Soziales Zustände schlimmer als früher in der DDR

Tomsen2211

Well-known member
25 Oktober 2006
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Ich empfinde meine materiellen Möglichkeiten, Zukunftsaussichten, Lebensqualität inzwischen als schlechter als früher in der DDR.
Da hilft der Reisepass im Tresor und die theoretische Möglichkeit, morgen zum Flughafen Düsseldorf zu gehen auch nicht allzuviel...
Ich arbeite 200-300h/Monat, 6 Tage die Woche, meine Freizeit besteht nur aus schlafen und regenerieren.
Mit dem ganzen Stress erziele ich ein Einkommen, dass insgesamt mit Kindergeld, Wohngeld ca 400€ über Hartz4 liegt.
Ich will mir kein Auto leisten, fahre Roller, rauchen hab ich mir nach 18 Jahren (hoffentlich) abgewöhnt, Bier gibts nicht, was gescheites zu fressen auch nicht...

Selbst für ne sanfte Revolution, zb Montags zwischen 17.00-20.00Uhr hätte ich noch nicht mal Kraft und Zeit...

Leider muss man es inzwischen so billig runterbrechen...


Tomsen
 
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Hey, dein Lebenslauf deckt sich fast mit meinem - nur das ich 5 Tage die Woche arbeite und damit auf 250-300 Stunden komme...

Allerdings habe ich mit dem Stress ca. das 5-fache von Hartz 4 - ohne Kindergeld - das kriegt meine Freundin (Lebensgemeinschaft, keine Ehe).

Die "sanfte Revolution" spare ich mir, in der zeit wird statt dessen lieber aktiv der Altersdurchschnitt in unserer Wohnung verringert. 2 Kinder sind eben besser als eins... :sing:
 
Kannst ja mal nen Antrag auf Einbürgerung in Nordkorea stellen, wenn du den Sozialismus vermisst. :roll:
Jo, naja klar es fehlt an funktionierenden Alternativen, da hast schon recht.
Interessant find ich allerdings auch, dass sich 60% der Bevölkerung damit abfinden, in Armut zu leben.

Arbeitslager ohne Zaun halt, super...


Tomsen
 
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Schon mal ein Ghetto gesehen? Ich meine so einen richtigen Slum in der dritten Welt?

Manchmal frage ich mich echt, ob für einige Leute Armut erst dann endet, wenn sie sich den zweiten Ferrari in ihre Sommervilla an der Côte d'Azur stellen können...
 
Doch lieber lebe ich in Armut als unter Zwang in einem System, welches keinerlei Demokratie besaß. Niemand, oder zumindest ich nicht, würde behaupten können, das heutige System ist ein gutes. Aber dieses System, in dem wir leben ist hundertmal besser als jede Diktaturen oder andere ähnliche Systeme, in dem wir nicht frei leben und entfalten können.
Und den Leuten, denen es wohl so betrachtet nicht wirklich gut geht hier, also sprich die Armen, verglichen mit anderen Ländern, zumeist in der dritten Welt, geht es ihnen hier wirklich gut.

Meinst du denn wirklich, deine Gesamtaussichten wären heute in der DDR, würde sie noch exisiteren, besser?
 
Ich empfinde meine materiellen Möglichkeiten, Zukunftsaussichten, Lebensqualität inzwischen als schlechter als früher in der DDR.

Na dann ist es wohl schon zu lange her, dass Du Dich nicht erinnern kannst wie es damals zuging ... :ugly:

Wenn im Herbst die Muttis reihenweise tagsüber der Arbeit ferngeblieben sind weil es Winterjacken für die Kinder gab, Menschen in der Produktion die Zeit mit Saufen verbracht haben weil über Wochen kein Material kam, frisches Brot an die Schweine verfüttert wurde weil es durch die Subventionen billiger als alles andere war ... wo warst Du denn zu der Zeit ???

