News Dachverband der Türkischen Gemeinden:"Teilhabe statt Integration"

Das entspräche aber glaube ich nicht der gängigen Interpretation von sozialer Assimilation. In Bezug auf Sprache wäre Assimilation von Immigranten zB das Übernehmen der Landessprache bei gleichzeitiger Aufgabe der Muttersprache. Integration wäre hier eher das (zwingend notwendige) Erlernen der Landessprache ohne Aufgabe der Muttersprache.

Na gut, bei sozialer Assmilation hat man ja immernoch die Unterscheidung von Majoritäten und Minoritäten. Und da bleibt es ja auch nicht aus, dass sich meist die Minderheit im Sprachlichen der Mehrheit anschließt im Sinne der Anpassung, Angleichung. Und doch bleibe ich (noch) dabei, dass bei Assimilation die Kultur der Minderheit gegenüber der Dominanzkultur bestehen bleiben kann, und nicht aufgegeben werden muss. So wie es von vielen Türken in Deutschland ja auch praktiziert wird: In der Gesellschaft wird Landessprache gesprochen, daheim die Muttersprache.

Gruß, Poo
 
Zuletzt bearbeitet:
[...] Integration heißt in meinem Verständnis etwas ähliches: Zwei Dinge schließen sich zu etwas Neuem zusammen. Unterschied hierbei ist, dass die ursprüngliche Basis neu definiert wird und demnach nicht mehr existent ist. Übertragen auf die Türken in Deutschland, würde es bedeuten, dass ihre Basis (türkisch, nicht deutsch) nicht mehr in ihrem eigentlichen Sinne vorhanden bleibt.

Aber ist es nicht gerade das Erstere, was gefordert wird?
Nein. Wenn (im technischen Sinne) ein Modul in ein bestehendes System integriert wird, so bleibt das System das Gleiche, wird jedoch um die Einschaften des Moduls erweitert und ergänzt. Die Basis ist jedoch die Gleiche. Wird etwas assimiliert, so verliert das Modul vollständig seine Eigenschaften und gleicht sich der Basis an.

Überträgt man diese Definition in unsere Gesellschaft, passiert weder noch. Es scheint so, als wollte man ein zweites System im ersten System etablieren oder nebenher installieren. Da die Gefahr besteht, dass dabei das etablierte System Schaden nimmt oder sogar mittel- oder langfristig ganz zerstört wird, könnte man im softwaretechnischen Sinne von einem "Virus" oder einem "Bundestrojaner" sprechen :)

[...] Beim dritten lässt sich wieder streiten, was unter Anpassungsbereitschaft zu verstehen ist.
Für eine Erläuterung wäre ich sehr dankbar :)
Na machen wir es anhand von Beispielen:

In Spanien sieht man es nicht gern, wenn man barbusig am Strand liegt. Touristen kümmert es allgemein wenig, aber wenn man dort leben möchte, muss man halt auf seinen FKK-Kult verzichten. Oder in Deutschland bleiben.

In Thailand ist es ungern gesehen, wenn dort Frauen und Männer ohne Beinbekleidung herumlaufen. Auch hier scheißen die Touristen drauf, Weiber tragen ihre Brüste fast offen zur Schau. Will man dort leben, muss man sich nunmal mit Hosen eindecken bzw. Frauen sollten länge Röcke tragen.

In Singapur war (oder ist) das Kauen von Kaugummis verboten. Will man dort cool aussehen, muss man auf Trockenfleisch kauen. Wer dennoch nicht auf Kaugummis verzichten möchte, muss sie entweder heimlich in den eigenen 4 Wänden kauen oder muss auf den "Cool-Sein-Faktor" verzichten.

In Deutschland verprügelt und misshandelt man keine Rentner. Wer dies tun möchte, kann es gern in seinem Kameltreiberdorf tun, hier wird sowas nicht gern gesehen. Auch ist hier das Verzehren von Angehörigen verboten.

