Soziales Zustände schlimmer als früher in der DDR

Ja, aber es gibt noch mehr. Beispielsweise Sicherheit. Natürlich gab es wohl auch in der DDR Morde, Vergewaltigungen, Raub und das ganze Programm. Aber hier spielt der Überwachungsstaat natürlich auch seine Stärken aus (ja, er hat nicht nur Nachteile). Täter wurden innerhalb kürzester Zeit (meist innerhalb von 24 Stunden) gestellt. Heute kann man schon fast von Glück sprechen, wenn überhaupt jemals ein Verdächtiger ermittelt wird.

Bei einem Staatsgebiet von der Grösse der DDR, einer Grenzsicherung sondergleichen [selbst an den Grenzen zu Polen & CSSR] und zusätzlich jeder Menge Spitzeln im Volk auch kein Wunder. ;)

Man konnte sehr wohl Karriere machen. Stellt sich nur die Frage, was man sich unter "Karriere" vorstellt. Es war sicher nahezu unmöglich, Millionär zu werden. Aber dafür war niemand obdachlos, niemand musste Hunger leiden und niemand musste um seinen Arbeitsplatz ernsthaft fürchten. Aber man konnte innerhalb eines Betriebes durchaus aufsteigen bis hin zum Betriebsleiter. Man konnte auch politisch Karriere machen und so weiter. Mein Opa war noch in der DDR selbstständig, bis er so stark gegenüber der HO und Konsum benachteiligt wurde, dass er letztlich eine Kommanditgesellschaft mit Konsum gründete (ja, das war auch in der DDR möglich). Am Ende wurde er allerdings von HO kaputt gemacht und hatte dann im Osten nichts mehr verloren. Aber nunja, wenn die Großen die Kleinen töten, das kennt man ja auch aus dem Kapitalismus zur Genüge. Man konnte aber auch sein verdientes Geld inoffiziell in DM tauschen und dann im Intershop einkaufen (warum auch immer).

Die Karriere ging ab der Stufe eines Abteilungsleiters nur noch über den "politischen" Weg.
Ohne Mitgliedschaft in staatl. Organisationen war da Sense.
Meinem Dad wurde 1987 der Posten eines Betriebsleiters angeboten.
Voraussetzung - er hätte der SED beitreten müssen.
Das hat mein Dad kategorisch abgelehnt und blieb weiterhin "nur" Ingenieur.

Dieses Argument höre ich auch so oft. Es jammern stets die Leute, die sich vehement geweigert haben, der FDJ, GST oder DSF beizutreten oder die aktive Mitglieder der Kirche waren - kurz: politisch "unangenehme" Staatsbürger. Gut, wenn man heute bei einem Bewerbungsgespräch sagt, man wäre Mitglied der NPD wird es wahrscheinlich auch nicht viel einfacher werden, einen Job zu bekommen. In der BRD ist es im Grunde wie in der DDR: Wer immer schön aalglatt ist und mit dem Strom schwimmt, hat es leicht. Alle anderen tun sich schwer. Es hat sich nichts geändert.

Naja ... der Vergleich gefällt mir überhaupt nicht.
Heute wird man nicht gezwungen irgendwo Mitglied zu sein.
Wenn man in einer Partei oder Gruppierung Mitglied ist, sollte man auch dazu stehen und wenn es dem Gegenüber nicht passt - dumm gelaufen.

In der DDR war doch das Problem des Nicht-Mitglied-Seins.
Ich erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 1988 als meine Lehrerin fast ausgerastet ist weil ich nicht in die FDJ wollte und statt Jugendweihe lieber die Konfirmation vorhatte.
Die Diskussionen kannst Du Dir nicht vorstellen !

Als Mensch möchte ich frei entscheiden welchen "Gruppierungen" ich mich anschliesse.
Und genau das war in der DDR nicht [ohne Repressalien] möglich.
 
Hinzu kommt, dass sich (dank der Staatssicherheit) um ehemalige Häftlinge intensiver gekümmert wird - sei es aktiv (Resozialisierung) oder passiv (Überwachung).

Ist das Dein Ernst ?
"Häftlinge" gab es viele in der DDR.
Mir fehlt im Moment grad die Lust rauszusuchen, wieviele Menschen in der DDR in Haft saßen OHNE ein wirkliches Verbrechen begangen zu haben.

Es gab diverse "Tatbestände" wie z.B.

§ 99: Landesverräterische Nachrichtenübermittlung

§ 100: Landesverräterische Agententätigkeit

§ 106: Staatsfeindliche Hetze

§ 213: Ungesetzlicher Grenzübertritt

§ 214: Beeinträchtigung staatlicher oder gesellschaftlicher Tätigkeit

§ 217: Zusammenrottung

§ 219: Ungesetzliche Verbindungsaufnahme

§ 220: Öffentliche Herabwürdigung

§ 249: Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch asoziales Verhalten


die ausnahmslos mit teilweise mehrjährigen Haftstrafeb geahndet wurden !!!

Wenn Du mal Muße hast, lies mal das Buch "Einstrich Keinstrich" - gibts bei Amazon.
Da kommt Dir das Kotzen !
 