Da hilft der Reisepass im Tresor und die theoretische Möglichkeit, morgen zum Flughafen Düsseldorf zu gehen auch nicht allzuviel...

Man durfte selbst innerhalb der DDR nicht überall hin ...
Stichwort "Berlin-Verbot" wenn Dir das was sagt.

"Urlaubsreisen" immer nur dann wenn ein "Ferienobjekt" frei war bzw. je nach sozialistischem Gesellschaftsstand ... Super ! Familienurlaub im Oktober an der Ostsee :ugly:

Was Du hier machst ist Jammern auf extrem hohem Niveau.
Vielleicht solltest Du wirklich mal nach Kuba oder Nordkorea schauen ob es eine Alternative für Dich ist ...
 
Doch lieber lebe ich in Armut als unter Zwang in einem System, welches keinerlei Demokratie besaß.
Meinst du, du kannst das mit deinen 19 Lenzen beurteilen!? :roll:
Versteh mich nicht falsch, ich bin froh hier und jetzt zu leben und finde es traurig, wenn Leute sich die DDR zurückwünschen (obwohl man darüber diskutieren kann, ob es nicht einfach ein Wunsch nach den "juten alten Zeiten" ist, "früher war ja eh alles besser (sogar die Zukunft)"). Nur gibt's - nach meinen dürftigen Erfahrungen und durch Erzählungen - nicht soviel Unterschiede für viele zwischen Alltag DDR und heute: Die Woche über malochen und das ein oder andere Wochenende ein Umtrunk sowie einmal im Jahr Urlaub. Es war ja nicht so, daß alle in permanenter Angst leben mußten.

@Tomsen2211 Du meinst, daß die Zustände heute schlimmer sind als zu DDR-Zeiten u.a. wegen den materiellen Möglichkeiten!?
 
Ich empfinde meine materiellen Möglichkeiten, Zukunftsaussichten, Lebensqualität inzwischen als schlechter als früher in der DDR.
Definiere mir das mal bitte genauer. Ich verstehe es nicht. Kein Material da oder keine Mittel (Kohle), um es zu erweben ?
Da hilft der Reisepass im Tresor und die theoretische Möglichkeit, morgen zum Flughafen Düsseldorf zu gehen auch nicht allzuviel...
Jop, wenn kein Urlaub drin sitzt, dann stimmt das schon. :roll:
Ich arbeite 200-300h/Monat, 6 Tage die Woche, meine Freizeit besteht nur aus schlafen und regenerieren.
Na ja, ich arbeite momentan ~200 Stunden und komme damit gut zurecht. Jetzt gerade habe ich Urlaub. Trotz der ~200 Stunden treibe ich Sport und halte micht fit.
Mit dem ganzen Stress erziele ich ein Einkommen, dass insgesamt mit Kindergeld, Wohngeld ca 400€ über Hartz4 liegt.
Besser als Hartz4, das ist doch gut.
Ich will mir kein Auto leisten, fahre Roller, rauchen hab ich mir nach 18 Jahren (hoffentlich) abgewöhnt, Bier gibts nicht, was gescheites zu fressen auch nicht...
Das mit dem Auto finde ich sinnvoll, wird oftmals als Statussymbol gehalten, auf Kosten anderer Sachen natürlich. Glückwunsch zum Nichtrauchen, bin selbst jetzt nach 10 Jahren Rauchen seit ca. 3 Monaten Nichtraucher. Saufen ist auch nicht mehr mein Fall.

Mit dem Essen verstehe ich es nicht, keine Kohle für vernünftige Nahrungsmittel ?

P.S.: Wie ist denn dein Weibchen bei der ganzen Sache drauf ? Zickt sie oft rum oder unterstützt sie ?
 
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Schon mal ein Ghetto gesehen? Ich meine so einen richtigen Slum in der dritten Welt?

