News Schülertraum: Sitzenbleiben geht nicht mehr

Typisch deutsche Bildungspolitik, man versucht mit allen Mitteln alles zu schönen und unser Bildungssystem "zu verbessern", weil Pisa sagt wir sind schlecht.

Aber wo führt das ganze hin:

Eine Schule die so verfährt wie die Politiker wollen, wird in ein paar Jahren einen schlechten Ruf bei Unternehmen haben und die Unternehmen wissen dann, Schüler mit einem Abschluß von Schule x taugen nix und schon reißt man eine ganze Schule/Ort in ein tiefes Loch.

Aber ich bin mir sicher, irgendwann werden auch die Politiker aufwachen und kapieren, das man in Bildung investieren muss, um international konkurenzfähig zu sein.
 
Ich melde mich mal als Sitzenbleiber zu Wort.
Ich finde solche Regelungen auch bedenklich. Ehrlich gesagt kann ich sogar froh sein, in der 11. hängen geblieben zu sein mit meinem 3,2 Schnitt von damals (sehr ungünstig gelaufen :D). So strebe ich nun ein 2,2 Abi-Schnitt an, wo ich sonst einen recht miserablen Schnitt bekommen hätte.
So schlimm ist ein unfreiwilliges Zusatzjahr also nicht, auch wenn die Kosten für den Steuerzahler natürlich hätten gespart werden können, wenn der Schüler sich ordentlich bemüht. Das muss auch ich mir ankreiden lassen.

Trotzdem die Quote mit solchen Mitteln zu reduzieren halte ich für unzweckmäßig. Jeder Abschluss wird dadurch in seiner Qualität entwertet, auf Kosten derer, die im Notenspiegel erfolgreicher sind.
 
Es sollte immer der Einzelfall untersucht werden. Kann der Schüler auch in der nächsten Stufe noch "erfolgreich" weiterlernen...Was waren vielleicht die Gründe, warum er schlecht abgeschnitten hat.
Und wie willst du das vor anderen Eltern und Schülern rechtfertigen? Die werden nicht gerade begeistert sein, wenn jemand mit besseren Noten eine Stufe wiederholt und dafür ein anderer Schüler mit schlechteren Noten keine Ehrenrunde dreht, weil er vielleicht aus einem instabilen Umfeld kommt.

Sowas führt immer zu Neid. Und solche Einschätzungen wie du sie vorschlägst können nur rein subjektiv getroffen werden, weil das jeder anders empfindet und bewertet.

Damit wäre eine einheitliche Behandlung aller Schüler nicht mehr möglich und das ist auch nicht der Sinn eines Bildungssystems.

Eine Schule die so verfährt wie die Politiker wollen, wird in ein paar Jahren einen schlechten Ruf bei Unternehmen haben und die Unternehmen wissen dann, Schüler mit einem Abschluß von Schule x taugen nix und schon reißt man eine ganze Schule/Ort in ein tiefes Loch.
Es kann ja nicht jede Schule für sich selber entscheiden wie sie mit potenziellen Sitzenbleibern umgeht. Das ist nach wie vor vorgeschrieben und wird wohl auch so bleiben.

Von daher wird es nicht so weit kommen, dass eine bestimmte Schule bei Unternehmen der Umgebung unten durch ist und von dort niemand mehr als Azubi genommen wird.
 
naja, die lehrer können ja ne 4 rein schreiben, obwohl es ne 5 sein müsste, also locker mit den noten umgehen, sowas spricht sich rum, ist auf meiner schule genau so, hat auch ein schlechtes ansehen und auf einer anderen schule, als ich mich beworben hatte, wurde mir gesagt, dass schüler meiner schule oft lerndefizite hätten, dass ich dadurch nicht unbedingt bessere chancen hätte....

aber es ist eben (noch) nicht die regel, das sowas passiert, sollte es auch nicht werden
 
was kommt als nächstes? werden verbrecher nicht mehr bestraft um die kriminalitätsrate zu senken? :ugly:

Da hat wohl jemand zu viel Hot Fuzz geschaut. ;)

Naja zum Sitzenbleiben: Ich bin einmal sitzen geblieben und es hat mir wirklich sehr viel gebracht. Bereue da gar nichts. Als ich die zehnte zum ersten mal gemacht habe, war mein schnitt 3,7 oder so, beim zweiten mal 1,irgendwas. Scheint also schon irgendwie sinnvoll zu sein, vorallem weil man in ein anderes Umfeld kommt und sich so selbst ändern kann, bzw. die Einstellung die man zur Schule oder sonstwo gegenüber hat.
 