Bei einem Staatsgebiet von der Grösse der DDR, einer Grenzsicherung sondergleichen [selbst an den Grenzen zu Polen & CSSR] und zusätzlich jeder Menge Spitzeln im Volk auch kein Wunder. ;)
Ja, der Preis der Sicherheit.

Die Karriere ging ab der Stufe eines Abteilungsleiters nur noch über den "politischen" Weg. Ohne Mitgliedschaft in staatl. Organisationen war da Sense. Meinem Dad wurde 1987 der Posten eines Betriebsleiters angeboten. Voraussetzung - er hätte der SED beitreten müssen. Das hat mein Dad kategorisch abgelehnt und blieb weiterhin "nur" Ingenieur.
Ja, solche Beispiele kenne ich auch zu Hauf. Andere (nennen wir sie einfach mal "Kolaborateure") wären pro forma der SED beigetreten, ob man nun die Ideologie teilt oder nicht. Grundsätzlich war es also sehr wohl möglich.

Naja ... der Vergleich gefällt mir überhaupt nicht.
Heute wird man nicht gezwungen irgendwo Mitglied zu sein.
Wenn man in einer Partei oder Gruppierung Mitglied ist, sollte man auch dazu stehen und wenn es dem Gegenüber nicht passt - dumm gelaufen.
In der DDR war doch das Problem des Nicht-Mitglied-Seins.
Dieser Unterschied ist mir vollständig bewusst. Nur spricht man heute von "Freiheit". Und doch ist man nicht frei.

Anders gesagt: Früher wurde gefordert, durch Mitgliedschaft in einer Partei / Organisation seine sozialistische Überzeugung zu bestätigen. Es war zwar offiziell freiwillig, aber ohne Mitgliedschaft wurde man oft benachteiligt.

Heute wird gefordert, entweder keiner oder nur "politisch korrekten" Parteien / Organisationen anzugehören. Es ist zwar offiziell erlaubt, auch anderen anzugehören, aber wenn man es tut, wird man oft benachteiligt.

Es ist aus meiner Sicht nur ein Polsprung, nichts weiter.

Ich erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 1988 als meine Lehrerin fast ausgerastet ist weil ich nicht in die FDJ wollte und statt Jugendweihe lieber die Konfirmation vorhatte. Die Diskussionen kannst Du Dir nicht vorstellen !
Nur zu gut. Eine sehr gute Freundin von mir hat das gleiche Spiel durch. Bei ihr kam noch erschwerend hinzu, dass ihr Vater evangelischer Pfarrer und sie somit ohnehin "Staatsfeind Nummer Eins" war. Sie war weder Mitglied der Pioniere, noch der FDJ oder DSF oder sonstwelchem Verein. Dadurch konnte sie kein Abitur machen und nicht studieren.

Das klingt heute furchtbar, aber mal ganz ehrlich: Den Glauben kann mir keiner nehmen. Ich wäre pro forma in die FDJ eingetreten, hätte meine paar Pfennige Monatsbeitrag bezahlt und studiert. Notfalls wäre ich auch noch in die Partei eingetreten für einen guten Job - So what? Meine Überzeugung und meinen Glauben könnte mir niemand nehmen, schon gar kein Parteibuch.

Als Mensch möchte ich frei entscheiden welchen "Gruppierungen" ich mich anschliesse. Und genau das war in der DDR nicht [ohne Repressalien] möglich.
Heute auch nicht, wenn es sich um "ungefällige" Organisationen handelt. Der einzige Unterschied ist, dass damals "ungefällige" Organisationen heute erlaubt und teilweise sogar erwünscht sind.

Stimmt auch nicht so ganz, denn es gibt heute nicht einen so stark ausgeprägten überwachenden Staatsapparat wie in der DDR. Deshalb muss man nicht zwangsweise mit staatlichen Sanktionen rechnen, wenn man einer Organisation beitritt. Aber mal ehrlich: Wer heute einer "unliebsamen" oder gar verbotenen Organisation angehört, der ist doch wohl ebenso aktenkundlich erfasst wie damals. Staatssicherheit heisst jetzt BND und Staatsschutz und die Akten kommen von Herlitz statt vom VEB Papier. Nur die Knäste sind komfortabler geworden, das Strafmaß hat sich wesentlich gelockert und zu Gunsten der Freiheit hat man Überwachungsmaßnahmen stärker eingeschränkt.

EDIT:
komerzhasi schrieb:
[...]
Mir fehlt im Moment grad die Lust rauszusuchen, wieviele Menschen in der DDR in Haft saßen OHNE ein wirkliches Verbrechen begangen zu haben.
[...]
§ 99: Landesverräterische Nachrichtenübermittlung
§ 100: Landesverräterische Agententätigkeit
§ 106: Staatsfeindliche Hetze
[...]
§ 217: Zusammenrottung
[...]
§ 249: Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch asoziales Verhalten
Das ist heute alles erlaubt?

Gruß,
Photon
 
Zuletzt bearbeitet:
Aber mal ehrlich: Wer heute einer "unliebsamen" oder gar verbotenen Organisation angehört, der ist doch wohl ebenso aktenkundlich erfasst wie damals.

