Depression - Wie geht ihr damit um?

m0rphin

Well-known member
ID: 332664
L
24 Juni 2008
94
4
Hey,

nachdem ich Mitte des Jahres nach einem Nervenzusammenbruch endlich zu einem Arzt gegangen bin, bekam ich die Diagnose angehende Depression, welche allerdings mitlerweile doch recht stark ausgeprägt ist.

Ich selbst merke an mir, dass ich als Mensch immer schwieriger werde und meine Freundin nicht weiß wie sie damit umgehen soll.

Kennt ihr jemanden im Freundeskreis oder euren Parter der an Depression erkrankt ist. Wenn ja, wie geht ihr damit um?

Gruß

m0rphin

Edit: Was vlt. noch zu erwähnen wäre ist, dass ich nun seit ca. 1 Monat in einer Gruppentherapie stecke, aber bisher noch nicht den Mund aufgemacht habe.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi

Ich glaube in erster Hinsicht muss man die Erkrankung mal verstehen, bevor man überhaupt damit umgehen kann.
Z.b kann man das dort nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Depression
Bei mir gibt es auch Leute im Umfeld, die Depressionen haben.
Mit solchen Menschen muss man Geduld haben.
Das ist meine persönliche Erfahrung.

LG
 
Hey,

ich habe gerade zufällig bei Recherchen in eigener Sache, die mit dem Thema eigentlich nichts zu tun haben, einen Blog entdeckt, der sich mit Depressionen beschäftigt und auch einen kleinen Ratgeber für den Umgang mit Depressiven beinhaltet: https://www.depressionsblog.com/blog/umgang-depressive/. Habe sofort an deinen Thread gedacht und einfach mal "Umgang mit Depressiven bei Google eingegeben. Kommt einiges bei rum, solltest du auch mal versuchen bzw deiner Freundin empfehlen.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen. :)

Gruß,
melmel
 
Hey,

erstmal danke für die Antworten. Ähm den Blog kenne ich schon, finde es aber recht schwierig ihgn zu lesen durch die Werbung. Versuch es aber trotzdem. Vlt. gibts ja noch direkt Betroffene die noch Erfahrungen haben.
 
Ich selbst merke an mir, dass ich als Mensch immer schwieriger werde und meine Freundin nicht weiß wie sie damit umgehen soll.
Das Gefühl kenne ich sehr gut. Meine Freundin ist auch zunehmend überfordert mit meinem Verhalten. In einem Moment ist alles noch schön und im anderen Moment komm ich mit der Welt plötzlich nicht mehr klar und meine Freundin weiß natürlich überhaupt gar nicht was los ist - ich auch nicht so wirklich. Mit mir ist dann absolut nichts mehr anzufangen. Sie weiß auch nicht, wie sie mit mir dann umgehen soll.

Wenn du nicht schlafen kannst, kann ich die übrigens Hoggar Night empfehlen. Ist rezeptfrei. Hilft bei mir eigentlich ganz gut, wenn ich nicht schlafen kann.
 
Naja bei mir ist das aktuell beinahe durchgehend, klar wenn ich bei meiner Freundin bin oder auch bei anderen bin, versuch ich mich halbwegs in den Griff zu kriegen. Klappt auch ganz gut, aber lass mich nur ein paar Sekunden alleine sein und es geht wieder bergab.

Bzgl. der Tabletten, habe ich eben gelesen, dass es das morgendliche Aufstehen ein wenig schwierig macht, kannst du das bestätigen?
 
Kann ich nicht bestätigen. Ich bin morgens dann eigentlich immer recht fit, weil ich dann meistens durchschlafe, ohne nächtliches Aufwachen. Hängt wahrscheinlich auch von der Dosis ab. Ich nehme meistens nur eine halbe Tablette.

Hast du schonmal über Anti-Depressiva nachgedacht? Mein Psychologe meinte, dass es eine Möglichkeit wäre. Ich solle es mir bis Dienstag mal überlegen. Bin mir noch unschlüssig...
 
Naja, wie gesagt ich habe bisher in der Gruppentherapie noch nicht geschafft den Mund aufzumachen und etwas über mich zu erählen. Gut ich war auch bis jetzt ganze 3,5 mal da.

Aber prinzipiell vom Gedanken her schon, nur ich kenne ich da nicht aus und bräuchte dann so oder so noch ne Beratung vom Psychologen. Wie soll ich ihn darauf ansprechen?
 
Ich habe seit meinem achten Lebensjahr Depressionen, die lange unerkannt geblieben sind. Jetzt sind sie chronisch. Ich kann eigentlich nur sagen, dass die Dunkelheit ein ständiger Begleiter ist...
 
