Geschäftsmodell ist zum Großteil darauf ausgelegt notleidenden Menschen Zuckerbrot vorzuwerfen um sie dann vollends auszunehmen.
Welche? Der allgemeine Eindruck ist doch eigentlich eher dass notleidende Kunden überhaupt nicht gern gesehen sind. Im Gegenteil; sie werden abgelehnt oder rausgekündigt.

Aus meiner Sicht müssten die Bürger vor soetwas beschützt werden.
Aber wie? Die meisten Überschuldungen sind selbstverschuldet. Und für die unverschuldeten trägt wie o.g. niemand (also auch keine Bank) die Schuld.

Letztendlich ist doch der Bezug und der Umgang mit dem Thema Geld häufig das Problem. Man lernt in der Schule wie man Noten liest, was die alten Römer so angestellt haben aber kaum bis gar nicht wie mit Geld umzugehen ist. Die Konsumgesellschaft tut ihr übriges. Sämtliche Märkte kaputt zu regulieren wird nicht helfen.


Ich bin gegen eine drastische Senkung der Dispo-Zinsen im Sinne der Linken Forderung weil...
... es Probleme nicht löst sondern neue schafft (sofern die Senkung aus einem gesetzlichen Zwang und nicht aus einem Marktmechanismus raus erfolgt).
 
Natürlich ist da kein -richtiger- Rechenfehler :LOL:
Ich staune nur, dass auf einmal zwei Mitarbeiter von den 1950 Mark bezahlt werden können, dass das Gebäude nix kostet, keine Reserven nötig waren
Du hast doch geschrieben, dass die 500 Mark verdient haben. Macht 1000 Mark für zwei Mitarbeiter, bleiben 950 Mark für den Rest. Wenn man das mit Gehältern von heute vergleicht, dann dürften bei der Bank nach heutigem Wert 120.000 Euro Deckungsbeitrag übrig gewesen sein. Das dürfte bei 86 Kunden wohl reichen.

Zum einen stimme ich Gandist und dem BGH zu, was Banken tun, ist sittenwidrig und es wird zum einen Unwissen und zum anderen eine Notlage ausgenutzt
Das Urteil des BGH mag ja sein, es passt aber nicht. Der Vergleichszinsatz, der dort genannt ist, dürfte beim Dispo ein Durchschnittsdispozinssatz sein aber nicht der EZB-Zinssatz.

Marty
 
Das Urteil des BGH mag ja sein, es passt aber nicht. Der Vergleichszinsatz, der dort genannt ist, dürfte beim Dispo ein Durchschnittsdispozinssatz sein aber nicht der EZB-Zinssatz.

Korrekt. Häufiger Referenzzinssatz für (private!) Dispos ist der: https://www.bundesbank.de/Navigatio...de.html?listId=www_s11b_ph1&tsId=BBK01.SUD112

Und bevor die Diskussion losgeht: Es ist ein Referenzwert, ein Durchschnitt des Marktes wenn man will. Nicht zu interpretieren als: "Da steht 9,50% also dürfen nur 9,50% genommen werden!" :biggrin: Steigt/Sinkt dieser Referenzwert um x% wird nach oben/unten angepasst.

Natürlich ist da kein -richtiger- Rechenfehler :LOL:
Ich staune nur, dass auf einmal zwei Mitarbeiter von den 1950 Mark bezahlt werden können, dass das Gebäude nix kostet, keine Reserven nötig waren (nie wurden alle Einlagen damals wieder vergeben) und keinerlei Gewinne gemacht werden sollten. D.h. mein "bitte nochmal nachrechnen" war provokativ gemeint, weil deine völlig richtige Berechnung wirderspricht allen Argumenten heutiger Banken.
Haben Banken denn das alles nicht zu berücksichtigen? Keine Kosten? Rohgewinn = Endgültiger Gewinn? Wenn dem so ist argumentieren die heutigen Banken natürlich falsch.

Mit solchen Zahlen gehen wir aber eher selten im Alltag um, dazu kommen ja noch viele andere Sparten bei einer Bank, die teils noch weit größer sind.
Die Zinsmarge (Einlagen vs. Kreditvergabe) ist im klassischen Bankgeschäft die größte Sparte, mit Abstand.
 
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