Sammelthread Nationaltorwart Robert Enke tot

Du kannst noch so erfolgreich sein und trozdem an Depressionen leiden.
Nur schade, dass er sich nicht helfen lassen wollte, aus Angst, dass es an die Öffentlichkeit geht...
 
Gar nicht. So wie das Thema von vielen runtergeputzt wird, wäre es wahrscheinlich schlimmer geworden. :roll: (bescheuert ausgedrückt).
Finde ich zwar nicht (wenn du das Thema Depression meinst), aber auch wenn's nicht so wäre, bei seinem Beruf hätte das für ihn sicherlich nichts Gutes bedeutet. Schließlich können Fans richtig asozial sein.

wollte sich aber nicht stationär behandeln lassen...
Wie hat das denn sein Arzt beurteilt?
 
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es nicht nur die Fans gewesen wären.

Ich glaube, das sich z.B. Sebastian Deisler damals nur an die Öffentlichkeit getraut hat, weil er mit seiner Fußball-Karriere abgeschlossen hatte. Ich weiß, das er nach seiner Behandlung wieder gespielt hat, aber ebenso hätte es sein Karriereende bedeuten können. Und Robert Enke war wahrscheinlich nicht soweit. Hinzu kommt ja noch die Geschichte mit seiner Adoptivtochter.

Nachtrag: in diesem Zusammenhang ein mehr als lesenswerter Artikel:

https://www.11freunde.de/bundesligen/125581
 
Die Trauerrede von DFB-Präsident Theo Zwanziger

Folgende News wurde am 15.11.2009 um 13:05:16 Uhr veröffentlicht:
Die Trauerrede von DFB-Präsident Theo Zwanziger
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Hannover (dpa) - Bei der Trauerfeier für Nationaltorwart Robert Enke hielt Theo Zwanziger eine Ansprache. Die Deutsche Presse-Agentur dpa dokumentiert die Worte des DFB-Präsidenten in Auszügen:«Die Bilder dieser Woche, dieser Tage stehen vor unseren Augen. Vor Euren und auch vor meinen. Diese unfassbare Nachricht am Dienstagabend, noch nicht wissend, was ist passiert? Es nicht fassen können. Am nächsten Tag die Gespräche mit unseren Nationalspielern. Wie geht es weiter? Was können wir tun? Jungs, ich bin stolz auf Euch. Es gibt die Zeit die wir brauchen. Der Trauer, um dies alles zu verkraften. Die Pressekonferenz am Nachmittag, einen großen Respekt, liebe Frau Enke, für das, was Sie glaubten für Ihren Mann und ich denke auch für uns, tun zu können. Die Bilder aus den Medien, die uns betroffen machten von der Unfallstelle. Das Mitgefühl für alle, die unbeteiligt und doch beteiligt waren. Die Lokomotivführer, die Rettungskräfte, die Polizei. Alle, die ihren Dienst leisten mussten. Und dann am Abend die Trauerfeier hier in Hannover. Die Spontanität der Menschen in dieser Stadt, der Fans von Hannover 96, der Fans von Robert Enke. Danke an Euch. Diese Bilder verändern sich. Sie werden mal stärker und verblassen. Die Zeit wird vergehen. Das Leben wird wieder seinen Anfang nehmen. Aber vor mir, vor meinen Augen, stehen auch zwei Sätze, gesprochen von Bischöfen der Evangelischen Kirche. Der eine am Mittwochabend von Bischöfin Käßmann: 'Fußball ist nicht alles'. Fußball, meine Damen und Herren, liebe Trauergemeinde, darf nicht alles sein. Das Leben, das uns geschenkt ist, ist vielfältig. Es ist interessant. Es ist lebenswürdig. Wir können auch auf das, was wir tun, ein Stück stolz sein. Wir können etwas leisten. Aber wir erfüllen uns immer nur in der Vielfalt und in der Gemeinschaft. Fußball darf nicht alles sein, liebe Eltern, wenn Ihr daran denkt, ob Eure Kinder einmal Nationalspieler werden könnten. Denkt nicht nur an den Schein, an dass was sich dort zeigt, über die Medien verbreitet. Denkt auch an das, was im Menschen ist, an Zweifel und an Schwächen. Fußball ist nicht alles. Aber meine Damen und Herren, es gibt auch den anderen Satz. Vor dreieinhalb Jahren begann die Weltmeisterschaft mit einem Gottesdienst in München. Damals, die Sonne begann genauso wie hier den Nebel und den Regen zu verdrängen, sprach Bischof Wolfgang Huber: «Fußball ist ein starkes Stück Leben». Ja, Fußball kann ein starkes Stück Leben sein, wenn wir nicht nur wie Besessene hinter Höchstleistungen herjagen. Wir dürfen uns anstrengen. Ja. Aber nicht um jeden Preis. Denn, so formulierte er damals 'den wirklichen Siegerpreis, den werden wir auf Erden nicht empfangen. Wir müssen uns diesem Preis würdig erweisen'. Ein wenig mehr, nach diesen schlimmen Tagen an die Würde des Menschen zu denken. In seiner Vielfalt, nicht nur in seiner Stärke sondern auch in seiner Schwäche, empfinde ich als Auftrag dieses an sich sinnlosen Sterbens. Wir alle sind dazu aufgerufen, liebe Trauergemeinde, unser Leben wieder zu gestalten, aber in ihm einen Sinn, nicht nur in überbordenden Ehrgeiz zu finden. Maß, Balance, Werte wie Fairplay und Respekt sind gefragt. In allen Bereichen des Systems Fußball. Bei den Funktionären, bei dem DFB, bei den Verbänden, den Clubs, bei mir, aber auch bei Euch liebe Fans. Ihr könnt unglaublich viel dazu tun, wenn ihr bereit seid, aufzustehen gegen Böses. Wenn ihr bereit seid, Euch zu zeigen, wenn Unrecht geschieht. Wenn ihr bereit seid, dass Kartell der Tabuisierer und Verschweiger einer Gesellschaft (. . . . ) zu brechen. Ihr könnt mithelfen, mit Eurem ganz persönlichen Engagement. Ich denke, so wie ich Euch hier in Hannover kennengelernt habe und viele Fans in den Bundesligastadien. Aber auch auf den Plätzen des Amateurfußballs kenne. Ein Stück mehr Menschlichkeit, ein Stück mehr Zivilcourage, ein Stück mehr Bekenntnis zur Würde des Menschen, des Nächsten, des Anderen. Das wird Robert Enke gerecht. Ich bedanke mich für Eure Aufmerksamkeit. »
 
