Wirtschaft Gammelfleischskandal lässt Rufe nach härteren Strafen laut werden

Liegt da nicht auch irgendwie das aktuelle Problem? Die Strafen müssen dann auch wirklich verhängt werden, sonst bringt das alles nichts.
Nun ist es ja so, dass am Gammelfleisch Millionenumsätze hängen. Du nimmst 2 Millionen Euro ein und zahlst 50.000 Euro Geldstrafe. Cooler Deal, da lohnt sich der Einstieg in diese "Branche".

Ist doch das gleiche Prinzip wie bei der Schwarzarbeit. Jemand bekommt Hartz IV (kann durchaus 800 Euro sein). Dann noch für 7 Euro/h arbeiten gehen. Im Falle des Erwischtwerdens drohen maximal 3 Monate Sperrung der Leistungen (vorher noch Kürzung etc.). Im schlimmsten Fall also 3x800 Euro sind 2.400 Euro. 2.400 Euro/7 Euro = etwa 343 Stunden. Nach also ungefähr 42 Tagen (knapp 2 Monaten) kann man sich schonmal erwischen lassen, ohne finanzielle Einbußen zu haben. Jeder weitere Tag ohne erwischt zu werden ist bares Geld. Auf der Seite des Arbeitgebers sieht es etwa genauso aus. Erst im Wiederholungsfall drohen dem Arbeitgeber Berufsverbot, aber im Augenblick ist es eigentlich logisch, dass es jeder wenigstens einmal versucht...

Solange die Geldstrafen nicht als Strafen gesehen, sondern fest einkalkuliert werden, ist es ohnehin für den Arsch. Die Gewinne übersteigen die "Strafen" bei weitem, besonders dann, wenn man sich lange Zeit nicht erwischen lässt. Das wäre gleich dem Fall, als würde man Drogenhändler nur finanziell belangen. Dann hätte jeder Dealer immer die Strafe passend dabei...

Im Falle von Gammelfleisch denke ich auch an solche Dinge wie Berufsverbot, Gefängnisstrafen, etc. Es ist vorsätzliche Körperverletzung, mit viel Phantasie auch fahrlässige Tötung (je nachdem wie vergammelt das Fleisch ist...).

Gruß,
Photon
 
Nur mal so als Info: Der Hauptverdächtige hat sich gestern Nacht selbst umgebracht, da er wohl mit dem Druck nicht klar kam.

Ich halte ehrlich gesagt nichts von öffentlicher Brandmarkung - Berufsverbote müssten doch ausreichen.
 
Hier nochmal die DPA-Meldung:

DPA schrieb:
Fleischgroßhändler nimmt sich das Leben

München (dpa) - Ein Großhändler, der als Schlüsselfigur im Münchner Fleischskandal gilt, hat sich am Mittwoch das Leben genommen. Der 74 Jahre alte Hauptbeschuldigte wurde nach Polizeiangaben am frühen Morgen im Keller seines Hauses im Münchner Stadtteil Freimann gefunden.

Es gebe keinen Zweifel, dass der Selbstmord im Zusammenhang mit den Ermittlungen und der Firmenschließung steht, teilten die Behörden mit. Am Mittwoch wurde auch bekannt, dass so genanntes Gammelfleisch aus Bayern vermutlich in acht EU-Staaten geliefert worden sein soll.

Der Polizei zufolge gibt es keinerlei Hinweise auf Fremdverschulden beim Tod des Münchners. Die Ehefrau des Händlers habe gesagt, ihr Mann habe sehr unter dem Medieninteresse in den vergangenen Tagen gelitten. Ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden. Die Ermittlungen der Sonderkommission «Kühlhaus» würden trotz des Todesfalls weitergeführt, hieß es. Gegen einen Fleischhändler aus Passau, der im vergangenen Winter manipulierte Produkte auf den Markt gebracht haben soll, wurde am Mittwoch die Anklage zugelassen.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den Münchner Geschäftsmann ermittelt, weil er große Fleischmengen trotz abgelaufener Haltbarkeit weiterverkauft haben soll. Er selbst hatte zu den Vorwürfen geschwiegen. Der Fall hat eine breite politische Debatte ausgelöst.