Manchmal frage ich mich echt, ob für einige Leute Armut erst dann endet, wenn sie sich den zweiten Ferrari in ihre Sommervilla an der Côte d'Azur stellen können...

Was willst Du damit jetzt sagen?
Wie toll das in der DDR war, weil im Vergleich zu so einem dritte Welt Slum waren die Zustände ja wohl unbestritten paradiesisch.

Der Vergleich ist doch nun wirklich dämlich. Essen gabs, Farbfernseher auch, sogar Autos und der ein oder andere hat sogar geschafft ein eigenes Haus zu bauen. Und an diese Stelle würde dann vermutlich Karl-Eduard mit Deiner einleitenden Frage kommen:

Taladius schrieb:
Schon mal ein Ghetto gesehen? Ich meine so einen richtigen Slum in der dritten Welt?

Vielleicht mal die Totschlagkeule Nordkorea stecken lassen und das ganze ein wenig differenzierter sehen. Denn Polen und Ungarn durften meines Wissens auch schon vor 1989 in den Westen reisen, so sie denn genügend finanzielle Mittel vorweisen konnten. Da war dann auch nix mehr mit politischem Asyl, warum wohl?
Und willst Du angesichts des um sich greifenden Desinteresses an der Politik wirklich behaupten es ginge den Leuten um 'Freiheit'? Liegt das wirklich an '40 Jahren DDR' oder vielleicht daran das mach 1990 manch Lokalpolitiker binnen Jahresfrist einen volkswirtschaftlichen Schaden anhäufen konnte den sich manches Politbüromitglied als Lebenswerk vorwerfen lassen muss.

Aber zum Glück kann ich ja wählen, leider im Detail wen ich will ohne das meine Stimme Gewicht hätte.
 
Das war kein Vergleich mit der DDR, sondern ein Ausdruck meines Abscheus darüber jemanden über Armut jammern zu hören, obwohl er von Armut so dermaßen weit entfernt ist, daß er offensichtlich nicht einmal weiß, wie sowas wirklich aussieht!

Wer darüber jammert, daß ihm sein Leben nicht gefällt, der soll es ändern, denn der unschätzbare Vorteil der Freiheit, die wir in diesem Land genießen ist es, daß jeder die Chance dazu hat, sofern er in sich selbst genügend Potenzial besitzt.
 
Meinst du, du kannst das mit deinen 19 Lenzen beurteilen!? :roll:

Denkst du, nur weil ich 19 Jahre alt wäre, hätte ich noch nicht die geistige Reife, mich selbst mit politischen und philosophischen Themen zu beschäftigen und auseinandersetzen. Gemäß wie es der Aufsatz "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" (Immanuel Kant) beschreibt, habe ich mich selbst aus der unverschuldeten Unmündigkeit befreit. Und ja, ich lebe lieber in Armut, handle dadurch aber moralisch nicht falsch, als ein wohlhabender Mensch zu sein, das aber auf Kosten anderer (was in den meisten Fällen leider so ist). Diese Meinung übertrage ich auch auf das politische System. Wenn du dir unser System hier in Deutschland anschaust, wirst du feststellen, das es hier und da an einigen Punkten vielleicht noch etwas zu verbesseren gibt, aber im guten und ganzen doch okay ist. Und selbst wenn es den Menschen "hinter der Mauer" heute durch keinen Mauerfall besser gehen würden, sie würden nicht in Freiheit leben, Stasi, Verfolgung politischer Gegner und vieles mehr. Die Menschen am Tag des Falles der Mauer (eigentlich war es ja ein längerer Zeitraum) haben gefeiert, und glaube mir, sie haben vor allem gefeiert, weil sie frei waren und nicht vorrangig deswegen, weil sie glaubten, jetzt zu Wohlstand zu gelangen. Das wird so oft vergessen, wenn ich mir Meinungen oder Kommentare bezüglich der Frage, wie die Leute den Mauerfall, sprich die Wiedervereinigung, durchlese oder anhöre.