Wie gesagt ... bitte nicht verdrehen.
Der Beitritt zur Organisation "Neues Forum" [gegr. 1989] war ein Straftatbestand !
Die Nicht-Migliedschaft in einer sozialistischen Organisation war nicht strafbar aber man wurde zum "Feindbild".

Staatssicherheit heisst jetzt BND und Staatsschutz

Mir wäre neu, dass der BND über Schüler im Alter von 14 Jahren Dossiers anlegt in denen Berichte gespeichert werden, wie dieser Schüler zum Staat eingestellt ist - so mir persönlich geschehen.

Das ist heute alles erlaubt?

Natürlich nicht ... es kam nämlich darauf an, was man unter diesen so "verbrecherisch" klingenden Straftaten verstanden hat um somit Menschen zu inhaftieren & zu schikanieren.

Ich mach mir mal die Arbeit ...

§ 99: Landesverräterische Nachrichtenübermittlung
Dazu reichte es aus [Beispiele such ich Dir mal bei Gelegenheit aus meinem riesigen Bücherfundus raus] an die Verwandtschaft in einem Brief lapidar mitzuteilen, dass man mit dem VEB "Sowieso" in ein schönes neues Gebäude gezogen ist.

§ 100: Landesverräterische Agententätigkeit
Zuffälig ein Kriegsschiff auf dem unscharfen Urlaubsphoto das während der Hafenrundfahrt in Rostock entstanden ist ... schon war der Tatbestand erfüllt.

§ 106: Staatsfeindliche Hetze
"In der DDR werden Atomwaffen der Russen gelagert!"
Mit diesem [der Wahrheit entsprochenem Satz] war auch hier der Tatbestand erfüllt.

§ 213: Ungesetzlicher Grenzübertritt
Hier sollte man noch hinzufügen, dass es um die Ausreise aus der DDR ging.
Selbst der Versuch [dazu zählte schon die Vorbereitung bzw. ein ausgesprochener Gedanke im falschen Zuhörerkreis] war strafbar.

§ 214: Beeinträchtigung staatlicher oder gesellschaftlicher Tätigkeit
N. wurde zur Last gelegt, am 4. Oktober 1977 gegen 17.30 Uhr im Fußgängertunnel am Berliner Alexanderplatz ein selbstgefertigtes Plakat zur Schau gestellt zu haben, das von rund fünfzig Passanten wahrgenommen worden sei; das Plakat habe die Aufschrift getragen: »Seit 12 Monaten werde ich am legalen Verlassen der DDR gehindert«. Er wurde vom Stadtbezirksgericht Berlin-Lichtenberg - entsprechend dem von der Angeklagten in der Hauptverhandlung gestellten Antrag - zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt.
Link

§ 217: Zusammenrottung
Dazu reichte es aus sich vor einer Kirche zu "versammeln".

§ 219: Ungesetzliche Verbindungsaufnahme
Anfang September 1980 erklärte der ehemalige leitende Krankenhausarzt Dr. med. K. der den Verhältnissen in der DDR und anderen Ländern des sogenannten realen Sozialismus kritisch gegenüberstand, in zwei gleichlautenden Briefen an die von Lech Walesa geführte polnische unabhängige Gewerkschaft Solidarnosc seine Sympathie und Verbundenheit, berichtete über Sympathiebekundungen in der DDR und stellte eine Spende von 3.000 Mark in Aussicht; zugleich äußerte er verhaltene Kritik an den Beschränkungen der Pressefreiheit in der DDR. Aufgrund dieses Sachverhalts verurteilte ihn der 1. Strafsenat des Bezirksgerichts Dresden unter dem Vorsitz des Angeklagten und mit dessen Stimme am 2. März 1981 wegen staatsfeindlicher Hetze (§ 106 Abs. 1 Nr. 2 StGB-DDR) in Tateinheit mit ungesetzlicher Verbindungsaufnahme (§ 219 Abs. 2 Nr. 1 StGB-DDR) zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Dr. K. mußte die Strafe vollständig verbüßen.
Link

§ 220: Öffentliche Herabwürdigung
"Die DDR ist Scheisse !" Damit wars das.

§ 249: Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch asoziales Verhalten
Danach wird derjenige, der „das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung und Sicherheit beeinträchtigt, indem er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit entzieht“, mit Freiheitsstrafe bis zu 2 im Wiederholungsfall bis zu 5 Jahren.
Noch Fragen ?

Die Gesetze und die Rechtsauslegung in der DDR mit den heutigen Gesetzen und der Justiz eines Rechtsstaates zu vergleichen ist wahrlich für die Katz.
 
Wie gesagt ... bitte nicht verdrehen.
Der Beitritt zur Organisation "Neues Forum" [gegr. 1989] war ein Straftatbestand !
Mitgliedschaft in diversen verbotenen Organisationen ist nach wie vor verboten. Das aktive Mitwirken darüber hinaus natürlich auch.

Die Nicht-Migliedschaft in einer sozialistischen Organisation war nicht strafbar aber man wurde zum "Feindbild".
Wie gesagt - der Polsprung.