Bei der Durchsuchung der Geschäftsräume des Großhändlers waren insgesamt 40 bis 50 Tonnen Fleisch sichergestellt worden, dessen Haltbarkeitsdaten teilweise um vier Jahre überschritten waren. Die Behörden versuchen vor allem zu klären, wohin die fragliche Ware verkauft wurde.

Gammelfleisch aus Bayern ist vermutlich in acht EU- Staaten geliefert worden. Das sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Nach den Angaben besteht der Verdacht für Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Italien und Luxemburg. Dort stellten die Behörden 720 Kilo argentinisches Rindfleisch aus dem betroffenen Betrieb in München sicher. Unklar ist, ob es verdorben sei.

Die Tierschutzorganisation PETA hat am Mittwoch in Rostock für den Verzicht auf Fleisch geworben. Zwei Aktivisten legten sich auf dem Marktplatz blutverschmiert und fast nackt in Schalen, die an Supermarkt-Fleischverpackungen erinnerten, und ließen sich in Klarsichtfolie einwickeln.

Trotz des unappetitlichen Skandals essen 82 Prozent der Verbraucher nach einer Erhebung des Marktforschungsinstituts «OmniQuest» genauso viel Fleisch wie zuvor. 15 Prozent der Menschen verzehren weniger Fleisch, 2,5 Prozent verzichten gänzlich. Die Deutschen kaufen einen Großteil des Fleisches an den Bedientheken der Supermärkte. Das geht aus aktuellen Zahlen der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) in Bonn zu Angebotsformen und Einkaufsstätten hervor. Die Zahlen beziehen sich auf alle Fleischsorten außer Geflügel.

Im ersten Halbjahr 2006 entfielen 54 Prozent der Einkäufe auf loses Fleisch, 42 Prozent auf abgepacktes Frischfleisch und vier Prozent kamen aus der Tiefkühltruhe. Der überwiegende Teil wurde in größeren Märkten gekauft. Der Anteil der Discounter lag im ersten Halbjahr 2006 wie im Vorjahreszeitraum bei 20 Prozent, vor zwei Jahren waren es noch 15 Prozent.
 
Hier nochmal die DPA-Meldung:


druck hin oder her, ich sehe das eher so, er alte hatte sein leben eh hinter sich, wieviel jahre hätte der noch gehabt ?
er hat dicht gehalten hat sich aus der verantwortung gestohlen, und seine kumpane, und helfershelfer gedeckt.

wie schon mehrfach angesprochen, es gibt drastische strafen, nur wenn die richter sowas als bagatelle abtun, und die täter mit minimalen geldstrafen davon kommen, lässt man es gerne auf einen oder mehrere versuche ankommen, dann hat man seine schäfchen im trocken und dann mit dem verdienten geld gut leben.

wenn die namen der betroffen veröffentlicht würden, wäre das mit sicherheit von vorteil, dann kann sich der markt selbst reinigen.

PS: ich esse auch gerne einen döner ;-)
 
Nun ist es ja so, dass am Gammelfleisch Millionenumsätze hängen. Du nimmst 2 Millionen Euro ein und zahlst 50.000 Euro Geldstrafe.
Umsatz ist nicht gleich Gewinn.
Natürlich ist auch Gier dabei. Man sollte aber beachten, dass dieses Gewerbe ein knallhartes Geschäft ist. Trotz Gammelfleisch und trotz der Ausbeutung billigster Arbeistkräften dürfte die Marge ziemlich gering sein. (Ausländische) Konkurrenz, der Kunde, der Geiz geil findet und das Fleisch so billig wie möglich haben will, und enorme Energiekosten machen es nicht gerade zu einem lohnenden Geschäft.
 
