Unnützes Wissen - #Eisenbahnweichen
Erstveröffentlicht am 13.11.16 in Saschas-Fanforum - überarbeitet heute.
Zunächst die Ursprungsfrage: Warum heißen Weichen eigentlich Weichen?
Diese Antwort ist relativ einfach. Der Begriff ist entlehnt aus der Schifffahrt, hier bezeichnet der Begriff Weiche eine Stelle an der Schiffe auf engen Flüssen oder Kanälen einander ausweichen können. Da es auch bei der Bahn anfänglich darum ging, das die Züge einander ausweichen wurde der Begriff einfach übernommen.
Was nun allerdings selbst mich als Eisenbahnfan etwas wunderte war, wie viele verschiedene Bauformen und Arten von Weichen es gibt.
Kurz zur Geschichte, die Entwicklung von Weichen begann schon vor der Entwicklung der Dampflokomotive bei Grubenbahnen im England des späten 18. Jhd. Bei den ersten Entwicklungen mussten die Hunte (Lorenwagen) noch von Tieren oder Menschen in die gewünschte Richtung gezogen werden. Die ersten Weichen mit einstellbarer Fahrtrichtung gab es 1797.
Die heute am meisten verbreitete Bauart, die "Zungenweiche" wurde in Deutschland erstmals 1852 bei der Hannoverschen Staatsbahn verwandt. Freilich wurden die Weichen technisch Weiterentwickelt, die Grundbauform entspricht aber heute noch der von damals.
Diese Zungenweichen waren, abzweigend befahren, meist für 40 oder 60 Km/h zugelassen. Durch Weiterentwicklungen und größere Radien konnte die Abzweiggeschwindigkeit auf bis zu 100 Km/h gesteigert werden. Ab den 1960er Jahren wurden diese Weichen nochmals weiterentwickelt, somit sind sie heute für Abzweiggeschwindigkeiten bis 130 Km/h zugelassen.
Beim Bau der Neubaustrecken waren diese Geschwindigkeiten jedoch zu gering, daher wurden hierfür andere Weichen entwickelt. Diese so genannten Korbbogenweichen dürfen bei gerader Überfahrt mit 280 und im Abzweig mit bis zu 200 Km/h befahren werden. Diese Weichen sind fast ausschließlich auf den Strecken Mannheim-Stuttgart und Hannover-Würzburg zu finden.
Für die neueren Schnellfahrstrecken wurden nochmals andere Weichen konstruiert. Diese nennen sich nun Klothoidenweichen. Bei diesen nimmt der Krümmungsverlauf linear zu während der Radius des Abzweigenden Stranges kontinuierlich sinkt. Zum einen vermindert dies den für die Fahrgäste unangenehmen Ruck beim Gleiswechsel, zum anderen sinkt der Verschleiß. Diese Weichen sind gerade bis 330 und im Abzweig bis 220 Km/h zugelassen. Die mit 169,2 Meter längsten und am schnellsten befahrenen Weichen dieser Bauart findet man im Bahnhof Bitterfeld an der Strecke Halle-Berlin.
Planmäßig mit 200 Km/h befahrene Weichen gibt es in Deutschland seit 1987, zum Beispiel am Abzweig Saalbach (bei Graben-Neudorf, Strecke Mannheim-Stuttgart), hier werden Züge von Mannheim Richtung Karlsruhe-Basel von der Schnellfahrstrecke nach Stuttgart ausgeleitet. Diese Weichen sind circa 154 Meter lang, alleine die Weichenzungen (der verstellbare Teil der Weiche) haben die Länge von 56 Metern und werden mit acht Antriebsmotoren umgestellt. Insgesamt verfügen solche Weichen meist über elf Antriebe.
Die Weltweit längsten (180 Meter) und planmäßig am schnellsten befahrenen (220 Km/h) Weichen finden sich in Spanien auf der Neubaustrecke Madrid-Barcelona-Frankreich, sowie in Frankreich an der Strecke Paris-Montpellier.
Auch der Rekord der am schnellsten befahrenen Weiche geht nach Frankreich an eine Weiche auf der Strecke Paris-Straßburg. Sie wurde im Rahmen einer Testfahrt am 03.April 2007 mit einer Geschwindigkeit von etwa 560 Km/h befahren. Hier einige Bilder dieser eindrucksvollen Fahrt, auf der der aktuell gültige Geschwindigkeitsrekord für Rad-Schiene-Systeme mit 574,79 Km/h erreicht wurde.
https://www.youtube.com/watch?v=EOdATLzRGHc
Weitere Informationen zu der Rekordfahrt der SNCF (Französische Staatsbahn) mit 574,79 Km/h: V150 – Wikipedia