Wenn man merkt das nix selbstverständlich ist

Du hast natürlich recht, habe nicht so genau darüber nachgedacht, wenn man biologisch tot ist kann man nicht wieder "aufwachen". Aber die medizinische Erklärung für diese Nahtoderscheinungen scheinen mir sehr plausibel, haben mein nach-dem-Leben-ist-noch-etwas-Indiz verworfen.
 
kexchen schrieb:
Allerdings finde ich, dass man sich dessen jeden Tag bewusst sein sollte, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man sehen, hören, sprechen, geradeaus laufen und all die andern Sachen machen kann. Nur, weil es der Mehrheit so geht, is das noch lange nichts Selbstverständliches und man sollte das zu schätzen wissen, solange man das hat.


wirklich, 100% zustimmung! ich hab mir echt schon so oft gedanken drüber gemacht...aber leider eigentlich erst, als mir selber was passiert ist...war zwar nichts schlimmes ( epileptischer anfall ), aber trotzdem....man muss einfach lernen, das leben zu schätzen!
 
Ich habe daran gedacht, als ich schon mal alles verloren habe, was ich mir aufgebaut habe!
Dann auch als ich meinen Autounfall hatte.... Der lief in Sekunden ab. Es ist zum Glück nichts passiert außer Auto Schrott (war mein erstes Auto, mein kleiner Fiesta :roll:) und Schock, aber in diesen Sekunden kommt einem alles hoch und man weiß hinter her wertzuschätzen wie viel Glück man doch gehabt hat! Und als ich vom Pferd gefallen bin und mir die Niere und etliches mehr geprellt habe. Bin ohne Kappe geritten. Hätte ich mich nicht im Flug eingekugelt, wäre auch mehr passiert.
In meinem Beruf als Altenpflegerin kommt man auch in Situationen, wo man lernt sein Leben wertzuschätzen. Spätestens wenn man neben einer Reanimation steht und nichts tun kann - die Sanitäter auch nicht und die Bewohnerin, die man ggf. schon Jahrelang kannte, vor den Augen elendig erstickt und wegstirbt!
Im Vergleich zu manch anderen sind es nur kleine Dinge - aber die haben mir schon gereicht!!!
Wertschätzung ist etwas ganz wichtiges im Leben. Wer das nicht kann, kann IMO auch nicht richtig glücklich sein. Alles was ich jetzt habe, ist etwas ganz Besonderes ;)
 
Will mal bisschen erzählen, habe heute morgen mit meiner Ma bisschen philosophiert (und das kommt echt nicht oft vor ^^). Ihr Gedanke bzw. der Ausgangspunkt:

Menschen sehen bei Nahtoderfahrungen oft das Leben zurück bis hin zur Kindheit und dann diesen Tunnel. Bei der Geburt ist für das Ungeborene auch alles dunkel bis auf das helle Licht (bleibt bitte ernsthaft :ugly:) -> Tunnel

Weitergesponnen von mir:

Glaubt man an ein Leben nach dem Tod, dann kann diese Nahtoderfahrung mit dem Tunnel und dem hellen Licht schon bereits die nächste Geburt sein. Quasi: Was wäre wenn ich durch den Tunnel bin und dann aus der Mu .. öh Vagina einer Frau komme. Das Zurückspulen des letzten Lebens (alle Höhepunkte und so Kram) kann quasi das Löschen der Erinnerungen des letzten Lebens sein.


Ich halte nichts von Glauben und halte die medizinische Tunnel-Erklärung für weit realistischer, aber interessant ist der Gedankengang allemal :) Da es ja auch niemand 100% weiß und das Ganze sogar fast in sich schlüssig ist ...
(bitte widerlegt jetzt nicht einzelne Punkte)
 
Wettmeister schrieb:
Für mich sind das diese Momente wo man mal richtig über sein Leben nachdenkt , habt ihr schonmal etwas ähnliches Erlebt?

Als ich einmal von der Arbeit nach Hause fuhr kam folgendes Erlebnis:

Ich fuhr sinnig mit 120 Km/h über die Landstraße und sah auf der Gegenfahrbahn einen LKW kommen. Ca. 500m entfernt holt ein Auto aus um den LKW zu überholen. Sekunden später befanden wir uns zu dritt nebeneinander auf der Straße. Ich schaute den Typen direkt in die Augen, er mir auch. Er war nur einen Meter entfernt. Das war schon fast mehr als knapp. Komischer Weise bin ich dieser Extremsituation voll konzentriert gewesen und habe den Wagen so weit wie möglich am Rand gefahren. Ich funktionierte wie ein Roboter, habe in der Situation an NIX gedacht und war noch nie so WACH, ganz komisch kann man gar nicht in Worte fassen. Danach war ich ziemlich fertig, musste erstmal runter kommen und habe über mein Leben nachgedacht.

