News Erdogan und Anpassung (Türkische Schulen, Warnung vor zu starker Anpassung)

Es ist ja auch unbestritten, dass viele Jahre nahezu alles falsch gelaufen ist in Bezug auf Integration. Aber seit schätzungsweise 2 Jahren, wird dieses Thema endlich öfter aufgegriffen und als wichtig erachtet.
Die Politik bemüht sich, etwas für die Zukunft zu tun, dass es mal besser läuft. Und nun sollten die Eingewanderten auch ihren Teil dazu beitragen.

Es stimmt, dass Integration seit einigen Jahren eine sehr viel wichtigere Thematik ist, als je zuvor. Doch gerade deshalb lässt sich das "Problem" nicht von jetzt auf gleich lösen. Die Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung ist definitiv verständlich, ebenso die wachsende Ungeduld, mit der sie Immigranten mit Sprachdefiziten und mangelndem Integrationswillen gegenübertritt.

Dabei wird oft nicht bedacht, dass im Laufe von 50 Jahren entstandene Versäumnisse, nicht in 3-4 Jahren aufgeholt werden können. Man beschwert sich z.b. über den türkischen Gemüsehändler, der seit 10 Jahren seiner Arbeit in Deutschland nachgeht, ohne ausreichend Deutsch zu beherrschen, weil es einfach nie als nötig angesehen wurde. Plötzlich verlangt man von ihm nicht nur ausreichende Sprachkenntnise, sondern auch (zumindest grobes) Wissen über Geschichte und Entwicklung der BRD.

Ab einem bestimmten Alter ist es aber leider nicht so einfach eine Sprache zu erlernen, oder es greift die altersbedingte Sturheit und Ignoranz. Für viele Menschen ist es auch lediglich nicht mehr nötig, da sie z.b. einen überwiegend heimischen Bekanntenkreis und/oder Kinder und Enkel mit den erforderlichen Sprachkenntnissen haben, sodass diese sich um wichtige Angelegenheiten kümmern können.

Soll heißen: Seitdem Integration eine so wichtige Rolle in der Politik eingenommen hat und Thema in (fast) jeder Nachrichtensendung ist, erwartet man, dass Immigranten sich *schwupps* integrieren.
Ich sage nicht , dass die deutsche Sprache für Bürger der BRD unwichtig ist.
Ich bin, ganz im Gegenteil, überzeugt davon, dass man als Einwohner Deutschlands sowohl der deutschen Sprache möglichst weitgehend mächtig sein sollte, als auch Kenntnisse über Geschichte, Kultur und Entwicklung besitzen sollte.
Doch wird das eben nicht in wenigen Jahren geschehen, wenn man die Problematik ein halbes Jahrhundert lang vernachlässigt hat.

Es braucht einen Ansatz und Zeit, damit sich die "Medizin im Körper verbreiten und wirken kann".
 
Na ganz zauberhaft. Wir bilden die Welt aus, damit sie ihr Wissen in anderen Ländern versilbern können. Wird zwar für den deutschen Steuerzahler etwas teurer, aber hey - wir haben's doch :LOL:

Einfach Lösung: Wenn Erdogan türkische Schulen WILL, soll er sie BEZAHLEN :p

Im übrigen führt Bildung im allgemeinen dazu, das technisch hochwertige Geräte benötigt und gekauft werden, die Deutschland produziert. Und - falls du es vergessen hast - Deutschland ist reich. (nicht zuletzt der Grund, warum so viele Leute hier leben wollen.

@cocaboy: siehe oben: Jeder, der zahlt, kriegt Bildung in der Landessprache :ugly:

dabei fällt mir grade ein, das laut Pisa unser aktuelles Bildungssystem nicht grade zum Export taugt - nicht zuletzt WEGEN der Emigrantenkinder. Da wäre ein neuer Ansatz doch mal wirklich nicht schlecht. Und zwangsweise Nachhilfe? Ich glaube nicht, dass sie Sinn macht und von Erfolg beschieden wäre.
 