Mir wäre neu, dass der BND über Schüler im Alter von 14 Jahren Dossiers anlegt in denen Berichte gespeichert werden, wie dieser Schüler zum Staat eingestellt ist - so mir persönlich geschehen.
Sagen wir mal besser: Wir wissen es beide nicht. Du vermutest NEIN, ich vermute JA, aber wir wissen es nicht. Ich möchte aber wetten, dass von sogenannten "Volksverhetzern", "Agenten" etc. (politisch links wie rechts) nicht nur Dossiers über sie selbst, sondern auch über deren Ehegatten und Kinder existieren. Es ist zwar reine Spekulation, aber der Staat wäre dumm, würde er es nicht tun. Nur wird heute das Wort "Volksverhetzer" anders ausgelegt als damals.

Natürlich nicht ... es kam nämlich darauf an, was man unter diesen so "verbrecherisch" klingenden Straftaten verstanden hat um somit Menschen zu inhaftieren & zu schikanieren.
Ja, genau das ist der Unterschied. Heute ist also im Namen der Freiheit mehr erlaubt als damals. Dafür haben die Bürger der ehemaligen DDR einen Großteil ihrer Sicherheit aufgegeben, das war der Deal.

Abgesehen davon kenne ich genug Leute, die sich weit mehr erlaubt haben, als die von Dir zitierten Beispiele und nie Besuch der Staasi bekamen. Nur wer aktiv gegen den Staat vorgegangen ist, musste mit (teilweise drakonischen) Strafen rechnen. Ein simples "Erich Honnecker ist eine Schwuchtel" hat da noch lange nicht gereicht. Insofern betrachte ich Deine Beispiele zwar als wahr, aber als definitve und nicht maßgebliche Einzelfälle.

Gruß,
Photon
 
Sagen wir mal besser: Wir wissen es beide nicht. Du vermutest NEIN, ich vermute JA, aber wir wissen es nicht. Ich möchte aber wetten, dass von sogenannten "Volksverhetzern", "Agenten" etc. (politisch links wie rechts) nicht nur Dossiers über sie selbst, sondern auch über deren Ehegatten und Kinder existieren. Es ist zwar reine Spekulation, aber der Staat wäre dumm, würde er es nicht tun. Nur wird heute das Wort "Volksverhetzer" anders ausgelegt als damals.

In meinem Fall hatte das nix mit meinen Eltern zu tun.
Ich sollte auf die KJS Oberhof (Biathlon) und habe zu meiner Bestürzung vor 6 Jahren erfahren, dass zu diesem Zweck u.a. die Stasi Informationen von Lehrern und Mitschülern (über deren Eltern) gesammelt hat.
Nicht viel aber immerhin.

Abgesehen davon kenne ich genug Leute, die sich weit mehr erlaubt haben, als die von Dir zitierten Beispiele und nie Besuch der Staasi bekamen. Nur wer aktiv gegen den Staat vorgegangen ist, musste mit (teilweise drakonischen) Strafen rechnen. Ein simples "Erich Honnecker ist eine Schwuchtel" hat da noch lange nicht gereicht. Insofern betrachte ich Deine Beispiele zwar als wahr, aber als definitve und nicht maßgebliche Einzelfälle.

Siehe Beispiel oben (Plakat in der Hand) ...
Solche Sachen gab es täglich in der DDR.
Vor ein paar Jahren gab es dazu auf der Webseite der BStU eine riesige Sammlung an Originaldokumenten als PDF ausschliesslich aus den Jahren 88 und 89.
Bei Interesse schick ich Dir das gern mal um nur kurz aufzuzeigen, dass das keine "Einzelfälle" waren.

Allein im evang. Umweltkreis meiner ehemaligen Heimatstadt, in dem meine Mom auch aktiv war, gab es 12 IM's ... !
Bei einer Gesamtzahl an Mitgliedern von weniger als 30 eine beachtliche Zahl.
Man musste nicht "persönlich" von der Stasi besucht werden - die Spitzel waren immer und überall präsent.
 
In meinem Fall hatte das nix mit meinen Eltern zu tun.
Ich sollte auf die KJS Oberhof (Biathlon) und habe zu meiner Bestürzung vor 6 Jahren erfahren, dass zu diesem Zweck u.a. die Stasi Informationen von Lehrern und Mitschülern (über deren Eltern) gesammelt hat.
Nicht viel aber immerhin.
Ja, solche Beispiele kenne ich auch. Aber vergiss mal nicht, dass die KJS eigentlich Menschen "heranzüchten" sollte, die sich mit internationalen Sportlern messen sollten - folglich auch das Land zu Wettkämpfen später mal verlassen müssen. Man konnte es sich einfach nicht leisten, dass die KJS und später der Beruf eines Sportlers ein Freibrief zur Ausreise ohne Ausreiseantrag wird. Was meinst Du wohl, was man heute tun würde, wenn per Gesetz eine Grenzübertretung verboten und nur mit Ausreisegenehmigung möglich wäre?