Das führt jetzt zu weit, aber meines Erachtens beruht die unverschuldete Armut beziehungweise Armut nicht auf dem politischen/gesellschaftlichen System, sprich dem Kapitalismus, sondern der Kapitalismus beziehungsweise seine negativen Auswirkungen auf einem Handeln nach Trieben und Egoismus und hat mitnichten etwas mit dem System zu tun, wenn auch einige Teile davon deswegen entstanden sind.

Und glaube mir, wenn du so argumentierst, ich wäre mit meinen 19 Jahren dazu noch nicht in der Lage, meinst du ein dreißigjähriger Drogenjunkie oder jemand, der fünfzig ist und durch Erbschaft an Reichtum gelangt ist und noch nie Nachrichten geschaut hat und den alles am Allerwertesten vorbeigeht, kann die Situation besser beurteilen?
 
Ich empfinde meine materiellen Möglichkeiten, Zukunftsaussichten, Lebensqualität inzwischen als schlechter als früher in der DDR.
Tomsen

Tut mir leid, aber ich muss dir da stark wiedersprechen. Ich war lang genug mit nem "Ossi" zusammen um auch die andere Seite kennenzulernen.
Und wie oft kam diese Diskussion abends beim Bier auf. Und letztenendes war das Fazit doch meistens, dass der große Unterschied zur DDR ist, dass man sein Leben nun selbst in die Hand nehmen kann und muss.
In der DDR wurde dir soviel vorgeschrieben, dass du kaum abweichen konntest. Du konntest keine Karriere machen, aber auch nicht in völlige Armut verfallen. Hätte aber auch keinen Unterschied gemacht, weil es eh nichts zu kaufen gab.
Heute ist der Mensch für sich selbst verantwortlich. Entweder kann man sich in eine Sache reinknien und etwas werden oder nur da sitzen und sich selbst bemitleiden und dann wird man auch keinen Erfolg haben.
Ich weiß, dass sind jetzt beides Extreme und es gibt eine Menge Graustufen dazwischen, aber so ist es einfach das rüberzubringen was ich sagen will.
Naja, von den "Ossis" die ich kenne haben 2 Maschinenbau studiert. Der eine war gelernter Elektriker und hat sein Studium in Windeseile durchgezogen und arbeitet jetzt bei ner großen Schiffsbaufirma. Der andere hat direkt nach dem Abi angefangen und hat jetzt mit 32 Jahren sein Studium fertig. Er hat nie Geld gehabt und immer gejammert. Aber mal ehrlich, es kann meiner Ansicht nach eigentlich auch nicht sein, dass der Staat jemandem 13 Jahre Studium finanziert (da sind 26! Semester). Und momentan ist er arbeitslos und schreit danach, dass früher doch alles besser war.
Der übrige Teil meiner dortigen Freunde hat Jura studiert. Aller waren mit Mindeststudienzeit durch. Einer hat eine Kanzelei in Rostock in der Kröpeliner Str. gegenüber vom Rostocker Hof (wer Rostock kennt, weiß welche gute Lage das ist). Einer hat ne Kanzelei in Cottbus + eine in Hoyerswerda und der dritte hat eine oben an der Küste und überlegt jetzt nach Hamburg zu gehen, da die Bundeswehr ihm ein super Angebot gemacht hat. Die einzige, die vielleicht nicht so Glück hatte arbeitet viele Stunden in einer großen Kanzelei in Hamburg und wird verhältnismäßig schlecht bezahlt).
Aber alle diese Leute haben Chancen, die sie in der DDR nie gehabt hätten.
In W-Deutschland ist das nun genau das gleiche. Diejenigen, die ihre Ausbildung/Studium schnell absolviert haben, Einsatz gezeigt haben haben auch gute Jobs. Diejenigen, die länger als 7 Jahre studiert haben oder die Ausbildung nicht im 1. Versuch bestanden (ohne triftigen Grund dafür (z.B. Schwangerschaft während der Ausbildung)) sind arbeitslos und unzufrieden. Es hat also auch hier jeder das bekommen wofür er gearbeitet hat.

