komerzhasi
Krieg & Krawall
- 24 April 2006
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Ja, aber es gibt noch mehr. Beispielsweise Sicherheit. Natürlich gab es wohl auch in der DDR Morde, Vergewaltigungen, Raub und das ganze Programm. Aber hier spielt der Überwachungsstaat natürlich auch seine Stärken aus (ja, er hat nicht nur Nachteile). Täter wurden innerhalb kürzester Zeit (meist innerhalb von 24 Stunden) gestellt. Heute kann man schon fast von Glück sprechen, wenn überhaupt jemals ein Verdächtiger ermittelt wird.
Bei einem Staatsgebiet von der Grösse der DDR, einer Grenzsicherung sondergleichen [selbst an den Grenzen zu Polen & CSSR] und zusätzlich jeder Menge Spitzeln im Volk auch kein Wunder.
Man konnte sehr wohl Karriere machen. Stellt sich nur die Frage, was man sich unter "Karriere" vorstellt. Es war sicher nahezu unmöglich, Millionär zu werden. Aber dafür war niemand obdachlos, niemand musste Hunger leiden und niemand musste um seinen Arbeitsplatz ernsthaft fürchten. Aber man konnte innerhalb eines Betriebes durchaus aufsteigen bis hin zum Betriebsleiter. Man konnte auch politisch Karriere machen und so weiter. Mein Opa war noch in der DDR selbstständig, bis er so stark gegenüber der HO und Konsum benachteiligt wurde, dass er letztlich eine Kommanditgesellschaft mit Konsum gründete (ja, das war auch in der DDR möglich). Am Ende wurde er allerdings von HO kaputt gemacht und hatte dann im Osten nichts mehr verloren. Aber nunja, wenn die Großen die Kleinen töten, das kennt man ja auch aus dem Kapitalismus zur Genüge. Man konnte aber auch sein verdientes Geld inoffiziell in DM tauschen und dann im Intershop einkaufen (warum auch immer).
Die Karriere ging ab der Stufe eines Abteilungsleiters nur noch über den "politischen" Weg.
Ohne Mitgliedschaft in staatl. Organisationen war da Sense.
Meinem Dad wurde 1987 der Posten eines Betriebsleiters angeboten.
Voraussetzung - er hätte der SED beitreten müssen.
Das hat mein Dad kategorisch abgelehnt und blieb weiterhin "nur" Ingenieur.
Dieses Argument höre ich auch so oft. Es jammern stets die Leute, die sich vehement geweigert haben, der FDJ, GST oder DSF beizutreten oder die aktive Mitglieder der Kirche waren - kurz: politisch "unangenehme" Staatsbürger. Gut, wenn man heute bei einem Bewerbungsgespräch sagt, man wäre Mitglied der NPD wird es wahrscheinlich auch nicht viel einfacher werden, einen Job zu bekommen. In der BRD ist es im Grunde wie in der DDR: Wer immer schön aalglatt ist und mit dem Strom schwimmt, hat es leicht. Alle anderen tun sich schwer. Es hat sich nichts geändert.
Naja ... der Vergleich gefällt mir überhaupt nicht.
Heute wird man nicht gezwungen irgendwo Mitglied zu sein.
Wenn man in einer Partei oder Gruppierung Mitglied ist, sollte man auch dazu stehen und wenn es dem Gegenüber nicht passt - dumm gelaufen.
In der DDR war doch das Problem des Nicht-Mitglied-Seins.
Ich erinnere mich noch sehr gut an das Jahr 1988 als meine Lehrerin fast ausgerastet ist weil ich nicht in die FDJ wollte und statt Jugendweihe lieber die Konfirmation vorhatte.
Die Diskussionen kannst Du Dir nicht vorstellen !
Als Mensch möchte ich frei entscheiden welchen "Gruppierungen" ich mich anschliesse.
Und genau das war in der DDR nicht [ohne Repressalien] möglich.