Siehe Beispiel oben (Plakat in der Hand) ...
Solche Sachen gab es täglich in der DDR.
[...]
Bei Interesse schick ich Dir das gern mal um nur kurz aufzuzeigen, dass das keine "Einzelfälle" waren.
Mir sind jedenfalls keine derartigen Fälle bekannt. Und ich kenne wirklich viele ehemalige DDR-Bürger, einige hatten sogar Berlin-Verbot und ähnliches. Keiner von denen war aber jemals in einem Staasi-Knast. Bevor man dahin gekommen ist, musste wohl schon einiges mehr passieren, als nur ein "Querolant" zu sein.

Aber wie auch immer, ich glaube ja, dass einige Menschen im Namen der Freiheit ein wesentlich schwereres Los in der DDR ertragen mussten. Und man konnte sich nicht frei entscheiden, wo man leben möchte, weil ja das Verlassen des Landes bei Schießbefehl verboten war. Dafür hatte man eben eine wesentlich größere Sicherheit im täglichen Leben, auf der Straße und so weiter. Ich für meinen Teil möchte nicht in der DDR leben müssen (gäbe es sie noch), aber ich bringe vollstes Verständnis für jene auf, die es dennoch möchten.

Zum Thema IM's sage ich mal so viel: Es sind doch die Menschen, die die Schweine sind. Und heute wäre es auch nicht anders. Wenn der Staat jemandem genügend viel Geld zahlt, damit der seinen besten Freund überwacht und verrät, meinst Du, heute würden weniger Menschen "Nein" sagen? Nur hatte die DDR aufgrund der Nähe und Verwandtschaft zur kapitalistischen BRD mit viel mehr "Feinden" zu kämpfen und man konnte es sich nicht leisten, dass der Staat unterwandert wird.

Letztlich ist es nunmal immer noch das Gleiche: Man zahlt mehr Sicherheit immer in der gleichen Währung: Freiheit. Und von einer Sache bin ich restlos überzeugt: Das Leben in der DDR war wesentlich sicherer als in der BRD (damals wie heute, wenn es die DDR noch gäbe). Deshalb reagiere ich auch so gereizt, wenn nach mehr Sicherheit gebrüllt wird und dafür Überwachungskameras, Kontrollen, Erfassung biometrischer Daten und sonstwas in Kauf genommen werden soll. Denn irgendwann macht es keinen großen Unterschied mehr, ob der Staat BRD, 3. Reich oder DDR heißt.

Gruß,
Photon
 
Doch lieber lebe ich in Armut als unter Zwang in einem System, welches keinerlei Demokratie besaß. Niemand, oder zumindest ich nicht, würde behaupten können, das heutige System ist ein gutes. Aber dieses System, in dem wir leben ist hundertmal besser als jede Diktaturen oder andere ähnliche Systeme, in dem wir nicht frei leben und entfalten können.
Und den Leuten, denen es wohl so betrachtet nicht wirklich gut geht hier, also sprich die Armen, verglichen mit anderen Ländern, zumeist in der dritten Welt, geht es ihnen hier wirklich gut.

Meinst du denn wirklich, deine Gesamtaussichten wären heute in der DDR, würde sie noch exisiteren, besser?

du musst in DDR gelebt haben um zu wissen wie es dort den menschen ging. selbst bei sadam husein fuehlten die mehrheit einfacher menschen(sogar mit bildung) diktatur auf eigenem leib nicht. ihr denkt DDR hat sich wie ein gefaehngniss angefuehlt. man kann es aber auch schlecht erklaeren wie es in der tat war. und um es zu ,,probieren,, gibt es keine moegglichkeit mehr. man konnte nach nordkorea gehen, aber dort waere man als deutsche und westler wahrscheinlich unter veerdacht ein spion zu sein, daher...waere man ueberwacht oder so...

ich schlage vor, die westler erzaehlen den ostlern nicht wie falsch alles bei denen gelaufen ist. und wenn ein DDR mensch DDR vermisst, hat er gute gruende dazu, das sieht inzwieschen sogar selbst der westen ein.
 
Doch lieber lebe ich in Armut als unter Zwang in einem System, welches keinerlei Demokratie besaß. Niemand, oder zumindest ich nicht, würde behaupten können, das heutige System ist ein gutes. Aber dieses System, in dem wir leben ist hundertmal besser als jede Diktaturen oder andere ähnliche Systeme, in dem wir nicht frei leben und entfalten können.

Unterschrieben. Grüße auch von meiner Freundin, die ist auch lieber bei mir als beim Erich :D

Zum System: Es gibt Gewinner, Verlierer, gefühlte Gewinner und gefühlte Verlierer (letzte sind in Deutschland stark vertreten). Ich will auch kein Hans GuckindieLuft sein, der glaubt, jeder könne alles erreichen. Und trotzdem möge man mir ein System zeigen, was mehr Gerechtigkeit für alle garantiert, incl. Nachhaltigkeit.
 