Da stimm ich dir zu. Es kann nicht von heute auf morgen gehen, aber man möchte doch wenigsten Fortschritte und Bemühungen wenigstens im Ansatz sehen.
Die wichtigstens Methoden zur Integration sollten auch in erster Linie auf neu Einwandernde und schon junge hier lebende abzielen.
Die Problematik mit dem Alter ist ja bekannt und lässt sich auch mit dem technischen Unverständnis der älteren Bevölkerung vergleichen. Eben nach dem Motto "Heut bin ich 70 Jahre alt und brauchte nie ein Handy oder Laptop, warum sollte ich es jetzt noch brauchen?" So ist es auch mit denen, die hier schon lange Zeit leben und etwas betagter sind. Da wird es dann zunehmend schwerer mit der Sprache und auch mit der Einsicht vielleicht "weil es bisher ja auch ganz gut geklappt mit der sprachlichen Verständigung über Bekannte o.ä"...

edit: @ Darkkurt: Wenn ich Ausländerin wäre und die Möglichkeit hätte wohin auszuwandern, würde ich mit Sicherheit nicht Deutschland wählen, allein aufgrund des derzeit noch nicht so tollen Arbeitsmarktes und des sozialen Auffangnetzes. Da gibt es mit Sicherheit Länder, die in solchen Gesichtspunkten wesentlich mehr zu bieten haben.
 
Mir pers. drängt sich eher die Vermutung auf, dass der gute Herr Erdogan mit seinem doch recht provokanten Auftritt in der BRD ganz andere Ziele verfolgt.

Erdogan ist als ein "Aufweicher" der in der türkischen Verfassung festgeschrieben Trennung von Religion und Staat (Laizismus - eingeführt durch Kemal Atatürk) bekannt. Durch seine jetzigen öffentlichen Auftritte und seiner "provokanten Äußerungen" versucht er Nichts weiter, als die in D lebenden Türken bzw. "Deutschtürken" politisch auf seine Linie zu bringen, - wenn ich mich nicht ganz arg täusche, wurde den im Ausland lebenden Türken mittlerweile auch ein Briefwahlrecht eingeräumt.... ;)

Zum Thema Schulen:

Ich finde es schon ziemlich erschreckend, wenn ich sehe, dass in D geborene Türken im Alter von 22-30 Jahren (... natürlich ohne Schulabschluß) von Ihren "Fallberatern" der Agentur f. Arbeit reihenweise in irgendwelche Kurse "Deutsch als Fremdsprache für Ausländer mit Migrationshintergrund" geschickt werden, um sie fit für den deutschen Arbeitsmarkt zu machen.........es sind Fälle dabei, bei denen im Vorfeld eine sog. "Alphabetisierung" stattfinden muß, da die Leute weder lesen noch schreiben können, und das nach 9-jähriger Schulpflicht in Deutschland. Mein pers. Spitzenreiter ist z.Zt. ein 28-jähriger
Deutsch-Türke, der vom "Amt" seinen 4. (!) Deutsch-Anfängerkurs verpasst bekommen hat. So ein Kurs läuft im Durchschnitt über 640 Unterrichtseinheiten (45 Min.) , das Amt zahlt für den "Deliquenten" ca. 800 € / Monat ..und das pro Kurs. Und glaubt bitte nicht, dass der junge Mann auch nur ein Fünkchen Interesse an einer aktiven Mitarbeit hat.... :evil:
Hinter solchen Maßnahmen steckt sicherlich einzig die Absicht, die Leute aus
den Arbeitslosenstatistiken herauszuhalten, somit können jeden Monat auf's Neue "Superzahlen" über die Medien verbreitet werden...

Zitat jenes Menschen: " Wosu Bewerbertränig ??? Isch Nix mus Arbeit, krisch Geld von Amt, Fraau bekomme Kindd 3... hofetlichh Dschunge, - Alda....."


...schade eigentlich, dass ich tagtäglich damit zu tun habe, - das verfärbt meine rosarote Brille in Bezug auf Integration etc. doch erheblich in einen leichten Braunton.... allerdings muß ich dazu sagen, dass ich auch mit sehr vielen "Emigranten" sehr gute Erfahrungen gemacht habe, - egal welcher Herkunft ;)
 
Ist es nicht besser, einen hier gebildeten Türken zu "produzieren" (blödes Wort in dem Zusammenhang), der es in der Türkei zu was bringen kann, als einen halben Analphabeten, der weder hier noch in der Türkei zu mehr taugt als zum Eckensteher oder potentieller Gewalttäter?
Gut, die Frage der "Parallelgesellschaft löst diese Möglichkeit sicherlich nicht, aber ein Mensch mit Perspektive bringt uns auf jeden Fall weiter!

Entschuldigung, wenn wir hier über Schulbildung sprechen, dann reden wir von Kindern und Jugendlichen und wir können davon ausgehen, daß 80 % davon hier geboren sind. Ergo Deutsch. Fakt.

