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- 25 April 2006
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[N] Der Fall Dejagah: Ein Kommentar
Folgende News wurde am 09.10.2007 um 16:57:52 Uhr veröffentlicht:
Der Fall Dejagah: Ein Kommentar
Boulevard
Folgende News wurde am 09.10.2007 um 16:57:52 Uhr veröffentlicht:
Der Fall Dejagah: Ein Kommentar
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Der deutsche U21-Nationalspieler Ashkan Dejagah weigert sich, zu einem Länderspiel seiner Mannschaft nach Israel zu reisen. Seine iranische Abstammung und damit einhergehende persönliche Gründe seien der Grund für die Absage, wird der Mittelfeldakteur des Bundesligisten VfL Wolfsburg zitiert.
Die schwammigen Auskünfte Dejagahs, aber auch die des sich teilweise selbst widersprechenden Deutschen Fußballbundes lassen reichlich Raum für Spekulationen. Die Gängigste: Ashkan Dejagah fürchtet, er könne den Iran verärgern, wenn er als gebürtiger Teheraner den Boykott seines Herkunftslandes gegen sportliche Wettkämpfe mit Israel durchbräche. Dies könne unangenehme Folgen für ihn oder seine im Iran verbliebenenen Angehörigen haben.
Eine andere Vermutung, die vor allem von ehemaligen Fußballkollegen und Betreuern Dejagahs geäußert wird, ist etwas weniger dramatisch: Ashkan Dejagahs dominanter Vater Mohammad drängt darauf, dass sein in Berlin aufgewachsener und ausgebildeter Sohn sein Können so bald wie möglich der iranischen Nationalmannschaft zur Verfügung stellt, obwohl sich das Interesse des iranischen Verbandes am "Legionär" Dejagah offenbar in Grenzen hält. Ein Auftritt in Israel könnte die Tür für eine Rückkehr endgültig schließen.
Was auch immer die Gründe sein mögen, klar scheint zu sein, dass die Ressentiments des vom Holocaust-Leugner Mahmud Ahmadinedschad angeführten Teheraner Regimes gegen Israel eine nicht unbedeutende Rolle in den Überlegungen des Jungprofis spielen. Genau an diesem Punkt rückt die Frage nach den Beweggründen Dejagahs in den Hintergrund und die Frage nach der Reaktion der deutschen Verantwortlichen in den Vordergrund: Und diese ist kaum nachzuvollziehen. Anstatt festzustellen, dass eine Person, die von solchen Ressentiments direkt oder indirekt gesteuert wird, nicht zu einem sportlicher Repräsentant unseres Landes taugt, dessen Politik eine in jeder Hinsicht Gegenteilige ist, wird vielenorts die "Politisierung" der "persönlichen Entscheidung" Ashkan Dejagahs moniert.
Politisierung des Fußballs? Da war doch was. Bei der WM 2006 schwärmte ein ganzes Land, in welch ein positives Licht ein Fußball-Turnier das Image der Deutschen gerückt hat. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger ist stolz darauf, dass man seit dem ersten Fußball-Länderspiel gegen Israel 1987 Brücken zu schlagen begann, die auf vielen anderen gesellschaftlichen Ebenen schwerer zu erreichen sind. Im Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stellt sich der DFB gerne als ein Vorreiter dar.
Ist vor diesem Hintergrund in einer deutschen Nationalmannschaft Platz für einen Spieler, der sich dem offenbar langen Arm eines Regimes beugen muss, welches Israel nach eigenen Aussagen vernichten will und keine Gelegenheit auslässt, auch Europa und den gesamten Westen als verabscheuenswürdig darzustellen? Die Antwort kann nur nein lauten und es wäre bedauerlich, wenn der DFB seine lobenswerten Beiträge zur Verbesserung der politischen und gesellschaftlichen Landschaft Deutschlands durch verpasstes oder zweideutiges Handeln schmälern würde.