Wenn du dir unser System hier in Deutschland anschaust, wirst du feststellen, das es hier und da an einigen Punkten vielleicht noch etwas zu verbesseren gibt, aber im guten und ganzen doch okay ist. Und selbst wenn es den Menschen "hinter der Mauer" heute durch keinen Mauerfall besser gehen würden, sie würden nicht in Freiheit leben, Stasi, Verfolgung politischer Gegner und vieles mehr. Die Menschen am Tag des Falles der Mauer (eigentlich war es ja ein längerer Zeitraum) haben gefeiert, und glaube mir, sie haben vor allem gefeiert, weil sie frei waren und nicht vorrangig deswegen,

Naja zunächst mal zum materiellen:
Nur weil ich monatlich mit 2100€-2300€ "rumhantiere" ist das noch lange kein sogenannter Wohlstand, weil nummal 1600€ (5-Personen Haushalt)alles in allem schonmal als Fixkosten feststehen, ohne Klamotten und wenn nichts dazwischen kommt.
Interessant zu bemerken wäre hier noch, dass hartz4 bei 1800€/Monat liegt, mit GEZ- und KiTa-Befreiung liegt der Vorteil des 250-300h-Jobs so ca bei 260€-460€/Monat, ohne Fahrtkosten.
Nen Auto nur um zur Arbeit zu fahren bereitzuhalten+ 600km/Monat Anfahrtsweg kostet 120-150€/Monat und das ist noch "rosarot" gerechnet.
Wenn ich mir übers Jahr so anschaue, was wir für Produkte kaufen und konsumieren unterscheidet sich das kaum von nem Leben in der DDR.
Ok, wir haben ne Spülmaschiene, die wir aus Kostengründen jedoch seit nem Jahr nicht benutzen, wir haben ne Tiefkühltruhe, die ausgeschaltet ist, weil sie zuviel Strom verbraucht.
Wir haben bis heute immer lecker Brot selbst gebacken, hefe zu 0,09€ und Mehl zu 0,25€.
Real hat heute mal ebend die Mehlpreise von 0,25€/kg auf 0,35€/kg angezogen (immerhin 40%+!), wie das bei Aldi und den anderen aussieht weiss ich noch nicht...
Sind halt nur 150€-180€/Monat im Budget für Nahrungsmittel.
Ich möchte mal einen DDR-Bürger kennen lernen, der damals nach einem abgelaufen Jahr bis auf 5 ostmark +/- sagen konnte, es kamen 25873 rein und gingen 23198 raus.
So eine "extrem-Schacherei" war da einfach mal unnötig.
Ich bin ja ständig mit mindestens 3 Parteien mehr oder weniger im Krieg, um noch irgendwie nen 10er rauszuquetschen.
Da ist alles in allem nur wesentlich mehr Stress und kaum ein + an Konsum.

zum Thema Freiheit:

ja, da gibt es verschiedene Sachen (Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit, Freizügikeit, Gewerbefreiheit und und und), die ich leider alle nicht nutzen kann, da ich noch nicht mal genügend Kohle habe, um am normalen Leben teilzunehmen.

Im Alltag fühle ich mich sogar stärker reglementiert, in der Hauptsache natürlich durch das Geld, weil jeder Fehler kostet und dadurch auch Freiheit einschränkt.

Immerhin kann ich alle 10 Jahre problemlos nen neuen Reisepass bekommen, im letzen Jahr sogar noch für "nur" 35€.

Wenns mir mal zu blöd wird hier kann ich ja über die Grenze laufen:D

Tomsen
 
Wenn ich mir übers Jahr so anschaue, was wir für Produkte kaufen und konsumieren unterscheidet sich das kaum von nem Leben in der DDR.

Wenn Du die Subventionen betrachtest, mit denen in der DDR Lebensmittel preiswert gehalten wurden, kann Du Dir ungefähr ausrechnen, dass Du ohne diese Subventionen mit einem Durchschnittslohn (rund 700 DDR-Mark) in der DDR glatt verhungert wärest ...

Ich möchte mal einen DDR-Bürger kennen lernen, der damals nach einem abgelaufen Jahr bis auf 5 ostmark +/- sagen konnte, es kamen 25873 rein und gingen 23198 raus.

Siehe oben ... Nahrungsmittel, Miete, Gesundheitssystem, ÖPNV und diverse andere Sachen waren subventioniert.
Da liess es sich natürlich gut leben und der gemeine DDR-Bürger hatte meistens ziemlich viel Geld auf der hohen Kante.
Einen Farbfernseher für 6000 DDR-Mark oder gar ein Wartburg 1.3 [1989] für 36.000 DDR-Mark konnten sich sogar viele leisten ...
Hätte es da nicht die immens langen Wartezeiten gegeben ... :ugly:

Nehmen wir mal an, die Subventionen für Lebensmittel, Miete, Gesundheit usw. hätte es in diesem Maße nicht gegeben ...
Ich will mir die Zustände nicht ausmalen aber ich bin sicher, dass wir Leidensgenossen der Nordkoreaner gewesen wären.

ja, da gibt es verschiedene Sachen (Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit, Freizügikeit, Gewerbefreiheit und und und), die ich leider alle nicht nutzen kann, da ich noch nicht mal genügend Kohle habe, um am normalen Leben teilzunehmen.

Sieh an ... :ugly:
Was tust Du denn hier im Forum ?
Meckern und damit Deiner Unzufriedenheit Ausdruck verleihen !
Für deartige Vergleiche und Meckereien in der Öffentlichkeit hättest Du damals mit Sicherheit mindestens nen Termin bei der Parteileitung bekommen ...