Ich würde um keinen Preis der Welt meine 60-Stunden-Woche (mehr darf ich laut EU-Gesetzgebung nicht, wers glaubt wird seelig) gegen ein Regime tauschen wo ich alles vorgeschrieben bekommen, und mir nichts leisten kann.

Ich möchte nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich bewusst Extreme dargestellt habe und keineswegs behaupten, dass nur weil man arbeitslos ist auch faul und unfähig ist. Wenn eine Firma Stellen abbaut ist es Glück wenn die eigene nicht betroffen ist. Und da hat persönlich Motivation wenig Einfluss... (Nur das sich hier keine auf die Füße getreten fühlt!) Es gibt sicher tausende Faktoren warum man arbeitslos werden kann, die man nicht beeinflussen kann. Aber an der eigenen Einstellung kann man arbeiten und manchmal macht gerade die doch den kleinen aber feinen Unterschied...
 
Denkst du, nur weil ich 19 Jahre alt wäre, hätte ich noch nicht die geistige Reife, mich selbst mit politischen und philosophischen Themen zu beschäftigen und auseinandersetzen.
Nö, denk ich nicht. Was ich aber denke ist, daß dir altersbedingt die Alltagserfahrung aus der DDR fehlt.
Und ja, ich lebe lieber in Armut, handle dadurch aber moralisch nicht falsch, als ein wohlhabender Mensch zu sein, das aber auf Kosten anderer (was in den meisten Fällen leider so ist).
Dein Verhalten ist ja äußerst löblich. Nur was hat das mit der DDR oder Diktaturen zu tun!? Wer in der DDR keine OPFER war, war noch lange kein Täter.
Und selbst wenn es den Menschen "hinter der Mauer" heute durch keinen Mauerfall besser gehen würden, sie würden nicht in Freiheit leben, Stasi, Verfolgung politischer Gegner und vieles mehr.
Wie schon geschrieben, unterschied sich der Alltag vieler nicht von dem heutigen. Nicht jeder fühlte sich ständig eingesperrt, nicht jeder litt unter der Stasi, nicht jeder war politisch aktiv. Halt der "kleen Mann uffer Straße" mit seinen stinknormalen Alltagssorgen. Und wenn er mit dem damaligen Alltag zufrieden war und heute nicht (weil er seinen Lebensunterhalt nur mit Mühe oder garnicht sichern kann), dann versteh ich die Leute mehr oder weniger.
Die Menschen am Tag des Falles der Mauer (eigentlich war es ja ein längerer Zeitraum) haben gefeiert, und glaube mir, sie haben vor allem gefeiert, weil sie frei waren und nicht vorrangig deswegen, weil sie glaubten, jetzt zu Wohlstand zu gelangen. Das wird so oft vergessen, wenn ich mir Meinungen oder Kommentare bezüglich der Frage, wie die Leute den Mauerfall, sprich die Wiedervereinigung, durchlese oder anhöre.
Glaub ich dir nicht. Es war verboten, in den Goldenen Westen zu reisen. Und nun konnte man einfach "rüber".
Das führt jetzt zu weit, aber meines Erachtens beruht die unverschuldete Armut beziehungweise Armut nicht auf dem politischen/gesellschaftlichen System, sprich dem Kapitalismus, sondern der Kapitalismus beziehungsweise seine negativen Auswirkungen auf einem Handeln nach Trieben und Egoismus und hat mitnichten etwas mit dem System zu tun, wenn auch einige Teile davon deswegen entstanden sind.
Ersetze Kapitalismus mit Sozialismus (oder was auch immer).
Und glaube mir, wenn du so argumentierst, ich wäre mit meinen 19 Jahren dazu noch nicht in der Lage, meinst du ein dreißigjähriger Drogenjunkie oder jemand, der fünfzig ist und durch Erbschaft an Reichtum gelangt ist und noch nie Nachrichten geschaut hat und den alles am Allerwertesten vorbeigeht, kann die Situation besser beurteilen?
Letztendlich geht's hier um ein Einzelschicksals. Und anhand eines kurzen Beitrages hier trau ich weder dir noch mir noch sonst wem zu, die Lage zu beurteilen.
 
