Konzeption vor der Programmierung

wahnsinn

Teilzeitcholeriker
ID: 13929
L
20 April 2006
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Hi zusammen,

jeder, der nicht nur zum persönlichen Vergnügen programmiert, sollte die Situation kennen. Man bespricht mit dem Kunden die Wünsche, legt los mit der Programmierung und irgendwann war vom Kunden doch alles anders gemeint. Abhilfe schafft eine schriftliche Konzeption, die man dem Kunden vorlegt und bestätigen/unterschreiben lässt.

Ich bin allerdings noch auf der Suche nach dem idealen Vorgehen.

Fließtext?
Wird wohl von unerfahrenen Kunden am ehesten verstanden. Allerdings muss man den Text erstmal verfassen. Dabei besteht die Gefahr, dass man sich nicht präzise genug ausdrückt oder das sich technische Sachverhalte nicht gut genug erklären lassen.

UML?
Das muss man erstmal korrekt aufbauen, man muss sich in eine Software einarbeiten, und dann muss es der Kunde auch noch verstehen. Er kann evtl. nichts mit dem Schema anfangen und fühlt sich vielleicht mit technischen Einzelheiten vor den Kopf gestoßen.


Welche Erfahrungen habt Ihr so gemacht und welche Empfehlungen und Tipps könnt Ihr geben?
 
Bilder+ Fließtext

Bei manchen gar nichts, bei denen man weiß, das sie wissen was sie wollen, und es nur kleine sachen sind.
 
UML für dich, Fließtext und Bilder für den Kunden. Je nach Firma, erstellt man ab und an auch "GUI Prototypen", also quasi nur die Oberfläche ohen Funktion, damit die ersten Fragen der Modellierung direkt gelöst werden können.

Lastenheft -> Pflichtenheft -> Unterschrift etc, das übliche eben.
 
ganz klar Prototypen von Anwendungen, muss ja keinerlei Logik dahinter stecken, es reicht ja alles schön dann screenen zu können, und quasi ein bilderbuch mit etwas text daraus zu machen.
Aber das lohnt wirklich nur bei Aufträgen, wo der Auftraggeber auch dir diese Zeit bezahlt, sonst würde ich einfach bevorzugen, aus deiner Sicht nochmal die ganze Anwendung zu erklären, wie du es vestanden hast.
 
Bei größeren Aufträgen kommt es auf die Kleinstellen im Betrag nicht mehr an, sag ich mal aus Erfahrung.

Auch aus Erfahrung kann ich behaupten, dass während der Programmierung (bei mir) bisher IMMER Rückfragen aufgetaucht sind, aber Bilder helfen dem fachunkundigen Kunden durchaus am meisten, zumindest wird sowas bei der Übergabe der Software oft als positives Feedback erwähnt.
 
Bei größeren Aufträgen kommt es auf die Kleinstellen im Betrag nicht mehr an, sag ich mal aus Erfahrung.

neija, ist die Realität ja leider desöfteren vom Optimum weit weg
da muss dann kostengünstig ne Software umgesetzt werden, sonst geht Firma A zu Firma B, weil die es günstiger machen.
 
neija, ist die Realität ja leider desöfteren vom Optimum weit weg
da muss dann kostengünstig ne Software umgesetzt werden, sonst geht Firma A zu Firma B, weil die es günstiger machen.

Was kosten ein paar platzierte Formulare, Zeichnungen denn? Ein, vielleicht zwei Stunden. Dadurch spart man aber ggf. etliche Stunden, wenn Mißverständnisse sofort zu Beginn ausgeräumt werden.
 
Was kosten ein paar platzierte Formulare, Zeichnungen denn? Ein, vielleicht zwei Stunden. Dadurch spart man aber ggf. etliche Stunden, wenn Mißverständnisse sofort zu Beginn ausgeräumt werden.

ich dachte du sprachst von großen Projekte wo es nicht "auf kleine Summen ankommt".
Da gehen dann deutlich mehr als 2 Stunden für sowas ins Land, nicht zu vergessen die Phase in der ein Manager mit dem Auftraggeber die genauen Funktionen absteckt.
 
