Wirtschaftsaufschwung und es gibt doch nur Zeitverträge :-(

sulospace

searcher
21 April 2006
1.721
115
Die Wirtschaft hat nen Aufschwung,angeblich werden Arbeitskräfte gesucht.

Doch bestimmt vielen geht es wie mir.

ich bin in einer Schweinfurter Fabrik(Metalindustrie) beschäftigt,in dem Unternehmen sind ca 4000 Arbeitskräfte.400 davon sind Leute mit zeitverträgen.
Mein Unternehmen hat einen Auftragsboom(wie auch schon letztes Jahr).Doch trotzdem werden keine festen Stellen angeboten.Nur Zeitverträge.
Ich hab auch einen Zeitvertrag 2 mal 3 Monate und dann durch einen Sondertarifvertrag nochmal eine halbjährige Verlängerung bis ende Juni.Im Juni kann es so wie es ausschaut (Urlaubszeit,hoher Auftragseingang) nochmal ein paar Monate (höchstens 12 Monate) nochmal für mich weitergehen laut Sondertarifvertrag und Meister.Danach müsste mich die Firma festeinstellen,aber so wie es aussieht wird Sie das nicht tun.

Danach könnte ich noch zu einer der 3 anderen großen Firmen in der Metalindustrie (Bosch Rexroth,FAG,SKF,Sachs) hier in Schweinfurt gehen,aber dort nur für ein halbes Jahr.

Ich mache sowas zum ersten mal mit,aber von meinen "Zeitvertragskollegen" weiß ich das die schon von Firma zu Firma jeweils für ein halbes Jahr gependelt sind.

Habt ihr auch schon solche zeitvertragserfahrungen gemacht?Habt ihr Tips und Tricks?
Ihr werdet jetzt bestimmt sagen streng dich an,sei pünktlich und und und,aber das bin ich :)

Ich wollte von euch ein paar Erfahrungen hören.
Deswegen hab den Thread auch im Real-Life Forum gestartet,weil hier in Schweinfurt ist es so für viele das Real-Life.

Danke für eure Aufmerksamkeit!
 
Glücklicherweise hab ich damit noch keine persönlichen Erfahrungen gemacht, aber ich kenns von vielen Kollegen.. Das Problem ist meiner Meinung nach, dass viele Unternehmer nicht an den langfristigen Aufschwung glauben bzw. die Erinnerungen an schlechtere Zeiten noch präsent sind. Durch den (glücklicherweise) weitreichenden Kündigungsschutz in Deutschland sind Neueinstellungen dann mit dem größten unternehmerischen Risiko verbunden, welches heutzutage dann halt mit Zeitverträgen minimiert wird...

Was mich an der Sache primär aufregt, sind zwei Dinge:
1. Gerade die staatlichen Stellen (z.B. die Arbeitsagentur) gehen da mit BESTEM Beispiel voran.
2. Die Zeitarbeitsfirmen (wie in anderem Thread hier schon erwähnt meiner Meinung nach die moderne Form der Sklaverei und Ausbeutung) brüsten sich in den Medien lauthals damit, dass sie die treibende Kraft des Aufschwungs sind. Leider haben sie damit ja sogar Recht - was aber wohl kein Eigenverdienst ist sondern halt die natürliche Folge von oben angesprochener Risikominimierung und gesetzlichen Möglichkeiten dazu.

Just my 2 cents. :)
 
Vielleicht gibt es den Wirtschaftsaufschwung wegen der Zeitverträge, sprich gerade wegen flexibler Beschäftigungsmöglichkeiten!

Ich habe auch schon lang genug Zeitvertragserfahrung machen müssen und bin froh, dass ich da raus bin! Diese ewige Warterei auf die erlösende Nachricht weiterarbeiten zu dürfen und der zwischenzeitliche demütige Gang zum Arbeitsamt zermürbt einen schnell. Am schlimmsten fand ich immer zwischen lauter kaputten Gestalten auf dem Amt sitzen zu müssen, nur um nicht einen eventuellen Arbeitslosengeldanspruch verfallen zu lassen.
 
Hallo, so wie Du schreibst wurde dein befristeter Arbeitsvertrag schon mehrmals verlängert...


Die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrages ist ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig. Bis zur Gesamtdauer von zwei Jahren ist zudem die dreimalige Verlängerung eines kalendermäßig befristeten Arbeitsvertrages zulässig (Kettenarbeitsvertrag bzw. Kettenbefristung). Befristete Arbeitsverträge sind also nur rechtens, wenn sachliche Gründe vorliegen (ein Projekt, ein vorübergehender Bedarf an der Besetzung eines Arbeitsplatzes, eine Vertretung beispielsweise in der Schwangerschaftspause einer Kollegin, ein Ferienjob) oder das Gesetz eine Befristung ohne solche Gründe zeitmäßig erlaubt. Ob ein Verstoß vorliegt und somit ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, entscheidet sich nach dem zuletzt geschlossenen Vertrag. So viel zum unangenehmen Weg die Festeinstellung zu erzwingen.