Und eine Schulpflicht haben wir hier. Das verpflichtet auch die Schüler zu lernen. Jedes Kind weiß, das Wissen der Grundstein des Leben ist. Um eine Lehre zu erhalten, um einen Beruf auszuüben, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Und da ist doch der Haken. Die Kinder müssen sich bewußt werden, dass das Lernen mit eine der wichtigsten Sachen überhaupt im Leben ist und da geht es wieder los mit Vorbildfunktion der Eltern bzw. dass die Eltern für ihre Kindern die zu hunderten zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, damit sie Deutsch noch vor der Schule lernen können. Auch wenn sie in kein Kindergarten gehen, auch wenn die Eltern kein Deutsch sprechen.

Da wir hier in Deutschland leben, haben die Kinder Deutsch zu sprechen. Jeder weiß, dass es gerade für Kinder ein Leichtes ist, multilingual aufzuwachsen. Wo ist also das Problem? Das NICHTWOLLEN.
 
Naja, - ich habe jetzt spontan eine Schülerin aus dem letzten Jahr vor Augen:

Mit 16 nach türkischer Tradition mit einem ihr vorher nicht bekannten Mann verheiratet worden, nach D gekommen, 2 Kinder bekommen - das war's dann eigentlich. Im Kurs verhielt sie sich eher schüchtern, trug natürlich das obligatorische Kopftuch. Als Schülerin arbeitete sie eigentlich gut mit, taute langsam auf, wurde mit der Zeit sogar lernfreudig. Das passte natürlich Ihrem Ehemann nicht, wodurch es des öfteren zu Fehlzeiten kam. Sie schaffte es allerdings durch Fleiß den verpassten Stoff nachzuholen, und man merkte ihr irgendwie eine innerliche Befreiung an. Dann kam es halt während des Sprachkurses zu der "Bewerbungsarie" (mindestens eine Bewerbung wird durch den Auftraggeber, - die Agentur f. Arbeit, verlangt). Mädel wollte gerne eine Ausbildungsstelle zur Verkäuferin haben, also Bewerbug basteln, Alles schön machen... aber Bewerbugsfoto mit Kopftuch geht leider nicht...., ein Verzicht auf das Tuch zum Fototermin mit unserem Fotografen wurde ihr durch ihren Ehemann unter Androhung von Gewalt verboten.... :(
 
Jedes Kind weiß, das Wissen der Grundstein des Leben ist. Um eine Lehre zu erhalten, um einen Beruf auszuüben, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Mit diesem Bewußtsein bin ich tagtäglich in die Schule gegangen. :mrgreen:

Also ich bitte dich, es geht hier immer noch um Kinder/Jugendliche und Schule. Das das nicht immer die "dicksten Freunde" sind bzw. waren, ist doch klar.
 
Also ich bitte dich, es geht hier immer noch um Kinder/Jugendliche und Schule. Das das nicht immer die "dicksten Freunde" sind bzw. waren, ist doch klar.

Ja, das stimmt, aber die Eltern, und wahrscheinlich auch deine, wollten dir diese Freundschaft doch näher bringen, oder?;)
 
Auf der einen Seite muss erlaubt sein, von Immigranten zu fordern, sich aktiv in Deutschland zu integrieren, d.h. vor allem, alles daran zu setzen, die deutsche Sprache zu erlernen. Und dass Erdogan seinen EU-Ambitionen einen Bärendienst erweist, wenn er türkischstämmige EU-Bürger zur Türkeitreue aufruft, ist auch klar.

Wenn ich allerdings sehe, dass in zahlreichen Städten Moscheebau als schleichende Untergrabung unserer Gesellschaft diffamiert wird, kann ich auch türkischstämmige Menschen verstehen, die sich unerwünscht fühlen. Deutschland ist ein Einwanderungsland und alle - Deutsche und Immigranten - haben sich an unsere Grundwerte zu halten: Religions- und auch sonstige Freiheit auf der einen, und klare Trennung von Gesetz und Religion, Gleichheit von Männern und Frauen, Freiheit der Kunst und Medien uvm. Wir sind zuwenig stolz auf diese Rechte und verteidigen sie nicht vehement genug.
 
Aber was nutzen Ali denn 15 Punkte in Biologie auf Türkisch in Deutschland???8O

Schule hat ja nicht nur die Aufgabe, wissenschaftliche Fakten zu vermitteln.
Es geht ja auch darum, lernen zu lernen, den Wert des Reichtums Wissen zu begreifen, Spaß am Lernen zu entwickeln...

Und das geht nun mal unabhängig von der Sprache.