Ich finde, Herr Zwanziger hat vor allem zum Thema der Konsequenzen die Richtigen Worte gefunden. Man sollte gerade auf dem Fußballplatz dem Gegner mit Respekt begegnen - auch von der Tribüne aus.

Manche Fangesänge, zum Beispiel, sind unterste Schublade.

Und jemand wie Enke, hätte er seine Krankheit öffentlich gemacht, wäre für ein paar Idioten sicherlich eine gute Zielscheibe gewesen...
 
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Und jemand wie Enke, hätte er seine Krankheit öffentlich gemacht, wäre für ein paar Idioten sicherlich eine gute Zielscheibe gewesen...

Wer in der Öffentlichkeit steht, muss sowas abkönnen, ansonsten sollte man sich zurückziehen...

Ich selber finde das für seine Familie tragisch... Aber diese mediale Zelebrierung kann ich nicht gut finden und auch das Hochstilisieren eines Menschen nach dem Tod ist nicht meine Sache...
 
Wer in der Öffentlichkeit steht, muss sowas abkönnen, ansonsten sollte man sich zurückziehen...

So einiges von der Geschichte hast du wohl nicht mitbekommen... Er stand nunmal in der Öffentlichkeit, obwohl er das nicht ab konnte. Und in der Öffentlichkeit zu stehen macht niemanden zu Freiwild. Egal, ob er einen starken Charakter hat oder nicht.

Ich selber finde das für seine Familie tragisch... Aber diese mediale Zelebrierung kann ich nicht gut finden und auch das Hochstilisieren eines Menschen nach dem Tod ist nicht meine Sache...