Kommt doch immer darauf an, wie es die Firma handhabt. Bei meiner letzten haben wir eine Programmskizze bekommen, die mit dem Kunden ausgearbeitet wurde, da haben die quasi während des Gespräches gezeichnet.

Ich denke es ist je nach Fall unterschiedlich. Wenn zwei Leute einen Deal machen und beide wissen wo von sie reden, brauchen sie auch keine Skizzen und Grafiken. Das mit den Bildern für den Kunden ist eher was für Laien, die von Programmierung nichts verstehen, damit sie ein Bild haben was sie erwartet.
 
Üblicherweise nennt man das "Pflichtenheft". Hier ist die konkrete Spezifikation einer Lösung zu einem Problem/Auftrag enthalten. Wie das im Einzelnen aussieht, kommt darauf an, mit welcher Firma, respektive mit welchem Teil einer Firma man es zu tun hat. Wenn die IT-Abteilung einer Firma Aufträge rausgibt, kann das Pflichtenheft durchaus sehr technisch sein, die IT wirds wohl schon verstehen. Wenn man irgendeinen Bauern hat, der eine IT-Lösung für seinen Laden haben möchte, sollte man die technische Spezifikation so mit Prosa füttern, dass der Bauer es versteht. Besagtes Pflichtenheft ist die Grundlage eines Vertrags.
 
Wenn man irgendeinen Bauern hat, der eine IT-Lösung für seinen Laden haben möchte, sollte man die technische Spezifikation so mit Prosa füttern, dass der Bauer es versteht. Besagtes Pflichtenheft ist die Grundlage eines Vertrags.

Das Thema ist, dass der Bauer nicht genau, weiß wie man ein Pflichtenheft schreibt, keine Ahnung hat und nachher man etwas anderes daraus versteht als er.
Deswegen ging es hierum wie man die Nachbesprechung NACH dem Pflichtenheft mit dem Kunden am effizientesten löst.
 
Bei uns im Unternehmen wird das anders gemacht. Es gibt eine Art Leistungskatalog. Das ist wie eine Broschüre zu verstehen. Dort stehen mögliche Leistungen und ihre Detaillierte Erklärung. Sie sind Bestandteil des AGB Anhangs und in der AGB verankert.

Zum Beispiel könnte das so aussehen:

Leistung/Beschreinung(Erklärung) Preis
KVA: Kostenvoranschlag (Erstellung uns Zusendung eines Kostenvoranschlages an die örtliche Adresse des Intressenten / Auftraggebers) 0,00€
DBKSQL: Konzeption der SQL Datenbank beinhaltet das Konzept (Planung etc...) 29,00€ Stunde


usw... So gibt es hunderte Leistungen die unserer Webseite entnommen werden können. Das sollte jetzt nur einem Beispiel dienen. Manche Leistungen sind auch kostenlos. Zumindest bei einigen Unternehmen. Auch das schreibt man rein. Zum Beispiel Beratungspauschale oder sonst was.


Zusätzlich sollte der Auftrag vom Kunden schriftlich verfasst werden. Oder telefonisch aufgezeichnet werden. (Hierzu braucht man die Zustimmung des Kunden!) Unklarheiten sollten schriftlich bzw. auch wieder nachweisbar besprochen werden. Erst wenn alle Unklarheiten geklärt sind folgt die Erstellung des Kostenvoranschlags

Der Kostenvoranschlag sollte bei einem seriösen Unternehmen kostenlos sein. Der sollte den Preis und die Leistungen beinhalten die wir vom Kunden aufgenommen und verstanden haben. Der Kunde ist nun selbst verpflichtet das ganze zu prüfen. Anbei empfiehlt sich der Auftrag schriftlich nochmals wieder zu geben.

Erst wenn man das schriftliche OKAY des Kunden hat würde ich mit der Arbeit beginnen.

Das an diesem Punkt bereits Arbeit entstanden ist und nicht verdient wurde, wenn der Kunde mit dem Preis nicht einverstanden ist, ist nun einmal für einen guten Service üblich. Auch wenn es in der Programmierung wirklich sehr aufwendig ist. Diese Kosten muss man im Auftrag wieder einholen.