Weiterhin ist ein Abiturient für eine Gesellschaft eine größere Bereicherung als ein Schulabbrecher mit Zeugnis der achten Klasse.
Auch unabhängig davon, welche Sprache er spricht.

Also der einzige Testballon, den ich mir vorstellen könnte, wäre, dass die Lehrerin entscheidet, wer Deutschnachhilfe braucht und wer nicht.

Okay, Du glaubst also, indem Du bestimmten Kinder zusätzlich Freizeit raubst, lernen sie motivierter und zielstrebiger?

Respekt.

Kleiner Tip:
Genau das funktionierte schon in den letzten 50 Jahren nicht.

gruss kelle!
 
Okay, Du glaubst also, indem Du bestimmten Kinder zusätzlich Freizeit raubst, lernen sie motivierter und zielstrebiger?
Nein, denke ich nicht. Aber der Staat und die Schule sind auch nicht dafür da, das Kind einmal vollständig umzupolen und die elterliche Erziehung zu revidieren.

Und selbst wenn sich der Staat diesbezüglich in die Verantwortung nehmen würde, wie sollte das gehen? Das Elternhaus hat auf dieser Schiene komplett versagt. Um das auszuradieren, müsste man die Kinder ins Heim stecken. Abgesehen davon, dass ich von solchen Methoden absolut gar nichts halte: Wer soll denn das bezahlen?

Kleiner Tip:
Genau das funktionierte schon in den letzten 50 Jahren nicht.
Naja, es hat so vieles nicht in den letzten 50 Jahren funktioniert. Weißt Du, ich denke nicht, dass ich damit den Stein des Weisen gefunden habe. Aber ich denke, dass das eine Möglichkeit ist, die am nächsten an der Realität ist. Sonst müsste man hier in der Grundschule die Klasse separieren (denn mit Dolmetschern funktioniert es nunmal nicht!).

Wir haben in Deutschland Türken, Araber, Italiener, Griechen, Polen, Russen, Jugoslawen, Rumänen, Vietnamesen. Mit Sicherheit auch noch viele Kinder aus anderen Ethnien, die beispielsweise aus Afrika kommen. Ich sehe keinen Grund, warum die Türken bevorzugt behandelt werden sollten, also müsste man Gleichheit für alle schaffen. Soll bedeuten, dass in den ersten Schuljahren (sagen wir 1 oder 2 Jahren) die Kinder vorrangig in der Muttersprache und nach und nach in deutsch unterrichtet werden, sodass sie spätestens in der 3. oder 4. Klasse ausschließlich in deutsch lernen können.

Und wie bitte soll das auch nur im Ansatz funktionieren?

Gruß,
Photon
 
Naja, es hat so vieles nicht in den letzten 50 Jahren funktioniert. Weißt Du, ich denke nicht, dass ich damit den Stein des Weisen gefunden habe. Aber ich denke, dass das eine Möglichkeit ist, die am nächsten an der Realität ist. Sonst müsste man hier in der Grundschule die Klasse separieren (denn mit Dolmetschern funktioniert es nunmal nicht!).

Wir haben in Deutschland Türken, Araber, Italiener, Griechen, Polen, Russen, Jugoslawen, Rumänen, Vietnamesen. Mit Sicherheit auch noch viele Kinder aus anderen Ethnien, die beispielsweise aus Afrika kommen. Ich sehe keinen Grund, warum die Türken bevorzugt behandelt werden sollten, also müsste man Gleichheit für alle schaffen. Soll bedeuten, dass in den ersten Schuljahren (sagen wir 1 oder 2 Jahren) die Kinder vorrangig in der Muttersprache und nach und nach in deutsch unterrichtet werden, sodass sie spätestens in der 3. oder 4. Klasse ausschließlich in deutsch lernen können.

Und wie bitte soll das auch nur im Ansatz funktionieren?

Gruß,
Photon

Ich habe, als Auswandererkind, die Grundschule in den Niederlanden besucht (ab der 2. Klasse). Dort nimmt man ab den ersten Tag ganz normal am Unterricht teil und versucht halt irgendwie etwas mitzubekommen bzw. sich irgendwie zu beteiligen - Rechenaufgaben usw. kann man dann ja schon machen. Dazu muss man nicht unbedingt NL sprechen. Zwei Unterrichtsstunden am Tag wird man dann von der Klasse separiert und in der Muttersprache unterrichtet. In dieser Zeit lernt man 1. Niederländisch und 2. bearbeitet man dort den Stoff, den man tagsüber schon hatte, nochmal in der Muttersprache, damit man nicht bei den anderen zurückbleibt. 1x die Woche gibt es dann zusätzlich noch Religionsunterricht für Muslime usw. in getrennten Klassen, während die anderen z.B. katholischen Religionsunterricht haben.