Was wäre gewesen wenn der andere oder ich eine Vollbremsung gemacht hätte ? Dann hätte es geknallt. Puh, wenn ich daran zurück denke bekomme ich eine Gänsehaut.
 
maiki0815 schrieb:
Ich funktionierte wie ein Roboter, habe in der Situation an NIX gedacht und war noch nie so WACH, ganz komisch kann man gar nicht in Worte fassen. Danach war ich ziemlich fertig, musste erstmal runter kommen und habe über mein Leben nachgedacht.
Medizinisch ja logisch, aber trotzdem 'ne harte Story.
 
So bin wieder da, also es ist kein Tumor.

Jedoch weißt der Arzt nicht, was es genau ist. Man sieht auf den Bildern wie sich der Knochen etwas rausschiebt und es etwas dicker ist, dies wäre eine Wassereinlagerung die durch Überanstrengung entstehen kann.

Eigentlich bin ich genauso schlau wie vorher, nur das ich weiß das es kein Tumor ist.


Morgen muss ich damit zum Orthopäden, der mir dann hoffentlich mehr sagen kann.


Ich mein wenn man nicht wüsste das da nen knubbel ist auffem Schulterblatt, würd das kaum jemand sehen , aber mich stört es und ich möchte dies auf keinen Fall so behalten.
 
So, also es ist nichts schlimmes, aber würde von alleine nicht mehr zurück gehen :( , außerdem muss ich erstmal in drei Monaten nochmal einen Kernspin machen lassen und dann in einem Jahr nochmal und ab dann alle 2 Jahre. Sollte sich das aber entzünden muss dies operativ entfernt werden.


Ich hab nur immer das Gefühl das jetzt alle Leute auf dieses Knubbel am Schulterblatt starren, dabei ist das eigentlich Unsinn da man wissen müsste , das da was ist.
 
Ich persönlich bin ein Mensch, der auch ohne Arschtritt ständig über das Leben nachdenkt, den Sinn und alles drum herum. Philosophiere zudem gern.
Aber solche Momente machen einem alles bewusster ...
Nach dem Tod eines meiner besten Freunde vor wenigen Monaten entschloss ich für mich selbst, nichts mehr so zu nehmen wie es ist. Auffällig wird dies bei Streitigkeiten, ob zwischen Freunden und mir oder Anderen. Ich versuche immer zu erklären, dass es das einfach nicht wert ist und man nichts auf's Spiel setzen sollte. Denn das Leben ist zu kurz und kann vom einen auf den nächsten Moment vorbei sein.

Wettmeister schrieb:
[...] aber würde von alleine nicht mehr zurück gehen :( [...]

also musst du damit jetzt immer rumrennen? 8O
 
Aha, hier ist ja ein Thema, bei dem ich, als Betroffene, mitreden kann.

Im Januar diesen Jahres habe ich erfahren, dass ich Gebärmutterhalskrebs habe.
Erst hat man versucht zu operieren, aber er war schon zu sehr fortgeschritten. Hatte bereits die Blase und den linken Beckenknochen angegriffen. Bei einer OP hätte man die Blase entfernen müssen und ich hätte für den Rest meines Lebens in externe, am Körper angesaugte Beutel pinkeln müssen (diese hat man mir vor der OP schon mal angepasst).
Als ich nach der OP aufwachte, sah ich die große Narbe an mir, aber keine Pinkelbeutel und auch keine Wundsekret-Beutel an mir rumhängen. Man hat mich dann noch 1 1/2 Tage im Ungewissen gelassen, weil nur der operierende Arzt mir sagen sollte, was passiert ist.

In dieser Zeit, war mir klar, dass ich bald sterben werde. Als mir der Arzt dann erklärt hat, warum er keine TotalOP gemacht hat (man wollte meine Blase retten), konnte ich mit dieser Aussage nichts anfangen, zumal ich auf dem Monitor selbst sah, wie groß der Fleck auf meiner Blase war.

Mir war klar, dass sie mich aufgegeben hatten, weils zu spät war.

Danach kamen 13 Wochen Chemo/Radio-Therapie auf mich zu. In dieser Zeit bin ich 2x dem Tod begegnet. Sie konnten mich nur mit einer Atropin-Spritze zurückholen.

In dieser Phase ist mein Leben auch rückwärts gelaufen. Es waren keine wichtigen Ereignisse, sondern meist Bilder, die nur jeweils für 2 Sekunden erschienen. Z.B. sah ich mich als Kind auf einem Fahrrad fahren, meine Mutter am Herd stehn, meine Töchter auf einer Wiese im Gras sitzen (als kleine Kinder), mein Bruder spielt mit mir Fußball, ein Hochzeitsfoto von mir, einen Zeitungsausschnitt mit einem Bild von mir, wo ich mal bei einer Theateraufführung die Hauptdarstellerin spielte usw.
Die Bilder haben sich bewegt, also waren nicht einfach nur Bilder, eher wie kleine Filme und sie kamen nicht in einer chronologischen Abfolge.