Aber auch wie möchten wenn es auch um was anderes geht Auskunft haben was uns ein Vorhaben kosten würde. Und auch wir bekommen das bei einem Seriösen Unternehmen kostenlos. Egal ob wir was in Auftrag geben oder eine Wohnung streichen lassen wollen. Der Kostenvoranschlag beinhaltet Preis und Leistung!

Dieser Preis und die Leistung ist zu erbringen, auch dann wenn dem Kunden im Mitten des Auftrages alles nicht gefallen würde. Wenn der Kunde unzufrieden ist hat er die bereits geleistete Leistung zu begleichen. Zumindest kann man sich so in der AGB einigen.

Es sollte jedoch in der Bemühung stehen zahlende Kunden zufrieden zu stellen. Und sich vor allem mit Unzufriedenen Kunden einigen auch wenn mal ein Verlust raus springt.

So jedenfalls geht es bei uns ab!

Mit einer sorgfältigen Konzeption würde ich erst dann beginnen wenn das vorläufige rechtliche geklärt ist. Wer nichts schriftlich hat kann auch unter Umständen für etwas haftbar gemacht werden. Zum Beispiel hat man sich geeinigt eine Datei zu löschen. Hinterher behauptet der Kunde das niemals vor gehabt zu haben. Sei es nur darum, dass der Kunde etwas falsch verstanden hat. Jetzt könnte er dich verklagen. Du kannst es ja nicht beweisen wenn du des Kunden Otto nicht hast.

Deshalb wird bei uns nur dann begonnen wenn das rechtliche steht. Und darin ist alles geklärt! Kostenvoranschlag der die Leistung beinhaltet.


Mit einer gewissen Strategie mache ich das zum Beispiel:

1.) Auftrag entgegennehmen
2.) Alle Unklarheiten ausräumen
3.) Auftrag zusammenfassen und prüfen
4.) Kostenvoranschlag erstellen (Leistung)
5.) Antrag und Kostenvoranschlag vom Kunden segnen lassen.
6.) mit der Arbeit beginnen


Konzeption also nur schriftlich! Und da steht einfach das drin was du und der Kunde besprochen habt. Das beinhaltet:

1.) Wo ist was zu machen?
2.) Was ist zu machen?
3.) Eventuell wie ist was zu machen?
4.) Welches Ergebnis ist zu erzielen?
5.) Was ist unbedingt zu beachten?

Mit jeder Änderung oder Arbeit der Kunden sollten diese Fragen geklärt sein.

Als Beispiel Kunde schreibt

Ich möchte, dass sie mir in der index.php die Uhrzeit ausgeben lassen.

Hier ist nur 1.)wo und 2.)was erklärt. Alles anderen Punkte ( 3.) 4.) 5.)) müsste ich deshalb nachfragen! Das erfrage ich dann dem Kunden. Zum Schluss sollte zum Unterzeichnen dem Kunden so etwas vorliegen:

Auf der Startseite (Index.php) soll rechts neben der Grafik XY eine auf JavaScript basierte Uhr die sich fortlaufend bewegt hinzu erstellt werden. Es wird darauf hingewiesen die Uhr muss in den Farben XY sein und darf auf gar keinen Fall die Sekundenanzeige missen. Bei der Umsetzung ist dabei zu achten, dass keine Einschränkung der bisherigen Seite bestehen.

Mit diesem in etwa hätte man sich rechtlich abgesichert. Was zu tun ist ist daraus auch sehr gut zu erlesen. Daraus einen Kostenvoranschlag erstellen und zusammen mit dem Auftrag an den Kunden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Schöner Beitrag! :clap:

[...]Erst wenn alle UnKlarheiten geklärt sind folgt die Erstellung des Kostenvoranschlags
[...]

Dort hast Du dich verschrieben?
Ich denke jetzt kann sich jeder etwas darunter vorstellen.
Allerdings ist dieser Vorgang wirklich nur bei größeren Beträgen wichtig, wenn es um einen kleineren Betrag geht, finde ich es übertrieben diesen, doch nicht zu unterschätzen, Aufwand zu betreiben.