Das ist sehr anstrengend, gebe ich zu, aber nach 4. Monaten sprach ich sehr gut Niederländisch und war in der Lage mich aktiv am niederländischen Unterricht zu beteiligen. Nach 2 Jahren habe ich den Unterricht in der Muttersprache drangegeben, weil es sich für mich gar nicht mehr gelohnt hat bzw. es irgendwie auch überflüssig war, da wir daheim eh nur noch NL gesprochen haben.

Allerdings muss ich noch dazu sagen, dass es in den Niederlanden Kindergartenpflicht gibt (2 Jahre) und Kinder bereits mit 4 eingeschult werden. Wenn man man in die erste Klasse kommt, sollte man Niederländisch sprechen können und niederländische Kinder müssen sogar die ersten Schreib- und Lese-Ansätze beherrschen (Name schreiben, das 1 x 1 und mehr so Kleinigkeiten). In der zweiten Klasse bekommen alle Kinder (egal ob NL oder von sonstwoher) schon Englisch als Fremdsprache auf den Unterrichtsplan. In der sechsten Klasse sogar 2 Fremdsprachen: entweder Englisch und Französisch oder Englisch und Deutsch.

Außerdem finde ich es wichtig, und sehr vorteilhaft, dass es in den Niederlanden nur Ganztagsschulen gibt, weil man dadurch viel mehr Möglichkeiten hat, sich intensiv mit den Lerninhalten auseinander zu setzen. Ich musste weder Nachilfeunterricht nehmen oder abends 3x soviel Hausaufgaben machen - etwas, was hier immer als Begründung gegen Ganztagsschulen genannt wird.

Ich finde reine fremdsprachige Schulen persönlich auch überflüssig, da ich aus eigener Erfahrung weiß, dass man Einwandererkinder zweisprachig untrrichten kann und trotzdem die Kinder nicht assimiliert, sondern sie sogar bei der Integration hilft, ohne sie zu zwingen, etwas von sich selbst/der eigenen Kultur aufzugeben.
 
[...] bzw. es irgendwie auch überflüssig war, da wir daheim eh nur noch NL gesprochen haben.
Das trifft allerdings auf viele der Problemfälle in Deutschland nicht zu. Die sprechen zuhause kein deutsch. Was nun?

[...] Außerdem finde ich es wichtig, und sehr vorteilhaft, dass es in den Niederlanden nur Ganztagsschulen gibt, weil man dadurch viel mehr Möglichkeiten hat, sich intensiv mit den Lerninhalten auseinander zu setzen.[...]
Ebenfalls richtig. Aber da stehen wir wieder vor dem alten Problem der Finanzierbarkeit. Damit auch vor dem Problem der Realisierung.

[...] Zwei Unterrichtsstunden am Tag wird man dann von der Klasse separiert und in der Muttersprache unterrichtet. [...]
Nun weiß ich allerdings nicht, aus welchen Ethnien die Niederlanden bestehen. Wir haben hier aber so ziemlich alles im Land, mit unterschiedlichen Wichtungen je nach Bezirk, Stadt und Bundesland. Wie sollte man das denn machen? An jede Schule 50 Dolmetscher? Unrealisierbar. Also die Kinder konzentrieren? In dem Fall entstehen wieder Ghettos und vn Integration ist wieder weit und breit keine Spur.

Oder wir richten es so ein, dass nur die 3 größten Fremdethnien hier Nachhilfe in der Muttersprache bekommen. Empfände ich als ungerecht denen gegenüber, die nunmal nicht so häufig in unserem Land sind.

Also was nun?

Gruß,
Photon
 
Aber da stehen wir wieder vor dem alten Problem der Finanzierbarkeit. Damit auch vor dem Problem der Realisierung.
In den Niederlanden klappt es doch auch seit Jahrzehnten, warum also nicht auch hier?

Nun weiß ich allerdings nicht, aus welchen Ethnien die Niederlanden bestehen. Wir haben hier aber so ziemlich alles im Land, mit unterschiedlichen Wichtungen je nach Bezirk, Stadt und Bundesland. Wie sollte man das denn machen? An jede Schule 50 Dolmetscher? Unrealisierbar. Also die Kinder konzentrieren? In dem Fall entstehen wieder Ghettos und vn Integration ist wieder weit und breit keine Spur.