Zur weitaus nachhaltigeren:
Um eine Festeinstellung zu erreichen musst Du (evtl. auch unbewusst) deinem Chef klarmachen, warum er auf Dich in der Abteilung nicht verzichten kann. Du solltest Dir klar werden warum er Dir schon seit geraumer Zeit vertraut und die Arbeit anvertraut.
Häufig ist es leider auch so, dass die bissigsten Hunde am meisten erreichen...und Kollegen schnell zu Wettbewerbern werden - nicht aufgeben!

MfG

Lynx72
 
Alles ne Frage von Angebot und Nachfrage...

So lange es genug Leute gibt, die sich auf Zeitverträge einlassen, so lange werden die Arbeitgeber das nutzen wollen.

gruss kelle!
 
Eine kleine Anekdote habe ich dazu auch:

Vor zirka 9-10 Jahren habe ich auch für etwa 1 Jahr für eine damals große und bekannte Zeitarbeitsfirma gearbeitet. Innerhalb dieser Zeit wurde ich wie ein Stück Dreck behandelt. Nicht nur das ich innerhalb eines halben Jahres in 14! verschiedenen Betrieben tätig war, ich machte auch die gleichen Dinge wie alle Festangestellten der Ausleiherfirmen. Dennoch wurde ich immer minderwertig behandelt und als letztes "etwas" angesehen. Ich muss dazu sagen das ich als Produktionshelfer eingesetzt wurde und diese immer schon einen recht schlechten Ruf hatten.

Nun denn.
Das zweite halbe Jahr habe ich dann komplett als Produktionshelfer für einen Autoteilezurichter gearbeitet. Ich war so fleißig, das mir die Zeitarbeitsfirma alle paar Monate eine Lohnerhöhung zusprach, welche ich auch bekam. Nach Aussagen der Leihfirma, war ich einer ihrer besten Mitarbeiter. Natürlich wollte man mich deshalb auch tunlichst behalten.

Die Anekdote folgt sogleich:

Eines Tages wurde ich plötzlich von meiner Leihfirma abkommandiert zu einer neuen Tätigkeit. Man sagte mir, der Einsatz in der alten Firma währe beendet, da es dort nichts mehr zu tun gäbe. Ich wunderte mich, wusste ich doch aus Gesprächen mit dem Vorarbeiter, das erst kürzlich heftig viele Aufträge rein gekommen sind und diese Ausleiherfirma kaum noch weiß wie sie das alles schaffen soll.
Nun, ich musste mich aber dem was mir von meiner Firma erzählt wurde beugen und arbeitete fortan für einen neuen Ausleiher.
Einige Wochen später traf ich zufällig beim Einkaufen meinen alten Vorarbeiter des alten Ausleihers. Er fragte mich ob ich wieder gesund sei. "Hmmm", dachte ich. Was will er denn? Ich war doch gar nicht krank! Der Vorabeiter merkte meine Verwunderung und sagte mir, das meine Firma den Ausleiher davon in Kenntnis gesetzt hatte, ich währe für längere Zeit schwer erkrankt. Es wurde darauf hin ein neuer Mitarbeiter gesandt.

Fazit:

Meine Firma wurde vom Ausleiher in Kenntnis gesetzt, das diese mich voll übernehmen wollte. Aufgrund dessen wurden schnell diese Lügen auf den Tisch gebracht. Denn meine Firma konnte und wollte es sich nicht leisten, mich zu verlieren. - Für mich bedeutete dies mehrere Hundert Mark weniger, sowie weitere nicht vorhandene soziale Anerkennung.

Ich wollte kurzerhand sehr erboßt kündigen. Zur gleichen Zeit allerdings, beordnete der alte Leihfirmenchef mich in sein Büro und teile mir mit, er mache sich nun mit seiner eigenen Leihfirma selbständig. Ob ich denn nicht mit ihm mitziehen wolle, fragte er mich. (Natürlich hatte ich noch niemanden davon erzählt das ich die alte Geschichte in Erfahrung gebracht hatte). Jedenfalls bot er mir für damalige Leihfirmenverhältnisse unglaublich viel Lohn. 16,50 Mark Stundenlohn + Spesen und 8 Mark Auslöse pro Tag hatten mich das alte Ärgernis vergessen lassen. So sagte ich sofort "Ja" zum neuen Vertrag und arbeitete fortan für die neue Leihfirma, welche schon nach kurzer Zeit aus allen Rahmen sprengte, so erfolgreich war sie. Kein Wunder... hat der alte Chef doch alle besten Mitarbeiter der vorherigen Firma klammheimlich abgeworben...