Niemand will ihn auf einen Sockel stellen. Es geht um ein bisschen Selbstreflexion - laut deinem ersten Satz täte Dir das vielleicht auch nicht schlecht. Warum sollte er als Promi ein "besserer" Mensch sein und so was vertragen? Ich kann mir vorstellen, dass für viele Sportler oder Künstler das Promidasein notwendiges Übel ist - und nicht ihr Wunsch.

So gesehen stilisierst Du ihn genauso hoch wie die Medien es mit seinem Tod machen...
 
So einiges von der Geschichte hast du wohl nicht mitbekommen... Er stand nunmal in der Öffentlichkeit, obwohl er das nicht ab konnte.
Woher willst du das wissen? Bist du auch so ein Hobbypsychologe, der eins und eins leicht zusammenzählen kann? Was wäre aber, wenn er "einfach" eine Störung im Gehirnstoffwechsel hatte und es daher egal gewesen ist, was er macht und ihn seine Krankheit unbehandelt auch in jeden anderen Beruf zerstört hätte...

Und in der Öffentlichkeit zu stehen macht niemanden zu Freiwild.
Wer als Fußballer keine Fangesänge aushalten kann, darf eben keine zig Millionen verdienen, sondern lieber sein Geld auf andere Weise verdienen.

Niemand will ihn auf einen Sockel stellen. Es geht um ein bisschen Selbstreflexion -
Ich brauche bestimmt keinen Todesfall eines mir Fremden um über mich nachzudenken.

Warum sollte er als Promi ein "besserer" Mensch sein und so was vertragen?
Sag ich das?
Ich kann mir vorstellen, dass für viele Sportler oder Künstler das Promidasein notwendiges Übel ist - und nicht ihr Wunsch.
Diese ganzen, einfachen Erklärungen sind doch zum aus der Haut fahren... Ja, klar, die anderen sind schuld... Die böse Gesellschaft... Dass aber eine Krankheit, eine echte Krankheit dahinter steht, ist wohl zu kompliziert... Wenn ich genetisch programmiert Krebs bekomme (und auch das bekommen Promis), dann jammert niemand über die Gesellschaft.

So gesehen stilisierst Du ihn genauso hoch wie die Medien es mit seinem Tod machen...
Nein, mache ich nicht... Ich brauche aber im Gegensatz zu vielen anderen nicht über Depression und so etwas nachzudenken, da ich aus nächster Verwandschaft damit intensiv beschäftigt bin...
 
Woher willst du das wissen? Bist du auch so ein Hobbypsychologe, der eins und eins leicht zusammenzählen kann? Was wäre aber, wenn er "einfach" eine Störung im Gehirnstoffwechsel hatte und es daher egal gewesen ist, was er macht und ihn seine Krankheit unbehandelt auch in jeden anderen Beruf zerstört hätte...
Ich für meinen Teil halte mich lieber an die Fakten, die in diesem fall sogar direkt aus der Familie kommen. Das ist keine Interpretation, und kein "vielleicht"
Wer als Fußballer keine Fangesänge aushalten kann, darf eben keine zig Millionen verdienen, sondern lieber sein Geld auf andere Weise verdienen.
Wer als Polizist keine Beleidigungen aushalten kann, oder als Müllmann, oder als Politesse, soll sich halt einen anderen Beruf suchen?
Es gibt etwas, das nennt sich Menschenwürde. Und die gilt auch im Fussballstadion.
Und ich bezweifele, das jemand Profi-Sportler wird, weil es da viel Knete gibt.

Ich brauche bestimmt keinen Todesfall eines mir Fremden um über mich nachzudenken.
ich weiß nicht, was es braucht, damit du über dich nachdenkst in dieser Sache, aber es sollte eintreten...
Jepp. Du dichtest Promis ein dickeres Fell an.
Diese ganzen, einfachen Erklärungen sind doch zum aus der Haut fahren... Ja, klar, die anderen sind schuld... Die böse Gesellschaft... Dass aber eine Krankheit, eine echte Krankheit dahinter steht, ist wohl zu kompliziert... Wenn ich genetisch programmiert Krebs bekomme (und auch das bekommen Promis), dann jammert niemand über die Gesellschaft.
Habe ich was von "Schuld" geschrieben? Nein. Ich hab geschrieben, dass es für ihn sicherlich nicht hilfreich gewesen wäre, sich mit so einer Krankheit auf eine Bühne stellt, um sich mit Dreck bewerfen zu lassen. Schon gar nicht, wenn die Werfer den wunden Punkt der Person kennen.
Nein, mache ich nicht... Ich brauche aber im Gegensatz zu vielen anderen nicht über Depression und so etwas nachzudenken, da ich aus nächster Verwandschaft damit intensiv beschäftigt bin...
Du sollst auch nicht über eine Depression nachdenken, sondern, wie Menschen miteinander umgehen sollten.
 
