Wirtschaft Kehrseiten der Globalisierung

Also Herr Auer hat vollkommen Recht, in dem er sagt
Nicht wettbewerbsfähig? - "Das ist doch lächerlich"
, aber wie sollen unsere Herrn Politikern sonst noch artikulieren koennen mit mehr Zugestaendnissen an die Unternehmen, wenn der Grund "Arbeitskosten" wegfallen wuerde.
Somit ist es aus der Sicht der Politiker und Wirtschaft doch gut wenn die Presse nur negativ berichtet und wir Einschnitte in das soziale Netz hinnehmen muessen.
 
Hmm, von einer Trendwende der Globalisierung zu sprechen, nur weil einige Unternehmen ihre Produktion aus Osteuropa oder China rückverlagern halte ich doch für übertrieben.

Globalisierung umfasst ja schließlich noch mehr Aspekte als lediglich die Produktion: Da haben wir zum einen den weltweiten Handel auf allen Ebenen (von der Rohstoffgewinnung, bis zu Vor- und Endprodukten, privater Handel), den zunehmende Verwebung von Kapital aus allen Herren Länder oder aber auch die Möglichkeit fast sämtliche Informationen innerhalb weniger Sekunden abzurufen.

Außerdem sollte man anmerken, dass es sich bei den Beispielen um hochspezialisierte Produkte handelt, wo massiv Know-How investiert wurde. Einfaches Plastikspielzeug wird man wohl auch in Zukunft nicht wettbewerbsfähig in Westeuropa produzieren können - und bestimmte Vorprodukte für hochspezialisierte Produkte auch nicht.
 
Was haltet ihr davon, das sich der Trend evtl umzukehren scheint? Offensichtlich scheinen grade für Mittelständler die Nachteile eines Auslandsengagements immer mehr zu überwiegen.

Es gibt Sachen, die sind doch einfach nur logisch und vorrausschaubar.

Ein deutscher Opelmitarbeter braucht nen Jahresgehalt, um sich nen neuen Opel zu kaufen.
Ein polnischer brauchte dafür aber weitaus länger, aber er will auch nur nen Jahr fürs Auto arbeiten, ergo werden Lohnverhältnisse angepasst.

Was ich in meinem Job mitkriege:
Entwicklungsaufgaben werden ausgelagert, aber wie kommen die Entwicklungsergebnisse hin und her?
Genau, da gibts nen System was das automatisch macht, für nen vierstelligen Betrag pro Lizenz und Standort.
Nen Admin braucht man auch, der das betreut.

Also man muss erstmal Geld ausgeben um evtl. was zu sparen.

Und dann gehts los.
Der Partner stellt ein Release termingerecht fertig, Größe 3 bis 4stellige MegaBytes, die dann über abenteuerliche Leitungen hier ankommen. Natürlich mit drei Tagen Verspätung...

Und so weiter und so fort...

Ich kenne wenige Projektmanager, die beim Wort Outsourcing anfangen zu lächeln...

gruss kelle!
 
Was, erst jetzt? 8O Hats so lange gedauert, mit der deutschen Bürokratie in Kontakt zu kommen? ;)

Von der Wiege bis zur Bahre - Akten sind das einzig Wahre! :ugly:

naja ich bin ja erst 17. personalausweis ging ja noch innerhalb von 5 minuten ... aber jetzt hab ich das kreiswehrersatzamt an der backe ... bin vielleicht auch einfach nur zu blöd, den größeren umschlag in den kleineren zu stecken :mrgreen:
dann wollte die bank ausweis hier, auskunft da und bestätigung dort ... und zu guter letzt darf ich 500 seiten gesetzestext lesen und jeden tag änderungen der dnb melden, will ich eine homepage basteln.

achja und dank dem kultusministerium darf ich noch nach einer nicht vorhanden praktikumstelle suchen und den misserfolg mitteilen.

@PN: verstanden, aber erst morgen :mrgreen:
 
Qualität ist das Zauberwort. Die ist in Deutschland nach wie vor gut. In anderen Ländern, jetzt bitte nicht lachen, ist die Arbeitmoral auch nicht so hoch wie hier. Von der Arbeitsqualität ganz zu schweigen.

Ausländische Produkte haben zum Teil einfach eine schlechtere Qualität und das heißt Rennerei, wenn die Ausfallqoute steigt und/oder nachgebastelt werden muss. Ich schreibe zum Teil, weil der 1,99 Euro Radiowecker ja ruhig nach nen 1/2 Jahr kaputt gehen darf und wenn er länger hält, dann ist das ja auch was feines. Man kann ja einfach einen neuen kaufen. Was auf Dauer nicht funktionieren wird, im Ausland bauen, in Deutschland zusammenschrauben und dann raus damit. Ich glaube das funktioniert nicht, obwohl es versucht wird.

Was ich davon halte ?