Gibt noch viel mehr Beispiele, die sind mir nur spontan eingefallen. Alles steht nicht unter Strafe, wenn es nicht getan wird. Aber wenn man in einem Land leben will, dann sollte man sich wenigstens in diesen kleinen Punkten anpassen können. Tut man es nicht, wird man von den Einheimischen gemieden oder sogar gemobbt. Das passiert überall auf der Welt gleich. In Deutschland jedoch nennt man das dann "Rassismus" :ugly:

Gruß,
Photon
 
Und doch bleibe ich (noch) dabei, dass bei Assimilation die Kultur der Minderheit gegenüber der Dominanzkultur bestehen bleiben kann, und nicht aufgegeben werden muss.

Naja das ist letztendlich ein Streit um Begrifflichkeiten. Assimilation ist bereits negativ konnotiert, wenn nun auch noch Integration indirekt als eine Zumutung für Immigranten dargestellt wird, haben wir wie gesagt ein Problem. Da sollte der Dachverband türkischer Gemeinden sich überlegen, wo das hinführt.
 
(...) Assimilation ist bereits negativ konnotiert, wenn nun auch noch Integration indirekt als eine Zumutung für Immigranten dargestellt wird, haben wir wie gesagt ein Problem. Da sollte der Dachverband türkischer Gemeinden sich überlegen, wo das hinführt.

Genau darin sehe ich auch ein Problem. Erst wird gewarnt: Assimiliert euch nicht, sondern integriert euch. Jetzt heißt es: keine Integration, sondern Teilhabe.
Mal sehen, was als Nächstes kommt. :ugly:

Gruß, Poo
 
Genau darin sehe ich auch ein Problem. Erst wird gewarnt: Assimiliert euch nicht, sondern integriert euch. Jetzt heißt es: keine Integration, sondern Teilhabe.
Mal sehen, was als Nächstes kommt. :ugly:
Hmm, "keine Teilhabe", sondern "unterwandert das Land!" ? :LOL:

Gruß,
Photon
 
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Gibt noch viel mehr Beispiele, die sind mir nur spontan eingefallen. Alles steht nicht unter Strafe, wenn es nicht getan wird. Aber wenn man in einem Land leben will, dann sollte man sich wenigstens in diesen kleinen Punkten anpassen können. Tut man es nicht, wird man von den Einheimischen gemieden oder sogar gemobbt. Das passiert überall auf der Welt gleich. In Deutschland jedoch nennt man das dann "Rassismus" :ugly:

Gruß,
Photon

Du hast kein Beispiel im Bezug auf Deutschland genannt, in dem Immigranten für heimische Traditionen gemieden werden, falls sie sich nicht anpassen.

Und erzähl mir nicht, Gewalt gegenüber Rentnern oder Kannibalismus sei ein Problem unter Immigranten.
 
Du hast kein Beispiel im Bezug auf Deutschland genannt, in dem Immigranten für heimische Traditionen gemieden werden, falls sie sich nicht anpassen.
Das habe ich eigentlich auch bewusst vermieden, weil es immer nur zu gern falsch verstanden wird. Außerdem ist Deutschland weit "toleranter" als manch ein anderes Land, hier ist eher die Sprachbarriere das vorrangige Problem.

Konkret gesagt, dass man hier Geschäfte eröffnet, in denen die Ware nicht mehr in der Landessprache ausgezeichnet und beschrieben werden. Folglich auch kein Deutscher dort Waren kaufen will und kann.

Hier ist es auch sehr häufig zu beobachten, dass gerade in Gegenden mit hohem Migratenanteil Müll auf den Straßen liegt und die Hausflure vollständig verdreckt sind. In Deutschland haben wir eine Müllabfuhr und Mülleimer.

In Deutschland gibt es ein Vermummungsverbot, jedoch zählt die Kleidung von Muslimen nicht darunter. Das mag religöse Ursachen haben, aber hier darf auch nicht jeder Inder sein Swastika zeigen. Was mich zu der Frage führt, wer wen eigentlich integriert. Durch diese offensichtliche andersartige Kleidung entstehen auch oft Barrieren.