Wie hast du herausgefunden, dass du seit deinem 8. Lebensjahr depressiv bist? Lässt sich das messen oder hast du das erst in Gesprächen mit Psychologen herausgefunden?
 
Gut dass mit Sicherheit. Evtl. hab ich aber auch doof gefragt, genaugenommen will ich wissen, wie das festgelegt wurde - gab ja bestimmt noch mehrere Ereignisse die auf eine Depression hindeuten können. Irgendwer muss doch, dann festgelegt haben, ab dem Alter war es ca.

Hoffe ich trete dir mit der Frage nicht zu nahe - ich find es einfach interessant.
 
Da hängt ein ganzer Rattenschwanz aus Traumata hintendran.
Ich bin mit einer seltenen erbliche chronischen Nierenerkrankung geboren worden. In der DDR gab es sehr wenige ambulante Dialysezentren, schon für Erwachsene, daher gab es eine Altersgrenze für die Behandlung.

Kinder wurden in Kliniken geschickt und blieben dort bis zur Transplantation, teilweise jahrelang. Ich war anderthalb Jahre in einem Krankenhaus, in dem nicht besonders sensibel mit uns kleinen Patienten umgegangen wurde - unter anderem starb eine der Patientinnen nach der Transplantation, d.h. für die OP und die Nachbehandlung wurde man nach Berlin geschickt und kam dann nach acht Wochen wieder. Sie nicht. Nachdem wir wohl einer Schwester mal wieder mit der Frage nach ihrem Verbleib auf den Nerv gingen, wurden wir mit der brutalen Antwort "Die ist tot, die kommt nicht wieder" abgespeist. Uns wurde nicht erklärt, dass das die Ausnahme ist. Daher waren wir - auch ich halt - überzeugt, dass wir sterben müssten, sollten wir zur Transplantation nach Berlin kommen.

Nachdem ich dann dort hinkam und die OP gelaufen war, waren zwar die Blutwerte einwandfrei, ich jedoch völlig traumatisiert und vollkommen davon überzeugt, dass ich sterben müsste, was dann auch beinahe passiert wäre. Irgendwann haben mich die Schwestern in meine Klamotten gesteckt und mitsamt den ganzen Schläuchen durch die Station gejagt - das hat dann geholfen.
 
Hast du schonmal über Anti-Depressiva nachgedacht? Mein Psychologe meinte, dass es eine Möglichkeit wäre. Ich solle es mir bis Dienstag mal überlegen. Bin mir noch unschlüssig...

Ich kann nur sagen: versuch es bitte.
Meine Erfahrungen mit meinen Patienten sind wirklich gut.
Die Wirkung setzt meistens nach etwa 2 Wochen ein. Die Medikamente werden in der Regel gut vertragen. Die Stimmung ist um einiges besser und somit steigt die Lebensqualität für dich und dein Umfeld.

Naja, wie gesagt ich habe bisher in der Gruppentherapie noch nicht geschafft den Mund aufzumachen und etwas über mich zu erählen. Gut ich war auch bis jetzt ganze 3,5 mal da.

Aber prinzipiell vom Gedanken her schon, nur ich kenne ich da nicht aus und bräuchte dann so oder so noch ne Beratung vom Psychologen. Wie soll ich ihn darauf ansprechen?

Dein Psychologe müsste eigentlich von allein drauf kommen.
Aber ich habe im Moment eine schwere MS Patientin der es nicht gut geht, sie ist schon seit Jahren bei einem in Behandlung, der will ihr dienicht verschreiben. Wir haben ein Konsil von einem Psychologen von auswärts angefordert und der hat nach langen Gesprächen zu ihr gemeint das so ein Medikament äußerst wichtig für sie ist. Seit dem bekommt sie es, und ihr Hausarzt kann es ihr nun auf Grund eines Entlassungsbriefes der die Information enthält, auch verschreiben.
Sprich das Thema einfach mal an.
Vielleicht ist dein Psychologe auch gehemmt, denn viele Patienten winken ab und glaube das man sie in eine Schublade der "Verrückten" steckt.

@Schwarzdrossel
echt bitter die Geschichte, aber sie kommt mir sehr bekannt vor :( das war einfach üblich.
Selbst heute ist Feingefühl bei Schwestern und Pflegern nicht immer vorhanden.
 
@DragonLilly

Naja nur dazu müsste ich was in der Gruppentherapie erstmal sagen über mich, oder meinst nicht DragonLilly? Das fällt mir noch irgendwie schwer überhaupt ein Wort rauszubekommen.

@Schwarzdrossel

Wow, das ist echt krass. Darauf weiß ich grad nichts zu sagen.

@Marvek

Aber dazu müsste man erstmal den Antrieb finden und das klappt leider nicht so wie ich es gern hätte.
 
