Schwarzdrossel
Hobbitfrosch
- 10 Mai 2007
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Man soll Kindern also nur zeigen, was durchschnittlich ist? Damit sie auch nur Durchschnitt werden? Das ist Konfirmation und Uniformierung des Charakters...
Ja, aber ohne diese, wie du sagst, Konfirmation und Uniformierung des Charakters wäre das Leben in einer Gesellschaft nicht möglich.
Was ist denn schon dabei, wenn solche Werte vermittelt werden? Würdest du offen sagen, dass diejenigen, die diese Werte leben, unterentwickelt oder gar minderwertig sind? Einzig, weil sie nicht "durchschnittlich" sind? Vor 50 Jahren war S*x auf die Zeugung beschränkt, im öffentlichen Leben. Inzwischen ist der Spaß daran gesellschaftlich akzeptiert. Und wir, die von dieser Freiheit nun profitieren können, sperren uns dagegen, wenn unsere Nachkommen noch einen Schritt weiter gehen?
Alles ist dabei, wenn Werte vermittelt werden, die keine sind.
Mir wäre das egal, wenn es nur darum ginge, das S*x Spaß macht. Aber es geht eben nicht um Dinge wie Nähe, Intimität und das Liebe S*x schön macht, sondern um reine Triebbefriedigung und das Frauen Objekte sind, mit denen man machen kann was man will. Ich sage, dass es absolut schädlich für Kinder ist, Hardcorepornos zu sehen, bevor überhaupt eigene Erfahrungen gemacht worden sind, bzw. solche Bilder dann im Kopf zu haben. Ich sag nichts gegen Gruppensex (nicht dass ich gerne welchen haben würde, im Gegenteil...) wem es Spaß macht, der soll es tun, aber dann bitte Leute, die sich ihre Meinung zu dem Thema bilden konnten, und dafür muss man, denke ich, einfach ein bestimmtes Alter und einen bestimmten Grad der geistigen Reife erreicht haben.
Das Bevölkerungswachstum ist nochmal 'ne ganz andere Sache ^^
Ohne Frage sind manche Verhaltensweise schädlich. Aber wenn der Einzelne frei ist, sie dennoch zu verfolgen, dann wiegt das diese Schädlichkeit auf! Denn im selben Moment, in dem der Mensch über sich selbst und sein Tun bestimmen kann und darf bis zum Äußersten, ist seine Entwicklung zum freien Individuum abgeschlossen.
Hm. Du wärest also auch der Meinung, das ein pädophiler Sexualstraftäter nicht zu verurteilen wäre, weil er nur seine eigene, persönliche Vorstellung von Freiheit ausgelebt hat? Solange diese Verhaltensweisen nur für den schädlich sind, der sie auslebt, habe ich da keine Bedenken. Leider ist es aber eben meistens so, dass sich Leute, die mit allen Mitteln ihre eigene Vorstellung von Freiheit verwirklichen, den Schutz und die Rechte und auch die Freiheit anderer selten im Sinn haben. Denn es ist eine Form der Freiheit, unversehrt und unbehelligt von Übelwollenden leben zu können.
Der Mensch hat sich zur Gesellschaft zusammengeschlossen um in seiner Umwelt zu überleben - ein einzelner Urmensch war zum Tode verdammt, die Gruppe allein konnte Überleben sichern. Aber mit jedem Jahrhundert gelingt es uns mehr und mehr, uns allein gegen die Umwelt zu behaupten. D.h., die Gesellschaft ist ein Relikt vergangener Tage, das wie Blei an jeder weiteren Entwicklung hängt.
Ich wage zu behaupten, dass das auch heute noch so ist. Versuch mal, ein Jahr ohne irgendeinen anderen Menschen (das schließt menschliche Spiegelbilder wie Internet, Fernsehen und Radio ein) zu leben und du wirst mit ziemlicher Sicherheit irre werden. Der Mensch ist ein soziales Wesen, das andere Menschen braucht, um zu wissen das es ein Mensch ist. Wenn sich jedoch eine soziale Gruppe bildet, braucht es gewisse Regeln, damit alle ohne größere Schwierigkeiten zusammenleben können.
Abgesehen davon ist der heutige Mensch ohne seine ganze Technik ein Nichts, eine absolute Nulpe. Wenn von heute auf Morgen die Technik versagen würde, würden in der westlichen Welt vermutlich nach allerspätestens einem Jahr die Hälfte der Leute verhungert, erfroren oder sonstwie gestorben sein.
Aber irgendwann. Und je näher wir diesem Punkt kommen, desto weniger lebensfähig ist die Gesellschaft, denn ihre Bestandteile drängen hin zur individuellen Freiheit.
Ja, zur Freiheit drängen sie, denn wer materieller Sorgen enthoben ist, kann sich Gedanken um solche Dinge machen. Allerdings sind die Konsequenzen dieser Entwicklung heute schon zu sehen.
Die Frage ist halt nur, deckt sich diese individuelle Freiheit mit den Interessen der Allgemeinheit?
Auch Marx hat eine Gesellschaftsform angestrebt...das, wovon ich spreche, ist die Auflösung jeder gesellschaftlichen Struktur!
Mir ist bewusst, dass das sehr idealistisch gedacht ist. Aber es hat von jeher des Idealismus bedurft, um den Fortschritt anzutreiben.
Du möchtest also Anarchie, verstehe ich das richtig?
Dann würde ich sagen, geh in den Wald oder sonst wohin und lebe dort allein. Denn sobald auch nur zwei Menschen zusammenleben, gibt es Regeln, auch unausgesprochene. Hält sich auch nur einer nicht daran, löst sich die Gruppe entweder auf oder einer zieht dem anderen eins über den Schädel und verbuddelt ihn irgendwo.
Insofern geht es auch nicht darum, dass jemand diese Welt erschafft und dafür Verantwortung übernimmt - in einer solchen Welt ist jeder nur für sich verantwortlich, kann nicht von anderen verantwortet werden.
Genau das aber führt in den Abgrund. Eine Gesellschaft ist immer auch davon abhängig, dass die Menschen darin eben nicht nur für sich selbst handeln, sondern für die Allgemeinheit, und dazu gehört, seine eigene, persönliche Freiheit (oder seine Vorstellung davon) zum Wohle anderer einzuschränken. (Darin liegt übrigens auch eine gewisse Freiheit... was für eine Ironie.) Verantwortlich ist ohnehin jeder für sich selbst.
Du kannst in der Straßenbahn aufspringen und dem Teenie den Kopf einschlagen, weil er so laut Musik hört. Wenn du das tust musst, du aber auch die Konsequenzen in Form einer Haftstrafe tragen.
Die meisten Menschen tun es aber trotzdem nicht.
Und, schließlich: ich sehe mich nicht in der Lage, diese idealistische Vision umzusetzen.^^
Verzeihung, aber diese Vision ist nicht idealistisch, sondern apokalyptisch.
Und schließlich und endlich: Das Gesellschaften funktionieren liegt daran, dass sich alle mehr oder eben minder an Kants kategorischen Imperativ halten: Was nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Auch wenn das bedeutet, dass ich mir eben nicht die Freiheit nehme, meinem Nachbarn Gliedmaßen abzutrennen und ihn dann im Hinterhof zu als Blumendünger zu verwenden. Ich schränke sozusagen meine Freiheit ihn umzubringen ein.
Ach ja... nur ein Irrer versteht, was wahre Freiheit bedeutet.