Jaein. Es ist die Frage der Qualität, die darf gerne hier in Deutschland komplett gefertigt werden und ich bin mir ziemlich sicher das sich Qualität am Weltmarkt auch zu einem teuren Kurs umsetzen lässt. Bei Massenbilligkram darf gern im Ausland produziert, gerne auch gemischt werden. Es können Arbeitsplätze vernichtet, aber auch welche geschaffen werden, wenn Unternehmen die Segel im Ausland setzten und zurück kehren. Hat alles Vor- und Nachteile...
 
Ein polnischer brauchte dafür aber weitaus länger, aber er will auch nur nen Jahr fürs Auto arbeiten, ergo werden Lohnverhältnisse angepasst.

seit wann werden Lohnverhältnisse angepaßt nur weil Arbeiter es so wollen ?

naja ich bin ja erst 17. personalausweis ging ja noch innerhalb von 5 minuten ... aber jetzt hab ich das kreiswehrersatzamt an der backe ... bin vielleicht auch einfach nur zu blöd, den größeren umschlag in den kleineren zu stecken :mrgreen:
dann wollte die bank ausweis hier, auskunft da und bestätigung dort ... und zu guter letzt darf ich 500 seiten gesetzestext lesen und jeden tag änderungen der dnb melden, will ich eine homepage basteln.

ich verneige mich in Ehrfurcht aufgrund Deiner tiefgehenden Erfahrungen mit der Bürokratie :p
 
seit wann werden Lohnverhältnisse angepaßt nur weil Arbeiter es so wollen ?

Zum einen gibts Verhandlungen zwischen Abreitgeber und Arbeitnehmern...

Das andere sind Abwerbeversuche von Konkurrenzfirmen, die Angestellte der einen Firma mit höhren Löhnen nen Wechsel schmackhaft machen wollen.

gruss kelle!
 
Vielleicht mal zum Thema eine kleine Episode aus meiner (weitläufigen) Familie irgendwann in den 60er Jahren. Dieses Beispiel ist weder repräsentativ, noch mustergültig. Aber ich will es trotzdem mal anbringen.

Herr X (in welchem Verwandtschaftverhältnis er zu mir steht, spielt keine Rolle ;) ) lagert die Produktion seiner Firma nach Osteuropa (Polen) aus. Dort erhält er kleinere staatliche Zuschüsse, nicht zuletzt auch deshalb, weil er in einer kleineren Stadt ~ 50 Arbeitsplätze schafft. Die verwendet er auch den Kauf eines Teils eines alten Fabrikgeländes. Die Endfertigung findet dennoch weiterhin in Deutschland statt. Er öffnet die kleine Fabrik und wähnt sich froh, dass er fortan die gleiche Menge für nicht ganz 20% der Lohnkosten in Deutschland produzieren kann. Da nimmt man gern die Transportkosten der Rohteile nach Deutschland und den Devisenumtausch in Kauf.

Gleich im ersten Quartal geht eine recht teure Maschine kaputt. Der polnische Werksleiter ruft aber erst nach 2 Tagen (!) des Stillstandes in Deutschland an und berichtet das "kleine Fauxpas". Sofort werden Techniker hingeschickt, die die Reparatur vornehmen und auf mögliche Sabotage hinweisen.

Fortan wurde besonderes Augenmerk auf die Produktionsstrecke gelegt. 3 Monate verlief alles ohne Zwischenfälle, allerdings lässt sowohl die Qualität, als auch die Quantität der Produkte immer mehr nach. Es kam zu ersten Entlassungen und Neueinstellungen, um die Qualität und Quantität zu gewährleisten. Dennoch pendelte sich sich beides auf ein wirtschaftlich nicht tragbares Niveau ein. Davon abgesehen verlängerten sich die Pausenzeiten der Mitarbeiter im Werk auf fast wundersame Weise auf die doppelte Dauer. Ebenso hatten viele Polen offensichtlich das bisschen deutsch verlernt, das sie bei der Einstellung im Betrieb noch konnten. Fortan hieß es bei (berechtigter) Kritik nur noch "Nix verstehen".

Herr X produzierte dann wieder in Deutschland und findet noch heute immer wieder neue Begriffe für polnische Arbeiter, die mich zum schmunzeln bringen. Auf meine Frage, ob er es nicht noch einmal versuchen würde, weil er vielleicht nur Pech in der Wahl seiner Personalien hatte, und letztlich auch genug Zeit vergangen ist und die damaligen "Arbeiter" inzwischen im Ruhestand sein dürften, wäre Herr X fast zur V1 geworden :D

In Kuba stehen seit den 80er Jahren die Ost-LKWs "W50" am Straßenrand und verrotten. Sind sie kaputt? Jetzt schon, aber sonst: Nein. Sie hatten kein Bezin mehr. Sie kamen aus der DDR, wurden vollgetankt und als das Benzin alle war, wurden sie stehen gelassen. In der Karibik ist ja auch viel zu heiß zum arbeiten und kein Benzin ist auch eine Art von "kaputt".