Aber jedem das seine ...
Scheinbar ist es schon zu lange her und die Erinnerungen verblassen zu schnell, dass sich heute viele die DDR wieder herbeiwünschen.
Manchem wünsche ich, dass sich ein Wurmloch auftut und ihn in die heutige Parallelwelt der "DDR" beamt ...
 
Wenn Du die Subventionen betrachtest, mit denen in der DDR Lebensmittel preiswert gehalten wurden, kann Du Dir ungefähr ausrechnen, dass Du ohne diese Subventionen mit einem Durchschnittslohn (rund 700 DDR-Mark) in der DDR glatt verhungert wärest ...

hmm, und jetzt gibts natürlich keine Subventionen mehr?
Wenn ich mich hier so um schaue, würden wahrscheinlich die Hälfte der Wohnungen leerstehen, weil 700-800€ warm für ne Standart-Wohnung einfachmal nen Haufen Geld ist, dafür kann man Eigentum abzahlen, wenns halt nicht am nötigen Eigenkapital klemmen würde.
Die Vermieter-Gesellschaft hat aber keine Probleme immer wieder mit Hartz4-Leuten bzw Wohngeldempfängern aufzufüllen. Mietsenkungen sind auf Jahrzehnte reine Illusion.
Ohne diese Subventionen würden hier in der Strasse mindestens 50 Familien verhungern, aber nicht in der Wohnung, sondern unter der Brücke.


Tomsen
 
Kleiner Einwurf:

Da gibt es ja anscheinend viel zu beschönigen. Einigen hier im Thread sei mal "Die heile Welt der Diktatur" von Stefan Wolle (zu beziehen in der günstigen Version über bpb.de) an´s Herz gelegt.
Nur damit wir auch alle noch wissen von was wir sprechen, gell. ;)

Gruss,
Polli
 
.
Einen Farbfernseher für 6000 DDR-Mark ...
Naja da war halt die GEZ für die nächsten 15 Jahre schon direkt drin.
Der war auch künstlich verteuert, da wurde ja auch kein Hehl drum gemacht.

Worum es mir eigentlich geht, das kannst oder willst Du nicht verstehen.
Ich muss weit über Durschnitt Leistung bringen, um am Ende nur unwesentlicht über dem Existensminimum leben zu können.
Das ist der Kernpunkt und das ganz grosser Mist, weil das nicht nur mir schadet sondern auch der Gesellschaft.
Und dieses Verhältnis war sogar in der DDR besser...


Tomsen
 
Worum es mir eigentlich geht, das kannst oder willst Du nicht verstehen.
Ich muss weit über Durschnitt Leistung bringen, um am Ende nur unwesentlicht über dem Existensminimum leben zu können.
Dann machst Du was falsch. Wer überdurchschnittliches leistet, der erhält dafür auch mehr als andere. Wer soviel leistet und nicht mehr bekommt, der macht etwas falsch, aber nicht die Gesellschaft macht was falsch.

Und dieses Verhältnis war sogar in der DDR besser...
Ob das besser war? In der DDR wurde Leistung überhaupt nicht honoriert. Wer mehr arbeitete, als er musste, erhielt als Lohn eine höhere Sollvorgabe für nächstes Jahr, aber nicht mehr Geld. Ergo hat jeder nur das getan, was er msuste, aber keinen Deut mehr. Wo das hinführt, wissen wir jetzt.

Marty
 
hmm, und jetzt gibts natürlich keine Subventionen mehr?
Wenn ich mich hier so um schaue, würden wahrscheinlich die Hälfte der Wohnungen leerstehen, weil 700-800€ warm für ne Standart-Wohnung einfachmal nen Haufen Geld ist, dafür kann man Eigentum abzahlen, wenns halt nicht am nötigen Eigenkapital klemmen würde.
Die Vermieter-Gesellschaft hat aber keine Probleme immer wieder mit Hartz4-Leuten bzw Wohngeldempfängern aufzufüllen. Mietsenkungen sind auf Jahrzehnte reine Illusion.
Ohne diese Subventionen würden hier in der Strasse mindestens 50 Familien verhungern, aber nicht in der Wohnung, sondern unter der Brücke.

Du willst doch nicht etwas den "sozialen Wohnungsbau" mit den Mietsubventionen der DDR vergleichen ???? :ugly:
Meine Oldies haben anno 1989 für eine 75qm 4-Zimmer-Neubauwohnung exakt 101 DDR-Mark Miete pro Monat bezahlt.

Soviel zum Thema "Mietsubvention" in der Bundesrepublik.

Der war auch künstlich verteuert, da wurde ja auch kein Hehl drum gemacht.