@Schwarzdrossel
echt bitter die Geschichte, aber sie kommt mir sehr bekannt vor :( das war einfach üblich.
Selbst heute ist Feingefühl bei Schwestern und Pflegern nicht immer vorhanden.

Ja, das stimmt leider, aber auf dieser Station war es extrem. Und in Berlin war es ganz anders, dort wurde der Beweis geführt, dass man Kinder durchaus als gleichberechtigt in ihrer Behandlung behandeln kann....

Was die Medikamente angeht... ich bin da immer unsicher. Ich denke, wenn ich wollte, würde ich solche kriegen, aber ich habe Angst vor dem Suchtpotential...

MS sucks.
 
@DragonLilly

Naja nur dazu müsste ich was in der Gruppentherapie erstmal sagen über mich, oder meinst nicht DragonLilly? Das fällt mir noch irgendwie schwer überhaupt ein Wort rauszubekommen.

Du solltest vielleicht mit deinem Psychologen sprechen, denn vielleicht ist die Art der Therapie nicht die richtige für dich.
Ich selbst hätte ja schon ein Problem damit vor anderen meine Probleme darzulegen, von daher kann ich schon verstehen das du gehemmt bist.

....

Was die Medikamente angeht... ich bin da immer unsicher. Ich denke, wenn ich wollte, würde ich solche kriegen, aber ich habe Angst vor dem Suchtpotential...

Suchtpotential steckt in fast jedem Medikament.
Man sollte bei so etwas immer abwägen und den Erfolg oder Misserfolg gegenüberstellen.
Eine Absprache mit dem Arzt ist immer wichtig und auch die Beobachtungen und Wahrnehmungen der Umgebung ( Familie und Freunde) und deine eigene .
Das alles gibt Aufschluß darüber, ob das Präparat geeignet ist oder nicht. Und ensprechend sollte behandelt werden, und in den meisten Fällen ist es auch so.

Was für den einen gut ist und sich bewährt hat, muß nicht für alle anderen auch gelten.
 
Depris, mein "Lieblings"thema vor einigen Jahren :ugly: ...

Was die Medikamente angeht... ich bin da immer unsicher. Ich denke, wenn ich wollte, würde ich solche kriegen, aber ich habe Angst vor dem Suchtpotential...
Zu Medis kann ich auch was sagen. Bei mir hatte es übrigens 4-5 Wochen gedauert, bis ich eine Wirkung gespürt habe. Außer anfangs heftige Nebenwirkungen, aber die sind nach einiger Zeit komplett verschwunden. Mir haben Medikamente wirklich geholfen. Anfangs hatte ich auch Probleme, auch rein krankheitsbedingt ("ich bin nicht krank, ich bin einfach nur ... schlecht, minderwertig, und ich verdiene es gar nicht, dass es mir besser geht", die üblichen Gedanken eben). Also ich die Medis dann nahm, fühlte ich mich irgendwie auch abhängig, weil ich ja merkte, dass sie helfen. Ich dachte: "wenn ich sie nicht mehr nehme, stürze ich wieder ab, also brauche ich sie - unbedingt". Irgendwann verschwanden die Gedanken einfach, und ich begann sogar, die Einnahme zu vergessen. In Absprache mit dem Arzt habe ich sie dann abgesetzt (langsam!, wichtig, genauso ausschleichen wie einschleichen), und ich bin nicht abgestürzt. Da merkte ich dann, dass ich gesund wurde.

Wenn man andere Krankheiten hat, Diabetes, Bluthochdruck, irgendwas, nimmt man auch Medikamente, weil sie helfen und einfach notwendig sind, um Symptome oder sogar die Krankheitsursache zu bekämpfen. Eine ähnlich pragmatische Herangehensweise habe ich auch bei Depri-Medikamenten: man ist krank, und die Medis helfen, die Symptome zu lindern, dass man sich gesünder fühlt. Warum sich also quälen? Wenn die Krankheit das Denken und Fühlen, die "Persönlichkeit" ändert, dann ist es legitim, Medikamente zu nehmen, die genau das zu verhindern, also wieder mehr "man selbst" zu sein. Das war und ist mein Argument gegen "Psychomedikamente sind böse, weil sie den Menschen verändern". Denn das tut die Krankheit ja ebenso.

Zur Ausgangsfrage in diesem Thread schicke ich dir (@m0rphin) per PN ein paar Links ;)
 
Vielen Dank Mone, auf deinen Blog bin ich auch schon gestoßen. Das Forum kannte ich allerdings noch nicht. Werde mir es heute im laufe des Tages mal anschauen.

Ansonsten, kurz zusammengefasst wie sind deine Mitmenschen mit dir umgegangen?