... Und: Was passiert in dem Jahr, in dem plötzlich doppelt so viele Absolventen wie sonst Lehrstellen und Studienplätze suchen!? Hat sich niemand Gedanken drüber gemacht.

wie so vieles nicht durchdacht ist in diesem land. wenn man dann auch noch das benotungssystem aushöhlt und schüler durchschleift, welche die leistung nicht bringen, ist niemandem geholfen. nur im internationalen vergleich steht man, dank der geschönten statistik, besser da. allerdings ist der preis dafür, meiner meinung nach zu hoch.

Da hat wohl jemand zu viel Hot Fuzz geschaut. ;)

eigentlich kenne ich das nicht. ;)
 
Ich sage es mal so: ich habe es oft miterlebt, dass Schüler, die gerade noch so durchgekommen sind (mit viel Gnade oder noch mal einer Extramöglichkeit, die Noten zu verbessern), dann im Schuljahr drauf extrem am Rudern waren, weil einfach Lücken vorhanden waren. (ok, meine Schulzeit ist schon fast 20 Jahre her...)
Man sollte dem "Sitzenbleiben" vielleicht mehr den Touch des ultimativen und negativen Schreckgespenstes nehmen und es als Chance anbieten, etwaige Lücken zu schließen und als Chance, doch bessere Leistungen zu bringen.
Man sollte vielleicht auch schauen, warum die "Versetzung" gefährdet ist.
Man sollte auch mal über die Kriterien nachdenken. Ob die Versetzung wegen ein paar lächerlichen Nebenfächern gefährdet ist, oder ob wirklich elementare Lücken vorliegen und dann vielleicht nicht einfach stur nach den Noten gehen, sondern auch den individuellen Einzelfall berücksichtigen (und eventuell auch den Schüler/die Eltern mehr mit einbeziehen).
 
Hier in NRW wurde kürzlich das Abi nach zwölf Jahren eingeführt, wodurch schon Unterstufenschüler ständig bis weit in den Nachmittag hinein Unterricht haben und dann auch noch Hausaufgaben machen müssen.
Was ist an einem Abi nach 12 Jahren schlecht? Im Osten ist das Gang und Gebe. Ein deutschlandweit einheitlicher Lehrplan und ein Zentralabi würden denke ich allen helfen.

So schlimm ist ein unfreiwilliges Zusatzjahr also nicht, auch wenn die Kosten für den Steuerzahler natürlich hätten gespart werden können, wenn der Schüler sich ordentlich bemüht. Das muss auch ich mir ankreiden lassen.
Was für Kosten? Ob der Lehrer nun 20 oder 21 Schüler unterrichtet ist doch egal, der kriegt doch nicht mehr Geld.
 
Was ist an einem Abi nach 12 Jahren schlecht?
Im Prinzip nichts. Nur darf nicht einfach so von 13 auf zwölf Jahre umgestellt werden, ohne irgendwas am Lehrplan zu ändern.

Für einen Ganztagsbetrieb sind viele Schulen mangels Mensa, Aufenthaltsmöglichkeiten etc. nämlich noch gar nicht ausreichend ausgestattet.
 
Oha, wenn die Schüler jetzt alle wegen ihrer schönen Schrift schon besser bewertet werden, dann werde ich wohl ein Assessment-Center aufbauen müssen, bevor ich meinen 1. Azubi einstelle. :evil:
 
Für einen Ganztagsbetrieb sind viele Schulen mangels Mensa, Aufenthaltsmöglichkeiten etc. nämlich noch gar nicht ausreichend ausgestattet.

Das ist vielerorts noch ein Riesenproblem, dass einfach "überfahren" wird. Und Zuschüsse, um Abhilfe zu schaffen, gibt es oft aus Geldgründen kaum.

@Liquid: was die Handschrift angeht, gibt es noch dickere Hunde: Ich kenne eine Pflegeeinrichtung, wo jährlich eine Personalbeurteilung stattfindet und da geht auch die Handschrift des Pflegepersonals mit in die Wertung ein...
 