Das nur für's erste. Allgemein ist jedoch zu beobachten, dass sich häufig bewusst fehlverhalten wird. Trotz Rauchverbote in öffentlichen Verkehrsmitteln wird doch dort gelegentlich geraucht und sich darauf verlassen, dass sich niemand traut, ein Wort zu sagen. Wird offenkundlich Missachtung für Deutschland bekundet, unter anderem durch Redewendungen wie "Scheiß Deutscher!". Werden kulturelle Einrichtungen bewusst gemieden. Kurz: Man gibt sich häufig alle Mühe, nichts mit den "Scheiß Deutschen" zu tun zu haben. Gleichzeitig werden von diesen Personen jedoch gern Sozialleistungen der "Scheiß Deutschen" in Anspruch genommen.

Um es noch zu ergänzen: Ich habe das gerade eben gewissermaßen in "Koproduktion" geschrieben. Hatte gerade ein paar Freundschaften hier gehabt und am Telefon. Scheint also inzwischen zum Stereotypus geworden zu sein oder wenn man so will ein Klischee.

Gruß,
Photon
 
Hier ist es auch sehr häufig zu beobachten, dass gerade in Gegenden mit hohem Migratenanteil Müll auf den Straßen liegt und die Hausflure vollständig verdreckt sind. In Deutschland haben wir eine Müllabfuhr und Mülleimer.

Das hat wohl eher mit dem sozialen Status zu tun als mit der Herkunft.

Allgemein ist jedoch zu beobachten, dass sich häufig bewusst fehlverhalten wird. Trotz Rauchverbote in öffentlichen Verkehrsmitteln wird doch dort gelegentlich geraucht und sich darauf verlassen, dass sich niemand traut, ein Wort zu sagen. Wird offenkundlich Missachtung für Deutschland bekundet, unter anderem durch Redewendungen wie "Scheiß Deutscher!". Werden kulturelle Einrichtungen bewusst gemieden. Kurz: Man gibt sich häufig alle Mühe, nichts mit den "Scheiß Deutschen" zu tun zu haben. Gleichzeitig werden von diesen Personen jedoch gern Sozialleistungen der "Scheiß Deutschen" in Anspruch genommen.

Ja, diese Erfahrungen habe ich leider auch gemacht. Ist sicher nicht auf alle türkischen und arabischen Migranten hochzurechnen, aber dieses Verhalten ist bei dieser Gruppe der Migranten eklatant höher als bei anderen. Da braucht man nicht groß drum herumreden.
 
Ich hab vorgestern zwei interessante sachen gehört und gelesen.

Das erste war in einer Spiegel-Ausgabe von Mitte Februar, da ging es um die Familie der Opfer von Ludwigshafen in einem kleinen Ort der Türkei.
Die sagten sinngemäß etwas in der Richtung von "Wenn wir hier keine Arbeit usw finden, dann gehen wir nach Deutschland. Da gibt es wenigstens Sozialhilfe."

Das zweite war im TV bei Fakt ist auf MDR:
Da ging es gar nicht um dieses Thema der Integration, sondern um den SPD-Eklat und die LINKE usw.
Und da sagte dann ein Herr, ich weiß seinen Namen nicht mehr,
"150.000 Deutsche (aus der Ober- und Mittelschicht) sind letztes Jahr ausgewandert. Und 150.000 + x Menschen sind aus dem nahen Osten, Türkei, und ähnlichen Ländern zu uns gekommen."

Ist das nicht toll, die, wie dieser Herr es genannt hat "Elite" läuft uns weg, weil ihnen Deutschland zu teuer/schlecht/sonstwas geworden ist, aber es kommen immer mehr Leute rein, für die Deutschland eine Verbesserung (Hartz 4 usw) darstellt.
Die Bilanz zwischen Steuerzahlern und Leistungsempfängern könnt ihr euch ja selbst ausrechnen.
 