Einige Monate später habe ich mich dann aber umorientiert und war fortan scheinselbständiger Handelsvertreter für einen großen Buchverlag. Irgendwann hats mich in die Gastronomie verschlagen, wo ich noch heute meine Zukunft sehe.

Aus meinen Erfahrungen heraus, kann ich nur schlecht von Leihfirmen berichten. Ich würde niemals wieder für eine solche arbeiten. Mag sein, das es auch andere, gute Firmen gibt. Ich selber habe aber in jeder Hinsicht nur schwarze Schafe erlebt.
 
Die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrages ist ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig. Bis zur Gesamtdauer von zwei Jahren ist zudem die dreimalige Verlängerung eines kalendermäßig befristeten Arbeitsvertrages zulässig (Kettenarbeitsvertrag bzw. Kettenbefristung). Befristete Arbeitsverträge sind also nur rechtens, wenn sachliche Gründe vorliegen (ein Projekt, ein vorübergehender Bedarf an der Besetzung eines Arbeitsplatzes, eine Vertretung beispielsweise in der Schwangerschaftspause einer Kollegin, ein Ferienjob) oder das Gesetz eine Befristung ohne solche Gründe zeitmäßig erlaubt. Ob ein Verstoß vorliegt und somit ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, entscheidet sich nach dem zuletzt geschlossenen Vertrag. So viel zum unangenehmen Weg die Festeinstellung zu erzwingen
Das war einmal. Entsprechende Regelungen hat der BGH letztes Jahr gekippt. Du kannst also theoretisch zur Rente komplett mit befristeten Verträgen beim selben Arbeitgeber arbeiten.
 
Das war einmal. Entsprechende Regelungen hat der BGH letztes Jahr gekippt. Du kannst also theoretisch zur Rente komplett mit befristeten Verträgen beim selben Arbeitgeber arbeiten.
8O Du machst mir Angst. Ich habe im Januar meine zweite Verlängerung erhalten und hoffe das die dritte dann endlich die letzte sein wird. Allerdings meine ich damit, das ich dann doch gerne mal einen festen Vertrag hätte.

Was mich an den Zeitverträgen stört, ist die ständige rennerei zum Arbeitsamt, damit man nicht die Dreimonatsfrist verpasst.
 
Der "Wirtschaftsaufschwung" ist eh nur eine Erfindung der Bundesregierung und der sie steuernden Wirtschaftsverbände.

Es ist nämlich nicht nur die Zunahme von Zeitarbeit, sondern generell durch die gesamte Gesellschaft so, dass die Armen ärmer und die Reichen reicher werden. Von einem Aufschwung, der alle mitnimmt kann keine Rede sein.

Und das wir auf den einfach nur "warten müssen", ist nach den massiven Umverteilungen und Veränderungen der letzten zwei Jahrzehnte auch nur eine große Lüge, die leider immer noch viel zu viele glauben.

wachstum.png
 
8O Du machst mir Angst. Ich habe im Januar meine zweite Verlängerung erhalten und hoffe das die dritte dann endlich die letzte sein wird. Allerdings meine ich damit, das ich dann doch gerne mal einen festen Vertrag hätte.
Darauf hatte ich auch gehofft. Als mein damaliger Arbeitgeber sich dann (endlich) geäußert hatte, war es zu spät für ihn. Da hatte ich woanders unterschrieben. Seitdem pendele ich täglich 120 km (gesamt), aber es ist ein Festvertrag.

Was mich an den Zeitverträgen stört, ist die ständige rennerei zum Arbeitsamt, damit man nicht die Dreimonatsfrist verpasst.
Das das, was ich am schlimmsten finde. Äußerst demütigend. Ich hatte das Glück ein recht gute Ausbildung genossen zu haben und zu den Top-3 meines Studienjahres gehört zu haben, da finde ich es pervers, dass ich mit dem Abschaum der Gesellschaft auf dem Amt warten zu müssen. Mag arrogant klingen, aber wenn da neben dir ungewaschene Kreaturen sitzen, dann denkst du dir auch: "Dafür hab ich nicht Tag und Nacht geknechtet. Das tust du dir nicht an".
 
Hallo, so wie Du schreibst wurde dein befristeter Arbeitsvertrag schon mehrmals verlängert...


