Brustkrebs

anfaenger

Gefahrensucher
ID: 65024
L
26 April 2006
1.019
105
Hallo.

Gestern hab ich erfahren, dass die Mutter meiner Freundin Brustkrebs hat. Wobei ich jetzt nicht genau weiß wie das genau läuft, ob es jetzt schon sicher Krebs ist oder erst nur ein Geschwürr/Knoten... Heute wird sie wohl zum ersten Mal operiert um zu gucken ob es gut- oder bösartig ist. Danach kann man wohl mehr sagen können. Bin auf dem Gebiet nicht wirklich informiert, da sowas bislang (und zum Glück) in meinem Leben noch nicht vorkam.
Meine Freundin hat das wohl am Dienstag erfahren und gestern war sie abends bei mir. Sie nimmt das verständlicherweise sehr mit und sie war auch völlig fertig gestern. Ich konnte nicht viel machen, ausser ihr zuzuhören, Mut zuzusprechen und meine Schulter zum anlehen anzubieten. Irgendwie fühlt man sich da ziemlich hilflos. Würde gern irgendwas was machen um das ganze "zu verbessern" oder zu helfen, aber ich weiß nicht wie.
Ich kenne ihre Mutter noch nicht wirklich. Ich bin seit ca. nem Monat mit meiner Freundin zusammen und habe ihre Mutter erst einmal gesehen und da haben wir auch nur kurz miteinander geredet als ich mich vorgestellt habe.
Meine Freundin muss jetzt arbeiten und ihre Mutter wurde von einer Nachbarin ins Krankenhaus gefahren (ca. 35km). Eigentlich wollte das meine Freundin machen, Urlaub wäre kein Thema gewesen, aber ihre Mutter wollte das nicht.
Genau wie Eltern am liebsten nix von solchen Schlimmen Sachen ihren Kindern, mittlerweile erwachsene 21, erzählen möchten. Wozu? Um sie nicht zu beunruhigen, um sie vor den unschönen Dingen im Leben fern zu halten? Das funktioniert eh nicht und macht alles nur schlimmer. Klar ist man traurig und es fließen mit Sicherheit auch tränen, aber verheimlichen kann man es eh nicht.
Die OP wird wohl ambulant gemacht und heute Nachmittag/Abend kann sie schon wieder nach Hause. Hoffentlich verläuft alles gut...
Eine sehr unschöne Situation für meine Freundin und ihre Eltern und auch ich weiß nicht so recht was ich machen soll. Aber es hat schon mal etwas geholfen das hier aufzuschreiben.

Gruß
anfaenger
 
Das schlimme scheinst Du ja gar nicht zu wissen...
Brustkrebs ist zwar nicht vererbbar, aber hat es die Mutter, ist die Wahrsacheinlichkeit recht hoch, dass die Tochter/Töchter auch dran erkranken...

gruss kelle!
 
Naja, aber Brustkrebs tritt sowieso schon recht häufig auf. "Sie betrifft jede 8. bis 10. Frau im Laufe ihres Lebens." (Wiki)
Und es heißt ja auch nicht, dass die Freundin kein Brustkrebs bekommen kann, nur weil die Mutter keinen hatte.
Aber die Heilungschancen sind ja auch nicht die schlechtesten.

mfg
 
@anfaenger

Erstmal möchte ich der Mutter deiner Freundin, die besten Genesungswünsche und viel Kraft für die kommende Zeit, übermitteln.

Ich selbst kämpfe seit Januar gegen Gebärmutterhalskrebs. Da auf meiner Station im Krankenhaus alle Frauenkrebsarten zusammen liegen, kann ich dir aus erster Hand berichten wie das ganze abläuft.

Zuerst werden Lymphknoten entfernt und analysiert. Sollte die Krebsstelle noch nicht allzu groß sein, wird sie gleich mit entfernt. Das sind nur 2 kleine Schnitte unter dem Arm und unter der Brust. Wenn man weiß, obs bösartig ist, wird zuerst eine Chemotherapie empfohlen. Das ist nicht bei allen Frauen der Fall. Manche gehen heim, ohne weitere Behandlung. Natürlich müssen sie noch mindestens 5 Jahre regelmäßig zur Kontrolle gehn.
Hat der Krebs aber schon gestreut, muß sie Chemo-und Strahlentherapie machen. Das verläuft parallel.
Meist sind es zwischen 30 und 40 Bestrahlungen und mehrere Wochen Chemo (1x die Woche für ein paar Stunden ins Krankenhaus gehn, an den Chemotropf). Ist der Krebs dadurch kleiner geworden, dass sieht man meist 7 Wochen nach der Therapie, wird er raus operiert. Er kann aber auch ganz verschwunden sein (wie bei mir).

Diese Prozeduren können in mehreren Staffeln ablaufen.

Über die Nebenwirkungen erzähle ich dir mal nichts, weil die sich bei jedem Patienten anders darstellen. Es gibt aber Broschüren, aus denen man lesen kann, welche Nebenwirkungen, bei welchem Chemo-Mittel auf jeden Fall auftreten.

Was aber für dich und die anderen Leute in ihrer Umgebung wichtig ist....

Macht sie bitte nicht verrückt. Redet niemals über das: Was wäre wenn es schiefgeht? Macht bloß keine Kurzschlusshandlungen.

Ich habe damals z.B. mein Testament geschrieben und mein ganzes Hab und Gut schon mal mündlich verteilt. Bin die ganze Verwandtschaft noch einmal besuchen gefahren und habe mich in meinem Forum von meinen Online-Freunden offiziell verabschiedet.

Ist alles Quatsch...so schnell stirbt man nicht.

Wichtig ist jetzt, dass der Alltag so verläuft, wie immer.

Ein Krebspatient redet sich ein, man würde es auf seiner Stirn geschrieben sehen.

Wenn ich es nochmal zu tun hätte, würde ich nicht jedem gleich zu Anfang sagen, dass ich Krebs habe. Die Leute reagieren dann sowas von betroffen, dass sie erstmal schweigen und sich sogar zurück ziehen.

Dies war für mich die schlimmste Erfahrung.

Sollte es der Mutter wirklich schlecht gehen...und das kommt leider unvermeidlich mit den Therapien...nimmt ihr die Arbeit ab und lasst sie einfach nur ausruhen. Der Kraftverlust ist sehr enorm, in dieser Zeit.

Das Thema Krebs darf niemals zum Mittelpunkt des Lebens der Familie werden. Wenn die Mutter von sich aus nicht so oft darüber sprechen möchte, lasst es.

Ich habe eine 14jährige Tochter, mit der ich alleine lebe. Sie weiß kaum was von dem, was ich gerade durchmache. Zumindest keine Details. Wozu soll ich sie damit belasten? Sie kriegt nur mit, dass ich mal ganze Tage im Bett liege, oder mich übergebe. Auf meinen Wunsch hin, hat sie mich noch nie im Krankenhaus besucht.

Ihr seid ja alle schon erwachsen, da ist das etwas anderes. Aber gerade Erwachsene haben mich verrückt gemacht, mit ihren ewigen Hilfeangeboten und guten Ratschlägen. Man fühlt sich da fast entmündigt.

Ich habe mich mit meinen Erwachsenen arangiert. Wir reden über das Thema nur noch, wenn ich damit anfange. Sie kommen mir nur helfen, wenn ich einen konkreten Wunsch habe (z.B. Fensterputzen, Einkaufen). Sie begleiten mich bei Veranstaltungen, wenn ich sie darum bitte. Sollte ich mal nicht jede Woche einmal anrufen und meinen Gesundheitszustand durchgeben, nehmen sie es, ohne zu hinterfragen, hin.

Ansonsten bleibt alles beim Alten, da lege ich großen Wert drauf.

Gruß
CashButterfly