[...] Ist das nicht toll, die, wie dieser Herr es genannt hat "Elite" läuft uns weg, weil ihnen Deutschland zu teuer/schlecht/sonstwas geworden ist, aber es kommen immer mehr Leute rein, für die Deutschland eine Verbesserung (Hartz 4 usw) darstellt.
Die Bilanz zwischen Steuerzahlern und Leistungsempfängern könnt ihr euch ja selbst ausrechnen.
Ja, es ist sehr traurig, dass die Menschen auch in schlechten Zeiten nicht zu ihrem Land stehen und gleichzeitig das Land noch mehr Bürde von unseren "Volksvertretern" aufgelegt bekommt. Eine Schande ist das, aber naja, die nächste Wahl kommt bestimmt :)

bennsenson schrieb:
Das hat wohl eher mit dem sozialen Status zu tun als mit der Herkunft.
Ausschließlich mit dem sozialen Status, keine Frage. Aber aus welchen Regionen der Herkunftsländer kommen denn die meisten Migranten? Es hat einen guten Grund, weswegen beispielsweise die Türkei niemanden so wirklich zurück haben will und lieber aus der Ferne winkend Brüderlichkeit verspricht.

Bei einem türkischen Anwalt aus meinem Bekanntenkreis wird man kaum mehr bemerken, dass er Türke ist und erst vor 30 Jahren hergezogen ist, wo er noch kein Wort deutsch konnte. Er spricht heute einwandfreies deutsch, unterhält sich mit seinen Nachbarn, seine Frau und Kinder sind allesamt Muslime ohne Kopftuch und sprechen ebenfalls lupenreines Deutsch, an dem sich mancher Deutscher ein Beispiel nehmen könnte. Und nebenbei schimpft er genauso auf die "Kannacken aus Neukölln", wie seine Nachbarn es tun. Bis auf die Haarfarbe in Verbindung mit dem Oberlippenbart erkennt man eigentlich überhaupt nicht mehr, woher er ursprünglich kam. Was meinste, wie es ihn ankotzt, dass sich seine "ehemaligen Landsleute" wie die Sau benehmen? Deckungsgleich mein KfZ-Schlosser, der am liebsten alle persönlich rausschmeißen würde, die sich nicht benehmen können.

Vielleicht sollten unsere "Volksvertreter" den jeweiligen Landsleuten mal freie Hand lassen?! :)

Gruß,
Photon
 
Das habe ich eigentlich auch bewusst vermieden, weil es immer nur zu gern falsch verstanden wird. Außerdem ist Deutschland weit "toleranter" als manch ein anderes Land, hier ist eher die Sprachbarriere das vorrangige Problem.

Keine Sorge, ich habe meine Forderung nach einem Beispiel nicht gestellt, um dir dann die Worte im Mund umzudrehen und dir vorzuwerfen du seist intolerant :)

Photon schrieb:
Konkret gesagt, dass man hier Geschäfte eröffnet, in denen die Ware nicht mehr in der Landessprache ausgezeichnet und beschrieben werden. Folglich auch kein Deutscher dort Waren kaufen will und kann.

In dem Punkt stimme ich dir voll und ganz zu, auch wenn es bei mir in der Gegend solche Fälle nicht gibt. Ich kenne einen Karadag-Supermarkt in Köln, in dem ich immer das Gefühl habe unerwünscht zu sein, da mich die Blicke der Angestellten vom Eingang bis zur Kasse verfolgen (dabei ginge ich vermutlich noch eher als Türke durch als die meisten Deutschen die dort einkaufen).
Dazu kommt, wie du bereits sagst, dass die Ware tatsächlich fast ausschließlich nur auf Türkisch beschriftet ist (bis auf den Preis natürlich).
Ich weiß nicht, wie es in den türkischen oder arabischen Supermärkten in deiner Umgebung ist, jedoch sprechen 95% des Personals im besagten Supermarkt recht gutes Deutsch, wodurch die türkische Beschriftung nicht unbedingt hinderlich ist.
Dennoch würde ich mir wünschen, dass die Ware auch auf Deutsch beschildert ist.