Ich arbeite 200-300h/Monat, 6 Tage die Woche, meine Freizeit besteht nur aus schlafen und regenerieren.
Nur mal ne Frage: In der DDR galt zuletzt die 43,75 Stundenwoche, das waren bei 22-23 Arbeitstagen im Monat auch 200 Stunden. Was gab es da denn als Alternativen?

Und wenn jemand mit 200-300 Stunden Arbeit nur 1000-1200 Euro netto verdient, dann wird er ausgebeutet... Was machst Du beruflich und welche Ausbildung hast Du?

Marty
 
[...] Und letztenendes war das Fazit doch meistens, dass der große Unterschied zur DDR ist, dass man sein Leben nun selbst in die Hand nehmen kann und muss.
Ja, aber es gibt noch mehr. Beispielsweise Sicherheit. Natürlich gab es wohl auch in der DDR Morde, Vergewaltigungen, Raub und das ganze Programm. Aber hier spielt der Überwachungsstaat natürlich auch seine Stärken aus (ja, er hat nicht nur Nachteile). Täter wurden innerhalb kürzester Zeit (meist innerhalb von 24 Stunden) gestellt. Heute kann man schon fast von Glück sprechen, wenn überhaupt jemals ein Verdächtiger ermittelt wird.

In der DDR wurde dir soviel vorgeschrieben, dass du kaum abweichen konntest. Du konntest keine Karriere machen, aber auch nicht in völlige Armut verfallen. Hätte aber auch keinen Unterschied gemacht, weil es eh nichts zu kaufen gab.
Man konnte sehr wohl Karriere machen. Stellt sich nur die Frage, was man sich unter "Karriere" vorstellt. Es war sicher nahezu unmöglich, Millionär zu werden. Aber dafür war niemand obdachlos, niemand musste Hunger leiden und niemand musste um seinen Arbeitsplatz ernsthaft fürchten. Aber man konnte innerhalb eines Betriebes durchaus aufsteigen bis hin zum Betriebsleiter. Man konnte auch politisch Karriere machen und so weiter. Mein Opa war noch in der DDR selbstständig, bis er so stark gegenüber der HO und Konsum benachteiligt wurde, dass er letztlich eine Kommanditgesellschaft mit Konsum gründete (ja, das war auch in der DDR möglich). Am Ende wurde er allerdings von HO kaputt gemacht und hatte dann im Osten nichts mehr verloren. Aber nunja, wenn die Großen die Kleinen töten, das kennt man ja auch aus dem Kapitalismus zur Genüge. Man konnte aber auch sein verdientes Geld inoffiziell in DM tauschen und dann im Intershop einkaufen (warum auch immer).


[...] Aber alle diese Leute haben Chancen, die sie in der DDR nie gehabt hätten.
Dieses Argument höre ich auch so oft. Es jammern stets die Leute, die sich vehement geweigert haben, der FDJ, GST oder DSF beizutreten oder die aktive Mitglieder der Kirche waren - kurz: politisch "unangenehme" Staatsbürger. Gut, wenn man heute bei einem Bewerbungsgespräch sagt, man wäre Mitglied der NPD wird es wahrscheinlich auch nicht viel einfacher werden, einen Job zu bekommen. In der BRD ist es im Grunde wie in der DDR: Wer immer schön aalglatt ist und mit dem Strom schwimmt, hat es leicht. Alle anderen tun sich schwer. Es hat sich nichts geändert.