In den Niederlanden findet man nebst den üblichen Ethnien, wie es sie hier auch gibt, noch die Ethnien die aus den ehemaligen Kolonien kommen und daher entweder einer indonischen Sprachgruppe, Sranan Tongo (Surinam) oder Papiamentu (Aruba, Bonaire, Curacao) beherrschen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Gruppe aus der Türkei wesentlich kleiner ist, dafür aber der Anteil Marrokaner wesentlich größer (91% aller Ausländer in den NL sind Marrokaner) ist. Da diese aber nebst arbabisch, auch fast alle Französisch beherrschen, ist da die sprachliche Intergration sogar am einfachsten, da man denen in 2 Sprachen das NL beibringen kann.

50 Dolmetscher gibt es nicht an jeder Schule. Das wäre Unsinn. Es gibt aber Lehrer, die 4-5 Sprachen beherrschen und so mehrere Kinder aus div. Ländern zugleich unterrichten bzw. sich die Stunden halt über den Tag verteilen. Ich wurde immer aus der Klasse gerufen, wenn ich dran war. Zusammen mit mir wurden lediglich noch 2 andere Kinder in Tschechisch unterrichtet. Wenn es gar nicht passt mit den Klassen, dann tun sich 2-3 Schulen zusammen und teilen sich Kinder und Lehrer. Bei uns gabs damals z.B. nur 1 Kind aus Surinam in der Klasse und der musste dann zu einer andere Schule gefahren werden, damit er dort in eine Klasse mit 5-6 Kinder unterrichtet werden konnte. Später hat er dann einfach die Schule komplett gewechselt.

Das sind zwar alles Probleme und Schwierigkeiten, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wie bereits oben gesagt: in den NL funktioniert das seit Jahrzehnten (meine Grundschulzeit ist immerhin 30+ Jahre her) und das bis heute.
 
[...] Das sind zwar alles Probleme und Schwierigkeiten, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wie bereits oben gesagt: in den NL funktioniert das seit Jahrzehnten (meine Grundschulzeit ist immerhin 30+ Jahre her) und das bis heute.
Also ich weiß nicht, wie es die Niederlande machen. Aber in anderen Ländern funktioniert halt einiges besser, einiges schlechter, weil vieles auch ganz anders funktioniert.

Fakt ist doch, und ich denke, dass wir uns dahingehend einig sind, dass wir erreichen wollen, dass irgendwann (möglichst schnell) nur noch in deutsch unterrichtet wird. Die Frage ist doch nur noch, wie das erreicht werden soll oder erstmal überhaupt kann.

Wir stehen hier vor dem Problem, dass das Elternhaus sehr häufig versagt. Die Eltern sprechen kein deutsch (entweder weil sie selbst nicht wollen oder es keine Notwendigkeit dafür besteht). Traurig genug. Aber dass sie ihren Kindern keine vernünftige Zukunft bieten wollen, ist eigentlich schon sträflich.

Nun stellt sich die Frage, inwiefern sowas reversibel ist. Soll bedeuten, dass die Kinder nach wie vor im Elternhaus häufig gar kein deutsch sprechen, im Freundeskreis oder der Familie vielleicht auch nicht. Die Muttersprache ist ja auch viel einfacher zu sprechen.

Und ich stelle die Fragen mal bewusst provokativ: Soll jetzt ein Grundschullehrer mindestens eine Fremdsprache nebenher weitestgehend perfekt beherrschen, weil die Eltern der Migratenkinder zu blöde oder zu ignorant sind, ihre Kinder zu erziehen? Oder weil ihnen das Wohl ihrer Brut schlicht am Arsch vorbei geht? Oder weil sie mit Denkstrukturen nach Deutschland gekommen sind, die man hier bestenfalls im Mittelalter zuletzt hatte? Sehe ich nicht ein.

Mal ein anderer Vorschlag, weil ich hier schon mal diesen "Buddy e.V." erwähnt hatte. Warum führt man sowas nicht bundesweit ein? Ist mir lieber, als einen guten Grundschullehrer zu entlassen, nur weil er gerade kein Suaheli spricht.

Gruß,
Photon
 
Nein, denke ich nicht. Aber der Staat und die Schule sind auch nicht dafür da, das Kind einmal vollständig umzupolen und die elterliche Erziehung zu revidieren.

Da bin ich erstmal bei Dir.

Allerdings ist der Staat dafür zuständig und verantwortlich, die Integration von Ausländer jeglicher Art zu unterstützen und zu fördern.
Vor allem wenn man sich jahrelang durch diverse billige Arbeitskräfte für Scheiß-Jobs bereichert hat.