Photon schrieb:
In Deutschland gibt es ein Vermummungsverbot, jedoch zählt die Kleidung von Muslimen nicht darunter. Das mag religöse Ursachen haben, aber hier darf auch nicht jeder Inder sein Swastika zeigen. Was mich zu der Frage führt, wer wen eigentlich integriert. Durch diese offensichtliche andersartige Kleidung entstehen auch oft Barrieren.

Ich habe, sofern ich mich erinnern kann, noch keine Frau muslimischen Glaubens mit Burka in Deutschland gesehen.
Wobei das eben auch von der Größe der Stadt abhängig sein kann.
Bei dir in Berlin ist es logischerweise wahrscheinlicher, mehr solcher Fälle anzutreffen, als in Aachen oder Jülich.
Kopftücher sieht man auch hier recht häufig, doch entsteht dadurch für mich nicht unbedingt eine Barriere, was aber auch daran liegen kann, dass eine gute Kindheitsfreundin ebenfalls ein Kopftuch trägt. Und nach 10 Jahren Nachbarschaft, gemeinsamen Schulwegs und guter Freundschaft gewöhnt man sich eben daran. Vor allem dann, wenn man positive Erfahrungen mit diesem Menschen macht.

Photon schrieb:
Das nur für's erste. Allgemein ist jedoch zu beobachten, dass sich häufig bewusst fehlverhalten wird. Trotz Rauchverbote in öffentlichen Verkehrsmitteln wird doch dort gelegentlich geraucht und sich darauf verlassen, dass sich niemand traut, ein Wort zu sagen.

Solches Verhalten sehe ich tagtäglich bei Deutschen Jugendlichen, als auch Erwachsenen.
Wo wir schon beim Rauchverbot sind: In dem Krankenhaus, wo ich meinen Zivildienst ableiste, gilt seit kurzem ein Rauchverbot auf dem kompletten Gelände, so wie in allen Räumlichkeiten.
Was tun die Schwestern, Azubis und Praktikanten? Sie rauchen auf der Toilette des Arztzimmers.

Und auch hier glaube ich, dass es ein wohnortspezifisches Problem sein kann.
Da man in einer Großstadt, wie Berlin, wesentlich mehr "ungezogene" Jugendliche ausländischer Herkunft findet, als in einem "Kaff", wie Jülich.

Photon schrieb:
Wird offenkundlich Missachtung für Deutschland bekundet, unter anderem durch Redewendungen wie "Scheiß Deutscher!". Werden kulturelle Einrichtungen bewusst gemieden. Kurz: Man gibt sich häufig alle Mühe, nichts mit den "Scheiß Deutschen" zu tun zu haben. Gleichzeitig werden von diesen Personen jedoch gern Sozialleistungen der "Scheiß Deutschen" in Anspruch genommen.

In diesem Punkt muss ich dir wieder zustimmen, wobei das unabhängig davon ist, dass es um Immigranten in Deutschland geht.
Mich stört es prinzipiell, wenn Menschen eine relativ hohe Chancengleichheit, wie sie in Deutschland herrscht, oder die ihnen gebotene Vielfalt an Möglichkeiten sowie ein gesichertes Existenzminimum nicht zu schätzen wissen.
Ebenso habe ich ein Problem mit absolut unberechtigter Respektlosigkeit gegenüber anderen Kulturen. Natürlich hat jede Nation ihre Schwächen (genauso wie ihre Stärken), aber solche Äußerungen sind in meinen Augen einfach nur verachtenswert.

Sicher macht man als Ausländer auch schlechte Erfahrungen.
Auch ich wurde mal in Aachen am Bahnhof angepöbelt und mit einem Baseballschläger bedroht oder aufgrund meiner Herkunft benachteiligt, doch würde ich niemals so verächtlich, vor allem nicht so verallgemeinernd, über Deutschland reden.
Allein das Bewusstsein, dass ich das Leben, was mir hier ermöglicht wurde und wird, in Indien so nie hätte führen können, zeigt mir jeden Tag aufs Neue, dass ich mich glücklich schätzen kann, hier zu leben und sehr hohe Akzeptanz zu erfahren.


So, jetzt schlag ich mir den Bauch voll!
hmm... feine Tomatensuppe^^
 
[...] Ich weiß nicht, wie es in den türkischen oder arabischen Supermärkten in deiner Umgebung ist, jedoch sprechen 95% des Personals im besagten Supermarkt recht gutes Deutsch, wodurch die türkische Beschriftung nicht unbedingt hinderlich ist.[...]
Türkische oder arabische Supermärkte kenne ich nicht, was nicht heißen soll, dass es sie inzwischen nicht doch gibt. Ich dachte eher an kleinere Läden, wo meist Teppiche, Gold, Obst und Gemüse, Döner und dergleichen verkauft werden. Viele Geschäfte haben eine große fremdländische Werbung über der Ladentür und im Schaufenster steht viel Zeug rum: Angefangen von der Wasserpfeife über Teppiche bis hin zu zu irgendwelchen Klamotten. Du, die könnten da drin Bomben verkaufen und im Schaufenster werben: "Bombengürtel heute zum halben Preis" und kaum jemand würde es merken. Auf der Karl-Marx-Straße (Neukölln, große und lange Geschäftsstraße) gibt es einen Abschnitt, da findest Du weit und breit kein deutsches Wort mehr. Entsprechend keine deutschen Anwohner oder Kunden. Wer fliegt schon noch im Sommer in die Türkei, wenn das "Paradies" so nah sein kann? :D

Ich habe, sofern ich mich erinnern kann, noch keine Frau muslimischen Glaubens mit Burka in Deutschland gesehen.
Ich kann Dir ja mal ein paar Fotos machen, hier gibt es genug davon.

[...] Kopftücher sieht man auch hier recht häufig, doch entsteht dadurch für mich nicht unbedingt eine Barriere, was aber auch daran liegen kann, dass eine gute Kindheitsfreundin ebenfalls ein Kopftuch trägt.
Nein, nicht das Kopftuch stellt die Barriere her, sondern die Tatsache, dass die Trägerinnen meist im Rudel, immer jedoch zu zweit auftauchen und sich in einer fremdländischen Sprache unterhalten. Gleiche Kleidung hat immer einen Touch von Uniformierung, also sich unterscheiden wollen von anderen. Was im Krieg durchaus einen Sinn hat und auch bei verschiedenen Gruppierungen seinen Zweck erfüllt, ist hier eher hinderlich. Niemand stört sich am Kopftuch, weil es ein Tuch ist, das auf dem Kopf getragen wird. Sondern wegen seines uniformierenden Charakters.

Solches Verhalten sehe ich tagtäglich bei Deutschen Jugendlichen, als auch Erwachsenen.
Natürlich benehmen sich nicht alle Deutschen, wie Knigge es einst wünschte. Aber an der Stelle mal die Frage, weil Du weiter unten im Beitrag es auch nochmal betont hast: Wie fühlst Du Dich? Also nicht gesundheitlich, sondern von der Zugehörigkeit her. Wenn Du, sagen wir mal in Kuba Urlaub machst und Du wirst gefragt, was Du für einer bist - was sagst Du? Sagst Du: "Ich bin Deutscher" oder sagst Du: "Ich bin Deutscher, komme aber aus Indien"? Oder sagst Du: "Ich bin Inder, der Deutschland lebt."?

Verstehst Du, was ich meine? Von sehr vielen Türken in Berlin würde ich als erste Antwort erwarten: "Ich bin Türke, wohnhaft in Berlin". Das ist weder Teilhabe, noch Integration, noch Assimilation. Das ist am ehesten Unterwanderung, weil sie nicht mal das Land verlassen wollen. Du machst mir auch nicht gerade den Eindruck, als hättest Du Probleme mit der deutschen Sprache und wie ich lese, hast Du auch kein Identifikationsproblem. Warum solltest Du also kein Deutscher sein? Ein Deutscher ist für mich nicht der, der den deutschen Pass hat. Den bekommt man inzwischen fast hinterher geschmissen. Deutscher ist für mich der, der zu seinem Land und dessen Kultur steht und sich mit diesem identifiziert. Da ist es mir scheißegal, welchen Pass er in der Tasche hat.