Du sollst auch nicht über eine Depression nachdenken, sondern, wie Menschen miteinander umgehen sollten.

Worüber soll ich nachdenken? Ist bei dir die Erkenntnis noch nicht durchgedrungen, dass es auf der Welt nicht nur nette/freundliche Menschen gibt?
 
Ich hab geschrieben, dass es für ihn sicherlich nicht hilfreich gewesen wäre, sich mit so einer Krankheit auf eine Bühne stellt, um sich mit Dreck bewerfen zu lassen. Schon gar nicht, wenn die Werfer den wunden Punkt der Person kennen.
Vielleicht habe ich was verdrängt, aber der Fall Deisler, der sehr viele Parallelen aufweist (selbe Krankheit, beliebte Person), hat gezeigt, daß es auch möglich gewesen wäre.
Du sollst auch nicht über eine Depression nachdenken, sondern, wie Menschen miteinander umgehen sollten.
Also wie phip schon geschrieben hat, dürfte Depression eine Krankheit sein, die recht wenig mit dem Umgang miteinander zu tun hat. Ich denke, diese Krankheit ist viel zu komplex als das so etwas triviales wie "wären die Leute netter gewesen" etwas an der Erkrankung ändern würden. Das Fußballgeschäft ist sicherlich nicht einfach, aber Enke war ja auch ein Spieler, dem über die Vereinsgrenzen hinaus sehr viel Sympathien entgegengebracht wurden und der bei einem Verein spielte, den man wohl als DIE Graue Maus der Liga bezeichnen kann.
 
Worüber soll ich nachdenken? Ist bei dir die Erkenntnis noch nicht durchgedrungen, dass es auf der Welt nicht nur nette/freundliche Menschen gibt?

Nein, darüber, das ein Mensch mit der Krankheit Depression keine Zielscheibe darstellen sollte. Auch dann nicht, wenn er ein Promi ist... Und auch, das die Krankheit nicht Zwangsweise eine Sonderbehandlung rechtfertigt.

Wenn in Fangesängen z.B. eine Spielerfrau als Prostituierte beschimpft wird, dann ist das eine Sauerei - egal, wie der Spieler heißt.

Vielleicht habe ich was verdrängt, aber der Fall Deisler, der sehr viele Parallelen aufweist (selbe Krankheit, beliebte Person), hat gezeigt, daß es auch möglich gewesen wäre.

Ich glaube, Deisler hatte das "Glück", oft genug körperliche Verletzungen auskurieren zu müssen.

Also wie phip schon geschrieben hat, dürfte Depression eine Krankheit sein, die recht wenig mit dem Umgang miteinander zu tun hat. Ich denke, diese Krankheit ist viel zu komplex als das so etwas triviales wie "wären die Leute netter gewesen" etwas an der Erkrankung ändern würden.
Das ist natürlich richtig, aber das Risiko besteht nunmal. Wenn eine Depression besteht weiß man nicht, das äußere Einflüsse bewirken könnten.

Das Fußballgeschäft ist sicherlich nicht einfach, aber Enke war ja auch ein Spieler, dem über die Vereinsgrenzen hinaus sehr viel Sympathien entgegengebracht wurden und der bei einem Verein spielte, den man wohl als DIE Graue Maus der Liga bezeichnen kann.

Ich dachte, das wäre Wolfsburg? :think:
Aber Spaß beiseite. Klar - Enke war beliebt und respektiert, wäre aber im Zweifelsfall eben ein Ziel gewesen. Ich denke, das jedem Fan der eigene Verein näher gewesen wäre als der gegnerische Torwart...

Vielleicht hätte er es auch ausgehalten - wer weiß? Ich würde aber keine Wette drauf abschließen...