Wer soll denn das bezahlen?

Integration kostet nunmal Geld, da kommt man nicht drumherum.
Abgesehen davon:
Die volkswirtschaftlichen Schäden die durch mangelnde Bildung entstehen, dürften deutlich höher sein, als eine temporäre Belastung.

Wir haben in Deutschland Türken, Araber, Italiener, Griechen, Polen, Russen, Jugoslawen, Rumänen, Vietnamesen. Mit Sicherheit auch noch viele Kinder aus anderen Ethnien, die beispielsweise aus Afrika kommen. Ich sehe keinen Grund, warum die Türken bevorzugt behandelt werden sollten, also müsste man Gleichheit für alle schaffen. ...

Und wie bitte soll das auch nur im Ansatz funktionieren?

Es soll keiner bevorzugt behandelt werden.
Die größten Sprach- und die daraus folgenden Bildungsprobleme gibt es doch vor allen in den Gruppen der Migranten, die in Ghettos leben und aufwachsen.

Ganz einfach weil der alltägliche Zwang fehlt, Deutsch zu sprechen um einzukaufen, zum Arzt zu gehen...
Mein Ex aus Rumänien hatte halt mit sechs Jahren dass Problem, dass sie mit keinem anderen Kind spielen konnte, weil die seltsamerweise alle Deutsch sprachen.
Jetzt ist sie "Übersetzungsmanager für technische Dokumentation".
Meine Lieblingsbedienung in meiner Stammkneipe hatte ein ähnliches Problem, nur mit dem Unterschied, dass hier keiner Polnisch verstand.

Somit ergibt sich nicht die Notwendigkeit für jede Ethnie bzw. jedes Herkunftsland eine entsprechende Lösung zu erdenken, sondern konkret da, und auch nur dort, wo es oben genannte Situation eines Ghettos gibt.

gruss kelle!
 
@Photon: Es gibt sicher genügend Lehrer hier, die die Anforderung der Mehrsprachigkeit erfüllen würden. Sämtliche Dozenten, bis auf eine Ausnahme, an dem weiter oben erwähnten Bildungsinstitut sind ausgebildete Pädagogen mit eigenem Migrationshintergrund und somit für die Vermittlung der deutschen Sprache als Fremdsprache geradezu prädisteniert, da ihnen die Problematik des Erlernens der deutschen Sprache und die damit verbundenen Schwierigkeiten im Vergleich zu anderen Sprachen aus eigener Erfahrung natürlich bekannt sind.
Natürlich sind diese Kräfte entsprechend ihrer Ausbildung absolut "Schuldiensttauglich", doch im Regelfall wird das pädagogische Studium, welches meistens im Heimatland absolviert wurde, von den Kultusministerien der Länder nicht anerkannt, da ein 2. Unterrichtsfach entweder nicht vorhanden, oder halt in D nicht anerkannt ist

Leider ist es, wie Du auch schon erwähnt hast, in D so, dass einfach die finanziellen Mittel im föderalistischen Bildungssystem nicht vorhanden sind. Wir hören doch von den Kultusministern der Länder nach jeder PISA-Studie, dass unbedingt der Lehrkörper an den Schulen aufgestockt werden muß (kleinere Klassen, weniger Unterrichtsausfall, Verjüngung der Struktur etc.), bislang wurde allerdings eher gegenteilig gehandelt.... :(

@(Bier)Kelle: Da gebe ich Dir absolut Recht: Diese sogenannten "Gastarbeiter", die in den 60ern und 70ern nach Deutschland geholt wurden, haben in nicht unerheblichen Maße dazu beigetragen, dass Deutschland zu dem wurde, was es mal war....:mrgreen:
 
Zuletzt bearbeitet:
Wir stehen hier vor dem Problem, dass das Elternhaus sehr häufig versagt. Die Eltern sprechen kein deutsch (entweder weil sie selbst nicht wollen oder es keine Notwendigkeit dafür besteht). Traurig genug. Aber dass sie ihren Kindern keine vernünftige Zukunft bieten wollen, ist eigentlich schon sträflich.

Nun stellt sich die Frage, inwiefern sowas reversibel ist. Soll bedeuten, dass die Kinder nach wie vor im Elternhaus häufig gar kein deutsch sprechen, im Freundeskreis oder der Familie vielleicht auch nicht. Die Muttersprache ist ja auch viel einfacher zu sprechen.