Und auch hier glaube ich, dass es ein wohnortspezifisches Problem sein kann. Da man in einer Großstadt, wie Berlin, wesentlich mehr "ungezogene" Jugendliche ausländischer Herkunft findet, als in einem "Kaff", wie Jülich.
Hier findest Du auch mehr "ungezogene" Deutsche als in einem Kaff. Aber das Problem ist die Masse an sich. Wenn in einer Kleinstadt 3 türkische Familien mit dem Rest vom Dorf nix zu tun haben wollen, dann eben nicht. Dann sagen die Leute: "Naja, die machen ihr Ding, wir unseres und gut". Kurioserweise funktioniert im kleinen Rahmen die Integration eher problemlos und gerade da wohnen die Ausländer, die sich für alles und jeden interessieren.

In Berlin sind aber ganze Stadtteile schon de-facto-fremdländisch. Ganze Häuserblöcke werden nur noch an bestimmte Ethnien vermietet. Abgesehen davon, dass dort ohnehin kein Deutscher (nach meiner oben genannten Definition) mehr wohnen möchte, würde er auch dort keine Wohnung mehr bekommen. Es sind Ghettos entstanden mit erheblich höherer Kriminalitätsrate als andere Bezirke. Dort haben Türkengangs längst das Sagen, teilweise traut sich nicht einmal mehr die Polizei einzuschreiten. In Parks finden nachts Hundekämpfe statt, nicht mal 100 Meter von einer Polizeidienststelle entfernt. Und wehe Du wirst mal überfallen und rufst die Polizei. Ja, die kommt sogar, allerdings erst 20 bis 30 Minuten später und dann mit Blaulicht und Sirene, damit ja kein böser Bube mehr zugegen ist. Du gehst in einen Dönerladen und schon wird es ruhig drin. Du fragst Dich, ob Du hier lebend raus kommst oder zu Döner verarbeitet wirst. Wenn Du nachts angepöbelt wirst, bist Du entweder gut bewaffnet oder lässt es über Dich ergehen und gehst weiter. Achte aber darauf, dass Du der Flasche, die Dir hinterher geworfen wird, geschickt ausweichst oder gutes Schuhwerk trägst, wenn die Blagen doch Dein Geld wollen. Ohne Hund solltest Du nach Einbruch der Nacht bestimmte Bezirke nicht mehr durchqueren. Das ist Berlin im Jahr 2008. Integration? Erdogan hat Angst wegen "Assimilation"? *lach*

[...] Sicher macht man als Ausländer auch schlechte Erfahrungen.
Wenn es hier in Berlin so weiter geht, dann wird auch der Deutsche irgendwann nicht mehr zurück stecken. Viele aus meinem Bekanntenkreis haben die Schnauze voll davon, Angst zu haben. Leider sieht man es einem Menschen nicht an, "wie er drauf ist". Man will sich aber trotzdem irgendwie präventiv schützen und tut was? Klar: Alles, was nicht "deutsch" aussieht, bedeutet "Gefahr". Ganz schlechte Voraussetzungen, aber so ist nunmal der Mensch. Ich hatte es schonmal geschrieben: Man wird heute von jemandem mit gelber Mütze verprügelt. Eine Woche später von jemandem mit gelber Mütze angepöbelt und bedroht. Eine weitere Woche später bricht jemand mit gelber Mütze bei Dir ein, beraubt Dich und schlägt Dich wieder. In der darauf folgenden Woche triffst Du jemanden mit gelber Mütze. Meinst Du, Du gehst auf den genauso zu, wie auf jemanden mit roter Mütze?


[...] So, jetzt schlag ich mir den Bauch voll!
hmm... feine Tomatensuppe^^
Wünsche wohl zu speisen :)

Gruß,
Photon