Künstlich verteuert ... soso.
Dann war bestimmt auch der Trabant mit knapp 14.000 Mark, ein SKR700 [für Insider :mrgreen: ] für 1000 Mark oder sogar eine stinknormale Tonbandkassette für 20 (!!!) Mark künstlich verteuert. :ugly:

Die DDR war einfach nicht fähig diese Produkte günstiger und in ausreichender Menge für den Binnenmarkt zu produzieren - das ist der einfach Hintergrund.
Ich hab im PA-"Unterricht" [Produktive Arbeit] 6 Stunden am Tag Allesschneider, Rührgeräte und Brotmaschinen montiert die allesamt den Markenaufkleber "Alaska" bekamen -> Handelsmarke Quelle oder Otto zu dieser Zeit.
Im Laden in der DDR kosteten diese Geräte schlappe 100 DDR-Mark - im West-Katalog 19,99 DM :LOL:

Ich muss weit über Durschnitt Leistung bringen, um am Ende nur unwesentlicht über dem Existensminimum leben zu können.
Das ist der Kernpunkt und das ganz grosser Mist, weil das nicht nur mir schadet sondern auch der Gesellschaft.
Und dieses Verhältnis war sogar in der DDR besser...

Hallo ? :ugly:
Na dann wird mir einiges klar ... :LOL:

Ich schliesse mich uneingeschränkt Martys Kommentar an.
Entweder machst Du grundsätzlich was falsch wenn Du überdurchschnittlich Leistung bringst und wenig bekommst oder Du willst keine Leistung bringen ...
Sich das DDR-"Arbeitssystem" wieder zu wünschen spricht eher für das Letztere.
 
Ich schliesse mich uneingeschränkt Martys Kommentar an.
Entweder machst Du grundsätzlich was falsch wenn Du überdurchschnittlich Leistung bringst und wenig bekommst oder Du willst keine Leistung bringen ...
Sich das DDR-"Arbeitssystem" wieder zu wünschen spricht eher für das Letztere.

Leider ist unsere sogenannte Marktwirtschaft, sowohl bei meinem Hauptkostenbringer (Miete), als auch bei meinem Haupteinnahme-Posten (Lohn) nahezu kommunistisch reglementiert.
Wer mehr leistet als geradeso nötig, um ner Kündigung zu entgehen, ist leider schon der Depp, bzw. verschwendet Potential, Kraft, Gesundheit, Lebenserwartung...
Den Betrieb schlicht und einfach "absaufen" zu lassen, wenn sich Umsatz/Arbeit plötzlich verdoppeln, ist auch nicht gerade einfach.
Mehr Kohle gibts deswegen noch lange nicht, der Markt für Aushilfen ist leer, also schuften bis weit über die Schmerzgrenze?
Das alles um am Ende 300-400€ mehr als für gar nichts machen, zu haben?
Empfinde ich schon als ne Zumutung...
Krankschreiben lassen und bei Kündigung auf zum Arbeitsgericht, wär ja wohl die "marktwirtschaftliche" Antwort in unserem System...

Tomsen
 
Zuletzt bearbeitet:
Was arbeitest Du eigentlich?



Wicküler-Sixpack nur 1.99 Euro...studentengeprüft, gut und günstig :>

In nrw gibts noch Landfürst Premium Pils, bei führenden Alkoholikern von der Theke als für gut befunden, schmeckt wie Krombacher, kostet 4,99€/10l bei real, das Alt und das Export solln aber Schrott sein.
Das ist nach ner harten Woche schonmal drin und die Kiste passt beim Roller zwischen die Füsse.

Naja wenn man bedenkt, dass im Osten früher ne Kiste gescheites Bier 20 Mark gekostet hat, gehts uns eigtl. doch ganz gut heute...:LOL:

Tomsen
 
[...] Wer mehr leistet als geradeso nötig, um ner Kündigung zu entgehen, ist leider schon der Depp, bzw. verschwendet Potential, Kraft, Gesundheit, Lebenserwartung...
Ich bin zwar auch dagegen, alles aus der DDR schlecht zu machen, zumal man sich hätte einige Dinge ruhig abgucken können. Aber es ist eben zum Trend verkommen, über die DDR zu schimpfen und die Zustände viel schlimmer zu machen, als sie waren. Nunja.

Aber zu diesem Deinen Satz muss ich trotzdem was sagen. War es in der DDR diesbezüglich etwa besser? Wenn Du in der DDR geackert hast, was das Zeug hält, dann hast Du einen wertlosen Aktivistenorden bekommen, einen feuchten Händedruck und eine Urkunde. Außerdem eine kleine Prämie, die sich mit der Anzahl der Orden gesteigert hat. Das war's.

Heute hast Du eine reelle Chance, mit so viel Fleiß (wie Du ihn beschreibst), eine neue, besser bezahlte Stelle zu bekommen. Vielleicht sogar im Betrieb aufzusteigen und Karriere zu machen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Freiheit vollends auszuleben, indem Du Dich selbstständig machst und die "Gehaltsgrenze nach oben" zu durchbrechen (allerdings fällt dafür auch die Grenze nach unten weitestgehend weg). Aber Fleiß wird heute viel stärker belohnt, als es in der DDR der Fall war!

Und wer in der DDR arbeitsfaul war, wurde nicht nur von den Kollegen gemobbt, sondern halt auch von einem in den anderen Betrieb gelobt. Wenn irgendein Assi alle Firmen seines Ortes durch hat, konnte er auch "republikweit" versetzt werden. Na ob das nun so toll ist? Der hat sich sein Leben weit mehr zur Hölle gemacht, denn wenn ein Zwangsversetzter in einen neuen Betrieb kam, hat man den gemieden wie die Pest...

Gruß,
Photon