Und um noch ein aktuelles Beispiel anzubringen: Aus meinem Freundeskreis ist eine Dame derzeit Doktorantin (Biologie). Sie war in Cambridge und ist nun in Schottland. Gelegentlich müssen Tests gemacht werden, die etwa 10 bis 15 Minuten in Anspruch nehmen. Während man in Deutschland und in Cambridge diese Tests nebenbei in der Kaffeepause macht, bewegt sich während der 2-stündigen Mittagspause in Schottland niemand. Im Gegenteil wird sie auf die nächste Woche vertröstet, weil man "so viel zu tun hat" und keine Zeit dafür entbehren könnte. Und während sie in Cambridge einen eigenen Schlüssel für die Labore hatte, darf sie dort nur unter Aufsicht pinkeln gehen - sofern jemand Zeit dafür hat, sie dabei zu beaufsichtigen.

Und mir fiele noch viel mehr ein, das fast ein Buch füllen könnte. Will sagen, es gibt sehr gute Gründe, weiterhin in Deutschland zu produzieren und zu forschen ;)

Gruß,
Photon
 
Dieses Beispiel ist weder repräsentativ, noch mustergültig.
Um deine nicht-repräsentativen Beispiele fortzusetzen ne kleine Geschichte von nem guten Freund von mir:
Besagter Freund studiert momentan Fahrzeugtechnik an der TU Berlin. In diesem Studium ist mindestens ein Werkpraktikum Pflicht, er absolvierte seins vor Studienbeginn bei VW in Wolfsburg.
Dort lernte er die gute deutsche Arbeitsmoral kennen, die scheinbar ebenfalls beinhaltet mal nen Tag lang nichts zu tun (und sich auch nichts zu tun zu suchen) oder mal eben während der Arbeitszeit zwei Stunden auf Klo zu verdrücken, um die BILD zu lesen (war wohl nen extrem langsamer Leser).

Ok, VW ist als halber Staatskonzern wahrscheinlich kein gutes Beispiel, aber solche Geschichten dürften sich vermutlich in jedem Land finden...
 
Um deine nicht-repräsentativen Beispiele fortzusetzen ne kleine Geschichte von nem guten Freund von mir:
Besagter Freund studiert momentan Fahrzeugtechnik an der TU Berlin. In diesem Studium ist mindestens ein Werkpraktikum Pflicht, er absolvierte seins vor Studienbeginn bei VW in Wolfsburg.
Dort lernte er die gute deutsche Arbeitsmoral kennen, die scheinbar ebenfalls beinhaltet mal nen Tag lang nichts zu tun (und sich auch nichts zu tun zu suchen) oder mal eben während der Arbeitszeit zwei Stunden auf Klo zu verdrücken, um die BILD zu lesen (war wohl nen extrem langsamer Leser).
Das nehme ich ja auch gerne so hin. Allerdings könnte ich mir stundenlang das Maul über die Wolfsburger Arbeitsmoral zerfetzen. Ich denke da an Streiks, weil man nun 30 Stunden (nach Abzug der Pausen nur noch 28,8 Stunden!) statt 25 Wochenstunden arbeiten muss. Dabei geht aus dem Werk niemand unter 2.500 Euro brutto raus. Das darf man einem Selbstständigen gar nicht erzählen, der erklärt das VW-Management für irre.

VW ist nach meiner Ansicht das allerschlechteste deutsche Beispiel. Die wenigen Wochenarbeitsstunden waren seinerzeit ein Zugeständnis, weil die Automobilindustrie boomte. Jetzt geht der Umsatz etwas zurück, jetzt wäre es die Pflicht jedes Arbeiters, freiwillig mehr zu arbeiten. Aber so könnten sich die Wolfsburger "Arbeiter" einige Stunden weniger pro Woche an der Nudel spielen, also STREIK. Unfassbar, aber Gott sei Dank ist VW noch lange nicht die Norm und sollte eher als Negativbeispiel für die Kontraproduktivität von Gewerkschaften dienen. Und ob da jemand 1 Stunde oder den ganzen Tag BILD-Zeitung liest, wird wohl auch scheißegal sein ;)

Aber wie dem auch sei - ja, es gibt auch faule Deutsche. Warum auch nicht.

Gruß,
Photon
 
Meiner Meinung nach ist die Diskussion "Gloabalierung- Mehr Nachteile als Vorteile" überflüssig, da sie auch bei dem Ergebnis "die Nachteile überwiegen" nicht aufgehalten werden kann...
 
Ach nee, Du meinst also, Firmen werden weiter fleißig Produktionen ins Ausland verlagern und mit mieser Qualität und nicht eingehaltenen Terminen leben.

Gratulation!

gruss kelle!
 
Ein paar ja und andere eben nicht... Es ist ja nicht so, dass alle Firmen ins Ausland abwandern!
 
Ach nee, Du meinst also, Firmen werden weiter fleißig Produktionen ins Ausland verlagern und mit mieser Qualität und nicht eingehaltenen Terminen leben.
Da bin ich mir sehr sicher. Vielfach sind die Leute, die das entscheiden, so von sich überzeugt und absolut lernresistent, dass die meinen, bei ihnen wäre das alles anders.

Marty