Umsatz ist nicht gleich Gewinn.
Natürlich ist auch Gier dabei. Man sollte aber beachten, dass dieses Gewerbe ein knallhartes Geschäft ist. Trotz Gammelfleisch und trotz der Ausbeutung billigster Arbeistkräften dürfte die Marge ziemlich gering sein. (Ausländische) Konkurrenz, der Kunde, der Geiz geil findet und das Fleisch so billig wie möglich haben will, und enorme Energiekosten machen es nicht gerade zu einem lohnenden Geschäft.
Naja, die letztendliche Entscheidung, wirklich kriminell zu werden, wird wahrscheinlich auch mit dem riesigen Konkurrenzdruck fallen. Aber letztlich ist es hier wie überall: Mit der scheiß Globalisierung steigt auch der Konkurrenzdruck immer heftiger an und die ehrlichen Deutschen bleiben erst hinter dem Ausland, dann hinter krminellen Deutschen zurück.

Aber wenn das der Fall ist, dann muss man sich halt nach neuen Betätigungsfeldern umschauen oder Wege finden, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Es kann aber nicht die beste Lösung für Gewinn sein, es auf Kosten des Endverbrauchers auszutragen. Denn ich als Kunde habe ja nicht die Wahl, an der Fleischtheke Frischfleisch für 5 €/kg oder Gammelfleisch für 0,50 €/kg zu kaufen...

Gruß,
Photon
 
bild

Wie das Münchner Kreisverwaltungsreferat mitteilte, waren darunter mehrere Tonnen Döner-Spieße und rund 360 Kilogramm Wild- und Geflügelfleisch. Die Haltbarkeitsdaten waren teils um mehr als vier Jahre überschritten. Das Fleisch sei zum Teil ranzig und alt gewesen und habe muffig gerochen, so ein Sprecher der Münchner Polizei. Die Proben hätten grünlich und Ekel erregend ausgesehen. Am Freitag wurden noch einmal rund 40 Tonnen verdächtiges Entenfleisch entdeckt.

https://www.swr.de/nachrichten/rp/-/id=1682/nid=1682/did=1516800/1kt1cfl/index.html


PS: ich esse auch gerne einen döner ;-)
du bist mutig, ich wünsche einen guten Appetit 8)
 
Ja, die Nachricht war vom 01.09. und du hättest sie ruhig komplett wiedergeben können. Kernsatz ist nämlich:

Ein betroffener Imbiss in Mainz hat das Fleisch sofort vernichtet, als er von der Rückrufaktion des Händlers erfuhr. Lebensmittelkontrolleure haben das inzwischen überprüft.
 
Naja sorichtig kann ich es aber nicht sein lassen... Wenn ich richtig hunger hab, muss mich mir immer ein Dönner zulegen :mrgreen:
 
Ja, sehe ich auch als Bauernopfer. Nun aber mal die Frage: Wer oder was ist wirklich schuld daran und wie kann man es zukünftig verhindern?

Ein Kumpel von mir hatte eine Kneipe. Bei dem war die Hygiene mindestens alle 2 Monate, weil man in der Küche irgendwann mal ein paar Mäusekegel gefunden hat. Seit diesem Zeitpunkt wurde er regelmäßig und peinlich genau überprüft. Und ich finde es richtig! Warum klappt sowas nicht auch in Großbetrieben oder soll es die Schuld eines einzelnen Verantwortlichen bzw. Tierarztes sein?

Gruß,
Photon
 
Hm,

eigentlich werden die Betriebe bereits überprüft. Das schwirren auch Amtstierärtze rum. Ich habe da ja nur ~ ein halbes Jahr bearbeitet, da muß
jedes Kuhfell gemeldet werden.

Aber wenn einer ein Lager unter seiner Garage baut? :roll:
 
Hm,

eigentlich werden die Betriebe bereits überprüft. Das schwirren auch Amtstierärtze rum. Ich habe da ja nur ~ ein halbes Jahr bearbeitet, da muß
jedes Kuhfell gemeldet werden.

Aber wenn einer ein Lager unter seiner Garage baut? :roll:

Der Vorliegende Fall beweißt ja, das weder regelmäßig Kontrolliert wird, noch dass es einem Lager unter der Garage bedarf... ;)
 
Da muß man differenzieren, die Schlachtung wird schon kontrolliert, die Lagerung leider eher nicht.
 