Vor 3 Wochen hatte ich die erste Nachuntersuchung, nach der Therapie.

Ursprünglich war geplant, eine 2. OP durchzuführen, falls der Krebs sich verkleinert hat. Die Diagnose fiel aber ganz anders aus. Auf sämtlichen Bildern (CT, Ultraschall, Blasen-Zystoskopie, live Untersuchung von 2 Ärzten) war der Krebs nicht mehr zu sehen, also keine OP.
Ich konnte erst meine Freude garnicht fassen, aber dann kam der Wermutstropfen. Die Lymphknoten könnten immer noch befallen sein, das kann kein Bild mit Gewissheit zeigen.

Also machen wir weiter mit Chemotherapie.

Seit ich in dieser Situation bin, hat sich mein Leben vollkommen verändert.
Ich halte es jetzt auch so, wie weiter oben von Agroschx beschrieben.

Agroschx schrieb:
Ich ärgere mich nicht mehr so oft.
Ich mach was mir Spass macht.
Ich bin freundlich zu allen aber pfeif auch darauf was andere Leute von mir halten wenn ich eine andere Meinung habe.
Ich habe meine Stressjob geschmissen und bin wieder "normaler" Arbeiter.
Ich bin grundsätzlich fröhlich.

Kaufe mir schöne Sachen zum Anziehen, Kleinigkeiten, die ich immer schon haben wollte z.B. Orchideen für mein Fensterbrett, Parfums und Nahrungsmittel, die mir vorher immer zu teuer waren. Meine Tochter bekommt Spontan-Geschenke, Dinge, die sie sich schon immer gewünscht hat. Besuche Theatervorführungen oder Live-Konzerte, in die ich vorher nie gegangen wäre, weil zu teuer usw.

Ich nehme mir für meine Zukunft keine großen Dinge mehr vor.
Eigentlich wollte ich einen neuen Mann kennenlernen, weil ich getrennt lebe. Das ist jetzt alles nicht mehr wichtig.
Mein einziger Wunsch ist, nochmal das Meer zu sehen.

Mein neues Lebensmotto lautet jetzt:

Geniesse jeden Tag, als ob es dein letzter wäre.

In diesem Sinne...

CashButterfly
 
NB-Treff_SaNdRa schrieb:
Ich persönlich bin ein Mensch, der auch ohne Arschtritt ständig über das Leben nachdenkt, den Sinn und alles drum herum. Philosophiere zudem gern.
Aber solche Momente machen einem alles bewusster ...
Nach dem Tod eines meiner besten Freunde vor wenigen Monaten entschloss ich für mich selbst, nichts mehr so zu nehmen wie es ist. Auffällig wird dies bei Streitigkeiten, ob zwischen Freunden und mir oder Anderen. Ich versuche immer zu erklären, dass es das einfach nicht wert ist und man nichts auf's Spiel setzen sollte. Denn das Leben ist zu kurz und kann vom einen auf den nächsten Moment vorbei sein.

Wettmeister schrieb:
[...] aber würde von alleine nicht mehr zurück gehen :( [...]

also musst du damit jetzt immer rumrennen? 8O

jo es sei denn ich lasse es operrativ entfernen, ich meine man sieht es kaum. Unter T-shirt oder einem anderen Kleidungsstück siehst du nix, im Schwimmbad musst du dich schon drauf konzentrieren und wissen das da was ist.
 
Wettmeister schrieb:
jo es sei denn ich lasse es operrativ entfernen, ich meine man sieht es kaum. Unter T-shirt oder einem anderen Kleidungsstück siehst du nix, im Schwimmbad musst du dich schon drauf konzentrieren und wissen das da was ist.

Aber damit kann man leben, denke ich, oder?
Denn hauptsache du bist gesund, das zählt schließlich.

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CashButterfly, sehr faszinierende Geschichte und ich finde es wunderbar, dass du so lang durchgehalten hast. Allein für deine Kinder schon.
Ich hoffe wirklich, dass du gesund wirst und da nichts weiter kommt und du nicht noch einmal operiert werden musst.
Ich wünsche dir, dass du bald einmal ans Meer fahren kannst.
CashButterfly schrieb:
Ich nehme mir für meine Zukunft keine großen Dinge mehr vor.
Eigentlich wollte ich einen neuen Mann kennenlernen, weil ich getrennt lebe. Das ist jetzt alles nicht mehr wichtig.
Aber ist dies nicht eine Art aufgeben? Es ist doch wichtig, sich Ziele zu setzen und für diese zu leben? Und ich denke, dass du es auch verdient hast, nochmal einen Mann kennen zu lernen und Liebe zu erfahren, also verschließe dich nur nicht dagegen, denn von meiner ersten Einschätzung her bist du ein herzensguter netter Mensch.
Viel Glück in deiner Zukunft. =)