Was soll denn der Quatsch?
Wenn Schüler nicht sitzen bleiben, weil sie zu faul sind oder es nicht verstehen, sie "weiterzuschleifen" führt doch in die komplett falsche Richtung.
Sie verlieren immermehr den Anschluss als mit einem Wiederholungsjahr die Möglichkeit zu bieten, Wissenslücken zu füllen.

Deutschland, du machst dich selbst kaputt :-?
 
toll, dann sind ja alle die jetzt mit der schule fertig sind "schlechter" bzw. mussten mehr für die gleiche Note tun als die akt. Schüler.

Irgendwie unfair.
 
toll, dann sind ja alle die jetzt mit der schule fertig sind "schlechter" bzw. mussten mehr für die gleiche Note tun als die akt. Schüler.
So gesehen war das Abitur schon immer unfair, weil Bildung nun mal Ländersache ist und das Abi in jedem Land und teilweise auch in jeder Schule anders ist bzw. war.

Fair wäre da nur ein Zentralabitur für ganz Deutschland. So weit sind wir aber wohl noch lange nicht.
 
Das Sitzenbleiben abzuschaffen kann schon sinnvoll sein. Allerdings geht dies nur, wenn auch an vielen anderen Stellen des (völlig maroden) Schulsystems gearbeitet wird. Zum Beispiel muss, wenn man nicht mehr sitzenbleiben können soll, eine viel stärkere individuelle Förderung her, um die schwachen Schüler zu fördern. Das fängt schon damit an, dass oft über 30 Schüler in einer Klasse sitzen.
Das alles zu ändern, kostet natürlich - aber in gute Bildung muss auch gut investiert werden.
 
Die Frage ist eben nur, was ist mit einem, der nie sitzen geblieben ist und dann achtkantig durch die letzte Prüfung (Hauptschule, Mittlere Reife bzw. Abi fliegt). Oder wird das in einem Atemzug (man kann ja kein Ziel mehr verfehlen) gleich als "bestanden" mit deklariert.
Man sollte vielleicht auch den extremen Leistungsdruck, der inzwischen in der Schule herrscht, rausnehmen (nach dem Motto: Abi am Besten schon mit 15). Viele sind diesem Druck einfach nicht gewachsen und da kommen die Probleme. Und man sollte Schulsystem und Lehrplan überdenken. Es gibt einige Fächer, die man aus dem Pflichtbereich in den Wahlpflichtbereich oder ganz in die Freiwilligkeit verschieben sollte. Bzw. zumindest in diesen "Extrem-"Nebenfächern die Noten abschaffen. Wenn ich z.B. bei extrem strengen Reli, Kunst und Musiklehren extrem viel Energie reinstecken muss, fehlt mir diese in Mathe, Deutsch und Fremdsprachen...
 
Sorry, aber ich möchte stark bezweifeln, daß heutzutage so viel mehr gelehrt wird, als zu meiner Zeit. Wir haben das ganz gut gepackt, wieso wollte das heute nicht mehr möglich sein?
 
@Birnchen: wenn Du auf meinen Nick siehst, siehst Du, dass meine Schulzeit auch schon eine Weile her ist. Es wurde damals auch schon viel Mist gelehrt, den ich nach der Schule nie mehr gebraucht habe. Nur ist heute noch ein viel stärkerer - gesellschaftlich bedingter - Leistungsdruck dazugekommen.
 
Was ist an einem Abi nach 12 Jahren schlecht? Im Osten ist das Gang und Gebe. Ein deutschlandweit einheitlicher Lehrplan und ein Zentralabi würden denke ich allen helfen.