:think: und die Lagerung ist doch das Problem, oder?

Anscheinend. Da muß der Gesetzgeber ran. Wie gesagt, die Kontrollen bei der Schlachtung und bei den "normalen" Lagerung sind vorhanden. Aber es gibt wohl nichts, was den endgültigen Werdegang überprüft.

Edit:
Vielleicht musste sowas passieren? Welcher normale Mensch kommt auch auf die Idee, Fleich 4 Jahre zu lang aufzuheben?
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Dönner-Verschwörung

jetzt kommt es "dick" :mrgreen: , claudia roth - dönnerexpertin der grünen- hat sich in den kampf um den "bio-dönner" eingeschaltet:

https://www.spiegel.de/img/0,1020,700084,00.jpg

Türken wittern Döner-Verschwörung

Von Ferda Ataman

Türkische Medien ranken eine Verschwörungstheorie um den Gammelfleisch-Skandal: Westliche Fastfood-Unternehmer wollen demnach den Döner kaputtmachen - weil man dem Schnellimbiss vom Spieß den Erfolg nicht gönnt. Was in der Branche schiefläuft, ist weniger von Interesse.
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,436828,00.html
 
Warum hackst du denn als auf dem Dönerfleisch herum? (doppeldeutigkeit lässt grüßen :LOL: )

Die letzten Funde waren große Mengen Wild und geflügelfleisch, wenn ich mich nicht irre. Döner ist ein Teilö dexs Problems, nicht die Hauptsache!
 
Warum hackst du denn als auf dem Dönerfleisch herum? (doppeldeutigkeit lässt grüßen :LOL: )

Die letzten Funde waren große Mengen Wild und geflügelfleisch, wenn ich mich nicht irre. Döner ist ein Teilö dexs Problems, nicht die Hauptsache!

weil ich immer lustige artikel dazu lese und du mir ja nicht glaubst, dass die grünen eine spasspartei sind ;)

soweit ich weiß war der größte teil dönnerfleisch und noch dazu schmeckt mir der dönner überhaupt nicht (latschige tomate, salziges brot, dazu dönnerfleisch welches geburtstag feiert:mrgreen: ...)
 
weil ich immer lustige artikel dazu lese und du mir ja nicht glaubst, dass die grünen eine spasspartei sind ;)

Keiner zwingt dich, sie zu wählen... BTW, sie sind grade mal in einem Landtag noch in der Regierungsverantwortung... im aktuellen Fall also sicherlich nicht die maßgebliche Instanz - viel Lärm um nichts, also... :p

soweit ich weiß war der größte teil dönnerfleisch
nö- beim ersten Fund war Dönerfliesch dabei, inzwischen ist es eher ein geringer Teil...


DPA schrieb:
Gammelfleischfunde in Deutschland weiten sich aus

Berlin (dpa) - Gammelfleisch und kein Ende: Nach dem Skandal in Bayern sind Lebensmittelkontrolleure auf weitere Fälle gestoßen, in denen überlagertes Fleisch in Umlauf gelangt ist. Der Fall eines niedersächsischen Großhändlers weitete sich aus: In einer Lagerhalle in Baden-Württemberg tauchten mindestens zehn Tonnen Fleisch auf, das teilweise schon seit 1999 abgelaufen ist. Verdorbenes Fleisch wurden auch in einem Tiefkühllager in Gotha entdeckt. Weitere Fundorte waren auch Würzburg und Rellingen in Schleswig-Holstein.

und noch dazu schmeckt mir der dönner überhaupt nicht (latschige tomate, salziges brot, dazu dönnerfleisch welches geburtstag feiert:mrgreen: ...)

Hat dich schon jemand dazu gezwungen? Du darfst gerne Sauerbraten, Rippchen und Eisbein essen... :ugly: Das feiertz u.U. auch geburtstag, wenn du es im falschen Laden kaufst... :mrgreen: Mahlzeit!!!