Dieses Problem hat die deutsche Regierung selbst geschaffen, als sie sich die Gastarbeiter ins Land holten. Die Leute sollten gar kein Deutschen lernen, die sollten gefälligst arbeiten und sich von der deutschen Bevölkerung fernhalten. Die ersten Gastarbeiter wurden sogar kaserniert. Erst nach 7 Jahren erlaubte man es Gastarbeitern sich selbständig dort eine Wohnung zu nehmen, wo sie es gerne hätten. Okee, nach 7 Jahren durften sie eine Wohnung selbst aussuchen, sprachen aber kein Deutsch (bis auf die 10 Wort, die sie für ihren Job brauchten) und was macht man dann? Man bleibt unter Seinesgleichen. Das hat also nicht mit "nicht wollen" zu tun. Die ersten Gastarbeiter DURFTEN sich nichtmal integrieren. In den 70-er Jahren hat man dann das Problem erkannt. Toll geschlafen bis da und was nun?

Geändert hat sich seitdem nichts. Erst jetzt versucht man aus alle Macht ein problem zu lösen, was man selbst geschaffen hat. Ein Gastarbeiter, der nur Schraube, Hammer, Lineal, Papier, Kohle, Stein etc. lernen musste, der wird sich heute nichtmehr plagen, eine Sprache zu lernen, die er eh nie lernen sollte, also versucht er sich in der Muttersprache sich den Kindern mitzuteilen. Die versuchen es dann zwar vielleicht erst noch auf Deutsch bei den Eltern/Großeltern, aber da versagt dann schnell die Geduld und schwupp redet man halt in der Muttersprache.

Das Problem aber grundsätzlich unter dem Motto "die Ausländer haben gefälligst Deutsch zu können, aber die Eltern wollen nicht" und damit den Schwarzen Peter bei den Einwanderern zu legen, ist engstirnig und falsch. Immerhin ist man nun schon soweit, dass man einen Sprachkurs belegen muss EHE man hier einwandert. Damit hat sich in 1-2 Jahren das Problem der Muttersprache daheim auch erledigt, da Eltern und Kinder nun gleichermaßen lernen können und sich auch im Heimatland gegenseitig unterstützen können.

Das Versagen liegt beim deutschen Staat, nicht ausschließlich bei den Einwanderern. Als ich nach Deutschland einwanderte (immerhin 18 Jahre her), wurde ich weder gefragt, ob ich Deutsch spreche, lese/schreibe, noch wurde mir gesagt, dass es hier so etwas wie eine Volkshochschule gibt. Ich hatte das Glück bereits fließend Deutsch sprechen zu können, als ich hierher kam. Andere haben das Glück nicht. Trotzdem stehen sie am Einwohnermeldeamt wie doof da und keiner zeigt ihnen den Weg zum Sprachkurs. Das muss man sich selbst raussuchen und wo macht man das? Genau, bei den Landsleuten.

Anders funktioniert es aber in den Niederlanden: dort bekommt jeder Einwanderer bei der Anmeldung beim jeweiligen Einwohnermeldeamt ein gratis Infopaket vom Staat. Eine Art von Willkommensgeschenk. Darin:
- ein Bügelchen mit den wichtigsten Sätzen in der Sprache des Herkunftlandes + Niederländische Übersetzung (phonetisch), damit man sich im Laden z.B. ein Brot kaufen kann.
- ein Heft mit Informationen über die Monarchie, die Regierung und die Geschichte der Nation, sowie die wichtigsten Gesetze.
- Ein Bügelchen mit den wichtigsten Verhaltensweisen und kulturellen Eigenheiten in den Niederlanden.
- Ein Stapel Listen mit Adressen von Sprachkurse für Einwanderer, Arbeitsämter usw. und
- sogar eine Anleitung zum Müllabfuhrsystem in den Niederlanden (da es dort seit 10 Jahren keine Müllabfuhr mehr gibt und es nur Müllsammelpunkte in jedem Stadtviertel gibt) + ein Paket kostenlose Müllbeutel.

Mag sein, dass sich das jetzt befremdlich anhört, aber damit zeigt man (vom Staat aus), dass man willkommen ist, aber dass man selbst etwas tun muss, damit man sich heimisch fühlt. Man bekommt aber den Weg gezeigt, wie man das erreichen kann. Hier interessiert es (leider) niemanden, was man hier will/tut oder was man mitbringt an Wissen, Qualifikationen usw. Man wird stehengelassen. Nach 20 Jahren fällt es dann aber plötzlich jemanden auf, dass man immer noch da steht....