Abi nach 12 Jahren ist nicht schlecht, es ist nur schlecht umgesetzt. Ich bin Schüler einer elften Klasse auf einem niedersächsischen Gymnasium und bei uns gibt es dieses Modell jetzt auch seit wenigen Jahren. Das fing erstmal damit an, dass nach und nach die zweijährige Orientierungsstufe aufgelöst wurde und die vielleicht 11 Jahre alten Kinder direkt von der Grundschule aufs Gymnasium (oder eben die RS/HS) wechseln. Und diesen Wechseln spüren die dann auch und zwar nicht zu knapp. Wie sollen sich denn Gymnasiallehrer auch auf Kinder einstellen, wenn sie es vorher jahrzehntelang nur mit Jugendlichen zu tun hatten, die bereits 6 Jahre Schulerfahrung und eine Vorbereitung durch die OS auf eine weiterführende Schule vorweisen konnten? Die Kinder sind überhaupt nicht in der Lage, diesen neu erwarteten Leistungsdruck und die völlig anderen Lehrmethoden zu verarbeiten geschweige denn dabei noch vernünftig immer neuen Stoff aufzunehmen.
Zusätzlich zu diesem einen, grundsätzlichsten Problem, der schlechten Schüler-Lehrer-Kommunikation, enstehen dann noch weitere Probleme durch die bloße Anzahl der Schüler und den Lehrplan. Unsere Schule musste in kürzester Zeit mit einer so stark vergrößerten Schülerzahl fertig werden, dass Container als Schulklassen dienten und die ehemalige OS nun als weiteres Gebäude in das Gymnasium intergriert wurde. Es findet mittlerweile Unterricht in 4 verschiedenen Gebäuden statt: dem Hauptgebäude, der Sporthalle, die auch Klassenräume beinhaltet, dem ehemaligen OS-Gebäude und einem weiteren Haus mit Kunsträumen. Dadurch müssen Lehrer und Schüler (vor allem die der Oberstufe) manchmal 3 Mal an einem Tag Raumwechsel vollziehen, die teils einige Minuten dauern.
Weiterhin fehlen natürlich durch die vielen Schüler auch immer wieder Lehrer und es müssen ständig neue eingearbeitet werden; die Qualität des Unterrichts dieser oft frisch gebackenen Lehrer ist dabei in vielen Fällen einfach unter aller Sau. Zusammen mit dem Fakt, dass auszubildende Referendare fast ausschließlich der Mittelstufe und den Kleinen (7/8 ) angehängt werden, weil befürchtet wird, dass diese in den anderen Klassen zu wenig Leistung hervorbringen und damit dem Leistungsstand schaden würden, ergibt das eine tolle Mischung. Die Schüler sind durch den strengen Lehrplan und das krass wechselnde Leistungsniveau sowieso schon unsicher und überfordert, bekommen dazu noch oft Lehrkräfte ohne Erfahrung und verbringen zudem mehr Zeit in der Schule bzw. mit schulischen Arbeiten, als ein Arbeiter in führender Position.
Diese Kinder müssen in der Woche 2-3 mal bis zur achten Stunde in der Schule bleiben, bekommen dazu eine Masse an Hausaufgaben, haben vier Pflichtstunden in Arbeitsgemeinschaften zu erfüllen und schreiben dazu in Stoßzeiten noch ihre drei Arbeiten die Woche. Zudem ist eine ausreichende Versorgung der Schüler nicht gegeben. Es ist keine Mensa vorhanden und die vor kurzem auf eine halbe Stunde verlängerte Pause zwischen siebter und achter Stunde ist ebenfalls schwachsinnig. Für mehr als ne kleine Pommes oder ein Brötchen reicht diese nämlich auch nicht, weil das Zeug ja auch noch irgendwie gekauft werden muss.

Die gesamte Schulreform ist, mit Verlaub liebe Kultusminister, für'n Arsch um mal ehrlich zu sein. Anstatt Deutschland langsam zu einem leistungsfähigen, zumindest ansatzweise individualistisch arbeitenden Schulsystem hinzuführen, wurde an allen Ecken und Enden verschlimmbessert die gesamte Schülerschaft so kollektiviert, dass es an einen riesigen Schnellkochtopf erinnert: möglichst viel möglichst schnell und das mit einem Minimum an Kapital.

Wie sich diesen gesamten Umstände auf die Schüler der höheren Jahrgänge auswirkt, möchte ich gar nicht groß erläutern, das würde Stunden dauern. Aber ich gebe mal einige Stichpunkte wie fehlender Unterricht, ausgebrannte Lehrer, angespannte Atmosphäre und Schnellabfertigung.
Das Thema Sitzenbleiben ist meiner Meinung nach in so einem Schulsystem überhaupt nicht zu lösen. Es muss als zweite Chance gesehen und auch so behandelt werden. Dazu muss aber auch eine individuelle Betreuung von Schülern vorhanden sein, damit eben so eine Ehrenrunde auch überhaupt sinnvoll ist und der Schüler sich nicht als Idiot fühlt und sich hängen lässt. Denn genau so ist es zurzeit bei vielen.

Grüße, Sh4wN