[...] Ich würde um keinen Preis der Welt meine 60-Stunden-Woche [...] gegen ein Regime tauschen wo ich alles vorgeschrieben bekommen, und mir nichts leisten kann.
Aber es gibt eben auch Menschen, die lieber in Sicherheit, denn in Freiheit leben. Freiheit hat ihren Preis und Sicherheit auch. Man muss sich halt nur entscheiden, was man lieber will. Ich für meinen Teil würde mich (wahrscheinlich genau wie Du) immer für die Freiheit entscheiden, aber ich nehme es auch niemandem übel, der Sicherheit vorzieht. Vielleicht sehe ich es einst auch mal anders, wenn ich alt bin und einem Verbrecher nicht mehr einen Tunnel in den Kopf schlagen kann, wenn er mich überfallen möchte und ich auf mehr Sicherheit angewiesen bin. Aber bis dahin bin ich eindeutig ein Fan der Freiheit.

Gruß,
Photon
 
Ja, aber es gibt noch mehr. Beispielsweise Sicherheit. Natürlich gab es wohl auch in der DDR Morde, Vergewaltigungen, Raub und das ganze Programm. Aber hier spielt der Überwachungsstaat natürlich auch seine Stärken aus (ja, er hat nicht nur Nachteile). Täter wurden innerhalb kürzester Zeit (meist innerhalb von 24 Stunden) gestellt. Heute kann man schon fast von Glück sprechen, wenn überhaupt jemals ein Verdächtiger ermittelt wird.

Jein.

Weniger Straftaten waren auf ganz andere Sachen zurückzuführen.

So lebte Maurer Müller neben Dr. Meier, und Putzfrau Lehmann neben Ingenieurin Schulze.
Das soziale Gefüge war gut gemischt und nicht wie ich es hier in Braunschweig erlebe, getrennt zwischen östlichen und westlichen Ringgebiet.

Raub und Diebstahl gabs auch nicht so oft, weil wem wollte man denn was klauen? Mit Geld war nicht viel anzufangen, und teure Autos gabs auch kaum.

Den Punkt "Beschaffungskriminalität" konnte man auf Grund von mangelnden Drogen auch vernachlässigen.

Und durch die "sozial" ausgerichteten Systeme, angefangen bei den Jungpionieren bis Arbeiterkollektiven sowie durch relative Gleichheit gab es ein weitaus stärkeres Miteinander, als ein Gegeneinander, womit Unstimmigkeiten viel früher auffielen als hierzulande.

gruss kelle!
 
Jein. Weniger Straftaten waren auf ganz andere Sachen zurückzuführen.[...]
Keine Frage. Aber das betrifft ja nur "neue" Täter. Wenn aber ein bekannter Täter schnellstmöglich gestellt und inhaftiert wird, ist es einer weniger. Dazu kommt, dass es auch wesentlich schneller zu Gerichtsverhandlungen kam und die Strafen insgesamt "angemessener" waren.

Wenn ich heute lese, dass es selbst bei schweren Straftaten im Falle von sogenannten "Ersttätern" nur zu Bewährungsstrafen oder Bewährung in Verbindung mit einer lächerlich kurzen Haftstrafe kommt, geht mir die Galle über. Hinzu kommt, dass sich (dank der Staatssicherheit) um ehemalige Häftlinge intensiver gekümmert wird - sei es aktiv (Resozialisierung) oder passiv (Überwachung). Heute sitzt jeder seine Zeit ab und gut ist - mit dem Unterschied, dass man mit dem Lebenslauf keinen Job mehr bekommt und fast zwangsläufig irgendwann wieder straffällig wird.

Will sagen, man hätte sich aus der DDR bei der Wiedervereinigung ruhig einiges abgucken können, denn "im Westen ist nicht alles am Besten"...

Gruß,
Photon