Die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrages ist ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig. Bis zur Gesamtdauer von zwei Jahren ist zudem die dreimalige ............................................................
erreichen...und Kollegen schnell zu Wettbewerbern werden - nicht aufgeben!

MfG

Lynx72


Ich habe 2 mal 3 Monate und dann noch einmal 6 Monate bekommen.Quasi meine 2te Verlängerungen.Eine dritte bekomme ich wahrscheinlich nochmal ende Juni.Danach wäre es vorbei.
Glaub mir,mein Meister würde mich gerne behalten,darf aber nicht....

Ein Kollege hat seine dritte verlängerung bis April schon bekommen.Ihm fehlen 14 Tage damit er Arbeitslosengeld bekommt......
Angeblich wollte sich der Betriebsrat drum kümmern das er noch 14 Tage bekommt...Hahaha
Wenn er noch 14 Tage mehr bekommen würde hätte er Recht auf einen unbefristeten Vertrag.Entweder weiß das der betriebsrat nicht,er hofft das es der Arbeiter nicht weiß oder der betriebsrat erzählt mist....
 
Das war einmal. Entsprechende Regelungen hat der BGH letztes Jahr gekippt. Du kannst also theoretisch zur Rente komplett mit befristeten Verträgen beim selben Arbeitgeber arbeiten.




Die Wirksamkeit der Befristung ist in § 14 TzBfG geregelt.
Die Befristung ist zulässig, wenn sie durch einen sachlichen Grund (Befristungsgrund) gerechtfertigt ist. (§ 14 Abs.1 TzBfG)
Ohne sachlichen Grund kann das Arbeitsverhältnis bis zu 2 Jahre (Existenzgründer: 4 Jahre) kalendermäßig befristet werden. (§ 14 Abs.2 TzBfG)
Für ältere Arbeitnehmer (seit 01.01.03: ab dem 52.Lebensjahr) ist die Befristung erleichtert. (§ 14 Abs.3 TzBfG) aber hallo: BAG, Urteil vom 26.04.06
In allen Fällen muss die Befristung schriftlich vereinbart werden. (§ 14 Abs.4 TzBfG)

* Das soll auch dann gelten, wenn der Arbeitnehmer während eines Kündigungsschutzprozesses weiterbeschäfigt wird.
--> Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.10.03

Stand der Seite, wo ich das gefunden habe, ist der 1.9.2006, wann soll denn diese Regelung gekippt worden sein?
 
Jetzt mal angenommen mein Vertrag endet am 30 April und ich hab am 30.April Nachtschicht.Also arbeit ich ja vom 30.April in den ersten Mai rein...Wenn mein Chef mich um 0 Uhr nicht heimschickt dann hätt ich ja anspruch auf nen festvertrag?!?!
 
Die Wirksamkeit der Befristung ist in § 14 TzBfG geregelt.
Die Befristung ist zulässig, wenn sie durch einen sachlichen Grund (Befristungsgrund) gerechtfertigt ist. (§ 14 Abs.1 TzBfG)
Ohne sachlichen Grund kann das Arbeitsverhältnis bis zu 2 Jahre (Existenzgründer: 4 Jahre) kalendermäßig befristet werden. (§ 14 Abs.2 TzBfG)
Für ältere Arbeitnehmer (seit 01.01.03: ab dem 52.Lebensjahr) ist die Befristung erleichtert. (§ 14 Abs.3 TzBfG) aber hallo: BAG, Urteil vom 26.04.06
In allen Fällen muss die Befristung schriftlich vereinbart werden. (§ 14 Abs.4 TzBfG)

* Das soll auch dann gelten, wenn der Arbeitnehmer während eines Kündigungsschutzprozesses weiterbeschäfigt wird.
--> Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.10.03

Stand der Seite, wo ich das gefunden habe, ist der 1.9.2006, wann soll denn diese Regelung gekippt worden sein?
Müsste im letzten Quartal 2006 gewesen sein. Dein Betriebsrat weiß da sicherlich mehr... :)
 
Bei uns ist das monetum auch so - wie wahrscheinlich überall-. Um die guten Leute wird geschart und abgeworben, der Rest muss sich mit Zeitverträgen zufrieden geben und dann versuchen über ein gutes Arbeitszeugnis weiter zu kommen.

Da eigentlich klar ist, dass der Sozialstaat am Ende ist wird es wohl umso wichtiger sein gut vorne mit dabei zu sein, meine Meinung.
 
Ich würd sagen, der Wirtschaftsaufschwung fordert nur gut ausbedildete Fachkräfte. Bei den "einfachen" Arbeitern ist da sicher nicht so viel zu merken:roll: